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9.10.1933 Drittes Blatt
 
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Nr. 236 Drittes Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)

Montag, 9. Oktober 1933

Der große Augenblick.

Die Geburt bedeutender wissenschaftlicher Entdeckungen.

Qkr Weg des menschlichen Fortschritts wird durch eine lange Reihe vonStationen" be­zeichnet: es sind jene großen Erkenntnisse ge­nialer Forscher, von denen jede die Mensch­heit um ein Stück vorwärts gebracht hat. Es ist eine sehr reizvolle Ausgabe, dieGe­burt" dieser großen Entdeckungen zu ver- olgen und festzustellen, durch welche oft eltsamen und scheinbar belanglosen Urn- tände im Leben großer Forscher dergroße Augenblick" der neuen Erkenntnis zustande- gekommen ist.

Wie (Zahlet die Fallgesetze entdeckte.

Jeder Besucher des italienischen Städtchens Pisa kennt auch den berühmtenschiefen Tur m", der die größte Sehenswürdigkeit von Pisa darstellt. Dieses Bauwerk ist aber nicht nur architektonisch von Interesse, sondern es stellt auch sozusagen die Geburtsstätte der modernen Physik dar, denn an dem schiefen Turm hat Galileo Galilei seine Fallversuche angestellt, die schließ­lich zur Begründung der noch heute gültigen phy­sikalischen Grundgesetze vom freien Fall, von der Beschleunigung usw. führten. Wie kam Galilei zu dieser Entdeckung, die eine neue Epoche der Wissen­schaft einleitete und die seit zwei Jahrtausenden un- angefocbten gebliebenen Ansichten des Aristoteles als falsch erwies?

Eine ganz unscheinbare Begebenheit wurde zur Ursache Desgroßen Augenblicks" im Leben Gali­leis: er war damals ein neunzehnjähriger Student und befand sich zufällig im Dome zu Pisa, als die dort angebrachten Kronleuchter aus irgend einem zufälligen Anlaß hin und her zu schwingen began­nen. Während Galilei diese Schwingungen beobach­tete, kam ihm blitzartig die Erleuchtung, daß ihm hier das Mittel gegeben sei, die bisher gültigen Pendel - und Fallgesetze zu stürzen. (Man kann nämlich mit Hilfe einer genauen zeitlichen Be­stimmung von Pendelschwingungen die Anziehungs­kraft der Erde auf einen fallenden Körper berech­nen.) Jetzt roar Galilei im Besitz der eigentlichen Grundidee für seine weiteren Arbeiten und nun­mehr nahm er' ihre Ausarbeitung im einzelnen vor, indem er an dem für diese Zwecke besonders ge­eigneten schiefen Turm Kugeln gleicher Schwere, aber verschiedener Größe fallen ließ, und die Ge­setzmäßigkeiten ihres Sturzes untersuchte. Man hatte bis zu Galilei die dem Laien auch heute noch durchaus plausibel erscheinende Ansicht gehabt, daß schwere Körper schneller fallen als leichte. In Wirklichkeit aber gelten die Gesetze vom freien Fall für alle Körper in gleicher Weise die Täuschung kommt nur dadurch zustande, daß der Luftwiderstand verschiedenartige Fallgeschwindigkei­ten 'hervorruft. Läßt man aber in einer luftleer gepumpten Röhre ein Stück Blei und eine Flaum­feder fallen, so kommen beide gleichzeitig am Bo­den der Röhre an!

Heute lernt jedes Schulkind im Physikunterrichte die Fallgesetze aber wir wissen nicht, wie die Entwicklung der modernen Naturwissenschaft ver­lausen wäre, wenn nicht vor 350 Jahren das zu­fällige Schwingen der Kronleuchter im Dome zu Pisa zu einer der größten und folgenreichsten Ent­deckungen geführt hätte, die die Geschichte der Wissenschaft kennt.

Wissenschaft aus dem Weinfaß.

