Die Neuordnung in -er Aitpreußischen Union.
Berlin. 5. 2lug. iWTB. Funkspruch.) Lieber den gestrigen Beschluß des Alt preußischen Kirchensenats, durch den die Wahl von Wehrkreispfarrer Müller zum Landes- bischof von Preußen vollzogen wurde, wird folgende kirchenamtliche Mitteilung ausgegeben:
„I. Der Kirchensenat wählt den Wehrkreispfarrer Ludwig Müller in Königsberg i. Pr. zum Präsidenten des Evangelischen Oberkirchenrates. Der Präsident Müller führt zugleich die Amtsbezeichnung Landes- b i s ch o f.
2. Der Präsident des Evangelischen Oberkirchenrates Ludwig Müller ist anKollegial- beschlüsse des Evangelischen Oberkirchenrates nicht gebunden. Er ist berechtigt, Befugnisse des Evangelischen Oberkirchenrates s e l b st ä n - d i g auszuüben.
3. Der Kirchensenat überträgt bis zu seiner nächsten Sitzung seine Befugnisse auf seinen Vorsitzenden."
Durch diesen Beschluß des Kirchenrates tritt zum ersten Male in der Geschichte der Altpreu- hischen Llnion an die Spitze der Verwaltung der größten deutschen Landeskirche ein Geistlicher. der die Amtsbezeichnung Landesbischof führt. Während bisher die Entscheidungen im Evangelischen Oberkirchenrat durch Kollegialbeschlüsse getroffen wurden, die durch Abstimmung der hauptamtlichen Mitglieder zustande kamen, werden nunmehr dem Präsidenten st ä r - kere selbständige Befugnisse eingeräumt. Der Kirchensenat, der etwa 35 Mitglieder zählt, hat seine Befugnisse auf seinen Vorsitzenden, Präses L>. Winckler, übertragen. Großes Arbeiisbeschaffungs- programm -er Reichspost.
Berlin, 4. Aug. (WTB.) Die Deutsche N e i ch s p o st hat im zusätzlichen Arbeitsbeschaf- fungsprogramm für 1933 Arbeiten in Höhe von 76,6 Mill. Mark vorgesehen. Der größte Teil der Summe entfällt auf das Fernmeldewesen, und zwar 54,9 Mill. Mark. Das Hochbaugewerbe ist an dem Arbeitsbeschaffungsprogramm mit 15,5 Mill. Mark beteiligt. An den Fahrzeugbau werden weitere Aufträge in Höhe von 5,5 Mill. Mark vergeben, und zwar 1,6 Mill. Mark für den Bau von
Bahnpostwagen und 3,9 Mill. Mark für den Bau von Kraftomnibussen sowie von Land- und Orts»
Die"8ergebung der Aufträge ist mit b e st i m m - ten Verpflichtungen für die Unterneh- m e r verbunden, u. a. Durchführung der Arbeiten, soweit möglich, durch neu einzustellende Erwerbslose hierbei in erster Linie Berücksichtigung von Kinderreichen, Familienernährern und langfristig Erwerbslosen, insbesondere solchen, die der SS., SA SAR. oder der SSt. angehören. Bei der Vergebung der Arbeiten wird die Deutsche Reichspost wie bisher mittlere und kleinere Betriebe möglichst weitgehend berücksichtigen.
Oie Treue der Saar zum 2Reid).
Berlin, 4. Aug. (CAD.) Angesichts der immer wieder von französischen Quellen gezeigten saarseparatistischen Propagandakampagne ist eine Entschließung bemerkenswert, die in der Stadtverordnetensihung des neu gewählten Gemeinderats in Dud - Weiler angenommen worden ist und die ein eindeutiges T r e u b e k e n n t n i s zum Aeich darstellt. Besondere Beachtung verdient dabei, daß bei der Aussprache über diese Erklärung der Deutschen Front auch die kommunistischen Gemeinderatsmitglieder sich deutlich gegen den Saarseparatismus ausgesprochen und gegen die Vertreter der separatistischen Partei gestimmt haben.
