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2.1.1933 Erstes Blatt
 
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Nachdruck verboten

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Krtiuterhans Jung, in der Schulstr.

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vom Trauerhause Niederhofenstraße aus statt.

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von der Reise zurück

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Meine Verlobung mit Fräulein

Gertrud Neumann

beehre ich mich anzuzeigen

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Sein Herz und sein Ehrgefühl waren getroffen von diesem Korb. Es verletzte ihn, daß die Frau, die er liebte, die er -um Weibe begehrt hatte, ihn zurückwies. Es würde einige Zeit dauern, bis er diesen Hieb verwunden haben würde. Dis er diese süße, verwirrende Frau vergaß, die ihn völlig bezaubert hatte.

Er hatte bisher über diese Art Frauen immer verächtlich gelächelt, hatte sich ihrem Zauber gegenüber immun gefühlt. Und mußte jetzt er­leben, daß er Madelon Wintöre ganz zum Opfer gefallen, daß er von ihr verschmäht worden war. Er litt grenzenlos, und es war keine andere Mög­lichkeit da, als alle Bande zwischen ihr und ihm zu zerschneiden, sich ganz von ihr zu lösen.

Eine Stunde später saß er im Cxprehzug, der ihn der Heimat entgegenbringen sollte.

Als der Zug den Bahnhof von Barcelona ver- ließ, sah August ein Flugzeug in die Höhe steigen, das eine Zeitlang mit dem Zuge gleichen Kurs hielt und dann in den Wolken verschwand. Er ahnte nicht, daß es 3oe und Titus barg, die enteilten, um ihre reiche Deute in Sicherheit zu bringen.

August Richter war in traurige Gedanken ver­sunken. Er sah nichts von der Schönheit des Landes, das er durchfuhr. Sah nicht die blühen­den Granatbäume, die Orangenhaine, die pitto­resken Gestalten, an denen der Zug vorüberfuhr.

Leilnahmlos starrte er vor sich hin teil» nahmlos überflog er auch die deutschen Zeitungen, die er sich in Dercelona gekauft hatte.

In Gerona stieg ein Herr zu h t ins Abteil. Im Laufe der Fährt kamen sie ins Gespräch: der andere war ein Franzose, Jules Iourdain, Bergbauingenieur. Er wollte in Figuras aus­steigen, um dort die interessanten Kupfer- und Goldbergwerke zu besichtigen.

Er konnte August Richter manchen fachmänni­schen Rat erteilen für sein werdendes Braun» kohlenbergwerk, und er schlug ihm schließlich vor, in Figuras mit auszusteigen, da ihn doch sicher die dortigen Dergwerke auch interessieren würden.

Da es August mit der Heimreise nicht eilte, ging er auf den Vorschlag des Franzosen ein.

Als August nachts in seinem Hotelzimmer seine Aktentasche öffnen wollte, um sein Rachtzeug auszupacken, ließ sich das Schloß nicht öffnen.

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gültig verlassen hatten. Außer dem feinigeit, fand er noch die Rainen der spanischen Offiziere und einiger ihm unbekannter Pafsag'ere. Die der Geschwister fand er nicht darunter. Also weilten sie noch an Dord, also hatte wohl auch Magda­lene noch nichts von ihrem Verlust erfahren.

Es genügte, wenn er das SAff bei seinem Eintreffen in Genua in Empfang nehmen konnte. Zweiunddreißig Stunden brauchte der Dampfer zu der Fährt nach Genua: bis morgen nachmittag hatte er Zeit er konnte es gut schaffen.

Zuerst flog Doktor Richter nach Marseiile, wo er nach dreistündigem Flug landete. Von Marseille aus benutzte er den Rivieraexpreß: seine Rerven hielten es. nicht aus, in Marseille tatenlos auf einen anderen Anschluhzug zu war­ten, der viel später fuhr.

