Ausgabe 
6.4.1933 Erstes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

führende Stelle in der deutschen Kriegsopferbe- wegnng eingenommen hat.

Die Hitlerjugend besetzte unter Führung von Mitgliedern der Reichsjugendführung die Ge­schäftsstelle des Reichsausschusses der deutschen Iugendverbände in Berlin. Der Reichsjugendsuhrer der RLDAP. Baldur v. Schi rach. TR. d. R., übernimmt selbst die Führung dieser Spitzenorganisation der deutschen Jugendverbände.

Der Bund der Frontkämpfer des finnischen Freiheitskriegs hat tn einem Telegramm den Reichsarbeitsminister S e l d t e gebeten, dem Herrn Reichskanzler Adolf Hitler seine begeisterten Glückwünsche au der nationalen Wiedererstehung Deutschlands zu übermitteln.

Der Dundesausschuh des Allgemeinen Deutschen Beamtenbundes hat, nachdem eine Reihe der angeschlossenen Verbände ihren Austritt erklärt hat, in seiner Sitzung vom 3. April 1933 beschlossen, die Auflösung des Allgemeinen Deutschen Deamtenbundes sahungs- gemäh durchzuführen.

Nachdem der Kurator der Frankfurter Universität von seinem Amt zurückgetre- t e n ist, hat der kommissarische Oberbürgermeister Dr. Krebs den Amtsgerichtsrat Wisser zum kom­missarischen Kurator berufen, dem Referendar Bik - tenborf beigeordnet ist.

Die NSDAP, in Anhalt wird auf dem Wege über das Gleichschaltungsgesetz nun auch ihr Pro­gramm verwirklichen, das in der Forderung besteht, daß die Regierung nur aus einem Minister bestehen soll. Der Führer der NSDAP, im Landtag hat aus diesem Grunde an den Fraktionsführer der Deutschnationalen ein Schreiben gerichtet, in dem ge­beten wird, den deutsch nationalen Mi­ni st er Knoll zurückzuziehen.

Präsident Roosevelt hat Premierminister Macdonald zu einer Besprechung über Wirt­schafts- und AbrüstungsfragennachWashing- ton eingeladen. Einladungen an die fran­zösische oder andere dritte Regierungen sind zur Zeit nicht beabsichtigt.

Der vom Bölkerbundsrat für den Konflikt zwischen Peru und Eolumbien einge­setzte Ausschuß, trat auf Antrag Columbiens zu­sammen. das sich wegen Gefährdung der freien Schiffahrt auf dem Putomaio durch Peru an den Rat gewandt hatte. Der Ausschuß wird vermutlich Peru ausfordern, alles zu unter­lassen, was geeignet sei, die Rechte Columbiens auf dem Putomaio, der einzigen ZufaIrts- st r a ß e Columbiens nach Laeticia, zu ' veein- trächtigen.

Der Ständige Internationale Ge- richtsbof hat seine Entscheidung im dänisch- norwegischen Ostgrönlandkonflikt bekannt­gegeben. Mit zwölf gegen zwei Stimmen hat der Gerichtshof sich der dänisches Auffassung angeschlossen. Der Gerichtshof hat demgemäß ent­schieden, daß die am 10. Juli 1931 durch Norwegen vorgenommene Besitzergreifung von O st - q r ö n l a n d einen Einbruch in den bestehenden Rechtszustand bedeute und daher ungesetzlich undunzulässig sei.

Aus aller Welt.

Das Ende destrockenen" Regimes in Amerika.

Reuhork, 6. April. lWTB. - Funkspruch.) Rach 14jähriger Dauer wird dastrockene" Re­gime in 19 Staaten um Mitternacht z u Ende gehen. 3n den Städten wird in Hotels, Restaurants und Klubs zu diesem Zeit­punkt Bier ausgeschenkt. Eine Ausnahme davon macht Reuhork, wo die Wirte beschlossen haben, keinBiervormorgenfrühbLlhr auszuschenken, um eventuelle Einschreitungen zu verhindern, die demnassen" Regime nur schaden könnten.

Spanischer Dampfer mit 100 Fahrgästen In Seenot.

Der spanische DampferMarques de Comillas" der sich mit hundert Fahrgästen an Bord auf der Fahrt von Barcelona nach Havanna be­fand, ist an der Küste von Florida auf gelau­fen. Der Dampfer sandte 8 O 8 - R u f e aus. Seine genaue Position ist noch nicht bekannt. Kü­stenwachtschiffe der Marinebasis vom Fort Lau­derdale sind zur Rettung des Dampfers ausge­laufen.

