fieren. Der Staatsmann kann nur bet Sprecher, her Führer des Volks fein — hie Kraft muh im Volk selbst verankert sein und an diese Kraft des deutschen Volks, die sich in Jahrtausenden bewährt Hat, will ich appellieren.
Aus der Erinnerung dieser zehnjährigen Bet- gangenheil wollen wir die.hoffnung mitnehmen, doh so, wie durch unsere Handlung in diesen zehn Jahren am Ende doch die Versöhnung zustande kam zwischen denen, die sich in Deutschland feindlich gegenüberskanden, in den kommenden zehn Jahren auch diever- söhnung kommen wird zwischen den Völkern, die heute noch durch verleumderische Elemente gegeneinander gehetzt werden. Denn wir daran glauben, dah die Völker einmal auch gemeinsam ihre höheren und größeren Interessen wahrnehmen werden, dann müssen wir bedenken: Ehrliche Völker werden sich nie mit unehrlichen verbinden. Dollen wir den Bund, dann müssen wir selbst zum ehrlichen Volk werden. Das kann dem Einzelnen noch so schwer fein: Jlur über diesen weg führt endlich der Deg zur tatsächlichen Gleichberechtigung und damit zu einer Interessengemeinschaft groher Nationen und groher
Völker.
Meine SA.-Kameraden! Meine SA.-Führer! Meine Mitkämpfer! Ich konnte stark bleiben, weil Ihr mir treu geblieben seid, nur deshalb ganz allein. Was ist alle Stärke eines Mannes, wenn er nicht getragen wird von der Treue seiner Mitstreiter?! Ihr seid mir treu geblieben! Ich bin durch euch stark geblieben, darum brauche ich euch heute nicht zu bitten. Aber die deutsche Nation möge ftd) an euch und eurer Treue e i n Beispiel neymen an diesem 12. November.
Mitternächtliche Feierstunde.
Göring ruft zum Treugelöbnis zum Führer auf.
München, 8. Noo. (WTD.) Unter ungeheurer Anteilnahme der Bevölkerung fand gegen Mitternacht am Königsplatz d i e Feier der historischen Nacht, des 9. November 1923, statt. Zehn- tausende von Fackeln erhellten den riesigen Platz. Die Landesoolizei leitete das Programm mit dem Zapfenstreich ein. Machtvoll klang das Deutschland- Lied an den Nachthimmel. Dann eröffnete Gauleiter Wagner die Kundgebung. Nach dem Badenweiler Marsch führte Ministerpräsident Göring u. a. aus: Unser Führer hat mich beauftragt, heute des Ereignisses zu gedenken, das der e r st e g r o ß e flammende Aufruf war, endlich alle Kräfte zusammenzufassen, um Deutschland nicht in den Abgrund gleiten zu lassen. Mein erster Gruß gilt heute den alten Mitkämpfern. Die Kundgebung schließt einen zehnjährigen Kampf ab, ist eine Kundgebung des Sieges.
Aus der Asche des 9. November 1923 stieg kühn der Adler unserer Bewegung aufs neue empor. Heute wissen wir, daß die Bewegung Deutschland ist und daß Deutschland in ihr geeint ist. Aus Klassen, Berufen, Parteien und Konfessionen entstand das deutsche Volk. Laßt die Fackeln leuchten und Euch in Die Herzen einbrennen, daß nur der Glaube, nur d i e Treue einem Volk d i e Kraft geben kann, um aus bitterster Not heraus zu neuem Aufstieg zu gelangen. Auch diese Kundgebung soll eine Kundgebung unauslöschlichen Dankes sein unserem §ührer, ein ewig währendes Gedenken an die pser, die diesen Sieg ermöglichten und letztens eine gewaltige Kundgebung unerschütter-' licher Treue zu Führer und Volk. Nicht mehr länger strahlen 60 Millionen Energien gegeneinander, es fand sich der Führer, der Staatsmann, der in seiner Faust die 60 Millionen Energien hält, um sie dort einzusetzen, wo das Schicksal Deutschlands diesen Einsatz erfordert. Gedenkt morgen auch des furchtbaren Moments, als die Salve krachte und die Fahne niederfank! Seid aber auch eingedenk, dah im gleichen Augenblick der Geist des toten Fahnenträgers sich erhob. Die Fahne wurde wieder gehißt. Heute ist diese Fahne das Feldzeichen des Sieges und der deutschen Auferstehung! In wenigen Tagen wird der Führer Euch wieder rufen. Sorgt dafür, daß am 12. November die Welt sieht, daß das deutsche Volk erscheint. — Die Ausführungen fanden stürmischen Beifall. Nach dem Gesang des Horst-Wessel-Licdes wurde ein dreifaches Sieg- Heil auf den Führer ausgebracht.
