Nr. 21' Zweites Blatt
Giehener Anzeiger lGeneral-Anzeiger für Gberheffen)
Samstag, Y.Sext'mber 1953
Südwest - deutsches Land.
43on Dr. Paul Rohrbach
Windhuk, den 20. August.
Kany unser altes Südwestafrika nach seinem Heu- tigen Beoölkerungsstand noch als ein deutsches Land bezeichnet werden? Nach der offiziellen Statistik sind die Deutschen gegenüber den burischen Afrikanern und den Engländern in die Minderheit gekommen: nach allem, was schaffende und erhaltende Arbeit heißt, ist Südwest auch heute noch deutsch. Die Südafrikanische Union führt nun schon seit vierzehn Jahren das Mandat über die deutsch« Kolonie, aber wenn man fragt, was die Südafrikaner Neues, Produktives geschaffen, wodurch sie ihrem Mandat den Stempel des Fortschritts, den Stempel eigener kolonialer Kulturleistung aufge- drückt haben, so muß die Antwort lauten: Nichts, schlechterdings nichts dergleichen ist geschehen!
Ich schrieb schon in meinem vorletzten Bericht aus Windhuk, Jan Smuts, der groß« Durengenerat und Burenminister, der die Parole des einheitlichen Südafrikanertums für Buren und Engländer auf fein stets knatterndes politijcyes Banner geschrieben hat, habe den deutschen Südwestafrikanern einmal zugerufen, sie möchten sich keine Dummheiten einbilden, Mandat seiAnnexion. Dann hätte man ober erwarten sollen, daß eine Mandatsoerwaltung, di« sich selbst als eine annexionistifche betrachtet, den Deutschen auch zeigt, was sie kann. Will einer nach dem urteilen, was man bisher zu sehen bekommen hat, so müßte er sagen: Sie kann gar nichts! Dabei muß gerechterweise dem jetzigen Administrator, der ein wohlwollender Mann zu sein scheint und erst vor kurzem ins Land gekommen ist, ein« Frist des Abwartens zugebilligt werden.
Die südwestafrikanischen Eisenbahnen waren, bis auf die Verbindung im Süden mit den kap- ländischen Bahnen, die zu Kriegszwecken herge- stellt wurde, und den Stumpf von Windhuk nach Gobabis schon zur deutschen Zeit gebaut. Die Diamantfelder sind, wie auch schon berichtet, an den „Südafrikaner" Sir Ernest Oppenheimer ausgeliefert und von diesem, gegen das Landesintercsse und trotz der vorhandenen Tkr- kaufsmöglichkeit für die Lüderitzbuchter Stein«, st i l l g e l e g t worden. Das ausgezeichnete D e - terinärinftitut von Gammams bei Windhuk, dem die füdwestafrikanifche Tierzucht zur deutschen Zeit viel verdankte, ist geschlossen worden. Der Farmer, der einen tierzüchterischen Rat haben, eine Erkrankung unter seinem Vieh beurteilt, eine Arznei angegeben haben will, muß sich nach Pretoria wenden und bis er auf seine Anfrage und feine eingesandten Proben von dort Antwort be- kommt, vergehen Wochen und Wochen. Wenn der Bescheid dann wenigstens immer richtig wäre! Nicht einmal das ist der Fall.
Einer der alten deutschen Landeskenner hat früher einmal gesagt: Aus einem Lande wie Südwestafrika dürfte zur Regenzeit überhaupt kein Tropfen Wasser bis ins Meer fließen! Das war natürlich nur als ideale Forderung gedacht, aber es waren unter der deutschen Verwaltung wenigstens eine Anzahl Projekte für die bedeutendsten Stausperren (v'tqearbeitet, zu denen die Bodengestaltung — Der- fd)'ebene Flußengen mit großem rückwärtigen Zulaufgebiet — Gelegenheit bieten. Die Südafrikaner haben ja das ganze deutsche Material an Plänen und Projekten geerbt. Sie brauchten nichts weiter 3’i tun, als den Deutschen zu zeigen: Nun wird mit Kraft, Entschlossenheit und Geld vorgegangen, nun werdet ihr zu sehen bekommen, was eure alte 23er- waltuna konnte, und was wir können!
