Ausgabe 
2.6.1933 Frühausgabe
 
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Passau und sein deutschböhmisches Vorland.

Zur pfingsttagung des VOA.

-13on Krih Heinz JReimcfdy.

Tin widriges Geschick steht über der diesjährigen Pfingsttagung des Vereins für das Deutschtum im Ausland, der in Klagenfurt tagen wollte, nun aber in der alt berühmten Dreiftrom » habt Passau zusammentommen wird. Die Ge­danken der Teilnehmer werden jetzt nicht so aus» schließlich auf die bedrohte und kampsgewohnte Süd- mark Grobdeutschlands gerichtet fein, gaiu unwill­kürlich werden sich die Blicke zum nahen Bayerisch- Löhmischen Walde lenken, in dem dies- und jenseits der Reichsarenzen Deutsche bayerischen Stammes ganz ebenso wie in der Südmark hart um ihren wirt,chaftlichen und völkischen Bestand zu ringen haben. Die Gefahren innerhalb des Reichsgebietes zu bannen, ist Aufgabe der Reichs» und Staatsbehör­den. Da das Land, als nach ft er und eng st er Heimatbezirk unseres Kanzlers und Führers, feine Röte dem Lenker der Reichspoli­tik sicher in beredter Weife wird verdolmetschen kön­nen, so sei an dieser Stelle von den wirtschaftlichen Gefahren im Dayerifchwald nicht gesprochen. Arbeit des ADA. ist es stets gewesen, die deutsche Not jen­seits dertGrenzen zu erforschen und die Wege aus­findig zu machen, aus denen Hilfe gebracht werden kann.

Was bedeutet der deutsche Böhmerwaldgau für das Gesamtdeutschtum? Er ist ein wehrhaftes Grenz» land gegen das Slaoentum gewesen und ist es auch heute noch. Gewaltige Schlösser sperren das Wald- land gegen Innerböhmen ab. An der Moldau erhebt sich großartig in fürstlicher Pracht Schloß Krumau. Schloß und Stadt wurden von den Witigonen ge­gründet, die sich auch die Rosenberge nach ihrem Schloß Rosenberg nennen. Sie waren die Führer in der Wiedergewinnung und Rückdeutschuna des Böh- merwaldes, ähnlich wie die Cillier Grafen in der Südsteiermark, die Auersperae in Krain und die Güssinger Heinde im Burgenland.

Die einst wehrhafte Stadt P r a ch a t i tz riegelte die Salzstraße von Passau ab und schützte denGol­denen Stea" gegen Räuber und Wegelagerer. Jen­seits des Urwaldes Kubany steht Schloß und Stadt Winterberg ein bayerischer Graf Bogen gründete sie im 12. Jahrhundert; und wenn wir bis ins Fichtelgebirge hinein die meist doppelte Kette der Burgen verfolgen: es waren stets bajuoarische oder fränkische Ritter, die sie gründeten, um der sich im 13. Jahrhundert nach dem Innern Böhmens ver­schiebenden deutschen Volksgrenze militärischen Schutz zu gewähren. Wo sind heute die Grenzen deutscher Macht, wo die Dolkstumsgrenzen?

Der deutsche Bauer und Bürger steht heute noch fast genau dort, wo er vor 8 Jahrhunderten Posten gefaßt bat. Zwar war er in den zwei Jahrhunderten Der Hufsiten-Herrschaft in Böhmen unterdrückt, aber der alte Schützengraben des Deutschtums vom Jahre 1250 steht auch heute noch und ist gefüllt mit sehr lebendigen und tapferen Soldaten. Das Tragische an dieser, wie so mancher anderen Volksdeutschen Front ist aber, daß die Etappe vom Hinterland gar nicht zu reden meint, die Front sei zermürbt und deswegen glaubt, eine neue Linie aufrichten zu müssen, die mit der Staatsgrenze zusammenfällt, statt die wirkliche Grenze mit allen Mitteln zu stützen. Wenn irgendwo eine Staatsgrenze ausge­klügelt wurde, so hier im Böhmerwold, wo Wald und Wiesen von der Linie durchschnitten werden, die Grenze" heißt, während hüben und drüben unter denselben Verhältnissen, nach gleichen Gebräuchen Menschen desselben Namens, der glei­chen Familie leben, ohne daß auch nur irgend­jemand, nicht einmal ein ganz raffinierter Volks­kundler, einen Unterschied feststellen könnte.

