Ausgabe 
4.2.1933 Frühausgabe
 
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Samstag, 4. Zebruar 1955

185. Jahrgang

Nr.50 KeübauSgabe

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Dr. Friedr. Will). Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Gange; für Feuilleton Dr H.Tbynot; für den übrigen Teil Ernst Blumschcin und für An­zeigenteil i.D.TH.Kümmel sämtlich in (Biegen.

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GktzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

Randnoten.

Wie kaum auf einem anderen Gebiet der Technik hat Deutschland sich im Flugwesen he.vorgetan. Es ist durch die private Initiative weitsehender deutscher Gelehrten und Erfinder, wie Professor Junkers, durch den Mut und die Schneid.g'.eit deutscher Piloten wie Köhl, übet, Hühneselb und v- Gronau, durch die Güte, die zwectentsprechende Formgebung und restlose Aus-, Nutzung des Materials, durch die treue Hingabe von Ingenieuren, Monteuren und Arbeitern, durch die inusterhaste organisatorische Durch- bildung des gesamten deutschen Flugverkehrs­netzes zur ersten Flugnation der Welt geworden. Deutsche Piloten und Flugplahleiter Wurden v.eigesuchteAusfuhrware". In Lieber- see in Rußland, in vielen Staaten der Welt Haven diese Vorkämpfer für das Deutschtum ih.en Mann gestanden und haben dem durch den Veisailler Diltatfrieden verunglimpften deutschen Rainen wieder Achtung und Anerkennung ver­schosst. Aus dem Vichts heraus wu rde die heutige deutsche Zivilluftfahrt geschaffen. In Versailles glaubte man, Deutschland die Be­nutzung des Aethers verbieten zu können- Aber de-, alte Ikarus-Gedanke des deutschen Volkes erwies sich in der Folge als stärker

Was kann sich in Deutschland mit der Popularität, die Flugzeuge und Zeppeline genießen, messen? Wenig! Und nun erhält, fast zu gleicher Zeit, der fliegerische Gedanke zwei neue ft arte I m - pulse, die für die weitere Entwicklung von aus­schlaggebender Bedeutung fein werden. Zunächst ist der Zusammenschluß der beiden bedeu­tend st endeutschenLuftfahrtverbände (des Aero-Klubs von Deutschland unb des Deutschen Luftfahrt Verbandes) beabsichtigt. Die neue Verbin­dung, die in Bälde zu erwarten ist, begrüßen wir, weil sie nicht nur den steten Kampf gegen die Fes­seln des Versailler Diktates und des Pariser Luft- abkommens erleichtern, sondern auch erfolgreicher machen wird. Zn der Zielsetzung waren sich die bei- den Organisationen immer einig und es macht den Leitungen der Verbände Ehre, daß sie nun auch organisatorisch die Folgerungen ziehen wollen.

Den zweiten starken Impuls versprechen wir uns von der Ernennung des Veiä stagspräsiden- ten Göring zum Reichstommdsar für das Luftfahrtwesen und von der Bestel­lung des Direktors der Luft-Hansa, Milch, zum stellvertretenden Reichskommissar, der nach Er­ledigung der etatsmäßigen Schwierigkeiten den Charakter eines Staatssekretärs erhalten wird. Zum ersten Male ist hier von einer deutschen Reichsleitung gleichsam amtlich die überragende Bedeutung des deutschen Luftverkehrsgedankens anerkannt worden, eine Initiative, die wir dan­kend quittieren. Bisher bestand nur ein Luft- Dezernat im Veichsvertehrsministerium; jetzt end­lich hat man ein Staatssekretariat geschaffen, das zur Zentrale aller Luftverkehrs- und Luftsport- bcstrebungen gemacht werden muh. Die neuen Männer sind Fachleute. Sie haben als Kampf­flieger im Kriege der Nation ihren Tribut entrich­tet, sie kennen aus eigener Anschauung die Röte des deutschen Luftverkehrs, sie sind stets Kämp­fer für eine durch keinerlei Schranken behinderte Lufthoheit des Reiches gewesen. Cs ist nicht zu­viel gesagt; wir sind im Begriff, eine neue Seite in dem Buch der deutschen Luftfahrt aufzuschla­gen. Ieht auf ans Werk!

Die Regierung hat ein Machtwort gesprochen. Iene berühmten Splitter aus der Masse der Wahlvorschläge, die uns bisher nicht nur ein Balken, sondern geradezu ein Dorn im Auge gewesen sind, sollen durch eine Verfügung schmerz­los entfernt werden. Das heißt, daß das Wahl- gefeh in dem Sinne geändert werden soll, daß zu einem Wahlvorschlag in Zukunft nicht mehr fünfhundert Unterschriften für einen und zwanzig Unterschriften für jeden weiteren Wahlkreis er­forderlich sind, sondern 60 000 für einen Kreis und 53 für jeden anderen.

