Ausgabe 
2.11.1933 Drittes Blatt
 
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Oonnerstag, 2. November (953

Lietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)

Nr. 257 Drittes Blatt

Die ersten Winterhilfe-Kartoffeln find da

Ankunft von Kartoffelsendungen, die Bauern für die Winterhilfe in die Großstadt geschickt haben. Auf den bekränzten Wagen sind humorvolle Aufschriften zu lesen.

Oer grüne und der weiße Zettel.

Wie wähle ich am 12. November?

Bei dieser Wahl erhält jeder Wahlberechtigte einen grünen und einen weißen Stimmzettel.

Der grüne Wahlzettel ist für die Bolksab- stimmung und der weiße für die Reichs- tagswahl bestimmt.

Der Wähler hat bei der Volksabstimmung auf dem grünen Stimmzettel in den Kreis unter dem DorgeorutftenI a" fein Kreuz einzufetzen. Der Kreis unterN e i n" bleibt frei.

Auf dem Stimmzettel für die Reichstagswahl wird in den Kreis hinter dem Namen der N a - tionalfozialistifchen Deutschen Arbei­terpartei ein Kreuz eingezeichnet.

Beide Stimmzettel werden in einem Umschlag abgegeben.

S o sehen die Stimmzettel aus, wenn du richtig gewählt hast!

Billigst Du, deutscher Mann, und Du, deutsche Frau, diese Politik Deiner Reichsregierung, und bist Du bereit, sie als den Ausdruck Deiner eigenen Auffassung und Deines eigenen Willens zu erklären und Dich feierlich zu ihr zu bekennend

Nein

Stimmzettel in grüner Farbe

Neichstagswahl

Wahlkreis lllimlmu

Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (HMerbewegung)

Adolf Hitler

Rudolf H e h, Dr. Wilhelm Frick, Hermann Göring, Dr. Joseph Goebbels, Ernst Röhm, R. Walther Darrt, Franz Seldte, Franz von Popen, Alfred Hugenberg.

Hilfe aus, deren Haupt und Ziel Christus ist. Da der neue Staat, wie sein oberster Führer, sich aus­drücklich aus den Boden des positiven Christentums gestellt hat, so ist auch die Tätigkeit des Staates und die der Kirche auf religiösem, sittlichem und charitativen Gebiet nicht mehr wie früher em Nebeneinander oder gar Gegeneinander, sondern ein Miteinander, so wie in dem einzelnen Staatsbürger ein glühendes Deutschtum und ein entschiedenes Christentum nicht zwei auseinander­gehende Seiten sind. Die evangelisch-kirchlichen Frauenvereine sind keineVereine"' im gewöhn­lichen Sinne, sondernOrgan der Kirche und bil­den mit den NS.-Frauenschaften eine Einheitsfront zur Bekämpfung des geistigen Bolschewismus und zur geistigen Wiedergeburt unseres Volkes auf Grund des Christentums. Deshalb kann man sehr gut in beiden Organisationen Mitglied sein. Nur in dem Amt der Führerinnen darf keine Personal­union stattfinden, weil es hier gilt, die ganze Kraft einzufetzen. Die Arbeit der evangelischen Frauen­hilfe mit ihren mehr als 1 Million Mitgliedern ist in ihrer beinahe fünfzigjährigen Tätigtet von dem zuständigen Reichsinnenminister Dr. Frick und der Reichsführerin ber1 NS -Frauenschaft amtlich an­

Tagung des Landesverbandes evang.-kirchlicher Irauenvereine.

EPH. Der Verband, Mitglied desReichsver­bandes der evangelischen Frauenhilfe", veranstaltete vom 22. bis 26. Oktober eine Arbeitstagung der Kreisverbandsoorsitzenden und Ortskührerinnen in seinem ErholungsheimHirschpark" (Alsbach) unter Mitwirkung der Re.chsvorsitzenden, Frau von Oppen (Potsdam), und sodann am 26. Oktober in Darmstadt seine öffentliche Herbstversammlung in den überfüllten Räumen des Rummelbräu. Da­bei sprach der Reichsgeschäftsführer Pg. Lic. Her­rn e n a u aus Potsdam über die Jahreslosung des Reichsoerbandes für das Jahr 1934:V o m W e r k zum Z i e l", wobei der Redner etwa folgendes ausführte:

Das Werk der Frauenhilfe ist bekannt. Es wird aber nur dann zum Ziele führen, wenn das Ziel Christus ist. Deshalb mag alle Wohlfahrtspflege, auch die der Frauenwelt, ebenso gut auch von interkonfessioneller Seite getrieben werden, eoan- geli sche Liebesarbeit aber nur von der evangelischen Kirche und ihrer Frauen­

erkannt und jede Störung durch untergeordnete Organe verboten. Das Hakenkreuz erinnert an das christliche Kreuz, und als Sonnenzeichen erinnert es an die Sonne, von der Paul Gerhardt jubelt:Die Sonne, die mir lachet, ist mein Herr Jesus Christ".

