Ausgabe 
3.11.1933 Erstes Blatt
 
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Roosevelt fordert Vollmacht zur Fortsehung der Inflation

Washington, 2.Noo. (TU.) Don unterrichteter Stelle wird zugegeben, daß Roosevelt den Kongreß im Januar um weitere Jnflationsvoll- machten ersuchen werde, um den Goldwert des Dollars auf 33'/- 0. H. zu senken. Gleichzeitig verlautet, daß Roosevelt den Kongreß um die Voll- macht ersuchen will, den Goldbesitz der Fe­deral Reserve-Banken, der etwa 3590 Dollar-Millionen beträgt, durch die Regierung wahrscheinlich im Austausch gegen Schatzamtswechsel an kaufen zu lassen. Der Zweck dieser Maß­nahme wäre die direkte Goldkontrolle durch die Regierung. Falls diese Mitteilungen zutreffen, dürfte dieser Plan einen Kampf auf Leben und Tod zwischen den internationalen Bankiers und den Parteien des Repräsentantenhauses, besonders angesichts der Wahlen zum Repräsentantenhaus im nächsten Jahr einleiten.

Die amerikanische Regierung hat unter dem neuen Roosevelt-Programm ihre er st en Goldkäufe auf dem internationalen Goldmarkt getätigt. Die ersten Käufe wurden durch die Reu- yorker Federal Reservebank und eine franz. Bank in Paris ausgeführt. Die französischen Beamten ha­ben jede Angabe über die Höhe des Betrages abge­lehnt. Wie verlautet, beabsichtigt das amerikanische Schatzamt in nächster Zeit Banknoten im Be­trage von zehn Millionen Dollar aus­zugeben, die durch Silber gedeckt sein werden.

Amerika

und die Abrüstungskonferenz.

Norman Davis bei Paul-Boncour.

Paris, 2. Nov. (WTB.) Norman Davis ?atte heute vormittag eine eingehende A u s - prache mit Außenminister Paul-Bon­cour. Er verweigerte jede Erklärung über den Ge­genstand dieser Besprechung; doch teilt die Agentur Haoas mit, daß er Wert darauf gelegt habe, mit dem französischen Außenminister vor de s s e n für Samstag angesetzten Abreise nach Genf die durch den Rücktritt Deutschlands vom Völkerbund und von der Abrüstungskonferenz geschaffene Lage in allen Einzelheiten zu prüfen. Der eingehende Meinungsaustausch habe sich auf die Bedingungen bezogen, unter denen die Abrüstungskonferenz trotz der neuen Lage ihre Bemühung um die Schaffung eines allgemeinen Abrüstungsabkommens fort- setzen könne. Paul-Boncour und Norman Davis seien darin einig, daß bis zum Zusammentritt des Hauptausschusses am 4. Dezember d i e Sachver- ständigenderoerschiedenenMächte, die bei der Novembersitzung des Büros der Abrüstungs­konferenz zugegen sein würden, in einem Text die bisher erzielten Ergebnisse konkre­tisieren könnten, damit die Delegationsführer später die Möglichkeit hätten, diese Arbeit durch be­sondere Bestimmungen und sogar durch Einfügung von Ziffern au ergänzen. Es sei klar, daß ein derartiges Abkommen wenn es zustandekomme, er st nach der Zustimmung Deutschlands in Kraft treten könnte.

Die TU. erfährt noch folgendes: Norman Davis habe den Wunsch der Vereinigten Staaten ausge­drückt, daß die Abrüstungskonferenz sobald wie möglich zu einem praktischen Ergeb­nis kommen möge. Amerika sei durchaus nicht uninterssiert an dem weiteren Gang der Verhandlungen, wolle aber nickt Partei ergreifen zwischen Engländern und Italienern,

denen es vor allem daran liege, Deutschland wieder einzuschalten, und den Franzosen, die vor allem an dem Genfer Boden fest- hielten. In französischen Kreisen ist man der An­sicht, daß die Rückkehr von Norman Davis nach den Vereinigten Staaten nicht nur durch den Stand der Genfer Verhandlungen, sondern durch die Entwicklung des amerikanisch-japa­nischen Verhältnisses bedingt sei. Es sei auch nickt ausgeschlossen, daß das Problem des Fernen Ostens in der Unterredung zwischen Paul- Boncour und Norman Davis berührt worden sei.

