Ausgabe 
1.6.1933 Erstes Blatt
 
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eine unb -verbände zogen anschließirnd zum Ehrenmal Unter den Linden, wo prächtige Kranzspenden von der Marineleitung, Marineoffiziersrereinigung, der Skagerrakgesell­schaft und anderen Verbänden niedergelegt wur­den. 3n allen Berliner Schulen wurde auf Anordnung des Kultusministers auf den Tag von Skagerrak in schlichten Feiern hingewiesen.

Befreiung von der Reisegebühr nach Oesterreich.

Berlin, 31. Mai. (WTB.) Der Reichs- minister des Innern hat bestimmt, daß Reichs- angehörige, die im Eisenbahn- oder Luftverkehr lediglich durch Oe st erreich durchrei­sen wollen, von der Reisegebühr be­freit werden können, wenn sie einen durch­gehenden Fahrtausweis besitzen. Die Durchreise durch Oesterreich muh in diesem Falle innerhalb von höchstens 2 4 Stunden vom Lieberschreiten der österreichischen Grenze ab beendet sein. Die Befreiung wird von der Sichtvermerksbehörde im Patz vermerkt. Die Sichtvermerksbehörde hat ferner die Rümmer des Defreiungsvermerkes und den Bchördenstempel auf dem vorgelegten Fahrtausweis anzubringen. Die Regelung gilt sowohl für Reichsangehörige, die nach dem 31. Mai 1933 das Reichsgebiet über Oesterreich verlassen, als auch für Reichs­angehörige, die bereits vor dem l.Iuni 1933 mit ordnungsmäßigem Ausreisesichtvermerk aus dem Reichsgebiet ausgereist sind und über Oester­reich in das Reichsgebiet zurückkehren wollen. Ergebnislose Polizeidurchsuchungen bei

der NSDAP, in Oesterreich.

Wien, 31. Mai. (WTB.) Heute wurden im Braunen Haus in Wien und m den Parteihäusern der RSDAP. in den Landeshauptstädten und in den Privatwohnungen zahlreicher Mitglieder Hausdurchsuchungen vorgenommen. An­laß dazu gab die Verbreitung eines Flugblatts, in dem der Rücktritt der Regierung Dollfuß ge­fordert wird. Die Aktion verlief vollkommen ergebnislos. Die Wohnung des Landesin­spekteurs der RSDAP. in Oesterreich Habicht in Linz wurde zweimal durchsucht. Sn einer Er­klärung in derRachtpost" übt Habicht scharfe Kritik an dieser Maßnahme, die man zu einer Zeit getroffen habe, wo derDundeskanzlermit ihmVerhandlungenpflege. Diese Haus­suchung stelle eine ernste Verletzung des deutschen Exterritorialrechtes dar, da Landesinspekteur Habicht Presseattache und Mitglied der deutschen Ge­sandtschaft sei.

Japanisch-chinesischer Waffenstillstand.

Tokio, 31. Mai. (WTB.) Sm Kriegsmini­sterium ist die Meldung eingegangen, daß der japanisch - chinesische Waffen st ill- standsvertrag am Dienstagnachmittag in Tangku bei Tientsin zwischen der japanischen Kommission unter Generalmajor Okamura und der chinesischen Kommission unter Kriegsrat Hsiungping abgeschlossen worden ist. Der Waffenstillstand sieht die Entmilitarisie­rung einer Zone vor, die im Rorden von der Trotzen Mauer, im Osten von der Eisenbahn­linie PepingMulden und im Westen von der Eisenbahnlinie PepingSuijuan begrenzt wird. Ferner wird darin bestimmt, dah die Korps der chinesischen Freiwilligen in der entmilitarisierten Zone a u f g e l ö st werden müssen, und datz der Eisenbahnverkehr zwischen Peping und Schanhaikwan wieder aufzunehmen ist.

Kleine politische Nachrichten.

