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6.12.1933 Zweites Blatt
 
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Ur. 2 6 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Vberhessen) Mittwoch, 6. Dezember (955

Aus der Provinzialhauptstadt

er habe es noch nie gesehen. In den Häusern ist freilich nirgends mehr Licht, und als er doch ver­sucht, an den Türen Hilfe für sein Tier zu erbitten, meint man in den dumpfen Schlafbutzen, daß sich jemand einen Scherz machen will, dreht sich auf die Seite und schläft weiter. Ist jemand vielleicht schon mit einem Esel durchs Moor gezogen, noch dazu in dunkler Nacht?

Beim zweiten und dritten Hause geht es dem Alten um nichts besser, aber im letzten, der kleinsten Kate, ist noch Licht, und als er dort an die Tür klopft, steckt eine junge Frau den Kopf heraus. Die hat am Abend eine frischmilchende Kuh bekommen und muß nun während der Nacht noch wieder mel­ken, wenn alles seine Richtigkeit kriegen soll.

As ihr der Alte nun seine Not mit dem Esel klagt, meint sie, daß es ein reisender Händler ist, der da draußen steht, läßt ihn darum nach dem er­sten Erschrecken über den späten Besuch auf die Diele sucht auch einen Hammer und ein paar Huf­nägel herbei, damit der Alte am Herde den Schaden notdürftig bessern kann, und hält ihm bei der un­gewohnten Arbeit die Laterne.

Froh über die Hilfe, klopft der Alte denn auch den Beschlag wieder fest, kühlt dem Esel das ge­schwollene Gelenk, will aber nicht wieder gehen, ohne sich in seiner Weise dankbar erzeigt zu haben, und fragt sie, womit er ihr eine Freude machen könne, er habe so vielerlei in seinen Säcken, daß sie nur zu wünschen brauche. .

Die junge Frau meint, daß es nur em Scherz ist, was der Alte da redet, bietet ihm eine Tasse warme Milch an und fragt, er komme wohl weit her, ganz von Bremen vielleicht?

Nein, ein Stück weiter noch", antwortet er und lächelt in seinen Bart.

Dann vielleicht gar von Hamburg?

Nun, er kann ihr das nicht so genau sagen, es ist ja auch nicht weiter wichtig, sie soll nur anfangen, sich etwas zu wünschen.

Ach, meint sie, nun will er mir etwas verkaufen, aber ich habe kein Geld und mag es ihm nicht ein­mal sagen. Dabei denkt sie an die Tasse auf dem Wandbord, und die paar Groschen, die sie darin ver- wahrt.

Der Alte aber, der ihre Gedanken errat, sagt ihr, daß sie sich keine Sorge machen soll, denn alles was er bei sich führe, habe er nur mitgenommen, um es au verschenken.

Aber das glaubt sie nun erst recht nicht nein, will ihn aber auch nicht kränken und steht nur und lächelt.

Da bleibt ihm denn nichts anderes, als einen seiner Säcke vor ihr aufzutun und sie hineinschauen zu lassen.

welche sich als Einzelmitglieder in die Arbeitsfront eingliedern, sich nicht in die NSBO., sondern in den Gesamtverband der deutschen Handwerker, Kaufleute und Gewerbe­treibende in der deutschen Arbeits­front, (GH G.) anzumelden haben, da diese Orga­nisation für sie zuständig ist. Die Geschäftsstelle be­findet sich für den Kreis Gießen, Gießen, Selters­weg 89, Telefon 3304.

ÄZe dmannsbrtte an arte Mitbürger.

Für jeden Naturfreund und Tierliebhaber dürfte die Belebung unserer heimischen Wälder und Fel­der mit dem herrlichen Fasan zur ungetrübten Freude gereichen. Leider hat die Kriegs- und Nach­kriegszeit unsere Fasanenbestände nicht nur in er­heblichem Maße vermindert, sondern stellenweise sogar gänzlich vernichtet.