©er Führer spricht morgen zum schaffenden ©eutschtand.
Allseitige Teilnahme im Rhein-Main» Gebiet gesichert.
Frankfurt a. M., 9. Noo. Der Rhein- Mainische Industrie - und Handelstag gibt folgendes bekannt: Am Freitag, dem 10. November 1933, wird sich der Reichskanzler Adolf Hitler in die Siemens-Werke in Berlin begeben, uni nach feinek Wahlreise, die ihn au allen deutschen Stämmen geführt hat, noch einmal z u dem ganzen schassenden Deutschland zu spre- chen Der Bedeutung dieser Stunde entsprechend wird für die Dauer der Rede des Führers in a 11 e n Betrieben, mit Ausnahme der lebenswichtigen, d t e Arbeit ruhen. Alle deutschen Unternehmer werden diese einzigartige Veranstaltung nach jeder Richtung unter stützen und die Durch- fuhrung gewährleisten. Alle Arbeitnehmer werden zusammen mit den Unternehmern geschlos- sen an der Uebertragung teilnehmen.
Weber die Durchführung der Kundgebung haben die zuständigen Spitzenorganisationen bereits nähere Anweisung ergehen lassen. Der Rhein-Mainische Industrie- und Handclotag als berufene Vertretung der gesamten gewerblichen Wirtschaft unseres Gebietes erwartet, daß jeder Durch genaue Befolgung der ergangenen Anweifun- gen dazu beiträgt, daß die Kundgebung e i n geschloffenes Bild de» einheitlichen Willens des deutschen Volkes bietet. Grundsatz muß sein, daß jeder Schaffende am 10. No- vember'den Appell des Führers an feiner Arbeitsstätte hört! Auch in den Betrieben, die von 13 bis 14 Uhr Mittagspause haben, versammelt sich die Beleg, f ch a f t zu der Uebertragung an ihrer Arbeitsstätte. Alle Einzelhandelsgeschäfte werden von 12.50 Uhr bis 14.10 Uhr für jeden Publi- kumsverkehr geschlossen
Neichspropagan-aminister ©r. Goebbels als Zeuge im Neichsiagsbrandstisterprozeß.
Berlin, 8. Noo. (WTB.) Die Vernehmung des Reichsministers Dr. Goebbels beginnt pünktlich um »MO Uhr. Bei dem Erscheinen des Ministers erheben sich die Anwesenden und be- grüßen den Minister mit dem deutschen Gruß.
Auf die Frage des Vorsitzenden erklärte der Minister, daß er sich nicht im Zusammenhang, sondern lieber auf einzelne Fragen äußern wolle. Vorsitzender: Wann haben Sie vom Reichstags- brand Kenntnis erhalten? Dr. Goebbels: An dem Tage hatte eine Kabinettssitzung stattgefun- den, und am Abend war der Führer in meiner Wohnung zu Gast. Ich wurde während des Abendbrotes ans Telefon gerufen. Unser Auslandspresse, leitet Dr. Hanfstängel wohnte damals als Gast des Reichstagspräsidenten Göring i m Reichstagspräsidenten-Palais. Er benachrichtigte mit nun telefonisch daß der Reichs- tag brenne. Ich habe diese Mitteilung für abso- (ut absurd gehalten und glaubte, es handele sich dabei um einen Scherz, umsomehr, als ich acht Tage vorher einen telefonischen Ulk mit Dr. Hanfstängel veranstaltet hatte und glaubte, jetzt komme eine Retourkutsche. Ich sagte ihm, ich will das nicht mehr anhören und hängte ein. Ich machte gar keinen Gebrauch von der telefonischen Mitteilung. Bald darauf wurde aber wieder an- gerufen, Hanfstängel sagte, er sitze dem Reichs- tag gegenüber und sehe Die flammen her- ausschlagen. Darauf hielt ich es für meine Pflicht, das dem Führer mitzuteilen. Er wollte es zuerst auch nicht glauben, so überraschend kam die Mitteilung. Mr haben uns ins Auto gesetzt und sind in rasendem Temoo zum Reichstag gefahren. Gleich an Portal II trat uns Ministerpräsident Göring entgegen und erklärte, es han-
bele sich um ein politisches Attentat, einer der Täter sei schon gesoßt, ein holländischer Korn- munift, der jetzt in Gewahrsam sei und oernom- men werde.
