Ausgabe 
10.5.1933 Frühausgabe
 
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Die privaten Besprechungen, die die nächsten Tage aussüllen werden, dienen dem Zweck, nach Möglich­keiten zu suchen, um die ins Stocken geratene Konfe­renz wieder in Gang zu bringen. Während gestern die Lage aufs äußerste gespannt war, hat man den Eindruck, daß die Lage von allen Seiten etwas ruhiger beurteilt wird. Man hat sich bei den maßgebenden Delegationen nun anscheinend auf die Initiative des britischen Vertreters hin entschlos­sen, nach praktischen Lösungen in den Fra­gen, in denen die Meinungen sehr auseinandergin- gen, zu suchen. Es wird sich im Laufe der Sondie­rungen in den nächsten Tagen zeigen, ob der so ost positiv bekundete Verständigungswille der deutschen Delegation von der Gegenseite durch eine entspre­chende Haltung honoriert wird. Von verschiedenen Seiten wird darauf hingewiesen, daß die Erklärun­gen des Reichswchrministers positive Aussich­ten für die weitere Gestaltung der Konferenzarbei­ten eröffnen. Die Manöver der Abrüstungsgegner, die in den letzten Tagen immer stärker darauf aus- gingen, Deutschland Sabotage der Konferenzarbeiten oorzuwerfen, sind, durch diese Erklärungen durch­kreuzt worden.

Die Vorbereitung

-er Weltwirtschastskonferenz.

Macdonalds Abmachungen mit Roosevelt.

London, 9. Mai. (WTB) Premierminister Macdonald erklärte im Unterhause, es sei in Wa­shington volles Einverständnis erzielt worden, daß die Weltwirtschaftskonferenz nicht zu einem vollen Erfolg führen könne, wenn nicht mindestens die schwierige Schuldenfrage vor ihrem Ende ge­löst werde. Man habe niemals den Plan ins Auge gefaßt, die Frage der Kriegsschulden auf der Kon­ferenz selbst zu erörtern. Die Verhandlungen über die Schulden sollten gleichzeitig und parallel zu den Verhandlungen der Weltwirtschaftskonferenz von einer Sondergruvpe von Sachverständigen geführt werden. Der 15. Juni, an dem die nächste Rate des Schuldendienstes an Amerika fällig ist, fei zwar ein ernst zu nehmendes Hindernis, man müsse aber in aller Ruhe alle Möglichkeiten zu seiner Beseitigung prüfen.

Ueber den amerikanischen Vorschlag eines inter­nationalen Zollwaffen still st andes werde aller Voraussicht nach eine rasche Einigung möglich fein. Man habe sich in Washington verständigt, daß dabei die besondere Lage jedes der beiden Länder gebührend berücksichtigt' werden müsse. Die ameri­kanische Regierung sei bereit, noch stärker an der Befriedung Europas teilzunehmen. Sie wolle zu diesem Zweck, falls die Abrüstungskonferenz zu einem befriedigenden Ergebnis gelange, dem K o n- fultatioabkommen beitreten, dessen Ziel die Mehrung der Sicherheit Europas und der kriegs­bedrohten Staaten fei. Die amerikanische Regierung fei geneigt, ihrer Bereitschaftserklärung einen end­gültigen und autorativen Charakter zu verleihen.

Schachts Besprechungen in Washington.

Washington, 9. Mai. (WTB.) Reichsbank- präsident Dr. Schacht setzte seine Besprechungen über allgemeine politische Fragen mit Roose­velt fort. Heber technische Einzelheiten der Wel- wirtschaftskonfereirz verhandelte er außerdem mit Außenminister Hüll. Die bisherigen Erörterun­gen ergaben Tlebereinstimmung aller grundsätzlichen Anschauungen in den Fragen der allgemeinen Herabsetzung der Rüstungsausgaben sowie des Abbaues der Handels hemm nisse im internationa­len Wirtschaftsverkehr. Cs wurden auch Fragen wie der Zusammenhang zwischen kurzfristigen Auslandsschulden mit den Problemen der Aus­fuhrsteigerung und der Fragenkomplex der Ein­fuhrkontingente erörtert. Beschlüsse wurden jedoch nicht herbeigeführt. Dr. Schacht und Dr. Luther hatten auf der deutschen Botschaft eine längere Besprechung mit Senator Borah.