Palästina.

Arabische Demonstrationen werden verhindert.

Jerusalem, 2.Nov. (TU.) Am Donnerstag, dem 16. Jahrestag der Balfourerklärung, durch die eine nationale Niederlassung für die Juden in Pa­lästina geschaffen worden war, hatten die englischen Behörden weitgehende Vorsichtsmaßnahmen getrof­fen, um arabische Protestkundgebungen gegen die Balfourerklärung, die an diesem Tage gewöhnlich stattfinden, zu verhindern. Eine große Menge von Arabern, die von Wadi Hawareth nach Tulkarem wanderten, um dort an den Mas­senkundgebungen teilzunehmen, wurde durch ein niedrigfliegendes englisches Kriegsflugzeug zerstreut. Auf das englische Polizeilager am Scopusberg bei Jerusalem wurden am Donnerstag mehrere Schüsse abgefeuert. In Amman, der transjor­danischen Hauptstadt, nahm die Menge eine feind­selige Haltung gegen die Engländer ein und versuchte, englische Kraftwagen anzuhalten. Mehrere Kraftwagen wurden mit Steinen be­worfen.

Der gegenwärtig in Paris befindliche arabische Führer und Mitglied des Palästina - Vollzugsaus­schusses, Chukry Jacir (der 1926 anläßlich des Drufen-Aufstandes in Syrien die Friedensverhand­lungen mit Frankreich leitete), erklärte, daß die gegenwärtige Protestaktion der Araber gegen die jüdische Einwanderung nach Palästina ein Pro­test der Araber aller Glaubensbe­kenntnisse einschließlich der jüdischen Araber gegen die Masseneinwanderuna zio­nistischer Juden sei, gegen ihren Beherrschungs- geist und gegen dieEroberungstendenz" des Zio­nismus. Der Araber sei arm und der Zionist kaufe ihm sein Land ab, und der enteignete Araber müsse dann bei den Juden als Arbeiter arbeiten. Die Balfour-Erklärung von 1918, in welcher die Schaffung eines national-jüdischen Heimes in Palästina gefordert sei, sei ein großer und schwerer Fehler gewesen. Es sei unzulässig, daß die zuwandernden Juden ein Volk wie das der Araber ausrotten und sich an seine Stelle setzen wollten. Wir Araber wollen nicht eines Tages un­ter der Herrschaft von Leuten erwachen, die dem Lande fremd sind. Die Juden könnten nach Palä­stina kommen: aber sie müßten die Gesetze des Gastlandes achten und dürften nicht versuchen, die Herrschaft an sich zu reißen.

Kleine politische Nachrichten.

Reichspräsident 0. Hindenburg emp­fing den Reichsminister des Auswärtigen Freiherrn v. Neurath zum Vortrag.

I Der Reichspräsident empfing heute den deutschen Gesandten in Warschau v. M 0 ltke so-

I wie den bisherigen deutschen Generalkonsul in New- york Dr. K i e b. Ferner empfing der Reichspräsi­

dent den aus seinem Anmte scheidenden Vertreter Hessens bei der Reichsregierung Dr. Edward.

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Der deutsche Botschafter in Moskau, v. Dirck- fen, der zum Botschafter in Tokio ernannt wurde, überreichte dem Präsidenten des Vollzugsausschus­ses der Sowjetunion, Kalinin, sein Abberufungs­schreiben. An der Zeremonie nahmen führende Mitglieder des Außenkommissariats und eine An­zahl Vertreter der deutschen Botschaft teil.

