Das Wunder
der Magussi Weiser
Vornan von Fr. Lehne.
Urheberschutz durch C. Ackermann, Stuttgart.
2. Fortsetzung. Nachdruck verboten!
„Vielleicht nur falsch nach Ansicht der Eltern —! Ach, Frau Kommerzienrat, wie oft hat — ich spreche jetzt im allgemeinen — elterliche Kurzsichtigkeit große Talente in ihrem Fluge gehemmt, daß sie im Alltagsstaub verkümmern mußten! Dankbarkeit gegen ihre Unterdrücker hat gewiß nicht in solchen Unglücklichen gelebt! Und Magussi hat Talent! Alle, die sie einmal haben singen hören, sind voller Bewunderung! Gnädige Frau, wenn Sie Magussis Glück wirklich wünschen, dann seien Sie ihr beim Herrn Kommerzienrat Fürsprecherin! Magussis einziger Wunsch ist, singen zu dürfen."
„Und wenn Sie, Lilo, das Glück Ihrer Freundin wünschen, dann bestärken Sie sie nicht noch mehr in ihren romantischen Plänen!" entgegnete Frau Bunte in ziemlich scharfem Ton, „es ist ganz ausgeschlossen, was ihr beide euch ausgedacht habt!"
„Nein, nicht ausgeschlossen, Mama —"
„Kind, eher fällt der Himmel ein, ehe Papa da nachgibt! — Und auch mir ist dein Wunsch höchst unsympathisch, so daß auch ich niemals meine Zustimmung geben würde!"
Magussi wechselte mit der Freundin einen Blick: Lilo nickte ihr heftig zu. „Dann muß ich meinen Weg ohne eure Zustimmung gehen," sagte Magussi, und ihr liebliches Gesicht zeigte einen Ausdruck fester Entschlossenheit: „ich gehe ihn; er ist mir vorgezeichnet! Niemand kann mich davon abbringen —"
Da wurde die Kommerzienrätin ernstlich ungehalten.
„Bis jetzt habe ich deinen Ungereimtheiten geduldig zugehört, Magussi! Wenn du aber so unvernünftig bist und dennoch auf deinen phantastischen Plänen beharrst, so sage ich dir ganz entschieden, daß ich vollständig auf Papas Seite stehe und dich mit allen Mitteln zurückhalten werde —"
„Dann würdest du mich sogar einsperren?" fragte Magussi mit leichtem Lächeln, „ach, Muster, wenn mein Schicksal sich erfüllen soll, so nützt alles Dagegenreden und Dagegenhandeln nichts! Es kommt, wie es kommen soll!"
Die Kommerzienrätin überlegte, ob sie Magussi jetzt schon von dem Plan des Vaters, sie, die Tochter, zu verloben, sagen solle! Es war aber doch wohl besser, noch zu schweigen: sie wollte dem Gatten nicht vorgreifen! Sehr ernst und gemessen, des weiteren Redens überdrüssig, sagte sie: „Wenn Papa nachher zu Tisch kommt, Magussi, wirst du ihn um Verzeihung bitten, und Ich will mein Möglichstes tun, ihn zur Nachsicht zu bewegen —"
Um Lilos vollen roten Mund zuckte es spöttisch: wenn Magussi sich gegen solche schulmeisternde Bevormundung nicht wehrte, dann war ihr nicht zu helfen! Es schien, als ahnte Magussi der Freundin Gedanken; sie wurde rot und sagte voller Bitterkeit:
„Vielleicht stellt Papa mich eine Stunde in dir Ecke, oder er läßt mich aus einem Holzscheit knien! Bei uns ist alles möglich."
„Ich will deine ungezogene Antwort nicht gehört haben, Magussi!" versetzte die Kommerzienrätin zurechtweisend, „du kennst Papa und weißt genau, daß man es trotz seiner Herzensgüte und Vornehmheit nicht allzu leicht bei ihm hat! Man muß klug sein; mit Eigensinn erreicht man gar nichts! Richte dich also danach, wenn er nachher zu Tisch kommt."
„Lilo ißt doch mit uns, Mama —
Die Kommerzienrätin zögerte ein wenig mit der Antwort, was Lilo wohl bemerkte. Rasch sagte diese — „nur, wenn ich nicht störe! Heute, Magussi, habe ich aber das Gefühl, daß ich ein weniger gern gesehener Gast als sonst an eurem Tisch sein würde. Ich wäre Ihnen dankbar, Frau Kommerzienrat, wenn Sie mir offen sagten, wie Sie sich zu Magussis Aufforderung stellen."
