Ausgabe 
7.10.1933 Zweites Blatt
 
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Samstag,?.Oktober (953

Eichener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen)

Kr. 235 Zweites Blatt

Oie eueite »i/uhw,

die zugleich Anfängerin ist und auf der Hohe ihres

Der Führer befiehlt:

Kein Volksgenosse darf im Winter 1933/34 hungern und frieren!

Deutscher, denke daran:

Die TiS-BolkswohIsahrt sammelt

tigern Zugriff. _ ,,

Schwieriger hatte es Kurt Lupke, obwohl er in der Opposition stand. Er gab den Stadtverord­neten, der mit Dernunftgründen dagegen rft: kühl, objektiv, zielbewußt und noch in fast aussichtsloser Position die Haltung wahrend. (Wofür er im aller­letzten Moment von den Autoren überraschend be­lohnt wird.) *

Fräulein Flemming hatte einen zwar kur­zen, aber äußerst lebenswahren Auftritt, den sie effektvoll auszuspielen verstand. Herr Kühne gab den Intendanten nervös, aufgeregt, in voller^zahrt und hochgradigem Premierenfieber, Herr Dolck einen jovialen Theaterdirektor von aufwärts, Herr Schorn erzielte als Reporter heitere Wirkungen. (Die Rolle ist nicht grade ein Kommentar zum neuen Schriftleitergesetz.) Mit hübschen Chargen waren Frl. W i e l a n d e r, die Herren Geiger und Nieren am Erfolg beteiligt.

*.

Dem Publikum machte der Blick hinter die Ku­lissen viel Spaß: es spendete angeregt und verdien­termaßen freundlichen Beifall. hth.

Schwarzwaldmädel" als Film.

Nach Beendigung der Außenaufnahmen im Schwarzwald beginnen dieser Tage im Jofa-Atelier in Johannisthal die Innenaufnahmen für den Ariel-Film des NDLS.Schwarzwald- m ä d e l". Architekt W. A. Herrmann hat die Bauten fertiggestellt. Regie führt Georg Z och. Die männliche Hauptrolle spielt der Tenor Hans Söhnker. Ferner wirken mit: Walter Ja n - sen, Hans Sternberg, Kurt von Russin, Eugen Rex und die Damen Liefe! B e l i n g vom Stadttheater Gießen, Lotte Lorr in g, Olga Limburg. Das Drehbuch stammt von Franz Rauch: die Originalmusik von Leon 3e Hel dirigiert Fr. Wenneis. Künstlerische Dberlet«

1 tung: Jochen Meisen.

Ruhms steht, und Liebhaberin und Intrigantin da- zu: solche Rollen muß man suchen. Frl. «ta d- ler hat ihre Chance ausgenutzt, mit kluger Stei- gerung und mit einem natürlichen Temperament, das zumal im Mittelakt alle szenische Spannung be­herrschte. *

Eine' sehr hübsche Leistung sah man von Herrn Marcks, der den mehrfach erwähnten Partner spielte: er machte es reizend, ganz ohne Aufwand, aber mit viel Verständnis für ungewöhnliche Situa­tionen, mit trocknem Humor und geistesgegenwar-

Donauraum Gchicksalsraum

33ulgar.cn verlangt Gleichberechtigung

Gin Schlußwort von Or. Nicola Muschanoff, tgl bulgarischem Ministerpräsidenten und Minister der Auswärtigen Angelegenheiten

Gießener Stadttheaier.

Alfred Möller und Hans Lorenz: Die Freundin eines grotzen Mannes. Hier wird in drei Akten auf eine heitere doppel­sinnige, wenn auch eben lustspielhafte, das heißt also: unwahrscheinliche Weise erzählt, wie das Theater gerettet werden kann. Das Theater m einer deutsche/ Mittelstadt, dessen Schicksal davon ab­hängt, ob die Stadtverordnetenversammlung den Zuschuß bewilligt. Sonst muß m der wachsten Spiel zeit geschlossen werden. Und die Wahrscheinlichkeit, daß der Zuschuß bewilligt wird, ist.lecher gering Die Aktualität des Stosses ist mit Händen ZUgrei sen, obwohl auch manches in diesem Stuck sich er­eignet, was, von uns aus gesehen, schon nicht meyr aktuell genannt werden kann.