Raubmörder hannack gestellt und wieder entflohen.

Der vor längerer Zeit aus der Bremer Straf­anstall Oslebshausen geflüchtete Raubmör­der Hannack, dem es seither bereits zweimal gelungen war, der Polizei, die ihn nach langwieri­gen Nachforschungen gestellt hatte, zu entkommen, wurde jetzt in der Nähe des Heiligen-Geist-Feldes in Hamburg von einem Beamten erkannt und ge­stellt. Auf dem Transport zur Wache ist es Hannack wiederum gelungen, zu e n t k o m m e n. Er versetzte dem Beamten, der ihn mit der Waffe in der Hand abführte, plötzlich einen Faustschlag und rannte davon. Nachgesandte Schüsse verfehlten das Ziel. Die Polizei nahm sofort eine Absperrung des ganzen für ein Versteck des Flüchtigen in Frage kommenden Häuseroiertels in St. Pauli und an der Hamburg-Altonaer Grenze vor.

Wettervoraussage.

Der hohe Druck hat sich weiter nach Osten und nach Norden ausgedehnt. Doch ist dabei sein Kern über Frankreich liegen geblieben. Durch eine über Nordskandinavien liegende Störung kann daher wei­terhin kühle, maritime Luft nach Deutschland be­fördert werden, die teilweise noch diesiges und wol­kiges Wetter Hervorrufen wird. Mit der Zeit wird sich aber der hohe Druck mehr durchsetzen und zu Aufheiterung führen.

Aussichten für Freitag: Neblig-bewölkt mit Aufheiterung, trocken, Temperaturen wenig ver­ändert.

Aussichten für Samstag: Fortdauer der im wesentlichen trockenen Hochdruckwetterlage.

Lufttemperaturen am 5. April: mittags 12,8 Grad Celsius, abends 12,8 Grad: am 6. April: morgens 7,2 Grad. Maximum 13,5 Grad, Minimum 6,5 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 5. April: abends 10 Grad: am 6. April: morgens 7,7 Grad Celsius. Niederschläge 0,2 mm. Sonnenschein- dauer 1 Stunde.

Aus der provinzialhauptsiaöt.

Ostern als Arbeitgeber.

Ostern als Arbeitgeber? wird mancher Leser erstaunt fragen. Aber es hat schon seine Richtig­keit damit. Die großen kirchlichen Feiertage sind vSn jeher nicht zu unterschätzende Arbeitgeber für zahlreiche Wirtschaftszweige ge­wesen. Selbst in den letzten Jahren der Rot, der unaufhaltsam anwachsenden Erwerbslosigkeit und der von Hunderttausenden von Familien er­zwungenen Entsagung und Einschränkung haben die großen kirchlichen Feste immer wieder be­lebend auf den Verbrauch eingewirkt. Wenn man im grauen Alltag mit jedem Pfennig rechnen muß, so will man sich doch wenigstens an den Festtagen etwas gönnen, was sonst über den Rahmen des Möglichen hinausgehen würde. Ins­besondere di: Hausfrau setzt ihren Ehrgeiz ein, nach Kräften und Vermögen die festlichen Tage zu bereichern und den Ihren an diesen Tagen des Jahres einmal etwas besonderes an lulinari- chen Genüssen zu bieten und sie mit kleinen Geschenken des Gewerbefleihes zu erfreuen. We­nigstens auf kurze Zeit soll Frau Sorge aus ihrem Reich verbannt werden.

Allerdings hat der ArbeitgeberFeiertage" bisher häufig nicht dsm deutschen Arbeiter zu verdienen gegeben, sondern den Verdienst in ausländische Taschen fließen lassen. Der vor den Festtagen einsetzende erhöhte Umsatz an mancher­lei Lebensrnitteln, Festbraten, Geflügel, Fischen, leckeren Frühjahrsgemüsen und vor allen Din­gen Ostereiern, weiter an Süßigkeiten und Kuchen, an Textilerzeugnissen und dergleichen ist in den letzten Jahren nicht immer ausschließ­lich unserer notleidenden heimisch en Wirtschaft, insbesondere unserer schwer kämpfenden deutschen Landwirt­schaft zugute gekommen. Allzu leicht ist die deutsche Hausfrau geneigt gewesen, die ihr an- gepriesenen ausländischen Waren den Erzeug­nissen der heimischen Wirtschaft vorzuziehcn. Der lachende Dritte ist der ausländische Farmer und Gewerbetreibende gewesen, der wieder ein­mal den Gewinn aus der unverständlichen Sucht des Deutschen ziehen konnte, solche Erzeugnisse als besser und wertvoller anzusehen, die von möglichstweither" kamen.

