Sozialdemokratische Kundgebung in Berlin verboten.
Berlin, 2. Febr. (CNB. Funkspruch.) Die für Sonntag, den 5. Februar, geplante sozialdemokratische Kundgebung ist verboten worden. — Am Sonntag findet das S t a a t s b eg r ä b n i s der beiden Opfer der Charlottenburger Bluttat, des am Montagabend in Charlottenburg ermordeten Polizeiwachtmeisters Zauritz und des nationalsozialistischen Führers des SA.° <L t u r « mes33,Maikowfki, statt. Das Leichenbegängnis wird voraussichtlich mit einer großen Demonstration verbunden sein, die durch die Berliner Straßen führt. Voraussichtlich wird eine Aufbahrung oder eine Feierlichkeit am Dom, im Lustgarten, stattfinden.
Wiederholung desRegierungSaufruses im Rundfunk.
Berlin, 2. Febr. (CRD.-Funkspruch.) Der Aufruf der Reichsregierung, den Reichskanzler Hitler gestern abend im Rundfunk verlas, wird heute um 19.30 und 22.20 älhr von der Schallplatte über alle deutschen Sender wiederholt.
Errichtung eines „unabhängigen" Tibets unter britischem Protektorat.
London, 1. Febr. (TU.) Die japanische Gegenleistung dafür, daß England keiner Erklärung zu- stimmen würde, in der der neue mandschurische Sta it nicht anerkannt werde, soll nach dem „Daily Gerald" sein, daß Japan England in der Errichtung eines „unabhängigen" Tibet unter englischem Einfluß freie Hand gelassen werde. Das Blatt erwähnt dann die Gerüchte von einem im Jahre 1925 abgeschlossenen Vertrag zwischen dem Daila-Lama und der englisch-indischen Regierung, in dem die letztere Tibet im Falle eines chinesischen Einmarsches militärischen Beistand zugesichert habe. Als eine Folge dieser Abmachungen sei der Daila-Lama mit Munition und Flugzeugen beliefert worden. Ferner seien ihm militärische Berater und Flugzeugkonstrukteure beigegeben worden. Der nächste Schritt werde nunmehr, wie die Japaner erklären, die Ausrufung der tibetanischen Unabhängigkeit sein. Die englische Regierung wünsche dringend, diese Unabhängigkeit sobald wie möglich herbeizuführen und wünsche daher andererseits keine effektive Opposition gegen die Ausrufung der mandschurischen Unabhängigkeit.
Aus aller Wett.
Aus dem fahrenden Zuge gestürzt.
Aus dem l)-Zug Leipzig—Köln stürzte in der Nähe der Station Obervellmar (Kreis Kassel) ein 23jähriges Mädchen namens Edith Hütiq aus Leipzig auf den Bahndamm. Der Unfall wurde anscheinend im Zuge nicht bemerkt. Da es sich um eine abgelegene Stelle handelt, kamen erst noch Stunden Passanten in die Nähe, die die schwachen Hilferufe des Mädchens hörten. Sie riefen sofort einen Arzt und die Sanitätskolonne herbei. Die Verunglückte wurde in das Marienkrankenhaus in Kassel gebracht, wo Arm-, Bein- und anscheinend auch innere Verletzungen festgestellt wurden.
ganze Stadt wird auf Abbruch verkauft.
Der englische Geschäftsmann Robert Bell hat die chilenische Hafen st a d t CaletaCo- o s o, die 5000 Einwohner hat, für 25 000 Pfund auf Abbruch gekauft. Die Stadt war ein wichtiger Salpeterhafen und gehörte einer Salpeterfirma, die nunmehr bei dem schlechten Geschäftsgang nach Ablaus der Konzession die ganze Stadt an den Mei st bietenden abgibt. Der englische Käufer beabsichtigt, ein großes Geschäft aus der Sache zu machen, indem er das abgebrochene Material nach Gegenden abschieben will, wo großer Mangel an Bauartikeln besteht. Was mit den 5000 Einwohnern der Stadt geschieht, wird nicht gemeldet.
Zunahme der Grippeerkrankungen in Berlin.
