Oie Wahl in Gießen
Stadt Gießen
8ent, bei gang) am zent, bei gang) am zent und
am 14. September 1930 = 78,72 Prober Reichspräsidentenwahl (1. Wahl- 13. Marz 1932 insgesamt 85,89 Pro
ber Reichspräsidentenwahl (2. Wahl- 10. April 1932 insgesamt 84,17 Pro- bei der hessischen Landtagswahl am 19. 3uni 1932 insgesamt 73,47 Prozent der Wahlberechtigten ab.
Die Wahlbeteiligung war schon bis zur Mittagsstunde verhältnismäßig rege. Dis 12 übt hotten im Durchschnitt 25 Prozent der Wahlberechtigten abgestimmt. Um 16 Uhr war die Durchschnittsbeteiligung auf 77 Prozent gestiegen. Aach Feststellung deS Gesamtergebnisses, dessen Stimmverteilung auf die einzelnen Parteien aus unserer Tabelle ersichtlich tft, ergab sich eine Wahlbeteiligung von 89,8 Prozent. Dieser Prozentsatz überragt erheblich die Beteiligung an den früheren Wahlen, denn bei der ReichstagSwahl am 6. Rovember 1932 stimmten 84,36 Prozent, bei der Reichstagswahl am 31. Juli 1932 ----- 85,08 Prozent und bei der ReichS- tagswahl
Der Wahltag verlief erfreulicherweise ohne jede Störung der öffentlichen Ordnung, ebenso brachte die letzte Rächt keinerlei Zwischenfälle. Die Polizei hatte umfassende Maßnahmen getroffen, um gegebenenfalls sofort wirksam eingreifen xu können. Ebenso ruhig wie in Gießen, ist der Wahltag nach den bis zur Stunde hier vorliegenden Berichten auch in der Provinz Oberhessen verlaufen.
Bereits am Samstagnachmittag trugen zahlreiche Häuser der Stadt schwarx-weih-rote Fahnen, Hakenkreuzfahnen und die Fahnen Rot-Weih.
Frühlingswetter brachte. Dieser Umstand in Der- bindung mit dem starken Interesse der Bevölkerung an der bedeutsamen Wahl brachte schon am Bormittag, noch stärker aber in den Rachmittagsstunden eine große Menschenmenge auf die Deine, so daß in den Straßen, die kroch mehr als am Bortage mit schwarz-weih-roten und rot-weißen Flaggen geschmückt waren, Großbetrieb herrschte. 3n den Rachmittagsstunden trat auch Schlepperdienst in gewissem Umfange in Erscheinung, insbesondere entfaltete die RSDAP. durch Mahnzettel an die säumigen Wähler eine letzte rege Hauspropaganda.
Vorbereitung und Vorabend.
Die gestrige ReichStagSwahl hat weit stärker als irgendeine frühere Wahl auch die Bürgerschaft unserer Stadt in Bewegung gebracht. Die Der* fammlungetätigleit war diesmal etwas reger alS bei der Wahl im Rovember vorigen 3ahres, dazu tarnen Aufmärsche der RSDAP., deS Stahlhelm und der Eisernen Front, ferner die Rundfunkreden der Minister und in den letzten Tagen eine Flugzettelpropaganda mittels Flugzeugs. Zum ersten Male bei einer Wahl wurden auch die Fahnen als Werbemittel und in der Beflaggung der Häuser als Kennzeichen der großen nationalen Bedeutung der Wahl sichtbar.