Das Urteil im Lindenfelser Prozeß.
Darmstadt, 5. August. (TU. Drahtmeldung.) Rach mehrtägiger Verhandlung vor dem Sondergericht wurde heute mittag das Urteil im Prozeß wegen der Vorgänge am 26. Februar dieses Jahres in Lindenfels im Odenwald, wobei der Hitlerjunge Erößmann aus Pfungstadt erstochen worden war, gefällt. Das Gericht verurteilte den Haupt- angeklagten Ludwig Büchler wegen schweren Landfriedensbruchs in Tateinheit mit Totschlag entsprechend dem Strafantrag des Staatsanwalts zum Tode bei Ehrverlust auf Lebenszeit. Sein Vater Josef Büchler erhielt 10 Jahre Zuchthaus wegen schweren Landfriedensbruchs in Tateinheit mit Tot- fchlagoerfuchs. Weiter erhielten Johannes Maurer 7 Jahre Zuchthaus, Adam Unger und Hans Maurerje 4Jahre Zuchthaus wegen schweren Landfriedensbruchs. Wegen einfachen Landfriedensbruchs Philipp Llnger 3 Jahre Ge - f ä n g n i 5 und Jakob Katzenmeier 1 Jahr Gefängnis. Die übrigen Angeklagten wurden freigesprochen.
Lloyd George klagt Sir Grey an.
Ein bedeutsamer Beitrag zur Kriegsschuldsrage.
London, 2. August. (TU.) Der „D a il y Telegraph" veröffentlicht Auszüge aus den Kriegs- erinnerungen von Lloyd George. Er belegt hierin Sir Edward Grey, den britischen Außenmini- st r bei Kriegsausbruch, mit wenig schmeichelhaften Ausdrücken und schiebt ihm eine große Verantwortung für d i e N i ch tverhinde- rung des Kriegsausbruches im Jahre 1914 zu. Hätte Sir Edward Grey Deutschland rechtzeitig gewarnt, so meint Lloyd George, und darauf aufmerksam gemacht, daß England unter bestimmten Voraussetzungen genötigt sei, den Krieg zu erklären, so würde der Ausgang der verhängnisvollen Julikrise 1914 ein anderer gewesen sein.
Für Deutschland ist diese Erkenntnis von Lloyd George außerordentlich beachtlich. Ist er es doch gewesen, der noch 1921 die deutsche Verantwortlichkeit für den Krieg als grundlegend für das Versailler Diktat und als abgeurteilte Lache angesehen wissen wollte. Roch 1932 fyat Lloyd George in seinem Vuch „Die Wahrheit über Reparationen und Kriegssckmldlüge" Deutschland sehr einseitig belastet
mit den Worten: „Die Herrscher Oesterreichs und Deutschlands wählten den Krieg und auf dem Kampfplatz des Krieges fiel das Urteil gegen sie aus." Wenn er jetzt, wie auch in vielen anderen Äuße
rungen, von dem Standpunkt einseitiger Kriegsschuld Deutschlands abrückt und das Versagen des leitenden englischen Staatsmannes hervorhebt, so hat Deutschland alle Ursache, dies mit Genugtuung zur Kenntnis zu nehmen. Wir können dabei noch hinzufügen, daß die außergewöhnlich starke Stellung, die England gerade in der Julikrife 1914 einnahm, es in die Lage versetzt hätte, den drohenden Weltkonflikt zu verhindern, wenn es dies ernsthaft hätte tun wollen.
Die Möglichkeit zu einer solchen ehrlichen Vermittlerrolle kam aber für die britische Politik der damaligen Zeit deswegen nicht in Betracht, weil sie durch ihre „unverbindlichen" Absprachen mit Frankreich und Rußland innerlich nicht mehr frei genug dazu war.
Wenn wir Serbien, Frankreich und Rußland vor- roerfen können, daß ihrer Politik Ziele vorgeschwebt haben, die nur durch einen europäischen Krieg zu verwirklichen waren, so besteht die Verantwortlichkeit Englands am Kriegsausbruch darin, daß es die französische und russische Diplomatie zur Fortsetzung dieser Politik ermunterte und sich moralisch zu einer weitgehenden Parteinahme verpflichtete.
