Ausgabe 
4.2.1933 Erstes Blatt
 
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seine Generakvetsarnmlung ab. Näheres ist aus der Anzeige vom vorigen Samstag ersichtlich.

Vieser Stelle zu weiteren Spenden aufgesorvert werden, die die Direktion der Anstalt dankbar entqegennimmt. .. _ . . .

Auf die Ehrentafel sollen dre Namen derjenigen Lehrer und Schuler kommen, die unmittelbar aus dec Schule ins Heer eingetreten sind und dann ihr Leben dem Vaterland geopfert haben. ES ist unmöglich, den Kreis auf alle ehemaligen Schüler zu erweitern, da die Schule nicht in der Lage ist, alle in Betracht kommenden Personen ausfindig zu machen, es ist dies auch nicht nötig, weil angenommen werden kann, daß diejenigen ehemaligen Schüler, die schon die Schule verlassen hatten, als sie in den Krieg zogen, an anderen Stellen die verdiente Ehrung gefunden haben.

Di« Liste der in Betracht kommenden Lehrer und Schüler ist aufgestellt, aber es wäre nicht unmöglich, daß trotz größter Sorgfalt doch einer vergessen wäre. Die Schule bittet deshalb die Angehörigen von Gefallenen, deren Namen auf der geplanten Ehrentafel nicht fehlen dürfen, um eine kurze Mitteilung, die zur Nachprüfung vor der endgültigen Aufstellung der Liste dienen soll.

Spenden für die Winienwihilse.

Don der Geschäftsstelle der Gießener Winter» nothilfe werden uns folgende weitere Spenden mitgeteilt:

Prof. Dr. Lothar Hock, Marburger Straße 110.

100 Mk. m

Schade & Füllgrobe W, Frankfurt a. M., 70 Mark in Lebensmittelgutschcinen als 4. Rate.

Blum. Wetzlarer Weg 15, ein Posten Textil­waren.

Daten für Sonntag, 5. Februar.

1808: der Maler Karl Epihweg in München geboren: 1861: der Luftfchifser August v.Pat- seval in Frankenthal geboren.

Gictzencr Wochenmarttpreise.

Gießen. 4. Febr. Es kosteten auf dem heu­tigen Wochenmarkt das Pfund: Süßrahmbutter 120, Landbutter 100 bis 110, Kochbutter 80 bis 93. Matte 20 bis 25. Wirsing, gelb 10 bis 12, grün 15 bis 20, Weißkraut 8 bis 10. Rotkraut 10 bis 12. gelbe Rüben 10 bis 12, rote Rüben 10. Spinat 30 bis 35, LInterkohlrabi 6 bis 8, Grün­kohl 15 bis 18, Rosenkohl 30, Feldsalat 150. Zwie» beln 10, Meerrettich 30 bis 50, Schwarzwurzeln 25 bis 30, Kartoffeln 3, Aepfel 18 bis 30, Dörr­obst 35 bis 40, Honig 40 bis 45, junge Hähne 70 bis 90, Suppenhühner 70 bis 80, Äüsfe 40; das Stück: Käse 5 bis 10, Tauben 40 bis 60, inländische Eier 11, Blumenkohl 30 bis 60, Salat 30 bis 35, Cndivien 15 bis 30, Lauch 5 bis 10, Rettich 10 bis 15, Sellerie 10 bis 30 Pfennig; der Zentner: Kartoffeln 2,50 Mark.

Vornotizen.

Tageskalender für Samstag: Gleibergverein, 15.30 Uhr, »Aquarium", außer» ordentliche Generalversammlung. Kreis-Obst« und Gartcnbauverein, 14.30 Uhr, Katholisches Dereinshaus, Hauptversammlung. Artillerie- Bercin, 20 Uhr. »Hessischer Hof", General-Ber- sammlung. Allgemeiner Deutscher Frauenver- cin, Turmhaus am Drandplah, 11 bis 13, 15 bis 17 Uhr, Ausstellung der Arbeiten des freiwilligen weiblichen Arbeitsdienstes. Epielvereinigung 1900, Caf6 Leib, Maskenball. VfB., »Liebigs- höhe", Maslenball. - Lichtspielhaus, Bahnhof- straße: .Annemarie", Astoria-Lichtspiele, Sei» tcrsweg: »Knall und Fall". Wiesecker Licht­spiele, 20.30 Uhr, »Der Geheimagent". /

