Ausgabe 
9.12.1933 Drittes Blatt
 
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Nr. 289 Drittes Blatt

Gietzener AnMger iGeneral-Anzeiger für Gderhetzen-

Zamstag, 9. Dezember 1953

SlabschefRöhmvor^enDiplomalenundderAuslandspreffe

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Cm Hotel Adlon in Berlin veranstaltete das Außenpolitische Amt der NSDAP, einen Empfangsabend, zu dem das Diplomatische Korps und die Vertreter der ausländischen Presse geladen roaren. Reichs­minister Röhm, der Stabschef der SA., hielt eine große Rede, in der er auf weltanschauliche Fragen eingina. Unser Bild zeigt von links nach rechts: Alfred Rosenberg, Leiter des Außenpolitischen Amtes der NSDAP.; Reichsminister Stabschef Röhm; Obergruppenführer von Detten

Oberst a. L). R e i n h a r d, der Führer des National­verbandes deutscher Offiziere, wurde von Stabschef Röhm mit der Führung der SA.-Reseroe II be­auftragt.

Dr. Schlegel, der evangelische Feldprobst des Heeres und der Marine, erhielt vom Reichspräsi­denten die AmtsbezeichnungEvangelischer Felü- bischof der Wehrmacht".

Geschichten aus aller Welt.

Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!

Der steinerne Jüngling.

(k) Kopenhagen.

Nun ist aus Helsingfors schon zum dritten Mal die Anfrage eingetroffen, ob man die Zuständigkeit jenes jungen Mannes nicht zu ermitteln vermöge, den man in den nächsten Tagen nach Dänemark abzuschieben gedenke. Er habe ein frisches, bartloses Gesicht, eine gerade Nase und halblange Locken. Das wichtigste Kennzeichen aber sei, daß er aus Marmor hergestellt ist... Denn es handle sich um eine Marmorfigur, die nachweisbar vor 80 Jahren aus Kopenhagen entführt und jetzt aus einem fin­nischen Brunnen ans Tageslicht emporgehievt wor­den sei, auf dessen Grund sie all die Jahrzehnte hin­durch gelegen haben dürfte.

Wann stahl man in Kopenhagen je einen jungen Mann mit frischem Gesicht, kurzgeschnittenen Locken aus Marmor? Man hielt Umfrage und erfuhr, daß wirklich in alten Polizeiakten ein Vermerk über eine gestohlene Brunnenfigur zu finden sei. Doch die Geschichte dieser Entführung muß man wieder aus finnischen Quellen schöpfen ..

Damals war ein Schoner nach guter Fahrt nach Kopenhagen gekommen. Man hatte an Land or­dentlich gefeiert und ging mit einem greulichen Brummschädel wieder an Bord, nicht ohne dem Kapitän, der gern Gespenstergeschichten erzählt, ein Andenken mitgebracht zu haben. Und dieses An­denken war eben die Figur, die einen Brunnen geziert hatte, und die kräftige Seemannsfäuste mit roher Gewalt abgebrochen hatten.

Die Figur stellte man dem Kapitän vor die Ka- binentür, umhängte sie mit Laken, so daß sie ein Gespenst darstellte. Dann klopfte man bei dem Ka­pitän, und versteckte sich. Der Kapitän öffnete die Tür, sah die Figur, rieb sich die Augen und knallte die Tür zu. Aber man ließ sich nicht entmutigen. Man klopfte nochmals und mußte nun erleben, daß der Kapitän, der wohl erst gemeint hatte, eine Hal­luzination bluffe ihn, mit einer Pistole nach dem Gespenst" schoß, das einige Schrammen erlitt und umfiel.

Die Geschichte mit dem Gespenst war eine lu'tige Sensation' in allen Häfen der Ostsee. Die Büste selbst aber schenkte man dem Reeder Ärafi, der sie auf seinem Hos an einen Brunnen stellte. Kurz darauf brannte der Hof nieder und dabei stürzte die Büste in den Brunnen.

Seltsamerweise wurde sie nicht vergessen, sondern in regelmäßigen Abständen wurde an ihre Existenz im Brunnen erinnert ... durch verrückte Spukge- schichten die von dem teilweise wieder aufgebauten Hof erzählten. Als nun kürzlich auch der Brunnen wieder hergerichtet werden sollte, fand man den jungen Mann mit den Locken und erkundigte sich in Kopenhagen, wohin man den anscheinend gar nicht so sehr Vermißten zurücksenden durfte...