Beratungen über Zinssenkung.

Berlin, 9. Mai. (CNB.) Wie die Nationalsozia­listische Parteikorrespondenz erfährt, fand heute unter dem Vorsitz des Reichskommissars für die

Gießener Gtadttheater.

August von Kotzebue:

Die deutschen Kleinstädter."

Von den rund 200 Theaterstücken, die der flei­ßige Kotzebue, nach seinem unseligen Ende im Jahre 1819, der staunenden Mitwelt hinterließ, sind heute kaum drei oder vier noch dem Aamen nach bekannt; das ist etwas mager. Immerhin darf man sich dessen erinnern, was Goethe 1810 über ihn gesagt hat:Ich bin keineswegs unge­recht gegen sein ausgezeichnetes Talent für alles, was Technik betrifft. Rach Verlauf von hundert Jahren wird sich's schon zeigen, daß mit Kotze­bue wirklich eine Form geboren wurde. Schade nur, daß durchaus Charakter und Gehalt man­gelt. Die Verderbtheit der höheren Stände ist das Element, worin Kotzebue sich selbst übertrifft."

Das Jahrhundert ist längst vorübergerauscht. Von den vierundvierzig Bänden seinerSämt­lichen dramatischen Werke" haben sich alleinDie deutschen Kleinstädter" bis heute auf dem deut­schen Theater behauptet. Unb wir, inmitten einer Don Sorgen zermürbten, von Hoffnungen beflü­gelten Zeit, schauen völlig betroffen und fast ge­rührt in dieses Biedermeier-Idyll, dessen Ereig­nisse und Gestalten uns bis zur märchenhaften Anwirklichkeit entrückt scheinen.

Ans trennt ein ähnlicher Abstand von den Zeit­genossen dieses Schriftstellers, der zu den aller- sruchtbarsten in der Literaturgeschichte gehört, wie er zwischen seinem noch heute lebendigen Werk und demRevisor" von Gogol sich auftut, an den man sich motivisch des öfteren erinnert fühlt. Aber Satire und Persiflage in Kotzebues Stück sind längst anachronistisch und gegenstandslos gewor­den; was übrig blieb und uns noch heute zum Lachen zwingt, ist ein geschickt eingefädelter und in seiner Raivität grotesker Kostümulk von völ­lig unbeschwerter und harmloser Heiterkeit.

Die butzenschcibige Krähwinkelei in dieser klei­nen Stadt wird mit einer so großartigen Unbe­kümmertheit vor uns entfaltet, daß wir dabei siyen wie die Kinder im Weihnachtsmärchen. Die Komik des Stückes beruht für uns nicht in der Treffsicherheit seiner Sentenzen und in der sa­tirischen Schärfe seiner moralischen Wirkung, son­dern in dem Umstande, daß die handelnden Per­sonen einem Marionettentheater oder einer Kari­katurensammlung zu entstammen scheinen, obwohl sie so tun, als ob sie unsersgleichen wären.

den Hofjw

Oie Wahrheit marschiert."

des Auslands.

Ein französischer Deputierter über seinen Aufenthalt in Deutschland.

