Ausgabe 
9.11.1933 Erstes Blatt
 
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Nr. 265 Erstes Blatt

185. Jahrgang

Donnerstag, 9. November 1955

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General-Anzeiger für Oberhessen

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Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein und für den An. zeigenteil i. D. TH.Kümmel fämtlich in Giessen.

Der Führer spricht an historischer Gtatte über die Kraste der Vergangenheit, die für die Gestaltung der deutschen Zukunft fruchtbar werden.

München im Festschmuck.

Würdiges Festgcwand der Traditionsstadt

München, 8. Nov. (WTB.) Am 9. November 1923 tauchte das Todesopfer 16 deutscher Männer den historischen Boden an der Feldherrnhalle zu München in das Rot ihres Blutes vergossen um Deutschlands Freiheit und Wiedercrufstieg. Gleich­sam als lebendige äußere Mahnung, zum Gedenken an die Toten des 9. November, denen die festlichen Tage in München gelten, ist Rot der beherr­schende Grundakkord, mit dem der Tradi­tionsgau MünchenOberbayern der NSDAP, die Kämpfer Adolf Hitlers in seiner Hauptstadt an ihrem Ehrentag grüßt. Aber es ist das leuch­tende Rotdes Meeres oon Fahnen und Flaggen, in dem die Straßenfronten fast er­trinken, aus dem sieghaft auf weißem Grunde das Hakenkreuz aufsteigt als äußeres Zeichen der nach 10 Jahren vollendeten Krönung des Werkes, für das die 16 Tote der Feldherrnhalle ihr Leben hingegeben haben. Daß die Gedenkfeier der Gefalle­nen der ersten Freiheitskämpfe nicht nur im Zeichen ehrfürchtiger Trauer, sondern auch vorwärts- fchauenden Aufbauwillens steht, kündig- gen die riesigen Inschriften, die sich über die Stra­ßen spannen, um die Bürger der Landeshauptstadt an die Bedeutung des 12. November, des Entfchei- dungstages im Kampfe um Deutschlands Gleich berechtigung zu mahnen.

Ernst und würdig ist insbesondere auch der Schmuck der Straßen gehalten, durch die d e r historische Zug des 9. November 1923 seinen Weg bis zur Feldherrnhalle nahm. Hier be­herrschen riesige Hakenkreuzfahnen mit Trauerflor das Straßenbild. An der Feldherrnhalle selbst überspannen riesige schwarze Stoff-Fahnen die Straßen, auf denen sich das Hakenkreuz in Gold mit den Siegrunen in Gold abhevt. In der Ludwig - st r a ß e und den Hauptstraßen der I n n e n st a d t, die der Todeszug des 9. November 1923 nicht be­rührte, gibt Karminrot mit goldenem Hakenkreuz und goldenen Siegrunen dem Straßenbilde die be­herrschende Note. In der Ludwigstraße wallen Rie­sen-Hakenkreuzfahnen von den öffentlichen Gebäu­den bis zu den Sockelgeschossen herab. Auch das Siegestor zeigt das goldene Hakenkreuz und die Siegesrunen auf karminrotem Grunde. Ernst und würdig ist auch der Schmuck des Braunen Hauses und der historischen Säle, in denen die Bewegung in den ersten Kampfjahren auftrat und mit denen sich für die Bewegung unvergeßliche Er­innerungen verbinden.

Oie SA übernimmt die Fahnen der Fretkorps.

Eine Ansprache des Ltabchefs Röhm.

München, 8. Nov. (TU.) Auf dem Königs­platz fand am Mittwoch um 12 Uhr ein eindrucks­voller feierlicher Akt statt, bei dem die Fahnen der ehemaligen Freikorps an die SA. übergeben wurden. Mit der Fahnenübernahme soll auch äußerlich zum Ausdruck gebracht werden, daß nunmehr alle geschlossenen Forma­tionen, die in der Zeit des Kampfes um die nationale Erhebung jede für sich dem Vaterland dienten, sich der Führung Adolf Hitlers unterstellt haben. In der ganzen Breite des Königsplatzes hatten die Fahnenabordnungen der früheren Freikorps Aufstellung genommen, ihnen gegenüber in Frontstellung eine Abordnung der SA. Das Kommando führte Obergruppenführer K ü h m e , unter ihren erprobten Führern standen hier die Angehörigen der früheren Freikorps Aulack, Hauenstein, v. Heydebreck, Oberland, Pfeffer, Roß­bach, Kühme, Lauterbach und Heintz. In den Reihen der Rohhacher stand auch der jetzige Obergruppen­führer Edmund Heines im einfachen braunen Hemd mit dem Stahlhelm und der Roßbacharm­binde.