Tageskalender füt Sonntag: Stadttheater, 20 bis 22 Uhr, Bortrag des Welt­fliegers Wolfgang von Gronau. Gießener Äon* zertverein, Universitätsaula, 17 Uhr, Liederabend Paul Lohmann. Berein für Sterbeunterstüt- xung, 15 Uhr, »Zum Postkeller", Generalver» fammlung. Bienenzüchterverein Gießen u. Um­gebung, 14.30 Uhr, »Hotel Hopfeld". Hauptver» fammlung. Allgemeiner Deutscher Frauenver­ein, Turmhaus am Brandplatz, 11 bis 13, 15 bis 17 Uhr, Ausstellung der Arbeiten des freiwilli­gen weiblichen Arbeitsdienstes. Gesellschaft Turn-Club, »Bayerischer Hof". Kappenabend. Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: »Annemarie". -- Astoria-Lichtspiele, Seltersweg: »Knall und Fall". Wiesecker Lichtspiele, 16 und 20.30 Uhr, .Der Geheimagent".

Aus dem Stadttheaterbüro wird uns geschrieben: Die letzte Aufführung des deut­schen Fröntstückes »Die endlose Straße" von Graff und Hintze unter der Spielleitung von Intendant Dr. P r a s ch findet am Montag, 6. Februar, 20 Uhr, statt. Die Aufführung ist außer Abonnement zu kleinen Preisen. Ende 23 Uhr. Dienstag, 20 Uhr, als 17. Dorstellung im Dienstag-Abonnement Wiederholung der mit großem Beifall und Erfolg aufgeführten Operette »Das Dreimäderlhaus" mit der Musik nach Franz Schubert. Spielleitung: Wrede Moehl 2 äulke. Ende 23 Uhr. Operettenpreise. Mittwoch, 18. Dorstellung im Mittwoch-Abonne­ment, 20 Uhr, Lichtenbergs Lustspiel »2:2 unent­schieden" unter der Spielleitung von Karl H e h - 1er. Im Zyklus hessischer Dramatiker kommt als zweiter Abend das Bauernkriegsdrama »Der Bundschuh" von Karl Neurath zur Aufführung. Erstaufführung dieses Werkes am Freitag, als 18. Dorstellung im Freitag-Abonnement. Gewöhn­liche Preise. Spielleitung hat OberspielleiterPeter Fassott. Am Samstag, 11. Febr., bringt daS Ensemble des Gießener Stadttheaters auf Einladung der Koblenzer Bühne als Austausch- gastspiel das deutsche Frontstück »Die endlose Straße" yi Koblenz zur Aufführung. Die näch­sten Wiederholungen der Operetten-Revue »Im weihen Rößl" finden am Sonntag, 12. Februar, statt, von 15 bis 18 Uhr zu ermäßigten Ope­rettenpreisen; zu dieser Nachmittagsvorstellung haben auch Schülerkarten Gültigkeit; von 19 bis 22 Uhr ebenfalls zu ermäßigten Operettenpreisen. Zu dieser Dorstellung haben Dorzugsgutscheine und Rundfunkgutscheine Gültigkeit, jedoch keine Schülerkarten.

Der Goethe-Bund teilt uns mit, dah er die Reihe seiner dieswinterlichen Dichterabende mit einem Vortragsabend des bekannten flämischen Dichters Felix Timmermans beschließen wird. Felix Timmermans hat eine Zahl von Werken geschrieben, die im Bücherschrank keines Litcraturfreundes fehlen werden. Die Eigenart feiner Persönlichkeit geben seinen Dichterabenden eine besonders wertvolle Rote. So wird man sicherlich diesen interessanten Abend in unserer Stadt begrüßen und dem Goethe-Bund durch star­ken Besuch für dieses Erlebnis Dank wissen. (Siehe heutige Anzeige.)

Der Verein für Sterbeunter­st ü h u n g hält am morgigen Sonntag, 15 Uhr, im RestaurantZum Postkeller", Wagengasse,

50 Jahre aktiver Feuerwehr­mann der Freiwilligen Gailschen Feuerwehr. Ein seltenes Iubiläum konnte am 26. Ianuar, wie uns heute berichtet wird, der Schreinermeistcr Wilhelm Wacker aus Gie­ßen begehen. An diesem Tage waren es 50 Iahre, dah er der Freiwilligen Gailschen Feuerwehr beitrat. In dankbarer Anerkennung seiner der Allgemeinheit geleisteten treuen Dienste wurde ihm daher in der Monatsversammlung am 30. Ianuar durch den Ehef des Korps, Herrn Dr. Gail, ein Glückwunschschreiben des Herrn Reichspräsidenten überreicht. Bei dieser Gelegen­heit brachte Herr Dr. Gail auch den Dani der Firma Gg. Phil. Gail und seinen persön­lichen Dank zum Ausdruck. Branddirektor Braubach gratulierte herzlichst im Namen der Stadtverwaltung Gießen, im Namen des Dezer­nenten für das Feuerlöschwesen, Bürgermeister Dr. Hamm, sowie in seiner Eigenschaft als Branddirektor für Gießen, und überreichte dem Iubilar das Hessische Feuerwehr-Ehrcnkreuz. An­schließend übergab der 1-Kommanvant der Wehr, Münch, mit besonderen Dankesworten einen Ehrenbrief und forderte die jüngeren Kameraden auf, dem schönen Beispiel des Iubilars getreu zu folgen. Eteigerobmann Rohrbach überreichte im Auftrage der Steigermannschaft ein kunstvoll ausgestatteteS Diplom und einen Präsentkorb.