Der Effekt war kläglich, nichts Gutes, Großes ist ge'chaffen. Die Finanzen des Mandats find durch eine systemlose, unüberlegte Wirtschaft, durch den Import einer Menge von „armen Blanken", besitzlosen, wirtschaftlich untüchtigen Buren aus der Kapkolonie die alle eine verschwenderische Regie- rungsunterstützung erhielten, zerrüttet. Nicht mit Unrecht hat man gesagt, die Mandatsverwaltung habe auf Befehl von Pretoria und Kapstadt dem Land die Kosten der Armenpflege von ganz Südafrika aufgehalst. Ein totales und sehr kostsvieliges Fiasko war auch der Import von einigen hundert Burenfamilien aus Angola als sogenanntes Stimmvieh, um die deutsche Mehrheit zu befeitiaen. Die Leute zeigten sich unfähig, hier zu wirtschaften und
müssen von der Regierung unterhalten werden, damit sie nicht verhungern. Für den Afrikaner wird aber gesorgt: dem deutschen Farmer, Den di« Zinsen der englischen Banken erwürgen, hilft kein Mensch
Wer nach Windhuk kommt, sieht eine Menge neue Häuser, die für die Mandatbeamten gebaut sind, er sieht auch, daß die offiziellen Aufschriften englisch und afrikanisch sind, aber im übrigen kann er nicht anders, als sich überzeugen, daß er a n einem deutschen Platz ist. Es fällt geradezu auf, wenn man Englisch oder Afrikans sprechen hört. Wer durchs Land fährt, der merkt alsbald, daß alles, was an tüchtiaer, solider Farmwirtschaft da ist, deutsch ist. Die Deutschen haben die lange Reihe artesischer Brunnen im Osten, in Auob- tal, erbohrt. Die Deutschen haben das Wasier dort gefunden und erschlossen. Die deutschen Farmer bauen Staudämme, bauen schöne, solide Häuser, hoben die rettende Karakulzucht zuerst aufgenommen, leisten das Aeußerste, um ihre Kinder ordentlich zur Schule zu schicken. Don den eingewanderten Afrikanern hat noch keiner eine Musterwirtschaft, eine Gartenkultur größeren Stils, eine Hochzucht mit peinlich geführten Stammbäumen, wie es die deutschen Züchtereien tun, gegründet.
Man kann ruhig sagen, daß alles Tüchtige, alles Nachahmenswert«, alles Dauernde in Südwestafrika bis auf den heutigen Tag von den Deutschen geleistet worden ist Durch das afrikanische Regime
sind nut die Parteipolitik, die finanzielle Unorb- nung und schlimmere Dinge ins Land gebracht. Es ist eine bekannte Praxis geworden, wie man sich durch Beziehungen zu den Stellen, von denen die finanziellen Entzcheioungen, di« Vergebung öffent- licher Arbeiten und dergleichen ausgehen, „gesund" macht. Die Afrikaner berufen sich darauf, daß z. B. bei Windhuk eben ein größerer Damm fertig geworden ist, um die Wasserversorgung der Stadt zu verbessern. Ueber die Zweckmäßigkeit der Anlage sind die Meinungen geteilt; nicht geteilt sind sie darüber, daß der Damm — die Gründe, die genannt werden, mögen unerörtert bleiben — ein Mehrfaches von dem gekostet hat, was er vernünftigerweise hätte kosten dürfen. Auch em anderes größeres Dammbauprojekt im Norden, mit dessen Ausführung schon begonnen worden ist, wird nach sachverständigem Urteil den Kostenvoranschlag voraussichtlich weit überschreiten und die errechnete Verzinsung lange nicht bringen. Man will dort Kleinsiedlungen schaffen, aber Kleinsiedlungen, die nicht leben und nicht sterben können, gibt es in Südwest- afrita schon mehr als genug, und in einem Lande mit so unregelmäßigem Regenfall wie hier, ist es ein Leichtsinn, sie auf einen geflauten Wasservorrat ohne unbedingt gesicherten reichlichen Zulauf (wie bei den alten deutschen Projekten) zu gründen. Alles in allem: Als Mandatsverwalterin hat die Union in Südwestafrika bisher nur den Beweis entweder des Nichtkönnens ober des Nichtwollens geleistet.
Wie werden wir das gesundeste Soll der West?
Förderung erbgesunder Familien. — Ausmerzung kranken Erbgutes. — ^einerhaltung der Raffe.
