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2.12.1933 Zweites Blatt
 
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Wintertag in Nordland.

Bon Knut Oomsun

Du liegst bis zehn ober elf Uhr am Tage im Bett urtb bist immer noch müde und matt, wenn du auf­stehst. Ich sehe dich vor mir, wenn du auf die Straße hinauskommst, deine Äugen blinzeln, denn der Morgen hat 3U früh für sie gegraut. Ich stehe um fünf Uhr auf und bin ausgeschlafen. Draußen ist es noch dunkel, aber es gibt trotzdem genug zu beobachten, Mond, Sterne, Wolken und Wetter­zeichen für den Tag. Ich tage mir bas Wetter für viele Stunden voraus. Auf welche Art saust bie Luft? Und kracht bas Eis auf dem Glimmasee trocken und lelicht, oder tief und lang? Ich höre prächtige Anzeichen, und wenn es hell wird, füge ich bie sichtbaren Zeichen zu den hörbaren und ©erbe immer wissender

Dann kommt ein schmaler Streifen des Tages zu unterft im Osten, die Sterne saugen sich selbst ui den Himmel ein, und das Licht herrscht. Bald lreist ein Rabe über den Wäldern, und ich warne Madame, meine Maus, sich vor der Gamme sehen zu lassen, damit sie nicht verspeist werde.

Ist aber Neuschnee gefallen, so haben Bäume UTib Gebüsch und große Steine die Form von un- irdischen Ungeheuern angenommen, sie sind des vduchts gleichsam aus einer anberen Welt gekom­men. Eine windgefällte Kiefer mit ausgerissener Wurzel sieht aus wie eine Hexe, mitten in seltsamen Gebärden erstarrt.

Da ist ein Haus gesprungen, dort ist die Fährte eenes einzelnen Renntiers. Ich hole meinen Schlaf- |iif heraus und hänge ihn hoch an einem Baurn ruf, wegen Madame, bie alles frißt, unb folge ben 9t?nntierfpuren in den W ld. Das Tier ist ganz gemächlich gegangen, wie ich sehe, aber es hat ein bestimmtes Ziel gehabt, es ist gerade nach Osten gewandert, bem Tageslicht entgegen. Beim Skjel- sluß, ber reißend ist und niemals zufriert, hat das Nenntier getrunken, am Ufer nach Moos gescharrt, kiv wenig gerastet, unb ist wieder weiter gezogen.

Unb was bieses Renntier getan hat, ist vielleicht 1 mein einziges Wissen unb Erlebnis für biesen Tag. (Id) finde, es ist etwas. Die Tage sind kurz, schon aeflen 14 Uhr schlendre ich bei voller Dämmerung teimroärts der gute und stille Abend kommt heran, dann fange ich zu kochen an. Ich besitze eine Stenge Fleisch in brei blendend weißen Schneehau- ten, ich habe übrigens auch noch etwas Besseres: -Hl fette Renntierkäse zu Butter unb Flachbrot.

Während bie Grütze kocht, lege ich mich ein wenig hin, schaue ins Feuer und schla-fe ein. Ich halte

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-3100.1933.

i Taubmgeti.

Kraft durch Freude.

Der Begriff ber Ganzheit bezieht sich nicht nur auf bie Staatsgewalt, er bezieht sich auf bas beut sche Volk. Dieses Volk ist durch Parteien- uiVo Klassenkämpfe, ist burch wirtschaftliche unb soziale Segensätze a u f g e l ö st worben, so bah in ber Nachkriegszeit, als bie eiserne Klammer einer star­ken Staatsgewalt fehlte, jeber Druck von außen im Innern keinen Wiberstand fanb. Das politische ^arteiroefen brehte sich eigentlich nur um ben Klassenkampf, denn ber Marxismus zwang alle anberen Parteien in eine Abwehrfront, bie aber rnieber burch bie unselige Zwietracht zerrisse» war. 2aß Klassenkampf unb bas Erbübel ber Zwietracht tm beutschen Volke nicht wesenseigen finb, das hat bie nationale Erhebung gezeigt, benn bie gewaltige Kraft biefer Erhebung war innerlich ge­tragen von bem Willen, burch Einheit zur Freiheit zu gelangen.

