Instandschungsdarlehen der Nassauischen Brandversicherungsanstalt.
Gemeinnutz geht vor Eigennutz.
WSN. Der Landeshauptmann in Nassau schreibt i uns: Die Nassauische BranDoerfiche- rungsonstalt stellt durch die Nassauische Landesbank auch im Geschäftsjahr 1933 ihren Versicherungsnehmern, deren versicherte Anwesen in den Landkreisen des Regierungsbezirks Wiesbaden gelegen sind, Mittel zur Beringung, die verwendet werden sollen zur Instandsetzung von Gebäuden, soweit damit die Be- seitigung eines feuergefährlichen Zustandes erreicht wird.
In seiner Sitzung vom 15. Mai hat der Landes- ausschuß vorbehaltlich der durch das zu erwartende Gesetz dem Londesausschuß erteilten Ermächtigung Sr Verabschiedung der Haushaltspläne usw. belassen, zu diesem Zwecke zunächst 200 000 a r t aus dem Gcschästsergebnis des Jahres 1932 Sur Verfügung zu stellen und darüber hinaus in dem Voranschlag für das Jahr 1933 noch einen wei - ter en Betrog von 300 000 Mark zu bewilligen, so daß im laufenden Jahre 500 000 Mark für den genannten Zweck verwendet werden können.
In Anwendung des Grundsatzes, daß die Allgemeinheit dem Einzelnen nicht ohne zwingende Not Geschenke machen darf, wenn nicht die gesunde Anschauung des Volkes, daß jeder zunächst sich mit eigener Kraft Helsen muß, geschädigt werden soll, werden
diese Mittel nicht, wie in den Jahren 1931 und 1932, zu Beihilfen (Geschenken) verwendet werden, sondern es sollen grundsätzlich nur Darlehen
gewährt werden. Die Gewährung von Beihilfen ist auf die A u s n a h m e s ä l l e beschränkt, in denen von vornherein feststeht, daß die Rückzahlung auch in Zukunft nicht möglich sein wird und daß deshalb eine Rückzahlungsverpflichtung mit ehrlich m Willen nicht übernommen werden kann. Diese Ausnahme- glle werden aber auf ein ganz geringes a ß beschränkt sein, weil die Darlehensbe- dingungen so günstig sind, daß selbst in der heutigen Notzeit auch der kleinste Bauer, Hand- werter und Arbeiter imstande sein wird, die durch die Darlehensaufnahme cingegangenen Verpflichtungen ehrlich und pünktlich zu erfüllen.
Die Jnslandschungsdarlchen werden als langfristige Tilgungsdarlehen ohne dingliche Sicherheit (Hypothek) und ohne Bürgschastsleistung mit einer Jahresleistung des Schuldners von 5 o. h. der Darlchcnssumme, und zwar 3 o. h. Zinsen und 2 o. h. Tilgung gegeben. Unter besonderer Berücksichtigung der Notzeit wird aber bis zum 31. Dezember 1937 nur ein Zinssatz von 1 v. h. und 2 v. h. Tilgung erhoben und außerdem für die Zeit bis zum 31. Dezember 1933 weder Zinsen, noch Tilgung gefordert werden.
Der Darlehensnehmer hat also erst vom 1. Januar 1934 ob für je 100 Mark angenommenes Dar- lehen 1 Mark Zinsen und 2 Mark Tilgung jährlich zu^ohlen, die erstmals am 31. Dezember 1934 entrichtet werden müssen. Erst vom 1. Januar 1938 ab steigt dann der Zinssatz für je 100 Mark Darlehen auf 3 Mark, neben dem noch 2 Mark Tilgung, also insgesamt 5 Mark für je 100 Mark Darlehen jährlich. zu zahlen sind. Dieser Satz ist erstmals am 31. Dezember 1938 fällig.