Linser Weg in die Zukunst.
Don Min.*Rat Dr. Gütt, Berlin.
Im Septemberheft der Zeitschrift „Neues Volk", die als Blätter des Aufklärungsamtes für Bevölkerungspolitik und Rassenpflege erscheint und bereits eine Auflage von 90 000 Exemplaren erreicht hat, seht sich Ministerialrat Dr. Gütt, Der Schöpfer Des Gesetzes zur Verhütung erbkranken Nachwuchses, mit den Wirkungen des Sterilisierungsgesetzes auseinander. Dr. Gütt schreibt:
Wir wollen uns keinen Einbildungen darüber hingeben, daß unserem völkischen Staat ungeheuer viel Arbeit zu tun bleibt, um wirklich das Endziel zu erreichen: Reinerhaltung des Blutes unseres Volkes und der wertvollen deutschen Erbmasse. Mit allen Mitteln muß dafür gesorgt werden, daß der Gedankenyang unserer Führerschaft das deutsche Volk völlig durchdringt und daß sich jeder einzelne unser heutiges Wissen über bie Bedeutung Der Erbkrankheiten und der Vererbung überhaupt zu eigen macht.
Man heiratet — aus Liebe, aus Zuneigung, aus diesen und jenen Rücksichten, wer aber überlegt und bedenkt, ob in der Familie des anderen Geisteskrankheit, Schwachsinn und viele andere vererb- bare Leiden vorgekommcn sind? Das wird anders fein, wenn bis in die kleinsten Hütten Deutschlands hinein jeder sich über bie Folgen einer solchen Verbindung mit einer kranken Familie im klaren ist. Schon die Tatsache der St e r i I i f i e r u n g bestimmter Personen wird in deren Bekanntenkreisen den Wert der Erkenntnis dieser Dinge offenbaren und zu vielfacher Ueberlegung vor der Eheschließung anregen. Wenn auch alle Beteiligten an die Schweigepflicht gebunden sind, so werden in der Praxis doch gerade bie Angehörigen erbkranker Personen nach Ueberroinbunq einer ersten Scheu bie Derteibiger unb Befürworter ber Unfruchtbarmachung werben, befonbers wenn sie setzen, daß der Eingriff den betroffenen Personen nicht den geringsten Nachteil brachte. Don Jahr zu Jahr werden mehr Personen sterilisiert werden, ohne Schaden zu leiden — und von Jahr zu Jahr werden deshalb weniger erbkranke Personen geboren. Schon in kurzer Zeit wird sich dies zahlenmäßig auswirken. Bei unserer jetzigen Generation werden zunächst nur erbkranke Personen selbst be
troffen; in der nächsten Generation werden aber schon Seitenlinien betroffen fein, deren Eltern noch gesund waren, bei Deren Nachkommen aber kranke Erbmasse zum Vorschein kam. Wir wissen ja, daß es viel Krankheiten gibt, die überdeckt vererbbar sind unb bah bies kranke Erbgut erst roieber in ben nächsten Generationen in Erscheinung tritt.
Wenn nun zur Sterilisierung noch wirksame Eheberatung und Erziehung des deutschen Volkes zum Erdgesundheitsgedanken kommt, dann werden wir Deutschen in 50—60 Jahren schon von unserem Volk sagen können, daß es das gesündeste der Welt geworden ist. Dann auch erst wird in vollem Umfang verstanden werden, wie lebensnotwendig diese heutigen Maßnahmen waren. Umgekehrt werden dann aber auch erst unsere Aerzte und Eheberater durch das vielfältige Material der Erfahrungszeit in die Lage versetzt fein, ben Ehe- schließcnden einwandfreie Beratung angebeUjen zu lassen, benn erst burch biefe „erbliche Bestanbsauf- nähme" unb badurch, baß die erbkranken Familien mehr unb mehr erkannt und erforscht werden, wirb es ben Aerzten möglich fein, ben Erbwert einer Familie zu erkennen.