*

Die beiden Autoren haben ihren Einfall unleu^ bar mit Geschick ausgesponnen, und wenn man sich einmal der Illusion (eben des Theaters, deshei­teren Spiels um eine Bühne", wie jene es nennen) willig überläßt, dann macht es Spaß, zu beob­achten, wie sich das entwickelt.

Es beginnt, zwei Tage vor der entscheidenden Sitzung im Stadtrat, während der Generalprobe zu einem neuen Stück mit dem verlockenden TitelDie Freundin eines großen Mannes". Keine General- robe das ist eine alte Bauernregel ohne einen Mordskrach. Die Hauptdarstellerin schmeißt denn auch alsbald dem Jntendamen die Rolle vor die Füße (das Material ist zu schonen!") und hat einen ?«h«r«Ben «baanj1- Man tarn «bei: nW behaupten, daß sich Ne Aussichten dieses Theaters dadurch im allgemeinen und im Anblick auf den nächsten Abend nennenswert gebessert hatten.

*

Da passiert der rettende Autounsall. In dem Auto mit dem zerknautschten Kühler sitzt nämlich, ganz »usällia eine sehr berühmte Berliner Schauspielerin, K gerade auj der Durchreise in die deutsche Mittel­stadt kommt und, auch zufällig, in Berlin gleiche Rolle spielt, die man eben hier dem Intendanten hingeschmissen hat. Doch nicht genug damit: m dem andern Wagen, der an der Karambolage beteiligt ist, sitzt eben der Stadtverordnete, der gegen ben rettenden Zuschuß ist: und zu allem Ueberf uh kifft die große Schauspielerin unter den ratlosen Pro- vlnzkollegen im Theaterrestaurant einen guten Freund von früher.

Fräulein Hansi Stadler hatte mit ber Ellen Roland (so heißt die Dame mit dem Autounfall) ihre erste große Ausgabe und gleich eine Parade rolle bekommen, die ihr eine ganze Skala darstelle rischer Möglichkeiten in die Hand gab. Sie hatte die seltene Chance, eine Schmispielerin A spielen, . i . , , W iinh nmf der .nOM IhteS

bener Komplex, wenn man sie mit den teueren Prachtbauten vergleicht, die von der engli­schen Mandatsverwaltung in Tabora, Malangali, Muansa und sonst im Lande a l s Schulen für Neger- und Jnderkinder errichtet sind. Aus der einen Seite schämt man sich als Deutscher über die äußere Dürftigkeit ber beut- schen Schulen; auf ber anberen Seite ist man froh, baß mit Hilfe b e s Frauenbunbes ber Deutschen Kolonialgesellschaft, biefer unb jener privaten Spenbe unb höchst bescheibener Regierungszuschüsse boch noch soviel zustande ge­bracht worben ist. Alles in allem: bie meisten beut- schen Kinber in Dftafrita genießen relativ guten, überwiegenb noch elementaren Schulunterricht. Aber nirgenbs sind bie äußeren Schulumstänbe so, daß ein beutsches Kinb stolz auf seine Schule sein könnte, wenn es baneben eine englische (Singebore- nenschiile sieht. Das ist bitter, unb außerdem ist bitter, baß eine nur zu große Anzahl von deutschen Kindern überhaupt in keine Schule kommt, weil kein Gelb ba ist, um Schule, Pension unb Reise zu bezahlen. Ich bente, es sollte genügen, im neuen nationalen Deutschland bas auszusprechen, um ber balbigen Abhilfe sicher zu sein.