Als Stabschef Röhm eintraf, hoben sich die Fahnen der alten Freikorps und der SA. zum Gruße. Obergruppenführer Kühme erstattete dem Stabschef Meldung, der dann unter den Klängen des Präsentiermarsches begleitet vom Reichsstatt- halter R i t t e r v. E p p und Innenminister W a g - n e r die Front abschritt. Jedem einzelnen Frei- korpssührer drückte der Stabschef die Hand. Dann richtete er an die Freikorps und an die SA. eine Ansprache:Soldaten! Kameraden! Auf Anregung der Führer der deutsck>"n Freikorps haben sich heute diese Führer und A.ordnungen mit ihren ruhm- reichep Fahnen auf einem historischen deutschen Bo­den versammelt, um ihre ruhmreichen Feldzeichen der Obhut der braunen Armee zu übergeben. Einst im November des Jahres 1918 haben sie erreicht, daß über Deutschland die bolschewistische Welle Nicht hereinbrechen konnte. Ihr Werk steht in der Ge­schichte fest. Es wird oon den Soldaten alle Zeit hochgehalten werden. Die Männer freilich, die sie damals beriefen, und die ihnen wieder den Lauf­paß gaben, wollten etwas anderes. Sie wollten nur, daß ihr wankender Thron gestützt werde.

So ist das Schicksal der Kämpfer damals vor- übergehend wieder in den Hintergrund gedrängt worden, bis andere Soldaten auf die Bühne deutschen Geschehens getreten sind, das Wort und später auch die Tat an sich

rissen und dahin gearbeitet haben, daß ganz Deutschland wieder mit einem richtigen guten Soldatengeist erfüllt würde, unter dem wir Soldaten das verstehen, was heute der Volkssoldat als Nationalsozialist kündet: Die Gemeinschaft aller Stände und Klassen, die Zusammengehörigkeit aller, die der gleichen Sprache und des gleichen Blutes sind, zusammengeführt in guten und schlechten Tagen, Kameradschaft aller Gutge­sinnten bis zum Tode. Diese wahren Soldateneigenschaften, die damals die Freikorps beseelten und zum Erfolg geführt haben, sind von der stolzen braunen Armee Adolf Hitlers übernommen worden, heute, meine Kameraden aus den Freikorps, ist das, für was ihr ge­kämpft habt und für das wir als Soldaten im Felde kämpften, Wirklichkeit geworden. Wir haben wieder ein Deutschland, in dem es sich lohnt, zu leben und zu kämpfen, auch für das Vaterland zu sterben, weil die Opfer dem gan­zen Volk zugutekommen.

Anschließend erklang das Deutschland- und das Horst-Wessel-Lieb. Stabschef Röhm trat dann mit Reichsstatthalter General v. Epp und Innenminister Adolf Wagner zu den einzelnen Freikorps, deren Führer jeweils mit einer kurzen Meldung die Fah­nen übergaben. Der Stabschef Röhm nahm sie ent­gegen, reichte den einzelnen Fahnenträgern die Hand und übergab die Fahnen wieder mit Hand­schlag der SA. Nachdem sämtliche Fahnen übernom­men waren, reihten sich die neuen Träger am rech­ten Flügel der SA. ein. Stabschef Röhrn erklärte,

daß die SA. die übernommenen Fahnen inEhren halten werde und brachte ein dreifaches Sieg- Heil auf die neubesiegelte Kameradschaft aus, das Obergruppenführer Kühme mit einem dreifachen Sieg-Heil auf Stabschef Röhm erwiderte. Damit er­reichte der denkwürdige Akt fein Ende.

OieMenge huldigt dem Führer vor dem Braunen Haus.