Die jüngste Zeit ist den Deutschen aber ein harter uno unerbittlicher Lehrmeister gewesen. Sie hat mit eindrucksvoller Deutlichkeit die Ge­fahren der Vernachlässigung unserer heimischen Wirtschaftskräfte vor Augen geführt. Jeder einzelne von uns hat die bittere Erfahrung machen müssen, daß wir alle in Deutschland in wahrer Schicksalsgemeinschaft auf Gedeih und Verderb mit­einander verbunden sind. Nicht vom Ausland kommt uns und unserer Wirtschaft das Heil, unsere Rettung liegt in uns selb st begründet. Wir müssen uns wieder auf unsere eigenen Kräfte besinnen und die heimische Wirtschaft zum Kraftborn allmählichen Wiederauf- stiegs entwickeln.

Die jetzt von der Reichsregierung planmäßig durchgeführte Wendung der Staatspolitik zum Bin- nenmartt erfordert die freiwillige Unterstützung aller Volksgenossen. Wir alle können den nationalen Wiederaufbau beschleunigen und festigen, wenn wir in Zukunft bei jedem unserer Käufe bewußt deut­sche Erzeugnisse bevorzugen. Gerade die Osterzell bietet dazu viel Gelegenheit, dieser natio­nalen Grundhaltung zu entsprechen. Wir können sehr viel dazu tun, daß das kirchliche Fest der Ostern auch zu einem wirtschaftlichen O st e r n wird, daß endlich nach der langen Nacht des Niedergangs der heimischen Wirtschaft hoffnungsvolle Lichtblicke auf einen baldigen Wiederaufstieg gegeben werden.

Carl Berg fen. t

Gestern früh ist der in weiten Kreisen bekannte frühere Schuhmachermeister Carl Berg s e n. im Alter von nahezu 91 Jahren verstorben. Der Vor» ewigte gehörte zu den prominenten alten Bürgern, die sich allgemeiner Wertschätzung auch bei der jün­geren Generation erfreuen. Er war Ehrenobermei­ster der ehemaligen Schuhmacheroereinigung Gießen, der Vorgängerin der jetzigen Schuhmacher-Innung. Außerdem war er Ehrenvorsitzender des Gesangver­einsSängerkranz" und der letzte bisher noch le­bende Mitgründer der Gießener Rudergesellschaft. Er gehörte der ältesten in Gießen tätigen Schuh­macherfamilie an. Schon der Name des Großvaters des Heimgegangenen, Nikol. Berg, ist im Zunft­buch (1780), das im Oberhessischen Museum aufbe­wahrt wird, aufzufinden. Der Vater des Verstorbe- nen betrieb ebenfalls das Schuhmacherhandwerk, das von Carl Berg altem Herkommen gemäß fortgeführt wurde. Die Familie Berg ist bereits feit dem Jahre 1775 im eigenen Hause, Mäusburg 4, ansässig.

Jlcue Bücher

in der öffentlichen Bücherhalle.

Von der Verwaltung der öffentlichen Bücherhalle wird uns mitgeteilt:

Im Jahre 1932 wurden insgesamt 18943 Bände ausgeliehen gegenüber 17698 i. I. 1931. Nachstehend folgt eine Auswahl aus dem Zugang neu erwor­bener (z. T. gestifteter) Werke:

Romane: P. S. Buck: Die gute Erde: M. Dauthendey: Raubmenschen: H. Dominik: Das Erbe der Uraniben: Th. Dreiser: Schwester Carrie; K. Edschmid: Deutsches Schicksal: G. Engel: Die vier Könige: I. Galsworthy: Jenseits-, O. Gmelin: Som­mer mit Cordelia: H. Heyck: Armin, der Cherusker: Isolde Kurz: Vanadis: Sinclair Levis: Die Benzin- ftation; Th. H. Mayer: Deutscher im Osten: W. Schäfer: Der Fabrikant Anton Beilharz und das Theresle: I. Schaffner: Die Weisheit der Siebe;