„Sie wissen, Lilo, daß Sie mir sonst stets willkommen sind — aber heute — Sie haben recht, und auch für Sie würden diese Abendstunden wenig erquicklich sein! Denn ich spreche es ehrlich aus: mein Mann ist nicht gerade freundlich für Sie gesttmmt, da durch Sie Magussis heimlicher Ausflug erst ermöglicht wurde! Verzeihen Sie, Lilo, doch Sie wünschten Offenheit —"
Lilo nickte. „Ich dachte es mir! Ich möchte durchaus nicht als störendes Element in Ihrem Haufe gelten, und ich werde wiederkommen, wenn mein Besuch angenehmer ist!"
Ohne jede Empfindlichkeit erhob sie sich und küßte der Kommerzienrätin die Hand.
„Ich bitte für Magussi, gnädige Frau! Ich bin ehrgeizig für meine liebe Freundin!"
Sehr gemessen war die Verabschiedung der Kommerzienrätin, der Lilos überschwengliche Art nicht sympathisch war. —
Magussi begleitete Lilo hinaus. Es war ganz dunkel; kein Stern war zu sehen. Der Wind strich durch die Bäume, und er raschelte in dem fahlen, dürren Herbstlaub. Ganz unheimlich klang es. Beinahe furchtsam blickte sich Magussi um.
„Wie ist es kühl und unfreundlich geworden! Und untertags war es noch so sommerlich warm!" klagte sie und zog fröstelnd die Schultern hoch.
Da fauchte es heran; zwei weiße, grelle Lfchter bestrahlten taghell die Straße; ein Signal ertönte, und vor dem "Eingang zum Park hielt Lilos Kraftwagen.
„Mertens ist pünktlich!"
Magussi ging mit der Freundin bis zum Wagen; sie konnte sich gar nicht von ihr trennen.
„Ach, wäre es nur erst morgen!" sagte sie, „weißt du, was mich jetzt am meisten bedrückt? — Daß
Baron Langen mit uns war! Hoffentlich erfährt Papa davon nichts? Er ist ja so furchtbar mißtrauisch, und für den Baron hat er wenig Sym- pathie, und ich mache mir wirklich nichts aus ihm."
„Er hat aber um so mehr Interesse für dich, Kleine!" Die Dunkelheit verbarg das überlegene spöttische Lächeln, das um Lilos Lippen huschte, — „daß er in deine Blondheit verliebt ist, sieht jeder!"
Sie küßte die Freundin auf beide Wangen, ehe sie in ihren Wagen stieg. — „Also nochmals: sei tapfer, halte stand, und lasse dir dein Selbstbestimmungsrecht nicht rauben!"
Traurig, mit schwerem Herzen, ging Magussi nach dem Hause zurück, indessen Lilo sehr zufrieden heimfuhr. Sie konnte nicht ohne Sensation und Aufregungen sein, und am liebsten erlebte sie jeden Tag einen Roman.
Den Verkehr mit Magussi Bunte pflegte sie mehr aus Berechnung als aus wahrer Freundschaft, deren sie in ihrer Oberflächlichkeit gar nicht fähig war. Denn der Verkehr mit dem hochangesehenen kommerzienrätlichen Hause war ihr sehr wertvoll, da er ihr den gesellschaftlichen Halt gab, dessen sie bedurfte nach ihrer etwas abenteuerlichen Ehe mit dem Baron von Konsilius, den sie auf einer Reise in der Schweiz kennengelernt hatte.
Diese Heirat hatte bald ein Ende gefunden, da die beiden Ehegatten gar nicht miteinander harmonierten.und einer vom andern schnell enttäuscht wurde. Er hatte geglaubt, Lilos Vermögen in die Hände zu bekommen, als ihr Vater plötzlich gestorben war; doch nach den Testamentsbestimmungen war das Geld festgelegt, und vor ihrem dreißigsten Jahre hatte auch Lilo kein Verfügungsrecht darüber. Der Baron ließ Lilo seine Verstimmung sehr merken. Sie war bald dahinter gekommen, daß er ein Spieler lyar und ganze Nächte am Spieltisch verbrachte. Als sie ihm darüber Vorwürfe machte, wurde er roh und rücksichtslos und vernachlässigte sie über anderen Frauen. Sie drang auf Trennung der Ehe, und in ihrem leichten Sinn hatte sie alle diese Unerfreulichkeiten bald vergessen! Die Hauptsache war ihr ja gewesen, wie sie selbst sagte, daß aus dem einfachen Fräulein Elisabeth Charlotte Müller eine Baronin geworden!
