Ausgabe 
7.10.1933 Viertes Blatt
 
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Wehr und Waffen.

Oie Zukunst der Zeppelin- Lustsch.ffe als Anhnffswaffe Dieder einmal sitzen in Genf die Vertreter der Dölkerbundstaalen zusammen, um in tagelangen Reden Formeln und Plattformen zu finden, wie man die Deutschen überlisten tonn, um Begriffs­bestimmungen für Angriffs- und Derteidigungs- woffen, für Rüstungskontrollen und Sicherheit aus» findig zu machen, uns Deutsche interessiert nur die eine Frage, wird man uns endlich die volle Gleich- berechligung zugestehen und uns das gleiche Jtecyi auf Sicherheit gewahren, das die Franzofen, die doch bis an die Zahne bewaffnet sind, für sich allem beanspruchen? Wird man uns endlich das gleiche Recht gewahren, wie den kleinen Trabanten von Frankreichs Gnaden, die hochgerustet uns um­lagern?

Greifen wir aus den Rüstungen unserer Nach­barn nur einmal e i n Gebiet heraus, d i e L u s t - streitkräfte. 3n dem berüchtigten Bersinller Diktat stehen bezüglich der Luftwaffen im Art. 198 die beiden lapidaren Sätze: ..Die bewaffnete Macht Deutschlands darf keine Land- oder Marmestrelt- krittle um affen". Und der andere satz lautet:Stein Lenkluftschiss darf unterhalten werden." sehen wir um uns, so stellen wir fest, daß dem in der Luft- fahrt vollkommen abgerüsteten Deutschland wir haben nicht ein einziges Kriegsflugzeua und kern irgendwie kriegsverwendungsfahiges Luftschiss Tausende und aber Tausende von Stampf-, Jagd- und Bombenflugzeugen startbereit gegenüberstehen, die nur eines Winkes bedürfen, um über uns her- zufallen und unsere Städte und Dörfer zu ver­nichten.

Sollte man uns in Genf die Gleichberechtigung in der Aufrüstung zugestehen, bann taucht für uns u. a. auch die Frage auf, welche Rolle werden die Zeppelinlustschiffe hierbei spielen? Um diese Frage beantworten zu können, müssen wir kurz auf die Entwicklung eingehen, die dieser Zweig der Luftsahrt vor und im Krieg genommen hat.

Es steht wohl einwandfrei fest, daß Graf Zeppelin dem deutschen Volk in erster Linie ein brauchbares Kriegswerkzeug in die Hand geben wollte. Gerade die Militärbehörde war es aber, die der Einführung der Zeppelinluftschiffe in den Rahmen der Landesverteidigung den größten Widerstand entgegensetzte. Erst als im Jahre 1908 die Bedingung einer 24ftünbigen ununterbrochenen Probefahrt erfüllt war, sagte bas Kriegsministe- rium seine Unterstützung zu. Daß bas Luftschiff nach dieser Probefahrt infolge eines Gewitterstur­mes am 4. 8. 1908 bei Echterdingen verunglückte, ist wohl noch in aller Erinnerung.

Wie haben sich nun im Krieg die Luftschiffe bewährt und welche Lehren können wir hieraus für die Zukunft ziehen? 3m Jahre 1914 standen unserer Heeres- und Marineverwaltung 6 Zeppelin-

die wie Amerika und Japan große freie Meere vor ihren Grenzen liegen haben.

Der Voriprung, den wir Deutsche in unteren Popelinen genießen, liegt auf dem Gebiete des völkerverbindenden, friedlichen Verkehrs und den wollen und werden wir bebalten. Es ist doch eine eigenartige Erscheinung, daß bisher kein Volk der Erde aus eigener Strart es fertig gebracht hat, brauchbare Lenkluftschifte nach der Art unserer Zeppeline zu bauen und zu fuhren. Als. einige Jahre vor dem Krieg ein Zeppelinlufrichiff eine Notlandung in der Nahe von LunSoille in Frank­reich machen mußte, und der französische Chauvinis- mus in Hellen Flammen ausloderte, weil ein beut- sches Luftschiff es gewagt hatte, den heiligen Boden Frankreichs zu berühren, da stürzten alle Photo- graphen. Techniker, Militärs auf das Schiff, um alle feine Teile zu photographieren und zu messen,

|a Proben von ihnen zu nehmen. Dr. Eckener, dem der Schreiber dieser Zeilen seine Bedenken dar­über äußerte, sagte mit der ihm eigenen Ruhe: Lassen Sie mal die Franzosen ruhig machen, was sie wollen, sie können uns das ganze Ding adgucken, bauen und führen können sie teins". Und er hat recht behalten.