* Wetterkuriofitäten vom Hohe» r o d s k o p f. Der hohe Vogelsberg enttäuscht in diesem Iahre die »Zünftigen" (die Skiläufer find gemeint) auf das Heftigste. Als interessante Tat­sache ist heute zu melden, dah es am Hoherods- kopf in den letzten Tagen bei 3 und 4 Grad Wärme schneite, dagegen an anderen Tagen bei 7 und 8 Grad Kälte regnete. Gegenwärtig regnet es, obwohl heute morgen 4 Grad Kälte gemessen wurden. Der Schnee auf der Heide und den Hängen ist verschwunden, im Wald liegt er in kümmerlichen Resten.

* Stromgeldanmahnung. Vom städti­schen Elektrizitätswerk wird durch eine Bekannt­machung im heutigen Anzeigenteil darauf hin­gewiesen, daß die Stromgelder für Dezember bis zum 15. Februar noch ohne besondere Kosten be­fahlt werden können. Interessenten seien beson­ders darauf aufmerksam gemacht.

Diehmär kte in Giehen. Der nächste Rindvieh-(Nutzvieh-) Markt in Gießen findet am 7. Februar, der nächste Schweinemarkt am 22. Februar statt.

Zum Besten des Iugend-Not- Werks findet, wie schon berichtet, am 13. Fe­bruar im Stadttheater ein «Sing- und Spcel- abcnd der Iugend statt, die mit dem Reinertrag der Veranstaltung das Hilfswerk für die Iugend selbst fördern will. Der Dorverkauf von Ein­trittskarten beginnt am 6. Februar. Die Preise der Plätze betragen 0,30 bis 3 Mk.

* ©in Aufmarsch der SS., SA. und des Stahlhelm findet am morgigen Sonn­tagnachmittag statt. Die Formationen werden um 14 Uhr Dom Oswaldsgarten aus abmarschieren. Der Marsch geht über die Nordanlage durch die Walltorstraße, Kirchenplatz, Schulstraße, Son» nenstrahe, Seltersweg, Frankfurter Straße, Lie- bigstraße, Bahnhofstraße, Kaplansgasse, Neuen­weg, Neuen Bäue, Gartenstrahe, Kaiserallee zum Trieb, wo sich der Zug auflösen wird.

* Bortrag überKapitalismus und Planwirtfchaf t". Für Dienstag abend hatte wie man berichtet die Bereinigung Ausländi­scher Studierender in Verbindung mit der Staats­wissenschaftlichen Fachschaft und der Gießener Stu­dentenschaft zu einem Vortrag im Studentenheim eingeladen. Universitätsprofessor Dr. Lenz sprach vor einer 'sehr zahlreichen Zuhörerschaft über das ThemaKapitalismus und Planwirtschaft". Der Redner gab zunächst eine Klarlegung und gegen­seitige Abgrenzung der Begriffe Kapitalismus, Kom­munismus und Planwirtschaft. Sodann besprach er u. a. die Konzernierung und Vertrustung im Ver­laufe der wirtschaftlichen Entwicklung vor dem Kriege und in den folgenden Jahren, die Arbeitslosenfür- sorge, Staatssubventionen, die Arbeitsdienstpflicht, Arbeitsbeschasfungsprogramme, Kreditneuschöpfung, Siedlungsfragen usw. Weiterhin beschäftigte er sich mit einer eingehenden Betrachtung der wirtschaft­lichen und außenpolitischen Verhältnisse Rußlands und befürwortete unter Hinweis auf die bisherigen deutsch-russischen Beziehungen eine deutsche Annähe­rung an Rußland, wobei er am Schlüsse ein deutsch- russisches Bündnis empfahl. Der Vorsitzende der Staatswissenschaftlichen Fachschaft sprach dem Red­ner den Dank der Versammlung aus.

