Ausgabe 
2.8.1933 Erstes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

Äs ."»«iSy «on"n »i 'fr wt ^olkswut (FiM^f,hqQUPr 1 auch naA^mft ? in ifl® hin *&.* ÄZ"b-" t ^'N8°uer7."°"8e. ' gehängt ,Messer. 1 die unrüL.^n'7 aasten. 2)ie q15 ^n- n-nente Ä; Wer wuÄny<ittn « 31.$$» .??* Sfl: lnb f,e sich Shch^L° 20 Se. °Men ^yBeren ne$«

Sepa2 T^luhrt. ,t: »Wir sind di?A^

Bürgermeister M gewählt.

^u9. 3n der Sfohhur .^bend mürbe Tb:

>e Tagesordnung wurde an trog der NLLAP i-nommen, in dem Reiche «Ptenger das Ehren, erurjcl verliehen wurde.

tn, einen Teil der Mg. 9 einzelner Abteilungen 1 letzen, sondern habe in lähig Feierschichten ringe- habe kaum Möglichkeiten, schassen. Immerhin h<ü>e n Jahres etwa 503 Mann elfe Absatz liege im neuen »er dem des Vorjahres, lenk darüber. Der Haue- letjten Zeit infolge der lanöcs etwas jurüdge« !bnis liege öcshaL bis» rjahr. Sie Verwaltung sabsoH im ganzen ont» Da Tvrsiand und *1»V usene GesWtsjahr aus ihrer vertragsmäßigen v, wurde beschlossen, die ersparte Summe mit dem 50)0 Mk. als freiwillige ing der nationalen Arbeit

bölsekaiimbehauptet l.Aug. Die AbenWrse illem Geschäst, zumal die andsbörsen nicht dazu an» rnehmungslusi zu beleben z gegen berliner Echlusi sie etwas unter Mittags' »rlause neigten die Kurse mche und die Al gemem» kt waren deutsche An nbcrt, späte WM*

zu 78,65 Prozent ge- onds gaben nunmehr auch von h-ute mittag 50 Prozent notiert U. a. Mit 1113, Altbesih77A

180, $)olimann 52, &e

Geld

E B

»a

Aranksvrt a.M.

"i bäugufl

58.67 62,47 14-W 16, 169,86 22-'Z 70,35

72-$

8L$

34,83

72,29 81,38 34^

46,95

12,42

"g

« I itTT ,05 ,44

,053

1,77

J.41

2,61

2,32 4,02 1,932 1,033

18,62 12,18 6,46

11,33 15,04

11,73

>,866

1,236

>,20 12,73

knoten-

Nr. 178 Erster Blatt

185. Jahrgang

Mittwoch, 2. August 1955

Erscheine tägltd), auh« Sonntags und Feiertag» Beilagen; Die Illustriert« (Lietzener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle

Monat,-Bezvgrpretr:

Mit 4 Beilagen RM. 1.95 Ohne Illustrierte . 1.80 Zustellgebühr . . -.25

uch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt, ljernsprechuinschlüsse

antet Sammelnummer 2251 Anschrift für Drahtnach­richten Anzeiger Giehen.

Postscheckkonto:

Frankfurt am Main 11686.

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

vnirk tinö Verlag: Vrühl'sche Untverstlälr-vuch- und Steinöruderel R. Lange in Stehen. Schriftlettung und Geschäftrftelle: Schulftrahe 7.

Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher.

Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Re­klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Rerchspfennig, Platzvorschrift 20 , mehr.

Chefredakteur

Dr. Fnedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr H.THyrrot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein undfür denAn- zeigenteil i. D. TH.Kümmel sämtlich in (Biegen.

Oie Soldaten der Rachiwache.

Don Waldemar Bonsels.

Rembrandts, des großen niederdeutschen Malers Nachtwache", das ewige Bild der aus der Dunkel- heit in den Morgen aufbrechenden gewappneten Männer, liegt vor mir. Die großen Meisterwerke der Menschheitsgeschichte haben, weit über ihre Gestalt gewordene Wahrheit prophetisch ist and immer wieder wird die Weltenstunde schlagen, in der die verkündende Allmacht ihrer Bedeutung zum Sinn- bild des Gegenwärtigen wird. In der für uns über- sehbaren Spanne der Weltgeschichte ändern sich das Wesen und die Menschen und seine Schicksale nicht.