Paris, 9. Mai. (WTB.) DerM a ti n" ver­öffentlicht einen Artikel des radikalen Abgeord­neten Bastide, der darin die Eindrücke von seinem dreiwöchigen Aufent­halt in Deutschland niederlegt. Der Ab­geordnete erklärt, daß die Lage in Deutschland dem französischen Beobachter keinen Grund zu un­mittelbarer Beunruhigung gebe. Man befinde sich einer Tatsache gegenüber, die abzuleugnen oder zu unterschätzen kindisch wäre, nämlich der allmäh­lichen Aufsaugung von 65 Millionen Menschen von einer Bewegung, deren Richtung durch ihre Eigen­art zwar Vorbehalte wachruse, sich aber in ihrer Große dem Ausländer mit un­verkennbarer Augenscheinlichkeit aufdränge. Das nationale Regime habe alle Aussicht, sich in Deutschland zu halten, weil es prachtvoll einer dreifachen Physiognomie ent­spreche: der militärischen, der romantischen und der proletarischen, also dem Gefühl und den Be­dürfnissen des Volkes. Wer mit dem Sturz dieses Regimes rechne, dem Tod der früheren Parteien nachtrauere und ihre Rückkehr erwarte, derhalte sichmitHirngespin- sten auf. Rach Hitler gebe es nur noch das Chaos. Man könne überdies nicht verkennen, daß diese Erhebung eines Volkes große Seiten zeige. Es sei niemals gut, seine Gegner zu verachten. Wenn die Anhänger Hitlers den Franzosen er­klärten, sie führten die Revolution der nationalen Einigung durch, wie sie die Franzosen in der Vergangenheit selbst durchgeführt hätten, so hätten sie damit nicht ganz unrecht. Das sei nach ihrer Aussage die Hauptbedeutung des 1. Mai und der Kundgebung auf dem Tempelhofer

Feld gewesen. Mit einer Gröhe und einer Disziplin, die ausgesprochen germanisch seien und mit einer Wagnerschen Dekoration habe die­ses große Frühlingsfest in gewissen Punkten an das erinnert, was die Feier des 14. Juli 1789 für Frankreich bedeute.

Der Herausgeber der ZeitungPublic Ledger" in Philadelphia, Charles Morrison, ist nach zehntägigem Aufenthalt in Berlin in Paris einge­troffen. Er erklärte, man müsse zugeben, daß unter dcm nationalen Regime Deutschland reorgani­siert und daß denen, die unter den Nachkriegs-- umständen gelitten hätten, die Hoffnung wieder ge­geben worden fei. Ausländische Besucher brauchten keine Bedenken zu hegen, Deutschland auch in diesem Jahre aufzusuchen. Für die vollkom­mene Sicherheit ausländischer Rei­se n d e r sei gesorgt. Die Kundgebung auf dem Tem­pelhofer Feld am 1. Mai bezeichnete der amerika­nische Zeitungsverleger als eine der wunderbarsten Erscheinungen der modernen Zeit.

Gin ausländischer Hetzer verhaftet.

Berlin, 9. Mai. (WTB ) Amtlich. Am 6. Mai wurde in Warnemünde der sozialdemo­kratische Berichterstatter Olaf Larsen verhaftet, der als Korrespondent norweoischer Zeitungen in Deutschland tätig ist. Larsen hatte in der norwegischen ZeitungNordlys" unter der UeberschriftFurchtbarer Terror aus der Nähe gesehen" einen Bericht veröffentlicht, der offensichtlich entstellte böswillige Nachrichten über d i e Zustände in Deutschland enthielt. Außerdem kündigte Larsen eine Artikelreihe gleicher hetzender Tendeyz an. Hier­durch beabsichtigte Larsen, der Mitglied der Sozial­demokratischen Partei ist und nach seiner Schreib­weise offensichtlich kommunistische Neigungen hat, der Greuelhetze im Ausland erneut Nahrung zu geben.

Wirtschaft Dr. h. c. Wagener eine Besprechung im Kreise der Vertreter von Banken und Kredit­instituten statt, die dem Ziel einer Zinssenkung dien­ten. Wie die Nationalsozialistische Parteikorrespon­denz weiter mitteilt, ist man bereits zu recht ein­deutigen Feststellungen über die zu treffenden Maß­nahmen gekommen. Die Wirtschaft kann damit rech­nen, daß nochindiesemMonateineZins- senkung in erheblichem Ausmaß ftatt» findet. Die endgültige Entscheidung soll erst nach der Rückkehr des Reichsbankpräsidenten von seiner Amerikareise fallen.

Oer Reichskommiffar für Preisüberwachung zur Entwicklung der Margarinepreise.