Doch mit biefer „Ausmerze ungefunben Erbgutes" allein ist es nicht getan. Daneben muß eine groh- angelegte Forderung ber erbgefunben Familien laufen. Wir müssen in Slenberung unserer bisherigen Anschauungsweise wieder lernen, auf unsere Familie, auf Vorfahren und Nachkommen, auf Erbgesundheit unb Rassenreinheit stolz zu sein. Wir müssen unsere Iugenb Familien- unb Rassenkunbe lehren, bamit ihr so früh wie möglich die unenbliche Bedeutung dieser Wilsen- schäft und Lehre klar wird. Nur dann auch wird das bereits in Kraft getretene Beamtengesetz eine wirksame Ergänzung zum Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses fein. Beim Beamtengesetz sind der Arierparagraph unb bie Auslese befähigter Deutscher zur Besetzung der wichtigsten Posten in der deutschen Beamtenschaft die Grundpfeiler der neuen Denkweise. Wenn jetzt noch das bereits angefünbigte Reichsangehörigkeitsgesetz in Kraft tritt, das alle Deutschen reinen Stammes besonders umhüten und schützen will und wird, so werben biefer Art ber Auslese unb ber Förderung gesunder, erbgesunder unb rassereiner Personen uns zu einem neuen, stolzen Rassebewuhtsein verhelfen, unb in ber Folge zu einer Ausartung unb Raffe- reintzeit führen, bie unser beutsches Volk über alle Völker Europas und der Welt hinausheben wird.
Verhinderung von Mischehen, Reinerhaltung des deutschen Blutes, Fortentwicklung der edlen deutschen Erbmasse, die völlige Befreiung von erbkranken Elementen sind das Ziel dieser Geseke. Bevölkerungspolitische Maßnahmen werden Dic|en Gesetzen bald zur Seite treten; Steuerreformen unb Lastenausgleich für erbgefunbe und kinderreiche Familien sind die Voraussetzung dafür, die Seele unseres Volks für bie Gründung ber dcutfchbewuß- ten Familie unb für bie höhere Entwicklung unserer Rasse zu gewinnen.
Wie bebeutsam ein so erneuertes beutsches Volk auch seine wirtschaftspolitische und außenpolitische Stellung heben unb befestigen wird, soll später geschildert werden. Dem sterbenden Abendland e i n neu erstarkendes deutsches Volk gegen- überzustellen, das sich siegreich ben Wellen, bie vom Osten her anbranoen werben, entgegenstemmt, ift tiefster unb letzter Sinn biefer Gesetze unb Be- ftrebungen. Ieber aber wirb erkennen, baß es sich wirklich hierbei um bie 6 n b f r a g e unseres beut- sehen Volkes unb um Sein ober Nichtsein handelt. Wir haben die feste Zuversicht, daß das deutsche Volk sich zu diesem neuen Lehen aufrafft und daß unser Führer in Wahrheit der Begründer einer besseren Zukunft unseres Volkes ist.
ßübamerifaner.
Don unserem Sonderkorrespondenten
Dr. E. O. Hittetamps
Buenos Aires, Ende August 1933.
Sübameritaner, — gibt es überhaupt „ben" Süb- ameritaner? Gibt es „ben" Europäer? Dem Deutschen, ber sich Franzosen, Englänbern unb Italienern gegenübersieht, Dem Franzosen ober bem Italiener, ber es mit Deutschen unb Englänbern zu tun hat, wirb ber Begriff des „Europäers" ganz unabhängig von jeber politischen Nebenbedeutung unb lediglich als Sammelbegriff für Individuen, die innerhalb eines bestimmten Kontinents Europa geboren sind, dennoch nur schwer begreiflich zu machen sein. Denn sie alle sehen am anderen zunächst nur das Verschiedene, das Fremde, bas Anders-als-man- felbft. Daneben bleibt für bas Gemeinsame, auf so nahe Sicht, nur wenig Raum. Erst wer von außerhalb Europas aus auf ben neuen Kontinent, auf dem er steht, und auf den alten, auf Europa, blickt, sieht, daß es „ben" Europäer gibt. Für ihn gibt es auch „ben" Sübameritaner.
