Ausgabe 
4.3.1933 Frühausgabe
 
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Nr.54 KeübauSgabe

185. Jahrgang

Samstag, 4-März 1935

Giehener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

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Außenpolitische Umschau.

Reichskanzler Hiller spricht in Hamburg.

Don Dr. Otto Hoehsch, o. 6. Prof, der Geschichte an der Universität Berlin.

Was ist heute weltpolitisch wichtiger: die Genfer Entscheidung Und der Beginn des japa­nisch-chinesischen Krieges oder die neue große Welle wirtschaftlicher Krisis in den Vereinigten Staaten? Wegen des großen Zusammenhangs des Schuldenproblems und Weltwirtschaftssanie­rung und Amerikas Einflußnahme in Politik und Wirtschaft wohl das zweite!

Seit der dritten Februarwoche geht vom Staate Michigan aus eine Banken lrise in den Vereinigten Staaten, die von den Klein­banken nun an die großen reicht. 3n zahlreichen Staaten sind schon Gesetze über Moratorien und Auszahlungsbeschränkungen erlassen. 3n diese Krise treten die Ergebnisse des Untersuchungs- ausschusses des Senats, der sich seit längerem mit der Vational-City-Dank und ihrem Ver­halten während der Krisen von 1928 und 1929 beschäftigt. 3m Zusammenhang damit hat der Präsident dieser Dank, Mitchell, seinen Rücktritt erklärt und scheint sich ein Bankskandal allergrößten Ausmaßes vorzubereiten. Kurz: nachdem man geglaubt hatte, das Danken­sterben, dem an 5000 kleinere Banken zum Opfer gefallen waren, habe eine Reinigung gebracht und den Beginn der Gesundung, zeigt diese neue Krise, wie erschüttert und wie krank der Wirtschaftskörpec der Vereinigten Staaten ist. Staatseingriff' und Staatsbürgschast wird ge- fordert, diskutiert, ja auch schon angewendet. Das Publikum hamstert Roten, das Kapital flüchtet, der Dollar zeigt Schwächezustände, die weithin wirken müssen. Unter sehr trüben Zei­chen und vor größten Schwierigkeiten im 3nnern tritt Roosevelt sein Amt an.

Der Versuch der Sanierung rührt eine weitere schwere Frage auf: Stützung der Banken oder Erhaltung der Währung? Schon haben Kreditausweitungen in erheblichem Maße stattgefunden, keine Wührungs-, aber eine Kre­ditinflation. Die weitere Entscheidung ist deshalb so schwer, weil sie in der Schuldenausein­andersetzung gleich einen wichtigen Punkt in­ternational berührt. Wie bekannt, hat Roosevelt für die nächsten Tage England zu einer Konfe­renz darüber eingeladen. Die Bedingungen für Amerikas Entgegenkommen sind Handelskompen­sationen und Rückkehr Englands zum Goldstan­dard. Kann jetzt aber Amerika die Banksanie­rung nicht mit unbedingter Erhaltung der Wäh­rung durchführen, so rutscht es umgekehrt i n d e n Kreis der u n t e r v a l u t a r i s ch e n Län­der hinein. Richt England wäre entgegen­gekommen, sondern Amerika. Die Bedeutung die­ses Schrittes liegt auf der Hand. So steht Roose­velt vor einer sehr schweren Aufgabe: wie die Banken erhalten und sanieren ohne Gefahr für Währung und Staatsfinanzen?