Diel besser, aber trotzbem an einem bestimmten Punkte auch nicht gut, steht es mit bem deutschen Schulwesen in Südwest. Es gibt hier bret Arten von beutschem Schulbetrieb: erstens beutsche Pnvat- schulen, bavon bie beste unb hervorragende bie Deutsche Oberrealschule in Winbhuk: zweitens beutsche Regierungsschulen, bie von ber Manbatsverwaltung von Sübwestvsrika unter­halten werben unb überwiegenb beutschen Lehr- plan mit beutschen Lehrkräften haben, nur mit stär­kerer Betonung ber sübafrikanischen Geschichte und Sprache: brütens beutsche Abteilungen ober Klas­sen an sübafrikanisch-englischen Regierungsschulen.

Auf dieser gesunden Basis läßt sich etwas^ er­reichen. Ein Glück, daß niemand außer diesem guten Freund eine Ahnung hat, wer die fremde Lame eigentlich ist. So kann s;e erst mal, als an­geblich blutige Anfängerin, etnfprmgen unb Die Premiere retten. Aber mehr: es gelingt ihr, das ganze Theater zu retten, indem sie es durchsetzt kurz nachdem im Stadtrat der Zuschuß abgelehnt worden ist daß die ziemlich beträchtliche Summe von einem edlen Gönner gespendet wirb. Jetzt sinb Sie sicher furchtbar gespannt, wer das ist, UM warum unb wieso, ... aber bas sollen Sie sich selber im Theater ansehen.

Das Hübscheste an diesem Stück rft nicht einmal die lustspielhafte Lösung an sich, sondern die komo- diantischen Pointen, die vorausgehen, das Neben­einander lauf en und Jneinandergehen von Illusion und Wirklichkeit, die Doppeldeutigkeit dessen, was ,id^fteÄ Ätbar« Mot}», M eine große Schauspielerin wahrhaft spielerisch und zum Schein noch einmal ganz von vorn anfangt- Und derum bas Mnze Stück -bgAehen non feinet^etflent- liehen Fragestellung, den Reiz einer kleinen ue besgeschichte bekommt, die allerdings schnell ein ganz unvorhergesehene Wendung nimmt.

Alle diese Bestandteile des Spiels wurden in der Aufführung unter Kühnes Regie sehr amüsant und doch unaufdringlich in den Dorbergrund g ^ rückt. Der Regisseur und bie Mitwirkenden hatten offenbar bas Gefühl, hier einmal S°nz unter sich zu sein unb ihre eigensten Dnige zu verh°rchel . Das gab allen Szenen eine frische Ursprünglichkeit unb föbftnerftänbU BeUWelt des Ton- di- einem Lustspiel wie diesem außerordentlich gut be kommt. Bühnenbildner L o s f1 e r hatte die drei Schauplätze zweckentsprechend und geschmackvoll aus gestattet.

Oer geheimnisvolle Meteor.

Meteore sausen oft durch ben Weltenraum, fallen zur Erbe hernieber, boch nur selten gelingt es, bie Einbruchsstelle aufzufinden. In ber vorgeschichtlichen Zeit ist in ber Wüste von Arizona ein Meteor niebergegangen, ber als ber größte gilt. Von biefern berühmten Arizona-Meteor entbeckte man 1891 ben Riesenkrater mit 1,5 Kilometer Durchmesser unb 200 Meter Tiefe. Bruchstücke von wenigen Gramm bis zu Riesenbrocken von neun Zentnern würben aufgelesen, zusammen etwa 20 Tonnen. Die chemi­sche Untersuchung wies eine Grundmasse von Eisen aus mit einem hohen Nickelgehalt. Außerdem fan­den sich als kostbare Beigaben kleine schwarze unb weiße Diamanten unb beträchtliche Beimengungen von Platin unb bem nahe verwanbten Iridium. Das steigerte die Spekulationswut ber Amerikaner, zumal, ba bie Wissenschaft errechnete, baß ber Meteor einen kleinen Stern von etwa 170 Meter Durch­messer unb einer Masse von mehr als einer Mil­lion Tonnen barftelle. Man vermutete schatzungs- weise einen Gehalt von vier Millionen Gramm Platin unb sogar fünfzehn Millionen Gramm Iridium. Das bedeutet, abgesehen von dem wert­vollen Nickel und dem für technische Zwecke be­sonders geschätzten reinen Eisen, Milliardenwerte, die man durchaus bem Schoß ber Erbe zu ent­reißen trachtete So begann ein Schürftätigkeit von echt amerikanischem Ausmaß. Zahlreiche Bohrun­gen würben unternommen, bie jebod) zu keinem Ergebnis geführt haben. Der Meteor liegt so tief in ber Erde, baß man mit ben gegenwärtig be­kannten Mitteln noch nicht herankann.

