Nr. 128 Drittes Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzetger für Gberheffen)Samstag, Z.Zunt 1933
Wandem und Reifen • Bäder und Sommerfrischen.
Was bietet Büdingen seinen Gästen im Sommer 1933?
Tübingen, das hessische Rothenburg, entzückt die Herzen der Wanderer und Sommerfrischler nicht nur durch seine romantischen Gassen und Plätze mit zahlreichen historischen, wertvollen Dau» und Aunftöentmälctn, sondern auch durch seine wundervolle Lage inmitten dichtbewaldeter Berge am Fuße des schönen Bogelsberges. Zwischen der steilen Kuppe der Hardeck im Westen, dem zerklüfteten Wildestem und Eichelsköpfchen im Süden und den idealen Garten- und Weinberghängen des Pasfenwaldes im Rorden, liegt das altertümliche Wehrstädtchen sicher und beschaulich eingebettet Rach Osten hin öffnet sich das malerische Vogelsberger Waldtal des Seemenbaches, das mit seinem Wild- und Fisch- reichtum nicht nur die Herren des edlen Weidwerks anlockt und erfreut, sondern auch in seiner Unberührtheit die wahren Freunde des Waldes, der blumigen Wiesen und fruchtbringenden Feldern immer wieder aufs neue begeistern kann. 3m Rordwesten dagegen öffnet sich weit und einladend das Tor zur goldenen W e t t e r a u.
In Büdingen sind aus kleinstem Raume landschaftliche Schönheiten und kunsthistorische Seltenheiten vereint. Ein unverfälschtes, mittelalterliches Stadtbild, trutzige Tore, Wälle, Gräben, Mauern und Türme, die alte Burg „3m Hain", Kirchen aus verschiedenen Zeiten, Herrenhäuser und Prosanbauten, Stuckarbeiten, Schnitz- und Steinbildwerke, Schmiedearbeiten und viele andere Leistungen alter und ältester Zeit erfreuen das Auge des Beschauers. Don der herrlichen Umgebung nennen wir nur den Wildestein, das 3ägertal, den Tiergarten, den Herrnhaag, die Hardeck, die Ronneburg, die Glauburg, die sieben Boche u. a. m.
Der „Der g" , wie man in Büdingen den steilen Abhang des Psafsenwaldes kurz bezeichnet, war den Burgern der Stadt allzeit der 3nbe- griff der Sorge und des Stolzes. Hunderte von Bürgergeschlechtern haben diesen Berg mit dem Schweiße ihres Angesichts gedüngt, haben in gläubiger Erwartung die Reben gepflanzt, haben sie gehegt und gepklegt und mit freudigem Stolze einen goldenen Erntesegen als Gottesgabe und Mühepreis in ihr sicher umwehrtes Bürgerheim überführt. Hoch schlugen dann die Herzen, wenn zu den Liedern der Burschen und Mädchen die Böller krachten und die Glocken läuteten, wenn unter nervigen Küsersäusten die Keltern knirschten und goldener Rebensaft durch durstige Kehlen rann. Höher noch gingen die Wogen der Freude und Begeisterung, wenn die Bergseuer den abendlichen Himmel röteten und die schöne Stadt in phantastischen Lichtern erstrahlte. Dankgebete und Loblieder fliegen dann zum Himmel hinaus und es waren Tage der Lust, der Freude und des reinsten Glückes, wenn der „Berg" mit Gottes Hilfe der Stadt den schuldigen Tribut zollte.
Jahrhunderte sind vergangen. Äcr „Berg" besteht noch, aber er ist längst anderen Zwecken nutzbar gemacht worden. Mit jüngeren Geschlechtern sind neue Sitten und Gebräuche ein- gekehrt und der gewaltige Fortschritt der Technik läßt für die Ausnutzung der Höhen ungeahnte Hoffnungen und Wünsche in Erfüllung gehen
Die „Bergbeleuchtun g", die von arbeits- sreudigen und heimatstolzen Männern im vorigen 3ahre neu eingesührt wurde, soll auch ui diesem
3ahre wieder die Freunde unserer Stadt und ihres Berges begeistern. A m e r st e n P s i n g st- t a g e (4. 3uni) abends bei einbrechender Dunkelheit werden wie einst die Böller krachen und ein großes Flammenmeer wird den Berg einhüllen. Gleichzeitig erstrahlen die Festungswerke der Stadt und die wichtigsten historischen Bauten in roter Glut.