E: Sillanfpöä: Silje, die Magd: F. Timmer­mans: Das Jesuskind in Flandern; Alexandra Tol­stoi (Leos Tochter): Wanderer in Ketten, Roman meines Elternhauses. Lebensbeschreibun­gen: H. St. Chamberlain: Richard Wagner (Un­gekürzte Volksausgabe): H. Kähl: Bremsklötze weg! (Lebensbuch eines deutschen Fliegers), H. Much: Arzt und Mensch: ®. Nickell: Schön ist das Leben; H. M. Stanley: Mein Leben (Gekürzte Volksausgabe). Reisebeschreibungen: Elly Beinhorn: Ein Mädchen fliegt um die Welt: O. Graf Czernin: Mein aufrikanisches Tagebuch: W. o. Gronau: Im Grönland-Wal; W. Hoffmann: Süd- ofteuropa; W. Jasyert: Afrikanische Abenteuer (Expedition 1926 27); F. E. Lawrence: Aufstand in der Wüste; O. Nordenskjöld: Südamerika; C. Roß: Heute in Indien; derselbe: Der Weg nach Osten; H. Schomburgk: Das letzte Paradies; Georg Schweit­zer: Von Karthum zum Kongo (Emin Paschas Leben und Sterben); R. Straßer: Mongolen. La­mas und Dämonen. Kulturgeschichte: Neue Dokumente zur Menschheitsgeschichte, Bd. 1 (Mit Beitrag von R. Sommer: Rennwege und alte

Steinzeit): H. Hartmann: Die junge Generation in Europa: I. Witte: Der Buddhismus in Geschichte und Gegenwart. Rechtskunde: Bürgerliches Gesetzbuch (Schwabachers Sammlung); Handels­gesetzbuch (desgl.). Sprache und Schrift: Ed. Engel: Entwelschung; L. Klaaes: Graphologie. Poetik: A. Baur: Der Äeq zur Dichtung. Mathematik: M. Lehmann: Der geometrische Aufbau gleichstimmiger Zahlfiguren. Natur­wissenschaft: K. Floericke: Nagetiere; I. Jeans: Sterne, Wellen und Atome; Ch. Kearton: Die Insel der fünf Millionen Pinguine; H. Loe- ven: Einführung in die organische Chemie; F. o. Lucanus: Zugvögel und Vogelzug: H Meierhofer: Einführung in die Biologie der Blütenvilanzen; W. Strecker: Einführung in die anorganische Che­mie. Gesundheitslehre: E. Liek: Die Wun­der der Heilkunde. Technik: H. Günther: Gold auf der Straße: R. Seiden: König Kautschuk; F. Pachten: Weltmacht Erdöl. Seewesen: H. G. v. Friedeburg: 32 000 Seemeilen auf blauem Was­ser (Weltreise des KreuzersHamburg" 1926 27); H. Jacobsen: Frei ist die See (Kreuzerfahrten in den amerikanischen Gewässern). Hauswirt­schaft: A. Meier und A. Stüler: Gemüse, Bee­ren, Blumen; dieselben: Strieg im Garten (Schäd­lingsbekämpfung); A. Meier und W. Wieler: Er­folg im Obstgarten; L. Migge: Die wachsende Sied­lung nach biologischen Gesetzen. Zeitschriften, Jahrgang 1932: Gartenlaube; Daheim; Umschau; Kosmos; Volk und Scholle; Philosophie und Leben.

Gießener r2ochcnmarttpreise.

* Gießen, 6. April. Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Süßrahmbutter 10 Pf., Landbutter 1 0, Kochbuttcr 90, Matte 20 bis 25, Wirsing (gelb) 12 bis 15, Weißkraut 8 bis 10. Rotkraut 10 bis 15, gelbe Rüben 10 bis 12, rote Rüben 10, Spinat 20 bis 25, Zwiebeln 10, Anterkohlrabi 8 bis 10, Feldsalat 80 bis 100, Meerrettich 30 bis 50, Schwarzwurzeln 25 bis 30, Kartoffeln 3 (pro Zentner 2,50 Mk), Rüfse 40, Aepfel 20 bis 30, Dörrobst 35 bis 40, Obstmus 40 bis 45,. Suppenhühner 70 bis 80, junge Hähne 70 bis 90 Pfennig pro Pfund: Tauben 40 bis 60, Eier (inl.) 8, Käse 5 bis 10. Blumenkohl 30 bis 60, Salat 25 bis 30, Salatgurken 60 bis 70, Endivien 10 bis 20, Lauch 5 bis 0 Rettich 10 bis 15, Sellerie 10 bis 30 Pfennig pro Stück; Radieschen 12 bis 15 Pfennig pro Bund.