Das Böhmerwaldgebiet besteht auf der tschecho­

slowakischen Seite aus neun politischen Bezirken mit 883 Ortschaften, die von rund 250 000 Menschen be­wohnt werden, von denen nur etwa 20 000 Tschechen sind, und die durch staatliche Maßnahmen erst kürz­lich in das geschlossen deutsche Volkstumsgebiet bin- emgepreßt wurden. Der unoufmerl'ame Beobachter wird sagen: Haben diese deutschen Waldbauern 700 und mehr Jahre die Grenze gehalten, ohne sonder­lichen Schaden zu nehmen, so werden sie sie auch heute halten können. Wer genauer zu sehen in der Lage ist, sieht Zersetzungserscheinungen, die die Ober­fläche verunstalten, der wird aber auch kleine, nicht ungefährliche Risse im Mauerwerk, Senkungen im Fundament erblicken, die uns Sorge bereiten.

Das größte Gefahrsmoment sind die sogenannten tschechischenMinderheiten-Schulen". die auf Seelenfang ausgehen. Es sind rund 400 An» statten, in denen die Kinder nicht nur gespeist und mit allen Lehrmitteln kostenlos versehen werden, sie erhalten auch zu Weihnachten reichliche Geschenke und werden sogar eingekleidet. Bei der außerordent­lich großen Arbeitslosigkeit ist es kein Wunder, daß schließlich und endlich deutsche Eltern ihre Kinder in die Tschechisierungsschulen schicken, denn ein gut ge­nährtes und angezogenes Kind ist besser als em ver­hungerndes. Wer will da den Eltern einen Vorwurf machen, wenn sie tschechische Geschenke annehmen, da die deutschen ausbleiben. Die Armut nimmt über­hand, da der Hauptwirtschaftszweig, das Holzgeschäft, völlig darniederliegt. Rund 60 000 Waldarbeiter sind erwerbslos und hungern. Das Bauernland ist karg, Weiden fehlen völlig, so daß der Bauer gezwungen ist, sein Vieh ständig im Stall zu füttern, während auf den verstaatlichten Waldwiesen das Futter ver­kommt.

Es ist erstaunlich, daß der naturgegebene Verdienst dieses großartigen Waldlandes unseres Erbteils, der Fremdenverkehr, von der Bevölkerung noch fast gar nicht in seiner Tragweite erkannt wurde. Es könnten hier alljährlich Zehntausende Erholung finden, ohne daß dadurch der Frieden der Wälder irgendwie gestört würde. Die zaghaften Ansätze, wie etwa in Iosefstal, wo der Deutsche Böhmer­wold b u n d eine der 52 eingegangenen Glashütten in eine Sommer -und Winterfrische zu verwandeln verstand, werden vom Reiche her überhaupt nicht beachtet. Die Tschechen aber bemühen sich sehr stark um den Fremdenverkehr und sie verbinden mit ihm eine außerordentlich gefährliche Dolkstumspropa- ganda. Es ist traurig und niederdrückend, daß so herrlich schöne Stellen wie der Plöckensteiner See, über dem das Stifter-Denkmal steht, Stift Hohen- surt, die Ruine Willinghausen, selbstverständlich noch mehr die Grenzstädte Krumau, Prachatitz, Winter­berg und wie sie alle heißen, von Tschechen über­flutet werden, während der Reichsdeutsche nach Spa­nien, Frankreich oder Italien fährt. Das Gefähr­lichste der Lage ist, daß die Böhmerwäldler ihre Ver­einsamung fühlen und keinen Ausweg sehen. So wie die Straßen, die nach Oesterreich oder Bayern füh. ren, zwar noch gut im Stande sind, aber kaum be­fahren werden, so steht es auch in seelischer Be­ziehung, weil niemand mehr aus dem Reich sie be­suchen kommt, sie selbst aber zu arm sind, um ins Mutterland zu reisen. Das muß anders werden!

Es wird deshalb eine besondere Ausgabe der nach Passau verlegten VDA.-Tagung sein, die reichsdeut­sche Oeffentlichkeit auf die großen Gefahren aufmerk­sam zu machen und dahin zu wirken, das schöne Waldland eifrigst zu besuchen. Ein schöneres Ge­schenk könnte dem treuen Eckehart des Waldlandes, demDeutschen B ö h m e r w a l d d u n d", der | in diesem Jahr seinen 50. Geburtstag begeht, gar * nicht geboten werden!