Die Sorge der weidgerechten Jäger; allmählich neue Bestände zu schaffen und sie zu vermehren, sind nicht ohne Erfolg geblieben. So gilt u. a. augenblicklich bei der vorgenannten Art Jäger Gie­ßens und Umgegend das ungeschriebene Gesetz, die Hennen zu schonen und sich beim Abschuß der Hähne gewisse Beschränkung aufzuerlegen. Wenn trotzdem von einzelnen Jagdfreunden anders verfahren wird, so ist das ein Zeichen, daß das Gemeinschaftsge­fühl noch nicht überall auf der richtigen Höhe steht. Jedenfalls muß eine solche Handlungsweise scharf verurteilt werden.

In dem wohl mit am meisten von Spaziergängern Gießens besuchten Südgelände mit dem sich daran anschließenden Bergwerksgelände und -Wald hat sich der Fasanenbestand im letzten Jahre infolge weidgerechter Hege stark gehoben. Mancher Natur­liebhaber hat schon des Oefteren seine Freude über das buntere Bild Ausdruck verliehen.

Naturgemäß ist ein dauernder Erfolg nur dann gewährleistet, wenn auch seitens des Publikums die notwendige Rücksicht auf das Wild genommen und jede überflüssige Störung vermieden wird. Dazu ist erforderlich, daß die von Spaziergängern mit- geführten Hunde entsprechend den gesetzlichen Bestimmungen auf nichtöffentlichen Verbindungs­wegen an der Leine geführt werden, die Garten­besitzer und Anwohner ihren Katzen das verführe­rische Herumstrolchen im freien Gelände verwehren und die Jugend sich in dem zweifelsohne für Spiele teilweise idealen Gelände Beschränkung auferlegt.

Kock, Oberst a. D.

Werkmeister-Versammlung in Gießen.

In der am Sonntag nachmittag imHause der Arbeit" abgehaltenen Werkmeisterversammlung der Ortsgruppe Gießen sprach der Vorsitzende des hie­sigen Arbeitsamtes Dr. L i st überWirtschaftspo­litik und Arbeitsbeschaffung imDritten Reich". Der Redner zeigte an zahlreichen Beispielen, daß die nicht unerheblichen Aufwendungen für die in den Arbeitsprozeß wieder eingegliederten Volksgenossen nicht vergeudet, sondern in jeder Hinsicht fruchtbrin­gend angelegt gewesen sind. Mit besonderer Genug­tuung wurde vernommen, daß sich die Zahl der Ar­beitslosen schon soweit verringert habe, daß sie sich bereits dem Stande von 1929 zu nähern beginne. Dem gesteckten Ziele, alle Volksgenossen in abseh­barer Zeit wieder in Arbeit und Brot zu bringen, werde mit zäher Energie zugestrebt. Lebhafter Bei­fall und herzlicher Dank des Vorsitzenden wurde dem Redner für seine vortrefflichen Ausführungen zuteil. In dem anschließenden geschäftlichen Teil der Versammlung sprach der Vorsitzende Bartholo­mäus seine Befriedigung über das erhebende Er­gebnis der Volksabstimmung aus und forderte zu weiterer, strengster Pflichterfüllung innerhalb der Arbeitsfront auf, wozu nicht zuletzt der regelmäßige und pünktliche Besuch der Versammlungen der Ar­beitsfront gehöre. Da infolge der zahlenmäßigen, wie auch räumlichen Ausdehnung der Ortsgruppe Gießen eine Zelleneinteilung erforderlich war, wur­den vom Vorsitzenden Zellenobleute bestimmt. Nach

Oer Weihnachts- und Neujahrsverkehr bei der Post.

Die Deutsche Reichspost bittet, zur Vermeidung von Anhäufungen und Verzögerungen Weihnachts­sendungen (Postpakete, Postgüter und Päckchen) möglichst frühzeitig einzuliefern, sie gut zu ver-, packen, die Aufschrift haltbar anzubringen und den Bestimmungsort besonders groß und kräftig nieder­zuschreiben. Auf den Sendungen muß die'vollstän­dige Anschrift des Absenders angegeben werden. In Pakete und Postgüter muß ein Doppel der Auf­schrift gelegt werden, auch für Päckchen empfiehlt stch.dies, Hohlräume sind mit Holzwolle usw. aus- zusüllen, damit die Sendungen bei der Beförderung in Säcken und beim Stapeln nicht eingedrückt wer­den. Päckchen müssen deutlich alsBriefpäckchen" oderPäckchen" gekennzeichnet fein.