Die Männer des Bildes treten, vom hereinbre­chenden Morgenlicht noch ungewiß angeleuchtet, aus der Finsternis des nächtlichen Hintergrundes her- vor, die Führer und ihr Gefolge. Mit einer nie- mals aussprechbaren Verschmelzung von Entschloß senheit und Melancholie werden herrischer Wille zur Wehr, Kraft, Glaube und Schicksal in diesen Ge- Italien offenbar. Wer zu schauen vermag, erlebt in dieser Darstellung sein menschliches Eigen-Schicksal und das Schicksal der echten Gemeinschaft, im Ho­heitszeichen des Aufbruchs aus der Nacht.

Eine Standarte wird gehalten, der Fall des Tuchs vom hoch vorgereckten Mast her überschattet und überlichtet zugleich den Trupp dieser Vielge­staltigen. An der Spitze der dunklen Fahne fun­kelt Der Morgen in den Farben des Ausstands, als glitte von oben her ein Lichtstrahl an ihr nie­der, und wunderbar entfaltet dieser Glanz das Ge­ben in den Angesichtern der Vordrängenden, vom Führer über den Trommler hin bis zum Tier. Es fehlt kein Zug der menschlichen Beschaffenheit und Ergriffenheit in den Gesichtern, kein Anhauch des Seelischen vom höchsten Glauben bis zur Not des Zweiflers, von kecker Herausforderung bis zur wei- fen Bedachtheit. Aber der gefaßte Wille zu Tat, Kampf und Bestand strömt mit allen aus der finkenden Dunkelheit in die hereinbrechende Helligkeit, und über jedes Ermessen hinaus blüht das schwermütige Geheimnis auf, als bräche das einfallende Licht nicht von außen her auf die Ge­stalten, sonb°rn aus den Seelen und Stirnen her­vor.

Dieses Meisterwerk der Kunst ist mir in immer mehr verstärkter Inbrunst zum Sinnbild der Ge­stalten geworden, die heute im Aufbruch aus der Nacht der deutschen Verschüttung führend in einen neuen Morgen ausgebrochen sind. Keines der dargetanen inneren Gesichter, das fehlte, keine Haltung, die nicht deutlich und deutbar Ge­stalt würde, das S ch i ck f a l g e b u n d e n e der Berufenen zwischen Licht und Finsternis wird deutlich in der heimlichen Sturmgewißheit der Not, der Widersacher, des endlichen Triumphs.

Ich möchte, man verstände den hohen Geist die­ses Bildwerks als gegenwärtigen Zustand der Männer, die um Deutschland kämpfen. Ich suche keine engpolitische Ausdeutung und über­sehe weder Fehler noch Mißgriffe im Tal der Aus­wirkung, sondern ich sehe den Widerschein des rei­nen Willens, eine Aufklärung der seelischen Zustände, als seien sie schon Geschichte, und .ehe die historische Bedeutsamkeit als eine helle Fackel der Hoffnung. Es ist nicht unseres Amtes, die Ele­mente von Mein und Dein, von Politik und Wirt­schaft in das Erschaute einzubeziehen, das unsere Zustimmung und unseren Glauben heroorruft.

Heute begreift man, daß in Deutschland nicht eine Partei den Triumph ihrer engen Inter- essengemeinschaft festigt, sondern daß tief aus den Wesensgründen eines geknechteten und verstoßenen Volkes derWillezu Frei!) eit. Würde und Unabhängigkeit aufflammt. Was solch ein Wille mit sich bringt, soll unser Schicksal sein Aber das für die Welt und für viele Deutsche noch Unverständliche ist die religiöse Tatsache, daß diese Umgestaltung sich nicht von außen nach in­nen, sondern von innen nach außen vollzogen hat.

Man täusche sich nicht, diese Regie­rung ist auch durch fremd st aatliche Ungunst nicht zu stürzen, ohne daß Deutschland mit stürzt. Ich will das Chaos nicht ausmalen, das unser Vaterland bis in die Grundfesten zerstörte, wenn es nach einem dunklen Schicksalsbescbluß geschähe. Wer heute über Miß­gunst ober Mißstand klagt, hätte nicht einmal mehr dazu Gelegenheit. Nur der opferbereite und zustimmende Willenszusammenschluß wird die Gemüter zu einem freien Staatsbürger- tum aufrichten. Seit dem großen Krieg, dessen Hel­den in unseren Tagen auserstanden sind, und längst vor ihm, ist der Versuch eines Aufbaus von außen nach innen gemacht worden. Der Weltkrieg und seine Folgezeit reden eine furchtbare Sprache. Es geht nur von innen nach außen, das ist wesentlich der erhebende und erschütternde Tatvorgang, in dem wir, noch zwischen Tag und Nacht gestellt, ringen.

