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9.11.1933 Erstes Blatt
 
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Der Ehrentag der NationalsozialistischenBewegung

Von Joseph Verchtold

Drei Jahre waren wir marschiert. In ungezählten Tagen und Nächten. Hatten uns herumgeschlagen, dachten nicht an Geld­verdienen und eigen Schicksal, sahen allein das Ziel vor uns: ein einig Volk und ein freies Reich. Waren wenig nur an Zahl, verleumdet und verspottet und verlacht dazu und glaubten dennoch an un­seren Sieg. Von der ersten Stunde an, da wir dem Führer die Treue geschworen. Und wenn tausend gegen zwanzig standen und wir in Gefängnissen saßen, wir sangen unsere Lieder von der Sturmabteilung Hitler.

Arbeiter stand neben Student und Ange­stellter neben Fabrikantensohn, wurden aus gemeinsamem Kampf, gleichem Leid uno Sehnen eine einzig große Kameradschaft. So riesig war die Not aber, daß gar viele nichts anderes hatten als den alten Waf­fenrock, den sie am Leibe trugen und ein Paar Schuhe, die zerrißen waren vom Marsch und Dienst

Dann war es jo weit. Um die 11. Mor­genstunde des 8. November stand ich vor Adolf Hitler, den Befehl zur nationalen Erhebung entgegenzunehmen.

Unserer Sehnsucht Traum schien Vollen­dung zu werden, unser Kampf und unser Opfer vor der Krönung. Keiner mehr sollte in Zukunft Deutschland schmähen und schänden, was uns heilig. Wir gedachten unserer Toten, die des Sieges beraubt in Millionen Gräbern auf allen Schlachtfeldern der Erde und der Meere durch uns der Auf­erstehung harrten, und der Lebenden, denen ein Reich der Ehre, der Freiheit und Arbeit wir zu schaffen uns anschickten. Und dann marschierten wir unterm Hakenkreuz und Stahlhelm in den dämmernden Abend . . .

In dieser Nacht hatte der Führer die nationale Revolution ausgerufen. Sieg­kündend kletterten an den Masten unsere Fahnen hoch, siegesgewiß marschierten un­sere Kolonnen durch die Straßen Münchens, sangen die alten Kampflieder, wurden be­jubelt und umjubelt von Bürger und Ar­beiter, bis die Kunde kam vom Verrat.

Da ballten voll Ingrimm und Zorn wir die offenen Hände zur Faust, umklammer ten fester denn je die Schäfte unserer Fah nen, scharten uns enger um den Führer.

Freund und Feind sollten uns sehen unsere Fahnen, die für Deutschlands Frei heil flatterten, unsere Leiber, deren Herzen allein für Deutschland schlugen, unsere Augen, die leuchteten im Glauben an Deutschland und seinen Führer, und sie soll­ten unsere Lieder hören, die nichts anderes kündeten als Deutschland und nochmals Deutschland.

Voraus die Fahnen und die Führer. Dann Mann an Mann, Reihe hinter Reihe. Uber die Isarbrücke ging der Zug, bog ein am Rathaus, der Feldherrnhalle entgegen. Ent­laden die Gewehre . . .

In der vordersten Reihe stimmte irgend­ein namenloser S A.-Mann ein neues Lied an. O Deutschland hoch in Ehren. Fort pflanzt sich der Gesang bis zu den letzten im Zuge. O Deutschland hoch in Ehren. Hinauf stieg das Lied bis zu den Giebeln, von denen die Fahnen des alten, unbesiegten Deutschland und die Farben des neuen Reiches leuchteten. O Deutschland hoch in Ehren.

Mitten hinein knallt ein Schuß. Kalt, unbarmherzig. Eine Salve. O Deutschland . . . durchlöchert sinkt der Fahnenträger. Warmes Blut tränkt die Fahne. Verstummt ist das Lied. Der Tod hält Ernte.

Verboten ward Partei und S.A. Was wir zufamme.gehungert und zusammenge­bettelt Jahr um Jahr für unsere Bewegung und unseren Kampf, holten sie aus unserer Geschäftsstelle und unseren S.A.-Stellen. Hinter Festungsmauern faß der Führer und seine Getreuen.