Mil dem Verschwinden dieser kleinen, aber so überaus gemütlichen Parteien verschwindet ein Stück deutsches Leben aus der Oefsentlichkeit, ein sattsam bekannter Beweis nicht nur für die Einigkeit, sondern auch für den Organisations- Hunger der germanischen Völkerschaften. Wie- viele Heiligen, wieviel Propheten sind im Laufe öcr letzten Lahre in der Politik aufgetaucht! Wieviele haben sich und ihren Mitmenschen ge­lobt, es in Zukunst vor allem anders und dann auch natürlich besser zu machen als alle an­deren? wenn ja, wenn man ihnen, den Wunderschäfern, Reformern, Wanderpredigern die Macht auch für einen Tag übergäbe!

Bis jetzt war das außerordentlich leicht, sich zu solch einem Posten des Wunderschäfers auszuschwin­gen. Nehmen wir ein Beispiel: die Familie 'Braten- Mer, Urahne, Großmutter, Mutter und Kind. Das Elend des deutschen Volkes hatte sie mächtig ange­packt. Sie beschlossen, etwas für ihre Brüder und Schwestern zu tun. Alle Nachbarn hörten ihnen voller Verwunderung zu, anerkennend äußerten sich ihre Verwandten in Briefen, oic brauchten nicht firofj die Reklametrommel zu rühren, um die not­wendigen paar Unterschriften zusammen zu bekom­men. Ihre Bekanntschaft und Verwandtschaft war verzweigt genug. Bei den nächsten Wahlen stand ivanülie Bratengeyer, verkleidet alsDeutsche Kampf- und Freiheitspartei" an 53. Stelle auf der Wahlliste. Sie erhielten im ganzen deutschen Reichs­gebiet 384 Stimmen.

Jetzt also wird es solchen Familien Bratengeyer nicht mehr möglich fein, den Sprung ins öffentliche Leben zu tun. 60 000 Unterschriften das ist wohl für ein Familienunternehmen in einem einzigen Wahlkreis ein etwas gewagtes Unterfangen! Store

Auch England lehnl -den französischen Sicherheilsplan ad.

Fortsetzung der Abrüstungsbebatte in Genf.

Genf, 3. Febr. (WTB.) 3m Hauptausschuß der Abrüstungskonferenz legte heute der Unter- staatssekretär im Foreign Office Eben ben Standpunkt der englischen Regierung zum fran- zösischen Plan bar. Er erklärte, baß England in ber Sicherheitsfrage keinerlei V e rpflich- tungen übernehmen werbe, bie über ben Dölkerbunbspakt, ben Kellogpakt unb ben Ver­trag von Locarno hinausgehen. Mit der Unterzeichnung bes Locarnopaktes habe bie eng­lische Regierung einen bebeutenben unb frei­giebigen Beitrag zur Sicherheit Westeuropas geleistet. Die englische Regierung habe in real­politischer Erwägung auf bas Ideal eines uni­versalen Paktes gegenseitiger Hilfeleistung ver­zichtet unb sich für bas natürliche Wachs­tum eines Sicherheitssystems burch geographisch beschränkte unb unmit­telbare Binbungen entschieden. Durch den Beitritt zum Locarnopakt habe England ein Beispiel geben wollen, von dem es hoffte, daß es von anderen befolgt würde. Diese Hoffnungen hätten sich noch nicht erfüllt. Die Ab­rüstungskonferenz müsse jetzt sehr bald zu einer wirklichen Herabsetzung ber Weltrüstun- gen kommen. Gerabe vom Stanbpunkt ber Sicher­heit sei bies wichtig. Eben stellte bie Frage, ob es nicht möglich sei, baß ber augenblickliche Stand ber Sicherheit schon eine genügende Ga­rantie für wirkliche Abrüstungsmaßnahmen ge­währe unb ob es nicht wahr sei, baß die Ab­rüstung in Europa eine wirksame Garantie für den europäischen Frieden bedeute. Zum Schluß betonte er, daß es jetzt daraus ankomme, die An­regungen und praktischen Vorschläge, die in allen ber Konferenz vorgelegten Plänen en h lt .-n s ien, zu koordinieren, um z u praktischen Er­gebnissen zu kommen.

Benesch sekundiert den Franzosen.

