Ausgabe 
2.11.1933 Erstes Blatt
 
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zusetzen. Hält mich Zimmermann für einen solchen Trottel, glaubt er, daß ich ihm, von dem ich weiß, daß er Deutschnationaler ist, sage: ein Fanal wird kommen, es wird alles anders werden. Ich bitte, sich nach meiner politischen Tätigkeit zu er­kundigen. Einer solchen Trottelet mich für fähig zu halten, bekommt nur ein kleiner Scherl-Repor­ter fertig. Der Vorsitzende untersagt dem Ange- klagten derartige Beleidigungen.

Der Vorsitzende fragt den Zeugen, ob er sich in dem Wort Fanal getäuscht haben könne?

Zeuge: Nein. Ich habe mich nicht getäuscht, diese Ausdrucksform hat sich bei mir eingemeißelt aus einem bestimmten Grunde. Ich arbeite an einem Buch, in dem ich den Typ des Politikers schildern will, der die i r r e g e f ü h r t e n A r b e i ° termassen vor seinen Wagen spannt, um Karriere zu machen. Dieser Typ war für mich der Angeklagte T o r g l e r.

Vorsitzender: Warum haben Sie das erst am 6. Oktober angegeben.

Zeuge: Zunächst hatte ich die Ausdrucksform nicht für fo erheblich gehalten. Als dann der Reichs­tagsbrand ausbrach, habe ich Torgler mit dem WortFanal" in Verbindung gebracht. Ich sagte mir aber, gegen Torgler würden so schwere Verdachtsmomente vorliegen, daß meine Aussage dabei belanglos sein würde.

Torgler: Ich habe gar nicht daran gedacht, mich in dieser Weise mit dem Zeugen zu unterhal­ten. Ich habe mit ganz anderen Herren der deutsch­nationalen Fraktion gesprochen, die für die poli­tischen Fragen kompetenter waren als Herr Zim­mermann. Da wird festzustellen zu sein, daß ge­rade ich die damalige politische Si­tuation genau kennen mußte, und daß es gerade für mich der größte Irrsinn gewesen wäre, wenn ich nicht alles getan hätte, um ein sol­ches Attentat wie den Reichstagsbrand mit allen Mitteln zu verhindern, weil ich wissen mußte, daß diese Aktion, wenn sie politische. Auswirkun­gen hatte, durchaus schädlich sich gegen die KPD. richten würde.

Als Zeuge wird dann der Bergmann K u n z a ck vernommen, dessen Vereidigung einstweilen ausge­setzt wird. K. ist zweimal wegen Sittlichkeitsver­brechens, einmal wegen Zuhälterei und auch sonst vorbestraft. Kunzack war früher bei der USPD, und seit der Verschmelzung bis Anfang 1932 in der KPD. Aus dieser wurde er Anfang 1932 ausgeschlossen. Während der Zeit hat er auch Kurierdienste geleistet.

Der Zeuge bekundet, sich daran zu erinnern, daß auf einer Konferenz in Düssel­dorf im Jahre 1925, die Heinz Neumann ge­leitet habe, drei Holländer erschienen waren, unter ihnen van berCubbe. Dan der Lubbe habe sich bereit erklärt, die Jugend beroe- gu ng aufzubauen. Lubbe hat ein paar Worte gesprochen, aber in so schlechtem Deutsch, daß man ihn nicht verstehen konnte. Sein Alter hat der Zeuge damals auf 16 Jahre geschäht.

Rechtsanwalt S e u f e r t hält dem Zeugen ein Schreiben an den Untersuchungsrichter vor, in dem Kunzack sich als Zeuge anbietet und schreibt, daß er die Mittäter van der Lübbes auffinden müßte, und sich erbietet, die Schlupfwinkel der illegalen T e r r o r g r u p p e n bei den weiblichen Genossen festzustellen. In dem Schreiben heißt es bann weiter, ich garantiere, daß ich das innerhalb von acht Tagen zuwegegebracht habe.

Rechtsanwalt Dr. Sack bemerkt dazu, es sei auffällig, daß gerade Kunzack, der zweimal wegen Sittlichkeitsverbrechens zu je einem Jahr Gefängnis verurteilt wurde, sich dazu erbiete, die Schlupfwinkel der Illegalen bei den weiblichen Genossen sestzustellen (Heiterkeit).