Die Deutsche Arbeitsfront ist aufgerich- tet nicht etwa beshalb, um gewerkschaftliche Kamps- sormen neu erstehen zu lassen, sonbern, um alles jusammenzusassen, was burch ben Begriff ber Ar­beit sozial unb geistig oerbunben ist. Der Maifeier- teg, dies stolze Bekenntnis ber Volksverbunbenheit, war bie Begrünbung ber Arbeitsfront, währenb die Auflösung ber Gewerkschaften ben Weg von un­beträchtlichen Hemmnissen unb Widerständen frei machte. Die Deutsche Arbeitsfront ist nicht eine büro­kratische Einrichtung, sie lebt vielmehr in unb mit dem Volkstum: sie ist auch ber Träger bes Ge­dankens, baß nur bie Arbeit wahrhaft abelt. Wenn cs die Aufgabe ber Wirtschaft ist, bie materiellen Grunblagen bes Volkes sicherzustellen, so ergibt sich daraus zwmgenb, daß Arbeitszeit, Lohn unb Ge­holt geregelt sein müssen, roieber nicht deshalb, um soziale Gegensätze aufzurichten, sonbern um ber Wirtschaft bie Möglichkeit ber Entfaltung zu geben, wie sie burch bie nationale Höherentwicklung sowie durch ben internationalen Wettbewerb bebingt ist.

Fünfzig Jahre Gewerkschaften unb Klassenkampf haben selbst im Vollbesitz ber politischen Macht, wie das in ber Nachkriegszeit ber Fall war, nicht ver- hinbert, baß sechs Millionen Deutsche jahrelang ar­beitslos waren. Es muß also eine andere L ö - | u n g gesucht und gefunden werden, um der Wirtschaft bie Aufgabe möglich zu machen, bie ma­teriellen Grunblagen bes beutschen Volkes zu sichern. Wenn ber Kopf- und Handarbeiter seine Arbeits­kraft im Dienst der Wirtschaft ansetzen muß, so soll unb muß er auch fühlen unb erleben, baß bies nicht nur deshalb geschieht, um für sich einen Lebensunter- 1 holt zu erzielen, sonbern beshalb, um Volk unb Staat zur Höhe zu führen. Staat unb Volk haben beshalb and) bie Pflicht, sich um ben Kopf- und Hanbarbei- i ter zu kümmern, sobald er seine Arbeitsstätte ver- , läßt. Wer Staat unb Volk lieben soll, wer mit ihnen oerbunben sein will, ber muß auch fühlen, daß beibe für ihn sorgen, nicht etwa materiell, son­dern geistig unb sozial. Dem Recht auf Ar­beit muß bas Recht auf Freube gegenüber« I stehen, wobei Form unb Art dieser Freude durch die höhere Gesittung gerade bes beutschen Volkes be­stimmt werben. Die allgemeine Wehrpflicht war vor dem Kriege nicht nur eine militärische Ange­legenheit, sie war auch die Form einer Erziehung, raie sie unter den gegebenen Verhältnissen nicht besser und zweckmäßiger erreicht werden konnte. Die Pflicht, bem Staate und Volke zu dienen, bleibt unabänderlich, aber diese Dienstpflicht soll unb muß gehoben fein burch bas Bewußtsein, im Volkstum als gleicher unter gleichen zu gelten.

Die Deutsche Arbeitsfront steht heute so fest unb unerschütterlich ba, wie ber nationale Staat selbst. Das ist erreicht worben, weil Arbeiter unb Unter­nehmer ihre innere Verbunbenheit er­kannten, so baß ber Arbeitsfront nur bie Aufgabe zusiel, bie äußere Verbunbenheit herzu­stellen. Die Verbindung wird nicht vom Beruf her gesucht, auch nicht von der Klasse oder vom Stand, sonbern vom Menschen her. Ihr dient die Gründung der Feierabend - Bewegung. Unter ber BezeichnungNdA ",Nach*der Arbeit", wird

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)

