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1.7.1933 Erstes Blatt
 
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MWMMMA.

Vornan von Helma von Hellermann.

7. Fortsetzung. Nachdruck verboten!

Er nahm die gebotene Hand und küßte sie schwei­gend und in tiefster Ehrfurcht. Und als ihre Blicke sich trafen, war in beiden der Abglanz einer tiefen Bewegung.

Bon den Türmen der Kirchen klangen die Mit- tagsglocken. Landro richtete sich auf und straffte die Schultern.

Mittag und wir sitzen hier und vergessen unsere heiligste Pflicht!"

Was meinen Sie?"

Nun, ein bißchen von dem Mammon vertun, mit dem man uns heute früh so freundlich bedacht Hal", erwiderte Bandro ernsthaft.Wozu in aller Welt ist er denn sonst da? Ich gehe essen!"

Sie mußte lachen. Er sah sie entzückt an.

Könnte das nicht zu zweien geschehen, Gräfin? Oder gedachten Sie heute von Frühlingsseligkeiten zu leben? Ich für meinen Teil ziehe da Frühlings­suppe vor, und etwas Ordentliches dazu. Im Tucher- bräu gibt es Schweinskotelett mit Rottraut und Kar­toffeln für achtzig Pfennig. Achtzig Pfennig! Das ist billig. Und für edjroeinstotelett bin ich außerordent­lich empfänglich. Halten Sie mit?"

Wenn ich für mich bezahlen darf..."

Genehmigt. Sonst kriege ich Sie ja nicht hin."

Sie gingen nach dem Ausgang des Parks. Als sie über die Holzplanken der kleinen Brücke schritten, blieb Wera unwillkürlich stehen und sah über das vorhin so dunkle Wasser hin. Nun funkelte und glänzte es, in lauter Sonne getaucht. Sollte die wirklich siegen, wie der Mann an ihrer Seite so zu­versichtlich behauptet?

Da mahnte seine Stimme schon in sanfter Dring­lichkeit:

Nicht stehenbleiben, nicht rückwärts schauen, Gräfin! Unser Weg geht vorwärts!"

Und sie schloß das Tor ihrer Seele vor dem er­neut anstürmenden Schmerz der Erinnerungen und ging gehorsam weiter. Weil ein Fremder es gebot, der ihr in dieser Stunde Freund geworden.

8. Kapitel.

Lieb du mich so wie ich dich, süßer kleiner Schä­ker", sang Li Kalesso und sah zu ihrem Partner em­por, dessen schwarze Brauen sich zusammenschoben. Magst das Liedei nicht, du?" Ihre rotgeschminkten Lippen spitzten sich wie zu einem Kuß.

Nein", entgegnete der kurz und vermied mit gewandtem Gleischritt einen Zusammenstoß mit dem von hinten vortanzenden Paar.

Aber alle Welt singt es doch jetzt!"

Und weil alle Welt es singt, muß es mir ge­fallen?" Nun war ein Lächeln in den dunklen Augen,

Vie auf die schlanke Frau herniederblickten.Das neue Kleid steht dir gut, Li."

Wie ein Panzer umschloß der Goldstoff die schmale Gestalt, um nach unten in schimmernder Faltenweite auseinanderzufallen. Das pikante Gesicht mit der kecken Stupsnase sah heute merkwürdig jung aus.

Sie strahlte ihn an.Freut mich, bist ja der Spen­der! Das hab' ich mir vom letzten Scheck gekauft."

Richtig." Wiedeidiächelte er. Aber die kleine Wärme in seinem Blick war verschwunden. Die Frau, die fein Arm umfaßt hielt, deren schöner Körper sich leicht, aber fühlbar gegen den seinen schmiegte, ver­stand ihr Geschäft. Zur feinsten Kunst hatte sie das Nehmen ausgebildet. Aber so waren sie ja im Grunde alle, alle. Für Geld war alles zu haben, man mußte nur den Preis nach der Güte der Ware richten.

Was ist nur heute mit dir, Magnus. Du bist so wortkarg." Es lag ein gut Stück versteckter Zärt­lichkeit in dem Schmollen.

Der Many schien es nicht zu merken. Er verneigte sich im Weitertanzen leicht gegen ein an der Tür zum Nebensaal stehendes Paar, das eben gekommen war und ihm und seiner Partnerin interessiert nach- sah.

