Ausgabe 
4.3.1933 Frühausgabe
 
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Aus der Provinzialhauptsiadt.

Gegen die Nundfunk-Sabotage.

Amtlich wird aus Berlin mitgeteilt: Die Versuche in der letzten Seit, Kundgebungen der Reichsregie' rung im Rundfunk zu stören, haben Anlaß zur er­höhten Wachsamkeit gegeben. Insbesondere wird auf das schärfste eingegrifsen werden, wenn absichtlich zum Zwecke der Störung des Rundfunks elektrische Anlagen in Betrieb gesetzt ober Störungen durch Rückkovvelungen heroorgerufen werden. 5)anblu**aen dieser Art werden nach dem Gesetz über Fernmelde­anlagen mit Gefängnis bestraft.

Der Gesattenengedenktag in Lessen.

Da- Hessische Gesamtministerium hat alle unter­stellten Behörden angewiesen, aus Anlaß der am 12. März stattfindenden Gedenkfeier für bte im Weltkrieg Gefallenen sämtliche staatlichen und kommunalen Dienstgebäude halbmast zu flaggen. Wenn nn dem Gebäude nur ein Fahnenstock vor­handen ist, dann sind die Reichsfarben aufzu­ziehen: sonst sind neben der Reichsflagge auch Vie hessischen Landesfarben zu zeigen.

Zackeizug der NSDAP, in Sietzen.

Am heutigen Samstagabend findet im Rahmen der von der NSDAP, durchgeführten WerbungDer Tag der erwachenden Nation" einFackelzugder Gießener Nationalsozialisten statt. Der Zug wird sich auf dem Brand platz formieren und von dort um 21.30 Uhr (9.30 Uhr abends) durch «Straßen marschieren: vom Brandplatzdurch inlage, Walltorstraße, Kirchenplatz, Markt- platz, Echulstraße, Sonnenstraße, Seltersweg, West- anlage, Bahnhofstraße, Neustadt zum Oswalds- garten, wo die Fackeln zusammengeworfen werden.

Volksrechtpartei.

Die Dollsrechtpartei hielt gemeinsam mit dem Sparerbund am Mittwoch imPfälzer Hof" eine Mitgliederversammlung ab. Bankbeamter Lo­renz behandelte wie man uns berichtet das Thema:Reichstagswahl und entrechteter Mittelstand". Zu Beginn seiner Ausführungen würdigte der Redner die Politik der am 30. 5a- nuar d. 3. zurückgetretenen Regierung Schleicher, die in einem Arbeitsbeschaffungsprogramm, so­wie in der Beseitigung mancher Härten früherer Rotverordnungen den Grundstein zum Wieder­aufbau des deutschen Vaterlandes legte. Es sei zu hosfen, daß nach den Wahlen am 5. März wieder ernstliche Maßnahmen zur Wiederbele­bung der Wirtschaft getroffen würden. Es gelte, der Zusammenfassung aller christlichen und natio­nalen Vollskräfte und einer auf das Wohl des gesamten Volles gerichteten Regierungsarbeit die Wege zu ebnen. Für die Dollsrechtpartei, die sich diesmal nicht mit eigenen Listen an der Wahl beteiligen könne, komme nur die Unter- stützung einer der Parteien des Christlich-natio­nalen Blocks in Betracht, wobei der Redner be­sonders den Ch.istlich-Sozialen Dollsdienst her- vorhob. der sich grade auf sozialpolitischem Ge­biet sehr bewährt hätte, llebrigens habe die Dollsrechtpartei schon wiederholt bei früheren Wahlen mit dem Dollsdienst Listenverbindung vereinbart gehabt. Auch sei diese Bewegung nicht mit der Jnflationspolitik und mit der Er­füllungspolitik belastet. Rur eine Regierung der breiten nationalen Konzentration könne sich Der- trauen bei der überwiegenden Mehrheit des deutschen Dolles verschaffen und den Aufbau auf allen Gebieten fördern. Der Kommunismus müsse auch durch eine Politll der nationalen Tat, durch Schaffung von Arbeit und Brot nieder­gerungen werden. Don der Regierung müsse man verlangen, daß sie nun mit einem klaren Programm hervortrete.