Sn dem Prozeß gegen 22 Kommunisten wegen des Feuerüberfalls auf vier SA. - Lente bei Wollersdorf am 17. Februar verhängte das Berliner Sondergericht gegen zwei Angeklagte jesechsSahreZuchthausund gegen zwei Angeklagte je zwei Sahre Zuchthaus. Sechs Angeklagte wurden zu Gefängnisstrafen verurteilt, die übrigen wurden freigesprochen.

Im Zusammenhang mit Verstößen von Stahl- Helmführern gegen eine Verordnung des braun­schweigischen Innenministers nahm die Landes­kriminalpolizei in Königslutter den dortigen Ortsgruppenführer des Stahlhelm, Landwirt Lieb­mann, sowie weitere acht Stahlhelmführer in haft. Die polizeiliche Aktion ist noch nicht abgeschlossen.

Der Rcichswirtschaftsminister hat mit Bezug auf die Vorgänge in den Haus- und Grundbesitzerver­bänden den Major a. D. Johann Georg Roenne- berg, Berlin, bis auf weiteres zu seinem Beauf­tragten für die Reichsoerbände des Haus- und Grundbesitzes und ihren Zusammenschluß in der be­stehenden Führergemeinschaft bestellt.

Der ehemalige Vizepräsident des Evangelischen Obersirchenrates, Oberdomprediger D. Burk­hart, der bereits Anfang Mai seinen Abschied erbeten und vom Kirchensenat erhalten hatte, hat sich vom Oberkirchenrat verabschiedet.

Aus aller Welt.

Der Bergrutsch in Anhalt.

Zu dem Haldenrutsch bet Latdorf im Kreis Bern­burg wird weiter gemeldet: Aus den von der Soda­herstellung herrührenden Rückständen, den sogenann­ten Kalkbergen, löste sich eine größere Masse von etwa 200 Meter Länge, 20 Meter Höhe und 100 Meter Tiefe los, riß die erst im vorigen Jahr neu­hergerichtete Böschung weg und füllte in etwa 500 Meter Länge den ganzen Flußlauf an. Zur Zeit fließt dieSaalenuralskleinesRinnsal. Gleich Eisblöcken türmen sich die weißen Massen. Rcichsstatthalter Loeper war an Ort und Stelle. Von 800 Leuten des Freiwilligen Arbeitsdienstes und Arbeitslosen wurden Hilfsarbeiten vorgenom- men, um der Saale zunächst einen größeren Abfluß zu verschaffen. Die Hochwassergefahr scheint nach den letzten Meldungen nichtsogroß zu sein, wie zuerst angenommen wurde. Die Hilfskräfte haben im zugeschütteten Saalebett einen etwa 3 Meter breiten und 1 Meter tiefen Graben g e - z og e n. Die Hauptmasse des Wassers hat sich einen Durchbruch nach der Bode geschaffen. Aus Bernburg und Halle sind Schwimmbagger unterwegs, um die verschüttete Saale wieder für d i e Schiffahrt freizumachen.

Die Reichsschaft der Deulschen Studenten.

Das Bundespresseamt des Nationalsozialistischen Deutschen Studentenbundes teilt mit: Der Reichs­

schaftsführer der Studierenden an den deutschen Hoch- und Fachschulen, Dr. ing. Stäbel, hat zu Mitgliedern der Reichsschaft den Führer der Deut­schen Studentenschaft, Gerhard Krüger, zum Re­ferenten für alle Hochschulangelegenheiten der Reichs­schaft, den Diplomingenieur Franz R ö h l i ch zum Referenten für alle Fachschulangelegenheiten, den Diplomingenieur Otto Schwab zum Referenten für olle Wehrsportangelegenheiten, Herrn Alfons Gerometta zum Stabsleiter und Herrn Hans Hildebrandt zum Leiter des Presseamts er­nannt. Zum Zsntralorgan der Reichsschaft wurde die Deutsche Studentenzeitung" bestimmt.

Reichsminisler Seldle an den DOB.