Die eindrucksvollen Worte des Redners wurden durch Oberkirchenrat Zentgraf, der mit dem Präsidenten Dr. Dahlem der Versammlung bei­wohnte, kräftig unterstrichen. In ihrem Schlußwort forderte die Vorsitzende, Frau Professor H e r ä u s , die Anwesenden auf, die Jahreslosung in die Tat umzusetzen.

Nundfunkprogramm

Freitag, 3. November.

6.05 Uhr: Morgenkonzert. 7.15 Uhr: Frühkonzert. 12: Mittagskonzert. 14.40: Der Hausfrau zur Er­holung. 16: Von Leipzig: Nachmittagskonzert. 18: Englischer Sprachunterricht. 18.20:Warum Fami­lienforschung?" 18.35:Die schwarze und die gelbe Gefahr für den Arbeiter in Amerika", Vortrag von

Dipl.-Jng. F. W. Haupt, Frankfurt a. M. 19: Von Berlin: Reichssendung: Stunde der Nation.Revo­lution des Geistes". 20: Griff ins Heute. 20.10: Wer vieles bringt... Bunte Stunde. 21.30: Symphonie in O-Dur von Joseph Haydn. 22.20: Du mußt wissen... 22.45: Unterhaltungsmusik. 23: Nacht­musik.Leicht und heiter". 24 bis 0.45: Vom Schick­sal des deutschen Geistes. Vortrag von Professor Bergsträßer, Heidelberg.

Samstag, 4. November.

6.05 Uhr: Morgenkonzert. 7.15: Frühkonzert. 10.10: Schulfunk:Der obergermanische Limes". Von Otto Rahn. 12: Mittagskonzert. 14.30: Stund« der Jugend. 15.15: Lernt morsen! 16: Nachmittags­konzert. 18. Stimme der Grenze. 18.35: Stegreif­sendung. 19: Reichssendung: Stunde der Nation. Gesang auf dem Rhein. Rheinische Dichtung aus alter und neuer Zeit. 20: Griff in Heute. 20.10: Mit 500 Kw!" Gemeinsamer Bunter Abend der Sendergruppe West. 22.20: Du mußt wissen .. 22.45:1933er Auslese!" Eine bunte Stunde zu, gunsten der Winterhilfe. 24 bis 2: Nachtmusik.

ÖJ.-fport

, FC.Teutonia" Watzenborn-Steinberg

FL. Groß-Karben (Liga) FL.Teutonia" Watzenborn-Steinberg (Liga) 5:3 (2:2).

Das Spiel der beiden Llgamannfchaften begann in flottem Tempo und wurde äußerst fair geführt. Groß-Karben ging zuerst mit 2:0 Toren in Füh­rung, den Teutonen gelang es aber, noch bis zur Pause gleichzuziehen. Groß-Karben erhöhte sodann auf 3:2. Die Freude der Gastgeber dauerte aber nicht lange. Der Ausgleich wurde auch jetzt her- gestellt. Man glaubte schon an einen unentschiede­nen Ausgang des Spieles, als durch ein Mißver­ständnis im Steinberger Schlußtrio ein viertes und kurz vor Schluß gar noch ein fünftes Tor für den Gastgeber fiel. Der Ausgang des Kampfes ent­spricht nicht ganz dem Spielverlauf; ein Unent­schieden wäre als gerechter empfunden worden.

Die zweite Mannschaft des FC.Teutonia" Watzenborn-Steinberg konnte auf eigenem Platz gegen die spielstarke zweite Mannschaft der Spiel­vereinigung 1900 Gießen ein Unentschieden von 3:3 Toren erzielen und damit einen wertvollen Punkt behalten. Zu loben war das eifrige Spiel der Gastgeber. Die Jugenbmannsckaft trat ersatz­geschwächt in Lich gegen die Jugendmannschaft des VfR. Lich an und mußte sich mit einem Unent­schieden von 3 :3 Toren zufriedengeben.

Handball im Gan XII der DT.

Hochelheim I Heuchelheim I 8:3.

Im Spiel der ersten Mannschaft fand sich der Gast zuerst und kam auch zum ersten Erfolg. In der Folgezeit wurde die Mannschaft der Platzbesitzer immer besser und diktierte das Spiel. Die Gäste gefielen in ihrer Spielweife sehr, konnten sich aber im entscheidenden Moment vor dem Tore nicht durchsetzen und verloren zum Schluß recht hoch. Im Spiel der 2. Mannschaften stand der Sieg der Ein­heimischen nie in Frage und wurde nach über­legenem Spiel errungen. Ergebnis' 8:1.

