Ausgabe 
9.11.1933 Erstes Blatt
 
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fieren. Der Staatsmann kann nur bet Sprecher, her Führer des Volks fein hie Kraft muh im Volk selbst verankert sein und an diese Kraft des deutschen Volks, die sich in Jahrtausenden bewährt Hat, will ich appellieren.

Aus der Erinnerung dieser zehnjährigen Bet- gangenheil wollen wir die.hoffnung mitnehmen, doh so, wie durch unsere Handlung in diesen zehn Jahren am Ende doch die Versöh­nung zustande kam zwischen denen, die sich in Deutschland feindlich gegenüberskanden, in den kommenden zehn Jahren auch diever- söhnung kommen wird zwischen den Völkern, die heute noch durch verleumde­rische Elemente gegeneinander gehetzt werden. Denn wir daran glauben, dah die Völker ein­mal auch gemeinsam ihre höheren und größeren Interessen wahrnehmen werden, dann müssen wir bedenken: Ehrliche Völker werden sich nie mit unehrlichen verbinden. Dollen wir den Bund, dann müssen wir selbst zum ehr­lichen Volk werden. Das kann dem Ein­zelnen noch so schwer fein: Jlur über diesen weg führt endlich der Deg zur tatsächlichen Gleich­berechtigung und damit zu einer Interessen­gemeinschaft groher Nationen und groher

Völker.

Meine SA.-Kameraden! Meine SA.-Führer! Meine Mitkämpfer! Ich konnte stark bleiben, weil Ihr mir treu geblieben seid, nur des­halb ganz allein. Was ist alle Stärke eines Mannes, wenn er nicht getragen wird von der Treue seiner Mitstreiter?! Ihr seid mir treu geblieben! Ich bin durch euch stark geblieben, darum brauche ich euch heute nicht zu bitten. Aber die deutsche Nation möge ftd) an euch und eurer Treue e i n Beispiel neymen an diesem 12. November.

Mitternächtliche Feierstunde.

Göring ruft zum Treugelöbnis zum Führer auf.

München, 8. Noo. (WTD.) Unter ungeheurer Anteilnahme der Bevölkerung fand gegen Mitter­nacht am Königsplatz d i e Feier der histori­schen Nacht, des 9. November 1923, statt. Zehn- tausende von Fackeln erhellten den riesigen Platz. Die Landesoolizei leitete das Programm mit dem Zapfenstreich ein. Machtvoll klang das Deutschland- Lied an den Nachthimmel. Dann eröffnete Gauleiter Wagner die Kundgebung. Nach dem Baden­weiler Marsch führte Ministerpräsident Göring u. a. aus: Unser Führer hat mich beauftragt, heute des Ereignisses zu gedenken, das der e r st e g r o ß e flammende Aufruf war, endlich alle Kräfte zusammenzufassen, um Deutschland nicht in den Abgrund gleiten zu lassen. Mein erster Gruß gilt heute den alten Mitkämpfern. Die Kund­gebung schließt einen zehnjährigen Kampf ab, ist eine Kundgebung des Sieges.

Aus der Asche des 9. November 1923 stieg kühn der Adler unserer Bewegung aufs neue empor. Heute wissen wir, daß die Bewegung Deutschland ist und daß Deutschland in ihr ge­eint ist. Aus Klassen, Berufen, Parteien und Kon­fessionen entstand das deutsche Volk. Laßt die Fackeln leuchten und Euch in Die Herzen einbren­nen, daß nur der Glaube, nur d i e Treue einem Volk d i e Kraft geben kann, um aus bitterster Not heraus zu neuem Aufstieg zu gelangen. Auch diese Kundgebung soll eine Kundgebung unauslöschlichen Dankes sein unserem §ührer, ein ewig währendes Gedenken an die pser, die diesen Sieg ermöglichten und letztens eine gewaltige Kundgebung unerschütter-' licher Treue zu Führer und Volk. Nicht mehr länger strahlen 60 Millionen Energien gegen­einander, es fand sich der Führer, der Staatsmann, der in seiner Faust die 60 Millionen Energien hält, um sie dort einzusetzen, wo das Schicksal Deutsch­lands diesen Einsatz erfordert. Gedenkt morgen auch des furchtbaren Moments, als die Salve krachte und die Fahne niederfank! Seid aber auch eingedenk, dah im gleichen Augenblick der Geist des toten Fahnenträgers sich erhob. Die Fahne wurde wieder gehißt. Heute ist diese Fahne das Feldzeichen des Sieges und der deutschen Auferstehung! In wenigen Tagen wird der Führer Euch wieder rufen. Sorgt dafür, daß am 12. November die Welt sieht, daß das deutsche Volk erscheint. Die Ausführun­gen fanden stürmischen Beifall. Nach dem Gesang des Horst-Wessel-Licdes wurde ein dreifaches Sieg- Heil auf den Führer ausgebracht.