Johannes Kepler befand sich fast sein ganzes. Leben hindurch in dem betrüblichen Zustande eines' chronischen Geldmangels". Im Herbste eines be­sonders guten Weinjahres hatte er aber zufällig einmal einen größeren Geldbetrag erhalten und beschloß, einen Teil davon in Wein anzulegen. Er begab sich also zu einem Weinhändler, um einige

Fässer des guten Tropfens zu erstehen, mußte aber feststellen, daß der Rauminhalt der Fässer auf eine sehr primitive und wenig zuverlässige Art mit Hilfe sogenannter Visierstäbe bestimmt wurde. Als gutem Hausvater sowie als Wissenschaftler mißfiel ihm diese Berechnungsmethode und so kam er durch diesen kleinen Anlaß auf die Idee, eine ganz neue Methode der Inhaltsbestimmung für Fässer, darüber hinaus aber für die verschie­densten räumlichen Formen zu ersinnen. Die ur­sprünglich so geringfügig erscheinende Aufgabe wurde unter seinen Händen schließlich au einer außerordentlich bedeutungsvollen wissenschaftlichen Arbeit: Kepler dehnte seine Untersuchung auf nicht weniger als 92 verschiedene räumliche Körper aus, von denen manche den Mathematikern überhaupt noch nicht bekannt gewesen waren. Die Ergebnisse seiner Untersuchungen legte Kepler in einem Büchlein nieder, das den seltsamen Namen führte: Nova stereometria doliorum vinariorum (,^Rsue Raumlehre der Weinfässer") dieses kleine Büch­lein bedeutete einen gewaltigen Fortschritt der da­mals noch ganz wenig entwickelten Raumlehre (Stereometrie).

Diefixe Idee" des Or. Zenner.

Vor der allgemeinen Einführung der Pocken­impfung starben allein in Deutschland etwa 30 000 Menschen jährlich an den Pocken, die noch im 18. Jahrhundert eine der gesürchtetsten und ver­heerendsten Infektionskrankheiten waren. Man kannte zwar bereits eine Abwehrmaßnahme da­gegen: die Impfung mit dem Pockengift eines an dieser Seuche erkrankten Menschen. Aber diese Methode war gefährlich, denn trotz der Abschwä­chung, die man mit dem Impfstoff oornahm, kam es .-Immer wieder vor, daß ein Geimpfter gerade diese Krankheit in schwerer Form bekam, gegen die er durch das Impfen geschützt werden sollte, die

Wiesbaden, 6. Oft. (WSN.) ,Hch bin ein alter Betriebskumpel und gehe auch dahin, wo man mich nicht hinführt" mit diesen Worten er­oberte sich der Bezirksleiter der Deutschen Arbeits­front Pg. Becker die Herzen der Arbeiter beim zweiten Besichtigungstage in unserem Bezirk, der mit dem Gang durch das Werk Dyckerhoff 8t Widmann begannWir wollen den Arbeitern in den Betrieben die Hand geben, wir, wollen ihnen auch noch einmal deutlich vor Augen führen, daß wir nur für sie da sind. Wenn der Arbeiter Geld hat, so hat es die ganze Welt, und deshalb ist es unsere heiligste Pflicht, dem Arbeiter den Platz an­zuweisen, der ihm in unferm Volk gehört, denn wir können nur Arbeiter gebrauchen, und alle Schmarotzer müssen tn unferm Volk ausgemerzt werden". Die nachfolgende Besichtigung ergab auch einige Mängel. Das, was dem Arbeiter Freude am Dasein bereitet, helle Speise- und Aufenthaltsräume, fehlt noch. Aber der. eiserne Wille unseres Führers, der den Bau der großen Autostraße bestimmte, gab auch diesem Werk, wie uns die Direktion versicherte, wieder Arbeit und dadurch die Möglichkeit, alles in sozialer Hinsicht Versäumte wieder nachzuholen. Der Bezirksleiter der Deutschen Arbeitsfront Pg. Becker sprach noch nach Schluß der Besichtigung in herzlichen Worten zu der Belegschaft.