0od)fd>ulna(bri(htctL

Auf Grunb bes Gesetzes zur Wiederherstellung bes Berufsbeamtentums würbe an ber Universität Münster ber o. Professor Dr. Karl Lehmann« H a r 11 e b e n (Archäologie) in ben Ruhestand ver­setzt unb bem Honorarprofessor Ministerialdirektor Dr. Richarb Wölbt (soziale Betriebslehre) Die Lehrbefugnis entzogen.

Der Reichsstatthalter in Baden hat dem ao. Pro­fessor Dr. Maximilian N e u (Gynäkologie) und Dem Privatdozenten Dr. Jakob Marschak (National- Ökonomie) in Heidelberg, sowie dem Hono- rarprofeffor Dr. Nathan Stein (Wirtschasts- Wissenschaften) an der Technischen Hochschme 'N Karlsruhe auf Grund des Berufsbeamten qesetzes die Lehrbefugnis entzogen.

An der Universität Jena istder OrdinariuL Professor Dr. Macholz (Praktische Theologie) seines Postens enthoben worben.

Befriebung (Europas erleichtern, besonbers In dessen südöstlichem Abschnitt.

Die Frage ber Revision ber Friedens- vertrüge, bie noch offen ist, barf kein Hinder- nis für bie Herbeiführung von wirtschaftlicher Der- ftänbigung bilben, bie ber alles vernichtenden wirt­schaftlichen Krise ein Enbe machen soll. Ein großer Teil ber Bestimmungen ber Friedensverträge hat sich als unhaltbar erwiesen unb kann nicht mit ber Ruhe und ber normalen Entwicklung ber von ihnen betroffenen Staaten in Einklang gebracht werben. Bis bie Bebingungen für eine Revision herangereist sinb, verlangt Bulgarien bie genaue Anwendung gewisser Bestimmungen dieser Der- träge, durch bie einige seiner Rechte geheiligt wur- ben. Solche sinb z. B. bie Bestimmungen über ben Schutz ber nationalen M i n b e r h e i t e n, bie bebauerlicherweise in vielen Fällen noch toter Buchstabe sinb. Die Nichtanwenbung gerabe bieser

Deutsche Zugend in Afrika.

Don Or. Paul Rohrbach.

Walfischbai, ben 14. Sept. 1933.

Am 15. Mai sinb wir in Tanga, im alten Deutsch-Ost-Afrika, an Lanb gegangen, unb heute, am 14. September, sollen wir hier in Walfisch- b a i in Südwestafrika an Borb gehen, um über Angola und Kamerun die Heimfahrt anzu­treten. Wenn ich mir diese vier verflossenen Mo­nate in Afrika vergegenwärtige, so darf ich wohl lagen, daß sie erfüllt waren mit Arbeit um das Verständnis des Heute unb Morgen für bie deutsche Sache in Afrika. Einiges davon habe ich meinen Lesern schon mitteilen können: anberes muß einer abschließenden Veröffentlichung vorbehalten bleiben, weil ber Stoff gar zu groß ist. Nur eins noch möchte ich schon jetzt geben: einen Ueberblicf über bas Thema von ben beutschen Schulen, d. h. also von bem geistigen Dasein unb ber geistigen Zukunft ber beutschen Jugenb, in Afrika.