Rückblickend müffen wir sestttellen, daß. wenn wir bei Kriegsbeginn, wo die Abwehrmahnahmen der Feinde noch in den Kinderschuhen steckten, eine größere Anzahl Zeppeline und auch eine größere Anzahl U-Boote gehabt, und diese sofort rücksichts- los eingesetzt hätten, der Krieg vielleicht eine andere Wendung genommen hätte. Wir haben die Warfen, die uns deutscher Erfindergeist und deutsche Kon­strukteure in die Hand gegeben hatten, nicht ge- nirgend ausgenutzt.

Schuld oder Schicksal? L. G.

Zweieinhalb Tausend Kilometer durch die Wüste.

Frankreichs Saharabahn erschließt

Zu den größten Kolonialplänen der Gegenwart gehört dieTranssaharien", die Saharabahn, die vom Kulturgebiet Algeriens nach dem Halb­kulturgebiet bei Timbuktu am Niger die Wüste durchschneiden und bas französische Westafrika mit den französischen Kolonialländern Algier, Marokko, Tunis verbinden soll. Es gilt, bas größte Wüsten­gebiet auf Erden zu durchqueren, rund 2300 Kilo­meter, von Norden nach Süden gemessen. Man darf sich unter diesem Teil der Sahara, der hierbei in Frage kommt, keine glatte und platte Sandwüste vorstellen. Vielmehr ist die Wüste, ein Hochland von 600 Metern, von größter landschaftlicher Man­nigfaltigkeit. Hochketten bis 1200 Meter Höhe stei­nen empor, dazwischen Ebenen mit Steinen und Geröll. Sanddünen, ausgetrockneter Seen und Sümpfe, Reste von Salzbildungen ehemaliger Meere, aber auch Becken mit Lehmboden und Quellen, wodurch die fruchtbaren Oasen entstehen. 3m allgemeinen ist die Wüste regenlos und wasser­arm, nur spärlich bewachsen, sehr dünn bevölkert, in weiten Teilen wegen Hitze und Wassermangels kaum betretbar, wennschon in hohen Lagen im Winter und bei Nacht empfindliche Kälte herrscht.

Seit 1872 hat Frankreich die Wüste als sein Eigentum erklärt und nach der Unterwerfung der westafrikanischen Negerländer und Marokkos ein ungeheures Reich geschaffen. Die uralten Kara­wanenstraßen von Marokko und Algier nach dem Nordpunkte Timbuktu am Niger und von Tunis nach dem Tschadsee sollen nunmehr durch den Bau einer Zentralbahn ersetzt werben. Die Legung von Kraftwagenlinien hat sich als nicht lohnend erwiesen, der Luftverkehr dient nur der

das Menschenreservoir Westasrilaö.

Post. Der Zweck des Bahnbaues ist ein dreifacher:

1. in militärisch-strategischer Hinsicht sollen b i e schwarzen Truppen aus Senegambien, bem Niger- und Tschadgebiet auf schnellstem Wege nach den Einschiffungshäfen am Mittel­meer gebracht, um von dort nach Marseille- Toulon überführt zu werben, woburch binnen einer Woche ein Transport vom Niger nach 6übfront« reich gelangen kann:

2. in handelspolitischer Beziehung zum Waren­austausch 3nnerafrifas mit Frankreich und um­gekehrt;

3. zur Ueberwachung der Sa Hara selb st, vor allem burch Deffnung unterirbischer Wasser­adern, die festgestellt sein sollen und eine Kette neuer, großer Oasen erschließen könnten. Die Linie steht fest: Colomb-Bechar an der algerisch-marok­kanischen Südgrenze 3n Salah Timbuktu. Die Gelder, zunächst 1,5 Milliarden Franken, sind bewilligt. Die Bauzeit ist auf drei Fahre berechnet.