Restlos setzte sich sodann für ben französischen Plan ber tschechoslowakische Außenminister Be - n e s ch ein. Der vorgeschlagene europäische Kontinentalpakt sei eine unbedingte Not­wendigkeit. Die Tschechoslowakei müsse b e s o n - deren Wert auf den Ausbau der Si­ch e r h e i t legen, da sie, wenn bie abgerüfteten Vachbarstaaten über größere Rüstungen verfügten, in eine außerorbentlich ernste Lage kommen würde. Ein ständiger Friede in Europa sei undenkbar ohne eine sichere und zuverlässige Organisation des Friedens. Die fünf Großmächte hätten sich verpflichtet, unter keinen Umständen zur Gewalt zu schreiten und anerkannt, daß Gleichberechtigung, Abrüstung und Sicherheit nur in Etappen durchgeführt werden könnten. Eben­so hätten die Großmächte in einer Erklärung zuge­geben. daß Gleichberechtigung, Abrüstung unb Si­cherheit inunlösbaremZusammenhang miteinanber ständen. Die Abrüstungskonferenz könne daher zu praktischen Ergebnissen nur auf der Grundlage einer gemeinsamen Lösung aller drei Fragen gelangen. Der französische Plan müsse bie entscheibende ©runblage für bie Lösung bes Abrü- stungs- unb Sicherheitsproblems bilben.

Belgische Zweifel.

Die bisherige Aussprache hat eine unerwartet würbe mit einer Erklärung bes belgi­schen Vertreters Bourquin abgeschlos­sen. Dourquin, befsen selbstänbige Haltung gegen­über Frankreich allgemein auffiel, erklärte bie Zustimmung seiner Regierung zu bem französi­schen Plan, äußerte jeboch ernste Zweifel über bie Zweckmäßigkeit der vorgeschlagenen Internationalisierung der schweren "Waffen. Er trat für einen einheitlichen Armeetypus mit kur­zer Dienstzeit ein, wies jedoch darauf hin, daß ohne England ein europäisches Sicherheitssystem nicht möglich sein werde.

Die bsherige Aussprache hat eine unerwartet eindeutige Ablehnung des französischen Pla­nes ergeben. Eine Beteiligung der Vereinigten Staaten an dem von Frankreich geplanten all­gemeinen Sicherheitssystem ist angesichts ber ame-

mir meine Streife nicht! Unter diesem Gesichtspunkt werden die Verwaltungsbehörden, indem sie nur noch die eingeführten politischen Parteien zur Wahl zulassen, eine schöne Menge Papier sparen. Denn der Wahlzettel wird ohne den Zierrat der Splitter­parteien gewiß nicht mehr seine imposante frühere Länge haben

In einer soeben veröffentlichten Liste gibt das Statistische Reichsamt einen lleberblid über bie Bevölkerungsentwicklung bes Deutschen Reiches seit der letzten Volkszählung im Jahre 1925. Dabei fällt besonbers ber Rück­gang ber Kinber unter 15 Jahren auf, eine Zahl, bie von 1925 bis 1932 um rund 720 000 gefallen ist. Dagegen hat die über 15 Jahre alte Bevölkerung um 3 398 000 zugenom­men, so bah sich also bie deutsche Gesamtbevöl­kerung um 2 678 000 Menschen auf insgesamt 65 089 000 erhöht haü

Die Gesamtzahl dßb Ledigen innerhalb des Deutschen Reiches hat infolge des Geburten­rückganges um rund eine halbe Million abgenom­men, wovon 400 000 auf das weibliche Geschlecht

rikanischen Haltung in ber Schulbensrage völlig ausgeschlossen. Man erwartet, bah auch bie skanbinavischen Mächte bie Hauptziele bes sranzos schm Planes ab.ehnen werden. Der Zusammenbruch des französischen Planes wird »jetzt bereits als Tatsache hingenommen.

Personalveränderungen m der Völkerbundsbürokratie.

Genf, 3. Febr. (TU.) Der Bölkerbunds-- r a t hat in streng geheimer Sitzung ben Direktor ber Minberheitenabteilung, ben Spanier Aske- rate, zum ftellocrtrctenben General­sekretär des Völkerbundes ernannt. Die Er­nennung des zweiten, neuerdings vorgesehenen stellvertretenden Generalsekretärs ist bisher noch nicht vorgenommen worden. Für diesen Posten

ist ber neue italienische Untergencralfcfretär P i - l o 11 i vorgesehen. Die Ernennung Askerates, die auherordentlich überrascht hat, ist aus den dringenden Wunsch des Generalsekretärs Drumm ond erfolgt. Der Völkerbundsrat be­schloß ferner, den langjährigen Privatsekretär Drummonds, ben Engländer Walters, zum eng­lischen Alntergeneralfctretär des Völ- kerbunbes zu ernennen. Bekanntlich ist bie bis­herige Tätigkeit bes Direktors ber Minderheiten­abteilung, Askerate, auf starke Kritik ge­stoßen. Es steht noch nicht fest, ob Askerate auch weiterhin bie Minberheitenabteilung des Völkerbundssekretariats beibehalten, ober ob bie seit langem von vielen Seiten bringenb ge­wünschte Qlenberung in bet Leitung der Min­berheitenabteilung nunmehr buch eintreten wirb.

