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3.2.1933 Frühausgabe
 
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fei. sich dem Bündnis zwischen dem Reichspräsidenten und der neuenRe- gierung anzuschließen. Deshalb sei diese Wahl etwas ganz anderes als die Wahlen des Jahres 1932. Jetzt kämpften die Regierungs­parteien nicht nur für ihr Programm, nicht nur für die nationale Staatsidee, sondern f ü r Deutschland schlechthin gegen eine Oppo­sition. die nichts anderes cinzuschen habe als die Berufung auf die Unfähigkeit ihrer Regierun­gen in den letzten 14 Jahren. Die Wahl rufe das Volk auf, einer Regierung, die einen völli­gen Systemwechsel in Deutschland und das Ende des Deutschlands von 1918 bedeute, einen arbeitsfähigen Reichstag zu geben.

Die RGOAp. eröffnet den Wahlkampf.

Hitler an der Spitze sämtlicher Listen der NSDAP.

Berlin, 2. Febr. (ERB.) Die Reichspresse­stelle der RSDAP. teilt mit, daß am Donnerstag in Berlin in Anwesenheit Hitlers eine Gau­leiter- und A m t s w a l t e r t a g u n g der RSDAP. stattgefunden habe, auf der dieRicht- linien für den Wahlkampf gegeben wurden. Reichspropagandaleiter Dr. G oe b b e l s habe über Taktik und Technik im Wahlkampf gespro­chen, der diesmal unter Einsatz aller technischen Mittel und mit der ganzen Kraft und dem ganzen Elan der Bewegung geführt werden müsse.

Hitler, so besagt die Mitteilung, zeichnete ein Bild der durch den Regierungseintritt der RSDAP. geschaffenen innerpolitischen Lage: er führte u. o. aus: Die RSDAP. habe in dem ersten nunmehr abgeschlossenen Teil ihres Kamp­fes den Beweis erbracht, dah Zähigkeit und Beharrlichkeit zum Ziele führen müs­sen. In dem zweiten Abschnitt des Kampfes, in den die nationalsozialistische Bewegung jetzt ein­getreten sei, gelte es nunmehr für die RSDAP.. nicht nur negativ, sondern, auch positiv zu kämp­fen. Dem Gegner dürfe keine Zeit gelassen wer­den, sondern die RSDAP. werde mit einer Ve­hemenz ohnegleichen unverzüglich zum Angriff übergehen und mit ihrer Propaganda nach größ­ten Gesichtspunkten einsehen. Er selbst werde sich in diesem Wahlkampf vor die Partei stellen und an der Spitze sämtlicher Listen der RSDAP. kandidieren.

Im Anschluß ckn die Gauleitertagung fand im Beisein Hitlers eine Tagung sämtlicher landwirt­schaftlichen Gaufachberater der RSDAP. statt, in der der Amtsleiter für den agrarpolitischen Apparat Walter Darre ^den Vorsitz führte.

Geringfügige Äenderung des Wahlgesetzes.

Beschränkung der kleinsten Splittergruppen

Berlin, 2. Febr. (WTB.) Durch Verordnung des Reichspräsidenten ist das Reichswahlgesetz in einigen Punkten geändert worden. Aus- l andd eutsch e, die sich am Wahltag im 3n« land aufhalten, können an der Wahl teil­nehmen. indem sie einen Stimmschein aus­gestellt erhalten. Das gleiche gilt für die deut­schen diplomatischen und konsularischen Beamten und ihre Hausstandsangehörigen, ferner die Be­satzung von See- und Binnenschiffen, die für keinen festen Landwohnsitz polizeilich gemeldet sind. Damit wird Reichsdeutschen, denen man billigerweise die Ausübung des Wahlrechts nicht vorenthalten kann, die Möglichkeit zur Beteili­gung an der Wahl eröffnet.