Launsbach Wißmar 6:7 (5:1).

In diesem Lokaltreffen ging es hart auf hart, ohne daß jedoch die Grenzen des Erlaubten über­schritten wurden. Der Kamps verlies dramatisch und sah zunächst die Launsbacher als die Besseren. Die Mannschaft holte auch bis zur Pause ein Torver­hältnis von 5:1 heraus. Nach dem Wechsel war Wißmar wie umgewandelt und setzte Angriff auf Angriff auf das Tor der Launsbacher. Das Be­mühen war nicht ohne Erfolg. Wißmar erzielte sogar den Ausgleich. Nachdem beide Mannschaften noch je einen Treffer erzielt hatten und das Spiel remis stand, fetzte ein scharfer Kampf um den Sieg ein, den Wißmar kurz vor Schluß durch ein wei­teres Tor sicherstellen konnte.

Gerätemannschastskampf in Waldgirmes.

To. wiefeck Tv. Burgsolms Tv. Waldgirmes.

In Anwesenheit des Gauoberturnwarts Paul (Gießen) und des Kreissührers D a u p e r t (Wie- seck) sand am Samstag in Waldgirmes ein Geräte- mannfchaftskampf Wiefeck Burgsolms Wald­girmes statt. Sieger wurde die Mannschaft des Ver­

anstalters vor Wiefeck und Burgsolms. Die Mann­schaft des Siegers wies keinen Versager auf, wäh­rend Wiefeck mitunter von starkem Pech verfolgt war und mit 6 Punkten gegenüber Waldgirmes in Rückstand kam.

Gau XIII mahnt...

Lin ernstes wort an Vereine, Schiedsrichter und Spieler.

Der Gau-Sportführer und der Gau-Fußballfach- wart im Gau XIII (Südweft) weifen in einer Mah­nung an alle Vereine, Schiedsrichter und Spieler darauf hin, daß vielfach noch Spiele ausgetragen würden, die in ihrer Art und Weife nicht dem Geist der neuen Zeit entsprechen wür­den. Es dürften unter keinen Umständen mehr dis Grenzen überschritten werden, die mit dem Begriff des anständigen Spiels verbunden find. Die Schieds­richter werden darauf hingewiesen, daß sie mit aller Strenge gefährliche Spielweife zu unterbinden und rücksichtslos die Uebeltäter vom Spielfeld zu ent­fernen haben. Alle Schiedsrichter, die durch unan« gebrachte Nachsicht den Sport und fein Ansehen schädigen, sollen von der Schiedsrichterliste gestrichen werden.

Oie hessischen Tennis-Ranglisten.

Die Tennis-Ranglisten 1933 für das Gebiet des ftüheren Bezirks IX (Hessen/Hessen-Nassau) im Deut- schen Tennis-Bund haben folgendes Aussehen:

Herren: 1. Tüscher-Kassel, 2. Gosewich-Frank- furt, 3.4. Erwen-Frankfurt, Henke-Frankfurt, 5.7. Hamel-Hanau, Kleinlogel-Darmstadt, Sig- wart-Frankfurt, 8.10. Bäumer-Frankfurt, Halber- stadt-Frankfurt, Hillmer-Kassel, 11.13. Dohnal- Frankfurt, Endriß-Darmstadt, Schultze-Hanau, 14. bis 27. Berkow-Kronberg, Biermann-Frankfurt, Donner-Frankfurt, Gauthier-Hanau, Groß-Kassel, v. Knoop-Wiesbaden, Mack-Kreuznach, Ohl-Wies­baden, Reinhart-Wiesbaden, Scheel-Kassel, Stipan- ski-Kassel, Weber-Frankfurt-Höchst, Werner-Darm­stadt, Zimmer-Kreuznach. Nicht klassifiziert: Claas, Dr. Landmann.

Damen: 1. Frl. Horn-Wiesbaden, 2. Frl. Men­ges-Frankfurt, 3. Fr. Hoefch-Frankfurt, 4.-8. Frl. Hamel-Hanau, Fr. Heß-Wiesbaden, Frl. Sauen» ftein-Bad Homburg, Frl. A. Lefeldt-Frankfurt, Frl. E. Lefeldt-Frankfurt, 9.15. Frl. Arnoldt-Hanau, Fr. Barchfeldt-Kaffel, Frl. Hennerich-Wiesbaden, Frl. Kuhlmann-Kaffel, Fr. Ratazzi-Frankfurt, Frl. Reifner-Kreuznach, Fr. o. Vincke-Wiesbaden. Nicht klassifiziert: Fr. Binder, Frl. Zint.

