Ausgabe 
8.9.1933 Erstes Blatt
 
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Jugendherberge ersieht man, daß es auch vor­nehme Leute gibt, die ein Nachtquartier in der Jugendherberge nicht verschmähen. Wie wäre es doch so schön, wenn jeder Deutsche sein Scherflein opferte, damit damit in unserem deutschen Vater­lande noch mehr deutsche Jugendherbergen gebaut würden! Dies wäre gewiß eine große nationale Tat, und uns Jugendlichen würde die Möglichkeit gegeben, deutsches Land und deutsche Heimat für wenig Geld durchwandern zu können.

Hans Weller,

Schüler des 7. Schuljahres der Volksschule Kl.-Linden.

Oer Tag des Pferdes in Darmstadt.

Für den Tag des Pferdes in Darmstadt, insbe­sondere für die Nachmittags-Veranstaltung haben das Ehrenpräsidium übernommen: Reichs­statthalter Sprenger, Staatsoräsident Professor Dr. Werner, Landespolizeiprasident Dr. B e st, Landesbauernführer Dr. Wagner, Oberbürger­meister Dr. Müller und Brigadefübrer Hauer. Reichskanzler A d o l f H i t l e r hat für denPreis des neuen Deutschland" für den Sieger einen wert­vollen Ehrenpreis gestiftet.

Mit im Mittelpunkt des Programms steht der große Aufmarsch der hessischen SA.» Reiter sturme. Es werden nahezu 400 Reiter nach Darmstadt kommen, die sich an der SA.» Retter-Paraoe und größtenteils auch an dem Viel» seitigkeits-Wettbewerb beteiligen. Mit besonderem Interesse wird man dem Patrouillen-Springen der SA.-Reiter entgegensehen. Auch dieses Springen wird zum ersten Male in Darmstadt zur Durch­führung gelangen.

Am Mittwoch wurde der Vorverkauf für den Tag des Pferdes eröffnet. Die Eintrittspreise sind außerordentlich niedrig gehalten, um allen Kreisen den Besuch der groß aufgezogenen inter­essanten Veranstaltung zu ermöglichen. Die Karte für den Einheitsplatz kostet im Vorverkauf nur 40 Pf., an der Kasse 60 Pf., numerierte Platze im Tribünenzelt 2, Mk., an der Kasse 2,50 Mk. Außerdem ist noch ein Stehplatz zu 1, Mk., an der Kasse 1,20 Mk., im Tribünenzelt vorgesehen.

Ohne Pension und Titel entlassen.

WSN. Offenbach, 7. Sept. Auf Anregung des jetzigen Bürgermeisters Dr. Schönhals und auf Vorschlag der hessischen Regierung hat Reichs­statthalter Sprenger die Entlassung des früheren Offenbacher Oberbürgermeisters Gran­zin aus den Diensten der Stadt Offenbach a. M. verfügt mit der Maßgabe, daß die Entlassung ohne Anspruch auf Ruhe - und Warte­geld erfolgt. Jeder Rechtsweg gegen diese An­ordnung ist ausgeschlossen. Granzin ist damit der erste Oberbürgermeister in Hessen, der o h n e P e n- sion entlassen wurde und dem darüber hin­aus die Führung des Titels untersagt bleibt. Granzin, ein früherer SPD.-Gewerkschaftler, war 1919 zum Oberhaupt der Stadt Offenbach ge­wählt worden. Er bezog zuletzt ein Jahresgehalt von 24 000 Mk.

Unterschlagungen bei der Giadiverwaliung in Limburg.

Limburg, 7. Sept. (WSN.) Bei der Stadt L i m b u r g, die vor einigen Jahren erst durch um­fangreiche Unterschlagungen bei den städtischen Wer­ken erheblich geschädigt wurde, ist ein n e u e r Fall von Unterschlagung und Urkunden­fälschung aufgedeckt worden. Der Oberstadtsekre­tär Burk wurde heute in Untersuchungshaft ge­nommen, da ihm Unterschlagung und Urkunden­fälschung nachgewiesen werden konnte. Wie hoch die unterschlagenen Summen sind, steht noch nicht fest. Burk bearbeitete die Rechnungskontrolle.

