Ausgabe 
7.6.1933 Erstes Blatt
 
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Ein vaterländifcherRoman vonHansDietzke

Urheber-Rechtsschutz

durch Verlag Oskar Meister, Werdau.

16 Fortsetzung Nachdruck aerbotenl

Der Lärm der Glocke wächst unaufhörlich. Körper versuchen von draußen mit Gewalt die Tür zu er­brechen.

Ehe Döllnitz antworten kann, trifft der Professor die Entscheidung. Er wendet sich kurz an einen kräf­tigen, untersetzten Mann, dessen Bauerngesicht In­telligenz verrät.Hoffmann Sie bürgen mir da­für, daß Hauptmann Döllnitz unversehrt aus der Stadt kommt!"

Dann öffnet er leise die Tür des Zimmers und winkt den beiden, zum Hofausgang zu folgen. Im nächsten Augenblick schon hat der Beauftragte den Hauptmann aus einem Labyrinth von Gängen, Hintertüren und Höfen aus dem Bereich des Berger- schen Hauses gebracht.

Als endlich der Professor dem Kommissar Ram- beaur umständlich das Portal öffnet, ist es zu spät. In Hast durchsuchen die Spitzel zwar das ganze Haus vom Keller bis zum Dachgeschoß aber der Gesuchte bleibt verschwunden.

Rambeaux läßt zwei Beamte zurück, mit den an­deren wird er sofort eine Spuk aufnehmen, die am ehesten Erfolg verspricht. Er setzt alles auf eine Karte es ist die letzte Möglichkeit, dieses ver­dammten Kuriers habhaft zu werden der Schlag muß gelingen! Seine Parteigänger werden Döllnitz so lange als möglich zu verbergen suchen. Ram­beaux hat blitzschnell kombiniert. Die schriftliche Nachricht, die völlnitz heute abend nach Löbau auf­gesetzt hat und die durch den geheimen Beamten abgefangen wurde, bestärkt ihn in der Annahme, daß der Kurier zunächst im Schutze der Nacht noch Schloß Löbau aufsuchen wird. Es ist nicht das erste Mal, daß er dort unter falschem Namen, trotz der französischen Besatzung, als Gast des Ba­rons aufgetaucht ist, den Rambeaux ebenfalls längst im geheimen hochverräterischer Umtriebe bezichtigt. Jetzt heißt es schneller sein als dieser verfluchte Preuße man muß ihm den Weg abschneiden am besten, wenn man ihn auf Löbauer Gebiet faßt. Löbau steht noch immer im Befehlsbereich des fran­zösischen Oberkommandos in Glogau. Trotz des Haftbefehls, den alle offiziellen und geheimen mili­tärischen Stellen für diesen preußischen Kurier haben, ist es besser, ihn im Machtbereich der abso­luten französischen Gewalt abzufangen, als auf rein preußischem Gebiet, wo man sicherlich, -gerade im Augenblick unverkennbarer politischer Schwankun­gen, versuchen wird, dem Hochverräter den Hals zu retten. Diesen Preußen ist in den letzten Wochen,

trotz aller Versicherungen der leitenden Stellen und der fortgesetzten Hinweise auf das preußisch-fran­zösische Waffenbündnis, seit dem Pakt von Taurog­gen nicht mehr, zu trauen. Um so besser ist es, hier ein Exempel zu statuieren, das diesen verdrehten Gehirnen, die von Freiheit und Selbständigkeit un­ablässig die letzte Zeit zu faseln beginnen, mit allem notwendigen Nachdruck zeigt, wer Herr der Situation und des Landes ist. Daß weiterhin die tausend Pi­stolen Belohnung nur dann fieber sind, wenn der verhaßte Kurier nach französischem Recht unschäd­lich gemacht werden kann, ist eine Ueberlegung, die ein Ehrenmann wie Rambeaux nicht erst sonderlich zu überlegen braucht wofür schließlich liegt man seit Wochen auf der Lauer ...

Unter diesen Betrachtungen ist er mit seinen bei­den Beamten bei einem Fuhrhalter in den Hohen- gasse angekommen, der die Pferde stellen soll, mit denen man die Verfolgung aufnimmt.

