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5.5.1933 Erstes Blatt
 
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ilr. 104 Erstes Blatt

185. Jahrgang

Aeitag.S. Mai 1955

Lrschernl lägUch, außer Lonntaas und Feiertag». Betlagen: Die Illustrierte (Biebener tfamilienblätter Heimat im Bild Die Scholle monat$Bejngsprel$:

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GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

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Dr. Fnedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr.H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein undfürdenAn- zeigenteil i. D. Th.Kümmel sämtlich in (Sieben.

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Die Parole der Arbeit.

Aus Deutschland waren am 1. Mai die Augen der ganzen Welt gerichtet, denn hier vollzog sich zum ersten Male das Bild, das) der Tag des inter­nationalen Sozialismus zu einem großen Be­kenntnis der nationalen Arbeit um­gewandelt wurde. Man wird es den Männern des neuen Staates gerne zubilligen, daß sie mit gro­ßem organisatorischen Geschick und mit kluger psy­chologischer Einfühlung die Veranstaltungen dieses Tages durchgeführt haben. Daß am Vormittag die Jugend, als die Trägerin der deutschen Zukunft im Berliner Lustgarten versammelt war und daß zu ihr der höchste Repräsentant der Ra­tion, der greife Reichspräsident, ernste Worte von Gehorsam, Pflichterfüllung und Diszi­plin sprach, gab dem Ganzen den symbolischen Auftakt, und niemand wird bestreiten können, daß auch im weiteren der Gedanke, die Idee des in­ternationalen Feiertages in ihr Gegenteil zu ver­kehren und daraus einen Festtag der nationalen Arbeit, ein Bekenntnis zum Ethos der Arbeit zu machen, glänzend gelungen ist. Vom Wetter be­günstigt, sind die Feiern im ganzen Reiche har- monisch verlaufen. Zumal Berlin hat ein Bild von fast amerikanischem Ausmaß, Umzüge von Hunderttausenden, die Mobilisierung der Flug­zeuge und des Zeppelins und schließlich em Feuer­werk geboten, wie es dieses Jahrhundert noch gar nicht kannte. Kurz, ein moralischer Erfolg, der in seinen Wirkungen weit über den Rausch des Tages hinausgeht, und den Absichten der Re­gierung entsprechend, die Einstellung eines gan­zen Volkes zum Begriff der Arbeit ändern kann. Die nationale Regierung hat aus dem 1. Mai ein Bekenntnis des nationalen Bewußtseins gemacht, das der Klassenversöhnung dient und alle Ar­beiter der Hand und des Kopfes in der Erkennt­nis eint, daß ihre Arbeit nicht Selbstzweck, son­dern in bestem Sinne Dienst am Daterlande ist.

Diese Feier war aber nicht nur die Fahne, die auf die eroberte Festung gesetzt wird. Sie ist gleichzeitig auch ein Auftakt für d i e Zukunft. Was der Reichspräsident der deut­schen Jugend, was der Kanzler auf dem Tempel­hofer Felde ungezählten Millionen gesagt hat, ist die Einleitung der eigentlichen Reformtätig- keit, an die wir jetzt Herangehen, ist der Beginn der Werktagsarbeit des neuen Kabinetts. Eine neue soziale Botschaft ist an das deutsche Volk ergangen. Der Staat, in den wir jetzt hinein- wachsen, begnügt sich nicht damit, dem Einzelnen das Recht der Arbeit zuzuerkennen, er verlangt von dem Einzelnen die Pflicht der Arbeit, er macht aus der Arbeit eine Staatsfunktion, er adelt sie. So ist eine neue Arbeitsmoral und Wertung jeglicher Art Arbeit mit dem ersten ^Maientag unter Adolf Hitlers Führung in Herz und Sinn der Ration lebendig geworden.