Aus aller Well.
200 Arbeitsdienstfreiwillige bei den Bayreuther Festspielen.
Durch die Bemühungen des Reichsministers für Volksaufklärung und Propaganda ist zum ersten Male der deutschen Jugend im Arbeitsdienst die Teilnahme an den Bayreuther F e st s p i e - l e n ermöglicht worden. 200 Arbeitsfreiwillige aus allen deutschen Gauen weilen z. Zt. in Bayreuth. Bei der Besichtigung der Sehenswürdigkeiten Bayreuths legte Hauptmann a. D. Herbert M o l e n a r als Gestalter der Freizeit Wesen und Bedeutung Wagners für uns Nationalsozialisten wirkungsvoll dar. Am ersten Tag begrüßte Ministerialrat H a e g e r t als Vertreter des Reichsministers für Volksaufklärung und Propaganda die Kameraden vom Arbeitsdienst unter der Fahne unseres Dritten Reiches und dem Banner des Arbeitsdienstes, das auf dem Feftquartier feierlich gehißt wurde. In einer vom Erleben Bayreuths ergriffenen Stimmung legte Ministerialrat H a e g e r t eindrucksvoll dar, daß die Arbeitsdienstkameraden dieses einzigartige Erlebnis dem Führer zu verdanken haben, der durch Minister Dr. Goebbels der deutschen Jugend, die zu ihm in innerster Gefolgschaft ^teht, diese Festtage ermöglicht habe. Zum ersten Male, so betonte Haegert, ist es Tatsache, daß Freiwillige des Arbeitsdienstes aus allen Teilen unseres Vaterlandes zu den Festspielen hier weilen, und dieses Zusammensein sei ein Abbild der deutschen Volksgemeinschaft, die zum ersten Male in der deutschen Geschichte Adolf Hitler verwirklicht habe.
Stratofphären-Flug in USA.
Zu dem bevorstehenden Stratosphärenflug des amerikanischen Kapitänleutnants Settle werden folgende Einzelheiten gemeldet: Der Inhalt seines Ballons „Century of progress“ faßt 600 000 Kubikfuh, d. h. er ist um 100 000 Kubikfuß größer als der P i c c a r d s. Der Ballon ist 15 Stockwerke hoch und besteht aus gummiertem Seidenstoff. An dem unteren Teil der Gondel sind zwei getrennte Apparate zur Llnter- suchung der Kosmosstrahlen angebracht, der eine von dem Chicagoer Professor C o m p t o n und der andere von dem kalifornischen Professor Millikan, die verschiedene Strahlentheorien vertreten. Die beiden Gelehrten sind Aobelpreis- träger. Settle will bis zum Sonntagmorgen (Aeuyorker Zeit) in etwa 15 000 Fuß Höhe
bleiben und danach die durch Sonnenstrahlen bedingte Expansion der Wasserstoffgase zum Rekordhöhenflug ausnutzen. Während seines Fluges wird er in der hermetisch verschlossenen Gondel in größerer Höhenlage künstlichen Sauerstoff atmen. Die Landung ist in der Rächt zum Sonntag oder am Sonntagmorgen beabsichtigt. Settle hofft, eine Höhe von 55 000 Fuß zu erreichen, wo eine Kälte von 48 bis 50 Grad Cels. herrscht.
Kapitänleutnant Settle aus Chikago ist heute (Samstag) 9 Uhr MEZ. zu seinem Stratosphärenflug aufgestiegen.
5000-rNark-Spende der Deutschen Drogistenschaft.
Der Führer der Deutschen Drogistenschaft hatte zur Sammlung der Adolf-Hitler-Spende für „Opfer der Arbeit" aufgerufen. Unter Vorantritt des Deutschen Drogisten-Verbandes und namhafter Beteiligungen der drogistischen Genossenschaften wurden 5000 Mark gesammelt. Der Betrag muß für einen unter der Not der Zeit besonders stark leidenden Be- russstand als recht stattlich bezeichnet werden. Der Stellvertreter des Führers, Rudolf Heß, hat in einem Schreiben an den Vorsitzenden des Deutschen Drogistenverbandes den herzlichsten Dank ausgesprochen und die Weiterleitung der Summe an die zuständige Stelle des Propagändaministeriums angezeigt.