Ein Notruf

Der Reichsstädtebund fordert

Berlin, 3. Febr. (CVB.) Die Vvt ber mitt­leren und Keinen Städte hat, wie eine Mittei­lung des Reichsstädtebundes hervorhebt, durch den rapiden Rückgang ihrer Einnah­men ein Ausmaß erreicht, daß ihnen eine ordnungsmäßige F i nanz w i rt s ch a f t seit langem nicht mehr möglich ist. Im weiteren bezeichnet ber Reichsstäbtebunb es als einen staatspolitisch unerträglichen Zustanb, bah eine große Anzahl von Stäbten nicht einmal mehr in ber Lage fei, ihre Gehälter, Löhne unb Wohl- fahrtsunterstühungen in vollem Umfange aufzu­bringen unb bah auch bie Ausgleichsfonbs ber Länber ihnen nur 60 v. H. ber fehlenben Deckung zur Verfügung stellen könnten. Ebenso glauben es bie Stäbte vor ber Oefsentlichkeit nicht verantworten zu können, bah viele Stäbte gezwungen seien, nur um ihre Arbeits­losen zu befriebigen, Lanbes steuern einzubehalten unb ihre sonstigen Zahlungen für Zinsen unb Tilgungs­quoten ihrer Krebite unb für Lieferungen

der Städte.

Llmbau der Arbeitslosenhilfe.

aller Art gegenüber bem notleibenben Mittel- ftanb einj u ft eilen.

Der Reichsstäbtebunb als Spitzenorganisation von 1560 mittleren unb kleinen Stäbten richtet baher ben bringenden Votruf an bie neue Regie­rung, biefem öffentlichen Votstanb burch eine be­schleunigte Cntscheibung enblich ein Enbe zu be­reiten. Er gibt sich babei ber Hoffnung hin, bah bie Regierung über bie zu ergreifenden Maß­nahmen zu einem schnellen Entschluß kommen werde. Die beiden einzigen Heilmittel seien nach einhelliger Auffassung der Gemeinden unb ihrer Spitzenverbände eine sofortige organisatorische Vereinheitlichung der Arbeits­losenhilfe zwecks Vereinheitlichung und Ver­billigung in den Händen der Gemein­den, weil diese bem Arbeitslosen am nächsten stehen unb ihn verhältnismäßig am besten zu beurteilen wissen, sowie eine selbständige Finanzierung der vereinheitlichten Arbeitslosenhilfe durch das Reich unter Befreiung ber Gemeinben von ben für sie untragbaren Ausgabenlasten.

Hessen protestiert gegen ungenügende Zerüö- sichtigung im Arbeitsbeschassungsprogramni.

Ein einstimmiger Beschluß des Finanzausschusses des Landtags.

Darm stabt, 3. Febr. (WHP.) Der Finanz­ausschuß bes Hessischen Lanbtags befaßte sich am Freitag eingehenb mit ben Plänen ber Reichs- regicrung zur Arbeitsbeschaffung, ins- befonbere mit ber Beteiligung Hessens am 500-Millionea-Sofortprogramm des Reichs­arbeitskommissars Dr. Gereke. Staatsrat Kar­cher teilte mit, daß von den Gemeinden bie An­träge auf Einbeziehung ihrer Projekte in bas Arbeitsbeschaffungsprogramm noch nicht restlos vorliegen. Er führte bann weiter aus:

Das Sofortprogramm zur Arbeitsbeschaffung, bas sogenannte Gereke-Programm, bas rund 500 Millionen Mark umfaßt, war als ber Anfang eines großen Arbeitsprogramms gedacht, das etwa 2.7 Milliarden Mark umfassen sollte. Der hessische Anteil beläuft sich auf höchstens 7,5 bis 8 Millionen Mark. Daß bei dieser schmalen Basis all die Hoffnungen nicht er­füllt werden können, die etwa auf Grund der Verlautbarungen erweckt worden sind, ist selbst­verständlich.