Berlin, 9. Mai. (WTB.) Der Reichskom- missar für Preisüberwachung gibt bekannt: Die Entwicklung derKleinhandelspreise für Margarine zeigt vielfach Preissteige­rungen auf, die in den Maßnahmen der Reichs-» tcgicrung zum Schutze der heimischen Fettver-< sorgung nicht begründet sind. Es wäre mit der Fettversorgungspolitik der Reichsregic- rung völlig unvereinbar, wenn die jetzige, plan­mäßige ilmlagerung des deutschen Fettkonsums dazu benutzt werden sollte, die bisher im Fett­geschäft üblichen Handelsspannen, etwa aus Gründen der zeitweiligen Amfahschrumpfung, zu erhöhen. Auch hier geht, wie überall Ge°t meinnuh vor Eigennutz. Der Reichskommissar für Preisüberwachung wird die Preisbildung ge­nauestens überwachen und einer Aus­weitung der Handelsspannen mit allen Mitteln entgegentreten.

Oie Zulassung von Kriegsteilnehmern zu den Kaffen.

Berlin, 9. Mai. (CNB.) Der Reichsarbeits­minister hat die Zulassung aller Kriegs­teilnehmer zur Kassenpraxis verfügt, wenn sie ein Jahr ärztlich tätig waren. Außerdem

werden diejenigen Aerzte zugelassen, die bei der Neu­ordnung des kassenärztlichen Rechts 1931 bereits drei Jahre approbiert waren. Es war dem Reichsarbeitsminister ein selbstverständliches Bedürf­nis, den Kriegsteilnehmern unter den Aerzten die weitestgehenden Erleichterungen zu verschaffen. Das Ausscheiden der nichtarischen und kommunistischen Aerzte gab hierzu die Möglichkeit. Die Verordnung ändert gleichzeitig das Verfahren für alle Zulassungen dahin ab, daß bei Zweifeln über d i e arische Abstammung eines Arztes ein Gutachten des Verbandes der Aerzte Deutschlands eingeholt werden muß. Damit wird der Grundsatz verwirklicht, daß über Rassen­fragen in erster Linie der A r z t zu entscheiden hat.

Aus aller Welt.

Schlageter-Ehrurig im Gerichtssaal.

Zu gleicher Stunde, in der vor zehn Jahren vom französischen Kriegsgericht in Düsseldorf das T o - desurteil gegen Albert Leo Schlage- t e r gesprochen wurde, fand im Saal des Landge­richts, in dem der furchtbare Urteilsfpruch verkün­det wurde, eine würdige Ehrung unseres Nationalhelden Schlageter statt. Der Bund national­sozialistischer deutscher Juristen ließ durch Rechts­anwalt Claesgens den Präsidenten des Land­gerichts als Vertreter der Justizverwaltung an der Schwelle des Saales einen Lorbeerkranz mit Haken­kreuzschleife überreichen. Zugegen waren u. a. Heinz Hauen ft ein, der Führer bet» Gruppe, der Schla­geter angehört hatte, sowie eine Anzahl Richter und Anwälte, darunter Rechtsanwalt Dr. Bräu­tigam- Düsseldorf, der Schlageter als Verteidiger mit betreut hatte. Präsident Krey übernahm den Kranz und ließ ihn an der Stelle anbringen, an der Schlageter als Angeklagter gesessen hatte. Von der Justizverwaltung sind Mittel bereitgestellt worden, um dem historisch gewordenen Raum eine würdige Ausstattung zu geben.

Reichsminister Göring Schirmherr der vager.

Ministerpräsident und Reichsminister Goring empfing am Dienstag den Präsidenten des Reichsjagdbundes, Herzog Adolf Friedrich zu Mecklenburg in Begleitung von Frei- Herrn von Hungern und den Geschäftsführer des Reichsjagdbundes, S ch e r p i n g , zur Ent­gegennahme von Vorschlägen für die Vereinheit­lichung des deutschen Jagdwesens. Die dcm Mi­nisterpräsidenten angetragene Schirmherr­schaft über bie gesamte deutsche Jä­gerei hat er mit Dank angenommen. Er be­auftragte den Präsidenten, innerhalb kürzester Zeit die Maßnahmen für die Zusammenfassung der gesamten deutschen Jägerei in einer straffen Reichsorganisation vorzubereiten. Ministerpräsi­dent Göring machte weiterhin davon Mitteilung, daß demnächst in einer Reichskabinettssihung die schriftlich eingereichten Vorschläge des Reichs­jagdbundes Gegenstand einer Besprechung sein würden.