Die letzten Tage brachten ein erhebliches Anschwellen der Grippeerkrankungen in Berlin. Die Allgemeine Ortskrankenkasse meldete am Dienstag 572 Zugänge gegen 393 am Tage vorher und rund 50 zu Beginn des Monats Januar. Eine größere Anzahl von Schulklassen in den verschiedenen Bezirken — zur Zeit im ganzen 38 — mußte geschlossen werden.
Dieder ein Raubüberfall. — Ein Toker, ein Schwerverletzter.
In Pankow bei Berlin wurden zwei Angestellte einer Heimstättengesellschast, die Mieten im Gesamtbeträge von 12 550 Mk. einkassiert hatten, von mehreren unbekannten Tätern überfallen. Die Räuber streckten die Lleberfallenen durch mehrere Schüsse zu Boden, entrissen ihnen die Geldtaschen und flüchteten mit einem bereitstehenden Kraftwagen. Einer der Berlehten ist bald nach dem Tlebersall g e st o r b e n.
Die Eisverhältnisse auf dem Rhein.
Rach dem letzten amtlichen Bericht der Rheinstrombauverwaltung über das E i s t r e i b e n aus dem Rhein wurden nunmehr vier Eisbrecher eingesetzt. Die Bereisung auf dem deutschen Rhein geht aufwärts bis Lorchhausen. Die Eismassen haben sich in den letzten Tagen wieder mehr zu- sammengeschoben. Die Eisbrecher arbeiten zur Zeit an der Befreiung eines eingeschlossenen holländischen Güterdampfers. Die Eisverhältnisse auf den Rebenflüssen sind im wesentlichen unverändert.
Wettervoraussage.
Der nordische Sturmwirbel wandert nach Skan» dinavien weiter und hat durch seine Südseite über ganz Deutschland milderes und regnerisches Wetter eingeleitet. Da an der Rückseite der Störung etwas kühlere maritime Luftmassen abwärts fließen, wird die Witterung sich unbeständig und wechselhaft gestalten. Riederschläge treten dabei mehr in Schauern auf und werden auf den Bergen teils als Schnee niedergehen. Auch die Temperaturen erfahren gewisse Schwankungen, bleiben aber bet uns vorerst noch über Rull.
Aussichten für Freitag: Unbeständig, wechselnd bewölkt mit kurzem Aufklaren, Temperaturen schwankend und etwas zurückgehend, aber noch ziemlich mild, schauerartige Riederschläge.
Lufttemperaturen am 1. Februar: mittags 6 Grad Celsius, abends 6,8 Grad: am 2. Februar- morgens 6,2 Grad. Maximum 7,5 Grad, Minimum 1 Grad. Riederschläge 11,5 Millimeter. Erdtemperaturen in 10 Zentimeter Tiefe am 1. Febr.- abends minus 0.7 Grad: am 2. Februar: morgens 0 Grad Celsius.
Amenkamsche Gorgen.
politische Hochkonjunktur in USA. — Probleme des Pazifik. — Znnerpolitische Schwierigkeiten.
Don unserem H. W.
(Rachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!) R e u y o r k, Januar 1933.
Hatte man ursprünglich für die Zeit bis zum 3. März, da der neue Präsident Roosevelt sein Amt antritt, im großen und ganzen eine politische Leere erwartet, so sieht man sich durch die Wirklichkeit enttäuscht. Das gerade Gcgmteil ist dec Fall. Die USA. erleben nämUch gegenwärtig eine politische Hochtonjun k° t u r von seltenem Ausmaße, und zwar sowohl auf innerpolitischem als auch auf außenpolitischem Gebiete. Dor allem geht natürlich der Kampf um die Kriegsschulden weiter. Wenn auch Roosevelt amtlich jede Einmischung in die Staatsgeschäfte leugnet, muß er doch bei wichtigen Angelegenheiten immer wieder gefragt werden. Zudem ist er eifrig dabei, fein Kabinett zusammenzustellen, und hat daher jede Woche mehrere wichtige Untetrebungen mit führenden Persönlichkeiten- Die Oeffentlichkeit erfährt allerdings zumeist nicht viel davon. AbLr schließlich weiß ja jeder, was es bedeutet, wenn Roosevelt mit Dawes und (Zoung, mit Parker Gilbert und Wiggin Besprechungen abhält. Diese Herren sind naturgemäß in erster Linie amerikanische Geschäftsleute, aber gerade die Tatsache, daß sie neben vielen anderen um ihre Meinung gefragt werden, zeigt, womit sich Roosevelt die Zeit vertreibt, seitdem er nicht mehr den Staat Reuyork verwaltet.