Weiterhin sind neue Bestimmungen über die Einreichung der Kreiswahlvor- schlage getroffen. Kleine,' völlig unbedeutende Wählergruppen, die vielfach über keinerlei ört­liche Organisation verfügten, hatten, teilweise unter offenbarem Mißbrauch des Wahlgesetzes, die Aufnahme ihrer Wahlvorschläge in den amt­lichen Stimmzettel erreicht. Wählergruppen, die keinen Abgeordneten in den letzten Reichstag entsandt hatten, müssen nunmehr für mindestens einen ihrer Kreis­wahl v o r s ch l ä g e soviel Unterschrif­ten aufbringen, als Stimmen zur Erlan­gung eines Sitzes im Wahlkreisver-

Gießener Stadttheater.

Austausch-Gastspiel des Stadttpeaters Koblenz:Gestern und Heute" von Christa Winsloe.

Die in dieser Spielzeit eingeführte Neuerung eines Austausch-Gastspiels zwischen den Stadttheatern von Gießen und Koblenz gestaltete sich im ersten Versuch nicht zu einer gegenteiligen Vorstellung des kom­pletten Ensembles beider Bühnen, sondern zu einem Austausch der weiblichen Kräfte von Koblenz mit dem gesamten Herrenpersonal von Gießen: während unsere Leute am Rhein mit dem KriegsstückDie endlose Straße" zu Wort kommen werden, das keine einzige Damenrolle aufweist, ersckienen die Koblen­zer bei uns mit dem SchauspielGestern und Heute", das von einer Frau geschrieben wurde und unter lauter Frauen spielt.

Das Stück hat, nicht allein um dieser Besonder­heit willen, bei seinem Erscheinen einen starken Er­folg gehabt und ist dann durch die Film-Fassung Mädchen in Uniform" in ganz Deutschland und auch über unsere Grenzen hinaus bekannt geworden. Der Film er wurde vor einiger Zeit in Gießen gezeigt schließt sich in seinem Handlungsaufbau eng an die Bühnenfassung an, nur ist deren kata­strophale Schlußwendung zugunsten einer milderen Lösung, was indessen an der Gesamtauffassung wenig ändert, im Film vermieden worden: die Heldin wird im letzten Augenblick gerettet, ehe sie ihrer ausweg­losen und verzweifelten Verwirrung des Gefühls durch einen tödlichen Sprung ein,Ende machen kann.

Im übrigen schien sich, rein äußerlich, die Ver­filmung des Schauspiels schon in dessen Dramaturgie amubieten: Christa Winsloe verzichtete auf die absolute und strenge Akteinteilung (von gestern) zu­gunsten der lockeren Bilderfolge (von heute). Viel­leicht wird diese Formel für Schauspiel-Technik morgen schon nicht mehr gültig sein. Aber die Anti­these des Titels ist ja allerdings auch nicht in diesem technischen Sinn zu verstehen, worauf hier nur im Vorübergehen hingedeutet werden sollte.

Gestern und heute: das ist die immer wieder zur Gestaltung reizende Spannung zwischen den Gene­rationen; der Gegensatz zwischen der alten und einer neuen Zeit; die Empörung des Gefühls wider die Regel, gegen die Vernunft, gegen eine als überlebt und unnatürlich empfundene Gesinnung und Satzung.

band erforderlich sind, also 60 000. Ist diese Bedingung erfüllt, so genügen für jeden anderen Kreiswahlvorschlag dieser Partei 50 Llnlerschrif- ten. wenn es sich um durch Verbindung im Ver­band oder Anschluß an einen Reichswahlvorschlag innerlich zusammenhängende Kreiswahlvorschläge handelt.

Der Reichsinnenmknister hat angeordnet, daß die Stimmlisten und Stimmkarteien vom 19. bis 2 6. Februar auszulegen sind. Die Landesregierungen sind durch Rund- telegromm ersucht worden, sofort alle Vorberei­tungen zu treffen und die Gemeinde- und Ver­waltungsbehörden mit entsprechender Weisung zu versehen.