Leipziger Festausstellung: Schrifttum der nationalen Bewegung".

Zu Ehren der in Leipzig während der sogenannten Kantate-Tagung versammelten Buchhändler wird in den nächsten Tagen in der Deutschen Bücherei eine Festausstellung eröffnet. Die Ausstellung zeigt dasSchrifttum der nationalen B e - w e g u n g". Es ist das erstemal, daß eine derartige Ausstellung stattfindet.

Zwei Mörder hingerichtet.

In Weiden (Oberpfalz) wurde im Hofe des Gerichtsgefängnisses die Hinrichtung des Mörders Felix Schieber mit bem Fallbeil durch den Münchener Scharfrichter R e i ch a r d t vollzogen. Damit hat eines der furchtbarsten: Verbrechen, die sich in der Oberpfalz abgespielt haben, seine Sühne gefunden: nämlich der Mord von Wendersreuth, bei dem der 46 Jahre alte Dienst knecht Felix Schieber zusammen mit einem 17jährigen Dienstknecht seinen Bruder, dessen schwangere Ehefrau und das kleine Kind des Ehe­paares ermordete.

Gleichzeitig mit bem Briefträger - Mörder» Reins würbe in ber Strafanstalt Plöhensea * bei Berlin auch ber Mörber des Chauffeurs P o n i ck, Johannes Kabelih, hingerichtet. Kabclih hatte, wie erinnerlich, im Januar 1931 den Chauffeur Ponick^ hinterrücks erschossen und beraubt.

Furchtbares Brandunglück. Fünf Tote, zwei Schwerverletzte.

In illlerebotf, Kreis ©lat), brach in einer des vergangenen Rächte auf der Besitzung des Land­wirtes Lauterbach ein Feuer aus, bas bas gesamte Gehöft Wohnhaus, Stallung, Schuppen und Scheune völlig einäscherte. Bei dem Brande kamen die vier Kinder und der Vater des Besitzers in den Flammen um. Der Besitzer und seine Frau wurden mit schweren Brand­wunde n in bas Krankenhaus gebracht.

Schweres Flugzeugunglück in Rordspanien. Sechs Tote.

Ein französisches Postslugzeug, das in Barcelona mit Bestimmung nach Toulouse aufgesttegen mar, stieß nach einstündigem Flug infolge auftretenden Nebels gegen ein Haus des 1700 Meter hoch gelegenen spanischen Dorfes Villagran. Der Apparat fing Feuer, stürzte ab und verbrannte. Sämt­liche Insassen, der Pilot, der Bordfunker, ein Ver­treter der Luftfahrtgesellschaft, der das Flugzeug ge­hörte, und drei Passagiere kamen u m s Leben.

Verhaftungen bei der vereinigten Glanzstoff AG.

Wie die Pressestelle des Landgerichts Wuppertal mitteilt, ist eine Anzeige gegen maßgebliche Per­sönlichkeiten der Verwaltung der Vereinigten Glanz- stofs-Fabriken AG., Wuppertal-Elberfeld, wegen handelsrechtlicher Untreue und Bilanz- verschleierung erstattet worden: Auf Grund dieser Anzeige ist jetzt die gerichtliche Vorunter­suchung eröffnet worden. Der Untersuchungsrichter hat gegen die Vorstandsmitglieder K. Benrath und Dr. Springorum, sowie den Vorsitzenden des Aufsichtsrates, Fritz B l ü t h g e n, Haftbefehl erlassen.

Ein junges Bürgermäbchen wirb von seiner Großmutter dabei ertappt, wie es mit bem Minia­turporträt seines Liebhabers kokettiert, und gibt, in die Enge getrieben, bas zarte Andenken für ein Bildnis des Königs aus: natürlich glaubt die ganze Familie, den Landesfürsten inkognito unter ihrem geringen Dach zu beherbergen, als der ahnungslose junge Mann in Person vor ihnen erscheint. Die Bühnenwirkung dieses Tricks ist schlechterdings nicht umzubringen.