Unterwegs indes, als der Luxuszug an den wundervollen Rivieraorten vorüberfuhr, kam ihm der Gedanke, in Monte Carlo die Fahrt zu unter­brechen und sich erst einmal auszuruhen. Er war todmüde und konnte kaum mehr einen Gedanken fassen. Es war sicher vernünftiger, sich in einem ordentlichen Dett auszuschlafen, um am anderen Tage frisch und tatkräftig zu sein. Wenn er am frühen Morgen in Monte Carlo wegfuhr, kam er immer noch rechtzeckig zur Ankunft des Damp­fers nach Genua.

So kam es, daß Doktor Richter in Monte Carlo den Zug verließ und in einem der ele­ganten Hotels abstieg.

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Komisch August wußte genau, daß er seine Tasche nur zugeklappt und nicht verschlossen hatte.

Der Hotelportier hatte zufällig einen paffenden Schlüssel. Die Tasche war offen.

Perplex starrte August auf den Inhalt der Tasche. Kein Schlafanzug, kein Necessaire waren zu sehen. Da war nichts als Papierzeug und einige Zigarettenschachteln darin.

Jäh kam Richter die Erkenntnis, daß seine Tasche mit der Titus van Iolliets verwechselt worden war.

Was sollte er nun machen?

Als er noch grübelte, sah er ein beschriebenes Dlatt zwischen dem anderen Kram. Unwillkürlich zog er dos Dlatt heraus. Er war schon immer ein wenig neugierig gewesen, etwas über diesen seltsamen Reisegeno.sen zu erfahren.

... sofort geh' in Deine Kabine, äleberzeuge Dich, wo Doktor Richter ist. Ich habe den Schlüssel. Tippmamsell ist vertrauensselig. Heute gelingt der Fang. Entferne Dich unauf­fällig. Joe..."

Was war das? Hatte ihn feine Ahnung nicht betrogen? Er hatte den beiden von Anfang an nicht recht getraut.

Die unangenehmen Vorfälle auf dem Schiff? Sollten die Geschwister daran beteiligt sein?

Rasch leerte er jetzt den Inhalt der Tasche auf dem Tische aus. Danknoten kamen zum Vorschein, Scheckbücher, Urkunden und ein Ausweis für Fräulein Magdalene Winter, geboren zu Leipzig.

August Richter wirbelten die Gedanken im Kopse herum. Magdalene Winter hieß sie also und war aus Leipzig. Richt Madelon Wintere keine Französin. Wie hatte er sich auch so täuschen lassen! Jetzt wußte er auf einmal, daß ihn der deutsche Akzent in ihrem Französisch immer irritiert hatte.

Sie hatte erzählt, üjr Großvater sei Deutscher gewesen: aus Dresden. Man habe bei ihnen zu Hause viel deutsch gesprochen, und sie habe viele Monate bei ihrem Großvater in Deutschland gelebt, deshalb sei ihr das Deutsche fast so ge­läufig wie das Französische.

Warum aber hatte sie ihre deutsche Abstam­mung verleugnet? Sie sah so ehrlich und so treu aus. Sicher steckte diese Joe Rowakowsla dahinter, die Gesellschafterin und Freundin. Solche Hinterhältigkeiten sahen ihr ähnlich. Und Magdalene hatte es nicht einmal schwer gehabt, die Fiktion aufrechtzuerhalten: ihr Aussehen glich eher dem einer Romanin als dem einer Deutschen.

Ein plötzlicher Emst legte sich auf August Richters Züge, als er noch einmal den Inhalt der Aktentasche musterte. Die Zigarettenschachteln enthielten Schmuckstücke aller Art: Ringe, Ketten, Armbänder.

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In tiefer Trauer:

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Lang-Göns, den 2. Januar 1933.

Die Beerdigung findet am Mittwoch, dem 4. Januar, nachm. lVä Uhr,

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In einem Hafenhvtel der Marseiller Altstadt war ein elegantes Paar al ' stiegen, das seinem Aeußeren noch viel besser in ine?, der vornehmen Hotels auf der Canebiere grpaßt hätte als in diese Spelunke.