Vorsitzender: haben Sie die vielfach erwähnte Aeuherung des Reichskanzler gehört. die sich auf die Urheberschaft des Brande» bezog?
Dr. Goebbels: Jawohl, es war auch ganz natürlich, denn schon am Eingang war uns ja vom Ministerpräsidenten mitgeteilt worden, dah es sich um ein kommunistisches Alten- t a t handele. Als Herr o. Papen seiner Bestürzung und Verwunderung über diese Tatsache Ausdruck gab, sagte der Führer: Das ist ein Zeichen dafür, wie die Situation wirklich i ft hier blutet die Situation sich aus. hier kann man sehen, in welcher Gefahr Deutschland steht, und das deutsche Volk kann überzeugt fein, daß ich es für meine Pflicht halte, die deutsche Ration vor dieser Gefahr zu erretten.
Vorsitzender: Ging die Ansicht einheitlich dahin, daß die Kommunisten die Urheber seien?
Dr. Goebbels: Ganz einheitlich. Es bestand für uns kein Zweifel darüber, daß dieses Attentat von langer Hand vorbereitet war, daß diese Vorbereitungen von größeren Gruppen getroffen sein müssen und daß ein einzelner Mensch praktisch auch den Brand nicht angelegt haben könnte, daß es keine politische Gruppe in Deutschland gab, die bei Gelingen des Attentats einen Vorteil haben konnte, als nur die Kommunistische Partei.
Die Taktik der KPD. wird entlarvt
Vorsitzender: Das Braunbuch schlägt eine besondere politische Praxis ein, um zu erklären, daß die Schuldigen an anderer Stelle zu suchen seien.
Dr. Goebbels: Das Manöver ist mir von der Kommunistischen Partei bekannt. Es ist ein alter kommunistischer Trick, der dann immer angewandt wird, wenn die Kommunistische Partei ein schlechtes Gewissen hat. Ich habe Beispiele aus meiner eigenen Erfahrung. Am eklatantesten ist der Fall H o r st Wessels gewesen. Dieser Student und Arbeiter zugleich hat sich mit unaussprechlichem Idealismus für unsere Bewegung eingesetzt und nach und nach zwei - bis dreihundert Rote Frontkämpfer in die nationalsozialistische Bewegung hineingezogen. Der Erfolg war, daß eine kommuni st ische Sprengkolonne in feine Wohnung eindrang und ihn an seiner Tür nieder sch oh. Nun lag dieser Fall so eindeutig, daß weit über den Kreis unserer Partei hinaus die Oeffentlichkeit Berlins für uns Stellung zu nehmen begann. Die Kommunistische Partei aber hatte ein so schlechtes Gewissen, daß sie nur durch skrupellose Verdrehung der Tatsachen überhaupt etwas für sich herausholen konnte. Sie behauptete plötzlich, daß es sich nicht um einen Nationalsozialisten, sondern um einen Zuhälter gehandelt habe. Die Kommunistische Partei ist nicht einmal davor zurückgeschreckt, den Leichenzug Horst Wessels anzugreifen. Und es hat sich dann m dem Prozeß herausgestellt, daß diejenigen, die dieses Drama zu einem Zuhälterdrama umfälschten, von fom- muniftifd)en Funktionären im Karl-
Liebknecht-Haus angeftiftet worden waren. Jetzt haben sie ein solches bestelltes Theater allerdings nicht in Berlin veranlaßt, sondern in London. Ich bedauere nur, daß eine andere Regierung das zugelassen hat und kann mir das nur so erklären, daß sie die Kommunistische Partei nicht kennt. Die Kommunistische Partei — das steht für mich zweifellos fest — ist die eigentliche Urheberin des Brandes gewesen.
Vorsitzender: wollen Sie sich ju der im Braunbach enthaltenen Beschuldigung äußern, dah bestimmte Personen bei der NSDAP, al» Brandstifter in Frage kamen?
