messen würde. Deutschland müsse diesen Teil der Entschließung entschieden ablehnen.
Der französische Senator r e n g er verlangte eine Protesterklärung der Welt gegen die deutsche Iudenpolitik und sprach von einer heiligen Der- pslichtung der Völkerbundes zum Schutze der Juden. Auf ausdrücklichen Wunsch Frankreichs wurde dieser zweite Teil der Entschließung z u r A b t. mmung e ft e H t. 3n der Abstimmung stimmten sämtliche zwölf Mitglieder des Ausschusses für d e n f r a n • zösischen Antrag, Gesandter o o n ÄeUe r stimmte daff« gen. Die Vertreter 3t a l e n 3 und Ungarns stimmten dem Anträge mit dem Vorbehalte zu, daß keinerlei Einmischung in Die Inneren Verhältnisse eines souveränen Staates zum Ausdruck kommen dürfe. Der deutsche Vertreter wird auch in der Vollversammlung gegen Die|e Entschließung stimmen, so daß die nach der Ge- ichästsordnung zur Annahme erforderliche Ein- stimmigkeit n i ch t e r z i e l t werden wird.
Der Völkerbund und die deutschen Emigranten.
Deutschland lehnt die Ernennung eines Vülkerbundskommissars ab.
Genf, 7. Okt (TU.) Der Antrag der holländischen '.Regierung, die Fürsorge für die deutschen Flüchtlinge dem Völkerbund zu übertragen, war Samstag der Gegenstand einer Aussprache im Zweiten Ausschuß der Völker- tmndsversammlung. Zur Verhandlung stand ein Antrag des Berichterstatters, in dem unter Hinweis auf die große Zahl jüdischer und nichtjüdischer Flüchtlinge aus Deutschland die Notwendigkeit einer Lösung der dadurch geschaffenen wirtschaftlichen, finanziellen und sozialen Probleme auf dem Wege internationaler Zusammen- arbeit betont wird. Der Dölkerbundsrat solle einen Oberkommissar ernennen, dar die Arbeitsbeschaffung für die deutschen Flüchtlinge durchzuführen hat. Dieser Antrag fand zunächst weitgehende Unterstützung-bei den Vertretern Englands und Frankreichs. Der deutsche Vertreter, Ministerialdirektor Ritter, betonte, daß Deutschland keineswegs die Absicht habe, das Flächt- lingswerk an sich zu verhindern, jedoch die Verwirklichung dieses Zieles im Rahmen des Auf- gabenfreifea Des Völkerbundes nicht Anlassen könne. Die deutsche Abordnung werde daher bei der endgültigen Abstimmung gegen den Antrag stimmen mässen.
Der Schweizer Bundesrat Motta machte sodann einen Vermittlungsvorschlag, in dem er einen dringenden Appell an Deutschland richtete, an der Lösung dieser Frage mitzuwirken. Motta betonte, daß ohne Deutschland die Flüchtlings- frage niemals gelöst werden könnt« und empfahl in seinen durchaus taktvollen und vorsich- tigen Ausführungen, der deutschen Anregung zu folgen und die Lösung der Frage auf direktem Wege zu finden. Der Schweizer Vorschlag fand warme Unterstützung auf italienischer und spani- sch-r Seite. Der deutsche Vertreter dankte Bundesrat Motta, daß er diese Schwierigkeiten in so entgegenkommender Weise zu lösen suche. Der Appell des Schweizer Vertreters werde sofort der deutschen Regierung übermittelt werden. Die Verhandlungen über die Flüchtlingsfürsorge wurden sodann auf den Mittwoch vertagt.