Aus der Provinzialhauptstadt.

Fahrpreis-Vergünstigungen bei Gießener Krafipostlinien.

Dom Postamt Gießen wird uns mitgeteilt: Ab 1. Juni werden auch auf der Sraftpoftlinie GießenKrofdorf-Wißmar Rückfahrschein- eingeführt. Die Fahrpreise sind: für die Strecken Gießen Bahnhof oder Neustädter Tor bis Krofdorf 60 Rpf., bis Launsbach 60 Rpf., bis Wißmar 85 Rpf.

Vom gleichen Tag ab werden die Fahrpreise für Rückfahrscheine auf der Kraftpostlini^ Gie- ßenHochelheim ermäßigt; für die_ Strecke: GießenLützellinden 85 Rpf., GießenHörnsheim 125 Rpf., GießenHochelheim sowie Groß- und Klein-Rechtenbach 135 Rpf.

Bornotizen.

Tageskalende für Freitag: Oberhess. Kunstverein, Turmhaus am Brandplatz, 15 bis 17 Uhr, Ausstellung. Lichtspielhaus, Bahnhof- straße:Ich bei Tag und du bei Nacht". Astvria- Lichtspiele, Seltersweg:Die Nacht gehört uns".

Sie Benefizvorstellung des Stadttheater-Ensembles. Aus dem Stadttheaterbüro wird uns geschrieben: Alle Theaterfreunde treffen sich heute 2 0.1 5 Uhr im Stadttheatcr Gießen zur Benefizvorstellung der Mitglieder des Ensembles. Es gilt nicht nur. für die Dauer der Sommermonate sich von heb» gewordenen Bekannten zu verabschieden, es gilt euch, sich erkenntlich zu zeigen für manche schöne Stund« der Erbauung und Abwechslung tm Ver­laufe langer Winterabende. Um alle Freunde und Gönner nochmals in frohem Kreise um uns zu wissen, führen wir das Lustspiel.Krieg im Frieden" von Moser und Schönthan auf. Unter Karl Dolcks Spielleitung, in unserer aller Gesellschaft und unter Mitwirkung fast aller Mitglieder des Ensembles wird den Theater­besuchern ein froher, ausgelassener Abend gebo­ten. Wir woUen alle bei uns wissen, darum gelten gewöhnliche Schauspielpreise und ist der Beginn der Vorstellung erst auf 20.15 Uhr gelegt.

Sonderzüge zum Jugendtreffen auf der Burg Münzenberg. Am ersten Pfingstfeiertag verkehren auf der ButzbachLicher Eisenbahn folgende Sonderzüge: Zwischen Grün- berg und Münzenberg: Grünberg ab 10.40 Uhr. Münzenberg an 12.02 Uhr. Münzenberg ab 22.30 Uhr, Grünberg an 23.43 Uhr. Zwischen Münzenberg und Butzbach West bzw. Bad-Rau» heim: Münzenberg ab 22.30 Uhr. Butzbach West an 22.58 Uhr, Bad-Rauheim Aord an 23.18 Uhr. Die Züge halten auf allen Unterwegsbahn­höfen. Bon allen Bahnhöfen der ButzbachLicher

Eisenbahn werden an diesem Tage verbilligte Rückfahrkarten nach Münzenberg ausgegeben.

* Der Dekanatstag des Dekanats Gießen findet Freitag, 16. Juni, vormittags 8.30 Uhr im Johannesfaal statt. Die Eröffnungsandacht hält Pfarrer Steiner, Haufen. Auf der Tages­ordnung stehen u. a. der Bescheid des Landeskirchen­amtes zum Dekanatstag 1931, der Bericht des Dekanatsausschusses über die Jahre 1931/32, die Berichte für äußere und innere Mission, Gustao- Adolf-Verein, Evangelischer Bund, Dekanats-, Kir- chengesangoereine und Pofaunenchöre, Besprechung, Voranschlag des Dekanats für 1933 34. Vortrag von Pfarrer Lenz, Gießen, über:Die Landeskirche und die politischen Weltanschauungen der Gegen­wart". Besprechung.