Dr. Goebbels: Ich habe mit großem Erstaunen festgestellt, daß das Braunbuch meint, der Plan fei in meinem fi o p f entstanden. Oberleutnant Schulz habe ich feit der Partei- krife im November vorigen Jahre» nicht wieder- gesehen. E» handelte sich damals darum, daß Gregor Straßer seine Treue zur Partei nicht so bewährte, wie man da» von ihm erwarten durste. In demselben Augenblick muhte er von der Tribüne der Oeffentlichkeit verschwinden und mit ihm sein Adjutant Oberleutnant Schulz. Seitdem haben wir alle keinen Verkehr mit den Herren gepflogen und sollen wir ausgerechnet diesen Mann beauftragt haben, den Reichstag in Brand zu stecken?
Torglers zwei Gesichte.
Vorsitzender: Wissen Sie, ob von der Kommunistischen Partei zeitweilig die Parole zurückgenommen worden ist: Schlagt dieFaschisten.woihr sie trefft!"?
Dr. Goebbels: Es ist später einmal eine Verlautbarung der kommunistischen Partei veröffentlicht worden, in der sie sich gegen den Individual- terror aussvrach. Das war aber praktisch von keiner Bedeutung. Ich bin überzeugt, daß die Kommunistische Partei den Terror nicht nur nicht ablehnte, sondern darin das beste Mittel zur Niederkämpfung des politischen Gegners sah. Ich habe mit Erstaunen gelesen, daß die Par- teiarntlichkeit dieser Parole angezweifelt wurde. Das ist geradezu absurd. T o r g l e r hat sie selbst in seinen Versammlungen vorgebracht. Daß er sich später herauszureden suchte. Damit, dah er nicht gesagt habe „schlagt sie nieder" sondern „schlagt |ie\ ist der einzige Unterschied gewesen.
Reichsgerichtsrat Dr. Coender: Dorgier hat es so hingestellt, als ob er im Reichstage besonders versöhnlich aufgetreten wäre.
Dr. Goebbels: Ich habe Torgier sehr aufmerksam jahrelang beobachtet, ohne daß ich je ein Wort mit ihm gewechselt hätte. Ich bin zu der lieber- zeugung gekommen, daß man Die Kommunistische Partei in drei Klassen einteilen muß. Es gibt den ehrlichen Arbeiter. Der an Den Kommunismus glaubt unD überzeugt ist, Daß er ihm ein besseres Leben geben könne. Wir haben uns Immer vernäht, Diese Menschen für uns zurückzugewinnen. Es gibt eine zweite Klasse, Das ist Der Janhagel auf ber Straße, Den Die Kommunistische Partei benutzt, um Verbrechen zu tarnen. Das finb Die Menschen, Die Attentate Plünderungen unD UeberfäUe immer unter Der Flagge des Kommunismus vor sich gehen lassen, weil sie hoffen, vor Gericht als politische Angeklagte milde wegzukommen.
L» gibt eine Dritte Klasse, Da» sind Die f o g. Intellektuellen, Die sehr schlau verstehen, sich Immer hinter den Fanatikern zu verkriechen, um Dem Zugriff Der Gerichte entzogen zu sein. Zu Dieser Klasse rechne ich I o r g l e r. Ich glaube nicht, an seine BleDer- männigkeit, ich bin im jeden Fall überzeugt, daß er einer Der gefährlich st en der kommunistischen Führer gewesen ist, dah Irog- ler die Maske be» Biebermannes nur oorbln- det, um bahlnter seine kommunistische Gesinnung zu verstecken. Diese Ueberzeugung haben alle meine Beobachtungen Im Reichstag bestätigt. lorglcr war Immer derjenige, bet hin-
* ter feinet Fraktion stand, bet niemals nach
vorn zu gehen wagt. Aus vielen Unler- rebungen mit Parteigenossen, ble Versammlungen Torglers besucht haben, weih Ich, bah er immer und immenr wieder die Parole „schlagt ble Faschisten wo ihr sie trefft" aussprach, bah er bort Immer bet größte Hetzer war unb bann am nächsten Tage im haushaltsaus- schuh unb Reichstag ben seriösen unb konzilianten Biebermann spielte.
Oberreichsanwalt Dr. Werner: Torgler hat sich bahin ausgesprochen, daß die Parole: Schlagt die Faschisten! jedenfalls von ihm im geistigen Sinne verstanden worden sei.