Der Zeuge macht dann weitere Bekundungen über die Sprengversuche in der Wuhlheide. Auf die Frage des Vorsitzenden, wer aicher Kasper und den anderen noch dabei gewesen sei, antwortete der Zeuge: Meines Erachtens dem Aussehen nach noch Torgler.

Der Vorsitzende hält dem Zeugen eine frühere Aussage vor, in der er mit aller Bestimmtheit ver­sicherte, daß zwei der anwesenden Personen Torg­ler und Kasper waren. Der Zeuge gibt zu, daß er Torgler nur vom Sehen kannte. Vorsitzender: Ist es nun Torgler oder nicht?

Zeuge: Meines Erachtens, ja.

Der Zeuge schildert weiter, wie man bann nach den Sprengversuchen wieder in die Stadt fuhr und schließlich in eine Gastwirtschaft in der Görlitzer Straße kam, wo der Oberfeuerwerker, der die Sprengversuche leitete, einen Vortrag hielt. U. a. habe dieser erklärt, wenn man so weit wäre, sollte man nicht schonen, sondern, wo es möglich sei, öffentliche Gebäude in die Luft sprengen.

Vorsitzender: Hat er etwas von Brandstif­tung gesagt?

Zeuge: Nein!

Vorsitzender: Früher haben Sie gesagt, der Mann habe erklärt, daß die Aktion vornehmlich sich auf öffentliche Gebäude zu erstrecken hätte. Wenn solche Sprengungen nicht möglich seien, sollte man z u Brandstiftungen übergehen. Jetzt sagen Sie, von Brandstiftungen habe er nicht gesprochen.

Zeuge: Das hat er nicht im Zusammenhang ge- faat, sondern nachher für sich.

Vorsitzender: Sie haben noch etwas Weiteres bei Ihrer gerichtlichen Vernehmung gesagt, wie die Terrorakte vorgenommen werden sollten.

Zeuge: Bei der Bildung der Terrorgruppen soll­ten auch zum Teil weibliche Personen herangezogen werden.

Dorsihender: Sind Sie darauf hingewiesen worden, daß das am besten durch auslän­dische Genossen geschehe? So haben Sie früher ausgesagt. Ist das nun richtig ober nicht?

Zeuge: Ja. durch illegale auslänbische Ge­nossen, bie sollten, wenn sie anroefenb wären, mit dazu verwenbet werben. '

Angeklagter Torgler: Der Zeuge sagt, daß er mich kenne. Wo Haden Sie mich kennengelernt?

Zeuge: In Ihrem > und in Versammlungen. Torgler: Wo war mein Büro?

Zeuge: Im Karl-Liebknecht-Haus.

Torgler: In welchem Stockwerk?

Zeuge: Im zweiten Stockwerk.

Torgler: In welchen Versammlungen haben Sie mich gehört?

Zeuge: In der Neuen Welt in Neukölln im Jahre 1930 und früher.

Torgler: Ich stelle fest, baß ich nur einmal Im Saale ber Neuen Welt gesprochen habe, und zwar 1925, seitdem nie wieder. Ich habe nie im Karl - Liebknecht - Haus ein Büro gehabt und mich nur sehr selten vorüber- gehend in diesem Hause aufgehalten.

Zeuge: Ich wollte nur sagen, daß ich ihn im

Karl-Liebknecht-Haus, wo das Büro ist, getroffen habe.

Rechtsanwalt Dr. Sack: Es ergibt sich aus einer Darstellung der Verwandten des Angeklag­ten van der Lubbe, daß dieser im Januar oder Februar 1925 gar nicht In Düsseldorf ge- wesen fein kann.

Kriminalassistent Staneck, ber den Zeugen Kun­zack wiederholt über die Sprengoersuche in der Wuhlheide vernommen hat, betont, Kunzack habe mit aller Bestimmtheit auf die wiederholten Fra­gen immer wieder gesagt, er wisse ganz ge­nau, daß bie kommunistischen Abgeorbneten Kas - per und Torgler bei den Sprengversuchen dabei gewesen seien. Der Zeuge hat mit Kun­zack die Wuhlheide ausgesucht, um die Höhle, in der die Sprengversuche gemacht wurden, ausfindig zu machen. Kunzack konnte aber bie Stelle nicht roieberfinben, auch ber Revierförster habe nichts von einer Höhle gewußt.

