Ur. 151 Zweiter Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)
Samstag, 1.M1933
Wandern und weisen • Bäder und Sommerfrischen.
Gerten im fäfiönbad dem Paradies an der Put da Ausgedehnte Parkanlagen mit großem Schwimm - Freibad. Kinderplanschbecken, Liegewiese und sonstige Ruheplätze, Sportmöglichkeit. — Gute Zimmer mit fließendem Wasser. W.C. Keine Kurtaxe. Idealster Wochenendaufenthalt. Illustr. Prospekt kostenlos durch die Verwaltung des 4112V
Rhönbad Bronnzell bei Fulda!
IIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIW
Werrafahri im Paddelboot.
Don Georg Struh.
Das Grammophon dudelte — wohl schon zum zehnten Male: Cs wird schon wieder besser, es wird schon wieder besser... Lilian Harvey und Willi Fritsch sangen es in trautem Duett. Und wir hatten nichts als die Hoffnung, daß es wirklich bald besser wurde. Denn immer, noch hüllte sich der Himmel in ein dunkles Grau. Kein einziger Sonnenstrahl.
Unsere Boote treiben mäßig schnell dahin. In der Ferne taucht ein Städtchen auf: Esch Wege! Allerhand freundliche Gedanken huschen in den Kreis der Betrachtungen. Am wertvollsten erscheint uns nur das eine: Mittagsrast I
Es wird gebraten, gekocht und gebacken. Daneben gibt es einige Feststellungen: Grete hat im dunklen Keller der Mutter zu Blumenzwiebeln statt echter Zipollen- gegriffen. Außerdem ist der Himbeeriaft ausgelaufen: er hat hübsche bunte Verzierungen in der Wäsche hinterlassen.
Der Himmel hängt noch immer voller Geigen. Cs dräut und dräut. Dunkle Wolkenfehen ziehen dahin, ein frischer Wind weht. Immerhin ist's klar genug, um die in der Ferne liegende „Blaue Kuppe", einen ehemals feuerspeienden Berg, zu erkennen. Auf der andern Seite wuchtet das Massiv des Hohen Meißners gen Himmel. Drüben liegt das Schloß Wolfsbrunn, ein Prunkbau, der nicht wenige« als vier Millionen Mark verschlungen haben soll.
Am andern Tage haben wir nicht nur Sonne, sondern auch flotte Fahrt. Bergnügt jonglieren wir mit den Paddelbooten über die Steine hinweg, die überall hindernd im Wasser liegen. Die von Schilf und Bohr eingesäumten Ufer leuchten in herrlichster Sommerpracht. Es brennt der Mohn in feurigem Rot, der gelbe Löwenzahn wetteifert mit weißen Margeriten, und stolze Königskerzen schauen erhaben auf das Geranke unter sich. Mit jedem Paddelschlag fliegen die munteren „Wippsterte". Bachstelzen, hoch: mehrfach scheuchen wir Wildenten auf, die in schnellem Fluge abstreichen. In neckischem Liebesspiel segeln die Uferschwalben, während aus den naheliegenden Wäldern ein vielstimmiges Bogel- gezwitscher zu uns herüber dringt.
An schmucken Dörfern fahren wir vorüber, hinter denen wie gemalte Kulissen das hessische Bergland mit dunklen Wäldern und lieblichen Matten sich präsentiert.
Hinter einer Brücke haben wir plötzlich Strom- schnellen. Aufpassen, aufpassen... Da! Eines der Boote sitzt schon auf Grund. Ra, na! Der unaufmerksame Paddler ist schon herausgesprungen, während sein Mädelchen ängstlich die Paddel schwingt. Schon ist das Boot wieder flott. Alles ging glatt und ohne Schaden ab.
Bei Albungen mit dem vielbesuchten Höllental taucht die Burg Fürstenstein auf. Hoch über der Werra thront das alte Gemäuer. Bald nähern wir uns der Doppelstadt Allendorf- Bad Sooden, allwo die Soodener Salzpastillen fabriziert werden. Auf der einen Seite liegt der aufstrebende Kurort Bad Sooden — auf der andern Allendorf, das altertümliche Städtchen mit vielen Fachwerkbauten, krummen Gäßchen und stillen Winkeln. Beide Städte sind durch eine wuchtige Brücke voneinander getrennt.