Der Wirt machte sich weiter keine Gedaicken darüber. Er war an seltsame Cr/iste gewöhnt und zog seinen Vorteil aus ali-n feinen Gästen. Und dieses Ehepaar, das sich unktr dem Ramen Tar- tou eingetragen hatte, schie'.i nicht zu knausern. Ohne zu feilschen, hatten bi? neuen Gäste den horrenden Preis akzeptiert, den der Wirt für das reparaturbedürftige Z-iämer berechnet hatte. Sie hatten sogar gleich gezaklt, da sie morgen in aller Frühe Weiterreisen wollten.

Joe warf in weitem Booen den Hut vom Kopfe, als Titus die Znnmc'.tür hinter sich ver­riegelt hatte. Alles wa ' ir her gut gegangen. Sie hatte nichts weiter ^om Schiff mit sich ge­nommen als ihren kleinen Koffer, den sie bei allen Landausflügen bei sich hatte. Jeder Arg­wohn war auf diese Weise vermieden worden. Das, worauf es vor allen Dingen ankam, führte Titus in seiner Aktentasche mit sich.

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Das war indes 2lebensache. Die Hauptsache waren diese Papiere, die das Vermögen Magda­lenes ausmachten. Aus ihnen ersah August, daß Magdalene Winter am siebzehnten März ein Dankguthaben eröffnet hatte ein ziemlich großes Bankguthaben. Er ersah indes auch aus den Delegen, daß sie in dieser kurzen Zeit schon eine beträchtliche Summe verbraucht hatte.

Sie mußte sehr leichtsinnig mit dem Geld umgegangen sein, ein Vermögen unnütz ver­schleudert häben.

Hatte sie denn keinen Menschen, der sich um sie kümmerte? Der das junge Geschöpf auf den richtigen Weg führte?

Sie war sicher nicht schlecht, das wußte August Richter. Soweit kannte er die Menschen. Sie war unerhört leichtsinnig und hatte sich ganz in die Hände dieser beiden verantwortungslosen Man­schen gegeben, mit denen sie in der Welt herumreiste.

Und jetzt hatten sie diese Danditen um ihr ganzes Vermögen betrogen, hatten sich in den Besitz aller Urfun&en gesetzt, so daß Magdalene völlig mittellos war.

Freilich, auch die Gauner hatten jetzt das Rachsehen, wo sich der peinliche Zwischenfall mit der Tasche ereignet hatte.

Das änderte aber nichts an der Tatsache, daß Magdalene mittellos dastand und daß sie sich wohl nicht zu helfen wußte.

Eine kleine Strafe verdiente sie ja: aber sie durfte nicht zu lange dauern und mußte nach Möglichkeit abgekürzt werden.

Seine heiße Liebe zu dieser Frau überfiel ihn mit neuer Macht, und er war sich klar darüber, daß er ihr sofort zu Hilfe eilen mußte.

Er mußte zurück: der Kapitän und die Polizei muhten benachrichtigt werden. Die beiden Kom­plicen waren sicher nicht mehr an Dord zurück­gekehrt: hatten von Barcelona aus das Weite gesucht. Man mußte alles daran sehen, sie zu erwischen.

Vor allem aber handelte es sich darum, Mag­dalene zu beruhigen

Der Expreßzug ging erst am anderen Morgen. Warum er sich kein Flugzeug gemietet hatte diese Frage beschäftigte August noch lange später in seinen Träumen, ohne daß er damit den Scha­den hätte gutmachen können.

Als er, nach einer qualvollen Fahrt, in Bar­celona ankam, muhte er zu seinem Entsetzen er­fahren, daß der Dampfer vor einer Stunde den Hafen verlassen hatte.

In seinem Kopfe jagten sich die Gedanken. Das eine stand fest: er muhte das Schiff zu er­reichen suchen.

Zunächst lieh er sich die Liste derjenigen Per­sonen geben, die in Barcelona das Schiff end­

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