Die Dollsrechtpartei gedenke heute weniger denn je im Kampfe für das deutsche Recht zu erlahmen, zumal ohne Erfüllung ihrer Forderun­gen auf Wiederherstellung des deutschen Dolks- vermögens, Zerreißung sämtlicher Tributverträge und endgültige Beseitigung der Kriegsschuld- und Entschuldungslüge die Kaufkraft der breiten Dollsmassen niemals wirksam gestärkt, die Pro­

duktion gehoben und die Arbeitslosigkeit voll­kommen beseitigt werde. In diesem Wahlkampf gehe eS nicht um Sonderinteressen, sondern um Deutschland.

Den mit Beifall aufgenommenen Ausführun­gen folgte eine kurze Aussprache, wobei noch einmal besonders die Unterstützung des Christ­lich-Sozialen DollSdiensteS hervorgehoben wurde.

Bornotizerr.

Aus dem Stadttheaterbürv wird unS geschrieben: Sonntag, 5. März, zum letzten Male das ßuftfotel .Bargeld lacht" als Dolks- vorstellung zu kleinen Preisen. Don 18.30 Uhr bis 20.30 Uhr. Am DienStag. 7. März, 22. Dor- stellung im Dienstag-Abonnement, zum letztenmal daS DauernkriegsdramaDer Bundschuh" von Karl Reurath, 2. Abend im ZhkluS hessischer Dra­matiker. Gewöhnliche Preise. Don 20 bis nach 22.30 Uhr. Mittwoch, 8. März, 21. Dorstellung im Mittwoch-Abonnement, der Schwank .Da stimmt was nicht" von Franz Arnold. Gewöhn­liche Preise. Don 20 bis 22.15 Uhr. - Freitag, 10. März, aus Anlaß der Feier des 70. Geburts­tages des Dichters Gerhart Hauptmann, Erst­aufführung des SchauspielsVor Sonnenunter­gang" unter der Spielleitung des Intendan­ten, der auch die Rolle des Geheimrats Clausen spielt. 22. Darstellung im Freitag-Abonnement. Gewöhnliche Preise. Don 20 bis 22.45 Uhr. Samstag, 11.^z, letzte Aufführung der Ope­rette .Das DreimäderlhauS".

Der Bezirksverein Rord-Ost hält am nächsten Donnerstag, 9. Februar, im Cafö Leib seine ordentliche Generalversammlung ab. Hiermit verbunden ist ein öffentlicher Lichtbilder- vartrag des Stadtbaurats G r a v e r t über das Thema:Die bauliche Entwicklung des Rord- Ost^Biertels von Gießen". Zu diesem Dortrag hat jedermann freien Eintritt. Alle, die an der baulichen Entwicklung unserer Stadt Antell neh­men, seien schon heute auf diese Veranstaltung aufmerksam gemacht. Roheres in der Anzeige am kommenden Dienstag.

** Die Bier st euer- und Getränke- fteuerorbnung der Stadt Gießen liegen seit gestern während einer Woche im Stadthaus zur Einsichtnahme und Geltendmachung von eventuellen Einwendungen offen. Näheres ist aus der gestrigen Bekanntmachung ersichtlich..

** Promenadenkonzert. Am Sonntag, 5. März, findet auf der Südanlage von 11 bis 12 Uhr ein Promenadenkonzert der Stahlhelmkapelle Gießen statt.

** Die Museen und Sammlungen im Alten und Neuen Schloß sind am morgigen Sonntag zwischen 11 und 13 Uhr geöffnet.

** Vom Fuhrwerk abgestürzt. Gestern nachmittag stürzte der Gefreite Karl Jung von unserem Bataillon, der am Bahnhof auf einem Mlli- tärfuhrwerk mit Strohladen beschäftigt war, infolge Scheuens der Pferde vor einer vorbeifahrenden Loko­motive vom Wagen herab. Der bedauernswerte Sol­dat erlitt dabei Kopfverletzungen, die aber zum Glück nur leichter Art find. Die Freiwillige Sanitätskolonne vom Roten Kreuz brachte ihn nach der Chirurgischen Klinik.