Während des Weihnachtsverkehrs einschl. 23. De­zember nehmen die Postanstalten nach Möglich­keit auch außerhalb der regelmäßigen Schalterstun­den Pakete und Postgüter ohne die besondere Ein- lieferungsgebühr von 20 Pf. an. Am Sonntag, 24. Dezember, wird der Post-, Telegraphen- und Fernsprechdienst bei den Postanstalten dem Ver- kehrsbedürfnis angepaßt und die Regelung des Schalter-, Briefkastenentleerungs- und Zustelldien­stes besonders bekanntgegeben.

Auch am Jahreswechsel wickelt sich der Postoer- kehr glatter ab, wenn die Neujahrsbriefsendungen frühzeitig eingeliefert und mit genauer Anschrift des Empfängers (Straße, Hausnummer, Gebäudeteil, Stockwerk, Postbezirk und Zustellanstalt) versehen werden. Durch die Angabe der Zustellpostanstalt auf den Briefsendungen nach Berlin und anderen Groß­städten wird die Aushändigung wesentlich beschleu­nigt. Dringend empfohlen wird auch, die Freimar­ken für Neujahrsbriefsendungen nicht erst am 30. und 31. Dezember, sondern früher einzukaufen, da­mit im Schalterverkehr keine Stockungen eintreten. Oie Verkaufssonntage vor Weihnachten

Auf Grund des § 105e der Gewerbeordnung und des Ausschreibens des Hessischen Staatsministeriums, Abteilung III (Arbeit und Wirtschaft) vom 31. Ok­tober 1933 ist folgendes angeordnet worden:

1. Am 10., 17. und 24. Dezember 1933 dürfen alle Verkaufsstellen offengehalten werden mit Ausnahme

2. der Verkaufsstellen folgender Branchen: Le­bensmittel, Spirituosen, Schokolade, Drogen, Blu­men, Papier- und Tabakwaren, für die die Offen» Haltung für 17., 24. und 31. Dezember 1933 gestattet wird.

3. Als Verkaufszeit wird die Zeit von 13 bis 18 Uhr festgesetzt. Gemäß Artikel 1 des Gesetzes über den Ladenschluß am 24. Dezember vom 13. De­zember 1929 dürfen Geschäfte am 24. Dezember nur bis 17 Uhr, Verkaufsstellen, die ausschließlich und überwiegend Lebensmittel, Genußmittel und Blu­men verkaufen, bis 18 Uhr offengehalten werden.

Verkauf von christlichen Symbolen.

Die NS.-Hago-Kreisarntsleitung Gießen hat be- kunntgegeben, daß im Hinblick auf die Einstellung weiter Bevölkerungskreise zum bevorstehenden Weih- nachtsfest alle nichtchristlichen Geschäftsinhaber er­sucht werden, bei Dekorationen oder Geschäftsre­klame die Verwendung christlicher Symbole zu unterlassen. Dasselbe gilt für den Verkauf christ­licher Kultgegenstände und Symbole durch nicht» christliche Geschäfte.

Handwerker, Kaufleute, Gewerbe­treibende und Arbeitsfront.

Um Mißverständnissen oorzubeugen. macht die Kreis-Amtsleitung der NS.-Hago und der GHG. nochmals ausdrücklich darauf aufmerksam, daß Handwerker, Kaufleute und Gewerbetreibende,

St. Nikolaus und sein Eset.

Von Wilhelm Gcharrelmann.

Zu der Zeit, als der gute St. Nikolaus noch all­jährlich in den Tagen vor Weihnachten mit seinem Eselchen durch die Dörfer und Städte zog, war er einmal in einer dunklen Dezembernacht zu einem der verlassensten Dörfer im Teufelsmoor unterwegs. Wie er dabei über den Berg nach Worpswede' und auf die geplasterte Dorfstraße kommt, merkt er, wie das Tier, das ihn schon auf so mancher Fahrt be­gleitete, auf einem Fuße lahmt, und wie er nach- schaut, was es damit für eine Bewandtnis hat, sieht er, daß sich eins der silbernen Hufeisen gelockert hat, die es trägt.