8am§tag, 2. Dezember 1933

die Deutsche Arbeitsfront den Feierabend aller Be­rufstätigen sinnvoll gestalten. Hier soll die Frage gelöst werden, durch eine sinnvolle Feierabend-Ge­staltung bem schaffenden Menschen neue Lebensfreude und neue Arbeitskraft zu geben und ihn zu einer staatsbejahenden Ein­stellung zu erziehen. Es ist selbstverständlich, daß die NdA.-Bewegung nicht das deutsche Fa­milienleben gewissermaßen überflüssig machen will. Von allen führenben Persönlichkeiten des neuen Staates, und ganz besonders vom Führer Adolf Hitler selbst, ist ja gerade m den letzten Wochen immer wieder betont worden, daß bie Familie bie Grunblage bes Staates ist. Es wirb beshalb befonbers herauszustellen (ein, baß i n einem schönen Familienleben bie b e ft e Erholung nach ber Arbeit zu suchen unb zu finben ist. Aber auch jebe Familie hat von Zeit zu Zeit bas Bebürfnis nach Anregungen von außen, nach geselligem Verkehr, nach guter Musik, nach sportlichen Veranstaltungen und ähn­lichen Dingen. Hier soll nun die Feierabend-Be­wegung NdA. eingreifen. Hier soll die Sicherung dafür geboten werden, daß dem arbeitenden Men­

schen nicht Minderwertiges ober gar Schunb, son­bern wirklich Gutes geboten roirb.

Man weiß, baß in Italien bie Dopolavoro- Organifation feit 1925 mit großem Erfolge bie Freizeit-Bewegung Italiens gestaltet. Reichsppopa- ganbaminifter Dr. Goebbels hat bei feinem Besuch im Juni bieses Jahres in Rom befonbers bie Ein­richtungen biefer Organisation besichtigt unb ihren Sinn bahin formuliert, baß er meinte, eine Regie­rung, bie ins Volk bringen wolle, bürfe bas Volk niemals s i ch selb st überlassen. Wenn bereits vor bem Kriege große Unternehmungen burch Werks-Kasinos, sportliche unb ähnliche Ein­richtungen ihren Belegschaftsangehörigen eine sinn­volle Freizeitgestaltung zu ermöglichen versucht haben, so fehlte bei all biesen Bestrebungen ber einheitliche Gedanke unb bie einheit­liche Führung. Jetzt sollen berartige Einrich­tungen, bie früher immer nur einem kleinen Pro­zentsatz ber Arbeiter unb Angestellten zugute kom­men konnten, für alle geschaffen werden. Jetzt sollen sie aber auch gleichzeitig Schulung unb Bil- bung bes beutschen Menschen für ben neuen Staat fein.

Als Wetterwart im Wüstenmeer.

Projekte moderner Technik in der Sahara.-Oie Salzhölle von Agorgott.

Bon unserem Ll-Berichtersiaiier.

Kopf setzt ein unb plötzlich fühlt er ben unwider­stehlichen Wünsch, mit der Maschine auf die Erda zu stoßen, um allem ein Ende zu bereiten. Viele widerstehen dieser Manie nicht.

Trotzdem ist man neuerdings zu einer kombinier­ten saharischen Touristik übergegangen: Flug­zeug und Raupen-Automobil arbeiten Hand in Hand. Zwei Flugzeuge und drei Automo­bile. Die Flugzeuge fliegen voraus, orientieren sich von oben, landen an vorher verabredeten Punkten, bringen Wasservorräte zusammen, falls sie Oasen sichten konnten, und bereiten bas Nachtlager vor.

Noch heute beschäftigen sich wissenschaftliche Expe- bitionen mit ber Anfertigung von geographischen Karten, bie bie verborgenen unterirbifdjen Gewässer, Seen unb Quellen genau registrie­ren. Man will ein Bewässerungssystem ausarbeiten, durch das 2,5 Millionen Quabratmeilen Land kultiviert werden können. Die Theorie meint, daß die Versandung ber Flüsse unb ber na­türlichen Wasserbecken naturgemäß zu einer Stau­ung des Wassers in unterirdischen Becken führen muß. Man beruft sich auf das Beispiel des Irak, dessen ehemaliges Wüstengebiet durch planvolle Be­wässerung zum Teil fruchtbar wurde, das stellen­weise sogar jährlich zwei Weizenernten einbringen konnte. Durch artesische Brunnen will man die un­terirdischen Wasserhöhlen erschließen und ihren segenbringenden Inhalt vorzaubern. Neuerdings sollen in Ghabames Bohrversuche unternommen worben fein, bie in einer Tiefe von 380 Meter so­viel Wasser ergaben, daß biefe Oase ber Badeort ber Sahara hätte werben können.

Nachbruck, auch mit Quellenangabe, verboten!

Tamanrassat, November 1933.