Der Reichsarbeitsminister Franz S e l d t e hat der Tagung des Deutschen Offiziersbundes, die am Dienstag im Kaisersaal des Berliner Land­wehrkasinos eröffnet wurde, folgendes Tele­gramm gesandt:Leider verhindert, an der Ta­gung des DOB. persönlich teilzunehmen, wünsche ich Shren Beratungen besten Erfolg. Seite an Seite mit dem von mir geführten Stahlhelm (B. d. F.) hat der DOB. stets für ein po­litisch, kulturell und wirtschaftlich freies Deutschland gekämpft. Dieses Zu­sammenstehen wird in Zukunft noch fester sein, nachdem die nationale Einigung vollzogen ist. Aus dem Frontgeist heraus werde ich mich auch als Reichsarbeitsminister für die Be­lange der Kriegsbeschädigten, Kriegs­hinterbliebenen und Veteranen einsehen und weiter für eine bevorzugte Behand­lung aller Frontsoldaten im Staat, für die Durchführung des Wehrgedankens und

Oie Abhärtung beginnt.

Don Dr. med. ©Anter Fiebig.

Was bedeutet Abhärten? Abhärten heißthart machen" und damit meint man, den Körper un­empfindlich machen, stählen gegen die Schwankungen der Witterung. Wir wissen zwar, daß die sogenann­tenErkältung"-Krankheiten wie Husten, Schnup­fen, Rheumatismus ujw. eigentlich JnfektionskraiU- heilen sind, d. h. durch Uebertragung von Bakterien hervorgerufen werden, aber mir wissen auch, daß worauf jeder Name schon hindeutet ooraage- gangene Abkühlungen bei der Entstehung auch eine gewisse Rolle spielen und daß manche Menschen mehr, andere wieder weniger empfindlich auf Abkühlung reagieren. Jeder hat seinen schwachen Punkt an einer anderen Stelle: der eine erkältet sich leicht nach dem Haareschneiden, ein anderer bekommt regelmäßig eme Halsentzündung, wenn er nasse Füße bekommen hat, ein Dritter ist wieder gegen Zug empfindlich, und so fort. Diese Empfindlichkeit nun kann man sich ab» gewöhnen, allerdings um so leichter, je früher an Jahren man damit beginnt. Darum Mütter, wenn ihr euren Kindern für ihr ganzes Leben etwas Gutes antun wollt, dann beginnt beizeiten mit der Abhärtung! Im frühesten Kindesalter kann man beginnen, wenn man nur einige wenige Vor- ichtsmaßregeln streng befolgt.

Zu allererst soll man sich versichern, ob das Kind, mit dem man eine Abhärtungskur beginnt, auch wirk­lich ganz gesund ist. So segensreich wie diese Kur ür gesunde, aber etwas schlappe, leicht ermüdbare, oder eben oft zu Erkrankungen neigende Kinder sein kann, so viel Unheil kann sie stiften, wenn man Der- uchen will, etwa ein krankes Kind, oder eines, das gerade Rekonvaleszent von einer Krankheit ist, ab­zuhärten. Also am besten e r st d e n A r z t f r a g e n.

Man kann auch nicht in jeder Jahreszeit mit so einer Kur beginnen. Am besten eignet sich dazu der Sommer. Jetzt, gerade jetzt sollte man an»

die Reinheit und Gesundung der seelischen und körperlichen Kräfte Deutschlands kämpfen."

Ministerpräsident Göring

15 Jahre Ritter des Ordens pour le m^rite.

Der preußische Ministerpräsident und Reichs­minister für die Luftfahrt Hermann Göring hat am 31. Mai vor 15 Jahren für seine hervor­ragenden Verdienste als Jagdflieger die h ö ch st e deutsche Kriegsauszeichnung, den Orden pour le märile, erhalten. Bekanntlich war Göring der letzte Kommandeur des Jagdge­schwaders Frhr. v. Richthofens.

Kunst und Wissenschaft.

Reue Mitglieder der öslerreichilchen Akademie.