Neuer Weltrekord von Jsmayr.

Im Rahmen der Winterhilfe-Veranftallung der Kraftsportler in München im ausverkausten Zirkus Krone stellte der deutsche Olympiasieger im Ge­wichtheben, Rudolf Ismayr, einen neuen Welt­rekord auf. Jsmayr verbesserte im beidarmigen Stoßen den bisherigen Weltrekord des Egypters Arafa von 143 auf 144,15 Kilo. Der Veranstaltung wohnten zahlreiche Vertreter der Behörden bei. Innenminister Wagner als Protektor erhielt nach einer kurzen Ansprache einen Rosenstrauß, den er später Jsmayr unter dem Jubel des vollen Hauses für feine grandiose Leistung überreichte.

Sie neue deutsche HanddaWeiordnung.

Angleichung an internationale Regeln.

Es sind zwar streng genommen keineneuen" Handballregeln, vielmehr sind jetzt die deutschen Regeln den internationalen allgemein angepaßt worden. In der neuen deutschen Hand­ballspielordnung, die voraussichtlich am 1. Dezember in Kraft tritt, sind aller­dings die neuen Bestimmungen als Regelände­rungen aufgeführt. Das kommt daher, daß die bisherigen Einheitsregeln der Deutschen Turner­schaft gegenüber den Regelbestimmungen der Deut­schen Sportbehörde, die gleichzeitig mitbestimmend für die Fassung der internationalen Regeln ist, ge­ringe Abweichungen enthalten. Nach der Einigung im deutschen Handballsport war es eigentlich eine Selbstverständlichkeit, daß nur nacheiner" Regel gespielt wird.

Die wenigen Aenderungen sind immerhin von ziemlicher Bedeutung und am wichtigsten sind wohl die, die sich auf die Vorgänge im Spiele selbst beziehen.

So bleiben Fangfehler jetzt straffrei.

Das sofortige Zufafsen und Ueberführen des Balles mit der einen Hand in die andere ist also e r - I a u b t. Sperren war schon in der alten Fassung der Regel erlaubt, jetzt wird aber bestimmt, daß auch das Ausbreiten der Hände beim Sperren kein Grund für den Schiedsrichtereingriff ist. Heber- Haupt wird der Spielcharakter härter werden. Bei den Frauen darf jetzt der Ball auchaus-der-Haird-gefpielt" werden. Aber der be­wußten Unfairneß ist eine Schranke gesetzt; bestraft wird jetzt das Anrennen und Anspringen, im Ge­gensatz zu früher, wo es nur bann verboten war, wenn es in cf? f ä h r l i ch e r Weise geschah.

Der Torraum hat gerade beim Handballspiel eine besondere Bedeutung. Klarstellungen nach die­ser Hinsicht sind also begrüßenswert

Der Torraum ist jetzt schon betreten, wenn auch nur der Teil eines Fußes auf die Torraumlinie kommt.

Andererseits darf der Torwart den Torraum mit dem Ball in der Hand nicht mehr verlassen; gibt er den Ball vorher ab, so bekommt er die Stellung jedes anderen Spielers. Bleibt der Ball, von den Verteidigern zuletzt berührt, im Torraum liegen, jo wird im Gegensatz zu früher das Spiel nicht mehr unterbrochen, sondern geht weiter. Einen 13- Meier-Strafwurf, der nicht mehr innerhalb von drei Sekunden ausgeführt zu werden braucht, gibt es u a. dann, wenn der fe[t gefaxte Ball von einem Spieler der verteidigenden Mannschaft bewußt n den Torraum geworfen wird. Beim Freiwurf darf der Werfer nicht behindert und der Ball nach jeder Richtung gespielt werden.

Zum Schluß noch zwei Erläuterungen in techni­scher Beziehung. Die A b f e i t s r e g e l wurde bis­her recht unterschiedlich ausgelegt. Nun wird hier­zu folgende grundsätzliche Feststellung getroffen:

Lin Spieler, ber mit dem Ball in den Abseits- raum lauft, Fann niemals abseits sein. Also ist er nur bann abseits, wenn et sich ohne Lall im Abseitsraum befindet und bas wird ausdrück­lich feffgelegt in dieser Stellung ins Spiet eingreift.

Er muß also einen Gegner hindern oder gar den Ball in dieser Stellung spielen. Auch der technische BegriffAus d e m S t a n d" wird endlich genau festgelegt. Den Ballaus-dem-Stand-spielen" heißt, ihn ohne Ab- oder Anlauf und ohne Sprung zu spielen. Das Heben der Füße ist ebenso erlaubt wie ber Schrittwechsel ober Stanb auf einem Fuß beim Abwurf.

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