Ausgabe 
7.1.1933 Erstes Blatt
 
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del, die Frauen die fleincn Kinder durch Wochen, durch Monate (Sin Ese', um daZ biß- chen fahrender Habe zu tragen, ein Sajuokarcen, aus dem die gebrechlichen Alten sitzen, sind schon ein Stück Wohlstand. Irgendwo wird aclerbareS Land gesunden. Ein Loch in der Erde, ein Dach von dickem Kauliangstroh darüber, ein Kang, ein chinesischer Herd, gegen die Winterkälte darin auf­gemauert und das erste Heim ist fer- t i g. Im nächsten Jahr steht schon eine etwas bessere Hütte da; nach drei Jahren, nach fünf Jahren, ist es ein richtiges Bauerngehöft.

So wurde zuerst die Südmandschurei kolonisiert, so drangen die chinesischen Siedler weiter bis in die Mitte des Landes, so schieben sie ihre Vorposten jetzt schon bis in den Norden. Hnb so breiten sie sich allmählich über ein Gebiet aus, das grötzer ist als Deutschland. Ihre na­

türliche Vermehrung ist kräftig, tote überall, wo ein Chinese eine Familie gründet. Alles aber, was heute in der Mandschurei seinen Spaten in die Erde stöbt, seinen Psiug anseht, in Schöng- fing, in Kirin, am Liauho. am Nonni, am ©un- gar i, ist einmal durch die Pforte von Schanhaikwan gezogen. Und an dieses Tor klopfen jetzt mit Gewalt dieIapaner. Das ist gefährlich. China innerhalb der Mauer ist etwas Desonderes, nicht nur für das Ausland, sondern auch für die Chinesen selbst. Draußen ist Kolonialland. Heber feine staaisrechtl che Zu­gehörigkeit mag man streiten, drinnen aber ist oas alteLand der Fünfhundert Familien". Seit Jahrtausenden ist es chinesischer Heimat- hoben. Hier einbringen wollen, könnte die Cle­mente entfesseln!

Oie Kölner Zusammenkunft.

Oie presse orakelt weiter.

Berlin, 7. Jan. (ERB.) Die Morgenblätter beschäftigen sich auch heute noch eingehend mit der Unterredung Papen-Hitler und erörtern die von Popen und Hitler gemeinsam herausgegebene Er­klärung. In einer Reihe von Zeitungen wird be­richtet, dost Herr von Popen anfangs nächster Woche bei einem Besuch in Berlin dem Reichskanz - ler von Schleicher einen ausführ­lichen Bericht über die Kölner Besprechung und deren Vorgeschichte geben wird.

Das B. T. bezeichnet die gemeinsame Erklä­rung als ein Dementi gegen den Völki­schen Beobachter, der davon gesprochen hatte, daß Herr von Popen Hitler einiges über d i e Vorgeschichte des Kabinetts Schlei­cher erzählen wollte. Auch der Lokalanzeiger meint, dast mit dieser Erklärung alle Kombinatio­nen einschließlich des Völkischen Beobachters rich­tiggestellt seien, und sagt, man müsse annehmen, daß auch die Frage über die Vorgänge beim Sturz des Kabinetts Popen, die immerhin eine gewisse Beziehung zu dem jetzt amtierenden Reichskabinett haben würden, entgegen der Vermutung des Völ­kischen Beobachters nicht erörtert worden sei. Der Börsen-Kurier sagt, der Reichskanzler werde wohl kaum den Eindruck gewonnen haben, daß die hinter dem Kölner Bankhaus stehenden Inbuftriel- len bzw. deutschnationalen Kreise bei dem Versuch des Zusammenleimens der Harzburger Front es just aus die Stärkung des Kabinetts Schleicher ab­gesehen hätten. '

DieD A Z." fragt, ob es wirklich eine so ungeheuere Sensation sei, wenn bie Herren von Popen unb Hitler eine Aussprache gehabt hät­ten. Cs sei zu begrüßen, daß sich keiner

von beiden der Hnterrcbuna entzogen habe: allerdings sei nicht recht ersichtlich, wel­chen praktischen Erfolg biese Bemühun­gen um eine große nationale Einheitsfront eigent­lich hätten, denn einerseits sei Herr von Papen gegenwärtig ohne Amt unb könnte nur bas be­stätigen, was er im Sommer unb Herbst über bie Absichten bes Reichspräsidenten gesagt habe, unb andererseits dürfte Hitler positive Cntschei- düngen erst bann treffen können, wenn er b i e Folgen des Falles Straßer für bie eigene Partei enbgültig übersehe.