Wie er nun vor die Schmiede zieht, um den Scha­den wieder gutmachen zu lassen, liegt der Schmied zu der späten Stunde schon längst im Schlaf, will auch wegen einer solchen Kleinigkeit, und einem un­bekannten Laufkunden zuliebe, nicht wieder aus dem Bett, so daß der Alte unverrichteter Dinge weiter muß.

Besorgt um das Tier, das unter seinen Säcken lahm und müde hinter ihm hertrottet, achtet der Alte wenig auf den Weg, und kaum, daß er eine Viertelstunde weit ins Moor hinausgewandert ist, verirrt er sich dort in der rabenschwarzen Nacht so sehr, daß er zuletzt weder vorwärts noch rückwärts weiß.

Nun hat er wohl ein Laternchen bei sich gehabt, aber so hoch er es auch hebt, findet er sich doch in dem engen Lichtkreis nicht zurecht und kann hinter­her noch von Glück sagen, daß er nicht unversehens in einen Moorgraber geraten ist, der so breit und finster vor ihm liegt, daß ihm nichts anderes übrig hleibt, als daran entlang zu wandern und zu sehen, wohin er kommt.

Das wäre nun alles weiter nicht so schlimm ge­wesen, wenn nicht der Esel bei jedem Schritt in den weichen Moorgrund gesunken wäre und zuletzt fast nicht mehr weiter kann. Aber so einem Freuden­bringer wie dem Alten muß auch das Abwegigste noch irgendwie zum Guten geraten, und er wundert sich darum gar nicht, als er bald darauf ein leeres Lorfschiff auf dem Wasser liegen sieht. Zufrieden steigt er darin ein, zieht das erschöpfte Tier nach sich und beginnt in der Freude, seinem Weggenossen eine Ruhepause zu gönnen, den Graben hmunter- zufahren.

Nach einer traumstillen Fahrt, zuletzt über über­schwemmtes Land hinweg, kommt er so an einen Moordamm und in ein Dorf, das so weltverlassen unter dem Schein der Sterne liegt, daß er meint,

deren Bekanntgabe an die Mitglieder fand die Ver- sammlung mit einem dreifachenSieg-Heil" auf den Führer ihren Abschluß.

Taten für Mittwoch, 6.Dezember.

1834: Adolf Freiherr von Lützow, Führer bei Freischar 1812/13, in Berlin gestorben (geboren 1782); 1849: Generalfeldmarschall August von Mackensen in Hausleipnitz geboren; 1864: der Schriftsteller Rudolf (Straf' in Heidelberg geboren (gestorben 1928); 1892: Werner von Siemens, Erfinder der Dynamomaschine, gestorben.

touriiuiucn

Tageskalen derfürMittwoch: Stabt» theater, 19.30 Uhr bis 22 UhrDer Strom". Lichtspielhaus, Bahnhofstraße:Uwe Karsten". Astoria-Lichtspiele Seltersweg: 20.30 UhrWinter in Oberbayerns Bergen". Turmhaus am Brand, 16 bis 18.30 Uhr, Kunftaustellung. Deutsche Frauenkultur, Eaf6 Amend, 10 bis 20 Uhr, Weih­nachtsmesse, VHC., 20.30 Uhr, Hotel Hopfeld, Lichtbilder-Vortrag überEntwicklung der deutschen Schiffahrt" undOrientreise".

21 u s b e m Stadttheaterbüro wirb uns geschrieben: Heute 19,30 Uhr 9. Vorstellung im Mittwoch-Abonnement und zu gewöhnlichen Preisen das Drama:Der Strom" von Max Halbe. Spiel­leitung: Anton Neuhaus. Ende: 22 Uhr. Don­nerstag, 7. Dezember, Deutsche Bühne Reihe 1: Ungerade Mitgliedsnummern (1. Dezember-Vor­stellung) das Volksstück:Wenn der Hahn kräht" van August Hinrichs. Spielleitung: Anton Neu­haus. Spieldauer von 20 bis 22 Uhr.

Sepp Rackl-München, DSV.-Berufs- Skilehrer spricht am heutigen Mittwoch Abend in den Ästoria-Lichtspielen an Hand prächtiger Licht­bilder überWinter in Oberbayerns Bergen". Allen Freunden des schönen Skisports und allen, die ihren Urlaub in den schönen Winterspartplätzen Ober­bayern verleben wollen, sei der Vortrag empfohlen. Siehe gestrige Anzeige.