Am Samstagabend veranstaltete die RSDAP. im Rahmen chrer Werbeaktion im ganzen Reiche auch hier einen Facke 1 zug, der sich nach der Uebertragung der Königsberger Rede deS Reichskanzlers Hitler vom Drandplatz aus durch die Ostanlage, Walltorstraße, Kirchenplatz, Schul- straße, Eonnenstrahe, SelterSweg, Westanlage, Bahnhofstraße, Reustadt zum OSwaldsgar- ten bewegte. Trotz deS RegenwetterS, daS bis gegen 20 Uhr anhielt, hatte sich von 21 Uhr ab eine große Menschenmenge am Brandplah und in den Marschstraben, sowie am Oswaldsgarten eingefunden. Die Formationen der Gießener SS. und SA., sowie eine Anzahl Rationalsozialiften in Zivil durchschritten in straffer Marschordnung unter den Klänaen eines SA.-Spielmannszuges und einer SA.-Kapelle die Straßen und wurden unterwegs vielfach durch Sympathierufe begrüßt. Auf OswalLSgarten marschierte der Fackelzug in einem großen Kreise auf, der von der gewaltigen Menschenmenge dicht umsäumt wurde. Rach dem Zusammenwerfen der Fackeln fang die Menge unter Begleitung der SA.-Kapelle das Horst- Wessellied. Hierauf rückten die Formationen gruppenweise ab. Die Polizei hatte umfassende Maßnahmen zur Sicherung Der öffentlichen Ordnung getroffen, so daß die Deranstaltung ohne jeden Zwischenfall verlief.
Oer Wahltag.
3m Gegensatz zu dem regnerischen Samstag war der gestrige Sonntag ein schöner Vorsrüh- lingStag, der besonders von der Mittagsstunde ab bei Hellem Sonnenschein ausgesprochenes
NSDAP.
Sozial» demokraten
Kommunisten
Zentrum
Kampffront Schwarz- Weiß-Rot
Deutsche Vottspartei
Christl.-Soz. Bolksdienst
Deutsche Staatspartei
Deutsche Bauernpartei
1.
Wahlbezirk.....
562
229
207
36
54
33
i r
13
2.
656
257
107
23
72
48
21
20
3
3.
615
324
131
41
63
46
15
15
4.
650
264
90
27
108
47
16
20
—_
5.
570
333
152
37
78
20
17
6
1
6.
640
213
175
47
77
33
12
55
— —
7.
686
225
78
60
173
38
24
20
-
8.
» • • • • •
754
256
52
117
106
41
27
10
2
9.
813
223
58
144
128
66
38
26
2
10.
■ • • • • •
755
153
46
80
174
86
22
37
•—
11.
636
182
32
57
141
79
48
30
——
12.
566
123
23
48
127
86
19
25
1—
13.
547
163
30
47
101
64
28
10
14.
632
419
54
67
85
41
16
12
—
15.
621
167
120
38
145
63
16
12
_
16.
579
267
116
32
69
47
14
8
——
17.
578
224
96
26
72
37
11
19
—
18.
446
193
99
67
130
42
14
30
3
19.
124
63
21
20
12
4
3
2
—
20.
141
75
13
22
17
10
1
—
—
Jn-gesamt . .
11571
4353
1700
1036
1932
931
373
370
11
Bei der Reichstagswahl am 6. November 1932 erhielten: NSDAP. 8905, SPD. 4529, KPD. 1970 Zentrum 1074, DNBP. (jetzt Schwarz-Weiß-Rot) 2095, DVP. 1478, Christlich-Sozialer Volksdienft 434, Deutsche, Staatspartei 333 Stimmen, während die Deutsche Bauernpartei damals nicht vertreten war, sondern eine Liste „Deutsches Landvolk" 22 Stimmen erhielt.
Hüte voll Gold.
Don Or. Gustav W. LLberlein.
Rom, im März.
Da die Schatzgräber nicht aussterben wollen, muß es als ein Glück bezeichnet werden, daß es immer noch Menschen gibt, die Schätze vergraben. Frellich werden sie häufiger von ahnungslosen Glückspilzen, als von Rutengängern gefunden. Unerschöpflich ist der Boden Roms, das wissen wir: wo immer auch die Spitzhacke einschlägt, kommt zum mindesten archäologisches Gerümpel zutage, das seinen unschätzbaren Wert hat. Aber auch an gemünztem Gold des Mittelalters und der Reuzeit ist kein Mangel. Seit Mussolini die alten Häuserviertel um das Kapitol herum niedcr- reißen läßt, um die Kaiserforen zu vereinen, kommen die schatzsüchtigen Römer aus der Aufregung nicht mehr heraus. Wurden nicht auf dem Au- gustusforum Tausende von Silbermünzen aus dem 13.3ahrhundert gefunden? Kam nicht beim Aus- graben der römischen Euria kürzlich eine Bischofsmütze voll Gold und Silber zum Dorschein? Lind dieser Tage mutzten die Arbeiter, die mit dem Riederreihen des HauseS Rümmer 101 der Via Alessandria beschäftigt waren, deS letzten Stra- ßenzipfels zwischen dem Rervaforum und der neuen Straße des 3mperiums, mußten die Arbeiter ihre Hüte Hinhalten, so regnete es Gold, Gold. Gold!
