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2.11.1933 Erstes Blatt
 
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liche Hafenstadt Halfo, die über 50 000 Einwohner zählt, ist ein Luftverkehrsmittelpunkt de, erratischen Weltreiches geworden. Haifa hat auch als Kriegs- und Handelshafen große Bedeutung. Rohrleitungen in einer Länge von mehr als 1400 Kilometer dienen ba^u, die mesopotamischen Oelfunde nach Haifa zu bringen.

Die Entwicklung Palästinas zu einem modernen Handelszentrum des Orients wäre ohne die jüdisch« Einwanderung kaum so schnell erfolgt, wie e» tat­sächlich der Fall gewesen ist. Die Luden, die zuerst nach Palästina kamen, waren meist wohlhabende Leute, denen e» nicht schwer siel, sich den nötigen Grund­besitz anzueignen, und welche die finanziellen Mit­tel besaßen, die geschäftlichen Möglichkeiten auszu- nützen. Ueberall wurde mit fieberhafter Tätigkeit am Aufbau Palästinas gearbeitet. Der ungeheure Touristenstrom brachte viel Geld in, Land, die Ta- bakanpslanzungen wurden vervielfacht, und die Jaffa-Orange eroberte den englischen Markt. Aber mit der Einwanderung mittelloser Juden erlahmte die Kapitalkraft, und e, fehlte schließlich an dem nötigen Betriebskapital, um die Produktionsmög­lichkeiten zu erschöpfen.

Diese jüdische Einwanderung hat den englischen Oberkommisjaren viel Sorge bereitet. Da» Land, in das die Einwanderer in steigender Zahl hinein- kamen, war ja nicht menschenleer, sondern von arabischen Bauern und Fellachen bewohnt. Da die jüdischen Einwanderer Pala- stina bevölkern und Siedlungen anlegen wollten, mußte zwangsläufig früher oder spater der Zu­sammenstoß mit bem arabischen Ele­ment erfolgen. 3n Palästina leben heute über 180 000 Juden. 3n der Mitte des 19. Jahrhunderts waren es kaum 10 000. Außer ihnen gibt es noch 750 000 Mohammedaner und etwa 90 000 Christen. Die Gesamtbeoolkerung beträgt also mehr als eine Million Einwohner. Wenn nun auch die Zahl der jüdischen Einwanderer relativ gering ist, so waren sie doch dank ihrer großen kulturellen Erfahrungen, die sie aus Europa mitbrachten, in der Lage, den Araber nach und nach wirtschaftlich erheblich zu be- drängen, so daß heute die Araber von der britischen Mandatsverwaltung die Einstellung der jüdischen Einwanderung verlangen und auch fordern, daß an Juden kein Land mehr verkauft werden soll. Sie glauben mit Recht ein Land verteidigen zu dürfen, das sie lange vor der jüdischen Einwanderung be- siedelt haben. So ist zum Nationalen und Religiösen der wirtschaftliche Gegensatz gekommen, wie es nicht anders sein kann, wenn ein Land von überwiegend patriarchalischem Lebenszuschnitt rasch in die mo­derne Geldwirtschaft hineingezogen wird. Der wach­sende Nationalismus der arabischen Stämme, die in den neuen Staaten der arabischen Halbinsel gei­stige Zentren sinden, ist im Wachsen begriffen und richtet sich naturgemäß ebenfalls gegen die jüdische Invasion. Die arabischen Kreise verlangen nach europäischem Vorbilde eine Selbstverwal­tung Palästinas, gegen die das jüdische Ko­mitee an sich nichts einwenoen wollte, wenn es nicht befürchtete, unter der Herrschaft der arabischen Mehrheit zu gelangen, also in dem Lande derna­tionalen Heimstätte" eine geduldete Minderheit zu sein.