Grenzlandlundgebung inLörrach
Lörrach, 8. Okt. (IU.) 3n Lörrach fand eine Grenzlandkundgebung statt, an der 15 000 Personen teilnahmen. Sie sollte dem Ausland gegenüber dartun, daß auch im Grenzgebiet das badisch« Volk die neue Regierung stützt und sich in Wort und Tat gegen Die Hetz- und Gräuelpropaganda des Auslandes verwahrt. Reichsstatthalter Wagner erklärte, das Ausland verfolge den Kampf in Deutschland mit argwöhnischen Blik- hm. Wollten wir auf die Stimme des Auslandes hören, so mähten wir uns selber aufgeben. Die Welt solle es hören: Deutschland wolle den F r l e de n , aber es wolle auch die Wieder- erftartung des Volkes zum Leben. Der kommende Kampf werde nicht mit Geschützen und Gewehren ausgetragen werden, sondern mit dem Geist.
Eine besondere Rote erhielt der Festzug und die Kundgebung durch die Beteiligung der Lörracher Ortsgruppe des Bundes nationalsoziali- stischer Eidgenossen, Deren Sprecher M o r- genthaler für das Gastrecht dankte, das die Auslandsfchweizer in Deutschland genössen, ein Gastrecht, wie es nur ein germanischer Staat zu bieten vermöge. Die Auslandsschweizer seien gekommen, um Dem schweizerischen Daterlande zu beweisen, daß alle Hetz- und Greuelpropaganba gegen die deutsche Regierung und das deutsche Volk u n • wahr und böswillige Verleumdung sei.
Das neue spanische Kabinett will die Kammer auflösen.
Madrid, 8. Oki. (TU.) Dk neue spanische 'Regierung rst von Martinez B a r r i o s gebildet worden. Außenminister ist Sanchez Albornoz. Die parteipolitische Zusammensetzung ist faft die- stlbe wie die des gestürzten Kabinetts Öerrour; nur sind statt der bisherigen sechs nur drei R a - D i k a l e in Ihr vertreten, Darunter der Ministerpräsident. Die S o z i a l i st e n sind nicht b e - t«ll i gr Sieben Minister der alten Regierung i’nD in die neue übernommen worden. Das Stabt- nett bezeichnet sich als republikanische Konzentration. Innenminister Rico Aoelle er- «arte der Presse, er halte für sein« Hauptaufgabe d.e Durchführung unparteiischer, die Verfassung be- adjtenbfr Neuwahlen. Das Auflösurigsdekret K ,Sifl0lteUL ** Regierung eroartet, daß das Auslosungsdekret ohne weiteres durchgehen mtrö<- i?nnb^rufoUe rtd)nd l'e mit 250 Stimmen gfgen 180 ottnmwn der nicht im Kabinett oertre- tenen pohtitdjfn ®ruppp«n. Die Haltung der S o - z i allsten, bei denen sich ein« gewisie Opposition bemerkbar macht, konnte deshalb, wenn es zur Ab- fttmmung kommt, ausschlaggebend werden
Neue russische Protestnote an Japan.
. T ° k i o , 8. Okt. (TU.) Der russische Botschafter in Tokio hat dem japanischen Außenminister ein? Denkschrift überreicht. In he? konkrete Lb«" üb!r Die anaeblichen Plane des japanischen Oberkomman- dos "uf Ausschal tu na desrussischenEln- flusse» bei der chinesischen Ost bahn gemacht werden. Genannt wird insbeiondere die Besetzung de» Verwaltungsrates der chinesischen Ost- bahn. Japan wird vorgeworfen, daß es die voll- kommen« Enteignung der Bahn zugunsten Man- dlchukuos betreibe Die russische Role verlangt In scharfer Form Aufklärung.
Das Alibi der bulgarischen Angeklagien am Tage des Reichstagsbrandes.
Dimiiroff wieder zur Verhandlung zugelaffen. — Die Bekanntschaft mit dem deutschen Kommunistenführer Münzenberg.
