Ausgabe 
2.1.1933 Frühausgabe
 
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Hilf-.

Aus der Provinzialhaupistadi

OieLagd imLanuar

geben

geebnet.

Der südafrikanische Krieg und die Be­handlung der Buren, vor allem ihrer Frauen und Kinder, in den Konzentrationslagern nehmen Euro­pa stark gegen England ein. Großbritannien sieht sich in die berühmteglänzende Isolierung" hin- eingedränat. In Europa stößt man aus keinerlei Sympathie man muß sich also anderswo in der Welt umsehen. Eduard trifft auf Japan und ein knappes Jahr, nachdem er den Thron bestiegen Hot, zu Anfang 1902, wird das e n g l i f ch - i a pa­nische Freundschaftsbündnis unterzeich­net, der erste bedeutsame außenpolitische Vertrag der Regierungszeit Eduard VII. Seine Auswirkung wird er nicht etwa im russisch-japanischen Krieg, sondern im Weltkrieg finden, soweit es seine gegen Deutschland gerichtete Spitze betrifft.

Gegen Deutschland! Fast genau um die gleiche Zeit fällt von Eduards Lippen ein bedeut­sames Wort, und zwar gegen einen Dinergast, den deutschen Diplomaten Baron Eckardstein. Man muß wissen, daß das Verfahren der englischen Truppen gegen die Frauen und Kinder der Buren selbst im englischen Parlament schärfste Kritik herausgesor- dert hat. Da hält der englische Außenminister es für nötig, in seiner Antworlrede vor dem Parla­ment die deutsche Kriegführung gegen die franzö­sischen Franktireurs mit dem englischen Verfahren in Südafrika zu vergleichen, wobei England weit bes­ser wegkommt. Berechtigte Entrüstung in Deutsch­land und eine scharfe Zurückweisung der Anwürfe durch den Reichskanzler Bülow. So liegt die Situa­tion, als Eduard zu dem deutschen Diplomaten sagt:Mir scheint, daß aus lanae Zeit hinaus em. Zusammenarbeiten von Deutschland und England nicht mehr in Frage kommt!"

Es beginnt sich die Frontstellung der Mächte, wie sie schließlich 1914praktisch" sich auswirkt, zu bil­den.

Der Mann, -em Europa sein heutiges Gesicht verdantt. Leben und Taten des Königs Eduard VII. von England.

Don F. X Schlichters.

wurde, sind die zuständigen Trichinenschauer an­gewiesen worden, bei der für Schwarzwild gesetz­lich ja vorgeschriebenen Trichinenschau auch aus Tuberkulose zu achten und den Eigentümer des Tieres auf die mit dem Genuß,des Wildbretts verbundene Gefahr hinzuweisen.

O»e Vergebung der Mittel für Arbeiten am Hausbesitz.

Durch die Reichszuschüsse für Jnstandsetzungs- und ilmjauarbci.en am Haustelltz soll gerade in den QSinleimonaten Arbeitsgelegenheit ge­schaffen werden. Hm in den nächsten Wochen eine starke Auswirkung der Maßnahme zu erreichen, hat der Re.chsaroeitsminister bestimmt, daß bei der Vergebung der Mittel in erster Linie An­träge berück,ichtigt werden müssen, bei denen fo- sort oder innerhaib kurzer Zeit mit den Arbeiten begonnen werden soll. In dem Dorbc^che.d wird die Zusage des Zuschus.es davon abhängig ge­macht, daß diese Bedingung erfüllt wird. Auch wird der rechtzeitige Beginn der Arbeiten über­wacht. Unter den danach in Betracht kommenden Anträgen sind solche in erster Linie zu berück­sichtigen, bei denen die Arbeiten noch im W.nter- Halbjahr beendet sein werden.

l^uruvu iCit.

Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Morgen, Dienstag, 20 Uhr, als 14. Borste.luirg m Dienstag-Abonnement der SchwankStöpsel" von Arnold und Bach. Spiel­leitung Peter F a s s o t t. Gewöhniiche Preise. Ende 22.15 Mr. Am Mittwoch. 4. Januar, 15.45 Uhr, zu kleinen Preisen Wiederholung des MärchensAschenbrödel", sechs Bilder mit Mu­sik, Gesang und Tanz von Görner. Spielleitung: Bolck-Moehl-Bäulke. Die Intendanz hat sür die Märchenvorstellungen besonders kleine Preise ange'eht, um trotz der wirtschaftlich un­günstigen Zeitverhältnisse a.len Eltern die Mög- lichieit zu bieten, ihren Kindern den Besuch des Weihnachtsmärchens zu gestatten. Ende 18.15 Mr. Diese Ausführung ist die vorletzte Märchen- au führung. Das deutsche FrontstückDie endlose Straße" von Grass und Hintze wird unter der Spielleitung des Intendanten 19.33 Mr als 13. Abonnements Vorstellung zur Aufführung gelangen. Ende 22.45 Mr.

grüßt gelassen ...

So kommt man zur englischen Botschatt. Der Botschafter Großbritanniens steht tief verlegen vor seinem königlichen Herrn.

Die Franzosen können uns offenbar nicht lei­den ..."

Eduard verzieht die Lippen zu einem weltmänni­schen Lächeln, kneift ein Auge zu ... :

Warum sollen sie auch?"

Er stellt sich schnell um. Ohne Begleitung, in einer schlichten Droschke, fährt er zum-EIysee, um der Frau des Präsidenten seine Aufwartung zu machen. Auf die Botschaft wird der '-:<orftanb der englischen Handelslammer zu Paris zitiert, und vor ihm improvisiert Eduard eine honigsüße Rede, die eigentlich nur für die Abendpresse bestimmt ui; er spricht von seiner jahrzehntealten, immer miet' r bewiesenen Liebe zu Paris, von seiner Hossnung aus Freundschaft zwischen seinem und dem fron zöfischen Volke. Am Abend ist Galavorstellung in dem Theätre frangaise. Eduard sitzt in der Pmh- dentenloge, nicht mehr Monarch, sondern ganz Weltmann, gekleidet in einen Frack seiner für ganz Europa vorbildlichen Mode. Grabesschiveigen hat ihn empfangen. In der großen Pause ist er ver­schwunden ... ...

Nun ja, der lebenslustige Herr steht immerhin in seinem siebenten Jahrzehnt, die Strapazen des Tages waren vielleicht zu viel für ihn, er wird sich stillschweigend zurückgezogen haben.

Zurückgezogen? Eduard spaziert munter allein, wie ein Privatmann, im Foyer umher, begrübt Dutzende von alten Bekannten, spaziert mit dem einen, dem andern Arm in Arm auf und ab, laßt sich einer Schauspielerin vorstellen, plaudert mit ihr inmitten eines staunenden und entzückten Zirkels, versichert ihr mit einem Handkuß, sie verkörpere für ihn den ganzen Geist und^dcn ganzen Esprit des von ihm so sehr geliebten Frankreichs

Herrgott, welch ein Biedermann! Am nächsten Tage große Parade in Vincennes. Der König fährt bin ihr, durchquert Paris mit scharmantem lächeln und Winken quittiert er die erstem Ovatio­nen. Abends ist er im Jockeyklub, der Hochburg der Nationalisten und Englandfeinde, hält eine geiit- volle Werberede man kann nicht anders, man jubelt ihm zu. ..

Am 4. Mai ist dieser Besuch zu Ende. Proudent Loubet und das französische Kabinett geleitet in feierlichem Aufzug den hohen Gast zum Bahnhof. Und diesmal sind die Boulevards schwarz von Menschen, die 'Zurufe knattern und donnern, die Menge rast geradezu vor Begeisterung, man winkt und jubelt; das republikanische Paris brüllt:

Es lebe unser König'!'"

Und gerührt und strahlend winkt Eduard VII. seinen lieben Parisern zurück ...