Verkehrsunglück an der kahbach. — Ein Toter, drei Verletzte.
Bei einem Möbeltransport von Schönau (Nieder- schlesien) nach Michelsdorf überfuhr der Wagenzug die Brückenmauer in Schönau und stürzte vier Meter tief in d i e Katzbach. Der Führer und ein Mit- fahrer erlitten Rippenbrüche und Armverletzungen, konnten sich aber noch aus dem Wasser retten. Ein weiterer Mitfahrer, der 30jährige ledige Heinrich Scholz, erlitt einen Genickbruch und mar sofort tot. Ein vierter Mitfahrer lag im Fluß einge« quetscht. Es war sehr schwierig, ihn unter dem Ge- wicht des schweren Wagens freizubekommen. Schließlich gelang es ihn zu retten, doch hat er sehr schwere Verletzungen erlitten.
Zwei Pfadfinder ertrunken.
Eine Gruppe von Pfadfindern, die am Strande bon Biarritz ihre Zelte aufgeschlagen hatte, wurde
von einer Sturzwelle überrascht. Als die Welle zurückgeströmt war, stellte man fest, daß zwei der jungen Leute verschwunden waren. Ihre Leichen wurden später an den, Strand geworfen.
Erdbeben in Kroatien.
Die „Prawda" berichtet aus Agram, daß dort ein starkes Erdbeben verspürt wurde. Die Bevölkerung sei in größter Verwirrung auf die Straße gestürzt. Die Erdstöße seien in der Richtung Süd-Rord verlaufen. Das Zentrum des Bebens habe zehn Kilometer südlich von Agram gelegen.
Dammbruch und Ueberfchwemmung in Amerika.
Der Colorado durchbrach etwa 40 Meilen von Denver entfernt infolge ungeheurer Wolken- b r ü ch e in der Rächt den Castlewooddamm. Eine Wassersäule, anderthalb Kilometer breit, raste innerhalb weniger Minuten über zahlreiche Ortschaften hinweg und zerstörte Eisenbahnbrücken, Landstraßen, sowie sämtliche Telephon- und Telegraphenleitungen. In Denver selbst wurde die große Boulevardbrücke über den Cherrycreek, sowie zahlreiche Villen fortgeschwemmt. Es wird befürchtet, daß zahlreiche Personen ertrunken sind. Der Schaden ist noch nicht zu übersehen. Nach einem Funkspruch aus Denver (Colorado) hat die Ueberfchwemmung des Cherry-Fluffes zwei Menschenleben gefordert. Schaden ist in Höhe von einer Million Dollars ahgerid)tct worden.
Englischer Flugverkehr für die Goldsucherkolonie in Labrador.
Einige ehemalige englische Kampfflieger haben sich zusammengetan, um für die mehrere tausend
Köpfe zählende Goldsucherkolonie im Inneren Labradors einen regelmäßigen Flugverkehr zwischen der Küste und dem neuen Goldfeld einzurichten. Dadurch wird die Reisedauer von dem Goldfeld nach dem nächsten Verkehrszentrum auf wenige Stunden vermindert, während bisher die Fahrt im Hundeschlitten drei bis fünf Wochen dauerte. Eine Jacht wird in etwa sechs Wochen mit mehreren Flugzeugen an Bord von England nach Labrador abgehen. Die neue Transportmöglichkeit hat, abgesehen von der beträchtlichen Zeitersparnis, den Vorteil größerer Sicherheit, da die Gefahr räuberischer UeberfäUe auf die Goldtransporte aus» geschaltet wird. Der Leiter des Unternehmens ist Major D r a p e r, dem seine Kameraden tm Weltkriege wegen seiner waghalsigen Taten den Beinamen „der verrückte Major" gaben. 1931 hat er zum letzten Male von sich reden gemacht, als er unter der Londoner Tower-Brücke durchflog.