München, 8. Nov. (WTB.) Das Braune Haus ist am Vortage der Zehnjahresfeier das Ziel vieler Taufender. Um die Mittagsstunden stauten sich vor dem Hause dichte Menschenmassen in dem Wunsche, den Führer zu sehen. Vor dem Hause fand, nachdem die Fahnen der Freikorps in der Ehrenhalle Aufstellung gefunden hatten, mittags ein Platzkonzert der Kapelle der SS.-Leit- ftandarte Berlin statt. Immer größer wurde die Menschenmenge, die den Führer erwartete. Immer wieder erschollen im Chor die RufeW i r wol - len unfern Führer sehe n." Um 14 Uhr trat plötzlich der Führer auf den Balkon des Braunen Hauses heraus, von der riesigen Menschen- menge mit ungeheurem, immer wieder aufbranden­dem Jubel begrüßt. Die Kapelle der SS.-Leitstan- darte intonierte zu Ehren des Führers den Baden­weiler-Marsch. Kurz nach 14 Uhr nahm der Führer zunächst die mittags der SA. übergebenen Frei­korpsfahnen in Augenschein. Im Kasino des Braunen Hauses war der Führer dann mit den alten Kämpfern aus dem Jahre 1923 zusammen, mit den Männern, die am 9. November mitihm in einerReihe zur Feldherrnhalle mar­sch i e r t e n und von denen mancher mit ihm seine Festungshaft teilte.

Oie Wiedersehensfeiern der alten Kämpfer von 4923.

München , 9. Nov. (WTB.) In fast allen Sälen Münchens tarnen am Mittwochabend die Kämpfer, die im Baltikum, im Ruhrgebiet, in Oberschlesien und bei der Erhebung in München ober irgendwo aktiv für ein Wiedererstarken des Deutschen Reiches, für dessen Freiheit und Ehre gekämpft haben, zu­sammen, um sich nach mehr als 10 Jahren wieder­zusehen und sich in alter Kameradschaft die Hände zu drücken. Während sich imS t e r n e d e r" die ältesten Parteigenossen trafen, sahen sich im Bür­gerbräukeller die wieder, die vor 10 Jahren am historischen Marsch teilnahmen, der durch hie Kugeln der Reaktion an der Feldherrnhalle rin jähes Ende fand. Im Löwenbräuteller traf sich die Standarte Adolf Hitler. Die Roßbacher ka­men im Arzberger zusammen. Der Bund Ober­land und der Kampfbund (ohne Reichskriegsflagge) versammelten sich i m H a ck e r - K e l l e r. Im Hof­bräuhaus war der Schwabengau versammelt. In allen Sälen erklangen die alten Lieder aus der Kampfzeit wieder, die dem Wiedererstarten unseres Vaterlandes unter Führung Adolf Hitlers galten.

3m Glerneckerbkäu

Schon am frühen Nachmittag waren die Straßen um den Sternecker-Bräu von dichten Menschen­massen angefüllt, die alle den Führer bei der Anfahrt im Sternecker-Bräu begrüßen wollten. Alle Fenster waren dicht besetzt, die Häuser um den Sternecker-Bräu trugen besonders reichhaltigen Schmuck. Im Sternecker-Bräu selbst hatte sich schon lange vor 18 Uhr die ganze Alte Garde von 1920 bis 1923 eingesunden. Ueberall sah man

Die EnmkNWsseier

Gegen 20.30 Uhr fuhr der Führer dann vom Sternecker Bräu zum Bürgerbräuteller, der Stelle, wo am 8. November 1923 das deutsche Schicksal gewendet werden sollte, wo Männer dem Führer der nationalsozialistischen Bewegung die Hände reichten, um die Bewegung wenige Stunden später zu verraten. Als der Führer abfuhr, durch­brachen die Massen die Sperrfetten, umringten den Wagen; jeder Einzelne wollte dem Führer die Hand drücken. Im Vorraum des Bürgerbräu-Kellers waren die alten Kämpfer von 192 3, die am Marsch zur Feldherrnhalle tcilgcnommen hat­ten, unter Führung von Obergruppenführer Hei­nes angetreten. Hier gab es so manches ernste Wiedersehen, die feierliche Stille, die über diesem Raum lag, sagte an, daß der Schatten des 9. November 1 9 2 3 auf diesem Wiedersehen lag. Jedem einzelnen der alten Stoßtrupptampfer gab der Führer die Hand. Jeder Einzelne meldete seinen Truppenteil, Namen Hangen auf,Regiment München", StoßtruppHitler", Wicking. Roßbach, Oberland, FreikorpsEpp" usw. In Reih und Glied stand auch Gruppenführer Rechtsanwalt Frank II., und Fürst Wrede, der die Neiteradteilung des Freikorps Roßbach meldete. Zum erstenmal sah man wieder den von den Folgen seines schweren Un­falls genesenen Gruppenführer Oberleutnant Brück­ner, den langjährigen Adjutanten des Führers.