** Städtische Brennholzversteige- rung. Bei der gestrigen Brennholzversteige- rung in den Waldungen der Stadt Gießen (För­sterei Hochwart Fernewald) wurden im Durch­schnitt folgende Preise erzielt: Buchenscheiter 9,00 Mark per Raummeter, Eichenscheiter 7,00 Mk., Kiefernscheiter 2. Kl. 5,00 Mk., Buchenknüppel 8,00 OHL, Hainbuchenknüppel 6.00 Mk., Eichen­knüppel 1. Kl. 4,80 Mk., 2. Kl. 3,30 Mk., Ahorn­knüppel 5,40 Mk., Dirkcnknüppel 8,20 Mk., Aspen­knüppel 2. Kl. 3,00 Mk., Kiefernknüpvel 2. Kl. 4,00 Mk., Fichtenknüppel 2. Kl. 3,40 Mk., Fichten­knüppelreisig 2,60 Mk., Buchenstöcke 4,40 Mk., Eichenstöcke 4,00 Mk., Kiefernstöcke 3,20 Mk., Cichennutzknüppel (Gartenpfosten) 7,00 Mk., per Raummeter, Eichenderbstangen (Deichseln) 2,00 Mark per Stück, Fichtenderbstangen 1. Kl. 1,20 Mark, 2. Kl. 0,90 Mk. per Stück, Buchenreisig 3. Kl. 16,00 Mk. per 100 Wellen.

Rundfunkprogramm.

Sonntag, 5. März.

6.35 älhr: Don Bremen: Hasenkonzert. 8.30: Friedenskirche Kassel: Morgenseier. 9.30: Stunde deS Chorgesangs. 11.30: Don Leipzig: Kantate von Iohann Sebastian Bach. 12: Marktredwitz: Mit­tagskonzert l. 13: Mittagskonzert i!. 14.40: Stunde des Landes. 15.30: Stunde der Iugend. 16.30: Rachnlittagskonzert. 18:Aus der Arbeit der evangelischen Frauenhilfe", Dortrag von Kirchen­rat D. Eisenberg (Kassel). 18.25: Vergnügliches Zwischenspiel. 19; Von Berlin: Konzert: dazwi­schen: Bekanntgabe der Wahlergebnisse bis zur Feststellung des vorläufigen Endergebnisses.

Montag, 6. Marz.

7.30 Uhr: Frühkonzert. 12: Mittagskonzert I deS Rundfunkor^sters. 13.30: Mittagskonzert II. 17: Rachmittagskonzert. 18.25: Zwei Soldaten unter­halten sich: .Hessische Gardedragoner in Frank­reich", Gespräch zwischen Walter Oertel und Her­mann Koester. 18.50: Englischer Sprachunterricht. 19.30: Die Schleier fallen: Bilder aus der neuen Türkei von Prof. Klinghardt. 20.10: Trier: Drahms-Konzert. 21.35: Rahel Darnhagen - von Ense. Zu ihrem 100. Todestag. Vortrag von Dr. Hannah Arendt-Stern, Berttn. 22.05: Eine Frau begegnet Goethe. Aus den Briefen von Rahel. 22.50: Rachtmusik.

Dienstag, 7. März.

7.30 Uhr: Frühkonzert. 12: Mittagskonzert I. 13.30: Mittagskonzert ll. 1520 bis 15.50: Haus« frauen-Rachmittag. 17: Rachmittagskonzert er­werbsloser Derussmusiker. 18.25: .Von der Häus­lichkeit im 19. Jahrhundert", Skizzen von Dr. He­lene Turnau, Frankfurt a. M. 18.50:Die Frau im Lebensraum des Mannes", Gespräch zwischen Direktor Dr. Rompel, Mainz, und Frau Genzmer, Wiesbaden. 19.30: Balalaika-Konzert. 20: Hör­folge von Oscar Ludwig Brandt. 21: Operetten- Konzert. 22.30 bis 24: Rachtmusik.

Mittwoch, 8. März.

7.30 Uhr: Frühkonzert. 10.10 bis 10.40:Deut­schen Handwerks Ehren-Kränzlein"; eine Hörfolge von Franz Wallner. 12: Freiburg: Mittagskon- gert I. 13.30: Mittagskonzert II. 15.15 bis 16.15: Stunde der Iugend. 17: Konzert. 18.25:Am Schalter einer Krankenkasse", Gespräch« auS der Praxis. 18.50: Zeitfunk. 19.20: Selbstanzeige H.