Wer ist das?" fragte die Blondine, das lange Hermelincape mit geschickter Unabsichtlichkeit leicht von der nackten Schulter herabgleiten lassend, indem sie es mit spitzen Fingern über der Brust zusammen- raffte.

Steinherr", erwiderte ihr Begleiter lakonisch. Er putzte sich das Einglas und klemmte es ins linke Auge.

Ein überraschtes:Ah der Steinherr?"

Es gibt nur einen, den ganz Deutschland kennt.

Wollen wir tanzen, Frau Jenny?" t

Sie überhörte es, sah dem anderen Paar weiter nach.Das ist doch die Kalesso mit ihm sind die beiden liiert?"

Ein böser, schräger Seitenblick traf die fragende Frau.Ich kann Ihnen leider keine Hoffnung ma­chen, Frau Jenny der Herr da drüben hat keiner­lei Eroberungsehrgeiz."

Aber eine volle Börse", vollendete sie, mit leicht zusammengeknissenen Augenwinkeln die ragende Ge­stalt des anderen verfolgend.

Die er gut verschlossen zu halten versteht", lachte Hans-Heinrich Gebier. Qual und Bitterkeit waren in diesem leisen Lachen. Die Unersättlichkeit dieser Frau war grauenhaft, ein Vampir war sie.Magnus Skeisherr ist kein heuriger Hase."

Eben deswegen. Es könnte mich reizen..." Sie hob die schweren Lider, lächelte ihren Begleiter an, süß und grausam. Legte die Hand auf seinen Arm. Das andere Paar kam wieder näher. Er verstand.

Nein", sagte er zwischen zusammengebissenen Zähnen,nein." Fühlte die Nähte der Frau an sei­ner Seite. Und wurde willenlos, wie stets, wenn es galt, sich gegen sie zu behaupten.

Grüßend lachte er dem Paar entgegen:Hallo!"

«icinherr, uuer den Stopf ieiner Partnerin hin­weg durch den Saal blickend, dessen Fülle ihm nicht paßte, entdeckte den Bekannten wieder und verhielt den Schritt. Er sprach zu der Frau in seinen Armen. Kam dann mit ihr auf das andere Paar zu. In den Augen der Blondine glomm es auf.

Guten Abend, Gebier." Eine knappe Verbeugung vor der Fremden, die unhöflich gewirkt hatte, wäre sie nicht so elegant gewesen.

Jenny Maloreen hob ihm die Hand zum Kuß ent­gegen. Er neigte sich darüber, aber feine Lippen be­rührten nicht die duftende Haut. Mit einem heim­lichen Aufatmen sah cs die Kalesso. Jede neue Er­scheinung fürchtete sie, und diese Frau mit den schma­len, graugrünen Katzenaugen, dem dünnen Mund, der sich wie ein schmaler Blutstreifen durch das blasse, ungeschminkte Gesicht zog, mehr als alle anderen. Das reizende Gassenbubengesicht entspannte sich. Nur ein leises Vibrieren in ihrem Lachen verriet die innere Erregung.

Freut mich, daß Ihnen der .Hexensabbat' so gut gefiel, Heinz! Aber Ihre .Mausi' spiel' ich deswegen noch lange nicht, in der Fassung wird die Aufführung eher ein böser Aschermittwochskater!"

Verraten Sie mir Ihre Wünsche, Frau Li!"

Mehr Kürze und weniger Würze", riet sie, das schmale Goldband auf die Schulter hochziehend, von der es während des Tanzens herabgeglitten war. Es ist alles zu deutlich. Achtung, Madame will gehen."

Die Maloreen sprach mit Steinherr.Herr Gebier rief, weil ich Sie kennenlernen wollte", sagte sie in ihrer seltsam klanglosen Stimme, die man lange nachher noch im Ohr zu hören vermeinte.Es inter- effierte mich, den Mann kennenzulernen, der es fertig« brachte, sich aus eigener Kraft heraus eine führende Stellung zu schaffen. Sie verstehen es, anderen Ihren Willen aufzuzwingen das gefällt mir." Ihre Augen sahen ihn unter den schweren Lidern an, kalt, fest und zwingend. Sie mußte hinaufsehen, er überragte sie um ein gutes Stück.

