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Vornan von GertTrothberg.
(Llrheberschutz durch E. A ck e r m a«r n, Romanzentrale Stuttgart.)
23 Sortierung ‘Jladjörurf verboten.
Edelgarde sagte plötzlich: „Ich möchte dir etwas anvertrauen. Otty. Du hast mich immer sehr gut verstanden, du wirst eS auch heute. Ich habe keinen Menschen, dem ich mich anvertrauen könnte."
„Sprich, Edel!"
Uni) Edelgarde erzählte. Sprach davon, wie sie sich gesträubt, ein Kind zu haben, wie sie täglich die wilden Ritte unternahm, bis sie ihre Absicht erreicht hatte.
„Und nun verzeiht er mir nicht!"
Wie ein Schrei der Verzweiflung klang es durch das Zimmer. Die großen, dunklen Augen sahen mit fieberhafter Spannung nach der Freundin hinüber.
Die blieb in ihrer halb liegenden, bequemen Stellung und sagte nichts.
„Run? Otty, du weißt, ich möchte deinen Rat."
Otto Weiler erhob sich, kam langsam auf die Freundin zu, sah eine Weile auf sie nieder und sagte dann: „Die Strafe ist hart. Mir scheint, daß du dir nie bewußt gewesen bist, daß eine Frau, die Acherns Liebe besitzt, nichts weiter zu tun hat, als sich diese Liebe zu erhalten. Mir ist das sehr verständlich, daß er dir nicht verzeiht, umsomehr, da du nicht einmal mehr gutmachen kannst."
Mit großen, entsetzten Augen blickte Edelgarde die Freundin an. Ihre Hände krampften sich um das seidene Kissen. Ihr abgezehrter Körper zuckte.
„Du verurteilst mich auch?" fragte sie endlich mit zitternden Lippen.
Die schönen Hände Otths streichelten das arme, blasse Gesicht.
„Rein, ich verurteile dich nicht. Du hast es so für recht befunden, also war es deine Sache. Du kannst nur nicht verlangen, daß ich deinem Mann eine Schuld an eurer verpfuschten Ehe geben soll. Du warst anderer Meinung als er. Eine Che mit Meinungsverschiedenheit, noch dazu in dieser schwerwiegenden Art, hat nie lange gehalten."
„Du meinst also auch, daß er mich nie wieder liebhaben wird, Otty?"
„Ich finde, daß sein Benehmen dir gegenüber tadellos ist?
„Du weichst mir ja aus, Otty. Sag', glaubst du, daß ich mir die Liebe meines Mannes zurückgewinnen kann, wenn ich erst wieder ganz gesund bin?"
„Sicher!"
Ganz fest und bestimmt hatte Otty Weiler das
gesagt, und sie war doch im tiefsten Innern davon überzeugt, daß Achern mit dieser Frau fertig war für alle Zeiten, selbst wenn sie wieder gesund wurde. Aber das Mitleid mit Edelgarde ließ sie so handeln.
Edelgarde schluchzte plötzlich.
„Ich hab ihn so lieb! Kannst du das nicht verstehen?"
Die Stimme der anderen klang dunkel:
„Ja, ich kann dich sehr gut verstehen."
Edelgardes Hände umklammerten plötzlich die der Freundin. Langsam wand sie sich empor. Angstvoll, bebend klang ihre Stimme in den stummen Kampf Ottys hinein.
„Otty, glaubst du, daß ich jemals wieder gesund werde?"
„Ja! Auch dein Mann glaubt und hofft es."
Otths Stimme klang ruhig, klar.
„Hat er — es dir gesagt?"
„Ja!"
Edelgarde sank zurück. Befreit, erlöst von einer unendlichen, geheimen Qual.
Otty Weiler aber dachte: „Wenn sie wüßte, daß ich ihren Mann liebel"
Edelgarde richtete sich auf, sah die Freundin beschwörend an.
