MM Hel Weil
Ein vaterländischerRoman vonHcmsDietzke
Urheber-Rechtsschutz
durch Verlag Oskar Meister, Werdau.
18 Fortsetzung. Rachdruck verbotenI
Der brave Förster hat Wort gehalten. Er ist mit seinem Leben eingestanden für die Sicherheit des Hauptmanns. Dort in der Ferne fahren sie — dem schulenden Heim entgegen ...
Rambeaux besteigt den Raopen. Ein Pfiff von oben verständigt ihn von der Ankunft seiner Leute. Er ruft ihnen zu. aufzusitzen. Am Ausgang des Hohlweges treffen sie sich. Sie reiten in Richtung Schloß Löbau. Ihre Pferde gehen Schritt. Den Dorsprung, den die anderen haben, werden sie mit keinem Galopp mehr einholen. Ihre Gäule finu abgekämpft. Schweigend reiten die drei. Sie werden dafür Jorgen, daß die Bewohner auf Schloß Löbau eine schlaflose Nacht haben. Ihre Wut braucht einen Aderlaß.
*
Eine knappe Stunde später biegt der Schlitten mit dem Baron und Hauptmann Döllnitz in das hintere Parktor ein. Karl von Löbau, der Wache steht, schließt vorsichtig die eiserne Pforte und geht schnell zur Gesindestube zurück.
Der Baron und Döllnitz nehmen gemeinsam nach der anstrengenden Fahrt ein warmes Essen zu sich, das ihnen der alte Tobias gleich in der Gesindestube neben der Küche serviert, um jedes Aufsehen zu vermeiden. Der Hauptmann soll fürs nuiyjto die Stube des Dieners beziehen, bis er das Schloß verlassen kann.
Als die beiden das bescheidene Mahl beendet haben, geht der Baron heimlich in sein Arbeitszimmer zurück, das durch die geschlossene Portiere vom Salon und der Bibliothek getrennt ist. Er beginnt sich mit Büchern und Papieren zu beschäftigen, die Besatzung und Requisitionen in seinem Landkreis betreffen. Diese Arbeit ist für alle Fälle fein bestes Alibi. Aber trotz krampfhafter Konzentration geht ihm ein Gedanke nicht aus dem Kopf: Was ist mit Brinkmann geworden? Ist es ihm gelungen, die Verfolger zu täuschen? Er kennt das Revier dort am Hohlweg wie selten einer ... Das beruhigt den Baron zur Not. Das eine steht fest: Wäre Brinkmann nicht gewesen, hätten sie schwerlich die Verfolger so schnell abgeschüttelt.
Der alte Tobias macht sich im Salon absichtlich beim Servieren zu schaffen Er gibt heimlich der Baronesse das verabredete Zeichen: Döllnitz ist gerettet! Marias Augen leuchten in freudiger Erregung auf — ihre Hand, die merklich zittert, stellt schnell die Teetasse auf den Tisch zurück. Am liebsten
möchte sie aufsprinaen und zu ihrem Hauptmann eilen. Der Diener lächelt vor sich hin. Sie haben Grund, sich von Herzen zu freuen. Auch Jeannette kennt das verabredete Zeichen — verstohlen sucht ihr Blick Renö. Der sitzt über eine alte Handschrift gebeugt, ein pergamentener Foliant, den er auf den Knien hält. Jetzt blickt Lefevre auf und wendet sich spontan zu Maria: „Das müssen wir spielen, Baronesse! Dieser Satz ist etwas ganz Köstliches!" Und schon erhebt er sich im Eifer seines Studiums und eilt zum Flügel. Maria macht Tobias ein Zeichen zu verschwinden und folgt Lefevre. Sie schlägt ein paar Akkorde an, ihr Partner greift zur Geige und in feierlichem Glanz erstehen die Klänge einer alten Hymne. Wieder musiziert Maria, im Augenblick innerster Erregung von ganzem Herzen dem stolzen Jubel der Töne hingegeben ..
Der Baron im Arbeitszimimer horcht lächelnd auf die Klänge von drüben, die leise oerschwebend in der nächtlichen Stille bis hinunter in die Ge- finbeftube bringen. Karl von Löbau unb Hauptmann Döllnitz, bie noch beisammensitzen, sehen sich ver- stchenb an. Döllnitz kennt Marias zartes Spiel, ihre weißen Hände erstehen vor seinen Augen, ihr Gesicht scheint ihm zuzulächeln — alles Harte unb alle überstanbene Not weicht für einen Augenblick von ihm, feine Züge sind entspannt.
„Es war bie einzige Lösung, ben Hauptmann Lefevre auf biefe Weise festzuhalten, bis Sie hier waren," sagt Karl. „Wenn seine Frau nicht mit im Bunbe wäre, hätte vielleicht in letzter Minute noch alles schief gehen können." Er lächelt nachsichtig. „Die Gute kann einfach nicht vergessen, baß Sie ihr bamal$ bas Leben gerettet haben — bafür bringt sie sogar ihren Mann in eine immerhin peinliche Lage.