Am 2. Mai ist bann bet Zeuge mit einem Kri­minalbeamten nochmals in bie Wuhlheibe gefahren, um Graboersuche zu unternehmen. Es würbe tatsächlich eine höhle von ungefähr 1,80 bis 2 Meter Im Quadrat und 1,25 Meter Tiefe gefunben, Reste von Linoleum, ein abgebrochener Hammerstiel unb der Rest eine# Pakets mit Hageln würben gefunden.

Angeklagter Torgler erklärt, baß er niemals in feinem Leden Kunzack kennengelernt habe. Er fei niemals zu Sprengversuchen in ber Wuhlheide gewesen unb wisse auch nichts von einer Höhle und Sprengversuchen. Alles, was Kunzack gesagt habe, könne in keinem Falle ber Wahrheit entsprechen.

Der Vorsitzende fragt den Zeugen eindringlich, ob er bei seiner Angabe bleibe, daß Torgler und Kas­per in der Wuhlheide zugegen waren. Der Zeuge antwortet mit einem Ja.

Rechtsanwalt Dr. Sack beantragt, den früheren Abgeordneten Kasper als Zeugen zu laden. Dr. Sack ersucht ferner, den früheren Rechtsanwalt Rosenfeld, der zur Zeit in Paris lebe, zu ver­nehmen. Rosenfeld sei an sich bereit, nach Deutsch­land zu kommen, ebenso die frühere Abgeordnete Frau Reese, den früheren sozialdemokratischen Parteisekretär Dr. Hertz und den früheren sozial­demokratischen Abgeordneten Dr. Breitscheid. Der Oberreichsanwalt erklärt, das Gericht könne freies Geleit nur erteilen für Dinge, die zu feiner Zuständigkeit gehören für die Verfolgung strafbarer Handlungen. Die Verhandlung wird dann auf Frei­tag vertagt.

Der hessische Stahlhelm fordert einmütiges Za am i2.Aovember.

Ein Aufruf des Landesführers.

Frankfurt a. M., 1. Noo. (WSN.) Das Landesamt des Stahlhelm, Bund der Frontsoldaten, Landesverband Groß-Hessen, erläßt folgenden Aufruf:

Kameraden vom Stahlhelm!

Die deutsche Regierung mit Adolf Hitler, un­serem Führer, an der Spitze, hat mit ihrem klaren Nein" den verblendeten, ehemaligen Feindstaaten gegenüber das getan, wonach sich jeder ehr» liebende, aufrechte Deutsche seit langen Jah­ren unter schwächlichen, unfähigen Regierungen vergeblich sehnte! Ein Jubelschrei stolzester Freude ging durch das deutsche Volk, als der Füh­rer seinen Entschluß, aus dem Völkerbund auszu­treten, bekannt gab. Der Führer hat inzwischen mehrfach in großangelegten Reden die Gründe dar­gelegt, die zu diesem Entschluß führen mußten und der jubelnde Beifall, den seine Worte fanden, be­wiesen, daß es wohl kaum einen Deutschen gibt, ber nicht re ft los hinter seinem Führer ftünbe! So hat auch die von ihm angeordnete Volksabstimmung zweifellos nur symboli­schen Charakter, um dem gesamten Auslande zu zeigen und zu beweisen, in welch einmütiger Geschlossenheit und Treue das deutsche Volk mit feinem Kanzler durch d ick unb dünn geht!

Der 12. November muß ein überwältigendes Zeugnis hierfür fein, in feinem Ergebnis zu einem geistigen Bollwerk werden, an dem aller Haß und alle Heuchelei unserer früheren Gegner zerschellen muß!

Kein deutscher Mann und keine deut­sche Frau darf am Wahltage fehlen! Wer nicht wählt oder gar sich der Stimme enthält, treibt Verrat am Volke und stellt sich außerhalb unserer Volksgemeinschaft! Zur Urne zu gehen kann keine Pflicht sein, sondern ein Akt freudiger Bejahung eines Führers, der Deutschland wieder hat deutsch werden lassen! Frontheil!