Das Bekenntnis Hitlers und der Millionen des deutschen Volkes zu einer neuen und vertieften Arbeitsform konnte naturgemäß nicht ergänzt wer­den durch ein ausgetifteltes papiernes Arbeits­programm. Die Wirtschaft entwickelt aus sich heraus ihre Gesetze und ihre Lebens- und Tä­tigkeitsbezirke. Sie ist, genau wie der Staat, ein lebendiger Organismus, der scharfe operative Ein­griffe oder Amputationen nicht verträgt. Als un­ter marxistischen Experimenten die Substanz der Wirtschaft fortgesteuert oder konfisziert wurde, führte das zu Lähmungserscheinungen einzelner Glieder der Wirtschaft, schließlich auch innerhalb der Arbeiter selbst, so daß der Körper der Volks­wirtschaft unter Schlagfluß litt. Hitlers Pro­gramm eines organischen und sozialen Reubaues beginnt folgerichtig mit der Stärkung der Landwirtschaft. Dies entspricht im we­sentlichen auch den praktischen Maßnahmen, die im Fluß sind, und auch Hitlers Hinweis auf ine Rotwendigkeit des Handels entspricht durch­aus der Lage Deutschlands innerhalb der Welt­wirtschaft. unserer Verflechtung mit anderen Ra­tionalwirtschaften und gewissen nicht von ßeiüc auf morgen abzulösenden finanziellen Verpflich­tungen.

Durch die Einführung der Arbeits­dienst p f l i ch t wird, ganz abgesehen von dem großen ethischen und moralischen Wert, der m der Arbeitsdienstpflicht liegt, zunächst zu einem Teil das Arbeitslosenheer von der Straße weg und zu produktiver volkswirtschaftlicher Arbeit hingezogen. Mit Hilfe des Heeres der Arbeits- dienstpflichtigen können volkswirtschaftlich bedeut­same Aufgaben, deren Ruhen vielleicht erst unsere Kinder und Kindeskinder erkennen werden, be­wältigt werden, Aufgaben, die ohne em Volks­heer von Arbeitsdienstpflichtigen unterbleiben würden. Ein Teil der Arbeitsdienstpfnchtigen wird angeseyt werden, um die dringend notwen­digen Bodenmeliorationen in Deutschland ourdj- zuführen, um aus dem Oedland und dem Moor fruchtbares Land zu gewinnen und uns so für alle Zukunft unabhängig von der Einfuhr auä* ländischer Agrarerzeugnisse zu machen. Wir müssen uns vergegenwärtigen, daß Deutschland im vergangenen Jahr noch für 1,5 Milliarden Mark ausländische Lebensrnittel und Getränke eingeführt hat. Selbst wenn man für die Boden- meliorationen, für die Urbarmachung von Oed­land Milliardenbeträge auswirft, werden diese sich bestimmt rentieren. Run wird diese Rente in volkswirtschaftlichem Sinne natürlich um so eher wirksam, je billiger man diese Arbeiten durchführen kann, und hierzu bietet eben der Arbeitsdienst eine besondere Gelegenheit- Wenn diese in höchstem volkswirtschaftlichen Interesse liegenden Arbeiten bisher unterblieben, so liegt vtes daran, daß sich für den Einzelunternehmer bei diesen gigantischen Aufgaben und der Höhe der Tariflöhne feine Rentabilität in absehbarer

Bor neuen Schwierigkeiten in Genf.

Die Franzosen drängen auf unveränderte Annahme des englischen Plans.