Inzwischen hat Hauptmann Döllnitz mit seinem Begleiter unbehelligt die Mauern Breslaus ver­lassen. Kurz vor der Stadt liegt Hoffmanns kleine Wirtschaft. Hier hat Döllnitz schon des öfteren die Kurierpferde gewechselt. Während der Mann den Gaul aufzäumt, hat Döllnitz Zeit, sich für den be­vorstehenden Ritt sertigzumachen. Die letzte halbe Stunde hat Nerven und Schweiß gekostet. Im Lauf­schritt ging es durch nachtdunkle Gassen bis zum Markt und dann hieß es, ohne Aufsehen zu erregen, das Glogauer Tor gewinnen. Sein Begleiter kannte alle Schliche und sichersten Wege. Als man die Stadt hinter sich hatte, ging es wieder im Laufschritt, ab­seits von der großen Landstraße, dem Gehöft Hoff­manns zu. Die äußerste Gefahr war gebannt. Döll­nitz wußte fürs nächste nur einen Ausweg: Er mußte im Dunkel der Nacht Schloß Löbau erreichen dort wird man ihn verbergen, bis er wieder im Schutze einer Nacht bei anderen Parteigängern den gefährdeten Landkreis von Etappe zu Etappe ver­lassen kann.

Er prüft seine Pistole und geht nach dem Hof, wo eben Hoffmann mit einem sehnigen Rappen aus dem Stall kommt.

Sie werden zufrieden sein, Herr Hauptmann! Es ist mein bester Renner."

Döllnitz nimmt die Zügel und klopft dem Tier den Hals.Geben Sie Professor Berger so schnell wie möglich Bescheid, daß ich zunächst Schloß Löbau zu erreichen trachte. Ich werde von meinen weiteren Stationen Nachricht geben. Jedenfalls versuche ich, nach Ostpreußen zu gelangen."

Nehmen Sie den Weg rechts von der Sand­grube, Herr Hauptmann, und reiten Sie ruhig durch den Hohlweg. Es war bisher immer noch das sicher­ste. Im Wald haben Sie die beste Deckung."

Döllnitz sitzt auf. Der Rappe beginnt zu tänzeln. Hoffmann drückt des Hauptmanns Hand.Mit Gott! Sie werden Löbau heil erreichen!" Die Män­ner sehen sich noch einen Augenblick schweigend an. Dann gibt Döllnitz dem Pferd die Sporen. Hoff­

mann sieht dem Reiter nach, der allmählich feinen Blicken entschwindet. Er fühlt mit der Hand in die Luft: Es wird Schnee geben. Das ist gut wenn dem Hauptmann einer auf den Fersen sitzt, kann er ihm leichter entkommen im Schneegestöber.

Befriedigt schließt er die Stalltür, nimmt die La­terne und geht langsam in Gedanken auf das Wohn­haus zu.

Im Salon auf Schloß Löbau musiziert Haupt­mann ßcfeore nichtsahnend mit den Damen. Er ist glücklich, einen so angenehmen Abend, wie feit lan­gem nicht, verleben zu können. Sein ganzes Den­ken ist von Musik erfüllt. Er steht, die Geige griff­bereit in der Hand, auf feinen Einsatz wartend. Man spielt die Kreutzersonate von Beethoven. Ma­ria von Löbau begleitet auf dem Flügel. Auch sie ist ganz der Musik hingegeben. Mit aller Leiden­schaft gleiten ihre Hände über die elfenbeinernen Tasten, entlocken den klingenden Saiten letzte Schön­heiten, entzündet sich an dem beschwingten Spiel ihres Partners. Die Baronesse zwingt sich, die Angst des Augenbllckes einzuschließen in einen Wall von Tönen, die die geheimsten Tiefen ihrer Seele widerspiegeln. Nie hat sie diese Sonate so vollendet gespielt, nie ist sie dem geistigen Gehalt dieser heroi­schen Musik näher gewesen, als in diesem Augen- blick. Vergessenwollen, letzte schmerzliche Hingabe ist dieses Musizieren. Und die Geige unter den Händen Lefevres ist schwellend und süß in ihrem Ton, alle Tiefe und Tragik, alles Jauchzen und gravitätische Schreiten dieses meisterhaften Satzes nimmt restlos, rein und klingend. Gestalt an. Die Töne der zwei Instrumente verschmelzen zu letzter, erhabendster Form. Es ist der Augenblick, die Kraft der Seele, die den spielenden Händen solchen Ausdruck verleiht.

Jeanette sitzt tief in die Polster des Sessels zu- rückgelehnt, mit geschlossenen Augen dem Zauber der Töne lauschend. Ihre Züge haben eine zärtliche Verzückung, wie von etwas lang Entbehrtem. Es sind Minuten seligster Erinnerung. Alle Erregung der gefahrdrohenden Wirklichkeit ist verschwunden. Wie hatte sie gezittert vor dem ersten Zusammen­treffen, vor der Scheu fremder Herzen und der Angst, die aus Lüge geboren, sich hemmend zwischen das Handeln der Stunde stellen könnte. Wie schnell aber war dennoch alles verflogen, als die ersten Harmonien der Töne alles Trennende umstimmten zum einzigen Akkord des Verstehens. Das Eis ist gebrochen Ren6 wird nichts merken sein Füh­len und Denken ist angefüllt vom Schönheitsdurst des Augenblickes.