E r k a m , e r s a h , e r s i e g t e. Auf seltsamerein Umweg, schneller und verbliifsender ist nie ein po litisches Bündnis zuftandegekommen. Im Juni des gleichen Jahres macht Präsident Loubet in Beglei­tung von Delcasss, diesem seit langen Jahren eif­rigen Befürworter einer Verständigung mit Eng­land, einen Gegenbesuch in London. Wieder glü­hende Freundschaftsbeteuerungen und im geheimen die schriftliche Fixierung des ersten Entwurfs derEntente" ...

Diese Entente, dieses wichtigste Fundament zu der Mächtekonstellation von 1914, die Deutschland den von uns miterlebten tragischen Absturz ein brachte, unter dem wir heute noch stöhnend uns winden, wird am 8. April des nächsten Jahres von Lansdowne und Delcasfö in London offiziell unter

Fatte der Llnzustettbarkeit zurückgegeben werden tann.

Preußisch - Süddeutsche Klassen­lotterie. Die Erneuerung der Lose muß plan­mäßig spätestens bis zum 4. Januar 18 Uhr bei Verlust des Anrechts in der zuständigen Lotterie- Einnahme geschehen. Zur Vermeidung von Nach- tcilen wird die Beachtung dieser Frist dringend empfohlen.

Zum Vorsitzenden der Handwerks kammer-NebenstelleDarmstadt gewählt

WSR. Darmstadt. 31. Dez. Der Vorstand ter Hessischen HandweAs.ammer hat in fern r letzten Sitzung den Sch mietemeister Holnagcl, Griesheim bei Darmstadt, zum Vorsitzenden der Handwerkskammer-Rebenstelle Darmstadt ge­wählt.

Ruhiger Verlauf der Silvesternacht in Frankfurt a. M.

WSR. Frankfurt a. M.. 1. Jan. Die Sil­vesternacht ist in Frankfurt a. M. sehr ruhig ver- lausen. Wo es nnttlid) zu kleineren Reibereien lam. war die Polizei sehr nachsichtig. DerV r - lebt in den Straßen war auch sehr gering. Hieb jetensalls hjnter dem vergangener Jahre ganz erheblich zurück. Die Feuerwehr mußte dagegen verschiedentlich in Aktion treten, einmal mußte sie einen Brand auf einem städti­schen Müllwagen löschen, sonst gab es verschie­dene Z.mmerbrände. Von den sechs fl;egenden

zeichnet.

König Eduard VII. Hat den ersten gewaltigen Streich getan, Europa sein Gesicht von heute zu (Fortsetzung folgt)

* Ernennung in der staa11ichen H o ch- bauverwaltu n'g. Ernannt wurde der Regie- rungebaurnt Ludwig Vogt zu Alsfeld zum Vor­stand des Hessischen Hochbauamts Friedberg unter Beibehaltung seiner bisherigen Amtsbezeichnung vom 1. Januar 1933 ab.

"TlnbestellbarePostsendungen. Bei ter Oterpostdireltion in Darmstadt mußten im vorigen Jahre 5772 Briefe und 7433 Postkarten, sowie zahlreiche Drucksachen, die infolge ungenü­gender Anschrift dem Empfänger ausgehändigt, noch an den Absender zurückgegeben werden konn­ten. vernichtet werden. Hierdurch mögen für die Beteiligten Unannehmlichkeiten mancherlei Art entstanden sein. Auch wird das Fehlen dieser Sendungen zu ungerechtfertigten Vorwürfen gegen die Postverwaltung und ihre Beamten Anlaß gegeben haben. . Ohne genaue und vollständige Anschrift des Empfängers, zu ter bei größeren Orten außer dem Vor- und dem Zunamen der Stand, die Straße und die Hausnummer gehören, ist die Zustellung einer Postsendung selbst dem sindigsten Zusteller nicht immer möglich. Auch ist es unumgänglich nötig, auf allen Postsendungen stets Harne, Wohnort und Wohnung des Absen­ders anzugeben, damit diesem die Sendung im

mehr. Er plant eine Mitielmeerreise, um sich gleich­zeitig an den Höfen von Lissabon und von Rom vorzustellen und will von der Riviera aus nach Paris. Seine Minister warnen selbst sein guter Bekannter, der französische Botschaster Cambon, warnt. Aber Eduard kann halsstarrig sein. Er wird fahren! Es kümmert ihn nicht, daß, je naher der Tag seines Besuchs rückt, die nationalistische Presse von Paris um so heftiger England attackiert.

