Ausgabe 
10.2.1933 Erstes Blatt
 
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Nach dem Ausbruch des Brandes erfolgte die Kapitulation des Schiffes, wäre sie nicht er­folgt, dann wären die Flugzeuge dazu übergegangen, Bomben von 2 0 0 kg Gewicht abzuwersen. Die Bemannung ging nach der Uebergabe i n d i e Boote, die von den konzentrisch herankommenden Einheiten des Geschwaders in Empfang ge­nommen wurden. Der PanzerkreuzerSieben Provinzen" steht seht wieder unter dem Kom­mando der Offiziere.

In der heutigen Sitzung des Volksrates teilte der Oberbefehlshaber der INarineftreitkräfte mit, es habe sich herausgestellt, dah auch Angehörige der europäischen Bemannung an der Meuterei auf dem PanzerkreuzerSieben Provinzen" teil­genommen haben. Außerdem sei sestgestellt worden, daß die Meuterer beabsichtigt hätten, für den $aVL, daß die Nahrungsmittel ausgebraucht sein würden, Handelsschiffe anzugreifen und zu plündern.

3n Aljeh hat sich eine Meuterei bei dem Teil der europäischen Besatzung des Panzer­kreuzersSieben Provinzen" ereignet, der dort seinerzeit an Land gegangen ist. Nachdem sich die größere Hälfte der europäischen Offiziere, Unter- offiziere und Matrosen mit dem Kapitän an Bord eines Regierungsdampfers begeben hatte, um das Meutererschiff zu verfolgen, blieben neben 100 Ein- geborenen-Maalen und Matrosen etwa 25 euro­päische Mannschaften mit mehreren Offizie­ren zurück. Diese Europäer haben sich jetzt gewei­gert, den Anweisungen des Militärkommandanten von Atjeh zu palrouillengängen zu folgen. Sie wurden von der Gendarmerie wegen Dienstverweige­rung in haft genommen. Die eingeborenen Mannschaften haben dem Befehl des Militärkom­mandanten Folge geleistet.

Der Mandfchureistreit in Genf

Neue Rückfrage des 19er Ausschusses.

Genf, 9. Febr. (WT2.) Der 19er-Ausschutz der außerordentlichen Dölkerbundsversammlung hat sich heute mit den neuen japanischen Gegenvorschlägen zur Regelung des Fern- ostkonfliktes beschäftigt. Rach eingehender De­batte wurde beschlossen, neue Rückfragen an die japanische Delegation zu richten. Ins­besondere soll die japanische Delegation klipp und klar erklären, ob sie die chinesische Sou­veränität über die Mandschurei an­erkenne oder nicht. In mündlichen Besprechungen mit der japanischen Delegation soll weiter ge­klärt werden, ob Japan bereit ist, die Feind­seligkeiten einzustellen und die Trup­pen zurückzuziehen. Der 19er-2lusschuß steht auf dem Standpunkt, dah eine Fortführung der Der- mittlungsverhandlungen unmöglich sei, solange die japanische Regierung fortgesetzt neue Mili­tär.sche Maßnahmen (Besetzung der Provinz Dschehol) treffe. Der 19er-2lusschuh betont in seinem Schreiben an die japanische Regierung, er wäre bereit, bei der Formulierung des Ab­kommens zur Regelung des Streites Japan «nt- gegenzukommen, jedoch nur unter der Bedingung, daß die japanische Regierung in der schriftlich formulierten Gegenfrage eine befriedigende Ant­wort erteile.

Zusammenfassung von Sparkassen in Oldenburg.

Oldenburg, 9. Febr. Die oldenburgische natio­nalsozialistische Regierung schafft durch eine heule ausgegebene Verordnung eine Zusammenfas. iung des gesamten Sparkassenwesens Idenburgs, und zwar zunächst des Landesteiles Oldenburg. Sämtliche kommunalen Sparkassen werden ab 10. Februar aufgehoben. Für diesen Tag als Stichtag wird von den kommunalen Spar­kassen eine Schlußbilanz geschaffen, und auf Grund­lage dieser Bilanz werden die Kassen als Fi­lialen der Landessparkasse Olden­burg, der staatlichen zentralen Sparkasse, weiter­geführt. In derselben Weise werden Verträge mit insgesamt 10 Kommunen und Kommunaloer. bänden über eine Beteiligung an Filialen der Lan> dessparkasse aufgehoben, so daß diese Filialen ab 10. Februar ausschließlich in Händen der Landessparkasse sind. In Ausführungs­bestimmungen soll dann ein billiger Ausgleich der Belange zwischen den Gewährsverbänden der Kasse erfolgen.