Heyck. 19.40: Kleine Stücke für Violine. Gespielt von Elisabeth Bischoff. 20.10: Unbekanntes Eu­ropa. Irland, die grüne Insel. Zusammengestellt von Ios. Eberle und K. Köstlin. 21.10: Konzert. 22.30: Krenek-Lieder. 23 bis 24: Rachtmusik.

Donnerstag, S. März.

7.30 Uhr: Frühkonzert erwerbsloser Berufs­musiker. 12: Mittagskonzert I. 13.30: Mittags­konzert II. 15.30 bis 16.30: Stunde der Iugend. 17: Konzert. 18.25:Ueber den Kulturfilm der Gegenwart", Gespräch zwischen Franz Taver 'Wartenberg und Richard Plaut. 18.50:Krise des Schlichtungswesens?", Gespräch zwischen Stadtrat Dr. Michel und Clemens Rörpet. 19.20: Selbstanzeige: Edwin Erich Dwinger. 19.35: Mandolinen-Konzert. 20: Kampf um Land: Trockenlegung der Zuidersee. 21: Unterhaltungs­konzert.

Freitag, 10. März.

7.30 Uhr: Frühkonzert. 10.10 bis 10.40: Schul­funkMeister Morse schreibt in die Ferne", Lehrspiel von Tissot. 12: Mittagskonzert I er­werbsloser Berusömusiker. 13.30: Mittagskon­zert II. 17: "Nürnberg: Konzert. 18.25:Fragen einer innerpolitischen Reugestaltung der Schweiz", Vortrag von Dr. H. A. Wyh. 18.50: Aerzte- Vortrag:Ueber Blasenleiden". 19.30:März": Das dritte Kalenderblatt. 20.05: Festsaal der Liederhalle Stuttgart: Symphoniekonzert des Philharmonischen Orchesters Stuttgart. 22.45 bis 24: Darmstadt: Konzert des Darmstädter Kam­merorchesters des Kampfbundes für Deutsche Kultur.

Samstag, 11. März.

7.30 Uhr: Frühkonzert. 10.10 bis'10.40: Schul­funk:Ein Tag im Auswärtigen Amt", Hörbild von Fr. C. Westphal. 12: Schallplattenkonzert. 13.30 bis 14.40: Mittagskonzert. 15.30 bis 16.30: Stunde der Iugend. 17: Konzert. 18.25:Bei solchem Wetter wollen Sie fliegen?", Gespräch zwischen Dr. Orlovius, H. Brauer und Dr. Schmidt-Reps. 1850:Berufsständische Fragen der Selbstverwaltung in der Landwirtschaft", Gespräch zwischen Redakteur Dr. Fritz Meske und Diplomlandwirt Völling. 19.40: Freiburg: Sol- datenlieder gesungen von Bruno Kerell. 20.30: Latin ö, Oper von DelibeS. 22.45 bis 24: Racht­musik.

Ein Polizei-Noirusauto verunglückt.

WSR. Darmstadt, 3. März. In der ver­gangenen Rächt kam ein Polizei - R otruf- Auto, das einem anderen Fahrzeug ausweichen wollte, auf der vom Regen glatten Straße Bens­heimDickenbach inS Rutschen und fuhr gegen einenTelegraphenmast, der zertrümmert wurde. Das Auto, wurde beschädigt und mußte abgeschleppt werden. Zwei Polizeibeamte

tarnen mit leichten Verletzungen davon; die übrigen Insassen blleben unverletzt. 1

Daten für Samstag, 4. Marz.

1829: Der Ingenieur Karl Heinrich von Sie­mens in Menzendorf geboren. 1849: Verkündung der österreichischen Verfassung. 1852: Der russi­sche Schriftsteller A. W. Gogol in Moskau ge­storben. 1931: Der Biologe Erich Wasmann S. I. zu Dallenburg in Holland gestorben.

Das WersinMe - hier ivird's Ereignis...

Tatsachenberichte aus dem Reich des Okkulten.

Gesammelt und nacherzählt von F. K Schlichters.

VI.

Astrologie, Chiromantie und derBöse Blick".