1. Mai 1903. Auf dem Gare du Nord ist der Präsident Loubet, ist das gesamte französische Ka­binett versammelt. Der Extrazug rollt ein, ihm ent­steigt Eduard, fast provozierend in die rot und gol< den blinkende, weithin leuchtende englische tfelb= marschalluniform gekleidet. Man begrüßt sich, man besteigt die Wagen, man fährt über die Boulevards. Hier ist der Empsang nicht mehr mir kühl, sondern unfreundlich. Eduard vernimmt mehr als einmal den Rus:E s leben die Suren", vernimmt Zischen und hönische Zuruie. Es ist verteufelt heißer Boden aber er zuckt nicht mit der Wimper, er

Schlägereien und Schießereien in der Silvesternacht.

Im Gegensatz zu den Jahreswechselstunden jrühe- rer Jahre, die immer trotz aller Feuerwerisknallerei und allem Geschrei ohne Störungen der öffentlichen Ordnung verliefen, ist es beim diesmaligen Jahres­wechsel in unserer Stadt leider zu Ausjchreitungen gekommen. Die bedauernswerten Vorgänge ereigne­ten sich an verschiedenen Stellen der Stadt. Es gab mehrere Schlägereien und insgesamt acht Ver­letzte, von denen zwei sogar mit erheblichen Wun­den von der Freiwilligen Sanitätskotonne vom Roten Kreuz der Chirurgischen Klinik zugesührt werden mußten. Bei einer tätlichen Auseinander­setzung, die sich in einer Gastwirtschaft im südlichen Stadtviertel ereignete, erhielt ein ziemlich alkoholi- firter Mann so starke Kopfverletzungen, daß er Auf­nahme in die Klinik finden mußte. Bei wetteren Gd) agerfrien in der Schottstraße und in der Wall- tvistraße^ scheinen politische Gegensätze mit im Spiel gewesen zu sein; hier wurde von einem der Strei­tenden leider auch das Messer gebraucht. Die Polizei konnte nur unter Zuhilfenahme des Gummiknüppels die Kampfhähne bändiaen und die Ordnung wieder­herstellen. Fensterscheiben eingeschlagen wurden in einer Gastwirtschaft in der Lowengasje. Scharfe Re­volverschüsse wurden auf ein Schaufenster dos Schuh­geschäfts von Bottina, des AuLftellungsgefch iftes in der Goetheftraße, gegenüber der Handels- und Ge­werbebank, und auf ein Schaufenster derOber- hessischen Volkszeitung"abgegeben. Durch die Zer­störung der Schaufensterscheiben entstand natürlidj erheblicher Schaden, deren Urheber bisher leider nicht ermittelt werden konnten. In den Straßen gab es bei dem starken Verkehr und angesichts der viel­fach durck) allzu reichlichen Alkoholgenuß geschaffenen Stimmung noch mehrfache Reibereien, die aber dank dem besonnenen Auftreten der Polizeibeamten nicht

-zu Weiterungen führten. Es war eine reichlich tur­bulente Nacht, die an die Polizei und die Wache der Freiwilligen Sanitätskolonne vom Roten Kreuz große Anforderungen stellte. Erfreulicherweise setzte sich die Polizei durch ihr besonnenes, zugleich jedoch energisches Auftreten überall durch.

Der übrige Verlauf der Silvesterstunden bewegte sich in althergebrachten Bahnen. Die Jahresschluß­gottesdienste waren gut besucht. In den Straßen herrschte schon vom Abend ab rege Feuerwerks­knallerei, die immer lebhafter wurde, je mehr man sich der Mitternacht näherte. Das feierliche Geläute der Kirchenalocken kündete bann weithin hörbar den Jahreswechsel an.

Trichinenfunde bei Aaubwrld.