A Donnerstag fand in Oldenburg eine Versamm­lung der von der oldenburgischen Sparkassenverord­nung betroffenen Stadt- und Gemeinde­vertretungen sowie der betreffenden Spar­kassenvorstände statt. Der Deutsche Spar­kassen- und Giroverband yat an den Reichskanzler, den Vizekanzler und den Reichsmini­ster Dr. hugenberg ein Protesttelegramm gegen die oldenburgische Sparkassenverordnung ge­sandt, in dem dringend gebeten wird, die erforder­lichen Maßnahmen zur A u f h e b u n g der oldenvur- gischen Verordnung in die Wege zu leiten und dafür Sorge zu tragen, daß die Selbständigkeit derdeutschenSparkassenim Interesse ihrer acht Millionen Sparer nicht angetastet wird.

Vor der Aufhebung von ^entenkürzungen.

Berlin, 10. Febr. (TU.) Wie dieDeutsche Zeitung" berichtet, rechnet man mit einer neuen Verordnung der Reichsregierung, die eine weitere teilweise Aufhebung der Ren­tenkürzungen mit sich bringen würde, wie sie auch von dem jetzigen Reichswirtschaftsminister hu­genberg mehrfach gefordert worden ist. Angesichts der noch immer schwierigen Finanzlage des Reiches dürf­ten sich die Erleichterungen imRahmendeszur Zeit Möglichen halten. Voraussichtlich werden aber die Kürzungen für die in sozialer Hinsicht am schwersten betroffenen Kleinrentner zum größ­ten Teil in Fortfall kommen. Mit der Verordnung ist wahrscheinlich in der zweiten Hälfte des Februar zu rechnen.

Eine Zenirumszeiiung in Oldenburg verboten.

Oldenburg, 9. Febr. (WTB./ Das olden- burgische Innenministerium hat das Zentrums­organ ,Tageszeitung für den Amtsbe­zirk Friesoythe" auf die Dauer von sechsTagenverboten. Das Verbot erfolgte wegen der Veröffentlichung des Wahl­aufrufes des Landesvorstandes der oldenbur­gischen Zentrumspartei, da darin Stellen

enthalten waren, in denen das Innenministerium eine Verächtlichmachung des Reichs­kanzlers Hitler sieht, außerdem wegen Verbreitung unwahrer Rachrichten. Das Verbot wird mit den Bestimmungen der Reichsnotverordnung vom 4. Februar 1933 be­gründet. Die anderen Zentrumszeitungen werden davon nicht betroffen, da sie den inkriminierten Wahlaufruf bereits vor Erlaß der Ver­ordnung brachten.

Aus der Provinzialhauptstadt.

Das Wort Winterhilfe.

Wie oft haben wir uns schon in unserem Leben gesagt:Ich möchte noch einmal tun, was ich tat!" Erst hinterher fühlen wir, was wir falsch gemacht haben. Hinterher erst erkennen wir, daß unsere Leistung doch nicht genügend war. Hinter­her fällt uns im allgemeinen erst ein, was wir vergessen haben. Hinterher unterscheiden wir oft erst, was das Rechte, was das Beste und was das Rötigste war.

So ist mir in diesen Tagen durrch den Kopf gegangen, dah das Wort Winterhilfe für mich bisher stets einen bestimmten Aufgabenkreis um­schloß. In diesem hatten z. B. Pfundspenden, Sammlungen und Hilfsaktionen verwandter Art ihren Raum. Da kam mir der Brief eines Reichs­deutschen aus Danzig in die Hände, der sich bisher mit seiner Familie über Wasser halten konnte. Jetzt ist auch er arbeitslos geworden. Sein Brief enthält nicht nur das ergreifend« Wort, daß wir Menschen eine Rotgemeinschaft auf dieser Erde geworden sind. Der Brief ent­hielt auch noch eine Bitte an alle diejenigen Menschen, die ihm vielleicht einmal wieder Ar­beit geben könnten: Wir sollen den Menschen, die zu uns kommen mit einer Bitte, wenigstens einen Augenblick ins Gesicht schauen. Dann sehen wir, wie lebenswichtig ihnen vielleicht ihr An­liegen ist. Wir sollen uns ein wenig Zeit neh­men, ihnen zuzuhören, wenn sie etwas auf dem Herzen haben. Lind wenn wirnein" sagen, wenn wir die Bitte abschlagen müssen, dann soll es mit Verständnis für die Lage dessen fein, der wieder von uns geht. Denn wieviel« Menschen, die sich an uns wenden, persönlich oder durch einen Brief, haben schon täglich neue Hoff­nungen wieder begraben. Sie haben oft nicht ein­mal mehr etwas zu erhoffen. Aber sie dürfen in unseren Augen niemals lästig oder überzählig sein. Sie dürfen nicht zu einer Akte werden, auch wenn ihr Rame durch ein Aktenstück geht.