Wie sich aus diesen außerordentlich günstigen Bedingungen und dem erwähnten Grundsatz, daß jeder sich zunächst mit eigener Kraft Helsen muß, ohne weiteres ergibt, können nur solche Darlehensnehmer berücksichtigt werden, die nicht in der Lage sind, aus eigenen Mitteln die erforderlichen Instandscgungs- arbeiten zur E r h ö hu n g der Feuersicher- beit auszuführen. Weiter können die Darlehen, wie schon zu Anfang hervorgehoben, nur den Versicherungsnehmern der Nassauischen Brandversicherungsanstalt und nur für solche Hausinstandsetzungsarbeiten gegeben werden, mit denen die Be- seitigung eines feuergefährlichen Zustandes verbun- den ist.
Als solche Hausinstandsetzungsarbei- ten gelten beispielsweise:
1. Die Beseitigung und Ersah von Stroh- und ähnlichen brennbaren Dachbedeckungen durch feuerbeständige Deckung.
2. Herstellung eines feuerbeständigen Speicher- fußbodenbelogs (Estrich).
3. Beseitigung von mangelhaften Schornsteinen, Jeuerungsanlagen und damit zusammenhängenden. gegen die Bauordnung oder feuerpolizeilichen Borschriften verstoßenden Bauausführungen (Gebälk zu nahe an Feuerstellen und Schornsteinen).
4. Schließung von Ocffnungen, auch schadhaften Gefachen, in Gebäuden, die beim Brande eines Nachbarhauses durch die Ocffnung gefährdet sind.
5. Errichtung von Brandmauern oder Umänderungen bestehender massiver Mauern zu vor- schriftsmößigen Brandmauern.
6. Beseitigung von feuergefährlichen Dachüberständen oder Ersah solcher durch massive Gesimse oder Beseitigung anderer feuergefährlicher Bauteile.
7. Aenderung von nicht oorschristsmäßigen, deshalb feuergefährlichen elektrischen Anlagen, besonders auch in Scheunen und Ställen.
Die zur Stellung der Darlehensanträge erforderlichen Vordrucke sind von den Bürgermeistssrn bei den Landratsämtern anzufordern. Die Auszahlung der Darlehen erfolgt durch die Stellen der Nassauischen Landesbank.
Aus der Provinzialhaupistadt.
Sparen - eine national Au gäbe!
In Zeiten wirtschaftlicher Not pflegte man das Sparen in erster Linie wirtschaftlich zu betrachten. Die Spartätigkeit eines Volkes schafft die finanziellen Mittel, die es zum Auf- und Ausbau feiner Wirtschaft und zur Beschäftigung der arbeitsfähigen Volksgenossen braucht. Wie nötig das Sparen, die heimische Kapitalbildung, ist, um die wirtschaftliche Unabhängigkeit vom Auslande zu erreichen, und das Problem der Arbeitslosigkeit zu lösen, weiß heute in Deutschland jedermann.
Aber die Bedeutung des Sparens ist damit nicht erschöpft. Das deutsche Volk hat sich unter der Regierung der nationalen Erhebung die gewaltige Aufgabe gestellt, die Klassengegensätze zu überwinden und so zu sozialem Frieden z:> kommen. Alte Ersah- rung lehrt, daß jeder B e s i tz, sei er auch klein, dem Menschen das Gefühl der Sicherheit gibt und seinen Willen zur Mitarbeit und Eingliederung im Rahmen der Volksgemeinsck)aft erhöht. Weil das Sparen dem Menschen einen Besitz, den Besitz des Soarver- mögens, bringt, ist es von so großem sozialen und staatspolitischen Wert.
Groß ist schließlich auch die sittliche Bedeutung des Sparens! Wer spart, will vorwärts kommen und stellt dafür manche Wünsche zurück. Sparen, bedeutet ständige Selbstkontrolle. So erzieht das Sparen zu Zielbewußtsein, Opfermut und Charakterstärke — Eigenschaften, deren Bedeutung für den einzelnen Menschen wie für die Volksgemeinschaft nicht hoch genug eingeschätzt werden kann. Die Erneuerung des deutschen Volkes und Staates hängen von der Stärke dieser Eigenschaften in den deutschen Menschen ab. Sparsamkeit schafft und stärkt diese Eigenschaften und schafft damit auch unentbehrliche geistige und sittliche Voraussetzungen für den Wieder- aufstieg. So kann man das Sparen angesichts seiner überragenden sittlichen, sozialen und wirtschaftlichen Bedeutung mit vollem Recht als eine große nationale Aufgabe bezeichnen.