Bornotizen.

Tageskalender für Donners­tag: DHV., 20.30 Ahr, im Heim, Lichtbildervor­trag überDie Schlacht am Skagerrak". Spiel­vereinigung 1900, 20.30 Ahr, Turnhalle Pesta- lozzischule, Leichtathletik-Vollversammlung. Lichtspielhaus, Bahnhofstraße:Der Choral von Leuthen". Astoria-Lichtfpiele, Seltersweg: Radio-Polizei-Patrouitte" undKafernenhos".

** Anträge nur an diezu ständigen A e m t e r. Der Staatskommissar für das Polizei- Wesen in Hessen Dr. D e st teilt mit, daß ihm aus der Bevölkerung zahlreiche Anfragen und Anträge in polizeilichen Angelegenheiten zugehen, zu deren Bescheidung die örtlichen Polizeibehörden in der Lage und vielfach nach den gesetzlichen Bestim­mungen zunächst zuständig sind. Er empfiehlt, solche Anträge und Anfragen, so weit sie nicht grundsätzlicher Art find, zunächst an die örtlich zuständigen Polizeibehörden zu richten, um Ver­zögerungen in der Erledigung zu vermeiden.

** D i e Bahnhofshalle im neuen Se­rn a n ö. Die Empfangshalle unseres Bahnhofs­gebäudes ist nach längerer Wiederherstellungsarbeit nunmehr mit einem schönen neuen Gewand ver­sehen. Die große Halle hat einen freundlichen An­strich in Hellgrau, leichtem Grün und rot-brauner Tönung des Holzwerkes erhalten, der sich zu einem harmonischen Gesamtbild vereinigt und die Halle in vorteilhafter Weise auszeichnet. Es ist zu be­grüßen, daß die Reichsbahn diese Erneuerungsarbeit noch vor Beginn der Reisezeit vornehmen ließ.

** ©terbcfäHe in Gießen. In der Zeit vom 16. bis 31. März verstorben in un­serer Stadt: 17. März: Karl Stark, kausm. An­gestellter, 24 Jahre, Ludwigstraße 10; Lieselotte Laucht, 7 Monate, Löwengasse 20. 19.: Elise Rennstiel geb. Enders, 49 I., Ludwigstraße 30; Ludwig Brückmann, städt. Arbeiter, 72 Jahre, Sonnenstrahe 9. 20.: Katharine Arnold, geb. Ri- colai, Witwe, 81 I., Erlengasse 11; Heinrich Schweitzer, Lokomotivführer i. R., 62 2., Ebel­straße 16. 21.: Wilhelm Hahn, Arbeiter, 71 3, Mittelweg 14. 23.: Marie Stier, geb. Rudolph, Witwe, 75 Jahre, Wilhelmstraße 1; Mathilde Orth, geb. Roth, Witwe. 80 I., Moltkestr. 20; Katharina Lepper geb. Schmidt, 61 I., An der Kläranlage 28. 24.: Emil Fichtner, Reisevertreter, 30 I., Licher Straße 75. 27.: Georg Kreuder, Kauf­mann, 64 I., Bahnhofstraße 40; Michael Synow- zik, Reichsbahn-Zugführer, 57 I., Wetzlarer Weg 51. 28.: Karl Martin, Prediger, 64 Jahre, Reustadt 32 . 29.: Hermann Mendelsohn, Rechts­anwalt, 65 0., Ludwigstraße 47; Gustav Som- merlad, Küfer, 58 I., Schützenstraße 19. 30.: Ma­rie Dohle, geb. Strippcl, 40 I., Schiffenberger Weg 26. 31.: Frieda Wiedmeyer, ohne Beruf, 44 Jahre, Reuenweg 38; Hermann Wack, Obervcr- woltungssekretär, 40 3., Tcufelslustgärtchen 26: Victor Heermann, Gesanglehrer, 49 I., Lony- strahe 20.