Sehr schwierig ist die Arbeiterbe schas- f u ng. Frankreich ist menschenarm, auch wird sich der Franzose zur härtesten Arbeit in mörderischem Klima nicht hergeben. Die Wüste hat so gut wie gar keine eingesessene Bevölkerung, die Neger vom Senegal, Niger, Tschadsee, Kongo sind faule, schlechte Arbeiter. Somit rechnet Frankreich ganz offen mit der ungeheuren Arbeiterschar Euro­pas, leider nicht an letzter Stelle Deutsch­lands, aus bem es die Arbeitssklaven zu schöp- I fen hofft. Auch bie Frembenlegion unb beren entlassene Solbaten sollen helfen ein betrüben» bes Bild! Werben sich Frankreichs hochgespannte I Hoffnungen erfüllen? F. 3.

lufkschisfe unb 4 Luftschiffe anderer Konstrukttonen Jur Verfügung. Während des Krieges wurden für as Landhcer 50 Luftschiffe in Dienst gestellt, von denen 25 verloren gingen, davon 17 durch feindliche Einwirkung. Die Marine hatte im Laufe des Krieges 69 Zeppeline, 9 Schütte-Lanz, 3 Parsivale und 1 M.-Luftschiff, zusammen 78 Luft­schiffe in Dienst, davon sind 6 als Schul- unb Spezialschiffe in Abzug zu bringen, die keine krie­gerische Verwendung fanden. Don diesen Marine- luft'chiffen gingen während bes Krieges verloren: 26 burch feindliche Einwirkung, 14 durch Unwetter, 12 durch Brand unb Explosion, zusammen 52, bann Snb 28 mit ihren Besatzungen zugrunde gegangen.

süßer Dienst gestellt wurden 17 Luftschiffe, da ver­altet. so baß am Tage bes Waffenstillstandes nur noch 9 Luftschiffe bei der Marine im Dienst stan­den. Die rein zahlenmäßige Gegenüberstellung zeigt schon, daß die Luftschiffe überwiegend im Seekrieg Verwendung fanden.

Es ist hier nicht der Platz, all die hervorragen­den Einzeltaten der Luftschiffe im Land- unb See­krieg hervorzuheben unb bie gewaltigen moralischen Wirkungen zu schildern, die bie Luftangriffe auf Lüttich, Lonbon, Paris, Brest-Litowsk uh»., auf un­sere Geaner ausübten. Der Zweck bie,er Ausfüh- rungen soll sein, ganz nüchtern ben Wert der Luit- schiffe als Kriegswaffe für die Zukunft auf Grund her Erfahrungen bes Weltkriegs zu untersuchen.

Und ba muß man unumwunden zugeben, baß, obwohl im Laufe bes Krieges d>e Leistungsfähig- feit der Luftschiffe immer mehr gesteigert würbe, ihre Schnelligkeit, Wendigkeit unb Steighöhe Zu­nahmen (non 2000 Meter bei Beginn bes Krieges aus 7000 Meter am Endes, anderseits aber auch die feindlichen Abwehrmahnahmen in ihrer Wirkung vervollkommnet wurden Sowohl die Flugabwehr» geichiitze erhöhten ihre Leistungen, als auch bie Meinen, flinken unb wendigen Jagdflugzeuge. Ihre Phosphorbomben wurden den mit brennbarem Gas gefüllten unb Benzin belabenen Luftschiffen immer gefährlicher. Auch der Akttonsradius der Flugzeuge würbe durch die Flugzeugmutterschiffe ständig er­hobt.

50 fam es, daß unsere Luftschiffe trotz beraum berungsroürblger Einzetteistungen in zunehmendem Tlahe an Bedeutung für bie Kriegsführung ver- loren. lie Luftschiffe bes Landheeres konnten schon nach den ersten Kriegsmonaten lagfahrten nicht mehr unternehmen. Sie mußten ihre Tätigkeit auf mondscheinlos« Nächte beschränken, wodurch sie nicht mc!lr m *e f^iegiiche Aufklärung, sondern mir nod) Jur Bombenabwürfe in Frage kamen. Schon um die Jahreswende 1916 17 trat eine erhebliche n ber lm Die,rste bes Landheeres tätigen

Luftschiffe em und ab Juni 1917 wurde ihre lätig- feu an den Kampffronten ganz eingestellt.