Heil Hitler?

gez. Keßler, Hptm. a. D., Landesführer.

Oie Siuden en im Wahlkampf.

Berlin, 31. Okt. (VdZ.) Der National- sozialistische Deutsche Studentenbund sendet etwa 100 Redner zur Aufklärung ber brei­ten Massen hinaus, darunter bekannte Studenten­führer wie Dr. v. Seers, o. Hadeln usw. In einer Massenkundgebung im Sportpalast zu Berlin wird der Reichsführer des NSDStB. Dr. S t ä b e l sprechen. Bis zum 12. November stellen sich die Studenten völlig in den Dienst des Wahl­kampfes. Sie stellen Radfahrerkolonnen in den Dienst der Propaganda und Autos. Auch die Arbeitsgemeinschaft Nationalsozialistischer Stu­dentinnen arbeitet geschlossen mit. Der Einsatz ber Studenten soll nicht nur die akademischen Kreise erfassen, sondern er soll ins Volk hineindringcn, Hand in Hand mit den Arbeitern.

Oas ganze OeuifchSand soll es sein!

Berlin, 1. Noo. (WTB.) Außer den bereits bekanntgegebenen 220 Verbänden haben weitere 21 Organisationen das Treue­bekenntnis für den 12. November unterzeichnet. Begeisterte Zustimmungskundgebungen zur Politik der Reichsregierung sind auch aus Kreisen des deutschen Theaterwesens eingegan- gen. Es befinden sich darunter Schreiben von Heinrich George und Friedrich K a y ß l e r.

Oie Verteilung der Winterhilfsspende

Berlin, 1. Noo. (TU.) Die Reichsführung des Winterhilfswerks teilt in Beantwortung verschiede- ner Anfragen mit, daß die Verteilung der Spende für das Winterhilfswerk in der Weise vorgenommen wird, daß 50 v. H. im Ortsbezirk bzw. in den Kreisarbeitsgemeinschaften verbleiben, 2 5 v. H. ber Gauleitung zugeführt wird und 25 v. H. innerhalb des Reiches verbleiben. Aus den Notstandsgebieten werden von der Reichsführung des Winterhilfswerks keine Mit­tel abgerufen, sondern Reichsmittel zugeführt.

Auf diese Weise hat bie Reichsführuna bereits mehrere Millionen für bie Notstandsgebiete zur Verfügung gestellt.

Sozialismus der Tai.

Berlin, 1. Noo. (CNB.) Der Posteingang bei ber Reichsführung bes Winterhilfswerks enthält täglich rührende Beweise des Opferwillens. Die Menschen erdenken die vielseitigsten Möglichkeiten, nach denen praktische Hilfe gebracht werden kann. Ein Kind schreibt vom Lande, daß es in den Herbsttagen beim Kühehüten ein Paar Hand­schuhe gestrickt habe, und bestellt an den Führer einen recht schönen Gruß. Aus dem Innern von Nordamerika schreibt ein Arbeitertrupp­führer, daß sie drei Deutsche in diesem Trupp seien, daß sie trotz aller Bedrängnisse ihre deutsche Natio­nalität nicht aufgegeben hatten und von ihrem kärg­lichen Lohn 6 Dollar einfchickten. Eine arbeits­lose Oefterreicherin schreibt aus Neuyork, daß sie jeden Monat 1 Dollar übersenden wolle. Aus Bulgarien kommt ein anderes Schreiben, in dem mitgeteilt wird, daß sich die dortige Kolonie zu einer Opfergemeinschaft der Deutschen zusam­mengeschlossen habe und eine Sammlung für das WHW. aller Deutschen veranstalte. Die heimatlosen Wanderer, die in einer pommerscken 21 r - beitertotonie untergebracht find, haben zu­sammen mit den Veteranen der Arbeit aus dem Altersheim ber Meierei Moitzelfitz in kleinen Be­trägen die Summe von 86.70 NM. für bie Winter­hilfe gesammelt.

Gesundheit der Lugend unser kostbarstes Gut.

Der Reichsinnenminister untersagt über- mätzige Inanspruchnahme von Hitler-

Jugend und Jungvolk.