Hat diese Bitte etwas mit der Winterhilfe zu tun? Ich glaube: ja. Ich glaube: unbedingt. Denn unsere Hilfe für alle bie Bittenden darf keine Grenze mehr kennen. Sie muh alles durch­setzen, was wir tun, alles, was an uns heran- getragen wird. Ich denke dabei nicht nur an die Hausfrau, die nicht jedem etwas abkaufen kann, der mit Waren zu ihr kommt; ich denke nicht nur an den Arbeitgeber, bei dem sich bie Bitten um Arbeit häufen. Ich benfe an jeben von uns. Hel­fen barf man nicht mehr allein mit Sachen unb mit Gelb! Helfen müssen wir alle burch Freunb- lichkeit, burch Gebuld, burch ein gütiges Wort, bas Bitterkeit milbert, Derstänbnis unb Mit­gefühl zeigt!

Unter Wille zum Helfen muh in jeglicher Hanblung spürbar fein. Wir müssen bie tau- sink) bisher übersehenen Möglichkeiten erkennen, in bcnen bisher ber Geist ber Winterhilfe noch nicht lebenbig war. Dann können wir wirklich zu einer Rotgemeinschaft aller Menschen auf biefer Erbe werben! K. M.

Kranzniederlegungen am Grabe Röntgens.

LU. Don ber Pressestelle ber Universität Gie­ßen wirb uns mitgetett:

Aus Anlah bes zehnjährigen Tobestages des Geheimrats Dr. v. R ö n t g e n haben der Rektor der Landesuniversität, sowie die Dekane ber Mebizinischen unb ber Philosophischen Fakultät am heutigen Tage auf bem hiesigen Alten Frieb- hofe am Grabe bes grohen Gelehrten, ber meh­rere Jahre in Giehen. als Orbinarius wirkte, in bantbarer Erinnerung Kränze niederlegen lassen.

Ferner wurde auch im Auftrag der Deutschen Physikalischen Gesellschaft ein Kranz als äuheres Zeichen des ehrenden Gedenkens niedergelegt.

Miliiär-platzkonzeri zugunsten des Zugend-Notwerks.

Unter Leitung von Obermufifmeifter Krauhe wird das Musitkorps unseres 1. Ba­taillons 15. Inf.-Regt, am morgigen Samstag von 16 bis 17 Uhr in der Südanlage ein Platzkonzert veranstalten, bei dem eine Geld­sammlung zur Förderung des Rotwerks der deutschen Jugend vorgenommen wer­den soll. Um allen Besuchern den Genuh dieses Konzerts ungeschmälert zu sichern, wird gebeten, sich nicht, wie sonst immer, in einem dichten Kreis direkt um bie Kapelle herumzustellen, ba hierburch von ben Klängen ber Musik ein erheblicher Teil in der dichten Menschenmenge untergeht. Wenn die Zuhörer sich in einiger Entfernung von ber Kapelle aufstellen, wirb jebem Besucher ein er­höhter Genuß der musikalischen Darbietungen zu­teil werden.

Die Vortragsfolge für das Platzkonzert sieht vor: 1. Pro gloria et patna! Marsch, von Rumohr. 2. Ouvertüre zu SchillersWallensteins Lager", von Rosenkranz. 3. Großer Kriegsmarsch, Schlachthymne unb Gebet, aus ber OperRienzi", von Wagner. 4. Fantasie über brei deutsche Lie­ber, von Schmidt. 5. Historische Märsche, eine Zu­sammenstellung von Heeresmärschen vom Mittel- alter bis zur Gegenwart, von Kaiser-Hockenberger.

Sing- und Spielabend der Jugend.