Tonfilm: Oer Ehamp.
Das Programm des Lichtspielhauses Bahnhof- straße bringt diesmal zwei amerikanische Filme. Der eine, ..Der Champ" führt in die von Geld und Sensation umwitterte Atmosphäre der Boxer, in der sich, inmitten der fragwürdigen Gesellschaft der Manager, der Trainer und der Geschäftemacher, ein Kind befindet, ein Junge, der seinem Vater aus indirekte Weise zum Welt- meistertitcl verhilft. Erstaunlich sind dabei die überzeugenden darstellerischen Leistungen des Jackie Cooper, der in seiner Art sehr an Jackie C o o g a n erinnert. Wallace Beery ald verkommener Boxweltmeister, gibt sich sehr menschlich und versöhnt dadurch die, Zuschauer mit seinem Berus. Der zweite Film führt nach Indien und gab den Amerikanern im Rahmen einer märchenhaften Handlung viel Gelegenheit, allen nur erdenklichen Prunk zu entfalten. Man unterhält sich zwei Stunden lang sehr gut. n.
vornotizen.
— Tageskalender für Freitag : Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: .Der Champ" und .Der Sohn des Rajah".
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** Schulpersonolien. Zum Oberstudiendirektor an der Weidig-Werner-Oberrealschule in Butzbach wurde der überplanmäßige Studienrat
an der Studienanstall Gießen Dr. Otto Gans, zum Obeistudiendirektor des Gymnasiums in Worms der dortige Studienrat Dr. Hans Fischer ernannt.
** Städtische Heugrasversteigerun- gen finden am Montag und Dienstag nächster Woche statt. Interessenten seien auf die Bekanntmachung der Bürgermeisterei in unserem heutigen Anzeigenteil besonders aufmerksam gemacht.
'^Vorsicht mit dem Tintenstift. Besonders aus dem Grunde, weil seine Schrift schwer verlöschbar ist, bildet der Tintenstift heute einen Gebrouchsgegenstand des täglichen Lebens. Der Farbstoff aber macht den Tintenstift nicht ungefährlich, da er, wenn er auf die menschliche Haut bzw. die Schleimhaut kommt, stark ätzende Wirkungen besitzt. Gelangt z. D. bei ungeschicktem Anspitzen eines Tintenstiftes ein kleines Teilchen der Bleistiftmasse in die Haut, so erzeugt es dort eine heftige Entzündung, bei längerem Verweilen oft schwere Zerstörungen. Weit gefährlicher wirkt das Eindringen von Tintenstiftteilchen ins Auge. Wird ein Stückchen Tintenstift verschluckt, so ist der Farbstoff des Stiftes imstande, auf der Schleimhaut des Magens schwere geschwürige Veränderungen zu erzeugen. Deshalb sorge man bei Tintenstiftrerletzungen zunächst für schleunige ärztliche Hilfe. Kindern gebe man einen Tintenstift überhaupt nicht in die Hände. Unter allen Umständen ist aber gerade beim Tintenstift zu vermeiden, ihn vor Gebrauch mit Lippe und Speichel in Berührung zu bringen.
Oenfmalsweihe der ehemaligen 81er.
Frankfurt a. M., 7. Iun>. (WSN.) Die Angehörigen des ehemaligen Infanterie-Regiments Landgraf Friedrich I. von Hefsen-Kaffel (1. Kurhess.) Nr. 81, sowie der aus diesem hervorgegangenen Reaimenter hatten sich am Pfingstfest in ihrer ehemaligen Garnison F r a n k s u r t a. M. eingefunden, um ihr Regimentsdenkmal zu weihen.