Die Tätigkeit ber Marineluftschiffe war von län­gerer Dauer, wie die obengenannten Zahlen de- weifen Hier wurden in Aufklärung unb Angriff außerordentliche Leistungen vollbracht.

Und ttotzdem, die 3eppelinluftichiffe werden für uns Deutsche als wirkungsvolle Kriegswaffe nur noch in ganz be'chränktem Maße zur Verwendung kommen können Selbst wenn man auch auf diesem Gebiet noch weitere Verbesierungen erzielen wird S B. in ber Verwendung des nicht brennbaren JSe- lium Gases (bas wir zur Zeit noch nicht in ge- nügenber Menge Herstellen könnens in der Dennern düng von Rohölmotoren an Stelle ber Benzin- mrtore. so wird doch die Bedeutting der Lufttchlste auch ab Aufklärungswaf'e deshalb nicht mehr <0 auzschlaggebend sein weil Nord- unb Ostfee ui Hein sind. Luftschiffe müssen zur Sicherung und ?iu:- klärung weite Mecresstrecken vor (ich haben wirb man sagen müssen daß die L'-'^ch > c a> Kriegswaffe mehr den Staaten z

Rote Armee und roter Mitarismus.

Der Vizepräsident der französisch-russischen Kommission 3von Delbos berichtet in seinem BuchDas rote Experiment" über seine Erfahrungen in ber Sowjetunion. 3n berFrance militaire" erschien darüber fol­gender auch für deutsche Leser interessante Auszug.

Die Armee unb die militärische Vorbereitung spielen in ber Sowjet-Republik eine gewaltige Rolle. Es gilt dies nicht nur für Moskau unb Leningrab. 3n allen Stäbten fanben wir gutausfehenbe, raohlausgerüstete und disziplinierte Soldaten. UeberaU sahen wir Ausbildungslager, in denen Männer, Frauen und.Kinder geschult wurden. Zur Begründung dieser mili-

Oie Pflicht der Andern zur Abrüstung.

Frankreich hat wie alle IKitglleber des Völker­bundes, die Pflicht, seine Rüstungen zu beschränken. Diese Verpflichtung enthält das völkerbunbsstalut in seinem Artikel 8 in zweifelloser Form. Dieser Text verpflichtet uns, ebenso kategorisch, wie dies Deutsch­land durch bie Bestimmungen des Friedensvertra- ge» auferlegt wurde, unsere Rüstungen herabzu­sehen. hüten wir uns, wenn wir unsere Verpflich­tungen nicht hatten können ober nicht hatten wollen; denn andere könnten in unserer Haltung ben Vor­wand finden, sich von ihren Verpflichtungen zu be­freien.

Pierre Lot, franz. Luftfahrtminister (1930).

Dir haben nicht nur einmal, sondern zu wieder­holten Malen die Verpflichtung übernommen, bie Rüstungen der im Weltkrieg siegreichen Staaten herabzusehen. Ls ist dies die Ergänzung zu ber Abrüstung, bie wir unseren früheren Gegnern zur Pflicht gemacht haben. Wir werden jedes vertrauen in internationale Verpflichtungen zerstören, wenn wir unsere Versprechungen nicht erfüllen.

Lord Cecil, englischer Vökerbundsdclegierter (1930).

torischen Anstrengung führen bie leitenden Shreife dieweiße Gefahr" an. Wahrscheinlich wird lndessen ein japanischer Angriff noch mehr befürchtet. Vergessen wir auch nicht, daß Diktaturen einer Prätorianergarde bedürfen.