©er Führer spricht morgen zum schaffenden ©eutschtand.

Allseitige Teilnahme im Rhein-Main» Gebiet gesichert.

Frankfurt a. M., 9. Noo. Der Rhein- Mainische Industrie - und Handelstag gibt folgendes bekannt: Am Freitag, dem 10. No­vember 1933, wird sich der Reichskanzler Adolf Hitler in die Siemens-Werke in Berlin begeben, uni nach feinek Wahlreise, die ihn au allen deutschen Stämmen geführt hat, noch einmal z u dem gan­zen schassenden Deutschland zu spre- chen Der Bedeutung dieser Stunde entsprechend wird für die Dauer der Rede des Führers in a 11 e n Betrieben, mit Ausnahme der lebenswichtigen, d t e Arbeit ruhen. Alle deutschen Unternehmer werden diese einzigartige Veranstaltung nach je­der Richtung unter stützen und die Durch- fuhrung gewährleisten. Alle Arbeitnehmer werden zusammen mit den Unternehmern geschlos- sen an der Uebertragung teilnehmen.

Weber die Durchführung der Kundgebung haben die zuständigen Spitzenorganisationen bereits nähere Anweisung ergehen lassen. Der Rhein-Mainische Industrie- und Handclotag als berufene Vertretung der gesamten gewerblichen Wirtschaft unseres Ge­bietes erwartet, daß jeder Durch genaue Befolgung der ergangenen Anweifun- gen dazu beiträgt, daß die Kundgebung e i n geschloffenes Bild de» einheitlichen Willens des deutschen Volkes bietet. Grundsatz muß sein, daß jeder Schaffende am 10. No- vember'den Appell des Führers an feiner Arbeitsstätte hört! Auch in den Betrieben, die von 13 bis 14 Uhr Mittags­pause haben, versammelt sich die Beleg, f ch a f t zu der Uebertragung an ihrer Arbeitsstätte. Alle Einzelhandelsgeschäfte werden von 12.50 Uhr bis 14.10 Uhr für jeden Publi- kumsverkehr geschlossen

Neichspropagan-aminister ©r. Goebbels als Zeuge im Neichsiagsbrandstisterprozeß.

Berlin, 8. Noo. (WTB.) Die Vernehmung des Reichsministers Dr. Goebbels beginnt pünktlich um »MO Uhr. Bei dem Erscheinen des Ministers erheben sich die Anwesenden und be- grüßen den Minister mit dem deutschen Gruß.

Auf die Frage des Vorsitzenden erklärte der Mi­nister, daß er sich nicht im Zusammenhang, son­dern lieber auf einzelne Fragen äußern wolle. Vorsitzender: Wann haben Sie vom Reichstags- brand Kenntnis erhalten? Dr. Goebbels: An dem Tage hatte eine Kabinettssitzung stattgefun- den, und am Abend war der Führer in meiner Wohnung zu Gast. Ich wurde während des Abend­brotes ans Telefon gerufen. Unser Auslandspresse, leitet Dr. Hanfstängel wohnte damals als Gast des Reichstagspräsidenten Göring i m Reichstagspräsidenten-Palais. Er be­nachrichtigte mit nun telefonisch daß der Reichs- tag brenne. Ich habe diese Mitteilung für abso- (ut absurd gehalten und glaubte, es handele sich dabei um einen Scherz, umsomehr, als ich acht Tage vorher einen telefonischen Ulk mit Dr. Hanfstängel veranstaltet hatte und glaubte, jetzt komme eine Retourkutsche. Ich sagte ihm, ich will das nicht mehr anhören und hängte ein. Ich machte gar keinen Gebrauch von der telefonischen Mitteilung. Bald darauf wurde aber wieder an- gerufen, Hanfstängel sagte, er sitze dem Reichs- tag gegenüber und sehe Die flammen her- ausschlagen. Darauf hielt ich es für meine Pflicht, das dem Führer mitzuteilen. Er wollte es zuerst auch nicht glauben, so überraschend kam die Mitteilung. Mr haben uns ins Auto gesetzt und sind in rasendem Temoo zum Reichstag ge­fahren. Gleich an Portal II trat uns Minister­präsident Göring entgegen und erklärte, es han-

bele sich um ein politisches Attentat, einer der Täter sei schon gesoßt, ein holländischer Korn- munift, der jetzt in Gewahrsam sei und oernom- men werde.