Wir entschließen uns zu einem Besuche Allen- dorfs, schauen uns satt an den köstlichen hessischen Fachwerkbauten und gelangen bei unserer Wanderung vor die Tore der Stadt, wo wir überrascht aufschauen. „Am Brunnen, vor dem Tore, da steht ein Lindenbaum..." Hier an dieser Stelle hatte der Dichter Wilhelm Müller verweilt, als er seine berühmten Berse schrieb, die durch Franz Schuberts Melodie unsterblich wurden. Der Dichter lebte lange Iahre in Allendorf.
Rach kurzer Mittagsrast ziehen unsere Boote an Allendorfs Fischerstadt vorüber. Ein kleines Venedig! Bei Hochwasser sind die Häuser durch ein Wehr geschützt, das wir mit unseren Booten passiersn müssen.
Eine annehmbare Strömung bringt uns rasch vorwärts. Es dauert nicht lange und die Iugend- burg Ludwig st ein liegt vor uns. Das Ziel für die Rächt und den nächsten Tag! Wir können uns entscheiden, ob wir auf hessischem oder thüringischem Gebiete rasten wollen, denn die Werra trennt beide Freistaaten voneinander. Ein günstiger Lagerplatz ist ausschlaggebend: in Hessen bleiben wir. Wollen wir nach Thüringen, dann können wir über die alte Brücke gehen, die unweit unseres Lagerplatzes liegt. Aha, noch ein Drückentarif! Was steht denn da: ..... Equi-
fPagen und Tiere, welche zu den Hofhaltungen des Königlichen Hauses oder des Fürstlichen Gesamthauses Hohenzollern oder zu den Königlichen Gütern gehören, haben freie Ueberfahrt..." Hm. Kommt für uns ja nicht in Frage. Ieder andere Uebergang kostet 10 Pfennig. Also machen wir einen Fährbetrieb auf; das erspart uns manchen Groschen.
Die Rast nutzen wir gründlich aus. Der Iu- gendburg Ludwigstein statten wir unseren Besuch ab. Weit schauen wir vom Burgfried aus ins Werratal. Auch nach Thüringen wandern wir hinein — steil hinauf zu der Ruine H a n st e i n, die malerisch von dem Dörfchen Rimbach umlagert ist. Oben die alte Felsruine, rings herum wie Schwalbennester die Häuschen und ein schmuk- kes Kirchlein des kleinen, katholischen Dörfchens.
Unvergeßlich sind die Eindrücke von diesem herrlichen Landstrich.
Wir sind schon wieder in Fahrt. An der Tabakarbeiterstadt Witzenhausen geht's vorüber. Bei Hedemünden befahren wir den linken Werraarm. Cs schießt der Fluß in seinem engen Bett nur so dahin — kaum, daß wir den lockenden Sauerkirschen zu beiden Seiten einen verlangenden Blick gönnen können. Bei der Stauanlage „Letzter Heller" müssen wir die Boote wieder umtragen.
Endlich sehen wir wieder rauchende Schorn» fLir.e: Schmirgelwerke Hannoversch-Mün- den! Roch einmal so schnell gehen die Paddel. Arn Tanzwerder, dort, wo Werra und Fulda sich küssen und den breiten Weserstrom bilden, wollen wir lagern. Berboten! Schade! Bei der Iugend- herberge finden wir aber einen ausgezeichneten Ersah.