Die Forstabteilung des hessischen Finanzmini­steriums weist in einem Ausschreiten an die Forst- ämtcr daraus hin, daß innerhalb von zwei Jah­ren allein in Oberhessen sechsmal lebende Trichinen bei Füchsen gefunden wor­den sind. Da daraus hervorgeht, daß Trichinen bei Raubwild offenbar häufiger vorkommen, als man annahm, und die Gefahr einer gelegentlichen Aletertragung auf Weiteschweine, oder Schweine im Besitze von Jägern nicht ausgeschlossen er­scheint, wird einpsoh'.en, alle Raubwildka ° Dauer unschädlich zu beseitigen. Am einfachsten geschieht dies durch tiefes Vergraben und Verwittern der Stelle durch Kreosol oder ähnliches, um ein Auslcharren zu verhindern. Wo es sich ermöglichen läßt, wäre auch eine Gin» lieferung des Kernes an den Schlachthof Gießen zu empfehlen, um weitere Beobachtungen über die Verbreitung der Trichinen zu ermöglichen. Da ferner bei einem Wildschwein aus freier Wild- bahn ausgebreitete Tuberkulose festgestellt

Der wichtigste Stein in das Gebäude der Entente wird von Eduard im Jahre 1903 eingesetzt. In Frankreich herrscht, sowohl wegen der Marokko­fragen, als auch wegen des Burenkrieges, eine heftige Animosität gegen England. Eduard weiß es, er ist bereits einige Jahre nicht mehr m Paris ge­wesen. Jetzt aber läßt ihm sowohl die Sehnsucht nach den Stätten seiner Lebemannszeit als auch weitblickende politische Erwägungen keine Ruhe

IV.

Paris, du Giadi meiner Träume . . ."

Königin Victoria, die schier zu einem Mythos gewordeneQueen", wird zu Grabe getragen. Es wimmelt bei dieser Gelegenheit zu London nur so von gekrönten Häuptern. Eines unter den zahl­losen ist das des belgischen Leopold, dieses ebenso skrupellosen Kaufmannes wie Lebemannes. Es ist die Zeit, da die belgischen Kongogreuel in der euro­päischen Oefseittlichkeit durchzusickern beginnen. Kö­nig Leopold hat also allen Grund, sich still zu hal­ten und niemanden zu brüskieren. Aber Rücksicht­nahme liegt diesem Monarchen fern. Er bringt nach London, zum großen Staatsbegräbnis der Queen, seiner Tante, zunächst einmal eine hübsche Anzahl seiner geschminkten Mätressen mit und zieht mit ihnen, gleichsam um sich auf das kommende Be­gräbnis zu präparieren, durch die zweifelhaften und durch die schon eindeutigen Vergnügungslokale Londons eine fidele Betriebsamkeit, die er un- mit.eibar nach dem Begräbnis in gleicher Fidelität fortsetzt. Es gelingt ihm, einen S t urmderEn t- r ü ft u n g zu entfachen: selbst beim König Eduard, seinem gewiß nicht prüden Vetter, ist er jetztun­ten durch": die Aufrollung der Kongofrage vom kulturellen Standpunkt aus schlügt hier dem Faß den Boden aus. Eduard läßt den belgischen Hof wissen, daß er nach dem unanständigen Beneh men des Königs sozusagen am Grab seiner Mutter diesen niemals mehr empfangen werde.

Eduard hält Wort hier scheint also ein Stein aus dein mählich erst vollendeten Gebäude der Entente, der fick; Deutschland und Oesterreich-Ungarn bei Ausbruch des Weltkriegs gegenüber sahen, von allem Anfang an herauszubrechen, bevor er ein­gesetzt ist. Gerettet wird die Situation sozusagen erst durch den Tod des Königs Leopold. Jetzt ist der Zeitpunkt da, in dem es Zeit ist für die ersten Schritte. Eduard tut sie in einem vertraulichen Schreiben an den englischen Gesandten in Brüssel, in dem er darauf hinweist, daßkeine Zeit ver­loren gehen soll, um die alten freundschaftlichen Be­ziehungen zwischen dem englischen und belgischen Hof wiederherzustellen". Dieser Wunsch besteht auch in Brüssel der Weg zur Verständigung ist wieder

Wachen des Rettungsdienstes wurden lcistungen ausgeführt.