Die Feiern am Pfingstsonntag wurden durch Gottesdienst in den ehemaligen Garnisonkirchen eingeleitet. Um 11 Uhr versammelten sich die Festteilnehmer vor dem Denkmal zur Denkmals- weihe. Kurz vor Beginn der Feier wurden die alten Fahnen des Regiments von der Gutleut- kaserne zum Denkmal überführt. Die Weiherede hielt General a. D. v. 0 o e n. Er betonte, daß dieses Denkmal nicht nur eine Erinnerungsstätte für die 81er sei, sondern gleichzeitig für die zwei Millionen deutscher Männer, die im Kampfe um Ehre und Vaterland ihr Leben hingegeben hätten. Nach der Weiherede fiel die Hülle des Denkmals. Auf einer Säule aus grauem Lahnmarmor trägt es ein Eisernes Kreuz. Auf der Vorderseite trägt es die In- schrift „Unseren toten Kameraden 1914—1918“, auf der Rückseite die Worte „Deutschland muß leben, auch wenn wir sterben müssen". Nach der Kranzniederlegung der einzelnen Persönlichkeiten und Vereinigungen übergab der Vorsitzende des Denk- mals-Ausschusies das Denkmal an die Stadtverwaltung. Oberbürgermeister Dr. Krebs versicherte, daß die Stadtverwaltung dieses Denkmal pflegen werde, bis dereinst wieder ein neues 81. Infanterie- Regiment feine Garnison in Frankfurt erhalten werde und dann selbst die Obhut über das Denkmal übernehmen könne. Dr. Krebs legte sodann im Namen der Stadt einen Kranz nieder.
Nach dem Gesang des Deutschlandliedes formierten sich die Teilnehmer zu einem Vorbeimarsch
vor Landgraf Friedrich Karl von Hesse n._Um 15 Uhr sand ein Festtag durch die Straßen Frankfurts statt, an dem sich u. a. zahlreiche Teilnehmer in den alten Uniformen beteiligten. Die Hauptfeier am Abend fand in der Festhalte statt und zeigte ein reichhaltiges Programm.
Anläßlich der Denkmalsweihe sandle Reichspräsi- dent v. Hindenburg folgendes Telegramm:
„Für das mir anläßlich der Denkmalsweihe für die Gefallenen des Ins.-Regts. 81 und seiner Kriegstruppenteile übermittelte Treugelöbnis danke ich herzlichst. In Ehrfurcht und Dankbarkeit gedenke ich all derer, die ihr Leben für des Vaterlandes Bestehen dahingaben. Ihr Blut darf nicht umsonst ge- flössen sein. Den Anwesenden, die sich in Treue um das Ehrenmal geschart hoben, sende ich drahtschriftliche Grüße.“
Der ehemaI i g e Kaiser sandte ein Telegramm folgenden Wortlauts: „Den um ihren Chef und heldenhaften ersten Feldzugskommandeur, Se. Königliche Hoheit den Landgrafen von Hessen, .vr- sammelten Kameraden des Bundes ehemaliger 81er und seiner Kriegsformationen sende Ich zur Ent- hüllung des Ehrenmals für die Gefallenen Meinen Gruß! Möge auch von diesem Denkmal! der Geist ausstrahlen und in die Herzen unseres Volkes bringen, von dem beseelt jene Helden auszogen, zu kämpfen und zu sterben für König und Vaterland?"
Buntes Allerlei.
Das „Gedächtnis" des Films.