Inzwischen hat Präsident Hoover auch den lebhaftesten Kummer mit dem Westen gehabt, nachdem ihm schon der Osten, Europa, so große Schwierigkeiten bereitete. Das neuerliche Borge h e n der Japaner in Ostasien hat den Zorn der öffentlichen Meinung erregt, und das Weiße Haus hat nicht umhin gekonnt, einige geharnischte Proteste vom Stapel zu lassen. Amerika, so heißt es, könne es sich nicht gefallen lassen, daß einer seiner wichtigsten Märkte, China, unter japanischen Einfluß geräte, und hat daher noch einmal erklärt, es könne eine Abänderung des Reunmächtevertrages nicht zulassen. Japan hat jedoch nicht ungeschickt geantwortet und mit Enthüllungen über amerikanische Waffenlieferungen an China aufgewartet, die hier einen überaus ungünstigen Eindruck gemacht und Washington zu der Forderung nach einem internationalen Wassenausfuhrverbot gezwungen haben. Ueberflüffig zu sagen übrigens, daß alle japanischen Angaben von amerikanischer Seite dementiert werden. Dazu kommt weiter, daß auch die hier schon ausführlich besprochene Frage der Philippinen in USA. einen lebhaften Meinungskampf entfesselt hat, bei dem Präsident Hoover ebenfalls Haare lassen mußte.
Dazu kommen die ganzen innerpolitischen Schwierigkeiten in den Vereinigten Staaten, die in der Hauptsache durch die Wirtschaftslage bedingt sind. Die Preise fallen wieder, die Unzufriedenheit unter den Farmern ist im Wachsen begriffen. Man kann das durchaus verstehen, wenn man sieht, wie diese in immer größere Not geraten. Und, da der Präsident nicht die Initiative ergriff, hak es der Kongreß getan. Etz ist ein Gesetz eingebracht worden, das Überall eine EinschränkungdesAn- b a u 5 der Agrarprodukte um etwa ein Fünftel, und staatlich garantierte Mindestpreise für Weizen, Baumwolle, Schweine und noch eine ganze Reihe von anderen Artikeln vorsieht, sowie schließlich auch noch
v. O.-Berichterstatter.
eine Erhöhung der Z ö l l t festsetzt. Diese sog. Jones-Bill spielte bereits im Wahlkampf um die Präsidentschaft eine bedeutende Rolle, da der demokratische Senator mit diesem Plan die Farmer im mittleren Westen zu gewinnen verstand. Jetzt hat auch der Ausschuß des Repräsentantenhauses das Gesetz angenommen, und es ist kaum daran zu zwei- fein, daß die Vollversammlung und der Senat sich ebenfalls für die Bill aussprechen wird. Die Wirtschaft läuft jedoch gegen dieses Projekt Sturm. Jones hat sich nämlich die Sache etwas zu einfach gedacht: Er will den Unterschied zwischen Marktpreisen und garantierten Preisen von den Verbrauchern bezahlen lassen, die damit praktisch unter die Kontrolle des Staates gerieten. Jedermann weiß zwar, daß die Preise zu niedrig sind, daß irgendeine Kontrolle über dem Markt ausgeübt werden muß. Sind jedoch staatlich garantierte Mindestpreise das Richtige? Der Kampf der Meinungen geht sehr stark durcheinander, da die einen eine Erhöhung der Preise fürchten, während die andern in ihr die einzige Rettung sehen. Was soll der Präsident machen? Wird er wieder fein Veto einlegen? Wie steht Roosevelt zu der Angelegenheit? Im Wahlkampf war er für das Gesetz. Ist er jetzt dagegen? Oder stehen wir gar vor einem Konflikt zwischen Hoover und Roosevelt.