Vorsitzender: haben Sie die vielfach erwähnte Aeuherung des Reichskanzler ge­hört. die sich auf die Urheberschaft des Brande» bezog?

Dr. Goebbels: Jawohl, es war auch ganz natürlich, denn schon am Eingang war uns ja vom Ministerpräsidenten mitgeteilt worden, dah es sich um ein kommunistisches Alten- t a t handele. Als Herr o. Papen seiner Be­stürzung und Verwunderung über diese Tat­sache Ausdruck gab, sagte der Führer: Das ist ein Zeichen dafür, wie die Situation wirklich i ft hier blutet die Situation sich aus. hier kann man sehen, in welcher Gefahr Deutschland steht, und das deutsche Volk kann überzeugt fein, daß ich es für meine Pflicht halte, die deutsche Ration vor dieser Gefahr zu erretten.

Vorsitzender: Ging die Ansicht einheitlich dahin, daß die Kommunisten die Urheber seien?

Dr. Goebbels: Ganz einheitlich. Es bestand für uns kein Zweifel darüber, daß dieses Attentat von langer Hand vorbereitet war, daß diese Vorbereitungen von größeren Gruppen getroffen sein müssen und daß ein einzelner Mensch praktisch auch den Brand nicht angelegt haben könnte, daß es keine politische Gruppe in Deutschland gab, die bei Gelingen des Attentats einen Vorteil haben konnte, als nur die Kommu­nistische Partei.

Die Taktik der KPD. wird entlarvt

Vorsitzender: Das Braunbuch schlägt eine beson­dere politische Praxis ein, um zu erklären, daß die Schuldigen an anderer Stelle zu suchen seien.

Dr. Goebbels: Das Manöver ist mir von der Kommunistischen Partei bekannt. Es ist ein alter kommunistischer Trick, der dann immer angewandt wird, wenn die Kommunistische Partei ein schlech­tes Gewissen hat. Ich habe Beispiele aus meiner eigenen Erfahrung. Am eklatantesten ist der Fall H o r st Wessels gewesen. Dieser Student und Arbeiter zugleich hat sich mit unaussprechlichem Idealismus für unsere Bewegung eingesetzt und nach und nach zwei - bis dreihundert Rote Frontkämpfer in die nationalsozia­listische Bewegung hineingezogen. Der Erfolg war, daß eine kommuni st ische Sprengkolonne in feine Wohnung eindrang und ihn an seiner Tür nieder sch oh. Nun lag dieser Fall so eindeutig, daß weit über den Kreis unserer Partei hinaus die Oeffentlichkeit Berlins für uns Stellung zu nehmen begann. Die Kommunistische Partei aber hatte ein so schlechtes Gewissen, daß sie nur durch skrupellose Verdrehung der Tatsachen überhaupt etwas für sich herausholen konnte. Sie behauptete plötzlich, daß es sich nicht um einen Nationalsozia­listen, sondern um einen Zuhälter gehandelt habe. Die Kommunistische Partei ist nicht einmal davor zurückgeschreckt, den Leichenzug Horst Wessels anzugreifen. Und es hat sich dann m dem Prozeß herausgestellt, daß diejenigen, die dieses Drama zu einem Zuhälterdrama umfälschten, von fom- muniftifd)en Funktionären im Karl-

Liebknecht-Haus angeftiftet worden waren. Jetzt haben sie ein solches bestelltes Theater allerdings nicht in Berlin veranlaßt, sondern in London. Ich bedauere nur, daß eine andere Regie­rung das zugelassen hat und kann mir das nur so erklären, daß sie die Kommunistische Partei nicht kennt. Die Kommunistische Partei das steht für mich zweifellos fest ist die eigentliche Ur­heberin des Brandes gewesen.

Vorsitzender: wollen Sie sich ju der im Braunbach enthaltenen Beschuldigung äußern, dah bestimmte Personen bei der NSDAP, al» Brandstifter in Frage kamen?