Diese Schwäche Amerikas kommt bemerkenswert in einer Schwenkung gegenüber Frank­reich zum Ausdruck. Ursprünglich sollte nur mit Schuldnern geredet werden, die ihre Rate am 15. Dezember bezahlt hatten. Jetzt ist aber sicher, daß Roosevelt die Schuldenverhandlungen auch auf Frankreich ausdehnt, um so mit ihm zu einer Zusammenarbeit zu kommen. In Paris ist das sehr wohl verstanden worden und die Meinung dort ist berechtigt, daß in der augenblicklichen Weltlage und Mirtschaftssituation Amerikas es gar nicht ohne oder gegen Frankreich agieren kann. Amerika muß einer internationalen Verständigung zustreben und sich mit Frankreich stellen, das ja immer nodfoon der Wirtschaftskrise verhältnismäßig am wenigsten erschüttert ist, auch die letzten Schwierigkeiten um sein Haushaltsdefizit überwunden hat. Jin übrigen wird in Paris auch auf eine gewisse gefühls­mäßige 91 e i g u n g des neuen Präsidenten Roosevelt zu Frankreich gerechnet. Wir wissen nicht, inwieweit diese Annahme gerechtfertigt ist, aber es genügt ja die Lage an sich, um ein Streben Roose­velts nach Zusammenarbeit mit Frankreich zu er­klären.

Roosevelts Kabinett ist jetzt vollständig. Kabinett ist ja ein falscher Ausdruck, weil der Prä­sident die Exekutive allein darstellt, keine Mi­nister hat, die dem Parlament verantwortlich wä­ren, sondern nur Staatssekretäre. Die neuen Männer, unter denen übrigens zum ersten Male in einer amerikanischen Bundesregierung eine Frau ist (für das Arbeitsministerium), sind nur zum Teil bekannt und alle nicht besonders bedeutend. Roose­velt scheint seine Mitarbeiter so zusammengestellt zu haben, daß er alle wichtigen Angelegenheiten f e I b ft in der Hand behalten kann. Bedeutende Namen der demokratischen Partei sind überhaupt nicht unter den Ernannten. Bekannt sind der Marineminister Senator S w a n f o n und der Justizminister Walsh. Der Außenminister Senator Hüll ist außerhalb Amerikas wenig bekannt. Er ist, früher Rechtsanwalt, Spezialist für Zollfragen, internatio­nale Wirtschaftsbeziehungen und Steuersachen. Von ihm stammt die These: Revision der Kriegsschulden nur gegen Handelszugeständnisse und der Vorschlag, zur Belebung des Welthandels zunächst einmal all­gemein die Zölle um 10 v. H. zu senken. Er wird alsd e r letzte Freihändler" in den Ver­einigten Staaten bezeichnet. Seine Ernennung un­terstreicht noch einmal, daß Roosevelt offenbar die nächste Arbeit vornehmlich auf die Senkung der Zölle richten wird.

Amerika wird darin die bisherige Passivität schwer­lich ändern, wenn nicht der fernöstliche Konflikt, letzt genauer gesagt: fernöstliche Krieg dazu zwingt. Am 24. Februar haben von 55 Völkerbunds- Mitgliedern 42, darunter sämtliche Ratsmächte, ge»

Hamburg, 3. März. (CNB.) Reichskanzler Hitler sprach heute in Hamburg. Trotz des strö­menden Regens hatten sich die Massen schon so frühzeitig zu der Kundgebung eingefunden, daß mehrere Stunden vor Versammlungsbeginn die riesige Ernst-Merck-Halle wegen Ueberfüllung ge­sperrt werden mußte. Dicht besetzt waren auch die Parallelversammlungen, in denen die Rede durch Lautsprecher übertragen wurde. Beim Einmarsch der Fahnen und Standarten wurden besonders leb­haft die Abteilungen der Mecklenburger Polizei be­grüßt, die mit großen Hakenkreuzfahnen einzogen.