Kein außenpol.tischerKurSwechsel

Ein Interview mit dem neuen Pressechef.

Paris. 2. Febr. (ERD.) Ein Sondervertreter desJntransigeant" ist an den neuen Reichs­pressechef, Ministerialdirektor Funk, M. d. R., mit dem Wunsch herangetreten, von ihm eine Er­klärung über die Ziele der national« sozialistischen Außenpolitik zu er­halten. Die Erklärung, die ihm hierauf zuteil wurde, hat nachstehenden Wortlaut:

Wenn Sie mich nach den Zielen der national­sozialistischen Außenpolitik fragen, dürfen Sie vor allem nicht übersehen, daß bereits seit Jahren die letzten Reichskabinette sich bemüht haben, wesentliche Teile des außenpolitischen Programms der RSDAP. sich anzueignen, um der Bewegung den Wind aus den Segeln zu nehmen. Der sogenannten, von uns immer und immer bekämpften Crsüilungspolitik, die Deutsch­land nur immer tiefer in nationales und wirt­schaftliches Elend führen sollte, muhte der Rücken gekehrt werden. Es begann offen der Kampf um die Beseitigung der Re­parationen, der Kampf um die Gleich­berechtigung. Dieser Kampf wurde mit geistigen Waffen geführt. So ist auch bereits neulich von berufener Stelle festgestellt worden, dah auch die neue Regierung den Wunsch hat, mit aller Welt in Frieden und Freundschaft zu leben und entsprechend dieser ihrer Grundeinstellung ihre Ziele zu ver­folgen. Unsere Politik kann sich daher auch nur gegen denjenigen richten, der sich der Er­füllung der gerechten Forderungen des deutschen Volkes, das in dem Versailler Vertrag vielfach eine Verletzung der Wilsonschen Punkte erblicken muh, entgegen st eilt. Wir führen hierbei einenProzeh gegen Un­bekannt", und naturgemäß ist derjenige, aber auch nur derjenige, der uns unseren Platz an der Sonne mißgönnt, unser Gegner. Der deutsche Rationalismus ist gewiß insofern ein positiver, als er für sich dieselben Rechte bean­sprucht, die ein jeder seiner Ehre bewuhte Staat für sich und seine Volksgenossen verlangt. Er ist aber auch ein negativer insofern, als e« jedem Volk seine Existenz gönnt und jede Einmischung in die Rechte und Lebens- bedingungen anderer Völker ablehnt und ver­urteilt."

Meine politische Nachrichten.

Wie wir erfahren, werden Reichspräsident vonHindenburg und wohl auch eine Reihe von Mitgliedern des Reichskabinetts Freitagabend dem Reit-undFahrturnierausderGrünen Woche beiwohnen.

Der Reich'skommissar für das Preußische Kultus­ministerium, Professor Dr. K a e h l e r, hat dem Reichskommissar für Preußen, von Papen, sein Rücktrittsgesuch überreicht. Popen bat das Gesuch entgegengen om men. Professor Dr. Koehler wird die Geschäfte tw zur Ernennung seines Nachfolgers weiterführen.

Der Führer der Deutschnationalen Volkspartei, Dr. H u g e n b e r g, Hot nach Verkündung der Auf­lösung des Reichstags den Parteitag der Deutschnationalen Volkspartei zum 12. Februar nach Berlin einberufen. Da Dr. Hu- genberg durch die Uebernahme der Wirtschaftsmini­sterien an der regelmäßigen Ausübung seiner Tätig-

Neu ist der Einzelfall, Umwelt und Schauplatz, der etwas farblos als eine Stadt in Norddeutschland bezeichnet wird. Wer Ohren hat zu hören, dem kann nicht entgangen sein, daß dieses Stück vom Früh­lingserwachen in Potsdam spielt.