Kürzlich hat sich ein berühmter Gelehrter in Argentinien in mehreren Aufsätzen öffentlich gegen ben Gebrauch bes Wortes „Lateinamerikaner" gewanbt. Er meint, daß biefes Wort irreführe, da es bie Vorstellung erwecke, als handle es sich bei ben Sübamerifanern um lauter Nachkommen lateinischer, romanischer Völker. In Wirklichkeit aber habe sich in Südamerika bas Blut der verschiedenen Indianer, der Arakaner, der Quechuas, ber Inkas, ber Guaranis, mit bem Blut von Spaniern, Italienern, Deutschen, Englänbern, Franzosen, Polen, Tschechen, Russen, Juben, ja sogar, wie in Ekuador von Negern gemischt (Zambos heißen dort die Mischlinge von Indianern und Negern), unb daraus seien typische Kolonialrassen entstanden. Das ist durchaus richtig, nicht nur blut- mäßig, sondern auch gesinnungsmäßig: Wer durch bie weiten Ebenen Argentiniens unb Uruguays, durch die Berge Brasiliens gefahren ist unb mit Menschen aus allen Beoölkerungsschichten dieser ßän- der gesprochen und gelebt hat, wird jenem Gelehrten beistimmen; es gibt keine Lateinamerikaner, sondern nur Sübameritaner unb sie finb mehr bas, was „wir Europäer" als Amerikaner" bezeichnen, als etwa Lateiner, Romanen. Ein anderer amerikanischer Schriftsteller empfiehlt deshalb durchaus folgerichtig den Sübameritanern, stärkere kulturelle Beziehungen nach Nord- a m e r i f a als nach Europa hin anzuknüpfen, da Sübameritaner unb Nordamerikaner in sozialer unb ethnologischer Hinsicht durchaus gleiche ober ähnliche Probleme wie bie Assimilierung zahlreicher ver- schiebener Einwanberertypen, zu lösen hätten, wäh- renb bie politische, soziale unb kulturelle Aufgabe Europas wesentlich anbers sei.
Unb auch diese Feststellungen sind berechtigt. Die südamerikanischen Volker stellen sich bem sie be- obachtenben Europäer als ausgesprochen junge, verglichen mit uns: geschichtslose Völker dar, ähnlich wie bie Menschen ber norbamerikanischen Union.
Kart Peters
3um 15. Todestage des großen Deutsch« Afrikaners.
Don Hermann Ritter.
Dor 15 Jahren, am 10. September 1918, starb in Woltdorf bei Hannover ein Mann, dessen Name in die Reihe der Lord Robert Clive, Cecil Rhodes, H. M Stanley gehört. Was jene für Englands Kolonisation in Afrika bedeuteten, das war Karl Peters für Deutschlands Pionierarbeit im schwarzen Erdteil. Wenn einer der großen Kolonisatoren Deutschlands den Ehrentitel eines „Eroberers" verdiente, so war er es. Sein ursprüngliches Kolonisa« tionsgenie, der eingeborene Trieb tu herrschen, seinem Land neue Untertanen, neue Reiche zu schaffen, machten ihn zum größten „Afrikaner", den Deutschland je heroorgedracht hat. Gewiß, vor ihm hatte die deutsche Wissenschaft für die Erforschung des dunklen Erdteils viel getan, aber er ging weit über sie hinaus, er brachte nicht nur neue Kartenskizzen nach Hause, er schenkte feinem Daterlande neue Reiche.