Zur Zusammenfassung und Vereinfachung des Verfahrens hat die hessische Regierung, wie das ähn­lich auch in anderen Ländern geschehen ist, eine M i n i st e r i a l k o m m i s s i o n geschaffen unter dem Vorsitz des Staatsrats Karcher. Das Arbeits­programm soll sich so auswirken, baß bei der Ver­gebung der Aufträge mittlere und kleinere

Betriebe ausreichend berücksichtigt werden Um eine Entlastung der Gemeinden zu er­zielen, ist vorgesehen, bei ben Arbeiten in der Hauptsache Wohlfahrtsunter st ritzte, also langfristige Erwerbslose, zu beschästigen, und zwar zu den Bedingungen des freien Arbeitstier- trags unb unter Einhaltung einer wöchentlichen Ar­beitszeit von 40 Stunden. Die Darlehensbe­dingungen sehen vor, daß die Laufzeit des Dar­lehens der voraussichtlichen Lebensdauer der Arbeit angepaßt wird. Die Laufzeit soll 25 Jahre nicht überschreiten. Bei einer Tilgungszeit von 20 Jahren ist eine Annuität (Zins und Tilgung) von 6 d. H. zugrunde gelegt. Der Prozentsatz der Rente steigt entsprechend, wenn die Tilgungszeit sich verkürzt, ober er wird entsprechend geringer, wenn eine län­gere Laufzeit gewährt wird.

Schon jetzt liegen in Hessen soviele Antrag? vor, baß die Kontingente bereits weit überschritten werben. Es wirb also eine sorgfältige Auslese ber beantragten Maß­nahmen stattfinben müssen, unb man wirb basür Sorge tragen müssen, baß die Gemeinden f i - nanjiell nicht z u sehr belastet werden.

Insoweit der Hessische Staat als Trä­ger auftritt, begründet Staatsrat Balser die einzelnen Maßnahmen. Was die Reichsaufträge anlangt, so sei es bedauerlich, daß inzwischen eine erhebliche Reduzierung der ur-

und 121 000 auf das männliche Geschlecht entfal­len. Auch in Deutschland macht sich demnach, wie in aller Welt, ein allmählicher Rückgang des durch die Kriegsverluste hervorgerufenen Frauen­überschusses und ein Anwachsen der männ­lichen Bevölkerung bemerkbar. Die Zahl der Ledigen weiblichen Geschlechts über 15 Jahren zeigt bereits zu Beginn des Jahres 1932 einen Rückgang um 25 000.

Die Zahl der verheirateten Personen ist in den Jahren 1925 bis 1932 um 11 Prozent ge­stiegen. Dieser Prozentsatz hätte wohl noch be­deutend höher angeseht werden können, wenn nicht so viele heiratsfähige junge Männer durch den wirtschaftlichen Viebergang unb bie fteigenbe Un­sicherheit im Erwerbsleben gezwungen wären, auf bie Grünbung eines Hausstanbes zu verzichten. Das Statistische Reichsamt schätzt bie Zahl ber heiratsfähigen, aber aus biefem Grunbe noch lebigen Männer auf runb 400000.

Relativ am stärksten ist bie Anzahl ber Ge­schiebenen gestiegen, unb zwar von 284 000 im Jahre 1925 auf fast eine halbe Million, ob­gleich seit bem Iahre 1931 ein Rückgang in

ben Ehescheidungen zu verzeichnen ist. Die Zahl der Cheauflösungen hatte im Jahre 1930 mit 40 722 ihren Höchststand erreicht unb war im folgenben Jahr auf 39 971 zurückgegangen. In statistischen Zahlen würben in ben Jahren 1927 unb 1928 auf 10 000 Chen jährlich 27,7 Schei­bungen ausgesprochen, die auf 29 im Jahre 1929 unb 29,5 im Iahre 1930 fliegen, um im folgenben Jahr auf 28,5 zurückzugehen.

Bezeichnen!) für bie wirtschaftliche Lage und die Bevölkerungsentwicklung der Gegenwart und voraussichtlich auch der nächsten Zukunft ist die Tatsache, daß sich die Bevölkerungsvermehrung in einer Zunahme der Familien und Klein- unb Klginst-Haushaltungen bemerkbar macht, währenb bie K opfstärke ber einzelnen Familie ftänbig zurückgeht, eine Entwicklung, bie besonbers für ben Wohnungsmarkt (Klein­wohnungen usw.) von Bebeutung ist, ba sie eine völlige Umbildung in der Wohnungsfrage im Gefolge hat. Die Zahl ber Ehepaare ist von 12,7 Millionen im Iahre 1925 auf 14,1 Millionen gestiegen, bie Zahl ber felbftänbigen Haushal­tungen von 15,7 auf 17,4 Millionen.