Dortragsabendder Hausfrauen­beratung. Die Hausfrauenberatung Gießen hatte, wie man uns berichtet, zu ihrem Arbeits­abend am Donnerstag Herrn Emil Grotzin- g e r, den Gründer und Leiter des »Bundes für Lebensreform", zu einem Dortrag eingeladen. Herr Grohinger (Ernährungshygienikcr) sieht in einer Ernährungsreform die Grundlage für eine Lebensreform. Als erste Aufgabe hat er sich die Belehrung der Garten- und Bodenwirte ge­stellt, damit sie einwandfrei gezogene Produkte auf den Markt bringen, d. h. ohne Frischdung und ohne Kunstdünger gewachsene Gemüse. Als zwei­tes gilt es, Aufklärungsarbeit zu leisten, daß diese gesund gezogene Ware auch richtig verwertet wird. Der Redner legt besonderen Wert darauf, daß der Körper die Folgen falscher Ernährung wieder ausgleicht, und zwar indem die Ernäh­rung in Liebergangsformen geleitet wird. Die Formel laute: man esse zu tierischem Eiweiß zwei- bis dreimal soviel pflanzliche Stoffe. Dadurch er­reiche man einen Basenüberschuß, dessen wohl­tätige Wirkung noch durch Fruchtsäure und Duft­stoffe ergänzt werde. Weder der Rohkost, noch dem Degetarismus, noch der Gemischtkost solle im alten Sinne das Wort geredet sein, sondern einer Reformkost, die die Fehler, welche sich in die vor­genannten Methoden eingeschlichen hätten, ver­meide. Die Rohkost, wie sie bis jetzt angewendet wurde, fei durch zuviel Nüsse oder durch falsche Zusammenstellung der Gemüse häufig säureüber- schüssig, statt basenüberfchüssig, die Vegetarier würden zuviel Nahrung zu sich nehmen, so daß Organveränderungen eintreten könnten. Die Mischung von Ei und Wehl habe Zersetzungen im Magen und Darm zur Folge, die zu Leber- und Gallenleiden führen könnten. Das Schädliche der bisherigen Gemischtkost liege in dem starken Ge­würzverbrauch und in der Verwendung tierischer Fette. Die neuzeitliche Ernährung stelle es sich zur Ausgabe, den Körper durch Eäureregulierung zur richtigen Funktion zu bringen und suche dies zu erreichen durch basenreiche Nahrung: Rohkost als Vorgericht, gedämpfte Gemüse und Kartof­feln, Quark, einheimische Kräuter, etwas mageres Fleisch und Fisch, besonders Seefisch, viel Obst,

roh oder gedämpft. Wenn es gelinge, durch reine Ernährung eine reine Wohnung für Geist und Seele zu schaffen, so werde eine Erneuerung und Höherentwicklung der Menschheit die Folge sein.

Einbruch. In der Nacht zum Freitag drangen Einbrecher in die Filiale von Schade & Füllgrabe in der Ludwigstrahe ein. Die ungebetenen Gäste nahmen eine Anzahl Würste und ein größeres Quantum Zigaretten mit sich. Die polizeilichen Ermittlungen sind im Gange.

Erhebliche Brandwunden an bei­den Händen und an einem Fuß erlitt der Schrei­ner Heinrich Decker, Asterweg 72 wohnhaft, infolge Berührung mit einer Starkstromleitung. Der bedauernswerte Mann befindet sich in der Chirurgischen Klinik, sein Befinden ist den ilm- ftänöen entsprechend gut

Briefkasten der Redaktion.

(Rechtsgutachten sind ohne Verbindlichkeit bet Schriftleitung )

£. (L, Gießen. Es handelt sich in Ihrem Falle um keine eieblung im Sinne des Reichsfiedlungs- gesetzes, da dieses für den Bereich der Stadt Gießen nicht in Frage kommt. Sie haben von der Stadt lediglich ein Stück Gartenland gepachtet, dah diese Ihnen einzäunen und mit Wasserleitung versehen läßt. Die Nutzung, die Sie, dem niedrigen Pacht­preise entsprechend, aus dem Garten ziehen werden, kommen für Ihre Einkommensverhällnisse kaum in Frage, wenn schon sich selbstverständlich die Bebau­ung des Gartens lohne und nicht für Sie wertlos fein soll. Ihre Befürchtung, daß Sie durch die Pach­tung des Gartens beim Arbeitsamt oder Wohl­fahrtsamt der Stadt Gießen einen Nachteil erleiden könnten, erscheint als durchaus unbegründet.

Winterhilfe und Volksgesundheit.