Ibir kennen keine Proleten, wir wollen einen freien deutschen Arbeiter, der den Kopf in den

Pocken. Wenn man heute in Europa fast niemals Menschen mit den früher so ungemein häufigen Pockennarben begegnet, dann ist das vor allem auf das Verdienst des englischen Arztes Jenner zurückzuführen. Jenner praktizierte feit dem Jahre 1773 in feinem Heimatsort Berkeley und hatte sich schon längere Zeit mit der neuen Methode der Pockenimpfung beschäftigt. Eines Tages brach in Berkeley wieder einmal die Pocken- feuche aus, und Jenner impfte zahlreiche feiner Pa­tienten vorbeugend gegen die Krankheit. Da geriet er auch an einen Gärtner, dem sonderbarerweise das eingeimpfte Pockengift nichts anhaben konnte während die übrigen Patienten nach der Imp­fungprogrammäßig leicht erkrankten, blieb der Gärtner trotz dreimaligem Wiederholen des Ver­suches völlig gesund. Warum? Es stellte sich heraus, daß der Gärtner früher einmal an Kuhpocken er­krankt war und ein paar Tage später machte Jenner wieder bei einem anderen Patienten die Erfahrung, daß die früher an Kuhpocken erkrankten Menschen gegen das eingeimpfte Pockengift der menschlichen Seuche immun zu sein schienen. Aehnliche Erfahrungen haben damals sicherlich sehr zahlreiche Aerzte gemacht. Dr. Jenner aber führte sie zu seinerfixen Idee", die ihm zunächst nichts als Hohn und Spott, schließlich aber die höchsten Ehren und Triumphe eintrug.

Jenner war nach zahlreichen Nachprüfungen seiner Idee zu der festen Uebergeugung gelangt, daß das Ueberftefjen der Kuhpocken gegen dieBlattern", die menschlichen Pocken, schützt; seingroßer Tag" ist der 14. Mai 1796, an dem er einem achtjährigen Knaben die Kuhpocken einimpft, um seinefixe Idee" der Welt zu beweisen. Der Junge erkrankte prompt an den Kuhpocken, wurde dann ein paar Wochen später mit richtigen Pocken geimpft und blieb vollkommen gesund. Zunächst wollte kein Mensch an die Entdeckung des englischen Land­arztes glauben, aber nach unendlichen Mühen und Kämpfen setzte sie sich langsam bei den Aerzten und der Oefsentlichkeit durch, und sechs Jahre nach jenem historischen 14. Mai bewilligte das englische Parla­ment dem Dr. Jenner eine Ehrengabe von 10 0 0 0 Pfund als Dank der Nation für seinefixe Idee". Dr. Hertwig.

Nacken wirst, der seine Arbeit tut, wie der Dienstherr seine Arbeit tun muß, ;um Dohle unseres Vaterlandes."

Ein dreifaches Sieg-Heil bestätigte das einheitliche Fühlen von Arbeiter und Arbeiterführer.

Wie immer, begleitete heitere Sonne die Fahrt zum zweiten Werke, Dyckerhoff & Wicking. Der Leiter des Werkes, Dr. W. Dyckerhoff, begrüßte die Delegation mit herzlichen Worten, in­dem er feiner Freude darüber Ausdruck gab, daß durch den Besuch die Verbundenheit der national­sozialistischen Regierung zu hem gesamten Volk zum Ausdruck gebracht werde. Die darauffolgende Be­sichtigung der Steinbrüche der Firma, besonders aber die des großen Hebekrans, gewährte den Teil­nehmern einen Einblick in die große unermüdliche deutsche Schaffenskraft. Spontaner jubelnder Bei­fall zeigte dem Bezirksleiter, daß er der gesamten Belegschaft aus dem Herzen gesprochen hatte..