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Der Führer des Bundes deutscher Ma­rinevereine, Fregattenkapitän a. D. Hintz- mann, hat den Reicksstatthalter in Bayern und Leiter des Wehrpolitischen Amtes der NSDAP., Generalleutnant a. D. Ritter von Epp, ge­beten, die E h r e n f ü h r e r s ch a f t des Bundes anzunehmen. General von Epp hat dem Wunsch stattgegeben und seiner besonderen Freude Aus­druck verliehen, nun auch mit den einstigen Ange­hörigen der deutschen Kriegsmarine in enger Ver­bindung zu stehen.

Aus afier Welt

Staatsmedizinlsche Akademie in München.

In der Universitäts-Frauenklinik fand die feier­liche Eröffnung der Staatsmedizinischen Akademie in München statt. Dabei hielt der Staatskommissar für das Gesundheitswesen in Bayern, Ministerialdirektor Dr. Schultze, einen Vortrag über die Grundlagen und Ziele der Ras­senhygiene. Wir müßten uns darüber klar fein, daß auch in Deutschland der Geburtenrückgang schon erschreckend sei. Dieser Tragik müsse mit den rigorosesten Mitteln entgegengewirkt werden. Der Widerstand der christlichen Kirchen gegen die Steri­lisierung fei begreiflich, aber die letzten Entschei­dungen über Wohl und Wehe einer Rasse könne niemand treffen, als der verantwortungsbewußte Vertreter dieses Volkes selbst. Aufgabe des Staates sei Erhaltung und Erhöhung der Geburtenzahl, Verminderung der Fruchtbarkeit der Erbuntücktigen und Vermehrung der Fruchtbarkeit der Erbtüchtigen anzustreben. Der Reichsführer der Deutschen Aerzte- schäft Dr. Gerhard W a a n e r, teilte mit, daß in allernächster Zeit ein Gesetz herauskommen werde, das die Vereinheitlichung der gesamten Gesundheits­verwaltung im Reich betrifft.

Darre gegen einen Bauernfilm.

In seiner Eigenschaft als Reichsbauernführer un­terzieht Reichsminister Darrs in derNational­sozialistischen Landpost" den Ufa-FilmDu s0llst nicht begehren , der am 31.Oktober uraufge­führt wurde, einer sehr scharfen Kritik, weil der Film, der von bäuerlichem Leben handelt, ein voll­kommen verzerrtes Bild des deutschen Bauerntums gebe. Nicht nur das bäuerliche Brauchtum oder gar die technische Betriebsweise sei völlig falsch wiedergegeben, so daß jeder wirkliche Bauer, würde er den Film sehen, in Gelächter aus­brechen müßte, sondern auch die wichtigste Figur des Films wird neben einer Reihe anderer Erscheinun­gen dieses Werks scharf abaelehnt. Die Hauptfigur, der junge Erbbauer Görk, fei der Typ des bolsche­wistischen Menschen von der Art des Brandstifters van der Lübbe. Der Film sollte nach der Darstellung Darrss unter dem TitelBlut und Scholle" er­scheinen, er ist dann trotz Einspruchs unter dem Titel Du sollst nicht begehren" herausgekommen. DarrS erklärt schließlich: Wir wehren uns mit aller Lei- denschaft gegen diesen Film. Daß die Ufa ihn nun herausgebracht habe, werde weder ihr noch dem Volk jtim Segen gereichen.

Veränderungen tm Verlag Ullstein.

Im Zusammenhang mit der Veränderung in den Besitzverhältnissen des Aktienkapitals des Verlages Ullstein in Berlin hat der gesamte bisherige Aufsichtsrat seine Mandate nieoergelegt. Es wurden in den Aufsichtsrat neu gewählt die Herren Dr. Ferdinand B a u s b a ck , Berlin - Charlotten- bürg, Vorsitzender: Dr. Hugo D e b a ck, Geislinaen- Steige; Generalmajor a. D. Professor Dr. Karl Haushofer, München; Paul Knoll, Wies­baden; Heinrich Pferdmenges, Giesenkirchen; Fritz Roß, Berlin-Grunewald; Professor Dr. Mar­tin Spahn, Berlin-Lichterfelde; Dr. Franz Ull­stein, Berlin, und Günther Wulfsen, Wüsten- Jerichow bei Burg. Der Vorstand besteht aus den Herren Richard A. Müller, Vorsitzender; Otto Krüger, Dr. Georg S y d 0 w , Karl U l l st e i n und Gustaf Willner. Die politische Leitung liegt in den Händen des Herrn Dr. Eduard Stadt! er.