Von Prof. Dr. meb. Längstem, Direktor des Kaiserin Auguste-Victoria-Hauses, Äerlin.

Der großen Bedeutung der Winterhilfe! unter dem Gesichtspunkt der Dolksgesund-I beit gelten meine Ausführungen.

Es ist eine bemerkenswerte Erscheinung, daß trotz der außerordentlich großen wirtschaftlichen Nöte, die unser Dolk in den letzten Iahren bis ins Innerste aufwühlten, sein Gesundheitszustand doch immer ein relativ guter geblieben ist. Die Statistik lehrt, daß die Sterbeziffern für jede ein­zelne Lebensperiode bisher abnahmen, jedenfalls nicht wieder anstiegen, und angesichts des kata­strophalen Rückganges der Geburten ist es beson­ders erfreulich, daß gerade die Sterblichkeit der jüngeren Altersklassen, der Säuglinge und Klein­kinder, weiter im Sinken begriffen ist. Bei der erschreckend hohen Ziffer der Erwerbslosen, bei den großen «Schwierigkeiten, die Ernährung ihrer Familien sicherzustellen, muß das wundernehmen.

3d) siehe nicht an, die Tatsache, daß der lehle Winter keinen Anstieg der Sterblichkeit gebracht hat, nicht zuletzt darauf zurückzuführen, daß durch die Winterhilfe einer großen Reihe von erwerbslosen Familien Zusahspeisung gegeben werden konnte, dah Kleider- und Kohlenhilfe die schädigenden Energieverluste der Bedürfti­gen verhütet haben. Ich glaube, daß es zu einem großen Teil der Winterhilfe zu ver­danken ist, daß unser Nachwuchs vor schweren, gesundheitlichen Schädigungen bewahrt wurde.

Auch hat Wohl neben der unfreiwilligen Ruhe die zusätzliche Ernährung und die Möglichkeit des Warmhaltens der Wohnungen bewirkt, daß die Sterblichkeit an Tuberkulose nicht zugenommen hat.

Ich will keineswegs behaupten, daß es die Winterhilfe allein gewesen ist, durch die der Ge­sundheitszustand des deutschen Dolkes so günstig geblieben ist, denn ich weih sehr wohl, daß der hohe Stand der Hygiene unseres Dolkes auch auf die in den vergangenen Iahren geleistete Ar­beit unserer hochstehenden Einrichtungen der Ge­sundheitsfürsorge zurückzuführen ist und daß die unermüdliche hygienische Dolksbelehrung andern Ergebnis ihren Anteil hat. Jedoch wäre sicher­

lich ohne Winterhilfe beträchtlicher Schaden angerichtet worden. Immerhin wäre es verfrüht, zu frohlocken, denn es unterliegt kei­nem Zweifel, dah die Widerstandskraft unsere- Dolkes rn breiten Schichten geschwächt ist. Schon die von allen Seiten beobachtete Zunahme der eng­lischen Krankheit, deren schwere Formen wir vor der Notzeit kaum mehr gesehen haben, sind ein Beweis für diese Tatsache. Die Senkung der Widerstandskraft rückt die Gefahr des Ausbruchs von Infektionskrankheiten, von Epidemien in die Nähe.

Ls darf also schon aus gesundheitsfürsorgerifche« Gründen nicht fein, dah dieser Winter den Be­dürftigen eine geringere Hilfe bringt als der letzte, wer Arbeit hat, sich noch fatleffen kann, ein Dach über dem Kopfe, einen Raum, den er Heizen kann, hat die Verpflichtung, in diesem Winter den unglücklichen Volksgenossen zu helfen.

Nicht zuletzt auch deshalb, um von denen, die in Not sind, Dereinsamungsgefühl und Verbitte­rung fernzuhalten. Ieder hat die Pflicht, allen leidenden Dolksgenofsen das Bewußtsein zu ge­ben, dah wir alle mit ihnen empfinden, wir alle bereit find, ihnen zu helfen. Denn ab­gesehen von dem ethischen Moment des in die Tat sich umsehenden Mitgefühls ist nichts schädlicher für den Gesundheitszustand als seelischer Druck, der zu Nervenerkrankun­gen, Herz- und Gefäßerkrankungen mehr als alle anderen Gifte beiträgt, während gehobene Stim­mung, das Bewußtsein, nicht allein in der Welt zu stehen, die Widerstandskraft erhöht.

Erinnern wir uns des schönen Ausspruch- aus der »Weisheit des Drahmanen":

»Durch Wechselbeistand kann auch Not die Not vertreiben,

Als wie einander warm zwei kalte Hände reiben.

In diesem Sinne

wollen wir helfen, müssen wir helfens

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