Kamen die Zuwanderer aus dem osteuropäischen jüdischen Proletariat, das sich auch in ländliche Ver- hältnisse einfügte, so ist besonders durch die Er- eignisse In Deutschland in der letzten Zeit der Zu- ström aus der städtischen Intelligenz gestiegen. Die Einwanderung hatte in früheren Jah­ren höchstens 13 000 Personen jährlich betragen, in- folge der Krisenzeiten war ein Teil davon sogar wieder zurückgekehrt. Dagegen rechnet man für 1933 mit einem Zuwachs von mehr als 30 000. Diese Entwicklung hat zwar auf die wirtschaftlichen 93er- hältnisse günstig gewirkt, aber bei den Arabern die Befürchtung erweckt, nach und nach in die Min­derheit gedrängt zu werden. Besonders sind es in den muselmanischen Kreisen die Kräfte der Jugend, die zum offenen Widerstand aufrufen und sich auch des modernen Kampfmittels, des General- ftreiks und des Boykottes bedienen. Aus solchen Gegensätzen heraus find die Revolten und Aufstände in Jerusalem, Haifa, Nablus usw. entstanden, die der englischen Verwaltung ebenso schwere Verlegen- heiten bereiten, wie dem jüdischen Siedlungswerk. Man versucht naturgemäß den Ausgleich zwischen den beiden gegnerischen Parteien, aber die Brücke des Verstehens wird sich nur sehr schwer Herstellen lasien. England möchte zwar seine Zusage den Juden gegenüber halten, will es aber mit den vielen Mil­lionen von Mohammedanern, die in seinen Kolo­nien wohnen, nicht verderben. Besonders die Rück- sicht auf die Bekenner des Islam in Indien mahnt London zur Vorsicht. So stellt sich Palästina, das Land der religiösen Kämpfe und Bewegungen von altersher, als ein neues Problem dar.

Eine evangelische Reichs­jugendkammer.

Berlin , 1. Noo (IU.) lieber die Einordnung der evangelischen Jugendverbände in den Neubau der Kirche und die Neuordnung ihre» Verhält­nisse» zu der politischen Jugend sand nach Fuh- lungnahme mit dem Reichsjugendführer Baldur von Schirach dei Kirchenminister Hoffen- selber eine Aussprache der Führer der evange­lischen Jugendverbände statt. Unter dem Vorsitz des Pfarrers Hoff wurden bann von einem enge­ren Ausschuß Vorschläge ausgearbeitet, die der Füdrung der Hitler-Jugend unterbreitet werden tollten Nachdem diese Richtlinien der Reichs­kirchenregierung vorgelegt waren und der Reichs­bischof sich ausdrücklich bereiterklärt hatte, b i e Befehlsgewalt über bie gesamte evangelische Jugend zu übernehmen, wurden die Berhandlungen dieser Tage mit der Reichssühruna der Hitlerjugend fortgesetzt Hierbei kam man sich In vielen Punkten sehr nahe. Was noch an strittigen Punkten vorhanden ist, dürfe in einer demnächst stattfindenden Zusammenkunft zwi­schen dem Reichsbischof und dem Reichsjuyend- sührer geklärt werden. Zur weiteren Be­handlung der mit der evangelischen Jugenb zusammenhängenden Fragen ist von dem Reich»- vischof eine vorläufige evangelische Reichs- fugenbfammer einberufen worben, ber fol­gende Mitglieder angehören: Reichswart D. Stange, Pfarrer Riethmüller vom Burck- harbthau», Oberkirchenrat Dr. P o l st e r, Stifts­pfarrer Draubt-Cid) (Oberhessen), Pfarrer vom Berg, von Meyenn al» Vertreter ber Stubentenschaft, Jungvolkwart Dannemann- Berlin, Pfarrer IuhI - Barmen. Pfarrer Schi l- 11 n g Baden. Pfarrer Ä l e i m i n g e r Schwerin, sowie bie hierfür beauftragten Mitglieder der Reichskirchenregierung.

Englische Wahlen im Zeichen der Abrüflungsfrage.