'Senf, 4. Mai. (III.) Die Abrüstungskonferenz steht vor neuen ernsten Schwierigkeiten. Präsident Henderson hat das Präsidium für Montag zu einer dringenden Sitzung einberufen, in der Ent­scheidungen von größter Tragweite gefaßt werden sollen. Zn englischen und französischen Konferenz- kreisen besteht die Absicht, noch vor der endgültigen Durchberatung des englischen Abrüstungskomitees in erster Lesung schon in der nächsten Woche zur zweiten Lesuna des zweiten Kapitels über dieOrganisation der in Kontinen­taleuropa stationierten Landstreit« träft e" zu schreiten, das die Bestimmungen über die Vereinheitlichung der kontinentaleuropäischen Heere umfaßt. Bis dahin wird der Esefktivausschuß allem Erwarten nach die Einrechnung der privaten deutschen Wehrverbände bei der Festsetzung der deutschen Heeresstärke beschlossen haben. Die Taktik geht dahin, die Reichsregierung in die Zwangslage einer sofortigen Ent­scheidung über die Vereinheitlichung der Heere 311 setzen, die jetzt auf französischer und englischer Seite als Grundpfeiler des gesamten Abrüstungs­abkommens erklärt wird, während Deutschland die Entscheidung über diese Frage dem künftigen Abrüstungsausschuß übertragen will. Dem­gegenüber wird von deutscher Seite gefordert, daß sämtliche 96 Artikel des Abrüstungsabkommens ohne Unterbrechung durchberaten wer­den, um auf diese Weise Zeit für direkte Einigungs­oerhandlungen zu gewinnen.

Der Hauptausschuß hielt eine kurze Sitzung ab, in der Staatssekretär Eden den auf dem deutsch­englischen Kompromiß beruhenden neuen engli­schen Abänderungsantrag für die Be­rechnung der erlaubten militärischen Polizeistreit­kräfte einbrachte. Die Vertreter Frankreichs und Po­lens wandten sich gegen den englischen Vorschlag. Die französische Abordnung stellt sich auf den Standpunkt, daß der englische Plan ein einheitliches Ganzes bildet und die Zustimmung Frankreichs nur von der uneinge­schränkten und unabgeänderten Annahme sämtlicher Artikel des Abkommens bedingt sei, wodurch sämt­liche deutschen Abänderungsvorschläge automatisch ausgeschaltet werden sollen. Der Vertreter der ita­lienischen Regierung, Marquis S o r a g n a , er­klärte sich dagegen mit dem englischen Kompromiß­vorschlag einverstanden. Rach amerikanischen Mit­teilungen wird Norman Davis am Dienstag eine Erklärung über die Sicherheitspolitik der amerika­nischen Regierung und insbesondere über die Be­dingungen abgeben, die die amerikanische Regierung für die Annahme des englischen Abrüstungsplanes stellt. Paul-Boncour hat gleichfalls sein Ein­treffen auf der Konferenz für Anfang der nächsten Woche in Aussicht gestellt.

Deutschland soll die Schuld haben Unfreundliche Kommentare der englischen Presse.

London, 4. Mai. (ERB.) Unterstaatssekre­tär Eden wird bei einem eiligen Besuch in London dem Kabinett über die Lage aus der Abrüstungskonferenz berichten. Für die schlechten Aussichten der Genfer Konferenz wird in der englischen Presse in üblicher Weise Deutschland verantwortlich gemacht. Die Zeitungen geben übereinstimmend die amt­liche Auffassung wieder, die dahin geht. Deutsch­lands Weigerung, der Vereinheitlichung des Heerestyps zuzustimmen, zerstöre den Grund­gedanken des britischen Konventionsentwurfes. Ohne eine Regelung dieser Frage aber sei nicht

daran zu denken, daß Frankreich irgendwelcher Abrüstung zustimmen werde. Die Unnachgiebig, feit beider Parteien entziehe der Konferenz die Grundlage.Daily Telegraph" erklärt, Groß­britannien, Frankreich und Amerika wollten nicht, daß das jetzige Gerede auf der Konferenz Tag für Tag weiter gehe, sondern sie wollten, daß über die Frage der Effektivbestände sofort entschieden werde. Das könnte bedeuten, daß es zu einer Abstimmung über den betreffenden Abschluß komme und hierbei würde Deutsch­

land zweifellos isoliert sein. Tatsächlich könnte Deutschlands Weggang von der Konferenz die {folge sein.