Oer Reichskanzler

ging zunächst auf die Vorgänge vom November 1918 ein und erklärte u. a.: Die Männer und Par­teien, die mit der sogenannten Revolution auch äußerlich sichtbar die unumschränkte Herrschaft an­traten, hatten tatsächlich schon o o r h e r , wenn auch weniger sichtbar, den maßgebenden Einfluß. Um sich die moralische Voraussetzung für die von ihnen gemachte Revolution zu schaffen, erklärten diese Männer und Parteien nun, Deutschland habe f e I b ft den Krieg verschuldet. Anders hät­ten sie es nicht verantworten können, die Revolution in einem Augenblick zu machen, wo sie notwendi­gerweise zur völligen Vernichtung Deutschlands füh­ren mußte. Darum schrieb damals derVorwärts : Es ist unser Wille, daß die deutschen Fahnen nicht siegreich heimgebracht werden. (Pfuirufe.) Sie haben damals den Grund gelegt zu den Sühne­forderungen der Feinde, zu der Begrün­dung des Versailler Diktats und zu den Tributen, die uns in Form der Reparationen abgepreßt wur­den. Dem Volk wurde gesagt, diese Forderungen könnte man leicht erfüllen, wenn nach marxistischem Rezept der Kapitalismus zu den Opfern 'herange­zogen würde. Sie erklärten, Deutschland werde Ge­rechtigkeit und Freundschaft erreichen, wenn es nur abrüfte. So haben sie das Volk von einem Betrug zum anderen ins Verderben hineingelogen. Uns überlassen sie nun einen Staat, den sie 14 Jahre lang in furchtbarster Weise ruiniert haben. Von uns verlangen sie nun, daß wie diesen Staat in vier Wochen wieder in Ordnung bringen sollen. Diese Männer haben jedes Gefühl verloren für die Kor­ruption, mit der sie sich befleckt haben. Sie nennen sichEiserne Front", aber eifern sind sie nur in ihrer Unverschämtheit.

Die jetzt überwundenen Parteien kommen nun und machen Koalitions- oder Tolerierungsange­bote. Sie fragen, was ich ihnen dafür biete. 3d) antworte: Gar nichts. Die Kuhhandelspolitik hat aufgehört. (Beifall.) Ob ich von euch toleriert werde als Partei, das ist mir gänzlich gleich- Ä3ch habe nur die eine Sehnsucht, daß utsche Volk mich toleriert.

3n seinen weiteren Ausführungen betonte der Kanzler die Notwendigkeit, für die Volksgemein­schaft ein gemeinsames Ideal aufzurichten, das aus dem Staat der Klassenspaltung, des Standes­dünkels und der Ueberheblichkeit wieder den Be­griff des einheitlichen Volkes macht. Alle Prin­zipien, Parteiziele und Ideen müßen unter­geordnet werden dem einen Dillen zum Dienst am Volk. Der größte Reichtum eines Volkes sind feine großen Männer. Sie dürfen nicht durch

die Herrschaft der Zahl erstickt werden.

Wenn im 3nteresse der Handels­bilanz der deutsche Bauer Pro­let a r i s i e r t wird, dann verliert diese ganze wirtschaftliche Berechnung ihr Fundament. Man sagt uns: 3hr Rationalsozialisten wollt uns die Tür zu dem Weltmarkt zuschlagen. 3ch antworte: Rein, das wäre ein 3rrfinn, aber wir sind über­zeugt, daß nur der auf dem Weltmarkt bestehen kann, der fest in feinerHeimatwurzelt und der auf seinem eigenen Boden steht. Der

gen Japan gestimmt; 11 waren abwesend (besonders Australien und eine Reihe Südamerika­ner). Ein Mitglied (Siam) enthielt sich der Stimme, nur Japan stimmte mit Nein. So ist die Entschei­dung gefallen. Die Vötkerbundsmitglieder sind damit verpflichtet, nicht vereinzelt ovrzugehen. Amerika hat sofort, auffällig schnell, der Entscheidung des Völkerbundes zugestimmt, also eindeutig ebenfalls gegen Japan Stellung genommen und tritt dem Ausschuß bei. Von Rußland liegt eine Antwort noch nicht vor. Es scheint, als wenn Rußland auf einer anderen Linie: Verständigung mit Japan zur Grenzsicherheit vorgehen wolle. Gleichzeitig hat der Krieg, in dem Japan der Angreifer ist, begon- fnen. Die japanischen Truppen sind im vollen Vor­marsch durch die Provinz Jehol. Die formellen Sriegsertlürungen sind noch nicht ausgesprochen. China ist nunmehr aber in der Lage, rechtmäßig den Krieg zu erklären, der Tatbestand des Artikels 15, Abs. 7, des Völkerbundspaktes ist gegeben. Was geschieht weiter?