Soviel ist jedenfalls sicher, daß die Rot im Ansteigen begriffen ist, und daß es nicht leicht sein wird, einen Weg zu finden, um aus der Schwierigkeit herauszukommen. Senator Borah hat im Kongreß die Inflation, die Entwertung des Dollars empfohlen, blieb aber in dieser Frage ein Außenseiter. Amerika will vorläufig weder die Inflation, noch auch die Stabilisierung des Dollars zu niedrigeren Wechselkursen. Im Gegenteil, die Regierung erstrebt eine Wiedereinführung der Goldwährungen in der Welt, weil sich zum Beispiel der Druck des entwerteten englischen Pfundes immer unangenehmer bemerkbar macht. Die Regierung hat sich sogar bereit erklärt, für diese Stabilisierung große Opfer in der Frage der Kriegsschulden und der Zölle zu bringen. Deshalb soll vor der Entscheidung über dieses Problem auf der Meltwirt- schaftskonferenz der Dollar unangetastet bleiben. Aber was macht inzwischen der Landwirt? Wird man ihm ein Moratorium gewähren?
älnd die Kommunisten im Lande gewinnen weiteren Anhang sowie eine neue, man könnte sagen sozialistische Richtung.' Die sogenannten Technokraten predigen, der technische Fortschritt fei an allem Schuld, jetzt bliebe nichts weiter übrig, als die Arbeitszeit bei möglichst gleichbleibenden Löhnen auf vier Stunden am Tage festzusehen, um der Arbeitslosigkeit Herr zu werden. Es würde nie wieder möglich fein, die Industrie bis zur vollen Höhe ihrer Leistungsfähigkeit auszunutzen. Dies ist eine Reaktion auf den Taumel der Technik, in dem die Bereinigten Staaten in den letzten Jahrzehnten durch die Geschichte gingen, Ausfluß einer noch immer nicht überwundenen Krise, die am Mark der Wirtschaft und des Staates frißt, umrahmt, durchwachsen gewissermaßen, von innerpolitischen Schwierigkeiten. Bon all dem ist die Außenpolitik ein getreues Spiegelbild, und ohne diese amerikanischen Tatsachen ist die Entwicklung rund um den Pazifik nicht zu verstehen, an dessen Küsten es allenthalben Zündstoffe in Menge gibt, so daß die Funken des Flammenmeeres im Fernen Osten bei einem ileberfpringen gefährliche Stab» rung fänden.
Aus der provinzialhaupistadt.
Das Bockbier.
Die kleine Amtsstadt Einbeck (Eimbeck) in der Nähe Hildesheims war schon im Mittelalter wegen ihres guten Gebräus berühmt. „Aimpeckischcs" Bier, „Aimpockisches" Bier, „Einbockbier" weisen auf die Herkunft des Labetrunks hin, dem das altbekannte „Bockbier" seinen (Kamen verdankt,
Wenn im zeitigen Frühjahr der „Bock angestochen" wird, der mit mehr Malz und weniger Hopfen als andere Diersorten eingebraut wird und deshalb süßer, aber auch alkoholreicher und schwerer als anderer „Stofs" ist, so bedeutet dies nicht nur in der Haupt-Kunst- und Dierstadt des Bayernlandes, sondern auch anderswo ein Ereignis, das mit Musik — Bockmusik — und anderen Lustbarkeiten gefeiert- zu werden pflegt. Ja, da und dort löst der Bockanstich trotz der Schwere der Zeiten ein Leben aus, das fast an baä Fafchingstreiben erinnert.
Mit dem gehörnten Ziegenbock, der erhobenen Hauptes an das überfchäumende Dierglas gelehnt die Zecher zum Fahanstich einlädt, hat das „Bockbier" zunächst begrifflich nichts zu tun. Diese Bezeichnung steht vielmehr im engen Zusammenhänge mit dem (Kamen der vorerwähnten alten Braustadt Eimbeck, deren Erzeugnisse einst mit denen von Bremen und Hamburg, mit der „Gose" von Goslar, mit der Braunschweiger „Mumme" und schon im 16. Jahrhundert mit dem Hannoverschen „Broihan" in scharfen Wettbewerb traten.