Daily Herald" spricht von der Möglichkeit, daß Macdonald und Daladier binnen zwei Wochen nach Genf gehen werden, um die Konferenz wieder in Gang zu bringen. Der amerikanische Delegierte Rorman D a v i s habe gestern dem Premierminister bei einer Unter­redung dazu geraten.

Die deutsch-polnische Entspannung.

Gesandter von Moltke beim polnischen Außenminister 2Recf.

Warschau, 4. Mai. (DTV.) Die amtliche pol­nische Telegraphenagentur meldet:

Die gestrige Besprechung zwischen dem Reichs­kanzler Adolf Hitler und dem polnischen Ge­sandten Wysocki, die in Gegenwart des deutschen Reichsaußenministers Freiherrn von Reu­rath stattfand, hat einen beruhigenden (Ein­fluß auf die deutsch-polnischen Beziehungen aus- geübf. 3m Zusammenhang damit, empfing der pol­nische Außenminister Beck heute vormittag den deutschen Gesandten v. Moltke. Während der Unterhaltung bestätigte der Außenminister, daß die polnische Regierung entschlossen sei, ihre Hal­tung und ihr Benehmen auch in Zukunft st r e n g innerhalb der Grenzen der in Kraft befindlichen Verträge zu hatten, weiter gab Außenminister Beck dem Wunsche Ausdruck, daß die beiden Länder ihre gemeinsamen Interessen ohne Leidenschaft prüfen und betreiben möchten.

Die Warschauer Abendpresse gibt, so weit sie der Regierung nahesteht, die amtliche Mitteilung über die heutigen Erklärungen des polnischen Außenministers an den deutschen Gesandten ohne Kommentare wieder. Der rechtsstehendeKur­ier Warszawski" sieht in dem Austausch der Erklärungen ein Ereignis, das weit größere Be­deutung habe, als die üblichen diplomatischen Höflichkeiten. Die Stellungnahme des Reichs­kanzlers Hitler zu den deutsch-polnischen Bezie­hungen hätte vor dieser Erklärung Anlaß zur Be­unruhigung geben können. Jetzt aber bleibe nur zu wünschen übrig, daß ßiefer eigenartige

Richtangriffspakt auch von der Gegenseito streng und loyal eingehalten werde.

Unter der UeberschriftGünstige Symptome" schreibt die offiziöse G a zc t a P o l s k a : ES ist unmöglich, die Politik zwischen zwei Ländern in einer Atmosphäre der Verunglimpfung zu füh­ren. Die von der polnischen Regierung eingeleitete Aktion hat zu einer offiziellen Erklärung geführt. Wir können die Klärung als günstig betrach­ten, weil sich ergeben hat, daß die wechselseiti­gen Beziehungen zwischen den Polen und den Deutschen in erster Linie auf dem Respekt vor den bestehenden Verträgen ßer- rühren müssen. Polen hat immer zum Ausdruck gebracht, daß es keinen Angriff gegen die Ver­träge dulden würde, die die polnisch-deutschen Be­ziehungen regeln. Es hat sich aber im gemein­samen Interesse zugleich bemüht, innerhalb der Grenzen der Verträge die wechselseitigen Be­ziehungen so viel wie möglich besser zu gestalten. Wir wollen annehmen, daß die Erklärung deS Reichskanzlers Hitler von dem gleichen friedfertigen Gedanken inspiriert ist. Eine tatsächliche Entspannung würde durch einen Gedankenaustausch verwirk­licht werden, wie et von der polnischen Regie­rung vorgeschlagen worden ist. Sie wird von der in Berlin erzeugten Wirkung der Kanzlererklä­rung obhängen. Auf jeden Fall ist die Herstellung gut nachbarlicher Beziehungen zwischen Polen und Deutschland eine Frage von so großer Wichtig­keit, daß jede Bemühung, von wem sie auch unternommen werde, a l s günstiges Sym­ptom für beide Länder und für die Welt aner­kannt werden muß.