Aber irgendwo in einer Lade harrte die Fahne mit dem Blut ihres Trägers der Auferstehung. Und unter den der Uniform beraubten Leibern der ehemaligen 6.2L-

Am y. November vor zehn Jahren forderte das Schicksal den Gpfertod deutscher Kameraden.

niemand ahnte damals, daß Ihr Tod der nationalsozialistischen öewegung erst das Leben sicherte, und daß die Stunde Ihres Sterbens zutiefst der Seginn des werdens war, aus dem fast zehn Jahre fpäter das neue Reich geboren wurde.

Denn niemals hätte die N.S.D.R p. als gefchlosiener Kampsfaktor durch die vom Schicksal geschenkte Zeit des Reifens bis zum Sieg erhalten werden können, in langen Jahren der Legalität, des Hinwartens, des befehlsmäßigen Erduldens gegne­rischen Terrors, in den Tagen enttäuschter Hoffnungen - nie hatte die N.S.o.M.P. den Spaltungsversuchen zu widerstehen vermocht, wenn nicht der letzte National­sozialist von der Überzeugung durchdrungen gewesen wäre: nicht aus Feigheit ver­hindert der Führer unser Losschlagen, nicht aus mangelnder Entschlußkraft gibt er keine Angriffsbefehle. Denn daß er den Mut zum Handeln besitzt, hat er am 8./9. November 1923 bewiesen. Damals zeigte er, daß er sich selbst und die Seinen rücksichtslos bis zum äußersten einzufetzen vermag, wenn es ihm notwendig und richtig erscheint.

Den Heweis der furchtbaren Ernsthaftigkeit seines damaligen Einsatzes aber erbrachten die Toten vor der Feldherrnhalle. ^Sie haben doch gesiegt", weil ihr Slut den versuch der Erhebung zum Ereignis historischen Ausmaßes werden ließ, das fldolf Hitler den Glauben der Gefolgschaft an sein bis zum letzten Ent­schluß reifendes Zührertum selbst in schweren Tagen sicherte.

wir senken die Fahnen vor den Toten des 9. November, denen wir danken, daß die Sewegung durchhielt bis zum Sieg, und alle die Toten, die ihnen folgten, nicht vergeblich sielen.

flus Toten wir- neues Leben.

fius unseren Toten war- -as neue Leben unseres Volkes, seien wir ihrer wür-ig, aus - mich -as Leben unseres Volkes ihrer wür-ig ist! Ku-ols Heß.

Männer schlugen die Herzen wie vorher für den Führer, die Idee und Deutschland. Und die Kameraden, die vor der Feldherrnhalle und dem Wehrkreiskommando ihr Leben aushauchten, blieben lebendig in uns. Als der Führer feine Alten rief, viele Monate später zu neuem Kampf für Deutschland, standen sie in Reih und Glied, wie vorher Zogen wieder von Dorf zu Dorf als Sol­daten Adolf Hitlers. Und wenn die einen in den Gefängnissen saßen, marschierten die anderen weiter und wenn über einem neuen gemordeten Kameraden sich ein Grab­hügel wölbte, sprangen hundert neue an dessen Stelle.

Groß und stark und stählern wurden wir

in diesem Ringen. Und wenn einer mutlos wollte auf Der Strecke bleiben, waren es der Führer, die gemordeten Kameraden und die tausend und abertausend namenlosen S.A.° Männer, die ihn wieder hochrisien zu neuem Kampf und neuem Glauben...

Bis dann aus Kampf und Glauben und Opfer das Reich unser ward, das an jenem Mittag vor zehn Jahren unsere ersten Toten zu schauen geglaubt.

Nun stehen wir vor euch, Kameraden, an der Stelle, wo euer Blut floß, sehen im Geiste euch vierhundert, die ihr starbet in diesem Kampfe und künden euch euren und unseren Sieg:

EinBolk, einReich, einElaube!

Ar teilt tiito ött

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Die Hofbräuhausschlacht am 4. November 1921

($g war ein Fähnlein von wenig Aufrechten, das sich in der ersten Kampfzeit der N.S.D.A.P. zusammengefunden hatte und den Schwur ab­legte, nicht eher zu rasten und zu ruhen, bis das Verbrechen vom 9. November 1918 gesühnt ist. Schnell meldeten sich einige herzhafte Männer Frontsoldaten und einige junge Kerls, die es nicht verstehen konnten, daß die deutsche Ehre nun für immer gestrichen sei. Wir waren 40 an der Zahl, bereit, den Führer und die kleine Organisation der damaligen Deutschen Arbeiterpartei unter allen Umständen zu schützen und uns restlos für den Aufbau der­selben einzusetzen.