Stadtarchivar Seife von Eimbeck, der sich mit der historischen Entwicklung des Brauwesens feiner Vaterstadt eingehend befaßte, weih von einer hohen Blütezeit des Braugewerbes zu berichten. Als Luther im Jahre 1519 von der Leipziger Disputation nach Wittenberg zurück- gekehrt sei, so berichtet er, habe ihn der Rat dieser Stadt mit einer Kanne Eimbecker Biers begrüßt, der ihm auch zu seiner Vermählung im Sabre 1525 u. a. ein Faß des gleichen Labetrunks gespendet habe. Zu einer bekannten Erzählung vom Einbecker Bier gehört auch die geschichtlich übrigens bestrittene Mitteilung, daß auf dem Wormser Reichstage, wie gleichfalls in Feises Geschichte des Eimbecker Brauwesens zu lesen ist, der Herzog Erich von Braunschweig den Doktor Luther mit einer Kanne Eimbecker Bier erquickt habe. Der Vorgang wird gewöhnlich so erzählt: Luther hatte seine berühmte Antwort gegeben. Herzog Erich schickte ihm die Kanne Bier. Luther vernahm darauf, daß der päpstlich gesinnte Fürst der Spender sei, daß er aber, um Luther jeden Argwohn zu nehmen, schon selbst aus der gleichen Kanne getrunken habe. Cutter r-dann auch und sagte, so wie der Herzog sich seiner erinnert habe, so möge sich Christus
des Herzogs in seinem letzten Stündlein erinnern.
Wenn heute das Bahernland und insbesondere München die Stätten des Biers und des „Docks" sind, so ist dies auf das Eimbecker Bier zurückzuführen. In den in der einstigen Freien Reichsstadt Memmingen schon vor über hundert Jahren erschienenen „Skizzen aus dem Münchener Leben" befindet sich nebe>n einem Stahlstich des alten Bockkellers in München eine Dichtung zum Preise des letzteren, und ein Münchener berichtet einem Schwaben:
Einst lebte hier in Bayern
Eine schone Herzogin.
Ihr zu huldigen, sie zu feiern,
War des Herzogs ganzer Sinn. , Die Herzogin wird guter Hoffnung, der Herzog ist überglücklich. Allein die Fürstin hat ein heimliches Verlangen, das sie dem Gemahl trotz inständiger Litten zuerst gar nicht gestehen will.
Endlich öffnet sie die Lippen:
„Bier" — seufzt sie voll Purpurglut, „Bier von Eimböck" möcht ich nippen, Es ist gar so süß und gut.
An des Herren Vaters Hofe War's gewöhnlich unser Trank Und die Fürstin wie die Zofe Wußten dieser Sitte Dank. Keines hab ich angetroffen, Das mir so wie dies behagt, Und ich fürchte für mein Hoffen! Wird der Wunsch mir nun versagt.
Der Herzog ist sehr besorgt, wie er diesen Wunsch erfüllen soll. Eimböck ist zu weit, das Bier würde unterwegs sauer werden. Doch Bayerns Hoffnung hängt an der Erfüllung dieses Wunsches.
Darum muß ein wackrer Bräu
Von dorther nach München eilen Und im fürstlichen Gebäu Brauet Bier er ohne Weilen.
Bald liegt ein Prinzlein auf der Herzogin Schoß. Eimböcks Bier wird gepriesen. Auch andere dürfen den köstlichen Stoff genießen. Gin' Knappe taumelt unter lautem Sinnen davon. Er stößt dabei auf den Herzog, läßt sein Glas fallen und es zerbricht.
„Ei, mein Sohn, wer warf dich nieder?" Fragt der Herzog unfern Mann.
Unb der Knappe stammelt wider:
„Ein — böck — ein bock hat's getan."
^er ’ft wohl getaut. Und da gerade ein Bocklem daher gesprungen kommt und an den Stufen des Kellers meckert, ruft der Fürst: „Ha, der Bock dort stieß ihn nieder". Und so heißt es noch heute, hat einmal einer einen zuviel getrunken. Zum Beweise der Warheit seiner Er
zählung beruft sich der ungenannte Dichter auf bag Wappen im alten Bockkeller, das (auf der Abbildung) Faß, Bock und den trunkenen Knappen zeig?, Es trägt die Jahreszahl 1514.