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An einem Schauplatz also, der für so jugendlich- stürmiscke Regungen nach Tradition, Charakter und Atmosphäre höchst ungeeignet ist. Wir befinden uns in einem Stift für adlige Fräuleins, für junge Mäd­chen, die hier im spartanischen Drill einer Kadetten­anstalt erzogen werden sollen. Aus der Menge der in der Anstaltstracht uniformierten Mädchen hebt sich ein kleines Einzelfchickfal, die jugendlich unreife und unfertige Individualität einer neuen Elevin heraus. Dieses Mädchen, obwohl aus der gleichen Sphäre stammend wie alle übrigen hier, läßt sich nicht etnfügen in Ordnung und System des In­stituts; sein mißhandeltes und mißverstandenes Ge­fühl revoltiert, verwirrt und verstrickt sich hoffnungs­los und findet am Ende als letztenAusweg" nur noch die Kraft, sich auszulöschen.

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Auch auf derGegenseite", unter den Erziehe­rinnen, hebt sich kraft ihrer Persönlichkeit eine her­aus; sie fjat Verständnis und Gefühl für die Verwir­rung und Ratlosigkeit der jungen Elevin, die wieder­um in einem schwärmerisch-überschwänglichen Auf­bruch ihr Herz ganz an diese Lehrerin verliert. Das ist natürlich gegen die Regel; ein unmöglicher Zu­stand schon im Geheimen. Und als dieser Ausnahme­zustand durch einen törichten Zufall und unter mehr komischen als traurigen Umständen an den Tag kommt, da ist das Schicksal des kleinen Fräuleins entschieden. Die geliebte Lehrerin vermag ihr weder ihrVerbrechen" begreiflich zu machen noch sie vor dem Aeußersten zu bewahren: während die Erziehe­rin, nun selber revoltierend gegen den Geist des Stifts und dessen Leiterin, für ihren Schützling sich einsetzt, ist das Unglück schon geschehen.

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Die hier im Umriß angebeutete Handlung be- schränkt sich übrigens nicht, wie aus der lockeren Technik geschlossen werden könnte, auf eine (woyl aus eigener Erfahrung der Autorin geschöpfte) eindringende Milieuschilderung im Bilderbogenstil. Zwar kommt die eigentlich entscheidende Ausein­andersetzung erst im letzten Bild; doch ist zwischen dieser und der ersten Szene was eben das Schau- spiel als Drama qualifiziert der gedrängte Ab­lauf einer inneren Entwicklung sichtbar gemacht wor­den: bas kann auch durch die gelegentlich ziemlich

feit als Parteiführer gehindert ist, hat Dr. von Winterfeld die ständige Vertretung des Par­teiführers übernommen.

Neuordnung der Führerscheine für Kraftfahrzeuge.

Berlin, 2. Febr. (WTB.) Der Reichsverkehrs. Minister legte in der heutigen Sitzung des Reichs­rates eine Novelle zur Kraftfahrzeug­verordnung vor, die die Zustimmung der

aggressive Schärfe der Dialektik und der Charakter­zeichnung nicht verdeckt werden.

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Was die Aufführung angeht, so ist zu wünschen, daß unsere Leute in Koblenz ebenso vorteilhaft ab­schneiden und einen so angenehmen Eindruck hinter­lassen, wie die Koblenzer bei uns. Die Inszenierung des Intendanten Bruno Schoenfeld stand in jedem Bild auf beachtlichem Niveau: sie bewies, worauf es hier ankommt, vor allem einen spürsin­nigen Instinkt für die Schaffung der eigentümlichen Atmosphäre, aus der heraus das Schauspiel seinen inneren Antrieb und seinen dramatischen Nerv er­hält; einige dialektische und darstellerische lieber- belichtungen haben die unmittelbare Bühnenwirkung eher gesteigert als geschwächt. Aus dem gepflegten und sehr sauber zusammenarbeitenden Ensemble ent­wickelte sich Spiel und Gegenspiel in interessanter, geschickt gestufter Einzeldarstellung. Dazu auf der Drehbühne die gut gesehenen Bühnenbilder von Löffler, die in ihrer betonten Kargheit die gei- füge Landschaft des Stückes unmißverständlich ab- grenzten.