Rach der Beleuchtung wird ein titerarischer Wettbewerb veranstaltet. Die schönsten, kürzesten und inhaltsreichsten schriftlichen Darstellungen der Beleuchtung werden preisgekrönt. Der Einlieferungstermin der Beschreibungen läuft bis zum Sonntag, 11. 3uni, 12 Uhr, bei Herrn Geschäftsführer Lehr. Die Umschläge müssen geschlossen und mit dem Kennwort „Bergbeleuchtung" versehen sein. Die Preise kommen auf dem 3ohannismarkt vom 25. bis 27.3uni d. 3. zur Verteilung. Mit dem 3o- hannismarkt werden eine große Gewerbeschau und sportliche Veranstaltungen verbunden, so daß auch hier ein voller Erfolg für unsere Stadt zu erwarten steht. Handwerk und Gewerbe scheuen weder Kosten noch Mühe, um auch diese Schau würdig auszugestalten.
Ein Kenner hat Tübingen das idealste Photogelände genannt. Der Verkehrsverein will seststellen, ob dieser Ausspruch berechtigt ist. Deshalb veranstaltet er vom 4. bis zum 30 3uni d. 3. einen großen Photowettbewerb mit anschließender Ausstellung der preisgekrönten Photos- Diele wertvolle Preise sind bereits in Aussicht gestellt.
Wenn wir nun noch den ® a 11 u s m a r f t erwähnen, der oom 15. bis 17. Oktober abaehalten wird, und bas für den zweiten und dritten Pfingst- feier.ag vorgesehene DHV- -Jugendtreffen erwähnen, dann haben wir in großen Zügen die wichtigsten Ereignisse kennengelernt, die sich im Lause des Sommers in den Mauern unserer Stadt abspielen werden.
Wanderfahrten.
Jrieöberg — H3 in lerftein — (Tronsberg — Ziegenberg — Ostheim
Wir fuhren mit öonntagstarte natti Friedberg und wandern von hier, zunächst ohne Zeichen, nach Ockstadt, wo wir auf gelbe Kreuze stoßen. Dieses Wegezeichen führt uns durch Wald nach dem 4S6 Meter hohen Winterstein, von dessen hölzernem *2lus« sichtsgerüst wir einen schönen Blick über einen Teil des Taunus sowie über die Wetterau bis zum Vogelsberg genießen Wir steigen hinab zum gastlichen Forsthaus Winterstein, um zu rasten. Nun- rnehr folgen wir dem schwarzen T, das uns vorerst durch Wald, an der Kaisergrube vorüber bringt, wo wir dem in der Nähe gelegenen Limesturm einen Besuch abstatten (Schlüssel hierzu in der Kaisergrube). Später kommen wir über blumige Wiesen durch Das stille Dörfchen Friedrichsthal und von hier aus aussichtsreicher Straße nach (Tronsberg, einem der anmutigsten Taunusorte Kurz vor dem Orte bietet sich uns an einer Wegbiegung ein malerischer Blick auf das mit seiner schönen Kirche und seinem auf mach- tigern Felsen sich erhebendem Schlosse im Talkessel liegende Dors, wo auch gute Unterkunft zu finden
ist. Grüne Striche führen uns von hier, zunächst auf der Landstraße, später auf lauschigen Waldwegen dem Ufatal entlang nach Ziegenberg, dessen hochragendes Schloß wir schon von weitem sichten. Ueber Langenhain und Fauerbach wandern wir jetzt auf der Landstraße, die wiederum hübsche Blicke in die Wetterau gewährt, nach unserem Endziel Ostheim, bas w'r nach insgesamt Gftünbiger Wanderung erreichen.
Albshausen — Kloster Altenberg — Dianabutg — Leun — Station Braunfels.
Bon unserem Ausgangspunkt Albshausen (Sonn- tagskarte Braunfels) überschreiten wir die Lahn, um bald darauf das Dorf Oberbiel zu erreichen, von wo uns rote Striche durch ein schluchtartiges Tälchen nach dem hoch über der Lahn malerisch gelegenen ehemaligen Kloster Altenberg, eine Solms-Traun- fclssche Domäne, mit einer im Innern sehenswerten Kirche, bringen Die Aussicht von der Klosterterrasse über das breite Lahntal ist ungemein schon. Blaue Striche führen uns von hier zunächst durch den Klosterwald, hieraus an den frei gelegenen Schwe- denjchanzen vorüber, später stets durch Wald hinauf nach dem gastlichen Forsthaus Dianaburg, von dessen Turm wir einen entzückenden Rundblick genießen. Zum Abstieg wählen wir rote Striche, die uns über den Heisterberger Hof nach Leun mit einigen schönen Fachwerkbauten und weiter nach Station Braun- fels leiten. Die Wanderung beansprucht 5% Stunden.