Wenn 100 Jahre über den Raub des Jünglings verflossen sind, wird er vielleicht in seiner marmor­nen Schönheit endlich heimgefunden haben, so daß nur noch die Kugelspur aus der Pistole des spoken- kiekenden Kapitäns daran erinnert, was ihm wider- fuhr.

Merkwürdiger Tod dreier Giraffen.

() London.

Beim Anlegen von Telephonlinien in Ostafrika hat man auch noch andere als rein technische Schwierig­keiten zu überwinden, wie folgende Erzählung eines Londoner Blattes lehrt:

Im genannten Mandatsgebiet, der früheren deut­schen Kolonie Ostafrika, ist kürzlich eine neue Tele­phonlinie gelegt worden, die auch einen Tag sehr gut funktionierte. Am anderen Tage jedoch war zwi­schen ihren beiden Endpunkten keine Verständigung mehr möglich. Irgendwo im Laufe der etwa tausend Kilometer langen Strecke mußte eine Störung ein« getreten fein. Von beiden Endpunkten aus wurden nun Störungssucher auf die Strecke entsandt, und die eine Gruppe fand auch schon nach zwei Tagen die Ursachen der Störung. Nicht nur die Stelle, wo der Draht zerrissen war, sondern auch dicht dabei die Uebeltäter, drei tote Giraffen.

Auf dem gewohnten nächtlichen Wege zu ihrer Tränke hatten sie den Draht nicht gesehen und glatt durchschnitten. Nunmehr soll die Strecke neu an­gelegt werden, und zwar mit nicht weniger als neuen Meter hohen Telegraphenstangen.

Der Mann, der 238 Menschenleben rettete.

(k) Amsterdam.

Ein stilles, altes Männlein hat jetzt, 80 Jahre alt, seinen letzten Seufzer in Donhelder getan. Zum Tode dieses Mannes erinnert man sich daran, daß er der größte Lebensretter von Holland war, viel­leicht sogar von ganz Europa, wenn man bedenkt, daß seine Rettungstaten fast nur aus Einzelrettun- gen bestanden.

Simon Diedenoven war zeitlebens zur See ge­fahren und zwar hauptsächlich an der Küste So kam es, daß er fast immer in der Nähe war, wenn irgendwo an Hollands Küste eine Schiffskatastrophe geschah.

Als junger Kerl holte er die ersten Todgeweihten aus den Fluten. Das Menschenretten wurde ihm zum zweiten Beruf. Im ganzen hat er 238 Menschen vom Tode gerettet.

Er entwickelte seine Fertigkeit, gefährdete Men­schen von untergehenden Schiffen zu bergen, zu einer wahren Virtuosität, so daß auch das stürmischste Wetter ihn nicht hindern konnte, sein Rettungswerk zu vollenden.

Noch bis in die letzten Jahre hinein weilte er Tag für Tag an der Küste, eilte herbei, wenn er von einer Katastrophe hörte, um mit seinem treffsicheren Rat zu helfen. Wenn man die Menschenleben dazu rechnet, die unter seiner Anleitung geborgen wur­den, wird die Zahl noch viel größer

Man verlieh ihm Medaillen und schickte ihm Be­lohnungen, aber am meisten freute sich der Alte darüber, daß man ihn im Kreise seiner Berufs­genossen denMeerkönig" nannte.

200 Katzen reisen nach Littoria.

(A. D.) Rom.

Die römischen Ruinen sind von Katern und Katzen, Miezen und Mauzen jeden Alters und Ge­schlechts, jeder Größe und Farbe überreich bevöl­kert. Früher waren es die Säulenstümpfe bes Ira-

Wo ist es am kältesten in Deutschland?