Weiter ging die Fahrt zu unserer alten deutschen Sektkellerei Söhnlein-Rheingold Wies- baden-Schierstein. Auch hier zeigte sich wie­derum ein Betrieb, peinlich sauber, alles wie wir es für jeden andern Betrieb wünschen dürfen. Die Vorhalle geschmückt mit dem Bilde unseres Führers, der Speisesaal im Schmuck der Hakenkreuzfahnen, zeigte uns sofort, daß wir hier in einen Betrieb kamen, der voll und ganz vom Geiste des neuen Deutschland erfüllt war. Die anwesenden Herren

Wir gehen in die Betriebe!

Der zweite Besichtigungstag im Wiesbadener Bezirk.

Wie die deutsche Südfee gewonnen und verloren wurde.

Von Or. Colin Roß.

Glaube und Sehnsucht von uns Nordlän­dern ist es, daß in der fernen Südsee die glückseligen Inseln liegen müßten. Solche In­seln zu finden, ist der bekannte Weltreifende Colin Roß ausgezogen. Mit Genehmigung des Verlags F. 2L Brockhaus drucken wir aus seinem neuen BuchDas Land, das ich ge­sucht", ein Kapitel ab.

Wenn wir zu kurz kamen bei der Teilung der Erde, so nicht, weil diese bereits verteilt war, sondern weil wir mit unserer Weltanschauung und unserer Weltpolitik hinter der Zeit herhinkten. Damals wollte das deutsche Volk, wenigstens in seiner über­wältigenden Mehrheit, ja gar keine Kolonien. Es warn och in der liberal-volkswirtschaftlichen, kolonial­müden Ansicht befangen, daß Kolonien im Grunde nur eine Last für das Mutterland bedeuteten. Unsere Kolonien wurden uns von einer kleinen Schar weit- schauender, kühner Männer aufgezwungen. Bis zum Kriege war es in Deutschland üblich, über die wert­losen Kolonien zu spötteln, den armseligen Rest, den die großen Seemächte uns gnähigft übrigaelassen hätten. Dabei besaßen wir in Ostafrika den schönsten und besten Teil des Dunklen Erdteils.

Aehnlich stand es mit der Südsee. Das riesige Südmeer war mit allen seinen Inseln durch den Tor- dessillaer Vertrag Spanien zugesprochen. Aber auch Spanien wußte nichts damit anzufangen. Von den Philippinen aus wurden die Marianen und Karo­linen kolonisiert. Das war alles. Der ganze Handel beschränkte sich auf das eineChinaschiff", das als einsamer Segler einmal im Jahr über den weltver­lorenen Ozean von 0 apulco in Südamerika nach Manila segelte, um chinesische Seide an den vize- königlichen Hof in Lima zu bringen. Später kreuzten zwar auch englische und französische Schiffe den Pa­zifik, aber als in den Sechziger Jahren die preußische FregatteVineta" den Ozeän befuhr, hatte sie noch seine halbe Inselwelt annektieren können. Damals hätten wir nur zuzugreifen brauchen. England hätte uns nicht gehindert. Im Gegenteil, in jener Zeit war Großbritannien wirklich getättigt Enalands Außen­minister erklärte immer wieder, daß Ihre Majestät die Königin genügend braune und schwarze Unter­tanen hätte. Die Endgländer erklärten dies nicht zur Schau, sondern ausdrücklich jenen australischen Im- perialiften, die imperialistischer als das Mutterland dachten.

Australien war es denn auch, das zu unserem eigentlichen kolonialen Gegner in der Sudsee her­

anwuchs und das in der deutschen Kolonisation eine Bedrohung sah. Die dünn bevölkerte australische Kolonie, die einen ganzen Kontinent vor sich hatte, der noch nicht im entferntesten erschlossen, ja über­haupt auch nur zum allerkleinsten Teil erforscht war, strebte über dieses riesige, noch ungenützte Gebiet hinaus nach kolonialer acht! Immer wieder verlangte sie vom Mutterland die Annektion Neu­guineas, der Fidschi-Inseln, der Salomonen. Das Mutterland aber hatte keine Lust dazu, und mehr als einmal rief es die übereifrigen Kolonien zur Ordnung, vor allem Queensland, das auf eigene Faust Neuguinea zu besetzen versuchte.