Ihr Leben stellte sie ganz auf Genießen; der Frauentitel gab ihr größere Freiheit, und von dieser Freiheit machte sie ausgiebigen Gebrauch. Sie reifte viel, weil sie sich amüsieren wollte und voller Sehnsucht nach allerlei kleinen Abenteuern war! und war sie daheim in der hübschen, kleinen, elterlichen Villa, lud sie Gäste ein, weil sie immer Leben und Betrieb um sich haben mußte! — Für den Baron von Langen hatte sie ein wirklich tiefes Interesse, und sie hätte ihn gern geheiratet. Doch er dachte nicht daran, sich Ehefesseln anlegen zu lassen, und sei es durch die hübscheste, reichste, klügste Frau! Eine kleine Enttäuschung war in Lilo, als er das einmal scherzenden Tones, doch ernst gemeint, bei einem Abendessen sagte. Aber da sie den hübschen,
eleganten Mann, der insgeheim ihr Freund geworden, nicht verlieren wollte, richtete sie ihr Verhalten anders ein. Sie erklärte auch bei Gelegenheit, daß sie keine Lust habe, sich nochmals unter die Oberhoheit eines Mannes zu begeben; sie schätze ihre wiedergewonnene Freiheit und Unabhängigkeit viel zu sehr, um sie gegen irgendeinen unbestimmten Faktor einzutauschen, — alle Männer seien eben unbestimmte Faktoren, mit denen nicht zu rechnen sei — und sie als Tochter eines Kaufmanns fei auch kaufmännisch veranlagt und liebe glatte, klare Rechnungen!
Ob der luftige Kurt v. Langen ihr das fo fest glaubte?
Für ihn waren Frauenseelen keine verschlossenen Türen.
Die einzige, die er ohne Besinnen geheiratet hätte wäre Magussi Bunte gewesen, deren zarte, blonde Schönheit ihn mächtig anzog — alles, was gut und rein in ihm war, strebte nach ihr! Doch als er gemerkt, daß da keine Hoffnung sür ihn war, suchte er Ersatz bei Lilo v. Konsilius, die ja ein riesig fesches Frauenzimmerchen war! Sehr geschickt verstanden beide, ihre Beziehungen zueinander zu verschleiern, daß niemand auf die Vermutung kam, wie eng sie geworden!
Und Magussi in ihrer Arglosigkeit zu allerletzt! Ja, Kurt v. Langen machte ihr noch immer den Hof und schmachtete sie mit den hübschen, kecken Äugen an, daß Lilo sie manchmal mit diesem Verehrer, dem „Ritter Toggenburg", neckte.
Doch Magussi hatte für keinen Mann Interesse; die Musik ging ihr über alles!
3.
Die große Standuhr im Eßzimmer schlug einmal an — halb acht! Nun würde der Vater jeden Augenblick da kein; leise fuhr Magussi zusammen — sie fürchtete sich doch vor der Aussprache mit ihm!
Ans Fenster tretend, schob sie den Vorhang ein wenig zur Seite, und spähte hinaus. Dicke Wolken hingen am Himmel; wie Gewitterwolken waren sie getürmt. Plötzlich schreckte sie zusammen — ein greller Blitz blendete ihre Augen; krachend folgte ein lange nachgrollender Donner.
Die Kommerzienrätin fuhr auf. „Was war das?" In großem Erschrecken legte sie die Hand auf das stürmisch klopfende Herz.
Mit blassem Gesicht wandte Magussi sich um. „Gewitter im Herbst, Mama!" sagte sie schwer. „Wie seltsam!"
Dann setzte sich Frau Bunte wieder, und ihre fleißigen Finger durchgitterten weiter das feine Filetgewebe, von dem sie den Blick nicht erhob. Magussi ging einige Male auf dem bunten Perser auf und ab, um dann vor dem schwarzen Blüthner- flügel stehen zu bleiben, an dem sie den ersten Musikunterricht genossen. Der kostbare Flügel, den sie zum zwanzigsten Geburtstag bekommen, zierte den Empfangsraum. (Fortsetzung folgt.)
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Bei Sodbrennen - Magenbesehwerden
Herr Kleingehalt...
Einteilen, es muß gespart werden, so spricht er mit sich selbst, so oft es an seinen Geldbeutel geht und so heißt es von morgens bis abends in der Familie. Den Pfennig rumdrehen, so diktiert seine Frau, die sparen lernen mußte. Bekleidung ist nötig, oft allzunötig. Mancher hat die Beschaffung schier unglaublich lang aufgeschoben bis zu dem nächsten Flicklappen. Jetzt im Saison - Schlußverkauf gilt es endlich eine Neuanschaffung durchzusetzen. Deshalb im Saison-Schlußverkauf, weil es einmal so üblich ist, zu diesem Anlaß alle Bekleidungsartikel im Preis herabzusetzen, die Saisonartikel besonders. Auch an das kleinste Portemonnaie ist dabei gedacht.
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