In einemSchluß mit der Hetze" überschrie­benen Artikel betont bieD e u ts ch e Z « i t u n g" (alldeutsch) zu der Unterredung Hitlers und Pa- Pens in Köln u. a.: Wenn sich zwei nationale Männer, die sich noch vor kurzem so scharf be­kämpft haben wie Hitler und Papen, zu einer ersten Aussprache über die Anbahnung einer großen nationalen Einheitsfront zusammengefun- ben hatten, so werbe sich jeder, bet den gegen­wärtigen Z u st a n b b e r nationalen Zerrissenheit a 18 nationales Un- glückempfindet, darüber nur aufrichtig freuen können, Hm so eigenartiger müsse es berühren, bah versucht werde, die uneigen­nützigen Bemühungen des Herrn von Papen zu diffamieren. Das Blatt nimmt an, baß auch Schleicher diese Hetze verurteile. Wenn es wirklich um die Sache und nicht um die Person gehe, werbe gewiß kein Verbrechen und keine Inkrigue darin erblickt werden, wenn man sich um bie Bildung einer nationalen Front bemühe, um einen zersetzenden Wahl­kampf durch Bildung einer Regierung der echten nationalen Sammlung zu vermeiden.

Industrie und Landwirtschaft.

Aus Kreisen her Deutschen Bauern­vereine. die inmitten derGrünen Front" die bäuerlichen Interessen vertreten hoben, erhalten wir die nachfolgenden interessan len Aeußerungen zur Verfügung gestellt.

Alle Länder sind heule durch den Weltverkehr irgendwie mit der übrigen Welt wirtschaftlich ver­bunden. Kein Land kann sich mehr wie vor 50 oder 100 Jahren aanz auf sich selbst beschränken. Daher ist auch kein Land, ob industriell oder agra­risch, wirtschaftlich, entwickelt oder rückständig, von der Weltwirtschaftskrise verschont geblieben. Die Vereinigten Staaten, die über fast unerschöpfliche Hilfsquellen verfügen, leiden un­ter ihr kaum weniger als das ausgebeutete, im wesentlichen auf seine Arbeitskraft angewiesene deutsche Volk. Sie ist eine der Hauptursachen der polnischen Unruhen in ben südamerikanischen Roh- stoffgebieten, und selbst in einem so eigenartigen, auf uralter Tradition beruhenden Lande wie Siam hot sie zu plötzlichen politischen Neuerungen ge­führt.

Aber doch sind ihre Erscheinungen und Auswir- Jungen überall außerordentlich verschieden. In einigen Ländern hat besonders die Arbeits­losigkeit einen die wirtschaftlichen und sozialen Grundlagen des Staatslebens bedrohenden Umfang erreicht. Von der Gesamtzahl der Arbeitslosen in der Welt, die, soweit sie mit einiger Zuverlässigkeit zu erfassen ist, vom Statistischen Reichsamt für Ende März 1932 auf 25,5 Millionen geschätzt wurde, ent­fallen allein 19 Millionen auf die Vereinigten Staaten, Großbritannien und Deutschland. Diese Länder, die während der Zeit der Hochkonjunktur stolz darauf waren, an der Spitze der technischen Zivilisation zu marschieren, lernen jetzt bie Kehr­seite der übersteigerten Jndustrie- ent Wicklung kennen. Während fest mit dem Heimatboden verwachsene Bauernoölker auch in den schwersten Notzeiten die Grundlage ihrer Arbeit und damit ihren inneren Halt nicht verlie­ren, sind bei den Jndustrieoölkern durch Verminderung der industriellen Arbeitsmöglichkeiten breite Schichten entwurzelt und bilden in ihrer Verzweiflung eine ernste Gefahr für die staatliche und gesellschaftliche Ordnung.

Ein Vergleich der Arbeitslosenziffern mit der Verteilung der Bevölkerung nach der Berufszuae- Hörigkeit in verschiedenen Ländern gibt einen lehr- reichen Einblick in die Zusammenhänge zwischen Arbeitslosigkeit unb Wirtschaftsstruktur. Es betragt in ben Ländern:

Erwerbstätige

in Land- und

in Industrie

Erwerbslose

Forstwirtsch.

und Handel

von her Gesamt- von der Gesamtzahl

beoölkerung

der Erwerbstätigen

v.H.

v. H.

v. H.

