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14 Fortsetzung
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(Ein vaterländischerRoman vonHansDietzke
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Zu sprechen, konnte Ich den (Ftnbrutf der äußer» ften Ifntfdjloffenheit und unbedingten Treue mit- nehmen und sehe für uns die höchsie und größte Ausgabe darin, sie nicht zu enttäuschen. Wir stehen vor schweren Wochen, die schwersten vielleicht bisher, die mit klarem Denken bemühtes und letztes Handeln fordern. Machen Sie es, verehrter Baron, möglich, baldigst hierher zu kommen. Sie iinden mich im Gasthof „Goldener Bär" in der Hohengasse.
Es erwartet Sie Ihr stets ergebener
Döllnitz.*
PS. Ich bitte um Grühe an alle, insbesondere an die Baronesse."
Während der Hauptmann sorgfältig den Brief siegelt, weilen seine Gedanken aus Löbau. Wird Maria mit ihrem Vater kommen? Er Darf nicht nach Schloß Löbau. Hat es als Offizier versprochen — bricht er sein Wort, liefert er sein Leben mut» willig in die Hände der Feinde. Lesevre kann und wird ihn nicht ein zweites Mal schonen. Die Meute der geheimen Verfolger ist hinter ihm her. Seine Aufgabe aber verlangt neben Mut vor allem Klug» beit und das ist: Schonung seines Lebens auf jeden Fall. Der Wirt, der die dampfenden Speisen aufträgt, reiht Döllnitz mit komplimentierendem Wortschwall aus seinen Betrachtungen. Er übernimmt sorglich den Brief und birgt ihn in einem offenen Gefach an der Wand, das für Postsachen und Papiere bestimmt ist.
Während Döllnitz sich dem Genuß des Essens hingibt, taucht im Hintergrund des Raumes ein lauerndes Gesicht aus dem Dunkel in den Lichtschein der Hängelampe über dem Eckplatz. Die hagere Gestalt beobachtet nun, da niemand sonst in der Nähe ist, offen den Hauptmann. Unverhohlener Triumph spiegelt sich im Gesicht des geheimen Polizeibeamten. Sein Vorgesetzter, Kommissar Ram- beaux, wird zufrieden sein. Das Wild geht in die Falle — wenn sie geschlossen ist, wird man zu- packen.
Seit Tagen schon liegt der Spitzel auf der Lauer. Man hatte unbestimmte, unzuverlässige Nachrichten, die nur in einem Punkte übereinstimmten: Der gesuchte und berüchtigte geheime Kurier des Freiherrn vom Stein, der preußische Hauptmann Joachim Döllnitz, sei von Berlin nach Breslau unterwegs. Er reift, wie immer, unter falschem Namen, der nicht genau bekannt ist. So gab es nur eine Möglichkeit: Tag und Nacht die Tore der Stadt im Auge behalten. Das Signalement hatte man ja — der Haftbefehl liegt feit Monaten bei allen Po- lizeistellen der Armee. Der Chef Rambeaux wird zufrieden sein, daß gerade seinem Stab der Schlag gelingt — unb die Belohnung ist auch nicht zu verachten.
unheimlich erschein!, von einem verwirrenden (Trt- setzen ersaßt. Eine Mauer von Furcht unb Mißtrauen wächst sekundenschnell zwischen ihnen auf. „Verrat!" schreit es in Maria — sie wird dich verraten — sie ist deine Feindin — alles ist Lüge — alle Freundschaft und Liebe, alles Verstehen, alles, was bisher war zwischen uns, ist Falschheit--
sie will ihn vernichten — sie wird Döllnitz seinen Henkern überantworten!
Angst, Furcht, Schmerz lassen Herz unb Sinne fiebern — wankenb weicht ihre Gestalt zurück — nur fort von bieser Frau — die das Verderben ist
Kraftlos fällt Maria in einen Sessel. Ihr Herz hämmert hörbar in die drohende Stille.