Berlin, 1. Nov. (WTB.) Reichsrninister bes Inneren Dr. Frick hat in einem Erlaß an b en Jugendführer des Reiches der Besorg­nis Ausdruck gegeben, daß die Hitler-Jugend, namentlich das Jungvolk, durch zu starke Inanspruchnahme, insbesonde­re bei Kundgebungen und bei der Vor- bereitungderWahl am 12. November durch zu weite An- und Abmarschwege überan = ftrengt, ber notwendigen Nachtruhe, beraubt unb baburd) an der Gesund­heit geschädigt werden könne. Der Reichs- minifter des Inneren hat daher den Jugendführer gebeten, dafür Sorge zu tragen, daß das Jung­

volk möglichst nicht nach Einbruch ber Dunkelheit ober gar noch in ben fpä- t e n 2Ibenbftunben zum Dienst heran- gezogen wirb. Auch der Dienst der Hitler- Jugend fall sich höchstens einmal in der Woche auf den Abend ausdehnen und bann nur solange, baß sie sich im allgemeinen spätestens um 22 Uhr z u Hause befindet.

Die Gesundheit unserer Jugend ist ein kostbares, sorgsam zu hütendes Gut. Der Reichsminister des Inneren erwartet daher, daß seinem Ersuchen von allen in Betracht kommenden Stellen Rechnung getragen wird. Die Länderregie­rungen sind entsprechend verständigt.

Sine Treue-Kundgebung berDeutschenGewerkschastsfront an der Saar.

Saarbrücken, 30. Okt. (TU.) Nachdem die deutschen gewerkschaftlichen Organisationen an der Saar sich entschlossen haben, sich zu einerDeut- schen Gewerkschaftsfront zu vereini­gen, wurde dieser Zusammenschluß am Sonntag in einer großen Kundgebung proklamiert. Der Vorsitzende der Gewerkschaftsfront, Peter Kiefer, brachte bie Schicksalsgemeinschaft, bie wir Deut­schen insgesamt und die Saardeutschen im besonde­ren tragen, in eindrucksvoller Weise zum Ausdruck. Die Deutsche Gewerkschaftsfront wolle diese Schick­salsgemeinschaft, so führte er aus, und wolle dieser echten Volksgemeinschaft, die sich auf der Grundlage der Gerechtigkeit aufbaue, überall zum Durchbruch verhelfen. Die Deutsche Gewerkschaftsfront wolle keinen Saardeutschen ausschalten. Für alle deutschen Arbeitnehmer des Saargebietes mache die Deutsche Gewerkschaftsfront die Tore weit auf. Ein deutliches Wort richtet Kiefer an die Adresse der Bergwerksdirektion:Wir olle werden in der Erreichung ber Rechte unserer Werks­angestellten und Bergleute wie ein Mann zusam­menstehen." Darüber hinaus richtete er eine ernste Mahnung an Frankreich, ben Saarberg­mann von ben seelischen Schmerzen zu befreien, bie ihm heute auferlegt werden. Frankreich könnte fo dem Saargebiet ben Beweis erbringen, ob es ihm ernst ist mit ber Verständigung mit Deutschland unb einem stieblichen Verhältnis zwischen der Saarwirt­schaft und ben französischen Nachbarn. Um das zu erreichen, sei aber notwendig, daß man aufhöre, deutsche Bergleute deshalb zu strafen, weil sie ihrem deutschen Volk die Treue halten. Beim Saarbergmann heißt es immer: Uns alle zieht bas Herz zum Vaterland.

Aus aller Wett.

Heimkehr des LuftschiffesGraf Zeppelin".

Das LuftschiffGraf Zeppelin" hat seine große Dreieckfahrt beendet und ist heute Donners­tag etwa um 5.30 über Friedrichshafen eingetroffen. Da die Haltemannschaften erst auf 7 Uhr bestellt waren, kreuzte das Luftschiff im strömenden Regen noch längere Zeit über dem Bodenseegebiet unb l a n b e t e bann bei starkem Bodenwinb um 7.15 Uhr glatt auf bem Werftgelände. An Bord befan­den sich 24 Passagiere und 330 Kilogramm Post. Das Luftschiff hatte auf der letzten Teilstrecke Se­villaFriedrichshafen um 17 Uhr MEZ. Barcelona passiert. Um 21.30 Uhr (MEZ.) stand es über bem Lyon-Golf, nur noch 75 Kilometer von ber Rhone- Mündung entfernt. Infolge starkem Mistrals legte es nur 70 Kilometer pro Stunde zurück.