Die D i e n ft p 11 i d) t beträgt zwei Fahre bei der 3nfanteric; bet anderen Waffen bis zu drei 3abren. Die gesamte Wehrpflicht dauert vom 19. bis 40. Lebensjahre. Die Wehrpflicht wirb nicht ganz durchgesubrt, weil der Friedensskand sonst zu hoch wurde Der Durchschnitt einer 3ahresflaffe be­trägt 1 200 000 Mann. Man trifft daher eine scharfe Auslese nach körperlicher Eignung, Bildungsgrad und politischer Verläßlichkeit. Wer nicht die vollen Bürgerrechte genießt, darf auch nicht dienen. Diese Befreiung wird keineswegs als Vorteil empfunden weil in Rußland große Begeisterung für den Heeres» btenft herrscht. Der Soldat erfreut sich besonderen Ansehens

Die Gesamtstärke beträgt 560000 Mann ' 0 000 Man.: im Fernen Offen find noch hrnzuzrn redven Dazu kommen noch ein- bis zweimonatige Referveubungen 'emer ist noch die Territo­rialarmee ober Miliz hinzuzuzahlen. Sie um­

faßt jährlich 200 000 Rekruten. Sie sind zu fünf­jähriger Dienstpflicht verpflichtet. Während bes ersten 3ahres wird drei Monate lang Dienst ge­tan; in ben vier folgenben Fahren ist bie Dienst» zeit verschieden.

Dazu kommt ferner die weitgehendste unb gründ­lichste vormilitärische Ausbildung, die man sich denken kann. Die Hebungen sind in allen Schulen, auch In den Grundschulen, Pflichtfach. Sie steigern sich zu einer Art Dienstzeit für die jungen Leute zwischen 19 und 21 Fahren. Neben dieser allgemein vorgeschriebenen Ausbildung gibt es noch mächtige freiroiUige Organisationen. Sie zählen 12 Millionen Mitglieder beiderlei Geschlechts mit 16 000 Schützenoereinen unb 30 000 Ausbildungs» schulen. Flugwesen und Gasschutz werden besonders gepflegt. Die Moral dieser Organisationen wird durch eine entsprechende anfeuernde Literatur auf der Höhe gehalten.

Die Unteroffiziere ergänzen sich aus der Mannschaft. Die Offiziere gehen aus drei­jährigen Waffenschulen, für die eine gewisse Vor­bildung verlangt wird, hervor. Die Stabsoffi­ziere werden in dreijährigen Akademien weiter- gebilbet. Die Rekrutierung erfolgt länderweise. Die Kommanbosprache ist bie jeweilige Muttersprache. Alle Armeen unterstehen aber bem einen Kriegs- kommissar in Moskau. Die Disziplin ist sehr gut. Den Befehlen wirb blinb gehorcht. Die Strafen sind vor allem moralischer Art.

Die Herstellung von Kriegsgerät wurde bei Aufstellung des Fünfjahresplanes be­sonders berücksichtigt. Stalin hat in seinem Bericht vom Sanuar 1933 erklärt, daß Sowjet-Rußland jetzt imstande sei, alle Arten von Kriegs- Werkzeugen in großen Mengen herzu- stellen. Wenn wir hinzufügen, daß sich die Kriegs­marine entwickelt, unb daß bie Vorbereitungen für ben chemischen unb für ben Luft­krieg eifrig gefördert werden, kommen wir zu dem Schluß, daß die Sowjet-Republik eine Mili­tärmacht ist, die man sehr zu Unrecht unterschätzen würde. Es gibt auf der Wett kein Volk, das mehr militarisiert wäre.

Dieser Militarismus zeigt sich auch in der be­vorzugten Stellung ber Soldaten unb besonders der Offiziere. Sie bilden einen Stand für sich und mischen sich nicht unter bas Zioilpubli- fum. Sie nehmen bie besten Plätze in ben Eisen­bahnen unb den Badeanstalten ein. Noch bedeut­samer ist die rege Propaganda, die durch bie Presse, durch Plakate, durch Theateraufführungen unb Lichtspiele die Armee in Stimmung bringt. Sie entzünbet eine Vaterlandsliebe, bie zugleich bolschewistisch unb russisch ist.

Die Sowjets haben die asiatische Außenpolitik ber Zaren wieder aufgenommen. Sie sind nicht weniger stolz auf bie Ausdehnung unb bie Bevölke­rungszahl ihres Reiches wie auf die Überlegen­heit. bie sie ihrer politischen Lehre zufchreiden.