Zufall ober Absicht: die Darstellung im ein­zelnen war stellenweise der Filmbesetzung über­raschend angenähert. Erika Z w e t g e r t als Ma­nuela: eine starke junge Begabung mit ausgespro­chener Eignung für den problematischen Charakter ihrer Rolle, mit der richtigen Witterung für die differenzierte Charaktermischung und die frühreif­überhitzte Gefühlslage des empfindsamen Adelsfräu­leins. Die Entwicklung war in ihrer gebrochenen Kurve ganz folgerichtig nachgezeichnet; einige dialek­tische Ueberfteigerungen werden sich einebnen.

Die darstellerisch reifste Leistung bot wohl Nelly Lenzals Fräulein von Bernburg: sehr sympathisch, sehr sicher in der Wahl ihrer Mittel, geistig und ge­fühlsmäßig gleichmäßig überzeugend; abgerundetes Bild einer reifen und menschlich wertvollen Per­sönlichkeit.

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Hedwig Schlichter, Berlin, spielte als Gast die Rolle des Fräuleins von Kesten, in der wir sie im Film kennen gelernt haben, im Schauspiel mit derselben Eindringlichkeit und einer überaus treffend pointierten Umrißzeichnung. Olga Hage- bauer als Oberin: kategorisch drohende Verfech­terin des Potsdamer Imperativs; im Typus an die i Filmdarstellerin erinnernd, gelegentlich knapp an der I Karikatur vorbei, was aber mit an der Rolle liegen I mag. Das Gießener Stammpublikum feierte

Sondervertreter fand. Danach werben die Füh» r e rscheinkla f s en 3 a und 3b z u einer neuen Klasse zusammengelegt. Die alten Führerscheine dieser Klassen sind künftig einander gleichwertig. Außerdem wird eine neue Klein­wagenklasse 4 für Fahrzeuge bis zu 400 Ku­bikzentimeter Hubraum geschaffen, die unter den gleichen Voraussetzungen wie der Kraftrad- führerschein erworben werden kann. Das be­deutet eine große Verbilligung.

Wiedersehen mit Ilse Jahn, die sich erfreulich her­ausgemacht hat und mit naiver Unbekümmertheit und erfrischendem Temperament einen richtigen Backfisch spielte. Die Damen 21. Hoster, H. R au - nach, Erna Bonn, Betty Peters, Maria Neuburger und Irmgard Hahn zeichneten sich mit hübschen Leistungen aus.

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Die Gäste wurden mit lebhaftem und verdientem Beifall willkommen geheißen. hth.

Oie schielende Katze.

In Amerika gibt es unter mancherlei ver­rückten Klubs solche, die Wettbewerbe veran­stalten, um alljährlich den Münchhausen von USA. zu ermitteln. In diesem Jahre wurde der Meistertitel einem gewissen Mac Carthy auS Denver zugesprochen für seine Gefchihle von der schielenden Katze, bei deren Anblick die Mäuse vor Schreck tot umfielen. Er erzählte: Ich war Ingenieur in einer Mühle. Reben mir gab es dort sehr oieie Mäuse, zu deren Vertreibung ich eine Katze kaufte. Diese Katze aber war faul, und zwar so faul, dah sie sich von den Mäusen das eigene Futter wegfressen lieh. Eines Tages fiel die Katze auf ihre Beine. Rechtes Vorderbein gebrochen. Ich amputierte sie und gab der Katze ein Holzbein. Von diesem Tage an, meine Herren, Sie mögen das glauben oder nicht, wahrscheinlich werden Sie es nicht glauben, war die Katze ein anderes Tier ge* worden. Sie war wie umgewandelt und fing die Mäuse. Wie? Ganz einfach, indem sie ihre Holzpfote als Keule benutzte und die Mäuse totschlug. Oft schlug sie fünfzehn Stück in der Minute tot. Den Rekord hält sie mit 4704 Mäusen in 49 Tagen. Plötzlich bemerkte ich aber an den toten Mäusen eine sonderbare Ver­änderung. Ihr Haar sträubte sich in der ent­gegengesetzten Richtung. Ich forschte nach und fand bald die für die Mäuse haarsträubende Tatsache. Die Katze hatte sich an einem Pfosten aufgestellt, der ein Loch hatte. Mit einem Auge sah die Katze durch das Loch, und mit dem anderen schielte sie um den Pfosten herum. Wenn Sie jemals", so schloß der preisgekrönte Lügner seine Geschichte,eine schielende Katze gesehen haben, dann werden Sie wohl wissen, weshalb die Mäuse vor Schreck tot umfielen und sich nicht mehr tvtschlagen zu lassen brauchten."