Leipzig, 7. Okt. (WTB.) Zu Beginn der heutigen Verhandlung erklärt der Angeklagte Dirn i t r o f s: Es sind vielleicht gestern meine Worte nicht verstanden worden. Für mich ist es bestimmt nicht so leicht, in einer fremden Sprache Die rich - tigen AusDrücke zu finden. Ich erkläre aber, daß meine Absicht, gestern und früher, nicht gewesen ist, jemanden persönlich vom Gericht, von der Anklagebehörde, der Verteidigung oder den Beamten zu beleidigen. Ich habe diese Absicht auch in Zukunft nicht. Ich habe eine einzige Bitte an den Herrn Präsidenten, nämlich über alle Fra- gen, die zur Aufklärung dieser Brandsache führen, und über alle belastenden Momente, die gegen mich oorgebracht sind, m i ch ruhig und sachlich aussprechen zu können.
Der Vorsitzende erwidert, daß diese Bitte selbstverständlich gewährt werde und seiner Ansicht nach auch bisher schon in vollem Umfange gewährt worden sei. Damit ist der Vorfall erledigt.
Der Oberrreichsanwalt kommt zurück auf die Bekundung des Angeklagten Torgler über feine Unterhaltung mit dem Abgeordneten Florin, in dem Vorraum des Haushaltsausfchußfaales am Brandtage. Torgler meint, fein Gesprächspartner fei von den drei nationalsozialistischen Zeugen mit van her ßubbe verwechselt worden. Florin habe ihn um Rat gefragt, wie er eine Verlegung eines für den 2. Mörz vom Reichsgericht anberaumten Termins erreichen könnte. Dazu stellt der Oberreichsanwalt fest, daß nach den Akten die Mitteilung des Abgeordneten Florin in dem von Torgler geschilderten Sinn bereits am 25. Februar beim Reichsgericht eingegangen ist, also zwei Tage vor dem Brandtage, an dem Torgler dem Florin erst zu diesem Schreiben geraten haben will. Der Angeklagte Torgler bleibt bei feiner Aussage, er habe im Fraktionsbüro gegen 15 Uhr Der Sekretärin Fräulein Rehmer einen entsprechenden Brief diktiert. Rechtsanwalt Dr. Sack regt an, bei der Zeugenvernehmung des Fräuleins Rehmer sie auch über diesen Punkt zu befragen. Wahrscheinlich werde noch das Stenogramm des Briefes vorhanden fein.
Reichsanwalt Landgerichtsdirektor Parifius weist darauf hin, daß Dimitroff zugegeben habe, mit dem früheren kommunistischen Abgeordneten Münzenberg zweimal zusammengekom- men zu (ein. Die Wirtschafterin Münzenbergs hat folgendes bekundet: Am 30. Januar hätten sich 12 bis 15 Personen in seiner Wohnung eingefunden. Ais in den Mittagsstunden durch die Presse d i e Ernennung Hitlers zum Reichskanzler bekannt wurde, hätten sämtliche Teilnehmer die Wohnung fluchtartig verlassen.
Die Wirtschafterin hat, nachdem ihr die Bilder der Angeklagten vorgelegl worden sind, D fm l - troff mit aller Bestimmtheit als einen derjenigen Leute w i e d e r e r k a n n t, die des öfteren in der Wohnung Münzenbergs waren, vor allem auch am 30. Januar. Sie glaubt auch, kann das jedoch nicht mit gleicher Sicherheit sagen, daß popoff In dieser Wohnung verkehrt habe. Dimitroff erklärt dazu, er kenne Münzen- berg dem Namen nach von früher. Jn seiner Wohnung sei er aber nie gewesen. Zweimal habe er Besprechungen mit Münzen berg gehabt, im Jahre 1931 und im Jahre 1932, und zwar über Die Lage ln Bulgarien. — popoff erklärt, er habe Münzenberg nie kennengelernt und auch niemals seine Wohnung besucht.
Vorsitzender: Eine Frau Schreiber hat bekundet, sie habe Dimitroff zusammen mit Ederlein gesehen. Dimitroff hat das bestritten. Dann wurden gestern die Telephonnummern im Notizbuch Dimi- troff© besprochen, aus denen entnommen wird, daß er mit dem Abgeordneten Stöcker verkehrt hat.