Während der Zwischenlandung des Luftschiffes in Sevilla äußerte sich Dr. Eckener über den Rückflug nach Europa, der dieses Mal unter be­sonders ungünstigen Witterungsverhältnissen vor sich ging. Das Luftschiff habe über Öen Azoren ft ä r t ft e n Sturm erlebt und habe sich dabei glänzend bewährt. Die ungewöhnlich starken Gegenwinde seien auch die Ursache gewesen, daß das Luftschiff mit lOftünbiger Verspätung in Sevilla eingetrof­fen sei.

Großes Aufsehen erregte in Spanien bie Flug- leiftung eines Heinkel-Schnellflugzeuges ber Luft­hansa, bas bie Strecke von Berlin nach Mabrid in 8 Stunden zurückgelegt hat und am Dienstag in der erstaunlichen Zeit von einer Stunde 10 Minuten von Madrid nach Seviua flog, während die Eisen­bahn für diese Strecke 10 bis 12 Stunden benötigt. Diese Leistung eines deutschen Flugzeuges findet vor allem in spanischen Fliegerkreisen höchste Aner­kennung.

Die erste Luftverblndung der Reichsbahn: Berlin-Königsberg.

Im Flughafen Tempelhof wurde die erste Luft­verkehrslinie der Deutschen Reichs­bahn feierlich eröffnet. Generaldirektor Dorp- m ü 11 e r wies auf die Bedeutung dieser ersten Reichsbahnluftstrecke hin und begrüßte es, daß nun­mehr auch bas Flugzeug in den Dienst ber Reichs- bahn gestellt worden sei. Staatssekretär Ohne- sorge vom Reichspostministerium stellte fest, daß nunmehr auch gewöhnliche Post, die am späten Abend in Berlin ober Königsberg aufgeliefert werde jetzt zum ersten Bestellgang am nächsten Tage in beiden Städten zurechtkomme. Direktor Wronski von der Deutschen Lufthansa gab dem Wunsche Aus­druck, daß es recht bald möglich sein werde, mit größeren Flugzeugen noch mehr Gelegenheit zur Beförderung von Post und Fracht zu geben. Staats­sekretär Milch vom Neichsluftfahrtminifterium sagte, die Einrichtung dieser Lustverbindung komme einem dringenden Wunsch des Führers entgegen, der gerade zwischen Ostpreußen und dem Reich eine Verbesserung der Verkehrsmöglichkeiten wünsche. Pünktlich startete bann das Verkehrsflugzeug zu seinem ersten Fluge nach bem Osten.

Arbeitsbeschaffung der Dolfsfürforge.

Wie das Gaupresseamt mitteilt, hat sich die V o l k s f ü r s o r g e , Lebensversicherung AG., Hamburg (Geschäftsstelle Frankfurt a. M., Allerheiligenstrahe 51), das größte Versicherungs­unternehmen der Deutschen Arbeitsfront, entschlos- sen, das von ihr im Frühjahr übernommene ehe­malige alte Gewerkschaftshaus (5 Häuser) in 40 Wohnungen umzu bauen. Es han­delt sich um eine Errichtung von 2-, 2'/r- und 3» Zimmerwohnungen, also um Kleinwohnun­gen, die der deutsche Arbeitsmensch braucht.

Umarbeitung des horst-wessel-Ailms.

Wie WTB. erfährt, hat Herr Reichsminister Dr. Goebbels das Verbot desHor st- Wessel- Films unter folgender Begründung aufgeho­ben: Das Verbot des Horst-Weffel-Films ist des- halb ergangen, weil es sich bei Hor^t Wessel um ben bekanntesten unb Verehrtesten Märtyrer ber nationalsozialistischen Bewegung handelt. Es besteht

kein Anlaß, dieses Verbot weiter aufrechtzuerhalten, wenn dieser Film unter einem neutralen Titel läuft und direkte Anspielungen auf Horst Wessel unb sein Leben und Sterben vermieden werden.