„Ich muß dir noch mehr erzählen."
„Sprich dich aus, Edel. Ich kann dich ja sehr gut verstehen."
Die junge Frau überhörte den seltsamen Tonfall der Stimme und erzählte von der grenzenlosen Eifersucht, die sie gegen Pia hege.
„Jetzt, nach deinen Worten glaube ich es nicht mehr, Otty, aber ich habe lange Zeit gedacht, daß er ein Verhältnis mit Pia hat. Er ist so oft allein fortgefahren oder geritten, tagelang habe ich ihn manchmal nicht gesehen, damals — als — als das mit mir geschehen war. In letzter Zeit ist er wieder mehr daheim gewesen, doch ich wurde meinen Verdacht trotzdem nicht los."
„Hat Pia Eichendorff sich derart betragen, daß du sie in einen solchen schwarzen Verdacht nehmen konntest, Edel? Ich meine, es gehört doch ein sehr leichtsinniger Charakter dazu, ein Verhältnis mit einem verheirateten Mann anzufangen."
„Mein Mann hat sie stets sofort in Schutz genommen, er gab sie mir als Vorbild, er fährt auf wie ein wildes Tier, wenn ich etwas gegen Pia sage."
„Ist Pia Eichendorff schön?"
Widerwillig, abgerissen kam die Antwort: „3a, schön — ist sie wohl."
„So!"
Otty dachte an den hochgewachsenen Mann, der in der Blüte seiner Manneskraft stand. Wäre es ein Wunder, wenn--?
„Du sagtest mir, daß du auch Pia zu dem morgigen Fest geladen hast. Ich kenne sie nicht und kann mir vorläufig kein Urteil bilden. Wir
können ja nach dem Fest noch einmal darüber sprechen, obgleich ich dir schon heute sagen möchte, daß ich deinen Verdacht als Hirngespinst betrachte."
Ich danke dir, Otty. Wenn ich dich nicht hätte! Sag' mal, wann verlobst du dich eigentlich?"
„Wahrscheinlich nie!"
„Aber, Otty, das glaubst du ja selbst nicht." Otty Weilers Augen schimmerten feucht.
„Wenn ich nun eine unglückliche Liebe hätte?" Erschrocken blickte Edelgarde sie an.
„Du? Ach nein, das glaube ich nicht. Du hattest stets genug Airbeter. Es hat immer an dir gelegen, wenn du bisher unvermählt bliebst."
Otty sagte träumerisch: „Du magst recht haben."
Edelgarde sprach von etwas anderem, ging sprunghaft auf das Thema der Toilettenfrage über.Freute sich auf das kostbare Kleid, das sie sich hatte aus Wien kommen lassem Otty allerdings war entsetzt gewesen, als sie es gestern sah. Dieses blasse Violett muhte Edelgardes krankhaftes Aussehen nur noch mehr hervorheben. Als sie eine kleine, gutgemeinte Anspielung machte, sagte Edelgarde: „Ich trug ein ähnliches Kleid in Scheveningen. Er hat mich damals sehr liebgehabt."
Da schwieg die Freundin.
Sie selbst hatte sich ein sehr kostbares, aber raffiniert einfaches schwarzes Spihenkleid zurechtgelegt. Es würde sie älter machen, reifer. Doch sic wollte morgen so unauffällig wie möglich im Kreis der Gäste untertauchen. Edelgarde aber zeigte ihr herrlich matte Perlen, die sie umlegen wollte, und Otty dachte: „Wie sie in allem anders geworden ist. Schließlich gibt sie doch morgen keinen H o f b a IL“
Doch sie sagte nichts mehr, da sie längst herausbekommen hatte, daß Edelgarde einen Tadel durchaus nicht vertrug. Kranken ließ man eben den Willen. Achern schien genau so zu denken.