Die Wiener Akademie der Wissenschaften hat zu korrespondierenden Mitgliedern der Mathematisch- naturwissenschaftlichen Klasse gewählt Professor Dr. Erwin Baur (Berlin), in der Philosophisch-histo­rischen Klasse zum Ehrenmitgliede im Auslande das bisherige korrespondierende Mitglied und General­sekretär der preußischen Staatsarchive Dr. Paul Kehr, zum korrespondierenden Mitglied im Aus­lande Professor Dr. Alfred Schultze (Leipzig). Die Akademie der Wissenschaften hat ferner verliehen die Hans-Hor st-Meyer-Medaille und den zugehörigen Preis für Medizin an Professor Dr. Hermann Rein (Göttingen) und den Fritz- Pregl-Preis für Mikrochemie an Professor Dr. Anton Benedetti-Pichler (Neuyork) für seine Arbeiten über mikro-analytische Bestimmung und Trennung anorganischer Stoffe.

der Kriegerkameradschaft Hasfia, Ortsgruppe Gießen, 21.30 Uhr, Eafö Ebel, Ausspracheabend. Licht­spielhaus, Bahnhofstraße:Ich bei Tag und du bei Nacht".

Regierung und EinheiiSkurzschnst.

Die S t a a t s p r e s s e st e l l e der hessischen Re­gierung teilt mit: Die Denkschrift des National­sozialistischen Lehrerbundes über die Stellung­nahme der NSDAP, zur Kurzschrift beantwortete Reichsminister Frick mit einem Schreiben, in dem er die Entschlußfreudigkeit, mit der der Lehrerbund die Klärung und Forderung der Frage der Einheitskurzschrift in An­griff genommen habe, begrüßt. Mit dem Inhalt der Denkschrift könne er sich durchaus einverstanden erklären. Es sei als eine erfreuliche Tatsache an» zuerkennen, daß es dem einmütigen Beschluß der Regierungen des Reiches und der Länder gelungen fei, aus dem wichtigen Gebiete der Kurzschrift eine Einheitlichkeit des deutschen Volkes herbeizuführen und der Einheit der Sprache und der Schrift die Einheit der Kurzschrift an die Seite zu stellen. Er sei mit der Denkschrift auf Grund der hier vor- liegenden Übereinstimmenden Urteile des Reichs­ressorts und der Landesregierungen und auf Grund des Ergebnisses der Handelskammerprüfungen der Ansicht,daß d-ie jetzige Form der Ein- heitskurzschrift sich in den acht Jahren ihres Bestehens durchaus bewährt habe und den Anforderungen an eine deutliche, leicht erlernbare, gut wiederlesbare Derkehrsschrift und in ihrer höheren Stufen den der höchsten Praxis des Parlaments-, Presse- und Dersamm» lungsdienstes entspricht." Wenn die allgemeine Ein- führung des Kurzschriftunterrichts in den Schulen ihre praktische Verwendung in der Wirtschaft und bei den Behörden gesichert habe, erst dann werde auch die Zeit gekommen sein für eine kritische

Durchsicht des Systems der Einheitskurz­schrift. Er werde daher nach Kräften bemüht sein, den Wünschen, die der Nationalsozialistische Lehrer­bund für die Einführung der Deutschen Einheitskurzschrift im einzelnen ausspricht, zur Durchführung dUJ^DÜtt*1.. 9e3- Frick.

Gicfrencr xsu-^^.-Marktpreise.

Gießen. 1-Suni. Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Süßrahmbutter 140 Pf., Landbutter 130, Kochbutter 110, Matte 20 bis 25. Wirsing (grün, neuer) 15 bis 18. rote Rüben 10. Spinat 0 bis 15, Spargel 25 bis 50, Zwiebeln 15, Erbsen 30 bis 35, Tomaten 40 bis 50, Kirschen 40, Rhabarber 8 bis 10, Dörrobst 30 bis 35, Rüsse 60. Kartoffeln (alte) 3 (pro Ztr. 2,30), (neue) 12 bis 14, Stachelbeeren (unreif) 30, Obstmus 40 bis 45. junge Hähne 70 bis 90, Suppenhühner 70 bis 80 Pfennig pro Pfund: Tauben 40 bis 60, Eier (inl.) 8, Käse 5 bis 10, Salat 10 bis 15, Blumenkohl 40 bis 60, Salatgurken 30 bis 45, Lauch 5, Rettich 10 bis 15, Sellerie 10 bis 25, Oberkohlrabi 12 bis 15 Pfennig pro Stück; gelbe Rüben 15, Radieschen 8 bis 10 Pf. pro Dd.