Ich werfe zuerst einen Blick zurück auf bie Schu­len in 0 ft a f r i t a. Wir haben sie alle besucht: bie kleine deutsche Schule in Eldoret in der Kenya- Kolonie, bie beiden Schulen von Sunga unb Mlalo in Ufambara, bie in Dlbeani, bie in Lupembe auf bem südlichen Hochlanb unb schließlich bie beiben ganz kleinen in Doboma an ber Zentralbahn und in Daressalam. Die Zahl der deutschen Kinder, die in ihnen unterrichtet werden, beträgt insgesamt etwa 150, mit Einrechnung einiger, deren Ein­schulung bevorstand. An nichtdeutschen Kindern, na- - mentlid) englischen, kam vielleicht noch ein Dutzend hinzu. Wenn man fragt, ob der Zustand ber Schulen befriebigenb ist, so kann bie Antwort bar- auf nicht mit wenigen Worten, ja ober nein, ge­geben werden. Zunächst ist zu bemerken, daß eine ziemliche Zahl deutscher Kinder noch keine Schule hat. Im Moschibezirk am Kilimandscharo gibt es über 40 schulpflichtige Kinder ohne Schule in erreichbarer Nähe. Ein Teil wird, mit großen Schwierigkeiten für die (Eltern, in entfernte Schu­len geschickt, ein anderer aber bleibt ohne Unter­richt, abgesehen davon, was vielbeschäftigte arbeits­reiche (Eltern vielleicht beiläufig zustande bringen. Dazu muß bedacht werden, daß jedes Jahrneue Jahrgänge nach heimatlichen Begriffen schulpflichtig werden. . . . ,

Nimmt man alles zusammen, was m den deut­schen Siedlungsgebieten und sonstigen Wohnplatzen Oftafrikas an schulpflichtigen und nichteingeschulten deutschen Kindern existiert, so wird das gegenüber ben eingeschulten zwar nur eine Minderzahl ein, aber sie wird auch als solche unangenehm hoch sein. Es fehlt nicht wenigen deutschen (Eltern einfach am Geld, um ihre Kinder in die Schule fortjugeben, wo Pensionsgeld und Schulgeld, feien sie auch noch so entgegenkommend bemessen, gezahlt werden müs­sen. Dazu kommt das Reisegeld. Die meisten Kin­der haben mehrere Tagereisen zwischen Eltern­wohnort und Schule, mit der Bahn ober mit bem Auto. (Einen Fall kenne ich, in dem zwei Jungen zum Heimweg in die Ferien vier Tage Fußmarsch, nur mit schwarzen Trägern, zuruckzulegen hatten und einmal unterwegs in einer Hohle schlafen

Bestimmungen durch einige Nachbarn Bulgariens schafft eine unruhige Atmosphäre auf bem Balkan, bie nicht geeignet ist, bas Werk bes Friebens unb ber internationalen Gerechtigkeit zu förbern.

Es ist ber Wunsch Bulgariens, mit allen Staaten enge unb freundschaftliche Beziehungen zu unter­halten. Hierfür hat Bulgarien unzählige Beweise geliefert. Dagegen verlangt bas Lanb nichts weiter, als baß man feine völlige Gleichberech­tigung anerkennt unb feine burch bie Geschichte unb bie Verträge geheiligten Rechte achtet. Das ist bie ©runbünie feiner Politik, von ber bie bulga« rische Regierung niemals abgehen wirb.

Strompreisermäßigung des tfefcer« landrverkes Oberheffen.

Die Arbeitspreise bes Strompreistarifs für Klein- abnehrner (gültig ab 1. April 1933) bes Ueberlanb- werks Oberheffen sinb ab 1. Oktober b. I. wie folgt gesenkt worben:

Für Haushaltungen (Heiz- unb Kochzwecke, ein­schließlich Lichtstrom): von 11 auf 10 Pf-^)^' m ber Zeit von 6 bis 21 Uhr, von 6 auf 5 $f./kWh in ber Zeit von 21 bis 6 Uhr. Werben mehr als 100 kWh im Monat abgenommen, so ermäßigt sich ber seitherige Arbeitspreis von 9 auf 8 $f-/kWh für bie von 6 bis 21 Uhr abgenommenen kWh, vorausgesetzt, baß elektrische Kochgeräte angeschlossen und angemeldet sind, die insgesamt mindestens 2 kWh Anschlußwert besitzen.