** Die öffentliche Bücherhalle im Mai. Im Mai wurden 1151 Bände ausgeliehen. Davon kamen auf: Erzählende Literatur 793, Lite­raturgeschichte 6, Zeitschriften 26, Gedichte und Dra­men 9, Juaendschriften 74, Länder- und Völker­kunde 74, Kulturgeschichte 7, Geschichte und Bio­graphien 73, Kunstgeschichte 2, Naturwissenschaft und Technologie 35, Heer» und Seewesen 1, Haus- und Landwirtschaft 10, Gesundheitslebre 14, Religion und Philosophie 10, Slaatswissenfchafl 12, Sprach­wissenschaft 2, Fremdsprachliches 3 Bände. Nach aus­wärts kam 1 Band.

Amtsgericht Gießen.

Die Wegnahme von Kraftfahrzeugen und Fahr­rädern zu nur vorübergehendem Gebrauch gegen den Willen des Gewahrsaminhabers ist keine »Aneignung" und daher als Diebstahl nicht straf­bar. Die einschlägigen Fälle häuften sich aber und unter dem 20. Oktober v. 2. erschien eine besondere Verordnung des Herrn Reichspräsi­denten gegen den unbefugten Gebrauch von Kraft­fahrzeugen und Fahrrädern, die als Strafe Ge­fängnis vorsieht. In dem hier fraglichen Fall hat ein hiesiger Kellner den Angeklagten ge­heißen, ihm aus einem nicht abgeschlossenen Vor­keller ein Fahrrad, mit dessen Eigentümer er gut bekannt war. zu holen, um es vorübergehend zu benutzen. Er kam auch dem Ersuchen nach, gebrauchte es aber zunächst selbst, um auf seinen auswärts gelegenen Acker zu fahren. Dann be­nutzten beide zusammen das Rad. Der Angeklagte hat mindestens durch seine eigenmächtige Fahrt auf seinen Acker gegen § 1 der genannten Verordnung verstoßen. Das Gericht glaubte, daß hier der Strafzweck schon durch Erkennung einer Geld­strafe erreicht werde unb verurteilte den noch unbestraften Angeklagten an Stelle einer an sich verwirkten Gefängnisstrafe von 2 Tagen zu einer entsprechenden Geldstrafe.

Die Benutzung des FußwegS von der Lahn­brücke hinunter zu den Bleichen ist Motorradlern und Radfahrern aus naheliegenden Gründen ver­boten. Gegen das Verbot wird aber namentlich von letzteren, da die Versuchung, ihren Weg da­durch wesentlich abzukürzen, sehr groß ist, häufig verstoßen. Allein bei dem Angeklagten, der von dem Zcldschühen gesehen und trotz seine- Leug­nens bestimmt erkannt worden war. liegt der vierte Fall vor. Er kam aber noch einmal mit einer Geldstrafe davon. Seine Derurteilung er­folgte auf Grund des Feldstrafgesetzbuchs.

Ein hiesiger Wirt hatte in einer Rächt eine große Anzahl von Gästen über die Polizeistunde hinaus, bis gegen 3 Ahr. unter erschwerenden ilmftänben in den Wirtsräumen geduldet, und es war ihm deshalb auf Grund deS Gaststätten­gesetzes vom 28. 4. 30, das weit schwerere Strafen kennt als der früher in diesen Fällen zur An­wendung gekommene § 365 des Reichsstraf­gesetzes. ein Strafbefehl über 30 Mk. zugegangen. Dieser wurde auch rechtskräftig, da der Ange- ttagte eS vorzog. den dagegen erhobenen Ein­spruch kurz vor der Verhandlung wieder zurück­zunehmen.

Großfeuer in der Chemischen Fabrik E. Merck, Darmstadt.

Darmstadt. 1. Juni. Heute nachmittag ge­gen 5 Uhr nach Zabrikschluß brach im Glaslager der Ehemischen Fabrik ®. Merck. Darmstadt, Groß­feuer aus. daS bald diefeS Lager völlig erfaßte. Das Feuer fand an dem Verpackungs­material für den großen GlaSvorral reiche Rah- rung und mächtige Rauchsäulen stiegen zum Him­mel. Reben der umfangreichen Werksfeuerwehr trat auch die durch .Großfeuer" alarmierte De- rufsfeuerwehr Darmstadt mit 4 Zügen in Ak­tion, um den Brand niederzurinden. Die an» grenzenden Lager, in denen sich leicht brennbare Materialien und wertvolle Medikamente und Drogen befinden, wurden dauernd un­ter Wasserbestrahlung gefetzt, um ein Ucbcrgrei- fen des Brandes zu verhindern. Dennoch ist der angerichtete Schaden beträchtlich, wenn et auch durch Versicherung gedeckt ist. Die Ursache des BrandeS dürfte ein Blitzschlag fein. Der Fabrikbetrieb erleidet durch daS Schadenfeuer keinerlei Unterbrechung.