Die Gemeinsamkeit der deutschen Menschen zu einheitlich zusammengeschlossener Wirkung um des Reiches willen ist durch die Auf­lösung der Parteien nicht beeinträchtigt, sondern auf neuer Grundlage gewährleistet. Was über Machtgelüste der Zurückgetretenen hin­aus Liebe zu Deutschland gewesen ist, kann nicht ausgeschaltet sein. Daß die Kirche aus der Politik verdrängt worden ist, bedeutet, groß und völker- geschichtlich gesehen, keinen Eingriff in die Inter­essengemeinschaft einer Partei, sondern die Befrei­ung und Säuberung der Kirche von weltlichen Interessen. Wenn Hegel sagt, er könne sich sehr wohl einen moralischen Politiker, keinesfalls aber einen politischen Moralisten denken, so trifft das Wort des großen deutschen Denkers dieses Problem, tief im Bewußtsein aller wahrhaft religiösen Men­schen, zu aufstrahlender Klarheit mitten ins Herz.

folgschaft hinaus aufstrahlt: AdolfHitlerwird von.Deutschland geliebt!

Irre ich mich, wie es menschlich ist, auf den un­gewissen Pfaden von Einsicht und Urteil, hierin irre ich mich nicht. Ist aber Wahrheit in diesem Glauben, so ist der Ausbruch der Soldaten der Nachtwache die Schicksals st unde des deutschen Volkes gewesen, und im Herzen der Bewegung waltet Gott.

Und um ein Wort über Adolf Hitler selbst zu sagen. Sein grober und mutiger Weg ist der Welt bekannt, lieber ein Meer von Anfeindung und Ver- dächtigung wuchs sein Bild langsam in die Hoch­ebene der Anerkennung empor, die sich zu Be­wunderung seiner Persönlichkeit steigerte. Aber jetzt ist, trotz des harten Kampfes und einer umgebenden Welt von Widersachern, etwas ganz anderes einge­treten, das weit über die Grenzen feiner ersten Ge-

Äfler»räfibent Göindös über seine politit Erneutes Bekenntnis zur Forderung der Revision des Friedensdiktats und zur vollen Gleichberechtigung.

Budapest, 1. 2Iug. (WTD.) Ministerprä­sident Gömbös sprach heute abend im Rund­funk über seine nunmehr zehn Monate währende Rcgierungstätigkeit. Sowohl auf außenpoliti­schem, wie innenpolitischem, wie schließlich auch auf wirtschaftlichem Gebiet seien seine Bemühun­gen von Erfolg begleitet gewesen.

Das ungarische Problem fei in den Vorder­grund der europäischen Fragen getreten. Auf dem vom Grafen Veth len unb Grafen fta- r 0 Iyi eingeschlagenen Dege roanbclnb sei die ungarische Ration dazu gelangt, daß sie nicht mehr ein verbanntes, unbedeutendes und nicht der Beobachtung wertes Mitglied des europäi­schen Konzerts sei. sondern ein gewichtiger Fak­tor der europäischen Politik.

Seine Freundschaft werde auch von den mäch­tigsten Rationen Europas gewertet. Die wieder­holten Reisen nach Rom, Berlin und Wien hätten nicht nur wertvolle wirtschaft­liche Berbindungen für den Absatz der Produkte der ungarischen Arbeit gebracht, son­dern auch wertvolleStühpunktefür die Außenpolitik des Landes. Die Forderung nach Gerechtigkeit für Ungarn klinge immer kräftiger und häufiger in der öffentlichen Meinung der großen westeuropäischen Rationen.

Das Ziel der ungarischen Außenpolitik bleibe für absehbare Zeit, solange die an Ungarn be­gangene historische Ungerechtigkeit nicht gut­gemacht werde, die Abschaffung dieser Ungerech­tigkeit, die Gleichberechtigung und die Revision.

Die ungarische Nation stehe in dieser Frage nicht allein, sie wisse mächtige Mithel-

fer an ihrer Seite. Die welthistorische Rolle, die Mussolini in den Bemühungen um die Schaf­fung des europäischen Friedens spielt, so führte der Redner aus, wird nicht nur von der Geschichte ge­würdigt werden, sondern sie findet ihre Würdigung schon bei den Zeitgenossen. Die Ungarn können nur ft 0 l 3 darauf sein, daß sie Italiens Mit­arbeiter bei diesem grandiosen geschichtlichen Werk fein können. Das innige und vertrauensvolle Verhältnis zu Oesterreich, welches wir schaffen konn­ten, und defsen heilsame Ergebnisse sowohl auf wirt­schaftlichem wie auf politischem Gebiet bereits so offenkundig in die Erscheinung treten, beabsichtige ich in der Folgezeit noch zu vertiefen. Diese beiden Länder Mitteleuropas, die eine große Vergangen­heit und ein gemeinsames Schicksal haben, werden damit tatsächlich zu jenem Faktor gemacht werden, der ihnen ihre geographische und ethnographische Schlüsselstellung sichert.