Des Mannes braunes Gesicht blieb unbewegt. Er verneigte sich leicht:Ihre Güte ehrt mich, gnädige Frau." Es klang sehr höflich und sehr kühl.

Die schillernden Augen hoben sich wieder.Hätten Sie lieber ,Jhr Gefallen' gesagt-, mir gefällt selten ein Mensch. Ader .Güte'? Von Güte besitze ich auch nicht" sie schnippte leise mit den langen, sehr schöngeformten Fingerndie Spur. Mich lockt nur die Macht."

Run war doch etwas wie Interesse in Steinherrs Betrachtung.Aber der Weg zu ihr ist voller Dor­nen!" _ _

Die läßt man entfernen, Herr Stemherr. Wozu sind denn die anderen da ..."

Um die Mundwinkel des Mannes zuckte es.Sehr richtig, gnädige Frau, es gibt ja soviel Dummheit auf der Welt, die gern dient. Aber wollen wir uns nicht setzen? Da drüben ist mein Tisch darf ich bitten?

Die Maloreen, die noch Immer das Eape Übet der Brust zusammcngerafst hielt, neigte das Haupt. Danke, ich möchte lieber im großen Saal sitzen. Wir sehen uns noch, Herr Steinherr?" Es war ein Befehl, keine Frage. Groß sah sie empor in das braune Gesicht des Mannes, das weder Bejahung noch Abwehr verriet.

Steinherr ging nicht hinüber in den großen Saal, was Frau Li mit Glück und Befriedigung erfüllte. Freunde kamen an den Tisch, um den sich bald eine fröhliche Runde gebildet hatte. Die reizende Ka­lesso, strahlend und in sprudelndster Laune, kam kaum herunter vom Parkett. Doch so scharf sie Um­schau hielt, nirgends war das blasse Gesicht der Maloreen unter den Tanzenden zu sehen. Endlich entdeckte sie sie an einem kleinen Ecktisch hinten, in­mitten einer Schar von Herren im Frack. Die Zi­garette zwischen den langen Fingern drehend, saß sie in dem blauen Tabakdunst, der sie wie eine Wolke umgab, und hörte schweigend der Rede eine» bebrillten Glatzkopses zu, den Li als den Finanz- minifter erkannte. Sie hatte gute Beziehungen, Oie Katze...

Steinherr brach früh auf.Warum denn?" Nagte der dicke Selling, der seine Generaldirektorssorgen gern einmal verlegte.Jetzt fängt's doch grab erst an, gemütlich zu werden: seien Sie doch kein Frosch! Wir fahren bann alle zu mir, ober noch besser: in bie kleine Tanzbar am Ring, die letzte Woche er­öffnet würbe. Das ist Sache!''

Ich habe noch zu tun." Magnus Steinherr hatte sich erhoben. Unb da er so am Tisch stand, schien es, als seien bie Sitzenbcn irgenbroie zusammenge­schrumpft. Die Kalesso schlüpfte in ben Pelz, ben er ihr umhängtc. Reizvoll hob sich ihr pikantes Gesicht aus ber selbigen Weiche des Zobclkragens.

Und Sie auch!?" jammerte Selling.Lassen Sie uns doch wenigstens Frau Li hier! Die anderen vermasseln einem bloß die gute Laune."

Li lachte.Danke schön! Aber morgen früh um zehn ist Probe, da muß ich frisch fein." Ihre lie­benswürdige Fügsamkeit in feine Wünsche war in Steinherrs Augen ihre größte Tugend.

9. Kapitel.

Als die beiden das Vestibül des Hotels erreicht hatten, standen plötzlich wie hingeweht der junge Gebier und Jenny Maloreen vor ihnen.

Gehen Sie auch schon? Ich bin müde", meinte die letztere, Steinherr ansehend, als sei seine Be­gleiterin nicht vorhanden. Sie tat weder gekränkt noch vertraulich.Hoffentlich finden wir eine Taxe mein Wagen ist in Reparatur, und Oehlers Schneckentempo paßt mir nicht."

Gebier lachte etwas unsicher. Er war bekannt für seine Unvorsichtigkeit, die ihn schon ein schönes Stück Geld gekostet hatte.

Darf ich Sie beide in meinem Wagen mitneh- men", bot Steknherr höflich an. Es blieb ihm nichts anderes übrig.

(Fortsetzung fok

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