Dr. Goebbels: Ich habe mit großem Erstau­nen festgestellt, daß das Braunbuch meint, der Plan fei in meinem fi o p f entstanden. Oberleutnant Schulz habe ich feit der Partei- krife im November vorigen Jahre» nicht wieder- gesehen. E» handelte sich damals darum, daß Gregor Straßer seine Treue zur Partei nicht so bewährte, wie man da» von ihm erwarten durste. In demselben Augenblick muhte er von der Tribüne der Oeffentlichkeit verschwin­den und mit ihm sein Adjutant Oberleutnant Schulz. Seitdem haben wir alle keinen Verkehr mit den Herren gepflogen und sollen wir ausgerechnet diesen Mann be­auftragt haben, den Reichstag in Brand zu stecken?

Torglers zwei Gesichte.

Vorsitzender: Wissen Sie, ob von der Kommuni­stischen Partei zeitweilig die Parole zurückgenommen worden ist: Schlagt dieFaschisten.woihr sie trefft!"?

Dr. Goebbels: Es ist später einmal eine Ver­lautbarung der kommunistischen Partei veröffent­licht worden, in der sie sich gegen den Individual- terror aussvrach. Das war aber praktisch von keiner Bedeutung. Ich bin überzeugt, daß die Kommunistische Partei den Terror nicht nur nicht ablehnte, sondern darin das beste Mit­tel zur Niederkämpfung des politischen Gegners sah. Ich habe mit Erstaunen gelesen, daß die Par- teiarntlichkeit dieser Parole angezweifelt wurde. Das ist geradezu absurd. T o r g l e r hat sie selbst in seinen Versammlungen vorgebracht. Daß er sich später herauszureden suchte. Damit, dah er nicht gesagt habeschlagt sie nieder" sondern schlagt |ie\ ist der einzige Unterschied gewesen.

Reichsgerichtsrat Dr. Coender: Dorgier hat es so hingestellt, als ob er im Reichstage beson­ders versöhnlich aufgetreten wäre.

Dr. Goebbels: Ich habe Torgier sehr aufmerk­sam jahrelang beobachtet, ohne daß ich je ein Wort mit ihm gewechselt hätte. Ich bin zu der lieber- zeugung gekommen, daß man Die Kommunistische Partei in drei Klassen einteilen muß. Es gibt den ehrlichen Arbeiter. Der an Den Kommunismus glaubt unD überzeugt ist, Daß er ihm ein besseres Leben geben könne. Wir haben uns Immer vernäht, Diese Menschen für uns zurück­zugewinnen. Es gibt eine zweite Klasse, Das ist Der Janhagel auf ber Straße, Den Die Kommunistische Partei benutzt, um Verbrechen zu tarnen. Das finb Die Menschen, Die Attentate Plünderungen unD UeberfäUe immer unter Der Flagge des Kommunismus vor sich gehen lassen, weil sie hoffen, vor Gericht als politische Ange­klagte milde wegzukommen.

L» gibt eine Dritte Klasse, Da» sind Die f o g. Intellektuellen, Die sehr schlau ver­stehen, sich Immer hinter den Fanatikern zu verkriechen, um Dem Zugriff Der Gerichte ent­zogen zu sein. Zu Dieser Klasse rechne ich I o r g l e r. Ich glaube nicht, an seine BleDer- männigkeit, ich bin im jeden Fall überzeugt, daß er einer Der gefährlich st en der kommunistischen Führer gewesen ist, dah Irog- ler die Maske be» Biebermannes nur oorbln- det, um bahlnter seine kommunistische Gesin­nung zu verstecken. Diese Ueberzeugung haben alle meine Beobachtungen Im Reichstag be­stätigt. lorglcr war Immer derjenige, bet hin-

* ter feinet Fraktion stand, bet niemals nach

vorn zu gehen wagt. Aus vielen Unler- rebungen mit Parteigenossen, ble Versammlun­gen Torglers besucht haben, weih Ich, bah er immer und immenr wieder die Paroleschlagt ble Faschisten wo ihr sie trefft" aussprach, bah er bort Immer bet größte Hetzer war unb bann am nächsten Tage im haushaltsaus- schuh unb Reichstag ben seriösen unb konzilian­ten Biebermann spielte.

Oberreichsanwalt Dr. Werner: Torgler hat sich bahin ausgesprochen, daß die Parole: Schlagt die Faschisten! jedenfalls von ihm im geistigen Sinne verstanden worden sei.