Deutschland

9,2

30,5

57,9

Der Staaten

8,6

26,7

50,1

Großbritannien 5,8

7,8

75,0

Niederlande

3,8

23,6

59,0

Dänemark

3,1

34,9

44,4

Italien

2,6

55,7

33,0

Frankreich

2,4

38,4

49,6

Die vorstehenden Ziffern über bie Artder Erwerbstätigkeit der Bevölkerung in ben genannten Länbern bieten zwar keinen absolut ge­nauen Maßstab für den Grab der Industrialisie- rung der betreffenden Länder. Es lassen sich aber doch auf Grand dieser Ziffern sehr deutlich drei große Gruppen unterscheiden.

Eine Gruppe bilden Deutschland, die Vereinigten Staaten unb Großbri­tannien. Das gemeinsame Kennzeichen bieser drei Länder ist ein besonders hoher Anteil der in Industrie, Handel unb Verkehr tätigen Bevölke­rung. In Großbritannien beträgt er (natürlich einschließlich der heute Arbeitslosen) 75 Prozent der Erwerbstätigen, in Deutschland und den Ver­einigten Staaten annähernd 60 Prozent. Diesem hohen Anteil der Industriebevölkerung entspricht auch ein besonders hoher Grad der Arbeitslosig­keit.

Eine zweite Gruppe bilden Frankreich und Italien. Diese Länder sind in viel schwä­cherem Maße inbustriealisiert als die vorher genannten und haben dementsprechend auch eine viel geringere Arbeitslosigkeit, die für Ende März 1932 für jedes Land auf etwa eine Mil­lion geschäht wird. In Italien ist nur un­gefähr ein Drittel der erwerbstätigen Be­völkerung in Industrie, Handel unb Verkehr be­schäftigt. Frankreich, ein Lanb mit außergewöhn­lich ausgeglichenen Verhältnissen, besitzt zwar in einigen Bezirken des Nordens und Ostens eine bedeutende Großindustrie. Diese hat aber bisher bie wirtschaftliche Struktur unb ben Cha­rakter bes französischen Volkes nicht wesentlich zu beeinflussen vermocht. In seinem Kem ist es ein Volk von Bauern unb Handwer­kern geblieben, das zwar in gewissen Spe­zialitäten der französischen Produktion eine ge­winnbringende Ausfuhr betreibt, aber in feinen wesentlichen Wirtschaftszweigen nicht vom Auslande abhängig ist.

Eine Mittelstellung zwischen diesen beiden Gruppen nehmen als dritte Gruppe Holland und Dänemark ein. Allerdings haben diese beiden Länder keineswegs die gleiche Wirtschafts­struktur. In Holland ist die Landwirtschaft erheb­lich geringer und die Industrie erheblich stärker vertreten als in Dänemark, weil es enger in den Weltverkehr verflochten ist und auch durch seinen Kolonialbesitz Absatz für Industriewaren hat. Aber sie haben das gemeinsam, daß sie ihre Landwirtschast aus die Ausfuhr um- gestellt haben und deshalb unter der Welt­agrarkrise besonders schwer leiden. Ihre Absah- losigkeit dürste daher wesentlich darauf zurückzu- führen fein, daß ihre Industrie, die unter nor­malen Verhältnissen die gegebenen Absatzmöglich­keiten nicht überschreitet, infolge der jetzigen Not­lage ihrer landwirtschaftlichen Abnehmer zu star­ken Einschränkungen gezwungen ist.

Wenn man die heutige industrielle Arbeits­losigkeit als die furchtbarste Folgeerscheinung der Weltwirtfchaftskrise ansehen kann, so sind die vorstehenden Betrachtungen von grundsätzlicher Bedeutung für die Beurteilung der Wirtschafts­politik der verschiedenen Völker. Sie zeigen, daß

unter den Ländern des europäisch-amerikanischen Kulturkreises diejenigen von dieser Geißel am wenigsten heimgesucht worden sind, die ein ge­sundes Gleichgewicht zwischen Land­wirtschaft und Industrie bewahrt und ihre Wirtschaft nicht unter die Herrschaft der Äuslandmärkte gebracht haben. Frankreich, das immer darauf bedacht gewesen ist, zu verhindern, daß die Industrie sich auf Kosten der Landwirt­schaft entwickelte, ist heute viel glücklicher und widerstandsfähiger, als z. B. die Vereinigten Staaten es sind, die bis zum Jahre 1929 in einem überschwenglichen Glauben an die unbegrenzten Entwicklungsmöglichkeiten der Industrie Millio­nen von Menschen vom Lande in die Stadt ab- wandern ließen und die in der Landwirtschaft fehlenden Arbeitskräfte durch eine außerordent­lich weit getriebene Mechanisierung der land­wirtschaftlichen Arbeit ersetzten. Auch in Deutsch­land hat lange Zeit eine ungesunde Prosperität der Industrie die Landflucht begünstigt. Diesen Fehler wieder gutzumachen, ist die schwierige Aufgabe, die es jetzt zu lösen gilt.