Bisher ist 3apan nicht aus dem Völkerbunde ausgetreten. Auch scheint es das gar nicht zu wollen. Seine Drohungen mit einemasiatischen Völkerbunde" sind nicht ernst zu nehmen. Um­gekehrt: Sanktionen nach Art. 16 des Paktes von feiten des Völkerbundes oder ein militärischer oder wirtschaftlicher Druck der Vereinigten Staa­ten auf 3apan sind nicht zu erwarten, jeden- alls nicht für die allernächste Zeit. Das nächste ist die Entscheidung über die Waffenaus­fuhr. Hier hat England überraschend mit osortiger Wirkung die Waffenausfuhr sowohl nach 3apan wie nach China verboten. D^e Kriegsmateriallixferung war schoq im vollen

deutsche Dauer und der deutsche Handarbeiter müssen sich zusammenfinden mit den Vertretern der nationalen 3ntelligenz. Die Ration ist etwas Ge­waltigeres als Stand, Herkunft, Klasse und Beruf. .(Beifall.»

3ch will nicht sagen, daß alle Mächte der Ver­gangenheit bewußt das Schlechte gewollt hätten. Wenn sie aber selbst das Gute tun wollten, so fehlten ihnen die Kräfte dazu, und sie mußten ihnen fehlen, denn die Kraft lag zu allen Zeiten nur in der Gemeinschaft eines Volkes. (Beifall.) Wenn man mich einen blassen Theoretiker nennen will, so verweise ich auf mein Werk, die aus kleinen Anfängen geschaffene Bewegung. Sie ist wchrha tig keine Theorie. Sie ist Blut und Le­ben. (Stürmischer Beifall.) Als Rationalsozialist habe ich kein anderes Ziel, als in meinem Volk die große Versöhnung herbeizuführen.

Wir reichen jetzt den Volksgenossen die Hand, und wenn uns aber einer statt dessen die Faust entgegenballt, dem brechen wir sie auf. (Beifall.) Die Brandfackeln werden wir austreten und ihre Träger Niederschlagen. (Stürmische Zustimmung.) Mein Leben steht in Gottes Hand. 3ch hätte es auf dem Schlachtfeld ebenso verlieren können wie viele meiner Kameraden. 3ctzt aber, da mir das Leben geblieben ist, wende ich es an im Kampf für mein Volk, um für Deutschland das zu errei­chen, was die gefallenen Kameraden in ihrem Opfertod erringen wollten. Wenn sie es nicht er­leben konnten, so soll es erkämpft werden für ihre Kinder: ein Deutschland, in dem alle Deutschen Freiheit, Brot und Ehre sinden. (Stürmischer, langanhaltender Beifall.) Mit dem gemeinsamen Gesang des Deutschland- und HorstWessel-Liedes wurde die Kundgebung geschlossen.

Vizekanzler von papen spricht in Stuttgart.

Oer wahre Föderalismus. Lleberwindung des parieienstaats. $ür eine geistige, soziale und politische Entproletarisierung.