Dr. Goebbels: Herr Oberreichsanwalt, es ist ja von gar keinem Belang, was Herr Torgler bei dieser Parole privattm denkt, um es bei einer eventuellen Vernehmung Vorbringen zu kön­nen (Heiterkeit), sondern ausschlaggebend ist, u) e l' ch e Folgen eine solche Parole in der A n - hängerschaft hat, und die Folge des brachialen Vergehens ist ganz unzweifelhaft. Ich selbst habe es einmal erlebt, dah bei dem Kampf um das Poung-Begehren, als ich einen Demonstrationszug Der nationalsozialistischen Bewegung in der Nähe Des Görlitzer Bahnhofs abnahm und später nichts- ahnend in meinem Wagen saß, ich plötzlich sah, wie ein kommunistischer Funktionär unter dem Ruf:Schlagt die Faschisten wo ihr sie trefft!", mit einem Revolver auf m i ch zielte. Nur durch die Geistesgegenwart meines Chauffeurs wurde ich gerettet. Derselbe Äommunift er­schien zwei Stunden später, nachdem ich auf dem Polizeipräsidium als Angeklagter eingeliefert wor­den war, als Zeuge.

Der Angeklagte Dimitroff fragt, ob Reichs- Minister Dr. Goebbels im Rundfunk nicht eine Rede aehalten habe. In ber er nicht nur bie Kommuni­stische Partei, fonbern auch bie Sozialdemo­kratische Partei als Urheberin des Brandes hinstellte.

Dr. Goebbels: Wenn wir die Kommunisten ber Urheberschaft anklagen, so war die ununter­brochene Verbindung zur Sozialde­mokratie gegeben. Wir waren nicht ber bürger­lichen Auffassung, bah ein grundsätzlicher Unter- schieb zwischen Kommunismus unb Sozialdemokratie bestand. Für uns bestehen bie Unterschiebe beiber Parteien nur In ber Taktik der Kämpfe, nicht aber im Grundsatz.

Dimitroff: Weih der Zeuge, daß in Deutschland viele politische Morde begangen worden sind? Es wurden die kommunistischen Führer Karl Lieb­knecht unb Rosa Luxemburg ermordet.

Vorsitzender: ... Halt, halt! Wir haben hier aufzuklären, wer ben Reichstag in Lranb ge­

steckt hat. Da kann man nicht so weit in bie Ver­gangenheit zurückkehren.

Minister Goebbels: Es wäre zweckmäßiger, wenn wir bei Adam unb Eva anfingen (Heiter­keit im Zuhörerraum). Als biefe Morbe geschahen, existierte unsere Bewegung noch gar nicht unb Hiller lag als Kriegsblinder im Laza­rett in Pasewalk.

Dimitroff: Weih ber Zeuge, bah Deutsche Staats- männer wie Rathenau und Erzberger von Kreisen der Rechten ...

Der Vorsitzende unterbricht.

Dr. (B o e b b e l» : Ich habe nicht bas Bebürf- nis, mich an diesen Fragen oordeizubrücken. Die Ermorbung Rathenaus unb Erzbergers ist nicht von nationalsozialistischen Kreisen geschehen. Damals war bie Na­tionalsozialistenbewegung noch eine ganz kleine Gruppe, bie in München Agitation trieb. Ich bin

Jiur ASOAP., nurja*

am 12 Jiot>em6er/hann geht die Gönne über Deutschland auf!

Nationalsozialist unb entschlossen, alle», was ble nationalsozialistische Bewegung getan hat, zu verantworten. Darüber hinaus geht e» aber nicht an, Dinge, bie sich außer­halb ber Bewegung ereignet haben, ber Be­wegung in bie Schuhe z u schieben.

Oberreichsanwalt: Ich finde es sehr entgegenkommend, bah ber Minister biefe Fra­gen beantwortet, aber Ich glaube, bah es doch richtiger wäre, Diese Fragen überhaupt nicht be­antworten zu lassen, denn sie werben nur ge­stellt, um in einer gewissen Richtung Propa- ganba zu treiben.

Dr. Goebbel» : Ich beantworte ble Fragen nicht beshaib, weil sie zur Finbung ber Wahr­heit beitragen, aber ich will Dimitroff unb ber Weltpresse nicht Gelegenheit geben, zu behaup­ten, bah Ich mich vor der Beantwortung einet Frage verkrochen unb gebrückt hätte. Ich habe anberen Ceuten Rebe und Antwort gestanden, als diesem kleinen kommunisti­schen Agitator. (Beifall im Zuhörerraum.) Ich bitte, diese Fragen zuzulassen.