Währenb unseres Aufenthaltes in Moskau spielte man bos StückDie letzte Entfcheibung". Das Stück behanbelt ben Angriff Europas auf Sowjetruhlanb. Dazwischen wurden Film­streifen von oorbeimarfdjierenben roten Truppen aezeigt. Sie fanden frenetischen Beifall. Am Schluß forderte ein Schauspieler bie erste, Zweite unb britte Wehrpflichtklasse auf, sich nach- einanber zu erheben, um damit ihre Kriegsbereit- fchaft zu bekunden. Ganze Reihen von Zuschauern f'anben mit einem Ruck auß Dann spendete ber aanK Saal bem Gedanken bes Massenaufgebotes stehend Beifall.

SeuieiflWe Panzerwagen.

I.

Die Entwicklung ber Waffen seit frühesten Zeiten ist abschnittsweise bedingt gewesen durch den Einsatz neuer Kampfmittel in einem Kriege. 3mmer ver­suchte ein Gegner den Feind burch neuartige bisher geheim gehaltene Kampfmittel unb Kampfarten zu überraschen, somit zu verwirren unb Jo ben eigenen Waffen ben Vorteil zu verschaffen. Sv war es bet ben Elefanten Hannibals, der geöffneten Ordnung Napoleons unb so ist es Noch heute. Besonders charse Einschnitte hinterließ in neuester Zeit in bie- er Beziehung die Erfindung des Verbrennungs­motors.

Militärisch ist heute ber Panzerwagen die wohl am meisten umstrittene Waffe, über die maßgebende Kriegserfahrungen nicht vorliegen können, weil auf deutscher Seite diese Waffe so gut wie ganz fehlte, anderseits aber die Abwehrmittel im Weltkrieg so

Deutschland gewinnt seine Handlungsfreiheit wieder!

Entweder tritt die Verpflichtung zur Rüstung*- Minderung für alle Völker, bas unsere eiubeg.issen, ein ober jebes gewinnt feine haublungssreihett und wir befinden uns wieder In der Situation, aus der der Krieg hervorging. 3n diesem Sinne gibt es kein besseres Mittel für bie Garantie ber Sicherheit Frankreichs als schnell zu einer allgemeinen Rn- stungsvermlnderung unb Rüstungskontrolle zu ge­langen. wenn bie Abrüstungskonferenz scheiterte, würbe sich Deutschland feine Freiheit wieder- nehmen. Pierre Lot, franz. Luftfahrtminlster (1931),

wenn Deutschland :etjt aufrüsten würde, so wür­ben die Rattonen, die den Vertrag aufgesetzt haben, kein moralisches Recht haben, Einwendungen zu er­heben. G.w. Barnes, ehern, englischer Minister,

Deutschland hat nach den Regeln des Versailler Vertrages abgerüstet. Aber diese Abrüstung sollt! die Einleitung ber allgemeinen Abrüstung sein, haben wir rechtliche Griinbe, Deutschland an bet- Wiedereinführung ber allgemeinen Wehrpflicht zu Hinbern, wenn die anderen Völker sich nicht an die kontraktliche Verpflichtung von 1919 halten?

Pierre Lot, franz. Luftfahrtminister.

orimitiv waren, daß sich eine einwandfreie brauch- oare Erfahrung nicht bilden konnte.

Bei ben Panzerwagen von heute muffen wir unterscheiden zwischen 1. Aufklörungs- und Trans­portfahrzeugen, bie als Straßen-Panzer» f r a f t ro a g e n bezeichnet werden, und 2. solchen, die lediglich Kampfzwecken dienen, und Tanks ober Kampfwagen genannt werben. Die ersteren unterscheiden sich hauptsächlich von den letztgenannten dadurch, daß sie, wie der Name sagt, vornehmlich auf Straßen fahren sollen. Dabei aber müssen sie eine gewisse Geländegängigkeit haben, um allen Eventualitäten, Ausweichen von Hindernissen, Ver­lassen stark beschossener Straßen usw. begegnen zu können.