Munitionslager in Nikaragua in die Luft geflogen.
Wie aus Managua in Nikaragua gemeldet wird, ist dort das Hauptmunitionslager Canto de Marte in die Luft gepflog em Das Llnglück ereignete sich, während die Bevölkerung einer traditionellen örtlichen Festlichkeit auf dem Santo Domingo-Plah beiwohnte. 30 Zivilgardisten wurden getötet oder verwundet. Die Explosion rief in der Stadt eine Panik hervor. Die Bevölkerung glaubte zuerst an ein Erdbeben.
Bootsunglück auf dem Ganges. —
26 Inder ertrunken.
Ein Boot, das den gerade im Steigen begriffenen Ganges bei Benares überqueren wollte, schlugum. 26 Inder, darunter mehrere Frauen, ertranken.
Aus der Vrovinzialhauptstadt.
Ein frohes Gemüt.
So verschieden auch die Aeußerungen des Gemütslebens sein mögen, so fließen sie doch in zwei Grundstimmungen zusammen: heitere und trübe, die freilich in den verschiedensten Graden auftreten können als Zufriedenheit, Heiterkeit, Frohsinn, Aus- gelassenheit oder Beklommenheit, Ernst, Kummer, Trübsinn, Kleinmut. Glücklich derjenige, der sich zur Arbeit an sich selbst ein heiteres, frohes Gemüt erworben hat: ohne leichtsinnig zu sein, ist er stets freudig gestimmt, nimmt alles von der besten Seite und weiß selbst am Schlimmen noch etwas Gutes herauszufinden. Ja, ein frohes Gemüt ist die Grundlage unseres gesamten Lebensglückes; daher sagt Goethe: „Das größte Glück im Leben und der köstlichste Gewinn ist ein guter, leichter Sinn".
Aber nicht nur glücklich und unglücklich macht den Menschen das Gemüt, sondern es ist auch die Grundlage der Kunst und aller echten Sittlichkeit und Religion. Wer sich in der rechten, heiter-ernsten Gemütsverfassung befindet, kann klarer denken, fröhlicher schaffen und sicherer handeln. Nicht während das Herz von Leidenschaften aufgewühlt wird, schafft der Künstler, der Denker. Nur im klaren See spiegeln sich alle Gestirne. Nur der gemütvolle Mensch hat ein Herz für die Armen und Verlassenen, für die Kranken und Unglücklichen, aber auch nur der gemütvolle Mensch kennt das göttliche Gefühl der Mitfreude, jenes Gefühl, von dem Jean Paul Jagt: „Zum Mitleid gehören Menscheck, aber zur Mitfreude gehören Engel."
Was haben wir zu tun, um die Gemütsbildung naturgemäß zu fördern?
Das erste ist die Sorge für die körperliche Gesundheit. Der Gesunde fühlt sich leichter, frischer, kräftiger als der Kranke. Gesundheit erzeugt daher Frohsinn. Die Aerzte haben gar nicht so Unrecht, wenn sie behaupten, das Gemüt stecke eigentlich im Blute. Eltern sollen deshalb auch für eine vernünftige Pflege der Gesundheit ihrer Kinder mit allem Ernste besorgt sein. Aber es gibt noch einige vorzügliche Mittel, das Gemüt zu bilden, die nicht unerwähnt bleiben dürfen. Da ist vor allem die Musik, die wie ein geistiges Bad für die kranke Seele ist: die Poesie, „Sie da wecket der dunklen Gefühle Gewalt, die im Herzen wunderbar schliefen" und die Natur, die wie eine Mutter immerfort ihre Arme gegen uns ausbreitet, wenn auch alle Menschen uns verlassen.
Doch wichtiger als alles bisherige ist das Familienleben, das einen Heranwachsenden Menschen umgibt. Gibt es etwas, was das Gemüt zu bilden und ihm eine durch das ganze Leben hindurchgehende freudige Stimmung zu geben imstande ist, so ist es ein schönes, herzliches und herzinniges Familienleben. M. ©r*
/ Franz Soldan 60 Jahre alt.