Sehr schön ist aber auch die Vorbereitung des festlichen Empfangs für den fabulöfen Fremdling aus der Residenz; oder der Familienrat und die mißglückte Brautwerbung; oder die Liebesintrige und der gefoppte Dachstubenpoet; oder endlich, als heiterer Abschluß des spießbürgerlichen Aben­teuers: die Verlobung unter der Laterne auf dem mondbeschienenen Marktplatz nach vorausgegange­ner Serenade im Oberstock, dem ilm^ug des sin­genden Rachtwächters und der verhängnisvollen Kerkerflucht der zum,Pranger verurteilten Delin­quentin Eva Schnurrwinkel.

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Oberregiffeur Peter Fasso11 bewies in fei­ner Inszenierung das richtige Gefühl dafür, worauf es bei einer modernen Aufführung der Deutschen Kleinstädter" ankommt: er ließ ohne unangebrachten literarischen oder gar satirischen Ehrgeiz dem ausgelassenen Humor, einer sanften Ironie und bem manchmal unwiderstehlichen Si­tuationswitz fröhlich die Zügel schießen; er nahm einen Scherz als das, was er ist ober heute noch für uns bedeuten kann, und fand ein sehr dank­bares und verständnisvolles Publikum.

Herr Löffler hatte die biedermeierliche Bür- germeifterftube mit liebevoller Sorgfalt (die weder den Klingelzug noch den Spucknapf vergaß) und eine krähwinklige Kleinstadtstraße von nahe­zu spihwegschen Qualitäten enttoorfen.

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Frau Auguste P r a f ch ° G r e ve n b e r g wirkte als großmütterliche ilnterfteuereinnebmerin Staat mit betulicher Würde, Herzlichkeit und hoheits­voller Strenge zugleich, daß diese -Gestalt, die ihren schauspielerischen Gaten sichc^ingemein ent­gegenkommt, stets einen Rimmer Weiterer mensch­licher Anmut behielt. * y

Herr Dolck gab als behäbig-patriarchalischer Bürgermeister, auch Oberältester zu Krähwinkel, eine Figur von saftiger Fülle und barockem Hu­mor zum Besten. Eine muntere und schalkhaft gewitzte Liebhaberin war Elisabeth W i e l a n - der, die ganz verderbte Bürgermeisterstochter

Sabine, Staar. Ihr Kavalier: Herr Hauer, ein junger Mann aus der Residenz, gab sich mit erfrischender Natürlichkeit im Kreise der gespreiz­ten und titelsüchtigen Familie.

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Ein Quartett drollig hergerichteter Honoratio­ren bildeten die klatschsüchtig schnatternden Mub- men, Frau Schubert-Jüngling und Frau Walther-Lederer, der poetisch angehauchte Substitut Sperling, von Herrn Hub mit grotesker Lächerlichkeit ausgestattet, und der vertrocknete Ge­würzkrämer mit der Leihbibliothek: Herr Kühne.

In kleineren Aufgaben machten sich die Herren Geiger, Michel und Sieten, sowie Fräu- leirt Wöhrmann um die Aufführung verdient.

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Diel freundlicher Beifall und Blumensträuße, hth.

Oiamanten Romantik.