** Allgemeiner Deutscher Frauen- verein. Man berichtet uns: In der Monats­versammlung des Allgemeinen Deutschen Frauen- vereins sprach Dr. Karl Scholz aus Mainz über Das deutsche Bilderbuch". Den Beginn seiner Ausführungen nahm das Geschichtliche ein. Seit Gutenbergs Erfindung ging die Entwicklung über die Holzschnitte und Kupferstiche, über die illu­strierten für Jung und Alt bestimmten Bücher im Verlauf des letzten Jahrhunderts zum typischen Bilderbuch. Anstrektbar steht in dieser langen Reihe derStruwwelpeter" von Dr. Heinrich Hoffmann an der Spitze. Kultur und Pädagogik übten auf das Bilderbuch nach 1900 einen starken Einfluß aus. Die verschiedenen Kunstrichtungen (Impressionismus, Expressionismus. primitive Kunst» wirkten sich auch auf dem Bilderbuchgebiete aus; doch kristallisierte sich immer mehr die Er­kenntnis, daß das Bilderbuch kindertümliche Kunst also Synthese zwischen persönlich einfühlender Art des Künstlers und Aufnahmevermögen des Kindes sein müsse. Der in den Jahren nach dem Kriege gemachte Versuch. Politik in das Bilder­buch hineinzubeziehen, ist abzulehnen. Das Kind soll durch das Bilderbuch im nationalen, also im vaterländischen Sinne erzogen werden. Heute stellt das deutsche Bllderbuch einen wesentlichen Kultur- und Erziehungsfaktor im deutschen Volke bar;

schärfer denn je ist bei ihm die ForderungDas Beste ist für das Kind gerade gut genug zu er­füllen.

* Wiedersehensfeier ehern. 144er am 2. Juli in Mainz. Man schreibt uns: Die ehern. Angehörigen des Jnf.-Negts. 144 veranstalten am 2. Jul» in Mainz eine Wiedersehensfeier für die Kameraden im Bezirke der Landesgruppen Frei­staat Hesien, Hessen-Nassau, Rheinland, Saaraebiet und der Ortsgruppe Frankfurt a. M. Der Bund ehern. 144er errichtete im Mai v. I. in Mühlheim- Ruhr seinen 3165 Gefallenen ein Ehrenmal. Das Inf.-Regt. 144 mar bekanntlich der erste deutsche Truppenteil, der 1914 mit französischen Truppen ins Gefecht kam, und der letzte Truppenteil, der 1918 die Maas überschritt. Auskunft erteilt Kamerad Heinz Pfeiffer, Nidda, Schillerstrahe 14.

Amtsgericht Gießen.

3m Dezember vorigen 3ahres lag den Haus­besitzern mehrfach die Verpflichtung ob. die Eis­fläche. die sich vor ihren Häusern infolge des Frostes auf der Straße gebildet hatte, zu be­streuen. Ein Hausbesitzer in der Frankfurter Straße soll den diesbezüglichen Vorschriften nicht nachgekommen sein und dadurch einen schweren Anfall einer zur Kirche gehenden Lehrerin, die ausglitt und stürzte, veranlaßt haben. Der An­geklagte behauptete, seine Streupflicht vollkom­men erfüllt zu haben, aber selbst wenn die- in ausgiebiger Weise nicht geschehen sein sollte, treffe nur die Verletzte die Schuld, welche beim Passieren der fraglichen Stelle jede Vorsicht, der sie unter den obwaltenden Verhältnissen keineswegs enthoben gewesen sei, außer acht ge­lassen habe. 3n einem neuen Termin sollen weitere Zeugen gehört werden.

Am 28. Rovember vorigen 3ahres verweigerte ein Antersuchungsgesangener des Landgerichts­gefängnisses dem Aufseher den Einlaß in seine Zelle, deren Türe von innen verbarrikadiert war. Sie wurde mit Gewalt geöffnet, und es er­gab sich, daß der Gefangene durch die Decke auszubrechen versucht hatte. Die Gegenstände in der Zelle waren bei dieser Gelegenheit mehr ober weniger beschädigt worben. Er sollte im Schnell- aerichtsversahren wegen Sachbeschädigung ein ' Entweichungsversuch an sich ist ebensowenig krimi­nell strafbar als die Entweichung selbst abgeur­teilt und von einem Gesängnisbeamten zur Haupt­verhandlung vorgeführt werden. Der Beamte er- chien aber ohne Den Gefangenen und erklärte, die­ser befinde sich in einem Zustand, der feinen Trans­port in den Sitzungssaal sehr bedenklich erscheinen lasse und wohl auch seine Vernehmung ausschließe. Die Verhandlung wurde deshalb zunächst ausgesetzt.