** Graf Bernhard zu Solms - Lau­bach Theaterintendant. Wie wir aus Laubach hören, ist Graf 'Bernhard zu Solms - Laubach, der durch seine mehrjäh­rige Tätigkeit als Führer der Standarte 116 der SA. überall in der Provinz Oberhessen und dar­über hinaus bekannt wurde, zum Intendanten des Friedrich-Theaters in Dessau berufen worden.

"Die Reichsbank in Gießen bleibt am nächsten Samstag von 12 iltjr ab geschlossen. (Siehe gestrige Anzeige.-

** Bankens chluß am Pfingstdienstag. Die hiesigen Geldinstitute geben im heutigen Anzei­genteil bekannt, daß in diesem Jahre erstmalig die Banken am Pfingstdienstag (3. Feiertag) geschlossen sind, während früher der Bankenschluß auf den Pfingstsarnstag fiel. Die Aenderung ist, wie man uns schreibt, auf vielseitigen Wunsch der Geschäftswelt hin erfolgt.

** Schulen und Büchereien sind heute vor ganz neue Aufgaben gestellt. Sie sollen unserem Volk die Kenntnisse von seinem eigenen Wesen, von Rasse und Volkstum von Vererbung und Rassenpflege übermitteln. Um die hierfür in Betracht kommenden Bücher, so schreibt man uns, weithin bekannt zu machen, stellt die Buch­handlung vorm. Dr. Wolfgang M e y e r, Selters­weg 85, im Einvernehmen mit dem Rpssenverlag S. F. Lehmann in München eine große Zahl weg­weisender Bücher in ihrem Schaufenster aus. Man sieht die Werke des Bahnbrechers der Deutschen Rassenkunde, Prof. Günther, Sena, die grundlegenden Vererbungsbücher von Lenz und Siemens, die bebilderten Bücher von L. F. Claus und vieles andere, vor allem auch Werke für den Schulgebrauch. Wer sich mit diesen -Lebensfragen der Ration zu beschäftigen hat, und wer wäre das heute nicht, sei auf diese Ausstellung hingewiesen.

** Gleichschaltung im Zentralver­band der Arbeits-Invaliden, Orts­gruppe Gießen. Man berichtet uns: Im Auf­trage der Kreisleitung der NSBO. trat der gesamte Vorstand des Zentral-Verbandes der Arbeitsinvali­den und Witwen Deutschlands, Ortsgruppe Gießen, im Eewerkschaftshaus zusammen. Einleitend wies Herr Kreisleiter W a g n e r auf Zweck und Ziel der Gleichschaltung hin und nahm anschließend eine Prüfung der von Kassierer Böhling geleiteten Kassenführung vor. Es wurde festgestellt, daß diese in durchaus einwandfreier und sachgemäßer Weise geschehen ist. Der gesamte Vorstand wurde daher wieder im Amte bestätigt. Die 'Anschrift lautet jetzt: Nationalsozialistischer Reichsverband der deutschen Arbeitsopfer (Zentraloerband der Arbeitsinvaliden und Witwen Deutschlands) Ortsgruppe Gießen.

Aus -er provinzialhaupistadt.

angen.