-28'

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Münster -20°

Kassel -23°

Erfurt -30°

Freudenstadt

-26° *

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Feldberg -28°

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Köln-17°

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♦Leipzig -Görlitz ^Breslau

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Dresden-28°$chneel?oppe3?°

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-19°

Unsere Karte gibt einen Ueberblick über die niedrigsten Temperaturen, die in den letzten fünf Jahren in den einzelnen deutschen Orten gemessen wurden. Amwärmsten" mit freilich 17 Grad Kälte war es im Nordwesten, während die tiefsten Temperaturen in Ostpreußen, in Oberschlesien und in Südbayern gemessen wurden. Aber auch Deutschlands Mitte, die Gegend um Erfurt, hatte mit30 Grad bittere Kälte zu verzeichnen. Die mitgeteilten Temperaturen wurden übrigens fast ausschließlich in dem Kälte» Rekordjahr 1929 gemessen.

jansforum, um die herum sie ihr Hauptquartier aufgeschlagen hatten, aber auch die Trümmer des anderen Kaiserforum, das Pantheon und die Ce- stiuspyramide haben ihre alteingesessene Katzen­bevölkerung. Ihren Lebensunterhalt verdanken die Tiere mitleidigen Katzenfreunden, darunter zahlrei­chen Angelsächsinnen, die sich täglich mit geheimnis­vollen Paketen zu den Katzenkolonien in den Ruinen begeben. Nun hat der Faschismus fein Interesse auch diesem müßigen Teile der römischen Bevölkerung zugewandt: die tauglichen unter ihnen sind zum ak­tiven Arbeitsdienst einberufen worden. Die im Ge­biet von Littoria im Ager Pontinus neuangesiedelten Bauern haben nämlich keine Katzen, wohl aber zahl­lose Mäuse. Jedenfalls haben sie nach nicht weniger als 200 Katzen verlangt. Die Angestellten der römi­schen Tierschutzgesellschaft machten sich daraufhin auf den nicht leichten Katzenfang und suchten unter ihrer Beute die gesündesten und schönsten Exemplare aus, die in besonderen Käfigen auf Lastwagen nach Lit­toria geschickt wurden. Bei ihren neuen Herren wer­ben me Katzen es hoffentlich besser haben, als in ihren melancholischen Ruinen.

Die beschlagnahmte Jellachen-Brant.

(R) Kairo.

Die ganze Levante lacht gegenwärtig über den neuesten Streich her fleißigen Helfer des noch fiel- ßiaeren Rüssel-Pascha, jenes Engländers in könig­lich äanptischen Diensten, der an den Ufern des alten Nil einen aigantischen Kampf gegen den Rauschgifthandel führt.

Bewegt sich da durch die Gassen Kairos eine lange Prozession von Einaeborenen. Ein Hochzeitszug! In einem besonderen Wagen, dessen Fenster dicht ver­hangen sind, die Braut, die nach altem islamitischem Brauch der Bräutigam erst nach der Trauung sehen darf

Plötzlich stockt die Prozession. Polizeibeamte stehen nm den Wanen her Zukünftigen und machen An- ftaffen, das Allerheiligste einer gründlichen Unter­suchung zu unterziehen Protest. Geschrei. Emvörung der Familien. Die B-amten einigen sich schliestllch mit her aufa-menten Menge dah'n Braut und Wa­gen bi« zur Entscheidung her nächsthöheren Instanz zu belchsagnabmen.

Diese Instanz entscheidet dann nach einftünbioem gualnoll-'m Warten, baß das Zeremoniell unter Po­lizeiaufsicht zu geschehen habe, sintemalen her Wagen her Ansermählten unbehinqt einer höchst arünhlichen Durchsuchung zu unterziehen sei, da her Kutscher des Rauschgiftschmuggels dringend verdächtig Also ge­schah es, die Neuvermählten sollen jetzt, wie es heißt, eine starke Abneigung gegen Opium und andere süße Gifte zur Schau tragen.

Die große Szene.

(Avk) Budapest.

Die große Diva spielte die qroste. Szene mit In­brunst. Svannuna erfüllte den Raum des Buda- nefter Theaters Eine oMmraubenbe Situation auf her Bühne Da ein Schrei, her nicht im Reaie- buch stanb Ein» Zufchau-rin fiel in Ohnmacht Der Tb-aterarzt führte die Frau hinaus. Nach der un= fi-'hfamen Störung konnte hie Diva ihre große Szene zu fimhe svielen. . . Nach hem Aktfchluß er­hielt hie Schaiifvielerin einen B«üef- ..Hochverehrte Künstlerin, als lana'ährige afühenhe Verehrerin Ihrer Kunst habe ich mir Tag für Tag einige Heller nnm Munde abaefnart, um Sie in Ihrer neuesten Rolle bewundern z» hülfen. N-m kam dieser Schwächeanfoll Ich habe Sie gestört und bin selbst um b-n Kunstgenuß gekommen, auf hen ich mich schon seit Wochen so sehr aefreut hatte. Haben Sie Erbarmen mit einer armen Frau aus hem Volke iinh erstgtton Sie mir h»n Preis meines Varkettützes hie 4 Penaö 80 Heller, anähiaft zu­rück Auf bah ich nach meiner, hoffentlich baldigen Genesung wieher in« Theater kann .. ."