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Die Raffen im deutschen Volke.

Oie fünf Grundstämme. 50 Prozent nordisches Blut. Oie Forderungen der Eugenik. Abwanderung und Geburtenmangel der nordischen Raste. Giedelung als Mittel der Bevölkerungspolitik.

Don Or. B. Pausen.

Die Rafsenforschung ist eine der jüngsten und um- kärnpftesten Wissenschaften. Ihre besonders innige Verbindung mit der Politik hat ihre Ergebnisse auf den Schauplatz eines leidenschaftlichen Kampfes ge­stellt, der dieser Wissenschaft den Anschein gab, als fehle ihr der Erkenntnischarakter. Politik und Wis- fenschast stehen aber d u r ch aus nicht in Ge- g e n s a tz zueinander. Die Wissenschaft erkennt Tat­sachen und ihre Zusammenhänge, die Politik fordert und formt die Tatsachen nach den von ihr gewoll­ten Zielen. Der Forderung und Formung der Tat­sachen muß aber ihre Erkenntnis vorangehen. In- fofern stehen Rasfentheorie und Rassen- politik in einem notwendigen Zusam­menhang. Je wichtiger einem nun diese politische Entscheidung erscheint, um so eindringlicher muß man als notwendige Grundlage dazu die wissen- lchastliche Frage nach der Rassenlagerung des beut» fchen Volkes stellen.

Selbstoerständlich hängt die Feststellung der in Deutschland varkommenden Rassen urti) ihrer geo­graphischen Verteilung davon ab, was man unter einer Rasse v e r st< h t. Das wesentliche Merkmal dieses Begriffes ist die Gemeinsamkeit von körper­lichen und seelischen Eigenschaften, deren Vorhan­densein nicht von Umwelteinflüssen abhängt, sondern die im Gegenteil die Einstellung des Menschen zu seiner Umwelt bedingen und als Erbgut den fol» genben Geschlechtern weitergegeben werden. Eine Erkenntnis der Rassenzusammensetzung des beul- schen Volkes muß alfo von den Bevölkerungsgrup­pen ausgehen, die eine solche ausgeprägte Eigenart körperlicher und seelischer Eigenschaften aufweisen, und daraus das fcharse Bild des betreffenden Ras­sentyps zu entwickeln. Welche Namen man diesen Rassentypen gibt, ist gleichgültig. Als gebräuchlichste Bezeichnungen dürften sich in Deutschland die von Professor Günther, Jena, gewählten durchge- setzt haben, der in dem umfaßenden WerkRasfen- kunde des deutschen Volkes^ die hierhergehörigen Fragegruppen behandelt.

Danach seien als die für eine Rassenkunde des deutschen Volkes wesentlichen Rassen die nordische, weslische, dinarische, ostische, ostbaltische und fälische Rasse angeführt. Die körperlichen Merkmale der nordischen Rasse kennzeichnen sich in hohem Wuchs, im Durchschnitt beim Mann ca. 1,75 Me­ter, schlanker Gestalt, schmalem Gesicht, langem Kopf, betontem Kinn, weichem, Hellem Haar, hell­rosiger Haut, hellen Augen, schmaler Nase mit hoher Nasenwurzel. Die Gemeinsamkeit der seelischen Eigenschaften läßt sich natürlich, vor allem was ihre Vollständigkeit betrifft, schwerer erfassen. Besonders kennzeichnend für den nordischen Menschen ist sein Behauptungswille der eigenen Persönlichkeit gegen ihre Umgebung, verbunden mit einer Bereit,chaft zur sachlichen Wertung und Zusammenarbeit mit anderen Menschen. Der nordische Mensch läßt nicht die ihn umgebenden Dinge in sich Gestalt gewinnen, sondern er prägt ihnen die Gestatt seiner Persön­lichkeit auf.