Eines Abendswenige Tage vorher war ein sozialdemokratischer Abgeordneter auf der Straße verprügelt worden und die S.P.D. schob die Tat den Nationalsozialisten in die Schuhe war dicke Luft". Die N.S.D.A.P. war mit ihrer aufrüttelnden Propaganda der Sozialdemokra­tischen Partei schon längst auf die Nerven ge­fallen. Die marxistischen Führer glaubten nun, mit einem Schlag die junge Bewegung nieder­knüppeln zu können. Für die nächsten großen Versammlungen der N.S.D.A.P. im Hosbrän- haus, die damals schon regelmäßig abgehalten wurden, wurde die Sprengungsparole aus- gegeben. Man mobilisierte einige rote Be­triebe und gab ihnen den Befehl, in dieser Ver­sammlung mit der N.S.D.AP. ein für alle­mal Schluß zu machen. Die junge Be­wegung mußte hier zeigen, ob sie in der Lage war, auch gegenüber brutalem Terror sich durch- zusetzen.

Gegen 6 Uhr abends kamen an jenem 4. No­vember des Jahres 1921 die ersten jener 40 An­gehörigen der Schutzabteilung im Hofbräuhaus­festsaal zusammen. Ein Rednerpult wurde auf­gestellt, umgeben von einer Hakenkreuzflagge. Um 6.30 Uhr waren wir fast restlos versam­melt und Maurice, der Führer der Schutz­abteilung, ließ uns im Vorplatz antreten. Wir waren teilweise in einer alten grauen Uniform, ohne jegliche Abzeichen, der Rest in Zivil; am linken Oberarm trugen wir alle dieselbe Arm­binde, wie sie jetzt noch von der S.A. getragen wird.

Bevor wir unserer eigentlichen Aufgabe zu- geteilt wurden, kam noch Adolf Hitler, um zu sehen, wie der Zudrang zur Versamm­lung war. Uns von der Schuhabteilung blickte er jedem Einzelnen fest in die Augen und wir wußten, daß wir aus Gedeih und Verderben nun mit ihm verbunden waren, als er zu uns sagte, daß er jedem persönlich die Armbinde h e r o n t e r r e i ß e, der sich heute als Feigling zeige.

Wir schätzten die Gegner ungefähr auf 800 und gegenüber stand die Saalschutzabteilung mit 40 Kameraden. Dicke Rauchschwaden hatten schon den Saal durchzogen, als Adolf Hit- I e r mit Hermann Esser, dem Versammlungs­leiter, den Saal betrat, herzlichst begrüßt von seinen wenigen Kameraden. Scheu und ver­dächtig schauten die Roten auf den Mann, der sie herausgefordert hatte und den sie zum ersten­mal persönlich kennenlernen sollten. Noch fiel kein Wort, nur eine unheimliche Spannung lag aus der ganzen Versammlung. Hermann Esser eröffnete die Versammlung und gab Adolf Hitler das Wort. Adolf Hitler steht vor der Riesenversammlung und spricht von einem Deutschland, das sich wieder zusammensinden müße unter einer Fahne, und Abrechnung hal­ten müße mit seinen inneren Feinden, die uns verraten und verkauft und in Not und Elend getrieben haben. Da und dort erfolgt ein Zwischenruf, aber doch herrscht Ruhe noch im Saal und wir merken, wie mancher da und dort mit dem Kopf nickt, um seine Zustimmung zu geben. Als ein Wort über die Juden fällt, brüllt ein Teil auf, aber es verebbt wieder unter den eindrucksvollen wuchtigen Worten, die Adolf Hitler immer wieder in die Menge hineinschleudert. Schon glauben wir, daß die Versammlung ein ruhiges Ende nehmen wird.

Ein friedlicher Ausgang dieser Versammlung wäre eine gewaltige Niederlage des Marxismus gewesen und so schürten und hetzten die Gegner und zahlten Bier. Was durch Vernunft nicht geschehen konnte, wurde mit Rauschgift besorgt. Es war Schlag 10 Uhr. als ein schneller Pfiff der Gegner durch den Saal gellte, dem sofort ein Maßkrug folgte, der von der gegenüberliegenden Seite des Redner­pults auf Adolf Hitler geworfen wurde. 6uar»j