Grotze Wahlerfolge der Arbeiterpartei be. den Gemembewahlen. - Scharfe Kritik an der Abrüstungspolitik des Kabinetts. - Rationalisierung der Rüstungsindustrie gefordert.

condaa. 1. Roo. (1DIB.) Jn mehr al» 300 Stätten Eng land» (mit Ausnahme von Conbon) und Wale» fanden gestern Gemeinberats-Ersatz- wahlen für ein Drittel der Gemeind:- Vertreter stall. Die bi» jetzt vorliegenden Wahl- ergebnisse au» den großen Industrie- und Handels- Zentren lassen eine starke Zu nahmederver- treter der Arbeiterpartei auf kosten der konservativen, Liberalen und Unabhängigen erken­nen. Rach den um 2320 Uhr aus 87 Orten vorliegen­den Ergebnissen gewann die Arbeiterpar­tei 137 Sitze, während die konservativen einen Verlust von 89, die Liberalen von 18 und die Un­abhängigen von 30 Litzen hatten.

Wie bie Nachwahlen zum Parlament so standen auch bie Gerneindcwahlen im Zeichen ber Außenpolitik Die Trennung zwischen den hinter der nationalen Regierung stehenben Par- leien und ber Arbeiterpartei tritt besonders mar­kant in der Rüstungsfrage zutage. Die Opposition verdankt ihre gestrigen großen Erchlge zweifellos zum großen Teil der energischen Pro- paganda, bie die Arbeiterführer mit Unterstützung ber Presse gegendieRüstungspolitikder Regierung getrieben haben.

Daß auch die Regierung den Enthüllungen des Daily Herold" über angebliche geheime Rüstungspläne der Regierung Bedeutung bei- mißt, geht daraus hervor, daß der Kriegsminlster Lord H a i l s h a m sich mit den Vorwürfen, die das Arbeiterblatt erhoben hatte, in einem von ber heu­tigen Morgenpresse veröffentlichten Schreiben aus- einanbersetzt und sie dahin richtigstellt, daß es sich bei den angeführten Rüstungsaufträgen nicht um ein geheimes Rüstungsprogramm, sondern lediglich um laufende Bestellungen für das Heer handele. Trotzdem bleibtDaily Herald" bei seinen Behauptungen, daß bie Admiralität und bie Lei­tung ber Luftstreitkräfte ungeheure 2Iufrüftungs- pläne vorbereiteten.

Der Flottensachoerständige desDaily Tele­graph" bemerkt andererseits, daß die dauernden Erklärungen, wonach die Flotte sehr ver­stärkt werde, durch die Tatsache widerlegt werde, daß bas Programm für den Ersatz veralteter Schiffe erheblich im Rückstände fei. Nicht ein einziger der im März 1933 bewilligten Kreuzer würde im nächsten Jahre vom Stapel laufen, und die 1932 bewilligten seien soeben er st in Auf­trag gegeben worden, während mit dem Bau der in diesem Jahre bewilligten Kreuzer nicht vor Februar oder März begonnen werde. Der diploma­tische Korrespondent des Blattes führt den Sieg ber Sozialisten darauf zurück, daß die Haltung ber Re­gierung gegenüber ber Abrüstungfalsch aus- ?e I e g r werde. Deshalb müsse jetzt Propaganda ür die Regierung getrieben werden.News Chronicle" stellt sich in seinem heutigen Leitartikel voll und ganz hinter bie von Lorb Cecil in Oxford erhobene Forderung, daß bas Element des Privatnutzens bei der Rüstungsin­dustrie vollkommen wegfallen müßte. Das Blatt fordert bie Regierung auf, ben anberen Staaten in dieser Hinsicht mit gutem Beispiel vor­anzugehen.

Auch der Führer der Arbeiterpartei, Sans- bury, erklärte in einer Wahlrede, wir müssen den Willen zum Frieden haben, und wir müssen den Willen haben, andere Nationen so zu be­handeln, wie wir verlangen, daß wir auch behandelt werden. Eine allgemeine Abrüstung ließe sich nach seiner Ansicht jetzt durch Uebereintunft zwischen den Mächten herbeiführen. Die englische Regierung sollte vorangehen, vor allem bannt, daß ber privaten Herstellung von Waffen e in Enbe bereitet werde. Nie­mand sollte aus der Erzeugung von Kriegsmaterial Geld gewinnen. Ferner wünsche die Arbeiterpartei, daß bie Regierung ein Beispiel gebe, in dem sie sich bereit erkläre, den Lustkrieg abzusHaf - sen und eine internationale Kontrolle des zivilen Lustfahrtwesens unterstütze.