Die Dina tobte: ..Nicht aenua. hast diese Person meine ara&e Sene kg wüt gewacht hat nun will fie sogar GWh non mir haben* Eine Unverfroren­heit sondergleichen* ^rh henke nicht haran, dem un­verschämten Wunsch nachzukommen*'

Die Kollegen waren anderer Meinung:Sieh, die arme Krau ist nur Dir zuli-be in die Vor­stellung gekommen* Deine Kunst sollte fie die All- taasfaraen neraess-n machen Das ist doch ein Korn- ufimenf für Ttirh* Eine grenzenlose Anerkennung Deiner Fähigkeiten!"

Ich bin zwar nicht eitel", ließ die Diva ihr Herz erweichen,über ich will großzügig sein!" Spruchs und gab für diearme Frau" aus dem Volke die gewünschte Summe.

Jan und Hinnerk auf dem Eis.

T-T-y

Ein reizendes Bild aus dem Fischerdorf Völendam bei Amsterdam, wo die scharfe Kälte aus allen Grachten und Hafenbecken eine prächtige Eisbahn für klein und groß geschaffen hat.

Eitelkeit, dein Name ist Weib", fällte der Part« ner der Diva sein fachmännisches Urteil und verteilte die milde Gabe unter den Bühnenarbeitern, auf daß sie einen guten Tropfen auf das Wohl der Primadonna trinken mögen...

Die Schauspielerin bekam einen Weinkrampf, als sie am nächsten Tage aus einer Zeitung erfuhr, roie sie hinters Licht geführt worden war.

Das gestohlene Haus.

(hk) Warschau.

In Kielce ist eine Straftat zu verzeichnen, die bis­her wohl einzig dastehen dürfte. Hier wurde nämlich ein ganzes Haus gestohlen, und in einem Walde, vier Stunden entfernt, wieder aufgebaut. Erst nach fast zweimonatigem Suchen gelang es dem Haus­wirt im Verein mit der Polizei, fein Haus wieder ZU entdecken und die Diebe dem Gericht zuzuführen.

Dieser sensationellen Entführungsgeschichte ging ein Streit der Mieter nut dem Hauswirt voraus. Schließlich kündigte der Hauswirt den Bewohnern und forderte sie auf, das Haus innerhalb von einem Monat zu räumen. Die letzte Miete werde er Ende des Monats einziehen kommen. Als er nach vier Wochen zur Erhebung der Miete erschien, war bas Haus sozusagen verschwunden. Die Einwohner hat­ten im Laufe von zwei Nächten erst die Innenein­richtung des Hauses Stück für Stück abgebaut und verladen und bann die Außenwände der Holzkon- struktion auf den Wagen gepackt. Sie rückten also über Nacht mitsamt dem Hause aus und zogen sich in einen benachbarten, sehr dichten Wald zurück. Hier bauten sie das Haus auf einer Lichtung wieder auf und zogen fröhlich und in dem Bewußtsein, dem Hauswirt vorerst entgangen zu fein, wieder ein. Der betrogene Hauswirt vermochte auch von den Anwohnern des früheren Standortes des Hauses nichts zu erfahren, wohin die Ausreißer verschwun­den seien.

Ein Förster, der zufällig auf einem Dienstgang das Haus entdeckte, lenkte die Aufmerksamkeit der Behörden auf das so urplötzlich dort erstandene Haus. Durch Umfrage stellte man dann fest, daß in Kielce ein Haus gesucht werde.

Ein größeres Polizeiaufgebot setzte die Räumung des Hauses durch. Die Bewohner beteuerten, sie hät­ten die Verlegung nur vorgenommen, um vor dem Hauswirt ihre Ruhe zu haben ...

SvrcmininDcn Der Nedaktion.

11.30 bis 12 30 Uhr. 16 dir U Uhr. Sambias aochmUtag gejchlosiea.