Die Musizierenden haben geendet. Klar und voll stehen die letzten verklingenden Töne im Raum. Hauptmann Lefevre legt die Geige aus der Hand und sieht still zu Maria, dann zu seiner Frau hin­über. Ihr bittender Blick lenkt ihn wieder zur Ba­ronesse, der er gern ein paar Artigkeiten sagen will, die ihm von Herzen kommen.

Ich habe in unserer Heimat oft diese Sonate

gespielt im Kreise meiner Freunde aber selten bin ich so hingebend begleitet worden."

Marias Blick lächelt nur zu Ren6. Jeanette wie­derholt das Kompliment für beide.Ihr habt köst­lich musiziert!" Und sie erhebt sich und streckt der Baronesse die Hände entgegen.

Danken wir es dem Meister dieser Töne", sagt Maria schlicht, und Lefevre vollendet ihren Ge­danken:Beethoven wird einstmals Deutschlands größter Musiker sein."

Jeannette hat vorsorglich einen Punsch bereiten lassen und aus ihren Vorräten Naschwerk beige- steuert und bittet nun lächelnd, mit vollendetem Takt, die eifrigen Musikanten zu einer Stärkung. Der Hauptmann ist ganz dem Zauber der Stunde verfallen. Er ist ganz Kavalier und Weltmann, der sich auf eine geistreiche Konversation versteht.

Jeanette ist froh, daß Rens so ganz ohne fühl­bare Zurückhaltung, ohne Argwohn sich gibt. Selten hat sie ihn in den letzten Wochen so aufgeschlossen gesehen. Sein ganzes Wesen blüht auf bei diesen Dingen, die ihn zutiefst erfüllen. Ein schmerzlicher Zug huscht über ihr Gesicht es ist schade, daß diese für Renö so schöne Stunde mit einem Schatten der Lüge behaftet ist.

Die Baronesse versucht krampfhaft ihrer nagen­den Unruhe Herr zu werden. Unablässig folgt sie der Unterhaltung und klammert sich mit Blicken und Fühlen an Jeannette. Sie ist froh, als sie ein neues Thema, das ihnen Gesprächsstoff bietet, gefunden haben.

Jeannette hat die Ueberraschung für ihren Mann bereit.Sie dürfen mir nicht böse sein, Baronesse, daß ich Ihnen vorgreife. Aber ehe wir es vergessen: Rens die Baronesse hat prachtvolle alte Hand­schriften in ihrer Bibliothek ..."

Der Hauptmann, der gerade fein Glas erhoben hat, um Maria zuzutrinken, stellt es mit einem gut gespielten Ausdruck des Gekränktseins auf den Tisch: Baronesse das höre ich jetzt erst? Er droht ihr lächelnd mit dem Finger.Da hätten S'^ sich ja bald einer bösen Unterlassungssünde schuldig ge­macht!"

Maria nimmt alle Kraft zusammen, um auf den scherzhaften Ton ihrer Gäste einzugehen.Ich konnte nicht wissen, Herr Hauptmann, daß Ihre Interessen so vielseitig sind", sie will ihm bewußt schmeicheln,aber ich glaube sicher, daß unser Bü­cherschatz eine Fundgrube für Sie sein wird. Der größte Teil her Handschriftensammlung stammt aus einem hier in der Nähe zu Ausgang des 15. Jahr­hunderts abgebrannten Kloster, dessen Bücher und Schriften meine Ahnen in das Schloß retteten." Bei diesen Worten erhebt sie sich, nimmt den großen Leuchter vom Tisch des Salons und bittet mit einer liebenswürdigen Geste ifjb zu folgen. Sie schlägt die schwere Portiere zurück, der Hauptmann nimmt ihr dabei den Leuchter ab, den Damen den Vortritt lassend in den dunklen, hohen Raum.

(Fortsetzung folc'

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Konkursverfahren.

Heber den Nachlaß des am 3. Januar 1933 verstorbenen Rechtsanwalts Paul Hornberger in Gießen wird heute am 6. Juni 1933, vormittags 11 Uhr, das Kon­kursverfahren eröffnet, da der gerichtlich bestellte Nachlaßpfleger auf Grund nach­gewiesener Ueberschutdung des Nachlasses die Eröffnung des Konkursverfahrens ge­mäß § 217 KO. beantragt hat. 3781D

Der Rechtsanwall Dr. Karl Krämer in Gießen, Frankfurter Straße 1, wird zum Konkursoerwaller ernannt.