Stuttgart, 3. März. (CRB.) 3n der mit etwa 7000 Personen besetzten Stadthalle sprach auf einer Kundgebung der Kampffront Schwarz- Weih-Rot Vizekanzler v. Papen, der bei seinem Erscheinen enthusiastisch begrüßt wurde. Er führte in seiner Rede u. a. aus: Die sogenannte Einheitsfront dersüddeutschenLän- der ist weniger innerlich als durch parteipolitische Konstellationen begründet. Gerade als Föderalist hüte ich mich, die Dinge in allen deutschen Ländern gleich zu sehen. Der Grad der inneren Eigen­ständigkeit und des Staatsbewußtseins ist in den dei»tschen Ländern verschieden. Der Schema­tismus der Weimarer Verfassung, der zwischen Land und Land nicht unterscheidet, bedeutet des­halb die Erstarrung des föderalisti­sch e n P r i n z i p s , die Verewigung des Para­graphenstreits statt der Ruhbarmachung deutscher Vielheit für die deutsche Geschichte. Man muß das föderalistische Prinzip neu unterbauen in zwei Richtungen: in der des Rechtsauf- b a u e s und in der der Verwaltung. Auf­bruch der Ration heißt nicht nur neue Führung in Staat und Wirtschaft, sondern auch Vertie­fung des deutschen Volksgedankens und Ausbau des äußeren Bestandes des deutschen Volkstums. Mir schwebt ein deutsches Volk vor Augen, das so deutsch ist, daß es die Worte deutsch und national möglichst wenig in den Mund nimmt.

Man muß echbesFührerlum an Stelle von Inleresfenkliquen sehen, die nie­mals dem Volk dienen, sondern nur herrschen wollen. Do wären wir heute ohne unser glän­zendes pflichttreues Beamtentum. Ls wird auch in Zukunft, wenn so Gott will der Be­griff des politischen Beamten oet- schwindet, das stärkste Fundament jeder sau­beren Staatsführung sein. Wahre Führung be­ruht nicht auf Anmaßung, auf Demagogie, son­dern darauf, daß der Mensch guter Rasse und innerer Qualität in höherem Maße geeignet ist, Verantwortung zu tragen als der Durchschnitt.

Wir stehen bei einem geistigen Umschwung unserer sozialen und ethischen Auffassungen, dessen Ziel es ist, dem Klassenkampf und dem moralischen Zerfall zu steuern. Das große Werk der geistigen, sozialen und politischen Cnt- proletarisierung beginnt. Wir muhten -erst ein armes Volk werden, um das zu begreifen.

Wir wollen das deutsche Volk nicht entrechten, im Gegenteil: statt Steine Brot geben. Wir wollen auch nicht die Linke entrechten oder uns an ihr rächen. Sie bezieht lediglich ihren Lohn dafür, daß sie sich nicht zur <5ad>- walterin des gesamtdeutschen Volkes ausgeschwun­gen hat, daß sie die verlogene Humanität einiger Asphaltliteraten für deutsche Kultur hielt, daß sie es für deutsch erachtet, das Recht eines Volks auf Widerstand und Freiheit lächerlich zu machen und zu unterdrücken, daß sie sich niemals offen und ehrlich zur Wahrhaftigkeit bekannte und daß sie sich an den Rotbau von Weimar klammerte und in einer entsetzlichen Sterilität des politi­schen Denkens versank- Warum hat das deutsche Volk einer Regierung, die von dem Treuesten und Größten aller Deutschen eingesetzt worden war, das Vertrauen verweigert?

Die Kräfte der nationalen Bewegung haben sich zusammengefchlosfen und eine Regierung gebil­det, die bei Gott nicht die Aufgabe hat, andereParteienvonderMitarbeit auszuschließen, sondern als letztes Ziel die Ueberroinbung des Parteien- ftaates als solchen erstrebt, wenn der weg zum neuen Reich nicht gepflastert ist mit weg­geworfenen Parteibüchern, dann wäre er ein Irrweg, und wenn die nationale Bewegung sich nicht zum Sachwalter des gesamten deutschen Volkes macht, so hätte sie ihren geschichtlichen Auftrag nicht begriffen.

Hugenbergs letzte Wahlrede. Die Grundlagen des wirtschaftlichen und kulturellen Wiederaufbaus.