Erster Reichskongreß der Deutschen Vühne

Eisenach, 8. Sept. (WTB.) Am Donnerstag begann der erste Reichskongreß der Deut­schen Bühne, der einzigen Theaterbcsucher- organisation im neuen Reich. Aus allen Teilen des Reiches waren Abordnungen erschienen, um an dem Kongreß teilzunehmen. Die Kundgebung wurde mit einer Begrüßungsansprache in der Wartburg eröffnet. Unter den etwa 200 Ehrengästen bemerkte man den Reichsleiter der Deutschen Bühne, Alfred Rosenberg, den Geschäftsführer des Kampf­bundes für deutsche Kultur, Urban, ferner Dr. Becker und Dr. v. Seers als Vertreter des Deutschen Bühnenvereins. Um die Verbindung mit dem Volke auch nach außen hin darzutun, wurden die Ansprachen nicht im Saale der Wartburg, son­dern von der Treppe aus im Wartburghof gehal­ten.

Als erster Redner sprach Alfred Rosenberg. Er führte in seiner Rede u. a. aus, wie auf poli­tischem Gebiet die Einheit geschaffen worden sei, so werde auch die soziale Einigung vorwärts schrei- ren.

Die nationalsozialistische Bewegung werde schließlich die Sehnsucht des Volkes nach kul­tureller Wiedergeburt erfüllen nach dem Wort Adolf Hitlers, daß, wenn eine politische Macht ans werk gelangt sei, ihre kulturelle Mission komme.

Macht sei überhaupt nur berechtigt, wenn sie der Kultur nütze. Die Kultur habe aber nur Lebens­geltung, wenn die Macht bereit sei, sie bis zum letzten Blutstropfen zu verteidigen. Das neue Deutschland wolle auch im Theater einen neuen Kulturausdruck finden. Das Ideal der Dichtung un­serer Zeit müsse der starke und gesunde Mensch jein. Das Heldenleben Schlageters, wie das Horst Wessels seien das Symbol für die nach echter Kunjt sich sehnende deutsche Seele. Die Be­sucherorganisationen seien nicht Selbstzweck, sie soll­ten die Seelenspannung erzeugen, die nötig sei, um den Dichter hervorzubringen, der auch als Sänger unserer Revolution, deren Größe wir noch nicht erfaßt hätten, sein Werk einst schaffen werde. Sodann führte Dr. Stang aus, der Reichsver- band wolle nicht nur eine Organisation von Theater­besuchern sein, sondern ein lebendiges Glied der Bewegung Adolf Hitlers.

Auf dem Gebiete des Theaters wolle er das verwirklichen, was Lessing, Goethe und Schiller

vergeblich ersehnten. Der Mitgliederstand der Organisation sei heute schon größer als der­jenige oer früheren Organisationen zusammen­genommen.

Das Volk sammele sich wieder um sein Theater, damit es eine Kulturstcitte der Nation werde. Das Theater der Zukunft solle, entsprechend dem Ruse des Führers, das ganze Volk erfassen. Die Zeit der Klassen und der Vorrechte im Theater solle vorbei sein. Der Arbeiter gehöre ins Theater neben den Akademiker. Dann würden wieder die Feste entstehen, wo das Spiel das Spiegelbild des Lebens wird.

Reichsgeschäftsführer Urban überbrachte die Grüße des Reichsjugendführers Baldur von Schi- rach und sagte u. a., die Jugend habe starken Anteil gehabt an dem Erstehen des Staates. Sie ordere deshalb auch die Darstellung der (Eigen- chaften ihres Charakters mit derselben Selben» chaftlichkeit, mit der sie gegen Artfremdes gekämpft habe. Mit derselben Leidenschaft folge die Jugend dem Führer auf dem Wege zur Erneuerung der ganzen deutschen Kultur.

Dr. Stang gab darauf folgendes Huldl - gungstelegramm an Reichskanzler Adolf Hitler bekannt: Die zur ersten Reichstagung des Reichsverbandes Deutsche Buhne im Kampfbund für deutsche Kultur auf der Wartburg versammelten Leiter grüßen den Führer im Namen von 500 000 Mitgliedern und versprechen, entschlossen den Kampf für die Neuerung des Deutschen Theaters im Sinne Ihrer Richtlinien auf der großen Kulturtagung in Nürnberg zu führen. Der Reichsoerband Deutsche Bühne getobt, nicht eine tote Besucherorganisation, sondern eine lebendige Bewegung zu sein im Dienste der Neugeburt der deutschen Kultur, um das deutsche Theater wieder zu einer Kulturstätte der Nation zu gestalten und die unterbrochene Ver­bindung zwischen Volk und Dichter wiederherzu­stellen.

gez. Alfred Rosenberg.