Letzte Vegegmmg mit Alfred Wegener.

Deutscher Forscherkampf um Grönland. Oer Tod im ewigen Eis.

Der Tod des Polarforschers Alfred Wegener im Jahre 1930 inmitten der Eiswüste Grönlands hat zu vielen Erörterungen und Vermutungen Anlaß gegeben. Im Zusammenhang damit ist eine Darstel­lung beachtenswert, die ein Teilnehmer der dama­ligen Grönland-Expedition, Karl Schis, zur Ver­fügung gestellt hat. Er schildert darin seine Begeg­nung mit Wegener einige Zeit vor dessen Tod. Karl Schis befand sich Ende September als Mitglied einer Hilfsexpedition mit zwei Propellerschlit­ten au fdern Rückweg von der Station Eismitte zum Hafen Umanaf an der Westküste Grönlands. Auf dem etwa 500 Kilometer langen Weg sollte die Eignung der Propellerschlitten erprobt werden.

Ungefähr 300 Kilometer von Eismitte entfernt traf die Expedition auf Wegener, der eine mühsame Fahrt gehabt hatte. Mit dreizehn Hundeschlitten war er von der Station West los- gezogen und geriet unterwegs von einem Schnee- sturm in den anderen. Die Verhältnisse gestalteten sich so schwierig, dah er 100 Kilometer von der Station West entfernt, die übrigen Expeditions­teilnehmer mit zehn Hundeschlitten wieder zurückschickte. Wegener setzte nach dieser kurzen Begegnung mit der Hilfsexpedition seine Reise nach Eismitte fort, wo er am 31. Oktober mit seinem Begleiter Dr. Löwe und einem Eskimo wohlbehalten anlangte. Dr. Löwe blieb hier zurück, Während Wegener und der Eskimo

nach einigen Tagen wieder den Rückweg nach Westen antraten. Man versuchte ihn von diesem Vorhaben abzubringen, da im Rovemb;r der Polarwinter mit seinen bedeutend tieferen Temperaturen beginnt. Gemessen wurden im Jahre 1930 auf der Station Eismitte als tiefster Stand65 Grad, während im Polarsommer die Temperaturen sich zwischen 0 und20 Grad bewegen.

Lieber die letzte Fahrt nun, Wegeners Todes­fahrt, erhält man nur aus den vorgefun- denen Aufzeichnungen einigen Aufschluß. Schon in den ersten Tagen der Reise sind bei der großen Kälte einige Hunde erfroren. Schließlich blieb nurmehr ein Hundeschlitten übrig, den der Eskimo übernahm. Wegener folgte auf Skiern. 189 Kilometer von der Westküste entfernt, ist Wegener gestorben. An dieser Stelle fand man später zwei Skier, die aus dem Schnee heraus­ragten und stieß beim Rachgraben auf die Leiche Wegeners. Der Eskimo hatte ihn eingegraben und wird dann höchstwahrscheinlich auch umgekom­men sein, denn man hat von ihm nichts mehr vernommen. Beide werden an Erschöpfung zugrunde gegangen sein. Alle Aufzeich­nungen wurden be ider Leiche Wegeners vorge­funden, und nur über die letzten Stunden Wege­ners wird man nie etwas erfahren.