Amenla kündigt Kredite in polen. Warschau, 6. Ian. (TH.) Großes Aufsehen erregt hier die Tatsache, daß eine der größ­te n MaschinenfabrikenPolens,Lilpop, Rauh und Löwenstein, in Warschau, ihren An­gestellten und Beamten gekündigt hat. Auch den Arbeitern soll demnächst gekündigt werden. Diese Maßnahmen sind darauf zurückzuführen, daß das amerikanische Bankhaus Mel­lon die Kredite in einer Höhe von etwa 16 Millionen Dollar gekündigt hat. So­mit ist der seit fünf Jahren zwischen der Firma und dem Bankhaus Mellon laufende Vertrag gelöst. Durch diesen vernichtenden Schlag, den die Amerikaner gegen die Firma durch die plötz­liche Krcditentziehrlng geführt haben, was nicht zuletzt mit der Weigerung Polens, seine Schulden an Amerika zu zahlen, Zu­sammenhängen dürfte, wird gleichfalls auch in

nicht geringem Maße die polnische Eisen» bahngesellschaft betroffen, die dank der amerikanischen Kredite den größten Teil ihres Bedarfes an Waggons und Maschinen durch die Firma decken ließ. Da eine ernstliche Kredithilfe der Regierung oder der Staatsbank so gut wie aussichtslos erscheint, dürfte die Außerbe­triebsetzung der Fabrik in kurzer Zeit zu erwarten sein.

Oie Rechtsongleichung zwischen Deutschland und Oesterreich.

Berlin, 6. Jan. (WTB.) Am 30 Dezember 1932 ist in Wien ein Abkommen über die gegen­seitige Anerkennung der Konkurse und Vergleichsverfahren zwischen dem Deutschen Reich und Oesterreich unterzeichnet wor­den. Das Abkommen ist das erste dieser Art, das das Deutsche Reich geschlossen hat. Im Anschluß an die Arbeiten der Haager Privat­rechtskonferenz ist hiermit ein toei te r ec Schrittzur Rechtsangleichung zwischen den bei­den deutschen Staaten auf einem Gebiete getan worden, auf dem sich die Rechtsverschiedenheit für das Wirtschaftsleben besonders fühlbar macht.

Mehr als 6000 Amnestierte in Preußen aus der Hast ent affcn.

Berlin, 6. Ian. (CNB.) Die Gesamtzahl der auf Grund der Amnestie in Preußen aus der Haft entlassenen Gefangenen beträgt bis zum 4. Januar 6073. Im Kammergerichtsbe­zirk Berlin wurden 1013, in den Oberlandesge­richtsbezirken Breslau 727 Düsseldorf 599, Hamm (Wests.) 867, Köln 458, Königsberg 523, Naum­burg 522 entlassen. In den Bezirken der übrigen kleineren Strafvollzugsämter beläuft sie sich auf zusammen 1364. Damit sind die Amnestierungen der Haftfachen abgeschlossen. Die Zahl der Verfahren, die auf Grund der Amnestie eingestellt wurden, steht noch nicht fest.

Blinklicht statt Schranken.

Halt!

bei rotem Blinklicht oder nahendem Zuge

Bahn

Bei der Kreuzung der Provinzialstrahe Frankfu rt a. M. Darmstadt mit der eingleisigen Nebenbahn Duchschlag Sprendlingen Oberroden beim Bahn­hof Sprendlingen (Kreis Offenbach), durch eine ganze Reihe schwerer Hnglücksfälle einst die be- rüchtigste Kreuzung in weitem Hmkreise, hat sich die Einrichtung einer selbsttätigen Warnlichtan­lage bestens bewährt: die Serienunglücks- sälle haben vollkommen aufgehört. Weitere Blink­

lichtanlagen dieser Art im Rhein-Maingebiet sol­len folgen. In ganz Deutschland sollen vorerst etwa 100 Hebergänge mit Blinklicht statt Schran­ken versehen werden. Die Warnlichtanlage gibt fortgesetzt weihe Lichtsignale, sofern der Heber­gang gefahrlos zu passieren ist: beim Heran­nahen eines Zuges schaltet sich selbsttätig rotes Blinklicht ein, das doppelt so schnell wie das weiße blinkt.