zwanglos die Männer zusammensitzen, die heute die Führer des neuen Deutschlands sind und damals in Reih und Glied marschierten. Auch viele unbe­kannte Soldaten der Bewegung sind da, ganz alte Kämpfer mit Mitgliedsnummern unter 100, die aber niemals in den Vordergrund traten, sondern still ihre Pflicht taten. Alle im schlichten Braun­hemd ohne Rangabzeichen, denn keine Rangord­nung soll die Kameradschaft dieses Tages beein­flussen können. Da sieht man die schwarze Arm­binde des Freikorps Roßbach, das Edelweiß des Freikorps Oberland, den Totenkopf des Werwolfs, die Abzeichen des Stoßtrupps Hitlers und des Regiments München und so vieler anderer Forma­tionen, die vor 10 Jahren für Deutschland mar­schierten und ein Opfer des schmachvollen Verrats vom 9. November 1923 wurden. Besonders herzlich wird Reichsminister Dr. Goebbels begrüßt, der auf wenige Augenblicke erschienen ist. Gegen 20 Uhr fährt Ministerpräsident Göring, der 1923 die SA. führte, am Sternecker-Bräu vor. Der Führer begab sich in das Gäßchen neben dem Sternecker-Bräu, um d i e alte Geschäfts- st e l l e der Partei zu besichtigen, die sich in einem der Häuser befand. Viele der alten Kämpfer begleiteten ihn. Vor dem Haus der alten Geschäfts­stelle der Partei hatte eine Gruppe Jungvolk Ausstellung genommen, um an dieser Stelle des Ursprungs der Bewegung, die Deutschland rettete, zu bekunden, daß die junge Generation bereit ist, das für alle Zeiten zu erhalten und mit ihrem Blut zu verteidigen, was in 14jährigem Kampf geschaffen worden ist.

m MgerbrÄ-Keller.

Am Saaleingang nahm Ministerpräsident G ö - ring, der Oberste SA.-Führer von 1923, den Füh­rer in Empfang und geleitete ihn unter nichtenden­wollendem brausendem Jubel der alten Kameraden zu dem Tisch, an dem der Stellvertreter des Führers Rudolf Heß, der Sekretär des Führers Schaub, der 1923 zum Stoßtrupp Hitler gehört hatte, der Stohtruppführer Kallenbach und die anderen alten Kämpfer Platz genommen hatten. Nur müh­sam konnte sich General Göring Ruhe verschaffen, um den Führer in den Reihen der ältesten Kämpen zu begrüßen und ihm bann selber bas Wart zu geben.

Oer Führer spricht

In feiner Ansprache führte ber Führer unter anberem aus: Meine Kameraben! Meine beutschen Volksgenossen unb -genossinnen! Als heute vor 10 Jahren zum zweitenmal in Deutschlanb ver­sucht würbe, ben Staat ber Schanbe, ben Staat bes beutschen Elenbs zu überroinben, da geschah dieser Versuch nicht leichtfertig. Wenn er- wachsene Männer bereit sind, ihr Leben aus freiem Willen für ein Ziel einzusehen und wenn not- wendig hinzugeben, dann geschieht dies nicht aus Leichtsinn heraus. Es ist geschehen unter dem 3 mang der bitter ft en deutschen Not, In der Hoffnung, diese plot vielleicht doch wenden

zu können. Wir wissen, daß diese Erhebung unseres Volkes damals mißlang. Wenige Stunden später waren die Voraussetzungen, auf denen sie aufge­baut war, nicht mehr gegeben. Denn was ich da­mals im Prozeß sagte, das kann ich heute genau so wiederholen: N i e dachten wir daran, eine Er­hebung durchzuführen gegen d i e Wehrmacht unseres Volkes. Mit ihr, glaubten wir, müßte es gelingen. Heute, 10 Jahre später, wissen wir, daß wir damals zwar mit reinem Herzen, mit un­erhörter Geschlossenheit und auch mit persönlichem Mut an unsere Ausgabe herangingen; aber wir wissen heute auch besser als damals daß d i e Zeit dafür noch nicht reif war. Unb boch bin ich überzeugt, baß alle, bie bamals so hanbel- ten, im Auftrag einer höheren Gewalt s 0 han - b e (n mußten unb nicht anbersu Dieser Tag, bieser Entschluß hat es mir später ermöglicht, allen Wiberstänben zum Trotz neun Jahre lang

SUmll. November marschiert das ganze deutscheVolk süremen Frieden der Ehre!

burchzuhalten, b. h. zu sagen: Wir sinb eine revolutionäre Bewegung, wir werben bie Macht erobern, wir werben biesen Staat zerbrechen, werben ihn uns unterwerfen, unb wir wollen benn 0 ch ben legalen Weg nicht verlassen. Scheinbar ein Wiberspruch, allein bie Entwicklung hat uns recht gegeben.