Stettin, 3. März. (ERB.) 3n den Zentral­hallen in Stettin hielt Reichsminister Dr. Hugen- berg heute nachmittag im Rahmen einer Kund­gebung der Kampffront Schwarz-We:ß-Rot seine letzte Rede vor den Wahlen. Er führte u. a. aus: 3d) habe mit der Uebernahme der gesamten Wirtschaftsministerien die Aufgabe übernommen, dem deutschen Volk wieder zu Brot und Arbeit zu verhelfen. Cs wird eine Zeitlang dauern, bis wir das 3nstrument der landwirtschaftlichen Preisbildung wirklich in die Hand bekommen, aber zum Wohle der Landwirtschaft und der gesamten deutschen Wirtschaft werden wir es in die Hand bekom-

Gang, auch die Ueberleitung an 3apan über dritte Mächte, besonders über Siam. Für Eng­land war die Entscheidung sehr schwer: sowohl wegen der Beschäftigung der Industrie, wie auch wegen der Gefahr einer Blockade der chinesischen Küste durch die japanische Kriegsflotte. Trotzdem hat es schnell diese Entscheidung gefällt, der nun die anderen Mächte folgen müssen, auch Amerika. Rur so kann der Krieg im Fernen Osten auf eine kurze Dauer beschränkt bleiben- Ob er überhaupt zu lokalisieren ist, das weiß heute noch kein Mensch. Ebenso nicht, welche Wirkungen in die Ferne dieser in der Geschichte des Imperialismus nun dritte japanische Vorstoß ausüben wird.

Landhilfe durch jugendliche Erwerbslose.

Berlin, 3. März. (WTD.) Der Präsident der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Ar­beitslosenversicherung hat den Erlaß über die Landhilfe herausgegcben, der bäuerlichen Betrieben Beihilfen für die Beschäf­tigung zusätzlicher Arbeitskräfte aus den Reihen der arbeitslosen 3uaend zusichert. Da­mit wird eine weitere Maßnahme der Reichsre­gierung zugunsten erwerbsloser 3ugendlicher in die Wege geleitet und gleichzeitig eine Hilfe für die bäuerlichen Familienwirtschaften verwirk­licht. Die Förderung ist auf Betriebe bis zu 40 Hektar landwirtschaftlich ge­nutzter Fläche beschränkt. Die Arbeitsämter sind ermächtigt, für zusätzliche Arbeitskräfte, die

sich auf mindestens sechs Monate verpflichten, dem Betriebsinhaber eine monatliche Bei­hilfe bis zu 25 Mk. (für weibliche Kräfte bis zu 20 Mk.) zu gewähren. Der Be­triebsinhaber ist verpflichtet, den Helfer in die Hausgemeinschaft aufzunehmen, ihm eine gute Kost und gesundheitlich einwandfreie Unterkunft zu gewähren und die vereinbarte Vergütung zu zahlen. Die Reichsregierung behält sich vor, in den Fällen, in denen das Ar­beitsverhältnis mindestens 12 Monate gebau«>rt hat, nachträglich eine besondere Prämie zu gewähren. 3edoch ist eine endgül­tige Entscheidung noch nicht getroffen.

Der Antrag auf Zuweisung eines Helfers mehr als zwei Helfer dürfen nicht zugewiesen werden ist bei der Gemeindebehörde zu stellen, die den Antrag mit einem Gutachten an das Arbeitsamt weitergibt. Die Helfer stel­len ihren Antrag auf Vermittlung unmittelbar beim Arbeitsamt ihres Wohnorts. Der zugelassene Personenkreis beschränkt sich nicht auf Unterstützungsempfänger. Es kommen vor­nehmlich jüngere Arbeitslose in Frage; wer im Freiwilligen A r b e i t i ö i e rvß, tätig war, wird bevorzugt. Den Helfern können die Kosten der Reise nach dem Arbeits­ort erstattet und Beihilfen für die Arbeitsaus- rüftung gewährt werden. Es ist nun Sache der Landwirtschaft, noch für die bevorstehende Früh­jahrsbestellung von der Landhilfe Gebrauch zu machen. Merkblätter für die Detriebs- inhaber und für arbeitslose 3ugendliche, aus denen sich alles Nähere ergibt, werden in Kürz« her ausgegeben.