Natürlich statten wir dem Städtchen unseren Besuch ab. Wenn Alexander von Humboldt, der berühmte Raturforscher, dies hannoversche Münden schon zu den sieben schönstgelegenen Städten zählt, müssen wir doch schauen! Und wir sind entzückt! Das stolze Welfenschloh, ein klassischer Renaissancebau, beherrscht das Stadtbild. Ueber alte, in Parks umgewandelte Friedhöfe
schreiten wir, vorbei am „Hagelturm", dem Wahrzeichen der Stadt. Uralte, schmucke Fachwerkbauten locken immer wieder den Blick auf sich. Da steht das alte Küsterhaus, am Markt das „Tillyhaus", in welchem der große General 1626 sein Hauptquartier aufgeschlagen hatte. Am Rathaus, einem alten, stolzen Bau, kommen wir vorüber, dann bleiben wir am Eisenbarth- Haus stehen. Da steht der Doktor Eisenbarth, angetan mit Perrücke, in den Händen sein medizinisches Instrument. Die Inschrift auf den Bildwerk erzählt uns: „In diesem Hause wirkte und starb Doktor Eisenbarth. Er war besser als sein Ruf. 1661 bis 1727.“ Einstens zog er durch die norddeutschen Orte und pries icine Künste: Bin der berühmte Doktor Eisenbarth, heile Blindheit, Melancholie, Schwindel, Wahnsinn, Wassersucht, Muttermale und Kröpfe, sehe künstliche Augen und neue Zähne ein ..Rur soll's manchem wirklich nicht gut bekommen sein! An der Aegidienkirche befindet sich des berühmten Heilkünstlers Grabmal.
Diel haben wir noch geschaut und in uns ausgenommen. Köstlich ist die Erinnerung an jene wundersame Fahrt im Paddelboot. Lasset uns die Werra preisen, denn ihre Stille und Lieblichkeit wird uns noch manches Mal in ihren Dann ziehen!
Wanderfahrten.
Gießen — Hangelstein — Daubrlnger Pah — Alten-Buseck — Rödgen — Annerod — Gießen.
Zu dieser Wanderung benutzen wir zunächst die rote Keilmarkierung, die uns über Wieseck zum Hangelstein führt. Wir kommen an dem schönen Ausblick über dem Steinbruch und an der Felsenkanzler mit hübschem Staufenbergblick vorüber, steigen auf gewundenem Pfad hinab und folgen jetzt blauen Dreiecken, die uns an der Teufelskanzel und der Unionslinde vorüber zum Daubringer Paß leiten. Auch hier erfreuen uns prächtige Blicke nach der Rabenau mit dem Totenberg, auf Burg Staufenberg und in das Buseckertal. Wir verlassen jetzt das Wegezeichen, gehen abwärts nach Alten-Buseck, wo uns gute Gasthäuser zur Rast einladen, um hierauf über Trohe und Rödgen, hinter letzterem, am Wasserwerk vorbei, die Höhe zu ersteigen, wo sich uns vor einer am Waldrand gelegenen Jagdhütte eine prächtige Aussicht erschließt. Wir kommen dann ein kurzes Stück durch Wald, an helfen Ende eine mächtige 700jährige Eiche steht, überschreiten die Grünberger Straße und gelangen bald darauf nach Annerod, um nochmals dort zu rasten. Zum Heimweg wählen wir den sog. Butterweg (gelbe Punkte), der uns in einer Stunde nach Gießen bringt. Gesamtmarschzeit: 5 Stunden.
Gießen — Garbenteich — Mengelshäuser Teiche — Lich.
Wir beginnen unsere Wanderung an der Universitätsbibliothek und folgen von hier roten Strichen, die uns den Schreiberweg entlang, durch einen Teil des „Nizza" hinüber zum Schiffenberger Weg bringen. Wir kommen am Forstgarten und an der Försterei Baumgarten vorbei, durchschreiten Hausen und erreichen nach gut Inständigem Marsche Garbenteich. Mitten im Ort zweigt die Straße nach Lich ab, die wir einschlagen und nunmehr roten Andreaskreuzen nach an der Wasenmeisterei vorüber zu den Mengelshäuser Teichen, einigen, mitten im Wald anmutig gelegenen, von Wildenten bevölkerten Weihern, gelangen. Das Zeichen führt uns zunächst an den Fürstenbrunnen, einer hübsch eingefaßten Quelle, wo Rastgelegenheit ist, später um den größten Weiher herum. Zur Fortsetzung unserer Wanderung verlassen wir jetzt die Markierung und schlagen eine Waldschneise in genau östlicher Richtung ein, wodurch wir alsbald wieder auf die vorher begangene Landstraße nach Lich zurückkommen und ihr bis zum
Endziel folgen. Dauer der Wanderung höchstens 3N Stunden.