Bei einer Film-Aufnahme gibt es unendlich viel zu bebenten unb zu erinnern. Aber Filmstars und Filmregisteure haben manchmal ein schlechtes Ge- dächtnis. unb so gibt es denn bei den Filmgesellschaften in der Re ei ein überaus nützliches, ja un- entbehrliches Wesen, bas für alle Milw-rkenden. ja für den Film selbst das eigentliche Gedächtnis darstellt. In den englischen Filmateliers wird dieser Posten, der sich allmählich herausgebildet hat. recht hoch bezahlt, denn man muß zu diesem merkwürdigen Beruf besondere Anlagen mitbringen, die sich nicht leicht in e ncr Persönlichkeit zusamwensinben. Zunächst ist ein außerordentlich schcnseS Gedächtnis notwendig, bas mit einer fanatischen Leidenschaft für alles Filmische verknüpft sein muß, denn ohne Liebe zur Sacbe hasten die Eindrücke nicht fest. Außerdem muß die „Gedäcktnis-Dame" gut stenographieren können, denn sie muß viele und rasche Aufzeichnungen machen, um ihr Gedächtnis zu unterstütz n. Was hat nun ein solches Faktotum zu tun? Davon plaudert Eileen Wallis, die diesen Beruf bei einer großen englischen Filmsirma ausübt, in einer Londoner Ze tschrisl. Zunächst einmal muß sie die Kleidung und Maske bet Filmstars übeitoa- chen, um sestzustellen, daß alles in Ordnung ist, bevor sie auftreten. Es dauert manchmal Wochen, bevor die Aufnahmen bei einem unterbrochenen Film fortgesetzt werden; jedenfalls aber verstreichen zwischen den zusammenhängenden Szenen nicht feLen Tage. Wie soll sich nun die Filmdiva merken, was für ein Armband oder was sür Dinge sie bei den vorhergehenden Aufnahmen angelegt hatte? Eie weiß nicht mehr genau, wie ihre Haarfrisur war, und vieles andere. Da springt „bad Gedächtnis,, ein und achtet darauf, bah biefelben Schuhe, derselbe Schmuck usw. getragen werden, damit die Heldm nicht plötzlich ohi e jeden Grund in einem veränderten Kostüm erscheint. Die Herren vergessen häufig, die Haare an den Schläfen weiß zu machen, wenn dies für ihre Rolle erforderlich ist. Wenn eine solche scheinbar unbedeutende Einzelheit vernachlässigt wird, bann können ein paar hundert Meter Film umsonst gedreht werden und viel Schaden entstehen.
Aber nicht nur die Erscheinungen der Darsteller muh diese aufmerksame Helferin genau behalten, sondern auch alle die unzähligen Rucncen der Einrich- tung unb Inszenierung. Es kommt ja vor, daß irgend- einMöbelstück verrückt wirb,auch wenn dieSzene aufgebaut bleibt, unb das kann bei der Fortsetzung
her Arbeit die bösesten Folgen haben. Deshalb muh die GedächtniS-Dame sich ganz genau merken, was für Blumen in der Base auf dem Tisch stehen, an dem daS Liebespaar seine Auseinandersetzung bat, und waS für Kisten auf dem Diwan hegen, auf dem sich die schöne Derführerin niederläht. Ihr muß gegenwärtig sein, ob der junge Mann deS Films ein Taschentuch in der Brusttasche trägt, und sie muß die Tonungen der Schminke und die Farben des Puders ebenso beachten wie die Tiefe der Schatten unter den Augen, die der Diva für eine bestimmte 6 cne aufgelegt wurden. Sie darf nicht zulasten. bah die Heldin zu einer Hauptszene antritt mit ihren Augenwimpern in der Tasche, sondern sie muh dasür sorgen, doh diese vorher angebracht werden. denn auch die Filmschauspielerin mit den schönsten Augen braucht bei manchen Rollen, z. D. als dämonische Carmen, längere Wimpern alS sie be» sitzt. Während der Aufnahmen hält sich die Gedacht- n's-Dame in der Rahe der Kamera-veute und wendet ihre ganze Aufmerlsamkeik darauf, um jeden Fehler sofort zu bemerken, damit nicht nutzlos zuviel Film .verschosten" wird. Dieses gute Gewissen des Films muß viel Geschmack unb Takt haben, denn es ist nicht leicht, temperamentvolle Künstler auf ihre Unterlassungssünden aufmerksam zu machen und es erfordert ein feines Auge, die Farbenwirkungen in der Toilette richtig auf ihre Wirkung auf bet Leinwand abzuschätzen
LebenSrettennnen-Brigaden in Badeorten.