Gespannte Lage auf Malta.

London, 1. Noo. (TU.) In Malta hat sich eine neue scharfe Spannung zwischen den englischen Regierungsbehörden und dem Maltesi­schen Nationalministerium des Sir Ugo Missud entwickelt. Die Polizei ist alarmiert Gerüchtweise verlautet, daß auch das Militär angewiesen worden sei, sich bereit zu hallen. Der englische Gouverneur von Malta, General Sir David Campbell, hielt am Dienstag eine Sondersitzung des Voll­zugsausschusses ab, um die Lage zu besprechen. Man glaubt, daß in Malta eine neue poli­tische Krise beoorsieht, da die englischen Be­hörden der einheimischen Regierung vorwerfen, ihre Politik verstoße gegen bie Verfassung Das maltesische Ministerium setzt sich energisch für die Wiebereinfuhr u n g der italienifchen Sprache in den Schulen ein. Aus diesem Grunde und infolge der angeblichen Betätigung italienischer Staatsangehöriger in Matta, tzabcn die englischen Behörden bereits vor einiger Zeit eine Verordnung erlassen, daß Ausländer nur mit besonderer Regierungserlaubnis f i ch am Unterricht beteiligen dürfen. Bereits vor 14 Tagen hatte die Regierung die Abhaltung öffent­licher Versammlungen und Kundgebungen ver­boten.

Der Kampf um denDollar.

Wie werden die Karmcr beruhigt?

Washington, l.Noo. (DTD) In Washing­toner Finanzkreisen aeht die Auffassung über bie Währungspolitik Roosevelt» dahin, daß nicht so sehr eine weitere Senkung be» Dollars, sonbern eine Verhütung ber Steigerung be» Dollarkurfe» beab­sichtigt werbe, um Den Farmern für ihre Rohstoffe, wie Baumwolle und Weizen, auf längere Zeit ben gegenwärtigen Ertrag z u garantieren. Diese Taktik ähnele ber ber britischen Regierung, bie burch ein Ausgleichskonto da» Anziehen des Pfunbkurses verhindere. Man wolle zur Vermeidung einer Dollarsteigerung die Frank»- und Pfundkonten in Pari» und London be­nutzen. Man hoffe, daß die Exporteure, die ja ihrer- seit» Derofttckuungen innerhalb Amerikas abbeckcn mühten. Die Angebote der Reconstruction Finance Torporation annehmea würde».

Mit ber Durchführung dieser WährungsoveratIo­nen sind der Präsident der Refico Jones, Gouver- neur Black von der Bundesreservebehörde und Gouverneur Harrison von der Neuyorker Bun- desreseroebank beauftragt worden. Die so angestrebte Stabilisierung des Dollars auf dem gegenwärtigen niedrigenNiveau wird insbesondere von den Staaten des Mittelwe- sie n s gefordert, wo bekanntlich unter den Farmern starke Unruhe, verbunden mit örtlichen Zusammen- stoßen und Lieferstreiks, herrscht. Die Farmer ver­langen die Festsetzung der Preise für ihre Produkte

in einer Höhe, die die Herstellungskosten deckt und außerdem ihnen einen kleinen Gewinn bringt

Der seit der Amtsübernahme des Präsidenten Roojeoetts bestehende politische Waffen­stillstand wurde plötzlich gebrochen, da b a s re­publikanische nationale Komitee ein Manifest erließ, in dem der Präsident beschuldigt wird, viele seiner Wahloersprechungen einschließlich ber, die sich auf die g e s u n b e W ä h r u n g , die in­ternationale Wirtschastskonferenz. ein ausgegliche­nes Budget und Verringerung der Slaalsausgaden bezogen, verletzt zu haben.

Oie presse im Wahlkampf.

Don Z. H. Wowenes, Führer des Rhei -Main-Derdandes deutscher presse.