Da tritt Jeannette langsam auf sie zu. Behutsam greift sie nach den Händen der Baronesse, bettet ihren Kopf weich gegen das Polster des Sessels. ,^ch weiß, was Sie bewegt..ihre Worte kom- men zögernd, schonend, wie man zu einem Kran- ken spricht, „... ich habe alles mit angehört — die Stimmen drangen durch die Portiere bis in den Salon — — ich bitte Sie um eines: Vertrauen Sie mir!"
Marias Augen tasten über die Züge Jeannettes. Ihre Sinne horchen auf den Klang ihrer Stimme. Sie versuchen, die Wahrheit ihrer Worte zu ergründen.
Die Französin spricht weiter: „Sie wollen einem deutschen Spion, der Ihnen unb den Ihren nahesteht, das Leden retten — Sie wollen ihn hier im Schloß verbergen, bis feine Spur den Verfolgern verloren gegangen ist ..
Das ist die Wahrheit — die nackte Wahrheit — die Feindin weiß alles ... wenn sie will, sind sie alle verloren! Die Baronesse reißt ihre letzte Kraft zusammen, gebietet ihrem Willen, stark zu fein in diesem Augenblick. Sie sucht offen unb erwartend den Blick Jeannettes.
„Baronesse — Maria — ich bitte Sie, bei allem was mir heilig ist — vertrauen Sie mir!" wieder- holt Nefe. „Wir werden sein Leben retten — mir wollen gemeinsam alles baransetzen, die Verfolger abzulenken. Aber Sie müssen Vertrauen haben! Ich danke dem Himmel, daß ich Ihnen helfen darf — einer der Ihren war es ja, der mein Leben rettete."
„Es ist derselbe, dessen Leben heute in Ihre Hand gegeben ist!" Maria spricht den Satz ganz ruhig, Wort für Wort betonend. Jetzt gibt es kein Zurück mehr — bas Schicksal läuft...
„Wenn Sie ihn verraten wollen: Es ist Hauptmann Döllnitz, preußischer Kurier, der Mann, der Sie damals aus Mörderhänden befreite--der
Mann, dem ich mein Herz geweiht habe!"
Die Baronesse hat sich erhoben. Sie steht Jeannette gegenüber, so nah, daß diese ihren Atem spürt. Da umschlingen sie in wortloser Hingabe die
Der Baron versucht zu lächeln. „Unseren Döllnitz hat noch keiner gefangen — der kommt mit uns! Zärtlich küßt er die Stirn feiner Tochter, seine starken, ruhigen Hände umschließen ihre Arme.
Dann verläßt er mit eiligen Schritten durch die kleine Seitentür das Zimmer. Maria sieht ihm nach, starr, unfähig einer Bewegung.
Der Förster Brinkmann hat im Gesindehof den Schlitten angespannt unb fährt ihn durch das innere Tor bis zur Hinterpforte des Parks. Karl hat die Waffen fertiggemacht und der Diener Tobias hilft feinem Herrn in den Fahrpelz. „Unser guter Hauptmann Döllnitz — man muß ihn retten, Herr Baron..." Die Stimme des Alten ist zittrig vor Aufregung, der er in Worten Luft machen muß.
„Wir werdens versuchen, Tobias." Herr von Löbau reckt sich in feiner ganzen Größe — er ist zu allem entschlossen. Schweigend geht er in den Park hinaus zur Pforte, wo Brinkmann und Karl warten. Das Schneetreiben hält unvermindert stark an. Dazu setzt ein leiser Wind ein, der bereits die Spuren der Schlittenkufen verweht hat.
„Wir können uns kein besseres Wetter wünschen — Brinkmann. Unb nun fahren Sie! Sie wissen, um was es geht!"
„Der Hauptmann ist unser, Herr Baron! Ich bürge mit meinem Leben." Brinkmann nimmt die Zügel auf. Die Pferde stampfen unruhig im tiefen Schnee.
„Wir nehmen die Fahrt durch den Hohlweg", sagt der Baron gelassen und reicht seinem Junten die Hand. „Leb wohl unb haltet bie Augen offen, wenn wir kommen!"