Der Straßenpanzerkraftwagen ist ein gepanzertes und bestücktes Kraftfahrzeug, das auch heute noch fast ausschließlich auf Rädern läuft. Er hat die Auf­gabe ber Aufklärung unb Sicherung, sowie des Hal­tens ber Verbindung zwischen getrennt marschieren- ben Truppenteilen in unsicherer Gegend. Eine wei­tere Aufgabe besteht darin, entfernte wichtige Ge- länbepunfte ober 'Abschnitte in bie Hand zu nehmen ober Sprengaufträge auszuführen. Besonders wird er bei Verfolgung unb Rückzug Verwendung finben. Für diese Aufgaben braucht er große Geschwindig­keit, bie auch auf schlechten Wegen nicht wesentlich geringer werden darf. Heute fordert man 70 Kilo- meterftunben H ö ch st - und 30 bis 40 Kilometer- stunden Durchschnitts- Geschwindigkeit. Hohe Geschwindigkeit verleiht zugleich guten Schutz gegen Abwehrwaffen aller Art.

Weiterhin können bie Aufgaben nur erfüllt wer­den, wenn ber Fahrbereich, b. h., die ohne Betriebs- stoffnachfüllung erreichbare Fahrstrecke, möglichst groß ist. Man verlangt heute mindestens 300 Kilo­meter. Die Straßenpanzerkraftwagen müssen gleich schnell vorwärts unb rückwärts fahren ton­nen, ba Kehrtmachen meistens unmöglich ist. Bezüg­lich ber Geländegängigkeit muß ber Wagen befähigt fein, Straßengräben von 1,5 Meter Breite zu über­fahren unb Wasserläufe bis zu 0,75 Meter Tiefs zu burchqueren, sowie kurze Strecken durch das Ge­lände zu fahren, wobei allerdings die Geschwindig­keit nur eine geringe sein wird.

Diesen Anforderungen wird man teilweise gerecht durch Sechs-Rader-Wagen, teilweise durch Räder und eine wechselnd einzuschaltende Räder-Raupen- Kombination.

Weiter zu fordernde Punkte sind: Möglichkeit der Pflege unb Wartung bes Fahrzeuges ohne Ver­lassen desselben, unb Gasdichtigkeit. Kleinkalibrige Kanonen zur Abwehr gegen Panzerfahrzeuge unb zur Bekämpfung schwerer Hindernisse müssen ebenso vorhanden sein, wie Maschinengewehre zur Verwen­dung gegen lebende Ziele auf weitere Entfernungen. Schließlich braucht das Fahrzeug Maschinen pistoieck für den Kampf auf nahe (Entfernungen. Sprena. munition unb Handwaffen dürfen ebensowenig feh­len, wie Vorrichtungen zum Einsatz ber Maschinen­gewehre auch außerhalb bes Wagens. Schußrichtung muß nach allen Seiten (Drehturm) unb gute Beob- achlungsmöglichkeit (360 Grab) vorhanden fein.

Die fortschreitende Entwicklung der Nachrich­tenmittel hat in fremden Heeren gutes Gerät als Nachrichten- und Meldemittel heroorgebracht. Man begrüßt heute Gerät, das eine telephonische unb telegraphische fßerftänbigung auf weite Entfer­nungen zuläht, eine nicht zu unterschätzende Neue­rung, gestattet sie boch Meldungen ohne Zeitverlust durchzugeben unb neue Aufträge zu erhalten. Nicht vergessen werden dürfen schließlich Nachrichten­mittel zur Verständigung der Besatzung während der Fahrt unb im 3nnern mit außerhalb befindlichen Truppen (Sprachrohr, Lautsprecher).

Der Schuh aller dieser Erforbemisie geschieht durch Panzerung, bie gegen Znfanteriegeschosse jeder Art unb Artillerie-Sprengstücke sichert. Einen nuten Schutz bilden wegen des Abgleitens von Ge» ichosien abgeschrägte und abgerundete Flächen. Neu- zeitliche Ctraßenpanzerkraftraagen müssen schtteßlich ein möglichst kleines Ziel bieten, die Ungeheuer der ÄriegsfleÜ verschwinden allmählich. U