Unser Observatorium befinbet sich auf bem bis zu 3000 Meter anfteigenben Ahaggar-Gebirge südlich von Algier. Eine ganz moderne Wetter­warte mitten in den Höhen der Sahara, aus­gerüstet mit den raffiniertesten optischen Instrumen­ten. Wir haben hier einen großen Aufgabenkreis seit unserem einjährigen Bestehen. Täglich funken wir mehrmals die Lustdruck- und Temperaturwerte, sowie alle anderen Messungsergebnisse. Aehnlich wie in den Eiswüsten Grönlands die ganze Nautik ein­flußreich reguliert wird von den Forschern, die sich in die Einsamkeit wagten zum Wohle der Mensch­heit, so ist es auch in der ewigen Sandwüste Nord- afritas. Durch unsere Vorhersagen sind jetzt W ü - ten - Expeditionen und Randschisf- ahrt gewarnt vor den gefährlichen Staub- türmen der Sahara.

Bis vor kurzem wohnten hier nur die halbwilden luaregs, sagenhafte Gestalten, wahrscheinlich bie Urbevölkerung ber Sahara. Eine unbezähmte Wilb- heit unb Morblust zeichnet sie aus. Ihr Gastrecht erstreckt sich nur auf bestimmte Zeit, bann greifen sie ben nichtsahnenben Gast an unb werfen ihn nieber. Nie sieht er seine Heimat roieber. Gewaltige Sicherheitsmaßnahmen waren baher nötig, um unsere Wetterstation am Leben zu erhalten. Die ganze Warte ist zu einer 21 rt Fort ausge­baut, besitzt richtige Festungswälle unb man sieht hier niemanb von uns ohne Waffen im Gurt. Wie blutdürstige Krieger sehen wir aus.

Man kann Hunderte von Kilometern zurücklegen, ohne auch nur einen Grashalm oder ein Insekt zu erblicken. Alles Leben ist hier unter den Gluten ber unbarmherzigen Sonne erstickt. Aber seltsam, hier erfaßt bie Kreatur ein Gefühl kosmis ch e r Verbunbenheit, bie Lanbschast ber Erbe roirb unwesentliche, bie metaphysische Welt bes Kosmos lebt uns in diesem ewigen Schweigen auf.

Jetzt hat sich die Menschheit zur Aufgabe gestellt, den Ozean des Todes zu beleben, die Sandwüste fruchtbar zu machen und dem modernen Ver­kehr zu erschließen. Schon gibt es regel­mäßige Postflugzeugdienste.die von Dakur nach der westafrikanischen Küste fliegen. Aber noch sind sie bedroht von Wüstensturm und Räuberban­den. Nicht selten kommt es vor, baß Sahararäuber, bie geschickte Schützen finb, ein Postflugzeug herun­terholen. Viel schlimmer ist bie Notlanbung, die auf jeden Fall identisä) ist mit dem sicheren Verdursten. So muß z. B. jedes ausländische Flug­

zeug, das sich über bie Sahara wagt, vorher 100 060 Franken für eine unter Umftänben erforberliche Hilfsexpebition beponieren, bamit zum minbeften ein Teil ber hohen Kosten geberft ist. Man sieht also, mit welcher Wahrscheinlichkeit bie Behörben irgenb- eine Katastrophe voraussetzen. Gefördert roirb bie Gefahr ber Sahara für ben Flieger burch bas so­genannteC a f a r b", bies ist eine plötzlich auf- tretenbe Tollheit, bie auch alsW üsten - Ko 1 - I e r" bezeichnet roirb. Durch ben ftunbenlangen Flug über eintönigsten Sanb, über bie ewig gleiche Farben, aezeinigt von blenbenber Sonnenglut,.er» liert ber Flieger jeben Begriff von Höhe, Schnellig­keit unb Sage feines Flugzeuges. Ein Dröhnen- im

Vor 50 Jahren noch waren viele Oasen von einem Pflanzenwuchs bebeckt, ber hinter bem ber geseg­neten Gebiete bes Mittelmeeres kaum zurückstano. Heute ist von dieser paradiesischen Fruchtbarkeit we­nig mehr vorhanden. Wo vor 50 Jahren noch eine blühende Oase zu finden war, sieht man heute nur noch einen versteinerten Palmenstumpf. So schnell frißt sich ber Tob bes Sandes in bie lebende Vege­tation hinein. Die Sahara ist eine unterge­be n b e Welt! Das Grundwasser versinkt immer mehr in bie Tiefe. Das Graben unb bie Erhaltung ber Brunnen erforbert immer größere Mühe, bie Förberung bes Wassers dauert immer länger. So kämpfen- die Oase unb ihre armselige Bevölkerung

Deutschlands Ausstieg", eine Münchener Schneeplastik.