DHV., Ortsgruppe Gießen. Donners­tag, 7. Dezember, 20.15 Uhr, Pflichtmonatsversamm­lung im Cafe Leib. Es wird über das ThemaNa­tionalsozialistische Berufs- und Wirtschaftsgesin­nung" gesprochen. Erscheinen ist Pflicht.

*

** Die Sprech st unden des Kreisschul- a m t e s Gießen sind nunmehr wieder auf Mitt­woch von 9 bis 12 Uhr und 15 bis 17 Uhr fest­gesetzt worden.

** Die Gewäh'rung von Sachleistun­gen an Hilfsbedürftige und die Zulassung zur Annahme der Bedarfsdeckungsscheine B betrifft eine Bekanntmachung im gestrigen Anzeigenteil. Es sei besonders darauf aufmerksam gemacht.

** Nachahmenswertes Beispiel. Vom städtischen Wohlfahrtsamt wird uns mitgeteilt: Der Hausbesitzerverein e. V. Gießen hat angesichts der herrschenden Not dem Wohlfahrtsamt den Betrag von 120 Mark gespendet, der an 40 bedürftige Kleinrentner-Familien in Form von Gutscheinen gleichmäßig zu verteilen ist. Die Gutscheine sollen zum Bezug von Fleisch- und Wurstwaren bei hie­sigen Metzgermeistern berechtigen. Dem Spender sei für die hochherzige Gabe hierdurch herzlichst ge­dankt.

** Vorsicht beim Baumfällen. Vom Postamt Gießen wird uns mitgeteilt: In der Zeit des Baumfällens werden an den Straßen und in den Ortschaften die Reichs-Telegraphen- und Fern­sprechleitungen durch umstürzende Bäume oder durch herabfallende Aeste häufig beschädigt, weil die Personen, denen das Baumfällen obliegt, in der Re­gel die zur Sicherung der Telegraphenanlagen ge­gen Beschädigungen erforderlichen Vorkehrungen überhaupt nicht oder in ungenügendem Maße tref­fen und es unterlassen, von den bevorstehenden Ar­beiten der nächsten Postanstalt rechtzeitig Mitteilung zu machen. Da auch fahrlässige Beschädigung der Telegraphenanlagen im § 318 des Reichs-Strafgesetz­buches mit Strafe bedroht sind, wird den Baum- befitzern empfohlen, die nächste Postanstalt von der bevorstehenden Baumfällung so rechtzeitig zu be»

Aber so weihnachtlich ihr über dem Anblick auch wird und soviel Glanz sich vor ihr auftut, daß ihr fast der Atem darüber vergeht, es ist doch alles nicht das, was sie sich im stillen wünscht. Denn wenn sie es verlauten lassen darf, wäre ihr ein Kleidchen für ihr Kind und ein paar Schuhe, wenn es im kommenden Jahr nun laufen lernen wird, noch lieber als die schimmernde Herrlichkeit da vor ihren Augen.

Aber so große Dinge kann sie nicht erwarten, nein, und sie hat es nur so hingesagt, und er solle nur um Gotteswillen nicht denken, daß sie so un­bescheiden sei.

Aber der Alte lächelt nur und knüpft dafür nun den anderen Sack auf, ein richtiger Segeltuch­sack ist es gewesen, der jedes Wetter hat vertragen können, und nimmt heraus, was sie sich wünscht: ein Kleidchen, rot gewürfelt und mit einer silbernen Litze am Halsausschnitt, und ein paar Erstlings­schuhe aus blankem Leder und mit goldenen Knöp­fen, und legt ihr die Sachen hin, als müßte das so sein.