3n diesem Bestreben verlieren wir jedoch auch jene großen Interessen nicht aus dem Auge, die uns an Deutschland knüpfen und die uns oorschreiben, daß wir auch mit diesem mäch­tigen Reich die Zusammenarbeit besonders auf wirtschaftlichem Gebiete hegen und pflegen.

Diese außenpolitische Zielsetzung braucht uns nicht im geringsten daran zu hindern, unser_Verhältnis auch zu den übrigen Nachbarn, den Staaten der Kleinen Entente, im Zeichen des Friedens, des Verständnisses und der gegenseitigen Achtung der Interessen zu regeln. Die Vorbedingung dieser Regelung ist jedoch, daß die volle nationale Gleichberechtigung Ungarns restlos anerkannt wirb.

Korruption beim Rundfunk aufgedeckt.

Oie ersten Ergebniffe der Sichtung in Leipzig.

Berlin, 1. Aug. (ERB.) 3n der Reichs- rundf unkgesellschaf t wurden wegen der zum Teil übermäßig hohen Gehälter der bisherigen Abteilungsleiter, sowie wegen der fachlichen älngeeignetheit und politischen Llnzu- verlässigkeit auf Grund des Derufsbeamtengesetzes zahlreiche l e i t e n d e A n g e st e l l t e heute frist- los entlassen. Don den leitenden Angestell­ten wurden Ministerialrat G i e s e ck e, Inten­dant Christean, Oberregierungsrat a. D- Dr. Carstensen, Dr. Duske, Dr. Mueller, Dr. Walter B 0 g e l s a n g entlassen. Die von der Kündigung .Betroffenen erhalten noch für drei Monate ihre Bezüge; die zum Teil noch mehrere Jahre laufenden Derträge werden damit hinfällig. Soweit an die Betroffenen schon über

die gesetzmäßige Frist Beträge gezahlt worden sind, müssen die zuviel gezahlten Beträge zurück- gezahlt werden. Die Größen des früheren Sy­stems, besonders Dr. Magnus, der einstige Di­rektor der Reichsrundfunkgesellschaft; Dr. Flesch, der frühere Direktor der Berliner Funkstunde; und Alfred Braun werden also zur Rechenschaft gezogen. Im Berliner Funkhaus werden gegen eine Million Mark eingespart werden.

3m Anschluß an diesen Abbau ist es gelungen, in dem Zimmer eines bisherigen Direktors ein Geheimfach zu entdecken, in dem außerordent­lich wichtiges belastendes Material für die kor­rupte Geschäftsführung des alten System-Rundfunks und seines Direktors Dr. Magnus gefunden wurde. Dr. Magnus,

der schon in Zusammenhang mit der Knöpke- Affäre des öfteren genannt wurde, ist schon nach flüchtiger Lieberprüfung des gefundenen Mate­rials als auf das schwerste belastet anzu­sehen. Sobald die Sichtung des umfangreichen Materials abgeschlossen ist, wird die Oefscntlich- keil eingehend über diefe neueste sensationelle Korruptionsaffäre im deutschen Rundfunk unter­richtet werden.

Korruptions-Einzelheiten aus Leipzig.

Berlin, l.Aug. (TU.) Schon das bisher vorliegende Material läßt auf eine unverant­wortliche Geschäftsführung der Reichsrundsunk- gesellschaft, der Dachgesellschaft der Deutschen Rundfunkgesellschaften schließen Dr. Magnus ist ebenso wie sein soeben entlassener einstiger Mitdirektor, Ministerialrat a. D. G i e s c ck e. voll verantwortlich für die Berwirtschaftung öffent­licher Gelder bei den einzelnen Sendegesellschaf- ten und für die Duldung von persönlichen geschäftlichen D 0 r t e i l c n, die sich die leitenden Angestellten in kaufmännischen ilntcr- nehmungen innerhalb und außerhalb ihrer eigent­lichen Geschäftsbereiche mit großer Routine zu verschaffen verstanden. Für diese Behauptung liegen schlagende Beweise in dem soeben abge­schlossenen Äntersuchungsmaterial des Mittel­deutschen Rundfunks (Mirag, Leipzig) vor.

So wurde die geradezu ungeheuerliche Tatsache von den Berliner verantwortlichen Stellen entdeckt, daß

die leitenden Angestellten der Mirag in eine Lebensversicherung eingekauft waren, deren Prämienkosten zur hülste die Gesellschaft trug.