So erregt wurde die Stimmung, daß Großbritan­nien schließlich nicht anders konnte, als in Port Moresby den Union Jack zu hissen. Das geschah am 8. November 1884. Fast gleichzeitig ging die deutsche Flagge auf der Nvrdseite der großen Süd­seeinsel hoch. Deutschland und England einigten sich damals friedlich nicht nur über die Grenzziehung auf Neuguinea, sondern über die Besitzverteilung im Pazifik überhaupt. In Australien aber blieb ein Gefühl von Neid, Eifersucht und Angst gegen Deutschland zurück. Wahrscheinlich haben wir in Deutschland von roeniaen Wissenden abgesehen von diesen Gefühlen 2luftraliens uns gegenüber nichts gewußt; oder wir glaubten, sie unbeachtet lassen zu können; denn was bedeutete damals Australien! Es war eine Gruppe belangloser Kolo­nien des mächtigen England, mit dem wir ja einig waren. ,.x ..

Im übrigen kümmerten wir uns nicht um Die neu erworbene Kolonie. Ihre Verwaltung überlie­ßen wir zunächst der Neuguinea-Kompanie und ihre wirtschaftliche Ausbeutung den wenigen, die Unternehmungslust, Abenteuerdrang oder Zufall in die ferne Südfee geführt hatten. Diese wenigen aber sahen in den Reichtümern, die ihnen in den Schoß fielen, ein Monopol, das es ängstlich zu hüten galt. Sie waren zu einem großen Teil sehr wenig königliche Kaufleute, sondern ängstliche Kra­mer. Ihre Schuld ist es, ebenso wie die der afrika­nischen Pflanzer, wenn das Mutterland sich ein so ungünstiges Urteil über den jungen Kolonialbesitz bildete; Denn sie hielten es für weiser, zu klagen und mit Dem Gouvernement um jeden Pfennig Zoll und Steuer zu feilschen. Sie malten schwarz in schwarz, um Zugang fernzuhalten. Für eine Weile mochte dies eine kluge Politik sein, aber auf Die Dauer wirkte sie sich katastrophal aus; Denn sie verhinderte, daß das deutsche Volk seine Kolonien aucherwarb", um sie zubesitzen", daß die Deut­schen wirklich ein Kolonial- und Weltvolk wurden, daß die Gefahren, die Kolonialbesitz und Welthan­del, Weltschiffahrt und überseeische Großmachtstel- lung mit sich bringen, rechtzeitig erkannte und ihnen zu begegnen wußte. Daß Deutschland unvorbereitet

in den Weltkrieg geriet, ist zum Teil die Schuld jener kolonialen Pflanzer und überseeischen Kauf­leute. Daß aber die Kolonien, mit Ausnahme von Ostafrika, so rasch verlorengingen, war Schuld einer außenpolitischen Leitung, die ihre militärische Siche­rung mißachten zu können alaubte und sich mit dem Schlagwort beruhigte, daß Die Kolonien in Der Hei­mat oerteiDigt werden. In der Weltgeschichte aber ist es mehr als einmal umgekehrt gewesen: in den Kolonien wurde die Heimat verteidigt.

Die kriegerischen Episoden, die sich im Bismarck- Archipel abspielten, gehören wohl zu den allerunbe­kanntesten des Weltkrieges. Gegenüber dem kolonia­len Heldenlied der Behauptung der Deutschen in Ost- afrifa und der ruhmvollen Verteidigung von Kiaut- schou sind die Kämpfe im Busch von Rabaul freilich Belanglosigkeiten. Aber das man überhaupt zu kämpfen wagte, daß man gegenüber der ungeheuren Überlegenheit, die die Australier ins Feld stellten, überhaupt an Widerstand dachte, das gehört zu den Ruhmestaten des Weltkrieges.