Am 27. September 1856 als Sohn — er war bas achte Kind — bes Pfarrers Beters zu Neuhaus an ber Elbe geboren, genoß er eine gute Ausbildung unb Erziehung. Seine ersten Eindrücke, die fein weiteres Leben entscheidend bestimmen sollten, fam- m?fte er auf dem Internatsgymnasium zu Ihlseld, wo er mit ben Söhnen der ersten Geschlechter Deutschlands zusammentraf. Bald sah er über den Horizont des väterlichen Pfarrhauses hinaus, lernte einen ganz neuen Lebenszuschnitt kennen, ein Da- sein, in dem es sich behaupten hieß — und ber kl ne Peters behauptete sich nicht nur, er herrschte schon damals. Für das Wesen dieses ungewöhnlichen Mannes ist es bezeichnend, daß in Ihlfelb noch heute die Schülerverbindung besteht, die er ins Pcben gerufen hat, einzig, um in ihr ben Vorsitz führen zu können. Die Studienjahre in Göttingen, Tübingen und Berlin bestritt er aus Mitteln, die er sich selbst verdiente, aus Stipendien, Mitarbeit an Zeitungen u. a. m. Wahre Parforceleistungen voll- brachte er da Erinnert sei nur daran, daß er, der durchaus nicht Fachhistoriker war, einer Wette wegen in zehn Wochen eine Preisarbeit über den Frieden von Venedig schrieb — als er die Wette tinging, wußte er nicht einmal, wer Damals Den
Frieden geschlossen hatte — und den Preis auch tatsächlich gewann. In diesen Jahren wollte er sein Leben der Philosophie widmen. Nach seiner Promotion zog er nach Hannover, um die dortigen höheren Töchter in die Geheimnisse der deutschen Literatur einzuweihen unb daneben fein Werk „Weltwille und Willenswelt" zu schreiben, mit dem er sich zu habilitieren gedacht, unb bas erhebliches Aufsehen erregte. Doch als im Dezember 1880 das Schicksal bei ihm anklopfte, hängte er die ganze Philosophie an den Nagel und brach auf. Sein reicher Onkel hatte ihn nämlich nach London rufen lassen, wohin er nun eilends reifte, um in zwei Jahren das ganze Wesen des englischen Imperiums auf sich wirken zu lassen. Hier lernte er verstehen, warum ein Eng- länber zehnmal so viel Chancen hat wie ein Deut- scher. Das macht aus ihm einen neuen Menschen. Ohne sein Deutschtum auch nur eine Sekunde zu verleugnen, nimmt er von den angelsächsischen Vettern alles an, was ihm nützen kann.
Dann kam bas Jahr 1883 und mit ihm der große Gedanke. Ein Amerikaner namens Stazy kommt zu ihm, um ihn für feine große Unternehmung im englischen Rhodesien zu gewinnen. Peters nimmt nicht an, denn in diesem Augenblick steht seine Lebensaufgabe vor ihm: bie Verwirklichung des Kolonialgedankens, bie Schöpfung eines Kolonialreiches für Deutfchlanb. Sofort reift er in die Heimat ab, gründet eine Gesellschaft für deutsche Kolonisation und läßt sich von ihr, zusammen mit Iüh 1 ke und dem Grasen Pfeil, nach Afrika schicken. Sein Tempo ist ungeheuer. Zu Beginn bes Jahres sitzt er noch in London, am Ende hat er bereits die ersten afrikanischen Verträge an Ort und Stelle geschlossen.
Ungewöhnliche Unternehmungen unb hervor- ragenbe Erfolge machen ihn in kürzester Zeit berühmt unb populär, vor allem feine große Expedition, auf ber er 6min Pascha zu suchen auszog. Emin hatte von bem englischen General Oorbon die Aequatorialprooinz zur Verwaltung erhalten, ber Mahbi Aufstand hatte ihn aber abgeschnitten, man wußte nichts mehr von ihm, und 1885 gab England offiziell die Provinz auf. Vier Jahre später also machte sich Peters auf, Emin zu suchen und seine herrenlose Provinz dem deutschen Schutzgebiet anzugliedern. Bis zum Victoria-Nyasia drang er vor, dann traf er auf dem Rückweg, Ostern 1890, mit Emin, ein wenig später auch zufällia mit Stanley zusammen, ber auf ber Suche nach bem
verschollenen Missionar Livingstone war. Diese Expedition war bie Krönung von Peters' Leben. Von da ab wurde das Glück sparsam mit ben großen Geschenken.
Es war im Jahre 1891, bas Reich hatte bereits Peters' Geschenk angenommen unb zum großen Teil roieber roeggegeben.ba sandte man ihn alsReichs- tommiffar in das Kilimandscharogebiet. Aber schon ein Jahr später rief man ihn wieder ab. Vorwürfe wegen der Behandlung ber Eingeborenen durch Peters erhoben sich gegen ihn, ein ungeheurer Skandal entstand. Peters wurde zahlreicher Grausamkeiten bezichtigt. So verließ er benn, wie ein Verbrecher behandelt, das undankbare Vater- land und zog sich wieder nach London, seinem Aus- gangspunft zurück. Zwar hat er sich auch dann noch mit Afrika beschäftigt, eine in Rhodesien arbeitende Gesellschaft gegründet, noch eine große Forschungs- reife unternommen, um das sagenhafte Goldland Ophir zu finden, aber daß man ihn mit noch nicht 40 Jahren, auf der Höhe feiner Kraft, aus feinem Lebenswerk herausgeriffen hatte, konnte er nicht verwinden, lieber allerlei Ansätze und Hoffnungen hinaus ist ihm nichts Neues mehr gediehen. Er hat noch viel geschrieben, und er ist ein Schilderer von hohen Graden geworden. Der Krieg vertrieb ihn bann aus Englanb, und gegen Ende des Krieges starb er. Man wollte ihm in Daressalam ein Denkmal setzen. Man wollte..., aber dieses Unternehmen mutet fast wie ein Symbol für Peters' zerrissenes Leben an. Der Krieg verhinderte den Plan. Das Standbild wurde zwar von Hamburg aus abgeschickt, doch ist es niemals ausgestellt worden; ja, man weiß sogar nicht einmal, wo sich die schön« Bronzefigur heute befindet.