Am morgigen Sonntag, 6. August, kann Stadtratsmitglied und Gastwirt Franz Sold an, Seltersweg 50, in ausgezeichneter Frische seinen 60. Geburtstag begehen.
Herr^Soldan, ein Mann von echtem deutschen Wesen, ein glühender Patriot mit vorbildlicher sozialer Gesinnung, wurde im Jahre 1919 nach dem Schanddiktat von Versailles aus dem Elsaß ausgewiesen. Er kam als ein Opfer seiner unverbrüchlichen aufrechten deutschen Gesinnung, die den Franzosen natürlich ein Dom im Auge war, nach Gießen und gründete sich hier zunächst in einer Gastwirtschaft am Oswaldsgarten eine neue Existenz. Als alter und begeisterter Soldat — er war Leibhusar — galt sein Interesse und seine Arbeitskraft alsbald auch hier dem Zusammenschluß der alten Kavalleristen in unserer Stadt. Er schloß sich dem Kavallerieverein an und betätigte sich in dessen Reihen so vorbildlich, daß er schon nach kurzer Zeit zum 1. Vorsitzenden des Vereins gewählt wurde. In dieser Eigenschaft stand er an der Spitze des Ausschusses, der im Jahre 1927 den großen Kavalleristentag in unserer Stadt organisierte und dessen Seele und Mittelpunkt bei allen Arbeiten Franz Soldan war, der sich mit bewunderungswürdiger Hingabe und Begeisterung für die große Sache einsehte. Der glänzende Verlauf dieser bedeutsamen Veranstaltung, die eine ausgezeichnete Werbung für den Wehrwillen und die Wehrfreudigkeit namentlich in der Heranwachsenden Generation unseres Gemeinwesens war, belohnte die unermüdliche und opferfreudige Arbeit Franz Soldans als oberster Leiter des Ausschusses in schönster Weise.
Die nationalsozialistische Freiheitsbewegung fand in ihm, dem alten soldatischen Kämpfer, ebenfalls einen der eifrigsten Anhänger und tatkräftigsten Verfechter. In der SA., in der er feine ganze Persönlichkeit für die Idee und die Arbeit des Volkskanzlers Adolf Hitler einsetzte, wurde er innerhalb unserer engeren Heimat ein unerschrockener, nie erlahmender kämpfender Wegbereiter der nationalsozialistischen Revolution. Auf diesem Wege hatte er unter Dem früheren Snstem mit vielfachen Schwierigkeiten zu ringen, er setzte sich aber trotz zahlreicher
Opfer und Bedrängnisse gegen alle Widersacher durch und erlebte als Führer des Reservesturms 11 der SA.-Standarte 116 die Freude des Erfolges seiner Arbeit, sowohl in dem politischen Siege der NSDAP., wie auch in der Gründung einer ganzen Reihe von Abteilungen seines Reseroesturms in den Orten um Gießen herum. Mit seinen Kameraden in der SA.» Peseroe fühlt er als Führer des Sturmes sich in echtem deutschen Soldatengeist eng verbunden.
Die gleiche aufrichtige Verbundenheit besteht für ihn mit dem schwer bedrängten Mittelstand, der an ihm in seiner Eigenschaft als Mitglied des Gießener Stadtrats und als einer der führenden Männer des Kampfbundes für den gewerblichen Mittelstand einen energischen Führer und Vorkämpfer besitzt.
In weiten Kreisen der Bürgerschaft von Gießen und Umgegend kann sich der Jubilar, der auch unter seinen Berufskollegen bestes Ansehen besitzt, mit Recht großer Wertschätzung erfreuen.
Walter Bergner zum Regierungsrat ernannt.
Das Hessische Personalamt gibt bekannt: Herr Walter Bergner wurde mit Wirkung vom 26. Juli 1933 zum Regierungsrat in der Ministerialabteilung III ernannt.