In den Sternen steht's geschrieben .. Uralt ist der Menschheitsglaube, daß Menschen- und Weltengeschick von der Stellung der Gestirne bestimmt und regiert werde: die Astrologie, die aus diesen Stellungen alles Kommende zu errechnen sich vermißt, ist wohl die älteste aller Wissenschaften. Man kannte und übte sie aus im alten Aegypten, bei den Phöniziern, im alten Rom: jene Astronomen des Mittelalters, die uns die noch heute gültige Kenntnis der Planetensysteme schenkten, sind zumeist auch Astrologen gewesen: und gerade in unseren Tagen erlebt die Astrologie einen neuerlichen gewaltigen Aufschwung.

Sterngläubiger war der Feldherr Wallen- st e i n, der auf die Berechnungen seines Astro­logen ©ent schwor. Sterngläubiger war auch Rapoleon. So wird unter anderem berichtet, daß im Iahre 1806 einmal der General Rapp, in Rapoleons Zimmer eintretend, den Kaiser ganz in sich versunken fand. Dis der sich plötz­lich umtoanbte, Rapp am Arm ergriff und chn fragte, ob er den Stern da oben sehe. Auf Rapps Antwort, er sehe nichts, fuhr Rapoleon fort:Es ist mein Slem, er steht glänzend vor Ihnen. Er hat mich nie verlassen, ich sehe ihn bei allen großen Gelegenheiten. Er befiehlt mir, vorwärtszugehen, und ist für mich ein beständiges Zeichen des Glücks ..."

Die Welt besitzt eine große Anzahl von aus den Gestirnen errechneten Prophezeiungen, die in Erfüllung gingen. Ein solcher Astrolog ist der schon einmal herangezogene große mittel­alterlicheMagier" Rostradamus gewesen. Seine Prophezeiungen stützen sich zum großen Teil auf Errechnungen, die er aus derKon­junktur" der Gestirne gewann. Wir finden unter seinen berühmten Vierzeilern sogar Prophezeiun­gen des Weltkrieges! Darin sind erwähnt Flugzeuge und Unterseeboote Weissagungen, die noch zu Ende des vorigen Iahrhunderts völlig dunkel und unverständlich waren und ver­lacht wurden ...

Verblüffend sind eine Reihe von astrologischen Voraussagungen, die das Auftreten Lu­thers und des Dauernkrieges weis­sagten. So gibt esEine Weissagung Meister Antoni Torquatten, der Freyen Künste und Artzney Dr. und Sternsehers, von zukünftigem, unglücklichem Krieg und Verderben des ganhen Europa. Zugeschrieben dem theuren Fürsten Matthias, König zu Hungarn. Rach der Geburt Christi 1480. Da heißt es:

Zu diesen Zeiten, Anno 1524 und 1525 werden viel und groß Aufruhr in deutschen Landen er­wachsen. Die Bauern werden sich wider den Adel sehen ..."

Aber wir brauchen in diesem Zusammenhang gar nicht so weit in der Geschichte zurückzu­schauen! Achtzehn Iahre vor Ausbruch des Weltkrieges stellte der englische Astrologe Se - pH ar i al dem deutschen Kaiser Wilhelm II. das Horoskop. Es heihj darin:Es rann kein verhängnisvolleres und weniger königliches Horo­skop unter den Regierenden von Europa ge­funden werden, als das des Kaisers, ausge­nommen etwa das des Sultans der Türkei Abdul Hamid. Das Los des Kaisers ist so, daß er fast den ganzen Besitz verlieren wird." Verblüffend in diesem Zusammenhang ist, daß Sepharial auch ans dem Horoskop Friedrich Eberts, des ersten Präsidenten der deutschen Republik, seinen beispiellosen Ausstieg zur Macht las ...