Karl Peters ist, wenn man feine Entwicklung betrachtet, vielleicht der größte aller Kolonisatoren. Alles, was er erreicht hat, ist fein ureigenstes Eigentum, niemand unterstützte ihn, niemand hatte ihn in die Schule genommen. Er ist das Urbild des Selfmademans. Er ist nicht nur Eroberer wie jene beiden Engländer,, nicht nur Forscher wie der Amerikaner, er hat das einzigartige Kunststück zuwege gebracht, bie Gegenden, bie er unterwarf, auch auf- junebmen, bie fremden Völker, bie er kennenlernte, auch für sich und fein Land zu gewinnen. Wer weiß, daß Peters' Lebensroerk nicht nur bas ehemalige Deutsch-Ost Afrika bedeutet? Nach den letzten Verträgen nämlich, die er am 13 April 1887 mit brm Sultan Salb Bargafch von Sansibar schloß, war
ganz Afrika von der Umba-Mündung bis zum Kap Delgado deutsch. Für den Besitz von Helgoland hat Deutschland nämlich nicht nur Sansibar hingegeben, sondern auch die afrikanische Küste von der Kwaihu- Bucht bis zum Juba, die Länder der Tana unb Massai, die Kenya-Provinz,. Uganda, ben oberen Nil, bie Aeguatorialprovinz — und den Italienern überließ man außerdem bas Somalilanb. Alles bas, unb bazu noch Deutsch-Ost hat Karl Peters vom November 1884, als er ben ersten Abtretungsvertrag mit bem Häuptling von Ufeguha schloß, bis zum April 1887 zusammengebracht. Man muß sich vor Augen hatten: bas bedeutet, in knapp zweieinhalb Jahren ein Reich, fünfmal so groß wie Deutschland, für Deutschland zu gewinnen? Nur ein Kolonisationsgenie ursprünglichster Anlage und größten Ausmaßes konnte ein solches Werk schaffen.
Welcher Dampfer Hai zuerst den Atlantik überquert?
Die kanadische Postverwaltung hat eine besondere Erinnerung Smarke von 5 Cents herausgegeben, um die erste flberquerung deS Atlantischen OzeanS unter Dampf zu feiern In Kanada haben jetzt Feste zu Ehren des kanadischen Damplers .Royal William" Nattgefunden, der gerade vor 100 Zähren zu einer denkwürdigen Reise nach England aufbrach. D'« Amerikaner machen jedoch den Kanadiern diesen Ruhm streitig, und bisher wurde als daS erst« Dampffchisi. das den Atlantischen Ozean überqueite, allgemein die .Savannah" genannt Die kanadischen Blätter heben aber demgegenüber hervor, daß die .Savannah" ein Segelschiff war, das nur mit einer Dampfmaschine ausgerüstet wurde; sie hat tatsächlich einen großen Teil des Wege- mit Hilfe ihrer Segel zurückgelegt und die Dampfmaschine nur auf einzelnen Strecken der Fahrt verwendet Die .Royal William" dagegen besaß kein anderes Fvrtbewegungsmittel als ihre beiden Maschinen und war daher gang auf sie angewiesen. Wenn eine der beiden Maschinen nicht funktionierte, fuhr sie nur mit einer und legte so die gefährliche Reife von Pictou bis nach London in 25 Tagen zurück. AIS daS Schiff bann später an bie spanische Kriegsmarine verkauft wurde, isi es auch der erste Dampfer i gewesen, ber in einer Seeschlacht einen Kanonenschuß I abfeuerte.