Mit dem Beginn der Badesaison erhebt sich auch wieder die Frage, wie die besten Schutzmahnahmen zur Rettung Ertrinkender zu treffen sind In verschiedenen Ländern sind zu diesem Zwecke Organisationen inS Leben gerufen worden, unb zwar haben sich dabei am besten die Frauen alS Leben rette- rinnen bewährt. In ©übauftralien gibt es eine berühmte Brigade kühner Schwimmer innen, die ihre Mitglieder zu Tages- und Rachtdienst in den Haupt- baöcortcn verteilt. Ebenso haben die Frauen in Reu- südwales und in den Vereinigten Staaten auf diesem Gebiet eine segensreiche Tätigkeit entfaltet und jedes Jahr Tausende von Menschenleben gerettet. Solche Lebensrekterinnen-Brigaden gibt eS auch in Kanada, in Spanien und in Italien an den Küsten, und in England ist ebenfalls dieser Dienst für dieses Jahr in grobem Maßstab eingerichtet worden. Am Strande der besuchtesten Badeorte hallen junge Damen im Badekostüm Wache, lösen sich gegenseitig ab und sind bei jeder Gefahr sofort zur Stelle, um Badende, die zu ertrinken drohen, sicher anS Land zu bringen. DaS Lebensrettungs-Korps, das von der britischen LebenSrettungS-Gesellichaft geschaffen worden ist. umfaßt mehr alS 4000 Mitglieder in allen Teilen des Landes, die sich freiwillig in den Dienst die er großen Aufgabe stellen, und unter ihnen befinden sich über 1500 Frauen im Alter von 16 bis 60 Jahren. Wer die Schwimmprüsung der Gesellschaft bestanden hat und die daraufhin verliehene Bronze-Wedatlle besitzt, kann dem KorpS beitreten. Mitglieder, die in den Badeorten wohnen, oder solche, die ihre Serien in bestimmten Bädern verbringen, übernehmen eine Zeitlang den Dienst am Strande: sie erhalten vorher noch eine besondere Ausbildung, und Die Aufsicht untersteht den Leitern der Organisation an jedem Platze. Man denkt auch daran, Frauen zu berufsmäßigen Lebensrettern zu machen. Diele sollen während Der Sommermonate von den DaDe-Vehörden angestellt werden. In Amerika übt bereits eine ganze Anzahl von Frauen diesen eigenartigen Beruf aus. So sind z. B. Lebensretterinnen als bezahlte Angestellte in dem elegantesten Mode- bad von Palm Beach tätig, das besonders von Den Filmstars von Hollywood besucht wird: sie verdienen dabei 20 Dollars die Woche. Besonders seit dem Kriege hat das weibliche Geschlecht in Der Schwimmkunst große Fortschritte gemacht, und auch bei uns nehmen eS die Schwimmerinnen heule vielfach mit ihren männlichen Rebenbuhlern auf. Viele der Rekordhalterinnen im Schwimmen auf lange Entfernungen find Frauen.
Was bringt die Gommermode?
Leinen für Frauen und Männer. — „Organdy" kommt wieder. — Hüte betonen die Fraulichkeit.
Bunt und hell lacht es uns aus allen Schaufenstern entgegen, bald kommen die Tage, da diese reifenden Sommerkleider nicht mehr hinter Glas steyen, sondern Straßen und Gärten beleben. Eine besondere Modefarbe wird dieses Jahr nicht anbefohlen, sondern jeder sucht sich das aus, was ihn am besten kleidet- Unentbehrlich werden die naturfarbigen, groben Leinen- k o st ü m e sein, die man in Süddeutschland schon im vorigen Sommer trug und die sich jetzt auch Rorddeulschland erobern, die sogenannten Salzburger Kostüme. Enganliegend, ganz einfach gehalten, nur mit ein paar Knöpfen, einer bunten Bise oder einem farbigen Halstuch, sind sie das elegante Promenadenkieid der Frau, die stilvoll angezogen fein möchte. An ein Alter ist diese Tracht nicht gebunden: sie kleidet das ganz junge Mädchen, den Backfisch, ebensogut wie die reife Frau. Ja, selbst die Herren werden diese Mode der Salzburger Leinenanzüge gern für sich gelten lassen, denn an heißen Tagen trägt sich nichts so gut wie dieses kühle Leinen.