Rrisewinke.
Starke Verbilligung der Schweizer-Reisen.
Zur Förderung des Sommerverkehrs gewähren die schweizerischen Transportunternehmungen ein« scyließlich der Schweizerischen Postverwaltung (Post- autoftredenl vom 1. Juli bis 15. September 1933 für die in Auslande bei den Agenturen der Schweizerischen Bundesbahnen und bei Reisebureaus gelösten schweizerischen Fahrkarten für Hin- und Rückfahrten, sowie Rundreisen ab Grenze nach schweizerischen Jnlandstationen eine besondere Ermäßigung von 30 v. H. Bedingung ist, daß sich die Reisenden mindestens sieben Tage in der Schweiz aufhalten. Da die Preise für die Hin- und Rückfahrt- und Rundreisebillette bereits ordentlicherweise um ?0 o.H. ermäßigt sind, so kommt ein Gesamtrabatt von 45 v. H. in Frage. Die Hinfahrt ab Grenzstation muß an dem von der Ausgabestelle mit dem Datumstempel in das Billett eingestempelten ersten Geltungstage angetreten werden. Die Rückfahrt ab dem im Billett angegebenen Bestimmungsort darf frühestens am achten Geltungstage angetreten werden. Auskunft und Prospekte über Fahrvergünstigungen, billige Pauschalaufenthalte, Sprachkurse usw. durch alle Reisebureaus und das Amtliche ReifGbureau der Schweizerischen Bundesbahnen, Berlin NW 7, Unter den Linden 57.
Rhönbad Bronnzell.
Das Paradies an der Fulda, das Rhönbad Dronnzell bei Fulda, stellt seine Pensionshäuser auch in diesem Iahre den Erholungssuchenden zur Derfügung. Abseits von dem Dorfe Dronnzell und abseits von der Autostraße Fulda—Frankfurt gelegen, bieten die Häuser txoh der rein ländlichen Gegend alle hygienischen Einrichtungen. In den ausgedehnten Parkanlagen, die direkt von der Fulda begreift werden, finden sich prächtige Wasserläufe, die auch an heißesten Sommertagen dem Ruhebedürftigen Erquickung bieten. Ein. großes Schwimmfreibad, ein ideales Kinderplanschbecken, eine riesige Liegewiese und aUe sonstigen für die Sommermonate gesuchten Annehmlichkeiten sind vorhanden. Eine Kurtaxe wird nicht erhoben.
Sie deutsche Lustsahri-Werbeivoche in Gießen.
Segelflugzeug-Ausstellung.
Die laufende Woche ist im ganzen Deutschen Reiche zu einer Werbewoche für Luftfahrt ausgestaltet. Auch die Ortsgruppe Gießen des Deutschen Luftsportverbandes, die der Landesgruppe VII Südwest und der Untergruppe Hessen-Darmstadt eingegliedert ist, befindet sich in eifriger Werbetätigkeit. Sie hat, wie den Lesern aus den verschiedenen Artikeln und Anzeigen schon bekannt ist, ein reichhaltiges und vielseitiges Programm für diese Woche aufgestellt. Am Donnerstagnachmittag bot die Segelsliegergruppe der Ortsgruppe Gießen des DLB. (wir berichteten bereits kurz darüber) der Gießener Bevölkerung eine seltenen Genuß. Seit etwa 17 Uhr waren in den Anlagen des Hindenburgwalls 4 Segelflugmaschinen zur allgemeinen Besichtigung aufgestellt. Wenn auch das Wetter der Veranstaltung nicht sehr hold gesinnt war und wenn sich auch die Maschinen im hellen Schein der Sonne besser ausgemacht hätten, so waren doch die gelben Vogel mit den weitausladenden Schwingen auf dem grünen Rasen der Anlagen ein schöner Anblick. Es war auf diese Weise dem Publikum beste Gelegenheit geboten, Segelflugzeuge, ihren Aufbau und ihre Ausmaße, aus nächster Nähe besichtigen zu können. Die bei den Maschinen ausgestellten Wachen des DLV. und des Fliegersturms waren gerne bereit,
den interessiert fragenden Beschauern sachliche Auskunft zu geben. Indessen erfreute die Gießener Reichswehrkapelle durch flotte Märsche und andere Musikstücke.