Dimitroff: Ich kenne den Abgeordneten Stöcker vom Januar und Februar 1932 aus Moskau. In Deutschland bin ich aber nie mit ihm zusammen- gewesen. Seine Telephonnummer habe ich nie notiert. Der Irrtum der Anklage ist aus falschem Dechiffrieren der Beamten entstanden. Die in dem Notizbuch eingetragene Nummer bedeutet et- was anderes. Ich kann heute selbst nicht mehr genau sagen was.
Weiter wird fcftgefteöt, daß Dimitroff bei feiner Festnahme 350 Mark und 5 Dollar, Taneff 70 Dollar und 20 Mark bei sich trugen. Aus die Frage, wo er Die Dollar her habe, erklärt Der Angeklagte Tanefs, er habe sie in Sofia vom Zentralkomitee Der bulgarischen Kommun l st i s ch e n Partei erhalten, als er nach Rußland abreifte. Auf den Vorhalt des Vorsitzenden, daß er früher ausgefagt habe, diese Gelder in Moskau erspart zu haben, erwidert Tonest, er habe bis zum 24. Mai nicht zuqeben- wollen, daß er Mitglied des Zentralkomitees der Partei sei.
Der Kellner Helmer Hal am 7. März der Polizei mitgeteilt, daß im „Bayemhos" in der Potsdamer Straße verdächtige Personen oer- kehrten. Am 9. März Hal er eine Mitteilung an die Polizei gemacht, daß im Augenblick gerade diesepersonen reicher ba seien. Daraus- hin ist nach Prüfung der Anzeige die sofortige Festnahme der betreffenden Personen verfügt roorben. Es waren b I e Drei Bulgaren. Jm wagen hat Dimitroff bann »ach Befonbungen be$ polizcibeamten oer- fudjt, ein Schriftstück zu verstecken. Es hanbelte sich um einen Aufruf bes Exekutiv- komitces der Komintern vom 3. März. Dimitroff gibt das zu und sagt, er habe sich bamals bei bet Polizei als bürgerlicher schweizerischer Schriftsteller ausgegeben. Nach weiteren Befun- bungen be, Zeugen Helmer sind im Sommer 1932 ihm und anderen Kollegen gewisie Personen ausgefallen. Die ab unb zu nachmittags Im „Brnjerhop erschienen. Zu biefem Kreise hätten Dimitroff, popoff unb Tonest, aber auch oan Der Cubbe gehört. Bei einer Gegen- übcrfteOnng mit van bet Cubbe hat ihn fjelmet
1 mH absoluter Gewißheit reicher
er f a n n t Auch hie übrigen Kellner be» „Bayernhofes" sind vernommen reorben. Einige haben sich überhaupt nicht erinnern können, unb einigen ist von bet Cubbe ebenfalls bekannt oor- gekommen. Einer aber hat mit her gleichen Bestimmtheit ausgesagt wie Helmer.
Der Vorsitzende fragt oan Der Cubbe, ob er Die Potsdamer Straße und den Bayernhof kenne. Van der Cubbe verneint beide Fragen. Auch mit Den Bulgaren will er nicht zusammengewejen fein.
Ueber seinen Aufenthalt im Bayernhof erklärt Dimitroff, er sei hort nie mit mehr als drei Personen zufammengewesen, gewöhn- sich sei er mit Jakobus Roßner, einem öfterrei- chijchen Schriftsteller, dort gewesen. Ein deutscher Kommunist habe an den Zusammenkünften nie keil- genommen. Im übrigen fei er, Dimitroff, a m Tage des Reichstagsbrandes überhaupt nicht in Berlin gewesen. Ferner bestehe die Möglichkeit, Roßner mit von her Cubbe zu verwechseln. Der Vorsitzende erklärt, daß Roßner selbstverständlich vernommen werde, wenn seine Adresse zu ermitteln sei.
Der Angeklagte Poposf erklärt Die Aussage Helmers über feine Zusammenkunft mit van Der Cubbe im Bayernhof als eine Cüge. Der Ange- klagte Taneff will nur ein einziges Mal — am Tage seiner Verhaftung — mit Dimitroff unh Popoff im Bayernhof zusammen gewesen jein.