E.n fingierter UcberfoU

terung und gebe nie an einer Stelle zu viel, sondern zwinge durch, viele kleine Futterstellen das Wild zur Bewegung, d. h. zu der ihm von Ratur üblichen Form seiner Rahrungsau nähme.

In Preußen hat ter H a s e schon Hegezeit, wäh­rend er in Hessen noch bis zum 15. Januar dejagt werden kann. So bringt der Monat die letzten Feldjagden, und dann herrscht wieder Ruhe im Hasenrevier. Fütterung des Hasen im Revier durch Weichholz und Obstbaumäste wie auch durch Heu und Rüben schützt ihn in strengem Winter nicht nur vor Rot, sondern auch vor den Gefah- .ren, die ihm in der Rühe der Dörfer drohen, wenn er vom Hunger gepeinigt die Gärten auf» sucht.

Auch die Fasanen Hennen find geschützt, wäh­rend Hähne noch geschossen werden dürfen. Eben­so wie 6eii Fütterungen der Rebhühner wende man den Fasanenschüttungen seine besondere Aus- mcrksamkeit zu. Hegen bringt Segen!

Enten haben in Preußen auch wieder Schon­zeit, können dagegen in Hessen noch geschossen werden.

In der Rähe der Fütterungen ist gerade bei längerer Schneelage auch oft Gelegenheit zum Ab­schuß von Habicht und Sperber geboten. Es sei auch darauf hingewiesen, weil es meist unbekannt ist, daß der Mäusebussard in Hessen bis zum 31. März abgeschofsen werden darf, da er bei starkem Auftreten u. il. eine Gefahr für die Riederjagd werden kann. Jedenfalls gibt es einzelne Spe­zialisten darunter, die gerate für Hühner- und Fasanenfütterungen lebhaftes Interesse zeigen.

Man vergesse darüber nicht, daß alle anderen Raubvogelarten geschützt sind und ihr Abschuß für den Schützen sehr empfindliche Folgen haben tann!

Einen besonderen Reiz bekommt die Jagd des Januars dadurch, daß die Roklzeit des Fuchses beginnt. Bekanntlid) verspricht dann die Jagd mit dem Erdhund oft größten Erfolg. Aber der Schnee läßt auch Drückjagden, Ansitz an der Feldkante, Rei­zen mit der Hasenquäke oder Abschuß an der Lu­derhütte aussichtsreich erscheinen.

In gleicher Weise erleichtert die Schneedecke Die Jagd auf das kleiner Raubzeug wie Wiesel, Iltis und Marder.

Ganz besondere Ausmerksamkeit ist dem Jagd­schutz zu schenken. Notleidendes Wild ist weniger vorsichtig und größeren Gefahren ausgesetzt. Bei Schnee und Mondschein gehören Jäger und Jagd- Ichutzbeamter ins Revier. Die Reviergänge sollen sich auch auf die Dorfränder erstrecken, wo den Ha sen in den Zäunen und Hecken mancherlei Gefahren drohen. Die Wildwechsel sind zu überwachen.

Der wahre Weidmann findet in dieser Betäti­gung die gleiche Befriedigung wie angesichts einer guten Strecke, denn er fühlt es:

Der Heger, der Pfleger kann Jäger nur fein!

Hubertus.

Das Schießen allein macht ten Jäger nicht aus.

Wer werter nichts kann, bleibe belfer zu Haus."