Ach, das träume ich ja bloß", sagt sie und weiß nicht, ob sie lachen ober meinen soll. Gibt es auch jemand, der bei dunkler Nacht stundenlang durchs Moor läuft, nur um den Leuten unter ihren Stroh­dächern etwas zu Weihnachten zu schenken? Und nun gar so schöne Dinge? Aber ansehen muß sie die Sachen wieder und wieder, und kann sich van dem Anblick so wenig trennen, daß sie sich erst ab­wendet, als der Kleine in der Wiege neben dem Herde zu meinen beginnt und sie ihn herausneh­men und an die Brust legen muß. Dann setzt sie sich auf den Binsenstuhl am Herde, und der Alte, der ihr zusieht, weiß nicht, ist es ein Glanz von innen her ober ist es nur ber Wiberschein bes Herd­feuers, der aus ihrem Gesichte erstrahlt? Aber mir er fo steht, kommt es rvie ein Erinnern über ihn, ein Erinnern an eine der Kammern feiner eroigen Heimat, in denen die Ereignisse ber Welt aufbe­wahrt werben, sowie die Himmlischen si-> sehen, und er kann nicht anders, er muß seinen Mantel, blau wie der nächtige Himmel über ber Hütte, ber jun­gen Frau über die Schultern legen und vor ihr das Knie beugen, die hier in Armut und Einsam­keit ihr Kind nährt.

Dann tappt er leise, den Esel hinter sich, ins Freie hinaus, und die junge Mutter, eingefponnen in lauter Traum, hört kaum, daß die Tür geht.

Draußen aber ist nun der Mond aufgekommen und legt einen breiten Streifen von Licht über bas überschwemmte Moor, als ginge eine Straße gerabemegs von der nachtdunklen Erde zu den Sternenwiesen des Himmels hinauf, auf der

Siedlungen

im Gau Hessen-Nassau.

Ich habe in der kehlen Zeil fesislellen müssen, daß von den verschiedensten Stellen sogenannkeSied- lungsgruppen" bzw.Siedlungsunlernehmen" auf- gezogen wurden und noch werden. Diese Unter- nehmen sind, wenn sie auch zum Teil von Idealisten gegründet wurden, unstatthaft. Ich verbiete des­halb hiermit mit sofortiger Wirkung allen nicht aus­drücklich anerkannten Siedlungsträgern jede Propa­ganda und jede Tätigteit. Ich verbiete weiterhin, daß sich derartige Stellen und Privatpersonen direkt mit ber Reichsregierung oder sonstigen vorgesetzten Be­hörden selbständig in Verbindung sehen. Für olle Siedlungsfragen sind allein der Landesbouern- f ü h r e r oder die von ihm beauftragen Stellen zu­ständig. Ich werde rücksichtslos gegen jeden vor­gehen, der meine Anordnung nicht beachtet.

Der (Bauleiter: gez. Sprenger.

Anordnung

des Reichsstatthalters in Hessen.

Beschwerden über Verwaltungsbehörden (Bürger­meistereien, Kreisämter, Provinzialdireklionen) sind grundsätzlich an das hessische Staatsmini- sl e r i u m , das allein zur Erledigung von Beschwer­den zuständig ist, zu richten.

Gez.: Sprenger.

nachrichtigen, daß e. F. die Entsendung eines Be­amten zur Sicherung der Leitungen veranlaßt werben kann.

** Aufhebung ber Durch schnittssätze der Werbungs'sätze freier Berufe. Wie bas Bdz.-Büro meldet, hat das Reichsfinanzmini­sterium die Verordnung über die Festsetzung von Durchschnittssätzen für die Werbungskosten bei An­gehörigen der freien Berufe und ähnlicher Erwerbs- zweige vom 30 Januar 1930 aufgehoben, und zwar ist diese Verordnung schon bei der Veranlagung ber Einkommensteuer für Steuerabschnitte, die im Ka- lenderjahr 1933 geendet haben, nicht mehr anzu­wenden. Die Angehörigen freier Berufe haben also künftig höhere als die gesetzlichen Werbungskosten im Einzelfalle gesondert nachzuweisen.