ihn das gleich zu sagen: man kennt den Schah- vergräber. Es kann gar kein anderer gewesen fein, als „Sor Checco“, wie der alte Antiquitätenhändler, Geizkragen und Misanthrop Francesco M a r t i n e 11 i mit seinem Spitznamen hieß. Der hatte in den achtziger 3ahren schon in dem Hause seine Reidhöhle gehabt und hockte auf seinen Schätzen wie der Lindwurm: ich lieg und besitze! Die Anwärter auf sein Erbe, die Reffen des „armen Teufels von einem Onkel", als der er sich auSgab, kugelten sich vergeblich die Augen aus dem Kopse, wenn sie, ihm zuwider. Besuch wachten. Er handle, behauptete er immer wieder, nur mit Altertümern. Lind als Kunsthändler, der nicht zu umgehen war, als geheimer Aufkäufer, als wertvoller Mittler in der archäologischen iln- Jertoelt stand er in der Tat zu den größten Museen Europas in Beziehungen. Ganz in seiner Räche hatte sich „i! tedeschino“, der kleine deutsche Professor Hartwig eingenistet, um dem damals blühenden Schleichhandel nahe zu sein. Dann war
da der deutsche Professor H e I b i g , durch den wiederum Herr Jakobson vom Museum in Kopenhagen antike Kunstgegenstände bezog. Mancher Kunsthändler kam bei Martinetti, dem finsteren Menschenverächter und unbesiegbaren Makkaronivertilger auf feine Rechnung.
Sor Checco lieferte dabei nur einen Bruchteil seiner Schätze ab. Wo er die Hauptmasse versteckte, daS kam erst durch einen Zufall, nach seinem Tode im 3ahre 1908 zu Tage. Die Erben, wütend darüber, datz sie leer ausgingen, rissen die elenden Möbel an sich und bei dieser Gelegenheit einem mächtigen gipsernen Diskuswerfer einen Arm aus —: da fing es zu riefeln, zu regnen, zu hageln an. Hatte der alte Sünder nicht, per bacco, die Statue als Sparbüchse benützt? Am Rücken war ein Schlitz, immer wieder über gipst, in den er alles hineinwarf, Münzen und Juwelen und Geschmeide! Bis zum Hals stand dem alten Sportshelden schon der Mammon! Dierhunderttausend Goldlire der Erlös!
Reben seiner Derufshöhle besatz Sor Checco noch ein anderes Haus, von dem niemand wußte, außer einem anderen Antiquitätenhändler, der es geheimer Hoffnungen voll nach dem Tode seines Rivalen ankaufte, ohne jedoch mehr zu finden als ein kleines Jugendwerk von Michelangelo, den „Orpheus", den Bode dann für das Berliner Museum erwarb.
Wie nun vor einigen Tagen die Spitzhaue in das Mauerwerk des Eckhauses an der Via Alessandria und Via del Priorato fährt, fliegt auf einmal eine Eisenplatte heraus, es tut sich ein großes Loch auf, über und über gefüllt mit Schätzen, die schlicht in Zeitungen vom 3ahre 1888 eingewickelt waren. Wie gesagt, die zur Hand befindlichen Gefäße reichten nicht aus, die Arbeiter muhten ihre Hüte Hinhalten — es wimmelte darin von Goldgeld des Augustus, Reros, Rervas, Trajans, der Päpste Julius II. und seiner Rachfolger, in Rapoleon d'ors konnte man wühlen, in Dukaten, in Geld bis zum König Humbert. Ein klingender Kalender. Lind dann die Perlen und Gemmen und Juwelen, Dutzende von Ringen, Armbänder — kurz, der Schatz, wie er im Märchenbuch steht.