Reben der Astrologie ist auch die Kunst der Chiromantie, der Handlesekunst, in unseren Tagen zu neuem Ausschwung gekommen. Ein Bei­spiel einprägsamer Art erzählt Schrenck- Rotzing in seiner SchriftHandlesekunst und Wissenschaft". Rach ihm hat seinerzeit die be­rühmte französischeMeisterin der Handlese­kunst", Madame Fraya, dem stellvertretenden Direktor des Laboratoriums für pathologische Psychologie an der Pariser Hochschule Dr. Da - s ch i d e seinen Tod genau aus den Handlinien borauSgefagt. Der Gelehrte, der häufig mit Madam^ Fraya experimentierte, hatte sie wieder­holt im Scherz gefragt, wann erabmarschieren" werde. Sie versprach ihm noch eine ganze An­zahl von Jahren: aber im Iahre 1904 eröffnete zsie ihm eines Tages, fast ohne es selbst zu wollen, daß er nach drei Jahren an einer Lungenentzündung sterben werde. Die Prophe­zeiung erfüllte sich: Dr. Vaschide erlag am 13. Oktober 1907 im Alter von nur dreiunddreißig Jayren einer Lungenentzündung ...

Zum Schluß noch ein Beispiel vomLesen" der Zukunft: vom Kartenlegen. Die eng­lische Schriftstellerin Florence M a r r y a t er­zählt:

Als ich viele Jahre bevor ich etwas vom Spiritismus hörte in Brüssel lebte, machte ich die Bekanntschaft einer Mrs. Thorpe, einer Witwe, die als Erzieherin einiger junger Belgierinnen von vornehmer Herkunft angestellt war. Rach einiger Zeit hörte ich von anderen Bekannten, daß Mrs. Thorpe sehr geschickt im Kartenlegen sei, und als wir eines Tages allein waren, bat ich sie, mir doch meine Zukunft vor­auszusagen. Mrs. Thorpe bat anfangs, davon abzustehen. Ihre Prophezeiungen hätten sich immer als so zutreffend erwiesen, daß sie sich geradezu davor fürchte, Blicke in die Zukunft zu tun. Auch habe der Baron, in dessen Hause sie angestellt sei, ihr ernstlich verboten, sich, solange sie bei ihm weile, mit Kartenlegen abzu­geben. Aber ich bat sie unter Zusicherung un­

verbrüchlichen Stillschweigens so lange, bis sie endlich nachgab.

Sie sagte mir dann voraus, daß mein erster Gatte, der Oberst Roß-Church. der öamalS In Indien schwer krank darniederlag, nicht sterben werde, wohl aber sein Bruder Edward Church: daß ich in meiner ersten Ehe noch ein Kind bekommen würde, eine Tochter mit besonder- schönem Haar und Teint, die sich als das be­gabtere von meinen Kindern erweisen werde: daß ich nach der Geburt dieser Tochter nicht mehr lange mit meinem Manne Zusammenleben werde.

Alle diese zu jener Zeit wenig wahrschein­lichen Ereignisse sind in der Tat restlos genau eingetroffen! Mrs. Thorpe vertraute mir noch, sie habe ihre Kunst von einer Schülerin jener italienischen Oräfin, die dem ersten Rapoleon immer die Karten legte. Aber das Kartenlegen sei keine Kunst und könne nicht gelehrt und nicht gelernt werden es beruhe auf Inspiration...

Gibt es den sog. bösen Blick, so, wie ihn viele Menschen und Völker vor allem die Südländer als Tatsächlichkeit glauben? Diese Frage läßt sich für uns nicht stellen: es handelt sich für uns nur um jene Fälle, bei denen dieser sogenannteböse Blick" als okkultes Phänomen aufgetreten sein soll.

Es gibt in diesem Zusammenhang einen Be­richt der französischen Reisenden Madame d'Aulnoh, die 1679 durch Spanien reiste und ihre dortigen Eindrücke und Erfahrungen in ein Buch bannte. Sie hat u. a. folgende Ge­schichte von einer jungen Spanierin zu hören bekommen:

Mit Ihrer freundlichen Erlaubnis! Sie müssen wissen, daß es in diesem Lande Leute gibt, die ein solches Gift in den Augen haben, daß sie, wenn sie jemanden, vor allem ei,n kleines Kind, starr ansehen, verursachen, daß er an der Aus­zehrung stirbt. Ich habe einen Menschen gesehen, der ein also süchtiges Auge hatte: da er nurt die Leute krank machte, wenn er sie mit diesem Auge ansah, so zwang man ihn, es mit einem Pflaster zu bedecken, denn das andere war un­schädlich. Wenn er manchmal bei guten Freunden war, brachte man ihm wohl einige Hühner, wo­rauf er sagte: Sucht euch eins aus, daS ich tot­sehen soll. Zeigte man nun auf ein kleines, bann blickte er dies starr an. llnö dann sah man es ein paar Mal im Kreise umher taumeln und nach kurzer Zeit tot niederfallen ..."