Das ©aupreffeamt bittet um Veröffent­lichung des nachstehenden Artikels.

Der bekannte Leitartikeler derDeutschen Allge­meinen Zeitung", Dr. Fritz Klein, hat eine neue Wochenzeitung herausgebracht. In ihrem ersten Leitartikel, der den TitelNeuer Anfang" trägt, schreibt der genannte Herausgeber unter anderem folgendes Bekenntnis: Der Jahrmarkt und die Eitelkeiten der Politik des Zwifchenreiches sind versunken. Die neue Zeit erfordert neue Pflicht . . . DasTagesschrifttum steht in einer Krise. Die alten Aufgaben sind dahin. Der Wille der Nation ist zum Durchbruch gekommen... Soweit Klein. Es wäre nun nicht schwer, ähnliche Feststellungen auch aus der Feder bekanntester Nationalsozialisten zu zitteren, es er­scheint mir jedoch bedeutsam, daß auch nichtnatio­nalsozialistische Feberführer der nunmehr hinter uns liegenden Epoche in der Bezeichnung .Hahr­marktseitelkeiten" eine treffende Charakterisierung geben. Es soll nun hier weder mit der Vergangen­heit gerichtet werden, noch untersucht werden, wieweit die Presse aktiv oder passiv an solcherJahrmarkts­eitelkeit" beteiligt war. Was hinter uns liegt ist abgeschlossen. Das neue Reich liegt in festen Hän­den und der Blick aller muß nach vorn gerichtet werden. Die Presse, welche nicht um ber sittlichen Aufgabe des gedruckten Wortes willen erschien, sondern aus privatpersönlichen ober volksfeindlicher Gesinnung entstand, die ist nicht mehr. Die Presse, welche heute noch erscheint, darf berechtigten Anspruch darauf erhalten, in der Deutschheit ihrer Gesinnung aner­kannt zu fein. Etwaige Ausnahmen würden diese grundsätzliche Feststellung nicht entkräften können.

Wenn ber oben zitierte Schriftleiter nun eine Krise des Tagesschrifttums feststellen zu können meint, bann könnte damit nur die ganz natürliche Krise alles Neugeborenwerdens gemeint fein. Eine Krise des alten Geistes der liberalistifchen Losge- löstheit und Selbherrlichkeit, kurz eine fruchtbare Krise, aus welcher schließlich unserer neuen Zeit der neu Typ der Presse geboren wird. Der Typ, welcher in sich die publizi st Ische Harmonie zwischen nationaler Disziplin und persönlicher, geistiger Initiative ver­körpert. Es ist der Typ, ber zugleich mit bem Durchbruch bes Willens zur Nation" in bas öffent­liche Leben getreten ist. Beinahe würbe ich lieber sagen, baß biefer Typ bes ftaatsoerbunbenen Jour­nalisten mit bemDurchbruch des Willens zur Na­tion" hätte in Erscheinung treten sollen. Denn nicht überall sind alle zur Neugestaltung vorhan­denen publizistischen Möglichkeiten etwa mit der gleichen Anstrengung aufgegriffen worden, wie bie riesenhaften Anstrengungen ber neuen Regierung es oerbient hätten.