Dr. Goebbels: Herr Oberreichsanwalt, es ist ja von gar keinem Belang, was Herr Torgler bei dieser Parole privattm denkt, um es bei einer eventuellen Vernehmung Vorbringen zu können (Heiterkeit), sondern ausschlaggebend ist, u) e l' ch e Folgen eine solche Parole in der A n - hängerschaft hat, und die Folge des brachialen Vergehens ist ganz unzweifelhaft. Ich selbst habe es einmal erlebt, dah bei dem Kampf um das Poung-Begehren, als ich einen Demonstrationszug Der nationalsozialistischen Bewegung in der Nähe Des Görlitzer Bahnhofs abnahm und später nichts- ahnend in meinem Wagen saß, ich plötzlich sah, wie ein kommunistischer Funktionär unter dem Ruf: „Schlagt die Faschisten wo ihr sie trefft!", mit einem Revolver auf m i ch zielte. Nur durch die Geistesgegenwart meines Chauffeurs wurde ich gerettet. Derselbe Äommunift erschien zwei Stunden später, nachdem ich auf dem Polizeipräsidium als Angeklagter eingeliefert worden war, als Zeuge.
Der Angeklagte Dimitroff fragt, ob Reichs- Minister Dr. Goebbels im Rundfunk nicht eine Rede aehalten habe. In ber er nicht nur bie Kommunistische Partei, fonbern auch bie Sozialdemokratische Partei als Urheberin des Brandes hinstellte.
Dr. Goebbels: Wenn wir die Kommunisten ber Urheberschaft anklagen, so war die ununterbrochene Verbindung zur Sozialdemokratie gegeben. Wir waren nicht ber bürgerlichen Auffassung, bah ein grundsätzlicher Unter- schieb zwischen Kommunismus unb Sozialdemokratie bestand. Für uns bestehen bie Unterschiebe beiber Parteien nur In ber Taktik der Kämpfe, nicht aber im Grundsatz.
Dimitroff: Weih der Zeuge, daß in Deutschland viele politische Morde begangen worden sind? Es wurden die kommunistischen Führer Karl Liebknecht unb Rosa Luxemburg ermordet.
Vorsitzender: ... Halt, halt! Wir haben • hier aufzuklären, wer ben Reichstag in Lranb ge
steckt hat. Da kann man nicht so weit in bie Vergangenheit zurückkehren.
Minister Goebbels: Es wäre zweckmäßiger, wenn wir bei Adam unb Eva anfingen (Heiterkeit im Zuhörerraum). Als biefe Morbe geschahen, existierte unsere Bewegung noch gar nicht unb Hiller lag als Kriegsblinder im Lazarett in Pasewalk.
Dimitroff: Weih ber Zeuge, bah Deutsche Staats- männer wie Rathenau und Erzberger von Kreisen der Rechten ...
Der Vorsitzende unterbricht.
Dr. (B o e b b e l» : Ich habe nicht bas Bebürf- nis, mich an diesen Fragen oordeizubrücken. Die Ermorbung Rathenaus unb Erzbergers ist nicht von nationalsozialistischen Kreisen geschehen. Damals war bie Nationalsozialistenbewegung noch eine ganz kleine Gruppe, bie in München Agitation trieb. Ich bin
Jiur ASOAP., nur „ja*
am 12 Jiot>em6er/hann geht die Gönne über Deutschland auf!
Nationalsozialist unb entschlossen, alle», was ble nationalsozialistische Bewegung getan hat, zu verantworten. Darüber hinaus geht e» aber nicht an, Dinge, bie sich außerhalb ber Bewegung ereignet haben, ber Bewegung in bie Schuhe z u schieben.
Oberreichsanwalt: Ich finde es sehr entgegenkommend, bah ber Minister biefe Fragen beantwortet, aber Ich glaube, bah es doch richtiger wäre, Diese Fragen überhaupt nicht beantworten zu lassen, denn sie werben nur gestellt, um in einer gewissen Richtung Propa- ganba zu treiben.
Dr. Goebbel» : Ich beantworte ble Fragen „ nicht beshaib, weil sie zur Finbung ber Wahrheit beitragen, aber ich will Dimitroff unb ber Weltpresse nicht Gelegenheit geben, zu behaupten, bah Ich mich vor der Beantwortung einet Frage verkrochen unb gebrückt hätte. Ich habe anberen Ceuten Rebe und Antwort gestanden, als diesem kleinen kommunistischen Agitator. (Beifall im Zuhörerraum.) Ich bitte, diese Fragen zuzulassen.