Senator Ricci kam, die Herren vom Gover- natorato kamen, Protokolle, Siegel — rein in den großen Kassenschrank des Staates. Denn Wem gehört nun die ganze Geschichte? Auch die Rechtsanwälte sind in Aufruhr. Der Schatz- bergräber ist tot, die erbhungrigen Ressen stie
Das Wahlergebnis in Oberhessen.
Kreise
RSDAP.
Sozialdemokraten
Kommunisten
Zentrum
Kampffront Schwarz- Weiß-Rot
Deutsche Bolkspartei
Christl.-Soz. BolkSdicnst
Deutsche Staatspartci
Deutsche Bauern- Partei
LlSfeld......
RW.5. 3.33
RW.6.11.32
18646
16123
2683
3365
461
955
961
951
682
574
334 515
89
120
92
27
9
Büdingen...
RW.5. 3.33
19343
4439
1703
313
715
484
117
114
5
RW.6.11.32
16254
4661
2751
277
672
671
159
105
—
Friedberg...
RD.5. 3.33
28 223
. 15832
4287
5538
1960
972
634
405
20
RW.6.11.32
21861
15107
6668
5764
2057
1514
728
389
——
Gießen.....
RW.5. 3.33
37315
15844
3885
1227
3122
1457
830
510
47
RW.6.11.32
29627
16278
5075
1282
3248
2149
910
492
—
Lauterbach..
RW.5. 3.33
14998
1618
281
681
728
667
74
31
o
RW.6.11.32
13154
1665
601
705
713
1024
70
32
—
Schotten....
RW.5. 3.33
14836
1769
407
107
519
139
61
61
2
RW.6.11.32
12696
2114
778
77
793
223
132
38
—
Insgesamt
RW.5. 3.33
133361
42185
11024
8827
7726
.4053
1805
1213
85
RW.6.11.32
109715
43190
16828
9056
8057
6096
2119
1083
—
Giädte in Oberhessen.
Friedberg.
NSDAP. 3322 (2358), SPD. 1603 (1633), KPD. 598 (844), Zentrum 539 (526), Schwarz-Weiß-Rot 413 (412), DVP. 304 (448), Chr.-Soz. Dolksd. 205 (190), Staatsp. 166 (139), Deutsche Dauernp. 1 (0).
Bad-Rauheim.
NSDAP. 3075 (2363), SPD. 892 (951), KPD. 392 (540), Zentrum 495 (547), Schwarz-Weiß-Rot 438 (546), DDp. 142 (263), Chr.-Soz. Dolksd. 137 (194), Staatsp. 72 (66).
Schotten.
NSDAP. 1256 (1036), SPD. 176 (265), KPD. 64 (118), Zentrum 49 (24), Schwarz-Weiß-Rot 30 (34), DDP. 45 (55), Chr.-Soz. Dolksd. 24 (38), Staatsp. 9 (0).
Bübingen.
NSDAP. 1499 (1151), SPD. 366 (419), KPD. 165 (254), Zentrum 73 (71), Schwarz-Weiß-Rot 150 (126), DDP. 145 (179), Chr.-Soz. Dolksd. 10 (29), Staatsp. 24 (23).
Lauterbach
NSDAP. 2083 (1850), SPD. 738 (759), KPD. 84 (112), Zentrum 39 (43), Schwarz-Weiß-Rot 169 (151), DDP. 126 (216), Chr.-Soz. Dolksd. 21 (18), Staatsp. 15 (7).
Alsfeld.
NSDAP. 2134 (1879), SPD. 754 (882), KPD. 156 (190), Zentrum 98 (91), Schwarz-Weiß-Rot 198 (134), DDP. 113 (211), Chr.-Soz. Dolksd. 18 (0), Staatsp. 40 (0), Deutsche Bauernp. 1 (0).
Starkenburg und Rheinhessen.
Das hessische Gesamtergebnis.
Zusammenstöße in Hessen.