Im ganzen waren 4 Flugzeuge zur Besichtigung aufgestellt, von denen drei der DLV. Ortsgruppe Gießen und eines dem Gießener Fliegersturm gehören.
Da sah man eine ziemlich leichte Maschine vom Typ
»Zögling"
die eine Spannweite von 10 Meter besaß. Sie wurde im Jahre 1931 von der Segelfliegergruppe der Ortsgruppe Gießen des DLV. erbaut, und zwar in einer Zeit von etwa 800 bis 1000 Arbeitsstunden. Die Kosten für die Maschine (natürlich nur für die Anschaffung des notwendigen Materials: die Arbeit leisten ja die Segelflieger selbst) belaufen sich auf 250 Mark.
Weiterhin war ein Segelflugzeug vom Typ „Prüfling“
mit einer Spannweite von 11 Meter zu sehen, die im Jahre 1929 erbaut wurde. Sie ist in ungefähr 2500 Arbeitsstunden fertiggestellt worden und hat etwa 800 Mark gekostet. Diese Maschine kann schon zum Motorschlepp verwendet werden.
Eine Hochleistungsmaschine stellt der Typ .,5 a l f e“
dar, der eine Flügelspannweite von 12,6 Meter be- sitzt und im vorigen Jahr erbaut wurde. Aus sie wurden etwa 3000 Arbeitsstunden und Kosten in Hohe von 1400 Mark verwendet. Wie schon gesagt, gehört sie zu den Hochleistungsmaschinen und kann als solche sogar zum Motorflugzeugschlepp heran- gezogen werden. Die Maschine war auch schon öfters in der Rhön.
Die bis jetzt aufgeführten drei Segelflugzeuge sind Eigentum der Ortsgruppe Gießen im DLV. Her- gestellt wurden diese Maschinen von der Segel- fliegergruppc in einem der Fabrikgebäude der ehemaligen Zurbuchschen Fabrik in den Eichgärten.
Die vierte Maschine, die auf dem Hindenburg- wall aufgestellt war, gehört dem Fliegertrupp Gießen und ist den meisten der Gießener wohl schon von dem Deutschen Abend dieses Sturmes am letzten Sonntag in der Volkshalle her bekannt. Sie ist die jüngste der vier Maschinen, denn sie wurde erst an jenem Abend eingeweiht. Erbaut wurde sie von einigen Angehörigen des Fliegersturms innerhalb der letzten 3 Wochen vor dem Deutschen Abend, so daß für sie etwa 600 bis 800 Arbeitsstunden gerechnet werden können. Es handelt sich um ein Gleitflugzeug mit einer Spannweite von 10 Meter vom
Typ German.
In verhältnismäßig kurzer Zeit wurde also die Maschine aus eigener Kraft und aus eigenen Mitteln des Fliegersturms unter der Leitung des Lehrmeisters der Gewerbeschule, Herrn S ch e p p, auf die Rinne gestellt. Unter derselben Leitung soll voraussichtlich demnächst ein weiteres Flugzeug, eine „A l e x a n d r i a" - M a s ch i n e von dem Fliegersturm erbaut werden.' Zugleich mit der schon gebauten Maschine wurde in Hunqen von dem dort befindlichen Trupp des Gießener Fliegersturms ein Flugzeug von dem gleichen Typ wie das Gießener hergestellt. Auch sie ist schon fertig und wird dem- nächst in Hungen getauft werden.