Dimitroff: Herr Minister, ist Ihnen bekannt, daß in Oesterreich und in der Tschechoslowakei ihre Gesinnungsgenossen, Nationalsozialisten auch illegal arbeiten müssen, illegale Propaganda machen müssen und mit falschen chiffrierten Adressen und chiffrierter Korrespondenz?
Dr. Goebbels: E» scheint, daß sie die nationalsozialistische Bewegung beleidigen wollen. Ich antworte Ihnen mit Schopenhauer: „Jeder Mann verdient, dah man ihn ansicht, aber er verdient nicht, dah man mit ihm redet!"
Angeklagter Torgler: Ist Ihnen bekannt, daß gerade die Kommunistische Partei das allergrößte Interesse an einem reibungslosen Verlauf der R e i ch s t a g s w a h 1 e n am 5. März hatte, weil sie ihre Aussichten außerordentlich günstig einschätzte, weil sie erwartete, daß breite Kreise der sozialdemokratischen Arbeiter sich bei diesen Wahlen zur Kommunistischen Partei bekennen würden?
Dr. Goebbels: Nein, das ist mir unbekannt. Ich halte es auch für vollkommen unwahrscheinlich. Die Kommunistische Partei mochte so viel Stimmen von der Sozialdemokratie bekommen, wie sie wollte, sie war sich doch darüber im klaren, daß, wenn die Wahlen vorbei waren, die National- sozialistische Partei entschlossen war, die KPD. mit Stumpf unb Stiel auszurotten.
Torgler: Ist Ihnen bekannt, baß bie Parole „Schlagt bie Faschisten tot" bis 1930 von ber KPD. herausgegeben war, baß aber nach ber Reichstagswahl vom 14. September 1930 auf Das alleren!- schieDenste diese Parole als absolut falsch verworfen wurde, daß eine tiefgehende Partei- fampaane dagegen geführt wurde, und daß bie Anweisung herausgegeben würbe, mit den Nationalsozialisten zu diskutieren.
Dr. Goebbels: Es ist bekannt, daß das Inder Theorie gemacht wurde, daß es aber in der Praxis anders aussah. Ich habe ja eine solche Diskussion mit ihren prominentesten Vertretern geschildert.
Torgler: Ist Ihnen nicht bekannt Daß ernsthafte Versuche gemacht worben finb? Ich habe selbst mit Nationalsozialisten über bie zwei Weltanschauungen biskutiert.
Minister Goebbels in großer Erregung: Ja. Sie haben biskutiert mit ben kleinen S A. - Leuten, Denen gegenüber Sie f i ch überlegen fühlten. Wenn Sie vor meine Klinge kamen, wagten Sie nicht zu antworten, weil Sie Dann unterlegen waren. Ich habe Sie oft genug eingeladen. Sie haben Die Gelegenheit aber nicht wahrgenommen, stattdessen sinb Sie mit Brachialgewalt oorgeaangen.
Torgler: Ich mochte ausbrücklich feftfteQen in Anwesenheit Des Ministers Dr. Goebbels, Daß ich in Derselben Tonart, in derselben Sprache unD in Derselben sachlichen Art unb Weise wie im Reichstag auch in Den Volksversammlungen gesprochen habe. Daß ich niemals Die Parole „schlagt bie Faschisten, wo ihr sie trefft" propagiert habe, baß ich mich immer mit großem Nachbruck und großer Energie für die geistige Auseinandersetzung zwischen den beiden Weltanschauungen eingesetzt habe.
Dr. Goebbels: E» ist außerordentlich bedauerlich, bah bie kommunistische Anhängerschaft Herrn Torgler so schlecht verstan» b e n hat. Selbstverständlich wird er h e u t e sich bemühen, bie Parole, schlagt die usw. al» die Aufforderung zu einer geistigen Auseinandersetzung hinzustellen. Damit werden aber bie 4 00 Opfer dieser Parole den Gräbern nicht mehr entrissen. Die kommunistische Partei hat diese Parole praktisch bl» zu ihrer Vernichtung durchgeführt, und Ich bin berechtigt zu der Annahme, daß da» mit