Konkursforderungen sind bis zum2S.Iuni 1933 bei dem Gericht anzumelden.

Es wird zur Beschlußfassung über die Beibehaltung des ernannten oder die Wahl eines anderen Verwalters sowie über die Bestellung eines Gläubigerausschusses und eintretendenfalls über die im § 132 der Konkursordnung bezeichneten Gegenstände, ferner zur Prüfung der angemeldeten For­derungen auf

Mittwoch, den 5. 3uli 1933 vormittags 9 Uhr oor dem unterzeichneten Gerichte, Zimmer Nr. 204, Termin anberaumt.

2nien Personen, welche eine zur Kon­kursmasse gehörige Sache in Besitz haben oder zur Konkursmasse etwas schuldig sind, wird aufgegeben, nichts an den Gemein- Ichuldner zu verabfolgen oder zu leisten auch die Verpflichtung auferlegt, von dem Besitze der Sache und von den Forderun­gen, für welche sie aus der Sache abge­sonderte Befriedigung in Anspruch neh­men, dem Konkursverwalter bis zum 26. 2uni 1933 Airzeige zu machen.

Hessisches Amtsgericht in Gießen.

Donnerstag, den 8. 3uni 1933, nachmit- tags 2 Uhr, versteigere ich imLöwen", Neuenweg 28, dahier, zwangsweise gegen Barzahlung: 3785D

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Bekanntmachung.

Am 16. Juni 1933 findet eine Volks-, Berufs- und Betriebszählung statt, durch die die Gesamtzahl der Bevölkerung, ihre Gliederung nach Geschlecht, Alter, Fami­lienstand usw. ermittelt werden soll. Ge­zählt werden: 3775C

1. Die Bevölkerung durch Haushaltungs­listen. In die Listen sind alle zur Haus- hallung gehörigen Personen (einschließlich Zimmerabmieter) aufzunehmen.

2. Land- und forstwirtschaftliche Betriebe durch Haushaltungslisten (Seite 4), bei Bewirtschaftung von 5000 qm und mehr durch besondere Landwirtschaftskarten.

3. Gewerbebetriebe, in denen der In­haber ohne Personal tätig ist, durch die Haushaltungslisten (Seite 4), bei Mit­inhabern, Angestellten und Arbeitern durch besondere Gewerbekarten.

Jedes bebaute Grundstück wird außer­dem durch eine Grundstücksliste gezählt.

Die Pflicht der Eintragung in die Zähl­formulare liegt den haushattungsvorstän- den (als solche gelten auch einzeln lebende Personen mit besonderer Wohnung und eigener Hauswirtschaft) und Betriebs­inhabern oder deren Vertreter ob. Das Zählmaterial wird vom 9. Juni 1933 ab durch die Zähler verteilt. Es ist nach dem Stand vom 16. Juni 1933, nach den in den Vordrucken gegebenen Anweisungen zu beantworten. Vom 16. Juni 1933 mit­tags ab sind die Zählbogen zum Abholen bereitzuhalten. Wer sich weigert, die vor­geschriebenen Eintragungen in die Er­hebungspapiere zu machen, oder wissentlich wahrheitswidrige Angaben macht, wird mit Geldstrafe bis zu 150 RM. bestraft.

Es darf erwartet werden, daß die Be­völkerung durch gewissenhafte und sorg­fältige Ausfüllung der Zählbogen die Ar­beit der ehrenamtlich tätigen Zähler er­leichtern hilft. Es wird darauf hingewiesen, daß die Zählergebnisse nur statistische Unterlagen bilden und für steuerliche oder sonstige Zwecke keine Verwendung finden. Auskunft über die richtige Ausfüllung der Zählbogen, soweit dies aus dem Vordruck nicht schon ohne weiteres ersichtlich ist, wird im Stadthaus, Bergstraße 20 Zimmer ^r-12 erteilt werden. Dort wollen sich auch diejenigen Personen zur nachträg­lichen Eintragung melden, die durch irgend­welchen Umstand keine Zählpapiere zur Eintragung erhalten haben.

Gießen, den 7. Juni 1933.

Bürgermeisterei Gießen.

Der Gemeinde-^ählungskommissar.

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Gießen, den 6. Juni 1933.

Direktion der Städtischen Elektrizitätswerke, Ueberlandanlage und Straßenbahn.

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General-Versammlung a.Sonntag,11.Juni 1933, 9,10 Uhr, im Unterrichtszimmer des Oberbess. Bahn­hofs zu Gießen.

Tagesordnung: Gleichschaltung. Anfang pünktlich. Alle Genossen wer­den um ihr Erschei­nen ersucht. 3770D Gießen,6.Jum 1933

Der Vorsitzende des Aufsichtsrates:

Hedderich.