9er Kurs der französischen AußenpoM.

Mißtrauen gegen Deutschland. Liebeswerben um Italien.

Paris, 4. Mai. (WTB.) Der französische Senat begann die Beratung des Haushaltes für 1933 mit der Erörterung des Budgets 6ür auswärtige Angelegenheiten. Der Generalbericht­erstatter Senator Be renger bezeichnete inner Hinweis insbesondere auf Deutschland und Ita­lien eine Reform des französischenPro- pagandawesens als notwendig. Frankreich müsse sich bei seinen Schuldenzahlungen nach den Schuldenzahlungen Deutschlands richten. 3n Lau­sanne habe Frankreich hochherzig seinem Schuld­ner einen 90prozentigcn Rachlaß gewährt in der Hoffnung, daß sich die Vereinigten Staaten ebenso hochherzig Frankreich gegenüber zeigen würden.

Leider sei Frankreichs Geste in A m c r i t c noch nicht begriffen worden. Derengei beschäftigte sich dann mit Deutschland, dessen erwachendes Rationalgefühl ihm ernste Besorg­nisse einflößt, und verflieg sich zu der Dehaup- tuuK daß Deutschland unter dem Deckmantel, die Gleichberechtigung zu erhalten, feine Sturm­truppen vorbereite und demnächst die Grenzen, die es fordert, überfluten werde.

Der elsässische Senator Eccard warf der deut­schen Regierung ebenfalls kriegerische Absichten vor. Die Organisation Deutschlands unter Hitler bedeute den Sieg des Preußentums, dessen Verschwinden aus der deutschen Republik Frankreich vergeblich

Zeit erzielen ließ. Das ist jedoch bei Verwen­dung der Arbeitsdienstpflichtigen anders, denn hier kommt es nicht auf privatwirtschaftliche, sondern einzig auf volkswirtschaftliche Rentabili­tät an.

Die Arbeitsbeschaffung soll nach dem Wirtschaftsprogramm in erster Linie vom Bau- , markt ausgehen, und zwar sollen die Häu­ser wieder in Ordnung gebracht werden, damit Hunderttausende Arbeit finden. Man muß die Schlüsselstellung des Baugewerbes kennen, um .zu ermessen, daß jede Mark, die dem Daumarkt zugeführt wird, über das eigentliche Baugewerbe hinaus noch eine große Zahl anderer Industrie- zweige befruchtet. Man will zunächst nicht durch umfangreiche Neubautätigkeit, sondern durch Er­haltung und Verbesserung des bisher Geschaf­fenen tausenden von Händen Arbeit schaffen. Diese Reparaturaufgaben fließen in erster Linie dem gewerblichen Mittelstand zu, d. h. dem Hand­werksmeister, der sich selbst betätigt und noch einige Gehilfen und Arbeiter beschäftigt. Es handelt sich hierbei also fast ausschließlich um Ausgaben, die nur durch Handarbeit zu erledigen sind, bei denen also die Verwendung von Ma­schinen kaum eine Rolle spielt und daher, ab­gesehen von dem Material, jede Mark, die inve­stiert wird, sich praktisch als Lohnzahlung niebet» schlägt. Besonders wichtig ist auch in diesem Zusammenhang der Wohnungsumbau. Wir haben einen Lieberfluß an Großwohnungen, aber immer noch einen Mangel an billigen Kleinwohnungen aufzuweisen. Durch den Umbau großer Wohnungen in kleine Wohnungen wird dem Hausbesih geholfen, dessen Großwohnungen gegenwärtig leerstehen. Ferner wird dem Mangel an billigen Kleinwohnungen abgeholfen. Dann

aber werden auch hierdurch gewaltige Arbeits­möglichkeiten erschlossen, bei denen fast nur Hand­arbeit möglich ist.