Die Kundgebung schloß mit einem dreifachen Siegheil auf den (Erneuerer unserer völkischen Kul­tur Adolf Hitler und dem gemeinsamen Gesang des Horst-Wessel-Liedes. Von Dem Präsidenten der Dichterakademie Hanns I o h st und vom Ministe­rialrat Otto Saubinger waren Begrüßungs­telegramme eingelaufen.

VierZahreZuchihaus für einen Betrüger

Darmstadt, 7. Sept. (WSN.) Der aus Pforz­heim gebürtige Kaufmann Biensack hatte sich gestern vor dem hiesigen Bezirksschösfengerlcht wegen zahlreicher Betrügereien zu verantworten. Er hatte sich alsDetonomierat Dr. Biensa ck von der Landwirtschaftskammer" ausgegeben und sich Anzüge usw. erschwindelt. Er wurde au vier Jahren Zuchthaus verurteilt. Außerdem wurden ihm die bürgerlichen Ehrenrechte auf vier Jahre aberkannt.

Ab 1. Oktober wiederOittkreiS".

WSN. Dillenburg, 7. Sept. Bel der im vorigen Jahre erfolgten Bildung des Großkreises Dillenburg ist bekanntlich auch die frühere Bezeich­nungDill kreis" aufgegeben worden, und man hat die amtliche BezeichnungKreis Dillen­burg" eingeführt. Nun wird ab 1. Oktober die alt­hergebrachte BezeichnungDillkreis" wieder eingeführt. Diese Umbenennung er­folgt im Zusammenhang mit der am 1. Oktober in Kraft tretenden Auflösung des Großkrelses Dillen­burg, der dann wieder seine frühere Größe erhalten wird. Der Kreis Biedenkopf wird ab 1. Ok­tober wieder selbständig.

'XV

irischast.

Oie Ernte Anfang September.

Infolge des trockenen und warmen Wetters in der ersten Augusthälfte konnte das Getreide im allgemeinen ohne größere Schäden eingebracht werden. Lediglich in rauhen Lagen und in Ge­bieten, wo stärkere Regenfälle die (Eßite zeitweilig unterbrochen hatten, waren gegen Monatsende noch einzelne Bestände, besonders an Hafer, auf dem Felde. Das Ergebnis wird nach den vorliegenden Berichten weiterhin recht befriedigend beurteilt. Nur in Ostpreußen haben stärkere Unwetter den Ertrag geminoert. Die Hackfrüchte sind in ihrem Wachstum durch das vorherrschende trockene Wetter vor allem auf leichten Böden gehemmt worden, so daß ihr Stand im allgemeinen nicht mehr so gün­stig beurteilt wird, wie im Vormonat. Größere Schäden melden Die Berichte aus Schlesien, der Provinz Sachsen und dem Rheinland. Auch die Futterpflanzen und Wiesen haben durch die Trockenheit gelitten. Vereinzelt vermochten stär­kere Niederschläge gegen Monatsende die Schädi­gung einigermaßen zu beheben. Die Gr u mm et- ernte ist im Gange; ihre Erträge sind auf trocke­nem Boden nicht ausreichend. Unter Zugrunde­

legung der Zahlennoten 2 = gut, 3 = mittel, 4 »» gering, ergibt sich im Reichsdurchschnitt folgend« Begutachtung: Spätkartoffeln 2,7 (Vormonat 2,5), Zuckerrüben 2,8 (2,5), Runkelrüben 2,7 (2,5), Klee 2,8 (2,6), Luzerne 2,9 (2,7), Bewässerungswiesen 2,7 (2,6) und andere Wiesen 3,0 (2,8).

* Der Verein .^Invalid endank" und seine Annoncen-Expeditlon Berlin, Unter den Lin­den 24, hat so schreibt man uns den vollen­deten und zur Tatsache gewordenen Umschwung auf allen Gebieten Des deutschen Lebens und damit auch Der gesamten Wirtschaft und des Geschäfts­verkehrs wahrgenommen und stellt sich in allen seinen Zielen und Zwecken hinter unsere heutige Regierung. Er ist entgegen Den vielen Ausstreu­ungen,mir seien ein jüolsches Unternehmen", ein rein arisches Institut, dos in seinen inne­ren Betrieben nur von arischem Personal geleitet und geführt wird. Seine Zwecke und Ziele sind auch heute noch Die gleichen, wie sie bei der Grün­dung im Jahre 1872 festgelegt wurden: Unter­stützung der Kriegsinvaliden und deren Hinterblie­benen, damit Dienst am Volke und getreu Den Richtlinien unseres Dolkskanzlers: Gemeinnutz vor Eigennutz. Unsere Bestrebungen, mitzuhelfen, die Aermsten der Armen, Die KriegslnvaliDen, zu unter­stützen unD Deren Not zu lindern, sind Die gleichen geblieben. Es ist für uns ein Gebot her Stunde und ein notwendiges Bedürfnis, diese Aufklärung zu geben und Die JnDustrie, Handel und die gesamte Geschäftswelt zu bitten, das uns feit über 60 Jah­ren gegebene Vertrauen auch weiterhin entgegen« bringen zu wollen.