Aus aller Wett.

Eine Ehrung

der allenEmden" durch die auslralische Regierung.

An Bord des soeben aus Australien nach Hamburg zurückgekehrten Hapag-Dampfers Magdeburg" befand sich in einer Eiskiste ein Eisblock mit einem eingefrorenen Lorbeer­kranz, der die Reichsmarine als Empfänger hat. Der Kranz wurde von der australischen Re­gierung auf den Weg gebracht und ist eine groß­zügige Anerkennung des deutschen Mutes. Ur­sprünglich wurde der Kranz am 9. Rovember v. I. in Sydney an dem Siegesdenkmal, das man dem Andenken an die Vernichtung derEmde n" einst errichtete, niedergelegt, dann aber fort­genommen und über die deutsche Botschaft nach Deutschland geschickt. Der Kranz hat die Reise im Eis gut überstanden. Da der Chef der Reichs­marine seine Entscheidung noch nicht gefällt hat, wohin der Kranz gebracht werden soll, muh er bis auf weiteres in einer Lagerhalle warten. Man verhandelt zur Zeit noch zwischen Berlin und Wilhelmshaven, wo man in der Garnison­kirche den Kranz niedergelegt sehen möchte.

Drei Erwerbslose beim äohlensammeln erstickt.

Im Tagebau desEinigkeit"°Schachtes in Zuck­mantel bei Teplitz-Schönau wurden drei junge Ar­beitslose aus Eichwald in einer brennenden Kohlen­staubhalde t o t aufgefunden. Sie waren in den Schacht gekommen, um Kohlen zu stehlen. Anschei­nend haben sie gefroren und sich auf den wannen Boden gelegt. Dort drangen Kohlengase hervor, an denen sie erstickten.

Dnternafionale Kirchenberatungen in Berlin.

Die Tagung des Exekutivkomitees des Welt­bundes für internationale Freund- schaftsarbeit der Kirchen in Berlin hat

nach viertägigen Beratungen ihren Abschluß gefun­den. Die Verhandlungen, an denen führende Kir­chenmänner aus Deutschland, Amerika, England, Frankreich, Schweden, Dänemark, der Schweiz und anderen Ländern teilnahmen, galten u. a. den Vor­bereitungen einer Konferenz in Sofia, die sich mit der Frage der Revision der Friedensver­träge unter religiös-sittlichen Gesichtspunkten be­schäftigen wird. Ferner sollen schwebende Fragen der religiösen Minderheiten behandett werden.

Sämtliche Magdeburger Schulen wegen Grippe geschloffen.

Auf Anordnung des Kreisarztes und im Ein­vernehmen mit den Aufsichtsbehörden wurden die höheren, mittleren und Volksschulen sowie die Berufsschulen in Magdeburg wegen der zahl­reichen Grippeerkrankungen der Lehrer und Schüler bis zum 8. Februar geschlossen.

Hilfsärzte für die Berliner Krankenhäuser gesucht.

Wie das Städtische Rachrichtenamt Berlin mit» teilt, werden infolge der wachsenden Zahl von Grippeerkrankungen Assistenz- und Hilfsärzte für die städtischen Krankenhäuser ge­sucht. Meldungen werden von der Zentrale der Gesundheitsverwaltung der Stadt Berlin ent­gegengenommen.

Das Rheineis an der Loreley in Bewegung.

Auf dem Rhein ist das P a ck e i s an der Lore­ley bei St. Goarshausen, das bis über Caub hin­ausreichte, in Bewegung gekommen. Ledig­lich an der Pfalz flauen sich die Eismassen noch etwas. Das Eis treibt langsam ab; daher besteht keine Gefahr, daß es Schaden anrichten könnte. Im übrigen sind sämtliche Schiffe In Sicherheits­häfen untergebracht.