Döllnitz sieht auf. Unwillkürlich benkt er an die damalige Situation zurück. „Es ging um Minuten. Der Tob war ber Frau oerbammt nahe. Ich habe mit ein paar Pistolenkugeln Schicksal gespielt. Heute tut sie es, mit weiblicher List." Döllnitz lächelt bitter vor sich hin. „War eine ungemütliche Situation, in die sie ihre eigenen Lanbsleute gebracht haben. Die Frau hat ein zartes Gemüt — die vergißt nicht so schnell."
Der junge Löbau sieht fortgesetzt nach ber Wanb- uhr, die gerade die volle Stunde schlägt. „Wenn nur der Förster schon zurück wäre!" Karl blickt Döllnitz an, der wieder ben harten Ausbruck auf seinem Gesicht bekommt. „Wäre mir auch lieber, ich wüßte ben braven Brinkmann hier bei uns sitzen. Ich kann kein Auge zutun, bevor er nicht zurück ist." Der Hauptmann erhebt sich, beginnt auf und ab zu gehen. Dann sieht er am Fenster lange in die Dunkelheit hinaus. Mit fröstelnder Bewegung sagt er halb zu Karl hinüber: „Eine verfluchte Nacht heute!"
Als er im Begriff ist, weiterzusprechen, krachen draußen vor dem Hauptportal des Schlosses drei Pistolenschüsse, die lange verhallend noch in die Nachtstille klingen.
Karl von Löbau ist aufgesprungen. Döllnitz steht wie angewurzelt. „Das sind sie . . .!" Einen Augen- blick horchen Die beiden nach draußen. Aufruhr entsteht auf dem Hof. Die Wache stürmt heraus, Trommeln rasseln. Dann faßt Karl ben Hauptmann beim Arm. „Jetzt gibt es nur noch eins — die letzte List, die uns hier bleibt: Sie müssen sich im Boudoir der Madame Lefevre versteckt halten, bis die Spitzel fort sind."
Sie stürzen über Gänge unb Treppen, burch Türen unb bunkle Zimmer unb erreichen atemlos, ungesehen, auf Umwegen das Boudoir. Döllnitz schlüpft hinein unb Karl schließt von außen ab. Sie verabreben bas Zeichen der Rettung: dreimaliges Klopsen. Dann eilt ber junge Löbau 'm bie Diele.
Mit höllischen Verwünschungen über bie höchst unliebsame Störung seiner Nachtruhe hat der Wacht- habenbe, Korporal Landry, mit seinen Leuten bas schwere Portal geöffnet unb bie Patrouille ber brei Geheimbeamten eingelassen. Vor bem Herrenhaus springt Rambeaux vom Pferd unb befiehlt Lanbry, der notgebrungen vor bem gefürchteten Kommissar die Knochen zusammenreißt, sofort alle Ausgänge bes Schlosses zu besetzen.
Der Korporal verteilt seine wenigen Leute so gut er kann auf die hauptsächlichen Zugänge bes Schlosses. Fluchend fassen bie Grenadiere Posten. Wieder setzt Schneetreiben ein. Sie beneiden die Kameraden, die abkommandiert sind, das Innere des Schlosses zu durchsuchen.
In der ersten Aufregung ist alles in der Diele zu- fammengelaufen. Auch Hauptmann Lefevre ist mit den Damen herbeigeeilt, Baron von Löbau kommt aus seinem Arbeitszimmer, und zuletzt erscheinen Karl und der Diener Tobias.
Rambeaux, die Reitpeitsche in der Hand, legt unter Assistenz von Landry mit gemachter Ruhe seinen Reitmantel ab. Dann tritt er langsam zu ber Gruppe der Wartenden. Sein Blick ruht eine Sekunde ironisch auf Hauptmann Lefevre, der zwischen den Damen steht. Seine Stimme sagt kalt und gelassen in die atemlose Stille: „Herr Hauptmann — der preußische Spion, Hauptmann Döllnitz, Spezialkurier des Freiherrn vom Stein, verbirgt sich hier im Schloß." Mit Genugtuung sieht der Kommissar die Wirkung seiner Worte.
Hauptmann Lefevre starrt ihn an, als wenn er etwas Unfaßbares gesagt hätte. Eine jähe Röte überfliegt fein Gesicht. Seine Haltung strafft sich merklich, etwas Soldatisches kommt in seine Stimme: „Das ist ein Irrtum, Herr Kommissar! Niemand hier wird sich des Hochverrats schuldig machen!" Seine Augen suchen durchdringend die Familie Löbau. Die Männer stehen scheinbar unbewegt, nur Marias Atem geht schneller, unwillkürlich neigt sich, wie Hilfe suchend, ihr Körper Jeanette zu.