Man schreibt uns: Cs sei nicht versäumt, auf die am Montag, 13. Februar, 20 Uhr, im Stadtthea- ter stattfinbende Veranstaltung ber Iugenb noch­mals hinzuweifen. Das abwechslungsreiche Pro­gramm verbürgt jebem Besucher einen genußrei­chen Abenb, ben sich schon in seiner Einzigartigkeit niemanb entgehen lassen sollte. Die Iugenbver- bänbe, bie sich selbstlos in ben Dienst bes Rot­werks gestellt haben, arbeiten seit längerem in ihren Freistunden mit Begeisterung und Hingabe daran, der Oesfentlichkeit bas Beste zu zeigen, was sie bieten können. Einzelne schon früher öffentlich aufgeführte Punkte des Programms sind als ge­radezu vorbildliche Leistungen gewertet worden. Die Jugend darf also mit Recht erwarten, dah die Oeffentlichkeit ihre Bemühungen durch ein volles Haus lohnt. Ganz besonders gilt das, weil ber Reinertrag bem Rotwerk ber beut- schen Jugend zugute kommt, also den­jenigen Jugendlichen, die arbeitslos und freud­los tn eine ungewisse Zukunft sehen. Das Iugend-

notwerk will sie aus diesem Zustand heraus- reihen, ein Bemühen, welches seither schon vom schönsten Erfolg begleitet war. Ueber 900 Jugend­liche werden bereits durch bas Äotwerk in beruf­lichen Kursen betreut, verpflegt unb körperlich ausgebildet. Darum unterstütze jeder durch Be­such des Abends das Rotwerk und mache damit ber Jugend und sich selbst eine Freude!

Das Programm lautet: 1. Orchester: Marsch. 2. Ansprache des Vorsitzenden, Syndikus Münch. 3. Volkstänze. 4. Mandolinen-Orchester-Konzert. 5. Radsport. 6. Lebende Bilder. Pause. 7. Or­chester: Ukrainisches Volkslied. 8. Geräteturnen. 9. Singen ber Pfadfinber. 10. Hans-Sachs-Spiel. 11. Schlußwort, Regierungsrat Dr. Bues.

Bornotizen.

Tageskalenber für-Freitag. Stadt­theater: 20 bis 22.15 Uhr,Bargeld ladjt!" Licht- spielhaus, Bahnhofstraße:Der weiße Dämon". Astoria-Lichtspiele, Seltersweg:Strafsache von Geldern".

D a f f a n." Zum zweitenmal lernt man in einem Kulturfilm, ber am Sonntagvormittag im Lichtspielhaus Bahnhofstraße in Verbinbung mit bem Goethebunb zur Aufführung gelangt, ben Pinguin kennen; diesmal aber etwas näher, ein­dringlicher vor allem, als es im vorhergehenden FilmRoah-Roah", ber mehr ber gesamten Tier­welt des südlichen Eismeeres gewidmet war, ge­schah. Cherry K e a r t o n hat unter dem Titel Dassan, die Insel der 5 Millionen Pinguine", einen Film hergestellt, der unter unendlicher Sorg­falt unb mit viel Geduld gedreht worden ist, um ber Ratur und den Tieren das Letzte ihrer Ge­heimnisse abzulauschen. (Siehe gestrige Anzeige.)

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Universitäts-Gottesdienst. Am nächsten Sonntag, 12. Februar, 11.15 Uhr, findet in der Reuen Aula ein Universitäts-Gottesdienst statt. Die Predigt hält Prof. D. Bertram.

** Wegen Grippe geschlossen. Im Kreise Gießen sind zur Zeit 17 Volksschulen wegen starker Erkrankungen von Kindern und Lehrern an Grippe geschlossen.

** Zwei Russen verhaftet. Heute früh nahm bie Gendarmerie in Lollar in bem dortigen Uebernachtungslokal zwei Russen fest, die sich nicht im Besitze der vorgeschriebenen Pässe befanden. Die Verhafteten, bie aus Frankreich gekommen sein wollen, wurden heute früh wegen Paßvergehens dem Amtsgericht vorgeführt.

** Gin Motorrad gestohlen. Der Polizei' bericht meldet: In ber letzten Nacht drangen Ein­brecher in das Grundstück der Auto- und Motorrad­firma Appel in der Kaiserallee ein und stahlen dort ein Motorrad. Die Täter konnten sich unbemerkt mit der Maschine entfernen. Die polizeilichen Er­mittlungen sind im Gange.