Dazu schreibt die Staatspressestelle: Regierungsrat Bergner wurde am 31. August 1904 in Schmiedeberg im Erzgebirge geboren. Rach dreijähriger kaufmännischer Lehre und sechsjähriger kaufmännischer Tätigkeit in Pridatunter- nehmungen in Annaberg trat er am 1. Mai 1928 in die Abteilung: für Wirtschaftspolitik des DHIL in Berlin-Wilmersdorf ein. Rach dem er durch seine berufliche Tätigkeit als Geschäftsführer des DHV. in Hamburg, Offenbach a. M.» Frankfurt a. M. und Mainz reiche Erfahrungen auf Wirtschafts- und handelspolitischem Gebiet gesammelt hatte, erfolgte am 5. April 1933 seine Berufung zum Beauftragten des Staatskommissars für Arbeiterfragen und mit dem 26. Juli 1933 seine Berufung in das Deamtenverhältnis. Regierungsrat Bergner ist Mitglied der RSDAP. seit 1925 mit der Mitgliedsnummer 12 458. Er war Gründer und Ortsgruhpenleiter der Ortsgruppe Annaberg im Erzgebirge, in Berlin-Wilmersdorf stellvertretender Sektionsführer und zugleich 1929 der erste nationalsozialistische Betriebsrat beim DHV. Im Jahre 1932 wurde er zum Geschäftsführer des Gauwirtschaftsbereiches bestimmt.
Veruntreuungen des Direktors des Veterinär-Lintersuchungsamts. Der heutige Bericht der Gießener Kriminalpolizeistelle meldet: Der hiesigen Polizeidirektion — Kriminalpolizei stelle — wurden vor einiger Zeit Mitteilungen über Verfehlungen des Direktors des hiesigen Veterinär-Llnkersuchungsamtes, Dr. Roß köpf, gemacht. Es wurden demselben eine ganze Reihe von Veruntreuungen zum Rachteil des Staates zur Last gelegt. In dem daraufhin eingeleiteten Ermittelungsverfahren fanden die erhobenen Beschuldigungen zum Teil ihre Bestätigung, bei zahlreichen anderen Fällen bedarf es noch der weiteren Aufklärung. Jetzt schon ist der Beweis erbracht, daß sich Dr. R o ß k o p f recht beträchtliche Verfehlungen hat zuschulden kommen lassen, und daß er seine Stellung als Direktor des genannten Amtes in fortgesetzter Weise für seine Privatzwecke ausgenutzt hat. Er wurde deshalb am 1. d. M. vorläufig festgenommen und am nächsten Tage der hiesigen Staatsanwaltschaft und dem Amtsgericht zugeführt. Letzteres hat gegen Dr. Rotz köpf Haftbefehl erlassen. In die Affäre ist auch das im Veterinär-Llntersuchungs- amt beschäftigte Personal zum Teil verwickelt. Die Untersuchung nimmt ihren Fortgang.
Eingestelltes Verfahren wegen Landfriedensbruches.
In der Rächt zum 15. März kam es in Eschenrod (Är. Schotten) zu einem Zwischenfall, bei dem ein großer Teil der Ortseinwohner sich gegen eine Familie des Dorfes wandte, deren Angehörige bei der Einwohnerschaft mitz- liebig geworden waren. Die Auseinandersetzung führte zu lebhaften Auftritten, bei denen u. a. auch einige Schüsse fielen und Verletzte zu verzeichnen waren. Der Vorfall hatte gegen eine Anzahl Einwohner von Eschenrod ein gerichtliches Ermittlungsverfahren wegen Landfriedensbruches zur Folge. Runmehr ist dieses Verfahren durch Gerichtsbeschluß auf Grund der Amnestie vom 21. März d. I. eingestellt worden.
Stunde der SA. im Oeutschlandsender
Wie das Vdz.°Dureau meldet, wird der Deutschlandsender im Einvernehmen mit der SA. noch im Laufe des August eine regelmäßig wöchentlich zu bestimmter Zeit stattfindende Stunde der SA. einrichten. In Aussicht genommen ist die Zeit von 20 bis 21 älhr an jedem Freitag. Im Rahmen dieser