Rambeaux ist feiner Sache sicher. Einer seiner Beamten betritt eben, vom Schloßhof kommend, die Diele und teilt ihm, unverständlich für bie anderen, diskret etwas mit, das den unverhohlenen Beifall.
des Chefs findet. Mit einer hämischen Freude antwortet Rambeaux Hauptmann Lefevre: „Ich pflege mich, als Leiter ber geheimen politischen Polizei, Herr Hauptmann, in biefen Dingen nie zu irren! Ich habe mit meinen Leuten nicht umsonst bie letzten Wochen Tag und Nacht auf ber Lauer gelegen — bis uns bas gejagte Wilb enblich in die Falle gegangen ist." Der Ton seiner Stimme, der etwas Freundlich-Verbindliches hat, als handele es sich bei bem eben Gesagten um das Liebenswürdigste der Welt, nimmt plötzlich eine sehr bewußte Kälte an. „3m übrigen, Herr Hauptmann, habe ich natürlich," er machte eine leichte, unverkennbar ironische Verbeugung gegen Lefevre, „zu Ihrer persönlichen Beruhigung — meine Beweise. Da ist zunächst einmal dieses hier ..." Rambeaux holt aus seiner inneren Rocktasche ben Brief von Döllnitz an Baron von Löbau. Er reicht ihn mit einer Geste, bie das Einverständnis Lefevres voraussetzt, Herrn von Löbau hinüber. „Ein Dokument von Wert, das jeden Zweifel über eine Verbindung des gesuchten Kuriers mit Dem Schloßherrn in wohl sicherlich staatsfeindlichem Sinne ausschließt." Seine Stimme, die wieder sachlich-freundlich ist, wächst zum Befehl: „Ich bitte, Herr Baron, sich sofort zu diesem Schreiben zu äußern!"
Herr von Löbau greift gelassen nach bem Brief. Er lieft ihn unb reicht ihn bann dem Kommissar zurück, dessen lauernder Blick nicht eine Sekunde währenddem von dem Baron gewichen ist. Der Baron kennt solche Situationen seitdem die Besatzung im Schloß liegt, zur Genüge. Für ben Fall, daß bei dem Brief- unb Depeschendienst des Bunbes etwas in die Hände bes Feindes fällt, hat man feine besonderen Verhaltungsmaßregeln. So sagt er sehr ruhig und bestimmt: „Eine plumpe Fälschung, Herr Kommissar. Tut mir leib. Ihnen nicht anders dienen zu können. Solche Denunziationen sind keine Seltenheit mehr, seitdem Franzosen im Lande sind."
Rambeaux hat die Spitze wohl verstanden, aber er tut, als habe er sie überhört. Er geht zum letzten Schlag vor. „Vielleicht haben Sie die Liebenswürdigkeit, Herr Baron, mir zu sagen, wo Sie bie letzten Stunden verbracht haben?"
„In meinem Arbeitszimmer, Herr Kommissar."
Rambeaux wird wieder sehr verbindlich: „Dann werden Sie sicherlich auch auf bas genaueste im Bilde fein, wer in der letzten Stunde mit einem Schlittengespann auf bem Schloß angekommen ist — es handelt sich, wie mir eben einer meiner Beamten mitteilt, um Pferde aus Ihren Stallungen, Herr Baron." •
Ehe Herr von Löbau antworten kann, ruft Karl dazwischen: „Mit dem Gespann bin ich zur Jagd gefahren ..." "
„Sie fuhren allein?" fragt der Kommissar.
„Unser Förster begleitete mich."
(Fortsetzung folgt.)
Beröflaöstog öer MgelkMrMksk Assis Am 10. und 11. Juni 1933 findet in Aidda der diesjährige Derbandstag der Kriegerkameradschaft Haisia, verbunden mit der Feier des 60jährigen Bestehens des Kriegervereins Hasfia in Aidda, statt. Hierzu laden wir alle Kameraden auf das herzlichste ein. - Quarlier-Anmeldungen erbeten an Kamerad Zollsekretär Helfrich in Aidda, Hindenburgstrahe. - Festfolge: Rriegetwdn Hasfia in Nidda
SamStag, ben 10. Juni 1933:
Ab 14 Uhr: Empfang der Gäste:
17.30 Uhr: Gedenkfeier für die gefallenen u. verstorbenen Der« einsmitglieder am alten u. neuen Kriegerdenkmal;
20.30 Uhr: Begrühungsabend in der Turnhalle:
Sonntag, den 11. Juni 1933: 3776 d
6 Uhr: Weckruf durch die Stadt:
9 Uhr: Hassia-Berbandstag in der Turnhalle;
11 Uhr: Platzkonzert auf dem Marktplatz;
13.30 Uhr: Aufstellen des Festzuges. Festzug durch bie Stadt nach d. Festplah. (Zwifchenzeitl. Totenehrung). Auf dem Festplatz Begrüßung, Festrede, Jubiläumsfeier;
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