Noch einer Pause wird das Alibi Po poffs und Taneffs erörtert. Popoff gibt an, daß er am Tage des Brandes um 14 Uhr zusammen mit Tanefs in ein Restaurant in Der FrieDrichstraße gegangen sei. Dort seien sie bis 16 Uhr geblieben und dann ins East Mocca F in der Ceipjiger Straße gegangen. Dort hätten sie bis gegen 18 Uhr in der oberen Etage gesessen. Beide wollen dann das EafL wieder verlassen haben und durch die Ceipziger und Potsdamer Straße gegangen sein. Gegen 19 Uhr seien ste bei Aschinger unweit der Bülow st raße eingekehrt und hort bis gegen 21 Uhr geblieben. Von hier aus wollen sie dann in das Ufa-Kino am N o l l e n d o r f p l a tz gegangen fein, wo sie bis zum Schluß Der letzten Vorstellung gegen 23 Uhr blieben. Beim Ausgang aus dem Kino bemerkte ich, erklärte Popoff, daß ich meine Handschuhe zurückgelassen hatte. Ich kehrt« um und wollte sie holen. Als ich wieder herauskam, stand vor dem Kinoausgang ein Zei- tungshändler und schrie laut „Extraausgabe!". Ich las etwas über eine neue Notverordnung. Dann trennte ich mich von Tanest auf dem Platz vor dem Kino. Der Angeklagte Tanest bestätigt diese Angaben.
Vorsitzender: WelcheBeweise können die bei- den Angeklagten für das van ihnen behauptete Alibi angeben? Die bisherigen Ermitlungen haben keine Be ft ä t i g u n g für ihre Behauptungen erbracht. Es hat sich nichts dafür ergeben, daß Pvpoff tatsächlich gegen 23 Uhr die vergessenen Handschuhe aus dem Kinvtheater geholt hat. Handschuhe sind in diesem Ufa-Theater allerdings a d g e h o 11 worden, aber das war um 19 Uhr, nicht um 23 Uhr.
Angeklagter Popoff: Als ich nach dem Kino geführt wurde, hat ein junger Mann f i d) bereit erklärt, als Zeuge zu bestätigen, daß er mich dort um diese Zeit gesehen habe. Die Kriminal- beamten sagten ihm, er solle sich am nächsten Tag auf dem Polizeipräsidium melden. Was daraus geworden ist, weiß ich nicht.
Vorsitzender: Das wird her Zeuge Heinrich gewesen sein, dessen Cahung angeordnet ist.
Angeklagter Popofs: Als ich mit den Kriminalbeamten im Kino war, bezeichnete ich auch genau die Stellung, die die beiden Kontrolleure an dem Abend eingenommen hatten, als wir beide die Borstellung besuchten. Die Kontrolleure bestätigten in Gegenwart der Beamten, daß sie damals so gestanden hätten, wie ich es angegeben hatte.
Der vberrenhsanwalk weist darauf hin, daß Po- poff im späteren Verlauf der Voruntersuchung angegeben habe, daß er sich möglicherweise über den Tag des Kinobesuchs irren könne. Wenn das der Fall sei, habe er sich am 27. Februar i n feiner Wohnung aufgehalten. Poposf erklärt dazu: Bei meiner wiederholten Bitte, daß der Untersuchungsrichter mich mit Tanest durch die ver- schiedenen Lokale führen laste, hat mir der Untersuchungsrichter geantwortet, Taneff habe bereit» zugegeben, daß er mit mir nicht zusam- mengeroefen sei. Ich habe damals gesagt: „Ich nehme an, daß ich an dem lag mit Tanest zusam- men gewesen bin. Wenn sich Herausstellen tollte, daß ich nicht mit Taneff zusammen gewesen bin, dann war ich in meiner Wohnung." In der Folge habe ich dann erfahren, daß Taneff ausgesagt hat, daß er mit mir zusammen war. Es ist fein Wunder, daß ich mich vielleicht da geirrt habe, Denn dieser Tag, der 27., war für mich genau s o ein Tag wie jeder andere. Ich habe jedenfalls immer behauptet, daß ich mit Taneff zusammen war und sage das auch heute, nachdem Tanefs c» selbst bestätigt hat.