Urteil im Berliner Beamfenbefledjungsprojefj.

In dem Bestechungsprozeß gegen Beamte des Berliner Fremdenamts, die sich dazu verleiten ließen, unerwünschten Ausländern Aufenthaltsbe­willigungen zu verschaffen, wurden verurteilt: der Polizeiobersekretär Jeschke wegen fortgesetz­ter schwerer Urkundenfälschung zu 3'/r Jahren Zuchthaus, der Polizeiobersekretär Arnim Marx wegen des gleichen Verbrechens zu drei Jahren Zuchthaus. SÖeaen aktiver Bestechung er­hielt der Kaufmann Leo Weinberger zwei Jahre, die Angeklagte Johanna Kuntze ein Jahr und der Angeklagte Joseph Luftig acht Monate Gefängnis. Die übrigen Angeklagten erhielten wegen aktiver Bestechung vier bis sechs Monate Gefängnis. Bei den Ausländern, die unberechtigt eine Aufenthaltsbewilligung erlangt hatten, wurde auf Zulässigkeit der Ausweisung erkannt.

Wirbelsturm auf Jamaika.

Bei einem Wirbel st urm, der den Nordwesten Jamaikas heimsuchte, kamen zehn Personen ums Leben. 90 v. H. der B a n a n e n e r n t e in dem betroffenen Gebiet wurden vernichtet.

Wettervoraussage.

Die Ostseestörung bewegt sich in nordöstlicher Richtung weiter und wird allmählich den Einfluß auf unser Wetter verlieren. Zwar macht sich zu­nächst noch ihre Rückseite bemerkbar, wodurch bei wechselhafter Bewölkung einzelne Schauer auf­treten, doch wird mit dem Zustrom kalter Luft der Luftdruck ansteigen und Wetterberuhigung mit sich bringen.

Aussichten für Samstag: Wechselnd wolkig mit Aufheiterung, nur noch vereinzelte Schauer, ziemlich falt.

Aussichten für Sonntag: Neblig, wolkig und aufheiternd, nachts Temperaturen um den Ge­frierpunkt, meist trocken.

Lufttemperaturen am 2. November: mittags 9.3 Grad Celsius, abends 5,7 Grad; am 3. November: morgens 4,3 Grad. Maximum 9,9 Grad, Minimum 2,5 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 2. November: abends 6,5 Grad; am 3. November: morgens 4,8 Grad Celsius. Niederschläge 5,8 mm.

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Komisch, was? Ein Ofenrohr kann sich doch nicht freuen. 0 doch, es fühlt genau wie Du. ob es kalt oder heiß ist, ob es zieht oder gleichmäßige Wärme in seinem Schlund zittert. Was hilft es dem Ofenrohr, wenn es sich so herzlich an den Ofen anschließt und der aber in seinem Bauche ächzt und stöhnt und doch keine richtige Wärme zustande bringt. Nun, das Ofenrohr freut sich, weil es nämßch zu einem ganz besonderen Ofen kommt. Haben Sie schon was von

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gehört? Nun, eben zu diesem Oranier-Dauerbrand- ofen kommt das Ofenrohr. Den ganzen Winter hindurch gibt er angenehm warm. Er drückt Ihre Kohlenrechnung bedeutend herunter, weil er spar­sam heizt. In diesem Oranier brennt alles, was Ihnen der Kohlenmann bringt. Also, der sparsame Ofen unter den Oefen.

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