** Die Frauengruppe Gießen des VDA. lädt zu einer Veranstaltung am 10. Dezem­ber, 16 Uhr, im Katholischen Vereinshaus ein. Diese Veranstaltung, die in Wort, Gesang, Tanz und Tracht uns kleine Einblicke in volksdeutsches Leben gibt, bient einem zweifachen Zweck: sie soll dem Gedanken ber Verbunbenheit mit unseren Deut­schen im Ausland lebendigen Ausdruck verleihen, helfen, ihn in immer weitere Kreise zu bringen, sie soll ferner durch den Ertrag bes Nachmittags auch unsere Auslanbsbeutschen in bas große Winterhilfs­werk eingliebern, benn auch sie (eiben Not unb bar- ben. Opferbereit heben sich sämtliche Mitwirkende ber Aufführungen ehrenamtlich für bie gute Sache zur Verfügung gestellt unb keine Mühe gescheut, den Zuschauern ein paar frohe Stunden zu berei­ten. DerVolksbund für das Deutschtum im Ausland", kurzVDA." genannt, kämpft ben Kampf für Geltung unb Erhaltung des deutschen Volks­tums für die auf Außenposten stehenden unb baher um fo härter bebrängten beutschen Volksgenossen außerhalb ber deutschen Reichsgrenzen in ben Ge­bieten, in denen sie staatlich einer anderen Regie­rung, einem anderen Land unterstellt sind. Das aber hindert nicht, daß sie sich ihres Volkstums be­wußt bleiben, daß sie sich in Sprache unb Kultur ihrem großen deutschen Vaterland verbunden süh- len, daß sie dies Gut hegen unb pflegen, vor allem in Familie unb Schule. Wie hart sie ringen um ihr Volkstum, wie schwer es für sie ist, sich zu be­haupten im Lebenskamvft lehrt uns ihre leidvolle

der Alte, nun wieder auf gewohntem Wege, auf­wärts zu steigen beginnt, feinen Esel, der immer noch ein wenig hinkt, am Zaume mit sich führend.

Zeitschriften.

Die neueste Nummer der 5IIu ft ritten Zeitung (I. I. Weber, Leipzig) bringt u. a. einen ausführlichen Bericht über Sinn, Zweck und Wir- fungsbereit der Reichskulturkammer und führt uns jene Männer im Bilde vor, in deren Hände die Pflege der neuen deutschen Kultur gelegt ist. Die Kunst dem Volke: dies ist auch bie Zielrichtung einer jetzt in Dresben gezeigten Ausstellung im Sächsischen Künstlerverein. Auch sie roenbet sich gegen Mobe, Rekvrbe und gesellschaftlichen Snobis­mus und ist bestrebt, dem Volke bas Seine zu geben. lieber ben inbuftriellen Gasschutz, wie er in ber Hauptstelle für bas Grubenrettungswesen beim Verein für bergbauliche Interessen in Essen gelehrt wird, berichtet ein interessanter illustrierter Artikel, ber von ber hohen Bebeutung auch dieser Art Gasschutz überzeugt. Das noch heute viel- umstrittene Kaspar-Hauser-Problem, bas vor hun­dert Jahren bie Gemüter bewegte unb ben Vor­wurf mancher Dichtung bilbet, wirb in biefen Ta­gen roieber aktuell; am 17. Dezember jährt sich zum 100. Male ber Tobestag jenes rätselhaften Finb- lings, dessen Herkunft unb Tod, trotz aller Be­mühungen, vielleicht niemals aufgeklärt werden, '"n rin-'rinr-'n. knavv-m Bicmrcwhie schildert Dr. Valerian Tornius den kurzen tragischen Lebenslauf Kaspar Hausers.

£od)fcbutna*rid>fcn

Der ordentliche Professor für praktische Theologie an ber Universität Königsberg, D. Alfred Uckeley, ist in gleicher Eigenschaft an die theo­logische Fakultät der Universität Marburg ver­setzt worden.

Professor Dr. Gottfried Raestrup von der Uni­versität Frankfurt a. M. hat ben an ihn er­gangenen Ruf auf bas Drbinariat ber gerichtlichen Medizin an ber Universität Leipzig als Nachfol­ger von Professor R. Kockel zum 1 April 1934 an­genommen.

Die Lehrbefugnis an der Frankfurter Uni­versität ist entzogen worden dem nichtbeamteten außerordentlichen Professor für bürgerliches Recht unb Handelsrecht einschließlich Privat-Versicherungs- recht, Rechtsanwalt Dr. August Saenger, dem Privatdozenten für normale unb pathologische Physiologie, Dr. ©erbarb Schmidt, unb dem Honorarprofessor für Geld- und Kreditwesen, Dr. jur. et phil. Albert Hahn.