Dimitroff: Herr Minister, ist Ihnen bekannt, daß in Oesterreich und in der Tschecho­slowakei ihre Gesinnungsgenossen, National­sozialisten auch illegal arbeiten müssen, illegale Propaganda machen müssen und mit falschen chiff­rierten Adressen und chiffrierter Korrespondenz?

Dr. Goebbels: E» scheint, daß sie die national­sozialistische Bewegung beleidigen wollen. Ich ant­worte Ihnen mit Schopenhauer:Jeder Mann verdient, dah man ihn ansicht, aber er verdient nicht, dah man mit ihm redet!"

Angeklagter Torgler: Ist Ihnen bekannt, daß gerade die Kommunistische Partei das aller­größte Interesse an einem reibungs­losen Verlauf der R e i ch s t a g s w a h 1 e n am 5. März hatte, weil sie ihre Aussichten außer­ordentlich günstig einschätzte, weil sie erwartete, daß breite Kreise der sozialdemokratischen Arbeiter sich bei diesen Wahlen zur Kommunistischen Partei be­kennen würden?

Dr. Goebbels: Nein, das ist mir unbekannt. Ich halte es auch für vollkommen unwahr­scheinlich. Die Kommunistische Partei mochte so viel Stimmen von der Sozialdemokratie bekommen, wie sie wollte, sie war sich doch darüber im klaren, daß, wenn die Wahlen vorbei waren, die National- sozialistische Partei entschlossen war, die KPD. mit Stumpf unb Stiel auszurotten.

Torgler: Ist Ihnen bekannt, baß bie Parole Schlagt bie Faschisten tot" bis 1930 von ber KPD. herausgegeben war, baß aber nach ber Reichstags­wahl vom 14. September 1930 auf Das alleren!- schieDenste diese Parole als absolut falsch verworfen wurde, daß eine tiefgehende Partei- fampaane dagegen geführt wurde, und daß bie Anweisung herausgegeben würbe, mit den Natio­nalsozialisten zu diskutieren.

Dr. Goebbels: Es ist bekannt, daß das Inder Theorie gemacht wurde, daß es aber in der Praxis anders aussah. Ich habe ja eine solche Diskussion mit ihren prominentesten Ver­tretern geschildert.

Torgler: Ist Ihnen nicht bekannt Daß ernsthafte Versuche gemacht worben finb? Ich habe selbst mit Nationalsozialisten über bie zwei Weltanschau­ungen biskutiert.

Minister Goebbels in großer Erregung: Ja. Sie haben biskutiert mit ben kleinen S A. - Leuten, Denen gegenüber Sie f i ch überlegen fühlten. Wenn Sie vor meine Klinge kamen, wagten Sie nicht zu ant­worten, weil Sie Dann unterlegen waren. Ich habe Sie oft genug eingeladen. Sie haben Die Gelegenheit aber nicht wahrgenommen, stattdessen sinb Sie mit Brachialgewalt oorgeaangen.

Torgler: Ich mochte ausbrücklich feftfteQen in An­wesenheit Des Ministers Dr. Goebbels, Daß ich in Derselben Tonart, in derselben Sprache unD in Der­selben sachlichen Art unb Weise wie im Reichstag auch in Den Volksversammlungen ge­sprochen habe. Daß ich niemals Die Paroleschlagt bie Faschisten, wo ihr sie trefft" propagiert habe, baß ich mich immer mit großem Nachbruck und großer Energie für die geistige Auseinandersetzung zwischen den beiden Weltanschauungen eingesetzt habe.

Dr. Goebbels: E» ist außerordentlich bedauer­lich, bah bie kommunistische Anhängerschaft Herrn Torgler so schlecht verstan» b e n hat. Selbstverständlich wird er h e u t e sich bemühen, bie Parole, schlagt die usw. al» die Aufforderung zu einer geistigen Auseinander­setzung hinzustellen. Damit werden aber bie 4 00 Opfer dieser Parole den Grä­bern nicht mehr entrissen. Die kom­munistische Partei hat diese Parole praktisch bl» zu ihrer Vernichtung durchgeführt, und Ich bin berechtigt zu der Annahme, daß da» mit