Nach bem ersten Schneetag, ber über ganz München eine dichte weiße Decke legte, errichtete ein arbeits­loser Maler mitten auf ber Straße eine einbrucksvolle Plastik, bie Deutschlanbs Aufstieg symbolisiert.

meinen Mittagsschlaf vor bem Essen. Unb wenn ich auswache, ist bie Grütze gekocht, es riecht nach Fleisch unb Harz in ber Gamme. Mabame schießt auf bem Boden hin unb her unb erhält schließlich ihren Anteil. Dann esse ich unb zünde die Pfeife an.

Der Tag ist zu Enbe. Alles ist gut gewesen, ich habe keinen Derbruß gehabt. In ber großen Stille, bie mich umgibt, bin ich ber einzige erwachsene roanbernbe Mensch, ich werbe badurch größer und bedeutungsvoller, Gottes Nächster ..

Ich liege da unb benfe an bas Renntier, an ben Weg, ben es gegangen ist, was es beim Skjelfluß getan hat, unb daß es bann seine Wanberung fort setzte. Da ist es unter einigen Zweigen burchgeschlüpft, unb bas Geweih hat mehrere Zeichen in bie Rinbe geritzt: bort hat ein Weibengebüsch es gezwungen, einen Bogen zu machen: aber gleich hinter bem Ge­büsch hat es von selbst den Boden wieder ausge­glichen und ist dann weiterhin nach Osten gegan­gen. An all das denke ich.

3m Schuh.

(Sine Advenisgeschichie von Felix Wemfaflen, GOS.

Es ist ganz merkwürdig. Bis Weihnachten finb es noch vier Wochen dahin, aber gestern Abend muß ber Weihnachtsmann b o ch schon in ber Gegend ge­wesen sein, denn als Mananne am Morgen ihren Schuh (ein Schühlein) anziehen wollte, ba lag hehe ein kleines Schweinchen aus eitel Marzipan im Schuh.

Und bas ist boch merfroürbig!

Vati unb Mutti haben sich gerounbert. Und Ma­nanne hat das Schweinchen glaubensvoll und fröh­lich aufgegeffen.

Das Merkwürdigste aber ist, daß seitdem ber Weihnachtsmann noch öfter gekommen ist. Alle brei ober vier Tage, und jedesmal über Nacht, hat er etwas in Makiannes Schuh gelegt. Nun sieht sie jeden Morgen nach, ob unb was biesmal barin läge ...

Das ist wirklich sehr merkwürbig unb sehr wun­derbar unb auf alle Fälle stark aufregenb.

M i r legt er nie etwas in ben Schuh", sagt Mutti und sieht 23ati an.Mir auch nicht", grunzt 23a fi.

Na", meint Mutti entrüstet,das wäre aller- bings auch zu merfroürbig!"

Unb Mananne gibt ihnen allen beiden schlau ben Rat, ihre Schuhe immer abenbs hübsch auf bie Fensterbank zu stellen. Sie weiß nämlich schon, wie

man bas Wunder vorbereiten muß. Sie ist ganz glücklich und munter.

In Vati aber reift unversehens ein Gedanke, wie­wohl er sich nichts davon' anmerken läßt. Er weiß schon, daß Mutti eine gute, liebe brave Mutti ist, derart gut, daß ber Weihnachtsmann ihr wirklich mal ... Unb er zählt still im Verborgenen die paar Kröten in seinem Geldbeutel unb weiß schon, was er tun roirb Er muß es aber sehr klug unb heimlich ins Werk setzen. Unb enblich bietet sich ihm bie Ge­legenheit, heimlich unb schlicht ein paar kandierte Datteln in Muttis Schuh zu stecken, abenbs, als Mutti soeben mübe und erlöst ins Bett gehüpft ifL Unb wenn sie nun morgen früh aufwacht, wenn sie bie Schuhe anziehen will, bann roirb sie sich freuen, baß also auch ihr ber Weihnachtsmann einmal etwas in ben Schuh gelegt hat. Unb vielleicht, denkt Vati, legt ihm bann ber Weihnachtsmann auch ein­mal etwas in ben Schuh. Vati hat ja bie größten Schuhe.