Während der „Tag der erwachenden Nation" in Darmstadt ruhig verlaufen ist, kam es in Ober- Ra m st a d t in der Nacht zum Wahlsonntag zu Schießereien zwischen Nationalsozialisten und Linksgerichteten. Dabei erhielt ein Eiserner-Front-Mann einen schweren Lungenschuß und mußte in hoff- nungslosem Zustand ins Darmstädter Krankenhaus eingeliefert werden. Ein Reichsbanner-Mann wurde mit einem Seitenschuß ins Krankenhaus gebracht, während ein weiterer Reichsbanner-Mann einen Steckschuß erhielt. Bei dem letzteren besteht keine Lebensgefahr. Außerdem gab es noch mehrere Leichtverletzte.
Auch in Griesheim bei Darmstadt kam es zwischen Rationalsozialisten und Kommunisten, sowie Mitgliedern der Eisernen Front zu Schießereien. Der SA.-Führer Engel wurde durch einen Streifschuß verletzt, ebenso der KPD.-Funktionär Körner. Er erhielt einen Steckschuß in den Oberschenkel.
3n Pfeddersheim bei Worms wurde ein SA.-Mann durch einen Revolverschuh schwer verletzt, so daß an seinem Aufkommen gezweifelt wird. Dort hatten sich 11 Kommunisten in einem Turm der alten Stadtmauer festgesetzt und eine SA.- Streife beschossen. Rach dem Lleberfall wurden neun Kommunisten festgenommen.
3n Offenbachs. M. kam es gestern kurz nach 16 Llhr in der Rähe des Offenbacher Hauptbahn- Hofs zu einem schweren politischen Zusammenstoß zwischen Angehörigen des Reichsbanners und Ra
gen hungrig ins Grab, das Schatzhaus aber hat nach ihnen verschiedene Besitzer gehabt. Lind dann wurde es von Staats wegen wegen der Ausgrabungsarbeiten enteignet. Es kann an einem juristischen Haar und einem bürokratischen Faden hängen, ob die Schatzfinder Sor Checco segnen werden oder nicht.
(fine deutsche Siedlung in der Mandschurei.
Deutsche Kriegsgefangene sind nach dem Frie- densschluh weithin in der Welt verschlagen worden, und besonders in Rußland haben sich ein- deine Kolonien erhalten. Keine andere deutsche Siedlung aber ist so weit von aller Kultur verschlagen worden und hat sich so selbständig entwickelt, wie eine merkwürdige Kolonie, die sich in der Mandschurei, 35 Tagereisen zu Pferde von der nächsten Stadt, dem sibirischen Hafen Wladiwostok, gebildet hat. Rährere Mitteilun- Sien über diese 4000 Menschen umfassende Rieder- affung werden von dem Helsingforfer Berichterstatter des in Reuhork erscheinenden russischen Blattes „Rovoje Ruhkoje Slowo" gemacht; er verdankt sie einem Mitglied der Kolonie, Dr. 3. Hilton, dec ihm die Geschichte dieser deutschen Odyssee auf seiner Rückkehr von einem Besuch in Deutschland in Helsingfors erzählt hat. „3m Weltkrieg", so berichtete er, „wurden w^rend der Kämpfe bei Baranowitschi 4000 Deutsche von den Russen gefangen genommen.» Die meisten dieser Deutschen waren Dauern aus Westfalen. Alle wurden in ein Gefangenenlager nach Sibirien gebracht. Das war im 3ahre 1915. Als dann Revolution, Bolschewismus und Bürgerkrieg In Ruhland tobten, verliehen diese Gefangenen ihr Lager und suchten die Weihe Armee des Admirals Koltschak zu erreichen, um unter ihrem Schutz nach der Küste des Stillen Ozeans zu entkommen, von wo sie über Amerika heimzukehren hofften. Aber Koltschaks Armee wurde geschlagen. Die Deutschen fanden sich allein tief in den jungfräulichen Wäldern Sibiriens. Mit Aexten und selbst hergestellten Speeren bewaffnet, schlugen sie sich weiter und weit-r nach dem Osten durch. Frierend, in Sümpfen versinkend, verhungernd, starben viele von ihnen — nur 1800 blieben am Leben- Endlich, nachdem sie eine Strecke zurückgelegt hatten, die Wohl dreimal so lang war wie Deutschland von Osten nach Westen, famei? fie an einen Ort, wo sie zu
NSDAP. 113 987 (68 542), SPD. 50 312 (50 480), KPD. 26 048 (28 580), Zentrum 55 762 (53 739)
tionalsozialisten. Dabei wurde ein Reichsbanner- mann erschossen, ein anderer liegt mit einer schweren Stichverletzung im Krankenhaus. Die übrigen Verletzten konnten nach Anlegung eines Rotverbandes entlassen werden.