Karl drückt dem Vater fest die Hand: „Glück zu!"
Dann reißt er die schmale Pforte auf, durch die mit geschickter Wendung der Förster den Schlitten ins freie Waldrevier gleiten läßt. Im nächsten Augenblick schon ist das Gefährt im Dunkel der Nacht unb wirbelnden Flocken verschwunden. —
Als Maria von Löbau im Herrenzimmer sich endlich in ihrem Schmerz soweit gefaßt hat, daß sie in den Salon zurückgehen kann, tritt plötzlich Jeannette Lefeore zu ihr. Einen Augenblick stehen bie Frauen sich schweigend gegenüber. Ihre Gedanken kämpfen miteinander. Jeannette will der Freundin das erlösende Wort lassen. Aber Maria wird beim Anblick der Französin, die ihr plötzlich so fremd unb
Arme Iennnefkes Gefühl Wille Gedanken einen bie Körper zu fraulichem Gelöbnis.
14.
Die Marienkirche in Breslau schlägt bie siebente Abendstunde, als Hauptmann Döllnitz durch bas Berliner Tor in bie ctabt einreitet. Er nimmt bireften Weg zu dem kleinen Gasthof „Goldener Bär", wo ein bescheidenes Zimmer sein Quartier wird. Er legt das Felleisen ab, ordnet ein wenig die von der mühseligen Reife mitgenommenen Kleider unb trägt dem Dienstknecht auf, auf das beste für seinen müden Gaul zu sorgen. Dann geht der Hauptmann in die dunkle Wirtsstube hinunter, um einen warmen Imbiß zu nehmen.
Der Wirt selbst bemüht sich u mben Fremden, dessen Erscheinung ihm devoteste Haltung abnötigt. Döllnitz wählt schnell und ohne Umstände ein Gericht, während ein zweiter dienstbarer Geist Be- stecke, Dellampe unb Fidibusse aufträgt.
„Wenn ich den Herrn um den werten Namen bitten dürfte, insbesondere um Woher unb Wohin, Zweck und Ziel der Reise —" Des Wirt setzt ein entschuldigendes Lächeln auf, während er das dickleibige Gästebuch aufschlägt und die Feder schwungvoll zückt, um die Meldung zu notieren, „... eine hohe Polizei legt derzeit ganz besonderen Wert auf diese Dinge ..." Döllnitz nimmt ihm kurzerhand Buch und Feder fort und schreibt knapp und fach- sich in die Rubrik: „Kaufmann Willibald Fechner aus Spanbau in Geschäften auf Reisen."
Es geht geübt unb ohne Aufenthalt. Es ist seit Wochen von Station zu Station dasselbe. An allen Orten wechselt er bie Gasthöfe, wählt bewußt bie kleinsten, um so verborgen als möglich zu bleiben.
„Ich habe einen eiligen Brief, Herr Wirt, nach dem Dorfe Löbau ..."
„Kann der Herr mit der morgigen Post, die nach ©logau geht, mitgeben", unterbricht eilfertig der Wirt. „Wenn ich devotest bitten darf" — dabei legt er Papier und Schreibzeug zurecht, „ich werde persönlich zu dem Fuhrhalter hinübergehen."
Döllnitz nimmt einen tiefen Zug von dem fri- schen Braunbier, das ihm in hohem Kruge serviert wird und beginnt zu schreiben:
„Mein verehrter Herr Baron!
Soeben bin ich noch rechtzeitig in Breslau ein- getroffen, um mit unseren Freunden, bie für heute vom Professor Berger geladen sind, Rück- spräche halten zu können. Es würde mich sehr freuen, wenn wir uns schon in den allernächsten Tagen hier sehen könnten — ich bringe eine große Anzahl der wichtigsten Neuigkeiten mit, bie ich Ihnen persönlich berichten muß. Für heute nur soviel: Es steht um unsere Sache aufs beste! Ueberall, wo ich in den letzten Wochen Gelegenheit hatte, mit unseren Parteigängern ausführlich
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