Unb sie liegen beibe unb schlafen schon beinahe unb Vati freut sich insgeheim. Er weiß: vor Muttis Bett steht ein Schuh! Und plötzlich sagt Mutti zu 23a ti:

Du, ich habe heute morgen fürchterlich an ben Füßen gefroren. Ich glaube, ich stelle meine Schuhe über Nacht auf ben Ofen. Dann finb sie morgen früh schön warm."

Ach roas7', sagt Vati und rappelt sich aufgeschreckt aus ben Kifftn hervor,ach was, tu bas lieber nicht, Mutti. Das soll sehr ungefunb fein!"

'Aber Mutti lacht ihn aus.

Wie kann benn bas ungefunb sein?"

Unb Vati merkt, baß sie hinaus will, hinaus aus bem Bett, mitten in ber Nacht, in dieser gräßlichen Kälte.

Bleibe liegen, Mutti", sagt er gütlich unb groß und edel,ich stelle dir die Schuhe auf den Ofen!"

Unb schon ist er braußen mit bem linken Bein in der Kälte, unb bie Kälte schneibet ihm das Fleisch förmlich herunter vom Knochen.

Aber Mutti ist schon vollends draußen und trabt mit den Schuhen in der Hand zähneklappernd im Dunkel durch bie Wohnung, sie huscht bahin wie ein bleiches Gespenst unb rettet sich entsetzt unb armselig roieber in bie Febern unb seufzt beglückt auf:

Na, Gott sei Dank! Du, fei froh, baß du nicht aufgestanden bist! Eine Kälte ist bas ...! Jgittegitt!"

Unb beckt sich zu unb liegt in ihren Betten runb wie eine Wurst Unb bann, nach einer Weile, freut sie sich ihrer Tat unb sagt:

Da werbe ich morgen warme Füße haben! Gute Nacht, Vati!"

Gute Nacht, Mutti!"

Unb Mutti schläft ein, und Vati wacht noch ein bißchen, weil er irgenbmie beunruhigt ist. Denn er weiß nicht recht ...?! Aber zuletzt schläft auch er.

Unb aus dem Ofen steigt über Nacht langsam und treu unb unablässig bie Wärme, bie Hitze, die Glut und unterhält sich mit Muttis Schuhen.

Was habt ihr denn da in euch?" fragt bie dumme Hitze.

Ein bißchen kandierte Datteln", sagen die Schuhs seufzend.Die hat der Haushaltungsoorstand in sei­ner Dummheit hier hereingelegt. Mach doch nicht solche unsinnige Hitze, du bummer Ofen! Auf bie Dauer kann bas boch kein Leder mehr abhalten von ben Datteln."

Tja", sagt ber Ofen,bas ist schlimm. Aber mit ber Hitze darf ich nicht nachlassen. Dafür bin ich Ofen."

Unb bie armen Datteln in ihrer Frierhaut von Zuckerzeug unb Gelee werben von ber Rührung ergriffen, sie schmelzen unaufhaltsam hin, sie können sich gar nicht mehr beherrschen, sie gehen uferlos ins Weite, ins Breite, sie schwimmen dahin und füllen bie Schuhspitze unb kochen förmlich ...

Dahinein hat Mutti am anbern Morgen dann getreten, als sie schlau und freudig ihren warmen Schuh an ben kalten Fuß zog.

Esel", sagt sie zu Vati.

Das ist der Morgenaruß für ihn.

Vati aber, so ein Esel, sieht immer noch nach, ob etwa in feinem Schuh einmal etwas läge. Er zieht feinen Schuh immer sehr vorsichtig an. Es könnte boch eine prima Zigarre barin sein, um bie es jammerschabe wäre ... Denn warum sollte zu ihm ber Weihnachtsmann nicht auch einmal kommen?

Das müßte ja wunderbar zugehen", meint Mutti höhnisch unb herzlos.Das wäre ja gerabezu merk, roiirbig."

Unb so ist also in biefer feinen Familie nur das Kind Mananne richtig und vollkommen froh und ungetrübt. Bei i h r macht ber Weihnachtsmann keine solchen bummen Geschichten. Ihr Schuh steht allemal gut, trocken unb richtig temperiert.

Zeitschriften.

In ber Berliner 111 ustrirten Zeitung erscheint zur Zeit u. a. eine interessante Artikel- ferie unter ber ÜberschriftAlarm! Tauchen!", worin ber ehemalige beutsche 0-Boot-Kommanbant Kapitänleutnant Werner Fürbringer von seinen Er- lebniffen unb Abenteuern währenb bes Weltkrieges berichtet.