Parallel mit dieser Geschichte läuft eine Heber- lieserung aus Eimbeck, wonach eine bayerische Prin- ,zessin, die nach schwerem Liebesleid an Eimbecker Bier genas, ihrem herzoglichen Vater in den Ohren gelegen habe, ihr das Getränk wieder zu verschaffen. Der Bezug aus Eimbeck wird ihm auf die Dauer ZU teuer; er verschreibt sich einen Braumeister aus Eimbeck und läßt ihn in München das Eimbecker Bockbier brauen. Kleine Ursachen haben bekanntlich oft große Wirkung.
Auch die Sprachforschung (Schmeller, Bayerisches Wörterbuch) führt den Neunen „Bock" oder „Bockbier" auf die Ausdrücke .„Ainpockifches", „Ain- peckifches Bier", „Embockbier" zurück, Bezeichnungen, die sich auch auf allen Rechnungen des Münchner Hofbräuhaufes finden.
Das Einbecker ^Brauwesen hatte wechselvolle' Schicksale, auf die hrer aber nicht eingegangen werden kann. In der Geschichte des deutschen Brauwesens spielt es eine besondere Rolle. Einst ging ein Drittel des Eimbecker Bieres über See, hauptsächlich nach Brasilien. Cs errang eine führende Stellung am Weltmarkt.
Gewiß aber ist, daß die Bezeichnung „Bock" ihren Ursprung der alten Braustadt an der Jlme verdankt und als besondere Bezeichnung für das gute deutsche Bier in aller Welt in Geltung ist. F. G. D er Wettflieger von Gronau in Gießen
Auf Einladung der Stadt und der Universität Gießen, der Provinzialdirektion Oberhessen und des Kreisamts Gießen, des Oberhessischen Automobilklubs und des (Vereins für Luftfahrt wird der bekannte deutsche Weltflieger Wolfgang von Gronau am kommenden Sonntag, 5. Februar, 20 Uhr, im Gießener Stadttheater einen Lichtbilder - Vortrag über seine Erlebnisse bei seinen Flügen um dieWelt halten.
Arn 10. Rovember 1932 konnte von Gronau als erster Deutscher seinen dritten Weltflug rund um die Erde beenden. Diese zielbewußte, flugtechnisch außerordentliche Leistung wird für immer zu den ganz großen Pionierflügen in der Geschichte des Flugwesens rechnen. Denn es war keine Abenteurerlust oder Rekordhascherei, die von Gronau, wie bereits 1930 und 1931, so auch im Jahre 1932 zu seinem dritten Flug in der Ost-West-Richtung Veranlassung gaben, sondern ein praktisches Ziel: »die Erschließung der Rordroute über den Atlantik in der Ost-West-Richtung für den Luftverkehr."
(Bei der Vorrangstellung, die heute der Luftverkehr unter allen Disziplinen moderner Verkehrstechnik einnimmt und bei dem allgemeinen Interesse der breitesten Oeffentlichkeit um die Fortschritte des Flugwesens dürfte auch in Gießen dieser Vortrag lebhaft begrüßt werden.
Für diese bedeutsame und hier als größte Seltenheit zu bewertende Vortragsveranstaltung darf man wohl das Interesse und den Besuch weitester Bürgerkreise erwarten. (Siehe heutige Anzeige.! Oie Grippe in den Gießener Schulen.
Wie wir auf Anfrage an zuständiger Stelle erfahren, waren am vorigen Samstag von den Kindern einer hiesigen Volksschule etwa 10 bis 11 Prozent, von den Kindern der beiden anderen Volksschulen etwa 15 bis 16 Prozent an Grippe erkrankt. Mittlerweile hat der Prozentsatz der Grippeerkrankungen unter den Kindern der Volksschule einen Anstieg auf etwa 20 Prozent erfahren. Von den Lehrkräften ist ebenfalls ein großer Teil durch Grippeerkrankung am Erscheinen zum Unterricht verhindert. Ein Anlaß zum Schließen der Volksschulen besteht bis jetzt nicht, dagegen ist mit Rücksicht auf den verhältnismäßig großen Ausfall von Lehrkräften em Einschränkung im Unterrichtsbetrieb nicht zu vermeiden. Im Gegensatz zur Stadt Gießen ist der Gesundheitszustand unter 'den Schulkindern des Kreises Gießen durchaus günstig: nur aus einigen Schulen des Kreises liegen Meldungen über Grippekrankheit, aber auch nur in geringer Zahl, vor.