Veisewinke.
Pfingsten auf Borkum!
Der Winter ist dahin und Pfingsten, das liebliche Fest, ist da. Borkum, das deutsche Rord- seebad, bietet seinen Gästen alles das, dessen sie jetzt so dringend bedürfen. Dollkommene Ruhe und Erholung in staubfreier, salzhaltiger, ozonreicher Lust. Ueber die schönen bewachsenen Dünen, durch grüne Wiesen und Täler führt der Weg zum Ostlande. Und wie köstlich sind erst die kalten Seebäder an Borkums Strand, wo der Wellenschlag am stärksten von allen Rordsee- bädern ist. Die Badedirektion hat die kalten Seebäder und die Benutzung der Badekabinen freigegeben. Die Preise sind überall zeitgemäß, um recht vielen Gästen Gelegenheit zu geben, die deutsche 3nsel Borkum zu besuchen. Das am Strande gelegene Rordsee-Hotel wird als zuizt längeren Kuraufenthalt besonders geeignet genannt.
Billige Hochsommer-Leereisen.
Mit Hamburg-Süd Motorschiff „M o n t e P a s c o a l" (20 000 To.) findet eine Hochsommerfahrt auf dem Atlantik nach den 3nseln Madeira und T e n e r i s e mit Besuch von Marokko, Spanien und Portugal statt. Abfahrt am 8. 3uli Hamburg, Rückkehr 29. 3uli. Die Seefahrt auf dem gewaltigen deutschen Schiff kann man schon ab 250 Mark einschließlich voller Verpflegung unternehmen. 3ns Reich der Mitternachtssonne führen drei Reisen mit Motorschiff „M onte R o- s a." Rordkapreise 1. bis 16. 3uli, Fjordreise 17. bis 25. 3uli, in die schweigende Einsamkeit Spitzbergens die dritte Fahrt vom 1. bis 20. August. Billigster Fahrpreis einer Rordlandfahrt ab 110 Mark einschließlich voller Verpflegung. Außerdem sieben billige einwöchige Reisen Hamburg - London und zurück mit Motorschiff „Monte Pascoal". Abfahrten von Hamburg 31. 3uli, 8., 15., 22., 29. August, 5. und 12. September. Dabei bietet sich vorzügliche Gelegenheit, alle Sehens
würdigkeiten Londons und einige der interessanten Punkte der Umgebung kennenzulernen. Der Gesamtpreis einer Englandfahrt einschl. voller Verpflegung ist schon von 70 Mark ab festgesetzt.
Reiseliieraiur.
— Meyers Re i s e b ü che r : R o rd i t a - lien vom Brenner bis einschließlich Rom. Mit 88 Karten. Plänen, Grundrissen und einer Zeittafel der Päpste. 12. Auflage. Leinen 15 Mark. Verlag Bibliographisches 3nstitut AG., Leipzig. — (57) — Der vorliegende Band faßt die beiden früheren Bände „Ober"- und „Mittel-3talien" zusammen und behandelt 3lalien vom Brenner bis einschließlich Rom. Die Darstellung vergißt nichts Wesentliches und führt auch zu den abseits des üblichen Fremdenweges gelegenen Sehenswürdigkeiten. Alle Neuerungen, insbesondere die Veränderungen des römischen Stadtbildes durch die neuesten Ausgrabungen und die Entwicklung der Vatitan- stadt sind entsprechend berücksitigt. Als willkommene Vervollständigung ist die Einfügung kurzer Beschreibungen der Inseln Elba und Sardinien zu begrüßen. Die Ausstattung ist erweitert worden, insbesondere durch mehrere Pläne kleinerer Städte. Für den Autofahrer ist die große Uebersichtskarte besonders wertvoll, da sie die neue Numerierung der italienischen Autostraßen enthält. Wichtig ist auch die geo- graphische Einleitung von Dr. Friedrich Leyden und die Fülle der praktischen Vorbemerkungen, die alles behandeln, was der moderne Italienfahrer braucht.
‘Oer Skagerrak Taq in Kiel.
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Das von Scheinwerfern des Kreuzers „Karlsruhe" beleuchtete Ehrenmal bei Laboe an der Kieler Förde, an dem am Abend des Skagerrak-Tages ein feierlicher Zapfenstreich stattfand.
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Sommerferienreisen 1933 mit M. 5. »Monte Rosa« u. »Monte Pascoal« Fahrpreis an einschließlich
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