Trotz der unbedenklichen Tapferkeit, mit Der sich Das Gouvernement zur Verteidigung entschloß, ob­gleich es nur über einige schwarze Polizeijungen als bewaffnete Macht verfügte, und trotz der Todesopfer, die diese Verteidigung kostete, entbehrt der Kampf um den Bismarckarchipel nicht einer gewissen Komik, die vor allem aus dem grotesken Mißverhältnis der beiderseitigen Streitkräfte herrührte. Den Endlän­dern war es zunächst um die Zerstörung der Radio­station auf Der Gazellehalbinsel zu tun, die tatsäch­lich noch gar nicht arbeitete. Sie wurde erst an dem Tage fertig, als eine in die Blanchebucht eingelau­fene Flotille ein Detachement zu ihrer Vernichtung landete. Da es die Radiostation nicht fand, wollte es roenigftenns di^ Poft zerstören. Die Poft war ledig­lich vom Postmeister verteidigt. Der machte seine Sache nicht schlecht. Er erklärte es für einen ausge­machten Blödsinn, die Post zu zerstören. Da er über kein anderes Kampfmittel verfügte, fuhr er einige Flaschen Bier auf. Diese trank man gemeinsam aus und einigte sich bann Darauf, Die Post zu verschonen und lediglich die Telephonanlage zu zerschlagen. Nach Dieser Heldentat dampfte die feindliche Flotille wier- der ab.

Aber bann würbe es ernst. Auf beutscher Seite brachte man 46 Reservisten ja ganze 46 Mann! zusammen. Bei Herbertshöhe legte man Minen an und hob Schützengräben aus. Am 11. September landeten die Australier 1500 Mann! Im Busch stießen sie auf den ersten Schützengraben und muß­ten sich unter Verlusten zurückziehen. Sie sandten darauf eine Aufforderung zur Uebergnbe, die abge­lebt wurde. Verstärkungen wurden gelanget und ein neuer Angriff angesetzt. Diesem gelang es, einen Schützengraben nach dem andern zu nehmen, vor allem, Da Den Deutschen jegliche Artillerie fehlte. Es

Oberregierungsrat Dr. Riehm würbe zum Direk­tor her Biologischen Reichsanstalt für Land- und Forstwirtschaft ernannt. Dr. Riehm gehörte Diesem Institut bereits seit hem Jahre 1907 an.

her Geschäftsführung begrüßten Die Delegation mit herzlichen Worten. Die Besichtigung Des Betriebs überzeugte alle, Daß hier Qualitätserzeugnisse be­treut roerben. Nach Enbe her Besichtigung ver­sammelte sich Die gesamte Belegschaft mit Der Dele­gation zu einem Glas perlenDen Schaumweines. Der Leiter Der Firma Söhnlein-RheingolD wies auch hier Darauf hin, Daß

Die Sektkellereien unweigerlich erliegen mühten, wenn nicht Die nach seiner Ansicht ungerecht­fertigte Sektsteuer beseitigt würde.

Er bedauerte, daß er jetzt schon hätte Kündigungen aussprechen müssen, da der Betrieb nicht mehr in vollem Umfang aufrecht erhalten werden könnte. Pg. Becker versicherte in seiner Ansprache, daß der Führer sich bestimmt der notleidenden rheini­schen Sektkellereien annehmen würde, und daß wohl bestimmt mit einer Aufhebung der Sektsteuer zu rechnen sei. Nach Schluß der Ausführungen des Bezirksleiters der Deutschen Arbeitsfront erlebten wir die Freude, daß der Leiter der Firma Söhnlein- Rheingold sämtliche ausgesprochenen Kündigungen mit sofortiger Wirkung zurücknahm.

Gegen die Raffenschändung.