Für Heiz- und Kochzwecke: von 11 auf 10 PfV kWh.

Für Kleinmotorenbetriebe: von 14 auf 13 Pf^ kWh. ______

Weitere Llebertritte zur HZ.

Die Auflösung ber konfessionellen Jugenbverbänbe unb ihr liebertritt zur HI. setzt sich weiter fort. Nachbem sich soeben erst bie Pfabfinbergruppen des Evangelischen Jungmännerwerks, die Eichenkreuz. Sturmschaften auflöften und geschlossen Zur HI. übertraten, erfolgt nun die Auflösung der Wart­burg-Scharen in ben Gemeinden Matthäus Heb- bernheim unb Praunheim bei Frankfurt a. M. Das \ Kampfziel ber HI. eine Jugendorganisation unter einer Fahne unb unter einem Führer wirb Wirklichkeit.

Mit der Schulfrage stände es noch bedenklicher, wenn nicht im Ganzen die deutschen Ansiedler m Dftafrita ausgesprochenkinderarm waren. An sich ist das kein erfreuliches Symptom, zumal die Kinderarmut meistens gewollt ist: im Augen­blick erleichtert sie aber bie Sage. 3n b<m g*ren Schulen genügen bie Zahl unb Qualität ber Lehr träfte unb allenfalls auch bie Ausstattung mit Lehrmitteln, obwohl es mit biefen letzteren in mancher Beziehung auch bedenklich Die

Verpflegung ist ausreichenb bis gut. Die Gebäude unb alles, was sonst zur Untertunft gehört, genü­gen nur, wenn man afrikanische Maßstäbe anlegt, unb hier unb ba müssen aud) i biefe no<tLrebuji rt werben. Relativ am besten steht die Schule in Mlalo ba, aber auch sie 'st nur em sehr bescheiß

Nachbruck, auch mit Quellenangabe, verboten! Sosia, im September 1933.

Die wirtschaftliche Krise, bie bie Welt in ben letzten Jahren burchmacht, unb bie bie festesten und reich­sten wirtschaftlichen Organismen Europas unb Ame­rikas erschüttert, fährt mit unoerminberter Kraft fort, Verheerungen anzurichkn. Sie ist für d i e In - dustrielänber fo schwer, weil bie von ihr yer- oorgerufene Massenarbeitslosigkeit eine ganze so- ziale Klasse ins Elend geworfen hat und so langsam die Stützen ber gesellschaftlichen Orbnung untergrabt unb die einer Jahrhunderte alten Zivilisation. Die Krise ist aber auch nicht weniger schwer für die Aararländer, weil das unaufhaltsame Stur- 3en Der Preise für die landwirtschaftlichen Produkte ganze Völker in tiefste Armut gebracht und die Grundlage ihrer DolkswirtsHaft vernichtet hat. Für Staaten mit vorwiegender Agrarbevölkerung, wie Bulgarien, bedeutet dies die Verarmung der großen Massen, einen gefährlichen Niedergang der materiellen Kultur, was schwerwiegendste Folgen für die Zukunft der Nation haben kann.

Dies sind die Wahrheiten, deren Wiederholung banal geworden ist, deren Offensichtlichkeit aber leider bisher doch nicht vermocht hat, d i e E r g r eti un g rascherMaßnahmenvon selten der zustandi- gen internationalen Institute du er3®mgem lieber biefe Wahrheiten wirb eifrig verhanbelt. Man sucht Auswege, bie zu einer (Erneuerung unb Stabili- fierung ber wirtschaftlichen Beziehungen ber Welt ^rer könnten: die Wünsche, Projekte in biefer Beziehung lassen sich nicht mehr aufzahlen Man muß aber zugeben, daß bis jetzt fo gut wie nichts unternommen worben 'st. was, mit internationalem Maßstab gemessen, bie Rückkehr zu