Der Oberreichsanwalt wendet sich dann an den Angeklagten Dimitroff Dieser habe angegeben, daß er sich am 26. und 27. Februar in München aufgehalten habe. Er habe dagegen bisher nichts darüber gesagt, daß er bas getan hat.
Dimitroff erklärt, er fei am 25. Februar nach München gereift, um dort am 26. einen bulgarischen Freund zu treffen. Den Namen sage er nicht, weil dieser Freund sonst in Bulgarien verfolgt und samt seiner Familie in 24 Stunden ruiniert sein roürbe._ In der Anklageschrift steht als Belastungsmoment gegen mich, daß bei meiner Verhaftung in meiner Tasche zwei Ansichtskarten gefunden roorben sind, ausgerechnet vom Reichstag unb vom Schloß. Ich habe schon bei meiner ersten Vernehmung im Polizeipräsibium erklärt, baß ich Ende Januar eine Serie von etwa 12 Berliner Ansichtskarten gekauft habe. Davon hatte ich einige an meine Mutter und meine Schwester geschickt. Bei meiner Verhaftung hatte ich in meiner Tasche noch sechs dis sieben Stück von diesen Karten. Zu den Akten sind davon aber nur zwei gekommen, die vom Reichstag unb vom' Schloß. Die übrigen sind verschwunden.
Vorsitzender: Wir werden darüber den Kriminalbeamten Steinbach vernehmen.
Dimitroff erklärt dann noch, daß seine ganz« po- lizeiliche Vernehmung sich lediglich auf die Aussage einer einzigen Zeugin stützte, die behauptet hatte, ihn am 26. Februar, um 15 Uhr, ,i u ( a m m e n m i t van her ßubbe in einem Restaurant in her Düsseldorfer Straße gesehen zu haben. In der Anklageschrift stehe aber kein Wort mehr davon, nachdem sich herausgestellt hatte, daß er am 26. Februar In München gewesen sei. Der Vorsitzende weist diese Darstellung als unrichtig zurück unb vertagt bann die Verhandlung. Die nächste Sitzung findet am Dienstag um 10 Uhr in Berlin statt.
Die eiste deutsche Einwanderung in Amerika.
Dr. Goebbels spricht auf einer Gedentfeier der Vereinigung Carl Schurz.
Berlin, 8. Okt. (TU.) Im großen Festsaal bet Kroll fand am Sonntagmittag eine von der Vereinigung Carl Schurz veranstaltete Feierstunde zur Erinnerung an die vor 250 Jahren erfolgte Einwanderung der er ft en Gruppe deutscher Siedler unter Franz Daniel Paftvrius in die Vereinigten Staaten statt. In feiner Begrüßungsansprache erklärte Dr. h. c. Hans Draeger, bie Feier soll bartun, baß bas neue Deutschlanb sich nicht mit einer chinesischen Mauer umgeben wolle, baß es vielmehr seine burch innere Geschlossenheit gefestigten Kräfte tätig einsetzen will, mit allen anberen Völkern her Welt bie Schwierigkeiten unserer i t z u m e i ft e r n. Das Bekenntnis her deutschen Freundschaft zu Amerika fei nicht durch eigennützige Gründe bestimmt. Das Bekenntnis zu den blutsverwandten amerikanischen Bürgern deutscher Abstammung sei zugleich ein Gedenken an den unbekannten deutschen Pionier in den Vereinigten Staaten. Geheimrat Professor Dr. Eugen Kühne- m a n n (Breslau) gab einen geschichtlichen lieber- blick über die deutsche Auswanderung nach Nordamerika und über den Anteil der deutschen Siedlung an den Unabhängigkeitskriegen unb an her Entwicklung der Vereinigten Staaten. Als letzter Redner überbrachte
Hcichsminister Or. Goebbels