3n Langen erschienen gestern um 12.30 Llhr drei Kraftwagen mit SS.-Leuten, die sich anschickten. den Platz vor dem Wahllokal mit dem Gummiknüppel zu räumen. Cs fielen auch drei Schüsse. Verletzungen sind nicht bekannt geworden. Die Wagen trafen kurz vor 16 Llhr wiederum ein, verschwanden aber nach Eintreffendes Darmstädter Lleberfallkommandos.
Gesamtergebnis in Heffen-Oarmsiadt.
bleiben beschlossen. Hier gründeten sie ihre Kolonie, und hier leben sie seitdem. Cs ist ein, wildes, wüstes Land, einsam, in der Llmgegend nur ganz dünn besiedelt. Zur Erinnerung an den Ort ihrer Gefangenschaft nannten die Deutschen ihre neue Heimat Daranowitschi-Llhilla. Hier begannen sie Bäume zu fällen, bauten sich Hütten, jagten tm Walde und bestellten den Boden. Unter Führung des Hauptmanns v. F r e e s e, ihres früheren Befehlshabers, der mit ihnen alle Wechselfälle der Wanderung durch Sibirien geteilt hatte. Viele der Kolonisten heirateten russische Frauen, die fie in den umliegenden Siedlungen trafen. Lind so zählt die Kolonie jetzt mit Frauen und Kindern gegen 4000 Seelen. Als sie sich häuslich eingerichtet hatten, begannen die Siedler Pferde zu züchten und an die Rote Armee zu verkaufen. Ebenso verbesserten sie die Ackerbestellung und schufen sich durch Pelzhandel weitere Erwerbsquellen. Karawanen, die ihre Güter zum Verkauf bringen und mit dem, was man notwendig braucht, zurücüehren, reifen etwa dreimal im Jahr nach Wladiwostok. Die Siedler leben in freundlichen Beziehungen mit den Sowjet-Behörden, aber fie haben mit diesen wenig zu tun. Die Kolonie ist so abgelegen und so schwer $u erreichen, daß noch nie ein Sowjet- Beamter sie besucht hat. Don der alten Heimat hören sie kaum etwas; sie erhalten keine Zeitungen und kümmern sich nicht um Politik. Aber sie haben ihre eigene Zeitung, die hektographisch vervielfältigt wird und deren 3nhalt sich auf das Feuilleton und die Lokalnachrichten beschränkt. Einer der Siedler erzählt: „Wir haben auch unser eigenes Theater. Es gibt acht Klaviere in der Kolonie, mehr als 100 Grammophone und eine gute Bücherei. Llnsere Schule ist nach den Grundsätzen der deutschen Volksschule eingerichtet. An der Spitze steht der Bürgermeister, dem sich alle in wichtigen Fragen untertoeifgfi^. So herrscht Ordnung bei uns. 3eder lebt von der Arbeit seiner Hände, und alles, was wir besitzen, teilen wir mit den Armen und Schwachem 3eder fühlt sich nicht nur bei sich zu Haufe, sondern auch in jedem Haus der Kolonie heimisch. So leben wir tatsächlich einer für alle und alle für einen. 3ch bin glücklich, bald wieder in unferm lieben Baranowitschi zu ftin. Gewiß ist das Leben hier eintönig, aber idy habe meine Geige, meine Arbeit, mein Pferds und meine Bücher, und ich bin zufrieden." I
Nationalsozialisten
420 582
(329 521)
Sozialdemokraten
192 443
(190 799)
Kommunisten
96 478
(112 334)
Zentrum
120 466
(114 365)
Kampfsronk
25 267
(24 726)
Deutsche volksparlei
15 354
(24 134)
Chr.-Soz.
6 872
(9 995)
Staatspartei
8 942
(6 084)
Deutsche Bauernpartei
334
(2 178)
Rheinhessen.
Provinz Rheinhessen.