Daß die Schlangentötende Augen" besitzen, ist ein alter Volksglaube. Er wird laut Selig­mann,Zauberkraft des Auges" belegt durch den französischen Forscher Levaillant, der in der Beschreibung seinerZweiten Reise im Innern Afrikas" 1755 folgende Beobach­tung berichtet:

Auf einem Daum sitzt ein Buntspecht und schreit und windet sich in Krämpfen. In seiner Rähe liegt auf einem Zweig eine große Schlange, regungslos, mit vorgestrecktem Kopf, die den Vogel mit funkelnden Augen anstarrt. Der hat anscheinend die Fähigkeit, davonzufliegen, ver­loren. Ein Begleiter des Forschers geht eine Flinte holen. AIS er zurückkommt, ist dcr Dunt- specht tot: ein Schuß tötet die Schlange. Levail­lant untersucht den Vogel aufs genaueste: keine Spur irgendeiner Verletzung. Die Entfernung zwischen den Tieren hatte ungefähr vier Fuß betragen.

Ein S^ingenerlebnis, vielleicht von noch grau­sigerer Art, erzählt auch Schopenhauer in seinem WerkDre Welt als Wille und Vor­stellung" :

Ein europäischer Reisender auf Java geriet während einer Bergbesteigung in einen luchten Wald. Mit einem Mal bemerkt er auf den Aesten eines hohen DaumeS eines der reizenden ja­vanischen Eichhörnchen, deren Köpfchen ganz weiß sind. Zierlich und behend kletterte es vergnügt auf und ab. Kaum aber war es etwas tiefer hin­untergekommen, als es plötzlich in größter Auf­regung wieder hinauf rannte. Jetzt werden die (Befragungen des anscheinend schreckentsehten Tie­res wild. Dem Reisenden schien eS, als suchte das Eichhörnchen ein Hindernis zwischen sich und den unteren Teil des Baumes zu legen. Schließlich aber duckte es sich und verblieb un­beweglich in derselben Stellung zwischen zwei Aesten.

Der Reisende begriff, daß das Geschöpfchen in Gefahr schwebte, sah aber nichts Gefährliches ringsum. Er kam näher, und wie er nun auf­merksam spähte, entdeckte er in einer Vertiefung des Baumes eine schwarze Ratter, deren Augen unverwandt aus das Eichhörnchen gerichtet waren. Die Schlangen Jjaben keinen besonders feinen Gehörsinn, und überdies war die Ratter derart mit ihrem Opfer beschäftigt, daß sie die Gegen­wart eines Menschen gar nicht zu bemerken schien. Unter Reisender war bewaffnet und hätte dem armen Tierchen zu Hilfe kommen können, indem er die Schlange tötete. Allein die Reu­gier siegte über das Milleid: er wollte den Ausgang deS spannenden Schauspiels ansehen.

Der Ausgang war ein tragischer. Das Eich­hörnchen stieß jetzt einen jammernden Schrei auS, der denjenigen, die ihn kennen, die Rähe einet Schlange verrät. Run kam es näher, nun ver­suchte es au entrinnen, kam wieder näher, ver­suchte wieder zu entweichen, rückte aber immer mehr in die Rähe der Ratter. Diese, zusammen­gerollt, mit dem Kopf aus den Windungen ragend und unbeweglich gleich einem Stück Holz, wandte ihren Blick nicht von der Deute. Das Eichhörnchen kletterte von Ast zu Ast immer tie­fer, bis es endllch auf dem kahlen Tell des Daumastes angelangt war. Das arme Tier, als es so weit war, versuchte nicht mehr, seinem Vev- hängnis zu entfliehen. Wie von einer unbesieg­baren Macht angezogen und gleichsam im Taumel, stürzte es sich in den Rachen, den die Schlange Plötzlich gewaltig aufgerissen hatte, um eS m Empfang zu nehmen... ......