Diamanten sind oft mit romantischen Ereignissen verbunden. Allerlei von dieser Romantik erzählt William P. Taylor in einem in London erschie­nenen BuchAfrikanische Schätze, 60 Jahre unter Diamanten und Gold." Der Verfasser war noch ein junger Bursche, als er an bem Diamanten­rausch in Transvaal teilnahm. Viele von benen, bie sich bamals an ber Jagb nach ben kostbaren Steinen beteiligten, wußten gar nicht, wie ein Diamant aussieht. Sie fanben Kristalle und nann­ten sie Diamanten unb sie fanden Diamanten, und wußten nicht, daß es welche waren. Als die beste Probe galt die Härte, und so sind damals viele kostbare Steine mit schweren Hämmern von Men­schen vernichtet worden, die der Ansicht waren, nichts könne einen Diamanten zerstören. Dann kam die Entdeckung der berühmten Dc Beers- und Kimberley-Minen, die das Diamantgraben durch einen bergmännischen Abbau ersetzten. Mit dieser großen Industrie wuchs aber zugleich der Schmug­gel und der ungesetzliche Verkauf von Diamanten. Die Eingeborenen, die für Hungerlöhne hier die Kostbarkeiten aus ber Erde hoben, konnten der Versuchung nicht widerstehen, hie und da einen Diamanten zu verbergen, und irgendeinem Händ­ler zu verkaufen. Ein Heer von Detektiven suchte dies zu verhindern und brachte viele zur Bestra­fung, aber die Verführung war zu groß, und der Schmuggel hat nie ganz aufgehört. Diele schlaue Verfahren wurden eingeschlagen, um der Entdeckung zu entgehen. Diamanten wurden ver­schluckt ober künstlich am Körper verborgen, Hunde

wurden mit Fleisch gefüttert, in dem Diamanten versteckt waren, und wenn die Tiere glücklich durch die Kontrolle waren, bann wurden sie getötet und die Steine herausgenommen. War erst dis Beute aus der Gefahrzone heraus, dann jagten Männer zu Pferde nach der Grenze von Tränst vaal ober des Oranje-Freistaates. Elegant ge- fleibete Damen reiften nach Europa unb trugen! Päckchen mit gestohlenen Diamanten bei sich, uni sie auf ben europäischen Märkten zu verkaufen. Doch bann fiel ein Schatten aus ben Glanz, ber zunächst so hell von ben Diamantfeibern Südafrikas strahlte. Es war die Gefahr deü Aeberproduktion. Cecil Rhodes beschloß daher, daß die Ausbeute beschränkt werden müsse, be­vor der Markt übersättigt sei, denn die Ver­breitung des Diamanten war damals so weit gediehen, daß sogar schon unter den Arbeitern mancher Länder bet Diamantring als Verlo- bungsgeschenk üblich geworben war. Rhodes suchte sich durch statistische Antersuchunyen einen An­haltspunkt für bie Aufnahmefähigkeit des Mark­tes zu verschaffen, indem er bie Zahl ber jähr­lichen Heiraten in den zivilisierten Ländern fcst- fteilte unb daraus auf die ungefähre Ziffer der neuen Käufer von Diamanten schloß. Diese Gefahr der Aeberschvxmrnung mit Diamanten, die ihren Wert vernichten' muß, bauert noch heute an unb hat zu einer immer stärkeren Be­grenzung der Gewinnung geführt. Rach der An­sicht Taylors wird auch ein neuer Aufschwung der Weltwirtschaft, wird auch ber höchste Wohlstand ber Menschen nicht imstanbe sein, jemals eine Rachfrage zu schaffen, die die Leistungsfähigkeit der südafrikanischen Diamantfelder übersteigt.

Zeitschriften.

Ciinem großen Meister deutscher Musik, Jo­hannes Brahms, ist ein Artikel mit reichem Bildermaterial in der neuen Rümmer der Leip­zigerI 11 u ft r i r t c n Zeitung" (Verlag I. 2. Weber) gewidmet. Vier Kunstblätter aus Max Klingers Brahmsphantasic geben den künst­lerischen Schmuck zu dieser umfassenden Würdi­gung. Eine BildübersichtRationale Stücke auf deutschen Bühnen" zeigt die Ergebnisse des Am- baus ber beutschen Theater. Das Wunber einer auf blühenden" Seerose wird in herrlichen Ratur- ookumenten dargestellt. Allen Freunden ber Fvei- ballonsahrt wirb ber mit guten Zeichnungen ausgestattete AufsatzDer schwebende Korb^,will- kommen fein. Beiträge über Raumkunst, Frauen­mob e sowie der aktuelle Bilderteil runden ba$ Vielseitige Heft erfreulich ab.