Werbemarsch - Werbeabend.
Gestern abend fanden die Deranstaltungen zur Luftfahrt - Werbewochc ihre Fortsetzung durch einen Werbemarsch der SA.-Fliegerstaffel in Verbindung mit dem Motorsturm, die mit klingendem Spiel der SA.-Kapelle durch viele fraßen unserer Stadt marschierten, um so für den Gedanken der Luftfahrt zu werben. In geschlossener Marschordnung, bei Musik und gemeinsam gesungenen Marschliedern, begleitet von einer stattlichen Menschenmenge, zogen die Mannschaften zum Flughafen.
Das Flughafengebäude war mit Tausenden elektrischer Lampen prächtig erleuchtet und der Platz festlich geschmückt. In feierlicher Form wurden unter den Klängen eines Marsches die Flaggen Schwarzweißrot und Hakenkreuz vor der Terrasse in langer Reihe gehißt, während Fliegerstaffel und Motorsturm vor der Terrasse Aufstellung genommen hatten. Graf Solms-Laubach, der Borsihende der Ortsgruppe Gießen im DLB. hielt eine kurze Begrüßungsansprache: Werbung für die deutsche Luftfahrt sei eine Rotwendigkeit. Im Flughafen werde schon seit Iahren wertvollste Aufbauarbeit geleistet und eine tragfähige Grundlage für zukünftiges Wirken sei geschaffen worden. Run wende sich der Deutsche Luftsportverband an das deutsche Volk, damit diese Grundlage allenthalben verbreitert werden könne. Die deutsche Luftfahrt brauche Mithilfe und Derständnis. Man freue sich über jeden, der bereit fei, ein kleines Opfer für die deutsche Luftfahrt zu bringen. Man habe die feste Hoffnung, daß die Fliegerei auch in Oberhessen weiter an Boden gewinnen und wachsen werde, denn der Ausbau der Luftfahrt sei eine nationale Pflicht, die nicht versäumt werden dürfe. Mit einem „Heil HitlerI“ schloß der Redner.
Sodann hielt der bekannte Segelflieger stud. med. Fritz Schmidt eine längere Ansprache: Der Redner führte u. a. aus: Am 28. Juni habe man in Deutschland mit Fahnen auf Halbmast des Tages der Unterzeichnung von Versailles gedacht. 14 Jahre habe es gedauert, bis sich das deutsche Volk daraus besann, diesen schicksalsschweren Tag als einen Trauertag zu begehen.
wie Flammenschrift siehe das wort „Der- failles“ über allem deutschen Tun und handeln.
Unser Lebensraum sei stark verkleinert, ihn zu schützen sei uns dazu noch verboten. Das Weltgewissen schweige. Kein Volk der Erde trete für Deutschland ein. Wehrlos, abgerüstet stehe Deutschland einer Welt gerüsteter Mächte gegenüber. „Deutschland erwache!" dieser Ruf des Reichskanzlers Adolf Hitler fei aber nicht umsonst erklungen. Jetzt lege sich Deutschland Rechenschaft ab, was war, was Ist und was werden solle. Alles Handeln fei nun auf die Zukunft gerichtet. Groß und gewaltig fei in dieser Hinsicht die Ausgabe der deutschen Fliegerei. Was die deutsche Fliegerei im Weltkriege geleistet habe, stehe einzig da. Zum Kriegsende seien aber 22 000 Flugzeuge und 33 000 Motore ausqelie» fert worden, über 1 Million Quadratmeter Jlug- hallenraum und 37 (von 57) Luftschiffhallen seien vernichtet worden. Die Militärfliegerei wurde den Deutschen verboten. Die Zivilluftfahrt wolle man in der Entwicklung behindern. Die Festsetzung von Leistungsgrenzen deutscher zivilen Flugzeuge schränkten jede Weiterentwicklung ein. Der Gegner habe erreicht, was er habe erreichen wollen: deutsche Flugzeuge seien für den Kriegsfall unbrauchbar. Um so mehr seien aber die Leistungen des deutschen
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