1923 waren die geistigen und weltanschaulichen Voraussetzungen für eine wirkliche Umwälzung noch nicht vollständig gegeben. Die Schicht derer, die geistig, weltanschaulich bereits gefestigt war, war zu klein. Sie reichte kaum hinaus über diese Stabt, sicherlich nicht viel über biefes Lanb. Die Tat bes 8. unb 9. November aber hat nicht nur bie Kunde von einer neuen Revolution über Deutschlanb ge­tragen, fonbern auch bie Kunbe einer neuen Weltanschauung. Von bem Tage an sehen wir bie Bewegung bie Grenze unserer inneren Hei­mat hier verlassen unb sichüberganzDeutsch- lanb verbreiten. Was bann folgte, war nur bie Erfüllung, war nur bas Aufgehen ber Saat.

So können wir heule ohne Bitternis unb ohne Leid zurückblicken in diese Tage, wenn wir da­von absehen, daß sie uns eine große Zahl lie­ber, treuer unb teurer Kampfgenossen genom­men haben. Allein die Kämpfer, die damals fielen, waren Vorbilder für die, die später gefallen sind, hätten sie damals nicht dieses Opfer gebracht, dann würde später keiner für uns gefallen sein. So ist dieses Opfer in Wirklich­keit der Same gewesen, aus dem bie spä­tere Saat aufging. Zum ersten Wal hat da­mals unsere Bewegung Blutzeugen gestellt, zum ersten Wal hat sie tapfer und mutig dem alten Staat die Stirn gezeigt, nicht hinterher etwas bereuend oder widerrufend, sondern auch hinterher sich zur Tat bekennend. Wir haben damals die Voraussetzung geschaffen für ben enbgültigen späteren Sieg, unb so wollen wir daraus nicht nur in Treue und Dankbarkeit zurückblicken, sondern auch das Glück emp­finden, daß das in Erfüllung ging, was ich in meiner letzten Rede im großen Prozeß dem Gericht erklärte, daß es unsere Ueberjeugung sei, daß unsere Stunde kommen würde, daß dann der große Zusammenschluß in Deutschland sich vollziehen werde, daß die, die damals auf uns schossen, in u n fe r e n Reihen mitmarschieren würden und daß besonders das Heer, das ja nicht betei­ligt war an der blutigen Tat, uns die Hand reichen würde, daß wir und die Armee ge­meinsam das neue Deutschland schaffen werden.

Wir stehen nun wieder in einem schwe­ren Kampf. Am 12. November muß die deutsche Nation antreten vor ber ganzen Welt unb einbeu- tig Stellung nehmen zur Frage, ob sie ihre Ehre bewahren, ob sie in Zukunft Verträge nicht mehr unterschreiben wirb, bie nicht gehalten werben kön­nen, ob sie ben Frieben will, aber auch bie Ehre nicht preiszugeben beabsichtigt. Dazu muß unser beutsches Volk am 12. November feierlich vor ber ÜBelt»(Stellung nehmen. Ich will ber Welt bie Mög­lichkeit nehmen, zu behaupten, baß nur ein Staats­mann ben Mut besitzt, einmalNein" zu sagen, baß nur ein Staatsmann allein ben Frieben will; ich will ber Welt zeigen, baß bas gan^c beut- s ch e Volk so benkt! (Stürmischer Beifall unb Bravo-Rufe.) Unser Entschluß ist feit unb uncr- schütterlich. Nicht um bie (Stimmabgabe hanbelt es sich, fonbern um ein Bekenntnis, um ein ein« heutiges unb ganz klares Bekenntnis, nicht nur für bie Gegenwart, fonbern auch für bie deutsche Zukunft. Es ist auf bie Dauer keiner Staatsfüh- rung möglich, große politische Erfolge zu erzielen, wenn nicht bas Volk selbst hinter seinem Willen steht. Das Volk selbst muß vor der Welt dokumen-