hn Namen Der R e i ch s r e g I e r u n g die Grüße Deustchlands an Das amerikanische Volk unb feinen Präsidenten. Wir Nationalsozialisten fühlen uns mit jedem einzelnen Volksgenossen gleich, ob er im Reich selbst ober jenseits her Grenzen lebt unb arbeitet, aufs enafte verdunben. Deshalb wirb bas neue DeustchlanD auch mit viel größerer innerer Anteilnahme bas Schicksal feiner Sohne unb Töchter auf außerbeutschem Boden verfolgen. Wir misten nur zu gut, wie sehnlichst her Auswan- berer eine stete Verbinbung mit her Heimat wünscht unb von welch großem Nutzen es anberjeits für bas Heimatland fein kann, wenn die Deutschen in lleberfee das politische unb wirtschaftlich« Geschehen ihrer alten Heimat verstehen unb zu roürbigen wissen. Sie, Me alle Eigenarten ihres Volkes kennen, sind immun gegen tendenziöse Greuelmärchen interessierter Kreise. In ihnen wird Deutschland bie treue- ft en Verfechter finden. Man sagt dem deutschen Auswanderer nach, daß er sich allzu rasch unb all zu stark seinem Gastvolk assimiliere. So sehr Dies von b. m einen oder anderen behaup- tet werben tonn, so ist es Doch ein Beweis mehr
daß her Deutsche alles andere als asozial ober ex- panfionslüftern sei. So wie Deutschlanb gemäß seiner ihm eigenen Art mithelfen will an der Wohl- fahrt der Völker, fo hat jeder einzelne, der Deutschland verließ, feiner neuen Heimat uneingeschränkt Gesundheit, Kraft und Kannen zur Verfügung gestellt.
Zum Schluß gedachte Reichsminister Dr. Goebbels besonders der Deutschen, die sich um den Aufbau der Vereinigten Staaten große Verdienste erworben haben, unter ihnen (Lari Schurz unb S t e u b e n. Namens des neuen Deutschlands dankte der Minister allen Deutschamerikanern für die umfangreiche HUfstätigkcit, mit der sie wahrend be» Krieges unb namentlich in ben ersten schweren Jahren nach hem Krieg in her Inflationszeit bie Not im alten Heimatlanbe linbern halfen Als Symbol für ben Willen der jungen Generation beider Völker, bie Vorurteile einer überwundenen Vergangenheit zu beseitigen unb ben Gehonten her Frcunbfchaft her Völker zu pflegen, bezeichnete er die Tatsache, daß bie Hitler-Iugenb unb bie amerikanische Iugenb bei blefer Feier g e • meinfam aufmar schiert sei. „Mögen Amerika unb Deutschlanb, bie beibe in heroischem Frie- benskampf gegen bie furchtbare Krise der Zeit ankämpfen, in Sympathie unb Achtung oor* einanber bie N o tunserer Jahre über- ro l n b e n. Sie werben sich hamit ben Dank unb bie Liebe ihrer Völker erringen, unb bie Welt wird davon großen Segen erfahren."
Oie Winterhilfe
seht am 15. Oktober ein.
Lechs Millionen Volksgenossen werde« bedacht. >
Berlin, 8. Okt. (VDZ.) Di« Vorbereitungen Des Winterhilfswerkes finb soweit gediehen, daß mit dem Beginn der Austeilung an di« davon erfaßten Bedürftigen für den 15. Oktober zu rechnen ist. Mindestens 6 Millionen Menschen werden für etwa sechs Monat« vom WinterhiHsroerk versorgt werden.
vor allem legt man im Hauptquartier Des Winterhilfswerkes Wert darauf, bie Opfergaben bes beutfchen Volkes nicht in bie unrechten H ä n b e kommen zu lasten. Die zuständigen nationalsozialistischen Stellen haben daher in Zusammenarbeit mit den Wohlfahrtsämtern ben Kreis der in Bettacht kommenden Bedürftigen feftgestellt. Auch Die R e i ch s p o st ist in solchen Fällen eine