Nun will es bas beutsche Schicksal, baß jedem Volks- genossen zum ernftenmal eine entscheibungs- schwere Möglichkeit geaeben worben ist, sich ber Leistungen unserer neuen Regierung würdig zu zeigen. Neben der nattonalsozialisttschen Parteior­ganisation und ihren unmittelbaren publizistischen Möglichkeiten kann nunmehr die gesamte deutsche Presse ihre öffentliche Macht einfetzen zur unüber- heblichen und ernsten üßa^rung ber nationa­len Ehre und zur Ermöglichung eines auch bif kühnsten Erwartungen übertreffenben Ergebnisses bes 12. Novembers. Hier kann sich in diesen bedeutsamen Tagen jede Zeitung mit buchstäblich äußersten Kräften einjetzen, völlig unabhängig von ihrer früheren politi- schen Einstellung und auch ohne in den peinlichen Verdacht konjunkturbedingter Anbiederungsversuche zu geraten. Es geht um Zukünftiges, nicht um Vergangenes. Wer zurückschaut, stolpert. Je stärker dieser ernste Einsatz für das Reich und feine Ehre in Erscheinung tritt, um so stärker kommt bie ntue Verbundenheit von Staat und Presse über gesetzliche Formen hinaus praktisch jum le­bendigen Ausdruck. Je nachdrücklicher dies im gan­zen Volke empfunden wird, um so tiefer wirb das Ansehen und die Vertrauenswürdigkeit zur deut­schen Presse wieder den Platz einnehmen, welcher in Millionen Herzen bisher nur Mißtrauen unj> Schlimmeres eingenommen hatte. Jede Zeit hat bie Presse, bie sie verdient, dieser Satz kann ber Jour­nalistik nur Verpflichtung sein, ber erhabenen Größe unserer Zeit würdig zu werden.

Ich habe vor einigen Tagen vor der in Frank- furt versammelten Amtswalterschaft bes ge­samten Gaues über Pressefragen ausführlich spre­chen dürfen. Die rhein-mainische Presse möge darin den Beweis der verstänisvollen Be­reitschaft zum gemeinsamen Arbeiten sehen. Sie soll die Ueberzeugung gewinnen, daß die nationalsozialistische Bewegung auch im Rhcin- Main-Gebiet zurKampfkameradschaft mit der gesamten hier erscheinenden Presse bereit ist und den Wahlkampf zum 12. November gemeinsam in der aufrichtigen lieber- zcugung führen will, daß keine Möglichkeit der Er­folgsverbesserung in der traurigen Etappe einer un­verantwortlichen Zurückhaltung verbleiben darf. Die Welt wird im Ergebnis des 12. November eine Kraftprobe des getarnten deutschen Lebens sehen, das neue Deutschland wird im Er­gebnis des 12. November eine Prüfung aller nicht nur aufbauwillig erscheinenden, sondern auch aus­baufähigen Kräfte zu sehen haben. Ich glaube daran, daß die im Zeichen der neuen Gesetze geehrte deutsche Presse auch Im Rhein-Main-Gebiet nicht zu leicht befunden, sondern ihren Mann st e h e n wirb. Ich glaube Daran so fest, wie ich von einem Sieg des geeinten Volkes gegenüber einer in Schuld verstrickten Wett überzeugt bin.

Oer Reichsiagsbrandstisterprozeß.

Frau Torgler als Zeugin. Ein weiterer KPO.-Kurier sagt aus.

Berlin, 1. Noo. (WTB.) Zu Beginn der heu­tigen Verhandlung kommt es zu einer erregten Auseinandersetzung. Als Senatspräsident Dr. D u n- ?e r eine, gestern nach der Vernehmung de» Zeugen ebermann gemachte beleidigende Aeußerung des Angeklagten Dimitroff nachttäglich rügt, ergebt sich dieser in wüsten Beschimpfungen, sodaß sein sofortiger Ausschluß von der Sitzung verfügt wird. Wütend schimpfend wird Dimitroff aus bem Saal a b g e f ü lj r t. Der Äriminalaffiftent Spieß, der Torgier in feiner Wohnung verhaften sollte, |agt dann aus, daß Frau Torgler ihm auf die Frage nach ihrem Mann geantwortet habe, daß er sich in der Provinz auf Reisen befinde. Gegen 8 und gegen 10 Uhr fei angerufen worden und zwar von einer Frauenstimme. Frau Torgler habe geantwortet, daß Besuch da sei, bezw. bah noch immer Besuch ba fei unb sie nicht kommen könne.

Torgler erklärte dazu, baß seine Frau sehr wohl habe annehmen können, bah er in ber Pro- vinz aus Reisen sei, da er sich verpflichtet hatte, in dieser Woche vor der Reichstagswahl Versamm­lungen in der Provinz abzuhalten. Der erste An­ruf fei wahrscheinlich von Frau Kühne, ber zweite von ber Frau des Adg Halpcr gekommen.