Auf diese Weise waren von den jetzt entlassenen Leitern der Mirag der Intendant Professor Dr. N e u b e ck, fein kaufmännischer Direktor Kolk unb Dr. Jäger mit je 50 000 Mark, ein vierter leiten­der Angestellter mit 30 000 Mark unb ber Prokurist Raebel mit 20 000 Mark versichert. Natürlich gal­ten diese Lebensversicherungen, bie aus Kosten ber Gesellschaft abgeschlossen mürben, nur für leitenbe Angestellte. Bei dieser Art ber einseitigen Geschäfts- rnacherei enthüllt sich mit zynischer Offenheit ber Mangel an sozialem Verständnis den mittleren und kleineren Angestellten gegenüber.

Man könnte sich fragen, wie es möglich war, baß dieses korrupte Verhalten ber leitenden Herren ber Mirag von ben verantwortlichen Berliner Stellen nicht verhinbert würbe. Die Antwort ist klar, wenn man erfährt, daß sich

dec frühere Direktor der Reichs-Rundfunk­gesellschaft Dr. Magnus und Ministerialrat G i e f e ck e sowie der ehemalige Rundfunkkom­missar Staatssekretär Dr. Bredow als Auf­sichtsratsmitglied der Mirag auf Kosten dieser Gesellschaft in einer kollektiven Unfallversiche- rung haben versichern lassen, obwohl sie gar nicht in Leipzig, sondern in Berlin wohnten.

Rur so war es auch möglich, daß die Mirag im 3ahre 1932 ihrem einstigen kaufmännischen Direktor Dr. Jäger zur Bezahlung einer Steuer st rase ein Darlehen von 38000 Mark gewähren konnte.

Aber auch sonst verstanden es die leitenden Angestellten der Mirag, sich auf Kosten der Gesellichast mit den Hörergeldern reichlich Son­dervorteile zu verschaffen. Dies geschah u. a. auf Konto Repräsentationsspesen, woraus von den beiden Geschäftsführern Professor Reubeck und Dr. Kohl erhebliche Summen für die Bewirtung von Geschäftsfreunden und Künstlern liquidiert wurden. Als typische Beispiele unter Hunderten ähnlicher Posten seien aus den letzten drei Jah­ren folgende Repräsentationsausgaben bezeichnet: 3. Januar 1930 Teilnahme an einer Silvesterfeier imKaiserhof" 288 Mk., 17. Januar 1930 Teil­nahme an einer Künstler-Redoute 270 Mk., 21. Januar 1930 Essen mit dem Rundfunktenor Baumann 200 Mk., 10. Dezember 1930 Teilnahme am Funkball 310 Mk., 4. März 1930 Essen mit Dr. Magnus und Ministerialrat Giesecke 132 Mk., 15. April 1930 Essen mit Staatssekretär Bredow (8 Personen) 590 Mk., 14. Juni 1930 Essen im Kurrestaurant Bad Lauchstädt 1000 Mk., 22. Ok­tober 1930 Rechnung Stadtküche Leipzig 1000 Mk.

Lin besonderes Kapitel bei der Mirag sind ferner die sog. Reiseliguidationen und Fahrt- auslagen. Die Ausnutzung dieser Konten ge­schah jahrelang in einer Form, die für die Herren Dr. Kohl und Reubeck ganz zweifellos zusätzliches Einkommen bedeutete.

Verausgabt wurden für dienstliche Reisen 1930: 48 678 RM., 1931: 46 351 RM 1932: 20 211 RM. Es war keine Seltenheit, baß Professor Reubeck unb Dr. Kohl in einem einzigen Fall allein an Tagegeldern über 1000 RM. liquidierten. Eine Nachprüfung des Kontos Reisekosten aus bem Jahre 1930 läßt gleichzeitig erkennen, daß Professor Neubeck höchstens zehn Tage in Leipzig anwesend war, was sich naturgemäß für ben ganzen Geschäftsbetrieb ungünstig auswirken mußte. Es handelt sich um eine Berwirtschaftung öffentlicher Gelder in geradezu groteskem Ausmaße.

Mit den Reisekosten wurden auch sehr häufig R c > Präsentationskosten sehr großen Umfangs verbunden. Ein typisches Beispiel hierfür sind bie sog.oolkskunblichen" Reisen mit den Mitgliedern des Kulturbeirats.

Allen diesen Reisen gemeinsam war der Um­stand, daß die Teilnehmer auf kosten der Gesellschaft verpflegt und beherbergt wurden, trotzdem sie außer allen Fahrt- und sonstigen