11.5 Millionen Mark Fehlbetrag im Haushalt der Stadt Frankfurt.
Frankfurt a. M., 2. Juli. (WSN.) Haupt- gcgenftand der jüngsten Stadtverordnetenversammlung war die Vorlage des Haushaltungsplanentwurfes für 1933. Hierzu nahm gleich nach Beginn der Sitzung Oberbürgermeister Dr. Krebs das Wort und führte u. a. aus: Nachdem das Rechnungsjahr 1932 mit einem Fehlbetrag von 16 Millionen Mark abgeschlossen habe und aus den Jahren 1929, 1930 und 1931 noch Fehlbeträge in Höhe von 23,6 Millionen vorliegen, ergebe sich, das; allein die letzten 4 Jahre einen Gesamtfehlbetrag von rund 40 Millionen Mark ergeben. Dieses Mitschleppen von steigenden Fehlbeträgen zeigt mit aller Deutlichkeit den großen Ernst der finanziellen Lage der Stadt. Zu dem Etat selbst erklärte der Oberbürgermeister: Der vorliegende Entwurf schließt in Ausgabe mit 160 Millionen ab und ist um 8 Millionen niedriger als der vorjährige. Die kameralistisch geführten städtischen Betriebe schließen um 1 Million Mark ungünstiger ab, bei den kaufmän- nisch geführten Betrieben beträgt der Ausfall gegen das Vorjahr sogar 1,3 Millionen Mark. Die Finanz. Verwaltung zeigt gegen das Vorjahr ein um rund 12 Millionen Mark ungünstigeres Bild. Der Kapi- talschuldendienst ist gegen das Vorjahr um 2,5 Millionen Mark ermäßigt und einen teilweisen Ausgleich finden die ungünstigeren Abschlüsse einzelner Abteilungen durch günstigere Voranschlagszahlen anderer Abteilungen in Höhe von rund 3 Millionen Mark. Die Allgemeine Verwaltung erfordert einen Zuschuß von 10,3 gegen 11,8 Millionen Mark. Den stärksten Zuschuß erfordert die Wohlfahrtspflege in Höhe von 45,6 gegen 44,2 Millionen Mark. Die einzige Möglichkeit, den Fehlbetrag zu beseitigen, bestünde in der Erhöhung von Steuern und Tarifen, die aber unter keinen Umständen der Bürgerschaft angesichts der großen Notlage zugemutet werden sollen.
Im Anschluß an die Ausführungen des Oberbürgermeisters sprach der Stadtkämmerer Dr. Lehmann zum Etat. Der vorhandene Zustand sei zweifellos unerfreulich, aber trotzdem sei er der Ansicht, daß die Kraft nicht durch ein Rllckwärts- gehen verbrauchen solle. Daß der Etat unausgeglichen vorliege, sei ein unerträglicher Zustand. Um diesem ein Ende zu machen, sei es notwendig, Besserung des Finanzausgleiches, endgültige Regelung der Erwerbslofenfürsorge und Schuldenregulierung herbeizuführen. Je schneller diese Voraussetzungen erfüllt würden, desto besser sei es. Mit Sparsamkeit allein sei diesem Problem nicht beizu- kommen. Darauf wurde der Haushaltsentwurf ohne Debatte einstimmig angenommen. Die Versammlung schritt dann zur Wahl des zweiten Bürgermeisters. Die Wahl siel einstimmig auf den seitherigen kommissarischen zweiten Bürgermeister Obersteuersekretär Linder. Dann lag noch ein nationalsozialistischer Antrag vor, die Pension für den früheren Oberbürgermeister Dr. Landmann vorläufig zu sperren. Dieser Antrag wurde ebenfalls einstimmig angenommen.
Oer Mainzer Haushaltsplan mit rund 4.4 Mill. Mark Fehlbetrag angenommen
Mainz, 1. Juli. (WSN.) Die gestrige Sitzung des Mainzer Stadtrates befaßte sich mit dem Haushaltsplan für das Jahr 1933. Der Staatskommissar und stellvertretende Oberbürgermeister Dr. Barth teilte der Versammlung das Ergebnis der Etatsberatung im Finanzausschuß mit. Dem Bericht war zu entnehmen, daß seit dem Antritt der neuen Stadtverwaltung durch Sparmaßnahmen auf dem Gebiete des Beamtenabbaues, durch Gehalts- und Pensionskürzungen, durch Reformen im Gesundheitsamt und im Städtischen Krankenhaus im ordentlichen Haushalt rund 1,4 Millionen Mark eingespart werden konnten. Der ordent- liche Haushalt schließt dennoch mit einem Fehl- betrag von rund 4,4 Millionen Mark
ab. Zu diesem Fehlbetrag kommen noch die ungedeckten Fehlbeträge aus den Jahren 1931 und 1932 mit mindestens 10 Millionen Mark. Der Oberbürgermeister erwartet von der Zinssenkung, von der Neuregelung der Wohlfahrtslasten und von der Belebung der Wirtschaft durch großzügige Arbeitsbeschaffung eine weitgehende Verbesserung des Etats. Wie der stellvertretende Oberbürgermeister weiter betonte, sollen noch weitere Einsparungen vorgenommen werden, und zwar durch Ausdehnung des Beamtenabbaues bis auf 50 Jahre herab, ferner durch weitere Reformen im Gesundheits- und Schulwesen der Stadt. Auch die beabsichtigte Einführung der Warenhaussteuer sowie die berechtigten Ansprüche der Stadt beim Reich für Nachteile während der Besatzungszeit sollen zur Entlastung des Etats beitragen. An eine weitere Herabsetzung von Steuern zugunsten der Bevölkerung sei vorläufig nicht zu denken. Der Haushaltsplan wurde von der Versammlung einstimmig genehmigt.
Neuaufrollung der Verfehlungen bei der Wetzlarer Stadtverwaltung.
WEN. Wetzlar, 1.3uli. Die seinerzeit von dem früheren Bürgermeister der Stadt Wetzlar, Dr. Kühn, betriebene Korruption war bereits einmal Gegenstand eingehender Untersuchung durch einen Stadtverordnetenausschuß. Diese Hn» tersuchung erbrachte aufsehenerregende Verfehlungen auf vielen Gebieten der Verwaltung. Durch die politische Entwicklung hat die Untersuchung nicht völlig durchgeführt werden können. Jetzt greift die nationalsozialistische Stadtverordnetenfraktion in Wetzlar die Angelegenheit auf. In einem Antrag fordert sie die Prüfung sämtlicher Geschäftsvorgänge bei der Stadtverwaltung durch einen besonderen von Aational- sozialisten gebildeten Ausschuß. Die Untersuchung soll sich auf die Jahre 1924 bis heute erstrecken und alle Dienststellen umfassen. Das Ergebnis
der mit allen Mitteln durchzuführenden Anker- suchung soll der Oeffentlichkeit mitgeteilt werden. Soweit Verfehlungen festgestellt werden, sollen die Schuldigen strafrechtlich zur Ver antwort ung gezogen werden. Eie haben! für durch sie verursachte Schäden mit ihrem Ver mögen zu haften.
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