Die beiden Damen plauderten dann noch von allem möglichen, und die so dramatisch begonnene Unterredung endete dann damit, daß Edelgarde hell auflachte, als Otty ihr eine amüsante Geschichte aus Berlin erzählte. Sie gingen dann Arm in Arm in das Frühstückszimmer hinüber, wo Achern gerade im Reitanzug am Tisch faß. Er sprang beim Eintritt der Damen sofort auf, ging ihnen entgegen und küßte ihnen die Hand.
„Das ist ja ein ganz unverdientes Glück, am zeitigen Morgen schon so angenehme Gesellschaft zu haben. Das bin ich sonst gar nicht gewohnt. Run wird es doppelt gut schmecken, das heißt, wenn die Damen gestatten, daß ich auch weiterhin im bestaubten Reitanzug mit am Tisch sitze. Ich muß leider gleich wieder hinaus, habe keine Zeit, mich erst umzukleiden."
„Lassen Sie sich durch uns nicht in Ihren Gewohnheiten stören, Sie fleißiger Landwirt!"
Otty sagte es lachend, während ihr doch bei
seinem Anblick das Herz bis in den Hals hinauf schlug.
Er lachte.
„Ach ja, es ist etwas Köstliches, so mit Sonnenaufgang auf der geliebten-Scholle zu stehen und zu arbeiten. Ich könnte mir nicht einmal mehr vorstellen, wie es sein mühte, wenn ich plötzlich gezwungen würde, in der lärmenden Stadt zu leben."
Edelgarde legte die Hand auf Harrys Arm.
„Hast du heute gar keine Zeit mehr für uns?" fragte sie bittend.
Er sah sie an, Otty fühlte die innere Gleichgültigkeit aus diesem Blick heraus. Dann sagte Achern liebenswürdig: „Wenn du es gern möchtest, dann werde ich mich beeilen, damit ich am Rachmittag frei bin."
Die Damen blieben dann noch eine Weile im Frühstückszimmer, als Achern längst schon gegangen war. —
Harry von Achern ritt den schmalen Waldweg dahin. Seine Gedanken weilten bei Pia. Würde sie morgen kommen? Er war so in Gedanken an sie, daß er ganz erstaunt aufblickte, als plötzlich das Wiehern eines Pferdes dicht neben ihm hörbar wurde. Der Kopf eines Schimmels sah aus dem Walde, jetzt wurde auch die Reiterin sichtbar.
„Pia!"
Achern war schon neben ihr, streckte ihr die Hand entgegen.
„Pia, meine Gedanken waren bei dir. Welch ein Zufall, Pia! Ich habe nicht gewußt, daß du jetzt auch reitest. Darf ich dich ein Stück begleiten, und vor allem: wie geht es dir?"
Die Freude über dieses unerhoffte Zusammentreffen leuchtete ihm aus den dunklen Augen. Pia entzog ihm ihre Hand und sagte leise: „Ich danke dir, Harry, mir geht es gut. Ich hoffe das gleiche von dir."
Sie wußten beide, daß sie mit ein paar oberflächlichen Worten hinwegtäuschen wollten, was im Grunde dieses Wiedersehen für sie bedeutete. Achern ließ den Blick auf Pias schlanker Gestalt ruhen. Wie sie auf den Rücken des edlen, weihen Tieres pahte! Wie schon sie war! Sein Herz schlug heih und schnell. Eine Weile schwiegen beide und eilten nebeneinander dahin. Am Waldrand stand ein Rudel Rehe. Gleichzeitig hielten die beiden Reiter die Pferde an. Pias Augen blickten auf die Tiere drüben. Sie lächelte. Achern sah auf den kleinen, schön geschnittenen Mund. Warum durfte er ihn nicht küssen? Seine Hand griff in die Zügel ihres Pferdes.
„Pia, warum meidest du Achern?"
Mit einem langen Blick sah sie ihn an. Dann sagte sie: „Das weißt du doch, Harry. Warum fragst du?"
(Fortsetzung folgt.)
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