In den höheren Schulen unserer Stadt sind natürlich ebenfalls Fälle von Grippe unter den Schülern und Lehrkräften in Erscheinung getreten, | teilweise bis zu 30 Prozent der Schüler, jedoch ist auch hier an eine Schließung der Anstalten nicht gedacht.
(4ici;.ner Wochenmarktpreise.
* Gießen, 2. Febr. Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Süßrahmbutter 11Ö bis 120, Landbutter 100 bis 110, Kochbutter 80 bis 90, Matte 20 bis 25 Pf. das Pfund, Käse 5 bis 10, Eier, inländische, 11 Pf. das Stück, Wirsing, gelb, 10 bis 12, grün 15 bis 20, WeiAkraut 8 bis 10, , Rotkraut 10 bis 12, Gelbe Rüben 10 bis 12, Rote ; Rüben 10 Spinat 30 bis 35, Llnter-Kohlrabi 6 bis 8, Grünkohl 15, Rosenkohl 30, Feldsalat 150, Zwiebeln 10, Meerrettich 30 bis 50, Schwarzwurzeln 25 bis 30, Kartoffeln 3, Aepfel 18 bis 30. : Dörrobst 35 bis 40, Honig 40 bis 45, Rüsse 40, Zunge Hähne 70 bis 90, Suppenhühner 70 bis ; 80 Pf. das Pfund, Tauben 40 bis 60, Blumenkohl | 30 bis 60, Endivien 20 bis 30, Lauch 5 bis 10, Rettich 10 bis 15, Sellerie 10 bis 30 Pf. daS . Stück: Kartoffeln 2,50 Mk. per Zentner.
Bornonzen.
— Tageskalender für Donners- tag: Stadttheater, 20 bis 22 älhr, „Gestern und Heute". — Kampfbund für Deutsche Kultur, 20.30 ■Ufjr, Reues Studentenhaus. Kammermusikabend. — Allgemeiner Deutscher Frauenverein, Turmhaus am Brandplatz, 11 bis 13, 15 bis 17 Uhr. Ausstellung der Arbeiten des freiwilligen weiblichen Arbeitsdienstes. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Annemarie". — Astoria-Lichtspiele. Seltersweg: „Knall und Fall".
— Vom Konzertverein wird uns geschrieben: Das Erscheinen Paul Lohmanns in Gießen ist als etwas Besonderes zu buchen; gilt er doch als einer der gefeiertsten und besten ßiebcrfänger der Jetztzeit! Ueberall, wo er aufgetreten ist, wird in gleicher Weise der wundervolle Vortrag, wie die Kraft und Schönheit seines Organs gefeiert, und man nennt ihn einen wahrhaft großen und begnadeten Sänger, dessen Lied- und Dalladengestaltungen zu einem tiefen Erlebnis würden. Paul Lohmann hat sich ein sehr reiches Programm gewählt, das ausgesuchte Werke von Schubert, Schumann und Loewe bringen wird. Teil I bringt Franz Schubert (Prometheus, Meeresstille, Totengräbers Heimweh, ■$?.E^!ärung); Teil II Robert Schumann (Proven- zalisches Lied, Mondnacht, zwei venettanische Gondellieder): Teil III Balladen von Karl Loew«
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** Winterfest der 2. Kompanie unfeie; Sa Kompanie des Infanterie Helm' Ar. 116, veranstalt •Raumen der „Liebigshä Saal mar fast bis auf bf großer Aufmerksamkeit (i nehm den Darbietung! der Leituna von Obermu hielt mit schneidiger Ma »fiteren Zerlaufe des Äl musikalischen Darbietunge ujm.) auf. Sin Aorspruch oorgetragen von ilnteross iinb lebhaften Beifall So ches, Hauptmann S chu begrüßte den fteüvertret ittr, Hauptmann v o n Ottilie Grüße von Gem Lckk des Öffiziersvere Die Mannfchästsvereine,
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