" Lokomotivführer-Jubiläum. Die Ortsgruppe Gießen ber Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer veranstaltet, wie aus bem heu­tigen Anzeigenteil ersichtlich ist, am morgigen Samstagabenb im Saale bes Cafe Leib ihre biesjährige Jubiläumsfeier. Vom hiesigen Reichs­bahnbetriebswerk können wie man uns schreibt 21 Bebienstete, unb zwar 19 Lokomotivführer unb 2 Werkführer ber elektrischen Anlagen, ihr 25. Dienstjubiläum begehen. Die Iubilare traten im Jahre 1907, zur Zeit ber wirtschaftlichen Blüte unseres Daterlanbes, als gelernte Handwerker nach nochmaliger besonderer Fachausbildung für den Lokomotivbetrieb als Lokomotivhilfsheizer in

ben Fahrdienst der Esenbahn ein, nachdem sie bie hohen Anforderungen bei ben Prüfungen erfüllt hatten. Rach langjähriger Hilfsheizerzeit würben sie ata Beamte angestellt. Fast alle Jubilar« nah­men am Weltkriege in Feindeslanb als Loko­motivführer ober als Soldat teil. In den Jahren 1923 bis 1925 wurden sie zu Lokomotivführern bzw. die Hilfswerkführer zu Werksührern ernannt. Leider muß ein Teil der Iubilare infolge des Verkehrsrückgangs bei der Bahn unter der schwe­ren Auswirkung der Wirtschaftskrise den Dienst, der im Wochendurchschnitt noch bis zu 54 Stun­den beträgt, als Heizer verrichten. Einzelne Iu­bilare stehen heute im Alter von 47 bis 55 Jah­ren, zwei mußten, obwohl sie körperlich und geistig noch rüstig sind unb erst im 50. Lebens­jahr stehen, Enbe 1932 wegen Verminberung ihres Farbenunterscheibungsvermögens aus ihrem Berufe ausscheiden.

" Beseelte Ratur. Das Institut für experimentelle Psychologie unb Päbagogik ver­anstaltete gestern einen Filmabenb besonderer Art. Frau Dr. E. Rodaki«wiecz, Reuhork, lieh den Film ihres Sohnes zur Vorführung bringen, in dem es sich der Schöpfer zur Aufgabe machte, die Ratur nicht lediglich anschaulich zu zeigen, sondern in deren Tiefe zu führen, den Rhythmen in der Ratur (hauptsächlich im Wasser) nachzu- spüren, die durch ihre sinnfällige Wiedergabe mit bem Mittel ber Photographie unb ohne jebe musikalische Begleitung an bie innersten Be­zirke der Menschen zu rühren vermögen. Frau Dr. Rodakiewiecz hielt zunächst einen kurzen einleitenden Vortrag, in dem sie das Wollen ihres Sohnes darlegte. Sie kennzeichnete ben Film als ein Werk, bas in bie Tiefe zu führen geeignet sei, Cinfühlen in Raturerscheinungen ermögliche ihn als ein beziehungsreiches Gan­zes, das erst in seinem Zusammenhang feinen vollen Sinn erhalte unb zu subjektiver Bebeutung gelange. So sei ber Film, einer Son- bichtung gleich, symphonisch in brei Teilen auf­gebaut, bie unter sich stark verbunben seien und in ihrer Gesamtheit den Ablauf einer Reihe sublimster Empfindungen auslösen. Man sah dann im Film in ausgezeichneter Photographie das Spiel der Wellen und ihren klassischen Rhythmus. In der tausendfältigen Bewegung des Wassers erlebte man, zunächst im großen unb dmn in immer kleiner toerbenben Aus­schnitten, die Gesetzmäßigkeit ber Bewegung. In engster Bezehung dazu, ja als wesentlichstes Mi'tel, ftanb bas Licht. Der zweite Teil zeigte (in Bäumen) Licht und Form, Licht und Schatten in frappanten Überschneidungen, aber doch in heiterer Verbindung leicht bewegten Spieles. Besonders überraschend zeigte sich ber Reichtum ber Bewegung des Rauches (z. B. einer Zigarette), der die differenziertesten Empfindungen auslöste. Den Abschluß bildete ber dritte Teil mit d«r Wiedergabe totaler Wellenbewegungen, bie in ihrer großartigen Kraftäußerung ben Höhepunkt des Filmes barstellten. Verschiebentlich war als interessantes Zwischenspiel bie zielgewohnte Be­wegung ber Maschine in Beziehung zu ben Rhythmen in ber Natur gebracht, wobei man überraschende Gleichklänge feststellen konnte. Der interessante Film hinterlieh einen tiefen Eindruck.

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