Der unter dem TitelHorst Wessel" beanstandet gewesene Bildstreifen wird nunmehr mit Genehmi­gung des Herrn Neichsministers Dr. Goebbels unter dem Titel erscheinen:5) ans Westmar, einer von viele n", ein deutsches Schicksal aus dem Jahre 1929; Manuskript nach dem Buche ,Horst Wessel" von Hanns Heinz Ewers.

Autounglück Mannheimer Segelflieger. Ein Toter, zwei Verletzte.

Auf ber Straße zwischen Hockenheim und Neu­lußheim (Baden) ereignete sich bei der Kreuzung nach Altlußheim ein Autounglück. Bei einem Gewitter wurde der Fahrer eines Mannheimer Personenautos, Ganter, durch einen Blitz ge­blendet und fuhr in scharfem Tempo gegen einen Baum. Ein in dem Notsitz mitfahrender aewisser Lerch wurde derart an den Baum ge­schleudert, daß sein Tod sofort eintrat. Der Fahrer Ganter hat nur leichte Schürfungen davongetragen, während der Segelflieger Julius Johann schwere Verletzungen, darunter einen Kieferbruch, er­litt. Die Verletzten wurden in das Schwetzinger Krankenhaus gebracht. Bei den Verunglückten han­delt es sich um drei bekannte Mannheimer Flug­sportler.

Ein Teilabschnitt des nordsibirischen Seewege# erschlossen.

Wie die Telegrafenagentur ber Sowjetunion mitteilt, traf in Jakutsk oas neue als Eisbrecher gebaute MotorschiffPerwaja Jatiletka" ein, bas zu m er st en Male auf dem Seewege Lebensmittel und technische Artikel aus dem Westen nachJakutsk brachte. Die­ser Schiffahrtsweg beginnt normalerweise in Ar­changelsk am Weißen Meer unb führt burch bas Karische Meer, das Sibirische Eismeer unb die Nord-Eskjoeld-See nach der Mündung des ß e n a ft r o m e s. Bisher mußten sämtliche Frach­ten nach diesem Nordgebiete der Sowjetunion auf Hundeschlitten befördert werden.

Überschwemmungskatastrophe in Albanien.

Die Stadt Permeti in Südalbanien ist von einer schweren Überschwemmungskatastrophe heimgesucht worden. Der Fluß Viosa ist infolge starker Regenfälle aus den Ufern getreten unb hat die Stadt zum größten Teil unter Wasser gesetzt. 24 Häuser find eingestürzt. 26 Einwohner fanden dabei den Tod, während vier in schwerver­letztem Zustande geborgen werden konnten. Der Schaden beläuft sich auf über 100 000 Mark.

Wettervoraussage.

Da sich immer noch ein Tiefdruckwirbel über der Ostsee bewegt unb im Westen sich hoher Druck be­findet, fließt fortgesetzt maritime Lust nach dem Kon­tinent. Der Witterungscharakter bleibt daher vorerst veränderlich, so baß bei wechselhafter Bewölkung noch Regen-, in den Bergen Schneeschauer auftreten. Mit dem weiteren Vordringen des hohen Druckes dürfte späterhin Beruhigung der Wetterlage, damit auch gleichzeitig nachts Temperaturrückgang bis in Gefrierpunktnähe verbunden (ein.

Aussichten für Freitag: Wechselnd-wolkig mit Aufheiterung, kühl, nachts stellenweise Tempera­turen in Gefrierpunktnähe, einzelne Schauer.

Lufttemperaturen am 1. November, mittags 6,1 Grad Celsius, abends 5,1 Grad; am 2. November: morgens 4,6 Grad. Maximum 6 6 Grad, Minimum 3,3 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 1. November: abends 6,3 Grad; am 2. November: morgens 5,4 Grad Celsius. Niederschläge 2,1 mm.

(Schluß des redaktionellen Teils.»

Da# ist stets wertvoll gewesen, sich die Erfah­rungen älterer Leute zunutze zu machen. Mutter und Großmutter wußten wohl, warum sie für alle Wäsche, zum Abseisen, Schrubben und Scheuern Dr. Thompson'# Schwan-Pulver in dem roten Paket verwandt haben weil Schwan-Pulver gut und billig ist. 6131A