Frankfurt still und uneinheitlich.

Frankfurt a. M., 8. Sept. (WTB. Drahtmel­dung.) Mit Ausnahme des neuesten Berichts des In­stituts für Konjunkturforschung über die Zunahme Des Arbeitseinkommens lagen keine Anregungen aus her Wirtschaft vor, unb ha auch von Der KunDschaft nur geringfügige Aufträge eingetroffen waren, er­öffnete Die Mittagsbörse in sehr stiller Haltung. Die Kulisse verharrte in ihrer Zurückhaltung. JnDessen war die Stimmung nicht unfreunDllch, unh wenn auch Die Kursgestaltung bei (Eröffnung keine einheit­liche war, so war Doch eine gewisse WiDerstanDs- fähigkeit vorhanDen. Gegenüber Der AbenDbörse hiel­ten sich Die SBeränDerungen in engen. Grenzen. IG. eröffneten 0,5 v. H. nleDriger, dagegen Metallgesell- sckaft 0,25 v. H. höher. Am Elektromarkt konnten sich Akkumulatoren um 1,5 v. H., Siemens um 1,25 v. H., Schuckert und Gesfürel um bis zu 0,75 v. H. befesti­gen. AEG. und Lahmeyer lagen unverändert. Von Montanpapieren eröffneten Gelsenkirchen 0,5 v. H. unb Mannesmann 0,13 v.H. freundlicher, wogegen Ilse Genuß 0,5 v.H., Rheinstahl 0,13 und Klöckner- werke je 1 v. H. nachließen. Sonst kamen noch zur ersten Notiz Bemberg mit minus 1,75 v. H., Daimler unb Norbbeutscher Lloyb mit minus 0,25 v. H., ba» gegen (Eontigummi plus 1,13 v. H. Nach den ersten Kursen bröckelte bas Niveau infolge Der Geschäfts­losigkeit eher leicht ab.

Der Rentenmarkt hatte ebenfalls ruhige Ten­denz. Deutsche Anleihen unb späte Reichsschulbbuch- forberungen waren etwa behauptet. Stahlverein- bonbs ließen 0,5 v. H. nach, währenb Reichsbahnvor- zugsaktien 0,25 v. H. anzogen. Im Verlaufe neigte bie Tendenz überwiegend zur Schwäche, da in Spe­zialwerten Abgaben erfolgten. So verloren IG. 1,5, Deutsche Erdöl 1, Reichsbank sogar 2,25 v. H., ferner ließen Stahlverein 1,40 und Licht & Kraft 1,25 v. H. nach. Im übrigen betrugen die Rückgänge von 0,5 bis 1 v. H. Im weiteren Verlaufe verloren Reichs­bank erneut 1 v. H. und IG. nochmals 0,5 v. H. Deutsche Anleihen zeigten kaum 23eränberungen. Am Pfandbriefmarkt lag erneut etwas Angebot vor, so daß Gold- unb Siquibationspfanbbriefe überwiegend 0,25 bis 0,5 o. H. zurückgingen, auch Kommunalobli­gationen lagen teilweise bis 0,5 v. H. schwächer. Stadt- unb Staatsanleihen lagen sehr still.

Infolge eines Unglücksfalles verschied gestern nachmittag der bei uns beschäftigte Elektromonteur

Willy Klöß

Wir verlieren in ihm einen treuen, fleibigen Arbeiter und lang­jährigen. zuverlässigen Mitarbeiter. Wir werden ihm stets ein ehrendes Andenken bewahren

Direktion, Beamte, Angestellte und Arbeiter der städtischen Elektrizitätswerke Gießen

Gleben. den 8. September 1933

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Dr. Neumann-Spengel

ist bis Ende des Monats verreist

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