Ich will mich hier nicht barauf eintaffen, ben Wert für bas Deutschtum, ben biefe verschiebenen Schul­arten besitzen, im Einzelnen zu vergleichen. Daß er bei ben beutschen Privatschulen am größten ist, versteht sich von selbst. Auf bie beutschen Regie­rungsschulen kann aber schon aus bem Grunbe nicht verzichtet werben, well ber Unterricht in ihnen frei unb ein großer Teil ber Deutschen in Sübwest ein­fach nicht imftanbe ist, Schulgeld zu bezahlen. Da­mit erübrigt sich bie grunbsätzliche Debatte. Ein­zelne Klagen über unzulässige Afrikanisierungsver- suche in beutschen Regierungsschulen sinb berechtigt, aber wenn man anberfeits z. B. in einem ber amt­lich eingeführten beutschen Lesehefte für bie Re- gierungsschille in Winbyuk ben Artikel über Chri­stian be Wet lieft, und in ihm den Satz, de Wet habe feinem südafrikanischen Volk, als der Angriff auf Südwest beschlossen wurde, die Worte zugeru­fen:Verflucht sei der Mann, der seines Nächsten Grenzsteine versetzt" so wird man zuc^ben müssen, daß auch dem deutschen Gefühl fein Recht wird. Und diese ehrliche Absicht geht durch alle Lesehefte, in denen viele schöne Stücke von ber alten beutschen Schutztruppe stehen.

Ein sehr ernstes Wort muh ich ber Heimat aber wegen ber beutschen Schulen in Sübwest zu­rufen. Von Monat zu Monat wächst bie Zahl ber (Eltern auf ben Farmen, bie n i ch t mehr bie 4 Pfunb monatlichen P e n si o n s g e 1 b e s aufbringen können, um ihre Kinber in eins ber ftäbtifdjen Schulpensionate zu schicken. Das ist bebingt burch bas gegenwärtige Jahr ber Dürre, bem schon ein ähnlicher vorangegangen ist. Hier muß die Heimat helfen. Ich wiederhole: Nicht sie soll", oder siesollte", sondern sie muß! Wozu haben wir ein national wiedergeborenes Deutsch- lanb?

einem normalen wirtschaftlichen Leben erlauben würbe.

Die bulgarische Regierung, bie mit ben schweren Wirkungen ber wirtschaftlichen Krise zu kämpfen hat, so wie sie sich in einem ausgesprochenen zigrar- lanb zeigen, hat stets erklärt, baß sie bereit ist, alle Anregungen unb Pläne zu unterstützen, bie eine allgemeine ober lokale Wieberaufrichtung ber inter­nationalen Wirtschaft begünstigen konnten Die bulgarische Regierung hat auch stets ben engherzi­gen wirtschaftlichen Protektionismus verurteilt und die Auffassung vertreten, daß aus der allgemeinen Notlage nur durch allgemeine, plan­mäßige Anstrengungen, bie frei von egoi­stischen, politischen ober wirtschaftlichen Zielen sein müssen, ein Ausweg gefunben werben kann. Von biesem Gesichtspunkt aus ist bie Regierung oer An­sicht, daß ein Plan zur W i e b e r a u f r i ch t u n g ber Donau ft aaten in benen bie wirtschaft­liche Krise viele Gemeinsamkeiten hat, bie somit gemeinsame Maßnahmen zu ihrer Bekämpfung verlangen nur mit Zustimmung zu begrüßen ist, unb sie ist bereit, in loyalster Weise an seiner Verwirklichung mitzuarbeiten.

Natürlich ist ein solcher Plan ohne eine 23 er» ftänbigung zwischen ben Interessen der In - bu ft rieft aaten Mitteleuropas unb ber SIgrar ft aaten bes Donaubeckens sinn­los Eine solche Angleichung ber Interessen bei ber verschiebenartigen Struktur bieser Staaten i ft möglich und zwingt sich auf. Im Rahmen einer völligen wirtschaftlichen Solidarität und unter der Führung des Völkerbundes würde ein solcher Plan sehr viel zur Reinigung der politischen Atmosphäre beitragen, die noch von, Unzufriedenheit und Miß­trauen übersättigt ist, und würde die endgültige