Die w e st i s ch e Rasse ist klein und schlank ge­baut, im Durchschnitt beim Mann 1,61 Meter, lang» köpfig, schmalnasig mit hoher Nasenwurzel, hat bas Kinn weniger ausgeprägt als die nordische Rasse, braunes ober schwarzes Haar, braungetönte Haut unb zurückliegende bunfle Augen. Die seelische Eigenart bes westischen Menschen läßt sich in einem bedeuten!) rcllcheren Temperament, als es dem nor­dischen Menschen eignet, erfassen. Der Unterschied zwifchen nordischem und westifchem Menschen läßt sich vielleicht am schärfsten im Unterschied zwischen Willen und Temperament kennzeichnen. Während Wille die planmäßige Gestaltung der Dinge auf lange Sicht bedeutet, ist Temperament die Fähig­keit, auf die Dinge stark und schnell zu reagieren. Beweglichkeit, Leidenschaftlichkeit unb Unbeständig­keit sinb bementfpredjenb bie Hauptkennzeichen ber westischen Seele.

Die ostische und ostbaltische Rasse zeich- nen sich burch kurzen, untersetzten Wuchs, Kurzkvp- figkeit unb breites Gesicht aus. Der Unterschied ber beiden Rassen liegt in Kinn, Nase, Unterkiefer, Haar, Augen unb Hautfarbe, bie beim ostischen Menschen dunkel, beim ostbaltischen hell sinb. Der seelische Unterschieb biefer beiden Rassen ist be= beutend Das ostische Wesen zeugt von Setz- Hastigkeit, Verschlossenheit, einem nüchternen Fleiß, bem aber jeber Zug ins Große fehlt: der ostbal- tische Mensch dagegen, von sehr unausgegliche­nem Seelenleben, schwankend zwischen schwermüti­ger Melancholie unb roilber Ausgelassenheit, mit künstlerischer Phantasie ausgestattet, bereu Kenn­zeichen aber nicht formenbe Gestaltungskraft, son- bern ausschweifende Umbildung ber Wirklichkeit ist, biefer Mensch der seelischen Extreme erinnert stark an die Helden russischer Romane.

Die dinarische und fälische Rasse sind von hohem Wuchs, vor allem die fälische Rasse. Der kurzköpfige, schmalgesichtige Dinarier mit steilem Hinterkopf und starker herausspringender Nafe, mit dunllem Haar, Augen und Hautfarbe wir sehen ihn auf den Silbern bes weitbekannten Malers Defregger unterscheibet sich vom sälischen Men- schen durch dessen breites Gesicht, helle Haar-, Augen- und Hautfarbe und die Kopfform, die lang bis mittelköpfig ist. Ehr- und beimatiiebenb, tapfer und jähzornig, Stimmungen leicht zugänglich, kauf­

männisch nicht unbegabt unb betont musikalisch gibt ber Dinarier das Bild eines nicht formenreichen aber bestimmt ausgeprägten Seelenlebens. Der fälische Mensch ist zuverlässig, schwerblütig und wuchtig, verinnerlicht, ein Philosoph, den bildenden Künsten zugeneigt.

Die geographische Verteilung dieser Rassen innerhalb Deutschlands läßt sich deshalb nicht mit ber wünschenswerten Genauigkeit anfüh» ren, weil hier im Gegensatz zu anderen Ländern viel zu wenig eingehende Einzeluntersuchungen rassi­scher Merkmale in der Bevölkerung durchgeführt worden sind. In Nordwestdeutschland ist der dichteste Stern der nordischen Rasse zu sin- den, nach Osten, Westen unb Sübroeften nimmt die Dichte des nordischen Anteils ab. Der o ft b ü I t i f ch e B e st a n d ist in Deutschland am stärksten ver treten in O st preußen, tritt in Sachsen bis nach Thüringen hin auf unb erreicht süblich das bayerische Oberfranken. Ein Zunehmen ber ostbaltischen Dichte macht sich in Wien bemerkbar, sich verstärken!) nach Ungarn und auch nach der Tscheche! hin. Bayern und Oe st erreich sind die Hauptgebiete der bi­nar i s ch e n Rasse, bie nach ber beutsch-slowakischen Sprachgrenze sich immer stärker verbichtet, ihre Ausläufer aber z. B. bis an ben Main hinausfchickt, fo daß ber Main sich als eine Raffengrenze kenn­zeichnet für bie Abnahme ber norbischen Dichte unb bas Aufhören des binanschen Anteils. Der ostische B e ft a n b finbet seine stärkste Vertretung in Oberschlesien, tritt in den Gebirgsgegenden Sachsens, aber auch in denen Mitteldeutschlands bis zum Harz auf, ist in Südwestdeutschland zu finden und in Norddeutschland vor allem in den Moorgebieten und an ber Ober, aber auch die ganze deutfch-franzosische Sprachgrenze ent­lang. Der westische Anteil, in Deutschland sehr gering, tritt in ber Rheinpfalz, in ber M o » fe l gegenb unb im Rheinlanb etwas mehr her­vor. Ä e ft f a l e n unb bie benachbarten holländi­schen Lanbstriche sinb als Gebiet fälischer Rasse