Daneben ist für Rachmittagskleider ein Stoff beliebt, der schon um ISO) viel getragen wurde, dann aber ganz wieder von der Bildfläche verschwand- Man nennt ihn heute wie damals „Organdy". Es ist ein dünnes Sommergewebe mit dickeren Fäden durchsetzt, durch die der Stoss eine gewisse Steifheit bekommt. Er trägte sich dadurch weit besser als etwa der sonst beliebte Voile, der leicht zerknüllt und dadurch nie so „adrett" aussieht wie etwa ein Organdykleid. Wan hat diese Organdys in wunderhübschen Mustern, und da sie nicht allzu teuer sind, werden sie wahrscheinlich sehr viel getragen werden. Die Rachmittagskleider reichen bis zum Knöchel und werden meist mit kurzen Aermeln gearbeitet Es gibt aber eine hübsche Möglichkeit, ein leichtes Kleid zugleich auch für abendliche Zwecke benutzen zu können, indem man es nämlich ärmellos und mit tiefem Ausschnitt machen läßt und am Rachmittag oder auf der Straße eine Pelerine, einen Kragen oder ein Jäckchen aus Dem gleichen Stoff darüber trägt In diesen kleinen Umhängen bringt die Mode ganz entzückende Abwandlungen. Wan hat auch große Kragen, die mit ganz weiten Puffärmeln Zusammenhängen und in dieser Form über das ausgeschnittene Kleid gezogen werden.
Das abendliche Kleid ist natürlich ganz lang, vielfach mit Rüschen und Volants beseht. Gürtel werden oft abweichend von der Kleidfarbe getragen; sehr apart sind ganz breite
schwarze Lackgürtel auch zu hellfarbigen Kleidern. Die Rückenschleife ist sehr beliebt und kleidsam. Eine etwas erhöhte Gürtellinie, Die ein wenig an Die Empiremode gemahnt, ist für schlanke, junge Gestalten vorteilhaft. An Schuhen trägt man sehr gern schwarze Wildlederschuhe, obwohl diese nicht so praktisch sind wie schwarze Lackschuhe. Daneben werden für einfache Zwecke noch immer mit Vorliebe helle Sandaletten getragen. Im allgemeinen bevorzugt man hohe Absätze, die bei gut gearbeiteten Schuhen auch gar nicht einmal unbequem sind. Hüte gibt es in einer geradezu sinnverwirrenden Auswahl. Wan wählt gern solche, die etwas Malerisches in Der Linie haben, überhaupt ist es das Bestreben, der ^rau etwas Bildhaftes zu geben, nachdem sie so viele Jahre die ganz einfache, männliche oder doch knabenhafte Linie angestrebt hatte Die Frauen selber haben viel Freude an Der neuen Mode, die taufend kleine Zubehöre bringt, mit denen man sich schmücken kann. Und im Grunde tut eine Frau nichts lieber, als sich zu schmücken. So gefallen ihr Denn auch die neuen Hüte, die wieder Blumen und Bänder verarbeiten. Geschwungene Ränder oder kühne kleine Formen geben entzückende Umrahmungen für das Gesicht.
Sehr gut sieht es aus, wenn Schuhe, Handschuhe und Handtasche in Der Farbe harmonieren. Zu leichten Kleidern mit kurzen Aermeln trägt man Den langen Stulpenhandfchuh, Die Stulpen dürfen auch aus Dem Stoff des Kleides, Der steif gestärkt wird, gefertigt werden. Eine geschickte Hand kann hier manches selber Herstellen. Denn es ist schließlich eine größere Kunst, sich mit wenig Geld hübsch anzuziehen, als mit viel Geld sich ein paar geschmackvolle Kleider zu kaufen. Die Strümpfe werden, den Sommerkleidern entsprechend, wieder in etwas hellerem Farbton getragen. Die Kinder und Backfische bleiben, wenigstens bei einfachen Kleidern, bei ihren Söckchen, Daneben aber kommen jetzt die Kniestrnmpfe auf, Strümpfe in Hellen Tönen, die nur bis zum Knie reichen. Cie sind oben mit eingewebtem Gummi versehen, so daß man keinen Strumpfgürtel zu tragen braucht, um sie zu befestigen. Sie werden an heißen Tagen wohl allgemein getragen werden und haben sich auch für den Abend schon etwas eingebürgert, da um Der schlanken Linie willen von vielen Damen her Strumpfgürtel als zu sehr auftragend in Acht und Bann getan wurde. Erna Herford.