Ein Motorradfahrer aus einem Nachbarort fuhr nicht allein selbst einige Male durch den Ort und seine Umgebung, ohne im Besitze der Papiere zu sein, die jeber Motorrabler mit sich führen muß, sondern er duldete es auch, daß ein anderer Fahr­ten mit dem nämlichen Motorrad unternahm, ohne einen Führerschein und die andern einschlägigen Papiere bei sich zu haben. Gesamtstrafe: 3 0 M k. G e l b ft r a f e.

Glückwünsche für den hessischen Staatspräsidenten.

Darmstadt, 5. April. (WSR.) Wie die Pressestelle der Staatsregierung u. a. mitteilt, hat der Landesverband Hessischer Freiwilliger Feuerwehren, Sih Vir- kenau, in einem Schreiben den Herrn Staats­präsidenten zu seiner hohen Aufgabe beglück­wünscht.

Der Verband der rhein-rnainischen Flußbadean ft alten, Frankfurt a. W., sprach dem Staatspräsidenten besonderen Dank für fein mannhaftes Durchgreifen zur Gesundung des deutschen Mittelstandes aus und gab der Bitte Ausdruck, dem wilden Baden Einhalt zu ge­bieten, das Ordnung und Sitte auf das schwerste gefährde. Der Verband rhein-mainischer Fluß- babeanftalten tritt dem Kampfbund des gewerb­lichen Vlittelstandes geschlossen bei.

Die Gemeinde La n g d (Kreis Gießen) hat Staatsminister Dr. Müller einstimmig zu ihrem Ehrenbürger ernannt.

Oie erste Sitzung des hessischen Sonvergerichts.

WDR. Bad-Rauheim, 5. 'April. Das auf Grund der Verordnung des Reichspräsidenten zum Schuhe von Volk und Staat gebildete 6 o n ber­ge r i (b t im Bezirk des Oberlandesgerichts Darm­stadt trat heute Vormittag unter Vorsitz von Land­gerichtsdirektor Weis (Darmstadt) im hiesigen Amtsgericht zu seiner ersten Sitzung zusammen. Aus der Antersuchungshast wurden n e u n M i t - glieder der KPD. aus dem Kreise Friedberg, darunter der frühere Landtags- abgecrönete Schäfer (Bad-Rauheim) und L o t h (Friedberg), vorgeführt. Die Angeklagten waren beschuldigt, am 10. 3. im Bad-Raubeimer Walde eine Versammlung abgehalten zu haben, obwohl alle kommunistischen Versammlungen «verboten waren. Der Staatsanwalt, der durch die Beweis­aufnahme als einwandfrei erwiesen ansah, daß eine nicht erlaubte kommunistische Versammlung im Walde stattfand, was die Angeklagten bestritten hatten, beantragte gegen acht Angeklagte eine Ge­fängnisstrafe von je einem 3ahre; hinsichtlich des neunten, bei dem die Teilnahme zweifelhaft sein könne, stellte er die Entscheidung in das Ermessen des Gerichts. Das Urteil lautete auf ein 3 ahr Gefängnis für jeden Angeklagten, da nach der Aeberzeugung des Gerichts nicht ein zufälliges Zusammentreffen im Walde, sondern eins verabredete Zusammenkunft und damit eine Versammlung Vorgelegen habe. Die Anter- suchungshast wurde nicht angerechnet, weil sämt­liche Angeklagten leugneten. Das Urteil ist mit der Verkündung rechtskräftig geworden. Eine Revisionsmöglichkeit besteht nicht. Die An­geklagten wurden nach der Verhaftung wieder in Haft genommen.

Kirchliche Nachrichten.

Evangelische Gemeinden.

Freitag, den 7. April.

Kapelle des Alten Friedhofs. 20.15 Uhr: Pfr. Lenz musikalische Passionsandacht. Petmskapelle. 20: Passionsandacht: Pfarrassiftent Knell.

Katholische Gemeinden.

Samstag, den 8. April.

Gießen. 9.30 Uhr wird ein fremder Priester Deichte hören.

Weiße Zähne: Chlorodont