zu erkennen.

Zahlenmäßige Angaben über bie Anteils- ftärte dieser Rassen im deutschen Blut lassen sich bei dem Mangel genauer Einzeluntersuchungen nur ungefähr machen. 'Jtadj Professor Günther dürsten diese Zahlenverhättnisse so zu beurteilen sein, daß dem nordischen Blut etwa die Hälfte zu kommt, im Norden mehr und im Süden we­niger, dem ostischen Blut etwa 20 v. H., im Süden stärker als im Norden, dem dinartschen 15 v. H., im Süden bedeutend mehr vorhanden als im Norden, der ostbaltischen Rasse 8 v. H., am stärksten im Osten unb Narben, dem sälischen 5 v. H. Im idealen Sinne reinrassige Gebiete gibtes in Deutsch­land nicht. Vielmehr muß man sich bas Bild der geographischen Verteilung so denken, daß die ein­zelnen Rassen in bestimmten Gebieten aus der Rassenmischung stärken hervortreten, andere Ge­biete eine gleichförmigere Verteilung ber Rasten enthalten.

Welche Ursachen fragen nun zur Verschiebung des Anteils dieser einzelnen Rassen an ber beutschen Bevölkerung bei? Das sinb vor allem bie Wan - berungen unb bie Geburtenhäufigkeit. Don biefen beiden Seiten her hat sich in Deutsch­land eine Zurückdrängun g bes norbi­schen Anteils entwickelt. Die überaus starke beutsche Auswanberung nach Amerika im vorigen Iahrhunbert erfaßte ben nordischen Anteil besonbers stark, ebenso betrifft ihn ber Ge­burtenrückgang am stärksten. Die natürliche Ent­wicklung würbe also dazu führen, baß das nordische Blut in Deutschland einen immer geringeren Raum einnehmen würde. Hier beginnt nun bie Ausgabe ber Politik, sich zu entscheiden, ob sie eine natür­liche Entwicklung für wünschenswert hält ober nicht und wie sie in ber Erkenntnis ihrer Ursachen zum gewünschten Verlaus der Rassenlagerung in Deutsch­land führen kann. Diese Mittel zur Förderung einer bestimmten Rassenentwicklung sind vor allem darin zu sehen, daß man dem zu fordernden Raffenteil die Bedingungen einräumt, unter denen er sich am günstigsten entwickeln kann. Da ber Geburtenrück­gang sich vor allem in ben inbuftriellen Gebieten auswirkt, könnte hier also bie Sieb» lungspolitit mit ber rassenpolitischen Auf­gabe oerbunben werben, bie Geburtenhäufigkeit durch eine entsprechende Verlagerung der Bevölke­rung auf das flache Land zu erhöhen.

Andere Mittel zur Förderung der Geburtenzahl sind durch wirtschaftspolitische unb hygienische Maß­nahmen gegeben, bie ber materiellen Sortierung wertvollen Erbgutes gelten, lieber allen biefen Be­dingungen wirkt bie ideelle Beeinflussung. Es muß immer wieder eingeprägt werden, welche Aufgaben ber Einzelne burch Erhaltung unb Mehrung bes Geschlechts für seine Gemeinschaft zu erfüllen hat. Die Förderung bes wertvollen Erb­gutes kann nur Erfolg haben bei gleichzeitiger Z u r ü rf b r ä n gu n g des minderwertigen Erbgutes, das ist die erste Forderung der Eugenik. Die Sterilisierung dürste wohl bald ihre gesetzgeberische Verwirklichung finden. Förderung auf der einen und Zurückdrängung auf der anderen Seite sind bie politischen Mittel zur Beeinflusiung ber Rassenlagerung innerhalb Deutschlands.