Leiter ist die Zahl der Jäger nicht ganz klein, denen Hermann Löns diesen Rat g.bt; denn bald ist der letzte Hase auf ten Kopf gestellt, und dann wandert die Flinte in den Schrank. Dabei wäre die Anwesenheit des Weidmannes, wenn er d.e- sen Ramen überhaupt verdienen will, gerade jetzt draußen nötiger denn je,wenn mager die Aesung und bitter die Rot, und hinter dem Wlld einherschlcicht der Tod". Dec Januar muß vor allem ein Monat der W'.ldpflege sein. Menn ter Himmel sein weißes Tuch über Wald und Flur ausbreitete, dann z.ehk es den Jager mit allen Fasern seines Herzens hinaus m ten Winterwald. Weit aufgeschlagen liegt das Buch der Ratur vor ihm und verrät ihm nicht nur. wo Sauen sich steckten oder der Marder holzte oder ob der Fuchs zu Bau fuhr, sondern auch, ob sein Wild die Fütterungen fand oder ob Harsch- schnee dem Rehwild die Läufe zerschnitt oder ob feinem Wilde von jagenten Hunden oder lichtscheuem Gesindel Gefahr droht.

Im Rotwiildrevier sind die Fütterungen beschickt. Hier herrscht Frieden, denn nur der Aasjäger würde an einer Fütterung schießen. Das Rotwild hat noch Schußzeit, und wo der Abschuß noch nicht erfüllt wird, wird der Monat noch zu Wildjagden benutzt werden. Daß dieser nur fernab von-tterungen vollzogen wird, ist selbstverständlich.

Das Schwarzwild hat die Rauschzeit hinter sich. Bei starkem Schnee und Frost kommt es leicht stark ab und wird in Pfleglich behandel- ten Revieren dann geschont. Meist allerdings ist es anders, und jede Reue wird dazu be­nutzt, die Sauen festzumachen und zu besagen. Die schneearmen Winter haben dazu geführt, daß die Revierinhaber sich nicht anders zu heFen ^Das Rehwild Hal nun überall Schonzeit. Cs steht meist in stärkeren Sprüngen zu-ammen und findet an Heidekraut, Weichhölzern, Knochen und Saaten seine Aesung. Bei hoher Schnee- lage aber und in äsungsarmen Revieren nt Füt­terung dringend geboten. Eicheln oder Kasta­nien, Hafergarten oder Haferstroh. Heu oder Laubheu eignen sich alle gut dazu. Eine gew: ie Erfahrung gehört allerdings dazu, was m dem betreffenden Revier am besten angencmmen wird, da dies nicht überall gleich ist. Vielfach genügt es aber schon, wenn mit einem Rechen Heidekraut freigelegt wird und wenn Pfade zu Aesung getreten werten, um ein Wundwerten zu verhindern. Alle Futtermittel schütze man durch künstliche oder natürliche Dächer gegen die Wtt°

WSN. Usingen, 31. Dez Per junge Mann, der gestern im Walde zwischen Wehrheim und Iljin gen mit den Füßen nach oben a u s ge­hängt aufgefunden wurde und bann die Ge­schichte von dem fenfaiioncllcn lieber fall erzählte, hat sich selbst so an den Baum gebunden und den ganzen llcberfall erlogen. Der junge Mann hatte Gelder cinkassiert und verjubelt und wollte nun feine Verfehlungen auf diese raffinierte Art und Weife verdeck e n. Die Meldung von diesem angeblichen Ucbcrfan und der rohen Behandlung des UebcrfaUcnen hatte allerwärts großes Aufsehen hervorgerufen.

Büchertisch.

Ins Innerste Brasiliens, zu den kaum cr- sorschten Jndianerftämmen der Urwälder des Ama zonasgebiets, und in die grüne'JöUc des Gran Eh.ico führen uns diese unter dem TitelI m Indianer - Dschungel Südamerika ausgezeichneten Erlebnisse einer Forschungsreue von Ernesto Wagner (Wilhelm Köhler Verlag, Minden i. W. 21» Seiten 2 xt, 7 B'Idlafeln, in Ganzleinen 3,85 RM.). An Bonseis'Jndienfahrt erinnert das Buch in der Art, wie der Erfasser es versteht, die Atmosphäre der Wildnis, düs Undurch dringliche und das UhergrünMtchc ttopi'ch schwüler Urwaldtage, geheimnisvoll belebter Urw^ldnöchte fühlbar zu machen. Ein mit Spannung geladenes Buch. (527.)

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