Gewaltige Arbeitsmöglichkeiten sind auch durch den Straßenbau gegeben. Auch hier besteht die Möglichkeit der Ansehung großer Arbeiter- folonnen; denn wenn auch die Maschine im Stra­ßenbau eine erheblichere Rolle spielt, tritt sie doch gegenüber der Handarbeit immer noch sehr zurück. Cs handelt sich wiederum um ein Pro­gramm, das nicht nur im Augenblick zur Min­derung der Arbeitslosigkeit beitragen wird, son­dern das darüber hinaus von bleibendem wirt­schaftlichem Wert ist. Denn die ökonomische. Ge­staltung des deutschen Straßennetzes, vor allem des Femstraßennehes, ist unerläßlich zur Herab­minderung der Transportkosten, die volkswirt­schaftlich erhebliche Ersparnisse bringt.

Der Kanzler kündigte ferner einen Angriff ge­gen die Llnerträglichkeit der augenblicklichen Zinssätze an, der in der Linie früherer Ver­lautbarungen des Reichsbankpräsidenten Dr. Schacht und des Wirtschastsministers Dr. Hugen- berg liegt. Innere Zusammenhänge zwischen der Arbeit für die Zinssenkung und der neuen Han­delspolitik lassen sich unschwer finden, wenn man auf den deutsch-holländischen Handelsvertrag schaut, in dem eine solche Zinssenkung auf 4 Pro­zent bereits erreicht wurde. Einer ertragfähigen Wirtschaft können die Gläubiger niedrige Zinsen gewähren, ohne gegen ihr eigenes Interesse zu handeln. Denn wenn der Zins ein bestimmtes Riveau übersteigt, ist er ja nichts anderes als eine Risitoprämie. Eine ertragslos gewordene Wirtschaft mußte selbstverständlich sehr hohe Zin­sen zahlen, weil ja die Gewährung von Krediten an sic mit einem großen Risiko verbunden war.

Einer wieder rentabel gewordenen Wirtschaft hin­gegen werden alle Gläubiger gern niedrigere Ärc- ditzinsen gewähren, weil sie ihnen ja weit grö­ßere Sicherheit bietet. Die organische Zinssen­kung beginnt also mit der Wiederherstellung der Crtragssähigkeit der Wirtschaft.

Die Befreiung der schöpferischen Initiative in der Wirtschaft, von der der Kanzler schließlich sprach, soll vermutlich das Ge­st e: d r Arbeitsverträg.' und tariflichen Verein­barungen so guc tote Die Bindungen und Hem­mungen der Kartelle und Trusts lockern. AuS einem überspitzten Wirtschaftsindividualismus heraus hatte sich bei den Riesenunternehmungen sowohl wie bei den gewerkschaftlichen Organi­sationen eine Verwaltungsbureaukratie entwickelt, die die wirtschaftliche Schöpferkraft einengen mußte. Die Wirtschaft war, wenigstens so weit sie in Mammutgebilden zusammengeschlossen war, in einen verhängnisvollen Zustand der Erstar­rung geraten, aus dem sie nun nach dem Willen des Kanzlers geweckt werden soll.

Die Väter des 1. Mai 1933 haben mit bewunde­rungswürdigem Schwung der Ration den hehren Gedanken der Volks- und Arbeitsgemeinschaft vor Augen gestellt. Allen denen, die an den Auf­gaben der Gegenwart und der Gestaltung der Zu­kunft Mitarbeiten wollen, zeigte die Rede deS Reichskanzlers Wege zum gemeinsamen Ziel: noch manches Hindernis wird sich einstellen, darüber ist sich jeder klar. Aber wenn alle Maßnahmen der nationalen Regierung aus starkem Vertrauen heraus von der anfeuernden Tlnterstühung und Mitarbeit jedes einzelnen getragen werden, dann werden auch ernste Widerstände und Schwierig­keiten mit Zähigkeit und Elan überwunden werden.