Der Oberreichsanwalt bezeichnet es als auffallend, dah Torgler nicht selbst seine Gattin an­rief Torgler erwidert, bah er etwa um/»10 Uhr vormittags selbst angerufen unb seiner Frau mit- geteilt habe, baß er sich zur Polizei begebe Der Zeuge Spieß erklärt, bah nur zwei Telefongespräche geführt worben seien und es sei beide Male eine weibliche Stimme gewesen.

Auf die Frage be» Vorsitzen den, ob Frau Torgler aussagen wolle, erklärt sie sich dazu bereit Um 8 Uhr etwa habe Frau kasper angerufen und gefragt, ob ihr Mann (Torgler) da fei. Sie habe verneint. Frau kafper sagte bann:Denke mal. bei mir ist heute in aller Frühe Polizei gewesen". Sie habe geant­wortet: Ich habe auch denselben Besuch." Der zweite Anruf erfolgte etwa um 9 Uhr von Frau kühne. Sie teilte mit, daß bei ihr Poli­zei gewesen sei und Ihren Mann verhaftet hätte. Sie habe gesagt, dah sie jetzt diesen Besuch habe. Frau kühne wollte sich bann mit ihr treffen, ma» sie aber unter fjlntod» auf diesen Besuch

ablehnen muhte. Auf die Frage de» Oberreich»- anroalf», wann Frau Torgler zuerst von dem Reichslagsbrand gehört habe, erklärt die Zeu­gin: Erst am nächsten vormittag. Die weitere Frage, ob ihr 2Hann bei feinem Anruf den Grund angegeben habe, weshalb er bei ft ü b n c übernachtet hätte, beantwortet Frau Torg­ler mit Rein. Es fei oft oorgekommeu. dah er in Berlin übernachtete, wenn e» sehr fpdt ge- worden fei.

Der nächste Zeuge, Kriminalafsistent Hohmann, der den kommunistischen Fraktionssekretär Kühne in seiner Wohnung verhaftete, sagt aus, er habe Kühne in feiner Wohnung in Pankow getroffen und festgenommen. In einem kleinen Zimmer der Woh­nung habe er auch einen Mann getroffen, der ge­rade aus dem Bett aufgestanden war. Auf feine Frage, wer bas fei, habe Frau Kühne geantwortet: Das i ft Besuch! Er habe darauf den Mann nicht weiter behelligt. Auf die Frage de» Vorsitzen­den, ob der Zeuge, wenn er erfahren hätte, daß e» Torgler war, diesen Mann festgenommen hätte, erklärt HohmannNein". Er habe ja nur Befehl gehabt, Kühne festzunehmen.

Journalist Zimmermann macht Bekundun­gen über einZusammentreffen mit Torg­ler in der Straßenbahn kurz vor bem Reichstagsbranb. Bei ber Unterhaltung habe Torg­ler gesagt, es bereite sich allerhanb vor, e» sei bicke Luft. Wenn bas Fanal aufleuchte, würben sich bie Herrschaften in ihre Mauerlöcher verkriechen. Auf bie Frage bes Vorsitzenden, was bei Zeuge unter Fanal verstehe, antwortet ber Zeuge, er habe nicht an ein Feuerzeichen, sonbern an ein Alarm Zeichen gebucht Er sei ähnliche Aus- brücke bei ber KPD. gewöhnt gewesen und kannte auch von Torgler au» seiner politischen Tätigkeit solche drohenden Ausdrücke. Der Zeuge wiederholt solche bem Sinne nach.

Der Vorsitzende ersucht den Angeklagten Torg- l e r, sich zu ber Aussage zu äußern. Torgler: Herr Präsibent, ich habe mich gestern schon gewundert, bah ein Mann wie ßcbermann dem höchsten deut­schen Gericht so hanebüchene Unwahrheiten vor­zusetzen wagt, ich errtäre, daß ich mich wundere, baß ein Mensch, ber Anspruch auf Intelligenz er­bebt, e» wagt, dem höchsten deutschen Gericht ein« solche Ausgeburt ber Phantasie vor-