Wandern und Herbergsbesuch.

In den Uebernachtungszahlen, die die Herberge zur Heimat, Hinter der Westanlage, auszuweisen hat, spiegelt sich ein Teil der steigenden Not, die in unserem Vaterlande herrscht. Junge und alte Menschen, ohne geregelten Erwerb, liegen auf der Landstraße, schlagen sich mehr schlecht als recht durch und kehren abends in den Herbergen ein, die ihnen für wenig Geld, oder wie es auch häufig geschehen muß, ohne Gegenleistung Unterkunft gewähren.

Im Jahre 1930 kehrten 15 575 Personen in der Herberge zur Heimat ein. Davon waren 6898 mit­tellos. Unter den Obdachsnchenden befanden sich 734 Jugendliche unter 18 Jahren. Im Jahre 1931 kehrten 16 532 Wanderer ein. 7501 waren mittel­los, 9031 konnten bezahlen. Die Zahl der Jugend­lichen stieg auf 923. Eine wesentliche Steigerung erfuhr die Zahl der die Herberge zur Heimat in Anspruch nehmenden Personen im Jahre 1932, in dem die Zahl auf 17 774 stieg. Der Prozentsatz der Mittellosen hat sich im vergangenen Jahre wesent­lich erhöht. 10 208 mußten sich einquartieren, ohne finanzielle Gegenleistung, nur 7566 konnten ihr Nachtlager bezahlen. Von der Gesamtzahl waren 1416 Jugendliche unter 20 Jahren Nach den bis­herigen Erfahrungen stieg immer im Winter die Zahl der Herbergsuchenden: das ist inzwischen etwas anders geworden. Die Besucherzahlen halten sich ungefähr die Waage. Jedenfalls ist die Zahl im Winter nicht wesentlich höher, als im Sommer. Biele von denen, die heute auf der Landstraße fein müssen und durch Singen, Musizieren und Hausie­ren einige Pfennige verdienen wollen, gehen im Winter wieder nach Hause.

Es ist sicherlich vielen nicht bekannt, daß es in der Gießener Herberbe zur Heimat keine Pritschen, Strohsäcke und ähnliches gibt, sondern daß jeder Nachtlagersuchende ein Bett bekommt. Den Wan­derern steht in der Herberge auch mancherlei Lek­

türe zur Verfügung, so daß sie sich in den Stunden ihres Gießener Aufenthaltes wohlfühlen können.

Zahlen vom Lande.

* Heuchelheim, 6.Ian. Die Auswirkung der schlechten Wirtschaftslage zeigt sich recht deut-' sich in der Zahl der obdachlosen, durch­reisenden Personen, die jetzt täg'ich von der Gemeinde eine nächtliche Hnterlunst begehren. Während in früheren Jahren nur wenige fah­rende Gesellen Herberge hier nahmen, ist ihre Zahl in den beiden letzten Jahren gewaltig ge­stiegen. Von 1927 bis 1930 bezogen jährlich weniger als 20 Personen in Heuchelheim Frei­quartier. 1931 waren es aber 269 Handwerks- burschen. 3m vorigen Jahre jedoch übernächtigten 1450 Leute in den Räumen auf dem Backhaus in der Marktstraße. Darunter befanden sich sechs' Kinder und 81 meist ledige, weibliche Personen. Hebertoiegend sind es Arbeiter und Handwerker, die um Nachtlager bitten. Während in den Som­mermonaten 70 bis 90 Personen beherbergt wur­den, wuchs die Zahl im Oktober auf 167, im No­vember auf 191 und im Dezember gar auf 302 Hnterkunftheischende an, also auf durschnittlich fast 10 Wandernde täglich. Die meisten davon sind im Westen, am Rhein und in den anliegenden Ge­genden beheimatet, nur wenige in Ost- und Nord­deutschland zu Hause. Nach diesen Zahlen kann sich jeder leicht eine Vorstellung über die Menge unserer Dollsgenossen machen, die heute ihr ßc- ben auf der Straße fristen.

Größte Ausstellung

Reparaturen,kampierte Anlagen;

Tnvenhvr -l/cr&uuf

BEGINN MONTAG DEN 9. JAN. Frankfurt^ goethe str.9.H