Offenbach a. M., 5. Oft. (WSN.) Die Presse- stelle der Polizeidirektion teilt mit: Der Fall des Juden Stern, der wegen seines unsittlichen Ver­kehrs mit einem deutschen Mädchen vor der er­regten Bevölkerung in Schutzhaft genommen werden mußte, gibt Anlaß, mit aller Deutlichkeit darauf hinzuweisen, daß in der heutigen Zeit der Verkehr eines Juden mit deutschen Mädchen eine Herausforderung der deutschen Be­völkerung ist. Der Herr Pvlizeidirektvr macht darauf aufmerksam, daß er, in Anbetracht des Umstandes, daß das Gesetz, welches den intimen Verkehr zwischen Juden und Deutschstämmigen als Rassenschänbunq verbietet und streng unter Strafe stellt, unmittelbar bevvrsteht, mit der gebotenen Schärfe gegen diejenigen Juden unddeutschen" Mädchen einschreiten wird, die durch ein derartig schamloses, das Volkstum gefährdendes Verhalten die Bevölkerung provozieren und so die öffentliche Ruhe und Ordnung stören.

Taten für Montag, 9. Oktober.

1477: Gründung der Universität Tübingen; 1841: der Architekt Friedrich Schinkel in Berlin ge­storben; 1906: Zeppelins Luftschiff steigt zu seiner ersten größeren Fahrt auf.

waren lediglich zwei Salutgeschütze vorhanden, und die hatten keine Munition.

Dann aber erwiesen sich die eingeborenen Polizei- isoldaten als wenig brauchbar. Einem langen Gefecht hielten sie nicht stand. So wurde die kleine deutsche Schar schließlich umzingelt und die Radiostation be­setzt. 19 Deutsche und 56 Eingeborene wurden ge­fangen. Die übrigen aber gaben den Kampf noch nicht auf. Erst nachdem Rabaul besetzt, die Umge­bung Pomas beschossen und neue Truppen gelandet waren, wurde die Uebergabe vereinbart.

Oer Leuchiturm von Messina.

Das aus den Trümmern des Erdbebens wieder­erstandene Messina ist nicht damit zufrieden, die größte und kostbarste Turmuhr zu besitzen, sondern erbaut jetzt auch einen Leuchtturm für feinen Hafen, auf dem eine Madonna den Seefahrern den Weg durch die Straße von Messina zeigt. Der neue Leucht­turm besteht aus einem fast fünfzig Meter hohen Pfeiler, der von einer Bronzestatue der Jungfrau gekrönt ist; an dem Sockel dieses Denkmals sind mit Riesenbuchstaben die Worte eingegraben:Ich segne Dich und Deine Stadt". Bei der Einweihungsfeier, die nächstes Jahr stattfinden soll, wird Senator M a r c o n i in Jerusalem auf einen Knopf drücken, durch den die Beleuchtung des Turmes und der Botschaft der Madonna eingeschaltet wird. Die Rolle, die man hier der Jungfrau Maria zuweift, beruht auf einer Ueberlieferung, die Die Bürger von Messina seit vielen Jahrhunderten lebendig erhalten haben. Die Legende berichtet, daß die Jungfrau selbst im Jahre 42 n. Ehr. einen Brief an die Bewohner der Stadt geschrieben habe, den sie durch einige be» sonders Gesandte schickte. In dem Brief sollen die Worte gestanden haben, die jetzt an dem Sockel der Statue angebracht worden sind; die Jungfrau soll aus Jerusalem geschrieben haben. Die Szene, in der sie den Abgesandten den Brief übergibt, ist auf der neuen Riesenuhr in überlebensgroßen Figuren dar­gestellt.

Oochschulnachrichlen.

Professor Dr. Hans Gerber von der Universi­tät Tübingen hat die Berufung nach Ha m« bürg auf den Lehrstuhl für öffentliches Recht ab­gelehnt.

Professor Dr. Eugen Böhler in Zürich hat einen Ruf auf den Lehrstuhl für theoretische Natio­nalökonomie und Finanzwissenschaft an der Uni­versität Jena abgelehnt.

Der Privatdozent für Musikwissenschaft an der Universität Berlin, Dr. Erich Schumann, ist zum ordentlichen Professor ernannt worden.