Die dritte Vorsichtsmaßregel, die man genau be­obachten soll, ist: sehr langsam und vor- ichtig beginnen und sehr allmählich mit der Steigerung der Abhärtungsweise vorgehen. Man be­ginnt zunächst mit einer Abreibung mit zimmer- warmem Wasser, das ist Wasser, welches über Nacht in der Waschschüssel oder im Krug im Zimmer gestan­den hat und geht erst nach 2 bis 3 Wocken zu kaltem Leitungswasser über. Die Abreibung erfolgt entweder mit einem zusammengewundenen Handtuch ober noch besser mit einem Luffah-Handschuh, dessen weniger grobe Seite man zuerst benutzt. Man tränkt den Schwamm, Handtuch oder Luffah im Wasser, drückt ;ut aus und frottiert nun kräftig Brust, Rücken and Arme mehrere Male, jedoch ohne weh zu tun. Wäh­rend der ersten 14 Tage geht man nach der Abrei­bung noch einmal für 10 Minuten ins Bett. Später ist diese Vorsicht nicht mehr nötig. Natürlich kann man auch Ober- und Unterschenkel abreiben und ein etunbenlanges zimmerwarmes Fußbad anschließen. Die Gewohnheit dieser kalten Abreibung sollte das Kind nie mehr, auch im Winter nicht wie­der aufgeben, höchstens, wenn es nach 2 bis 3 Monaten einigermaßen abgehärtet ist, um die Ab­reibung mit der allmorgendlichen lauwarmen Dusche und nachfolgender gründlicher Frottierung mit dem Badetuch zu vertauschen.

Größere Kinder vertragen auch den Wechsel von warmer und kalter Dusche, dieses Training ihrer Haut-Blutgefäße ist besonders gut. Zur Abhärtung gehört auch, daß man Kinder frühzeitig an leichte, luftdurchlässige Kleidung gewöhnt. Nur keinVer­pimpeln", nur keine dauernde Angst, ein Kind konnte zu leicht angezogen (ein. Im Gegenteil, lassen Sie ihre Kinder möglichst viel im Badeanzug Herumlaufen; sind sie erst ein wenig daran gewöhnt, dann können sie es auch an trüben Tagen tun. Ihre Haut übt sich dann, sich der jeweiligen Temperatur anzupassen. In manchen Sanatorien, die die Abhär­tung Erwachsener zum Programm haben, wird mor­gens das sog.Tautreten" geübt. Alles muß (ehr zeitig am Morgen barfuß antreten und barfuß in einem flachen, kleinen Bach waten oder auf der tau- feuchten Wiese spazieren gehen oder Ball spielen. Die Abhärtung der Fußsohlen-Haut ist der Zweck dieser Kur.

Der Sinn all dieser Abhärtungskuren ist, seine Haut-Blutgefäße an die Schwankungen der Außen­temperatur sich gewöhnen zu lassen. Sie vermitteln ja durch rechtzeitiges Zusammenziehen ober sich Er­weitern die Anpassung der Körpertemperatur an die Außenwelt, sie sind es, von denen die Widerstands, fähigkeit eines Organismus gegen Erkältungskrank­heiten zum großen Teil abhängt. Und Widerstands- fähig fein gegen Erkältungskrankheiten bedeutet An gut Teil Gesundheit, sind doch oft harmlose Erkäl- tungen der Beginn von schweren, chronischen Er­krankungen.

Bornotizen.

Tageskalender für Donnerstag: Verband der Kriegsbeschädigten und Hinterbliebenen

Eindrucksvolle Abschiedsehrung für Dr. prusch.

3m Gießener Stadttheater verabschiedete sich gestern abend nach der Aufführung von 3osts SchauspielSchlageter" der zum Generalinten­danten des Hessischen Landestheaters berufene bisherige Intendant des Gießener Stadttheaters Dr. Rolf Prasch.

Rach der Aufführung vonSchlageter" ver­sammelte sich das Ensemble mit dem übrigen Personal auf der Bühne. Das bis auf den letzten Platz besetzte Haus in diesem starken Besuch darf man noch eine besondere Auszeichnung un­seres verdienstvollen Intendanten durch das Pu­blikum erblicken begrüßte Dr. Prasch bei seinem Erscheinen auf der Bühne mit starkem und langanhaltendem Beifall. Gleichzeitig wurden ihm zahlreiche Blumenspenden als äußere Zeichen der Wertschätzung und der Dankbarkeit Überreicht. Rachdem der immer wieder einsehende Begrü- ßungsbcifall sich gelegt hatte, richtete

Bürgermeister Dr. Hamm

als Vertreter der Stadtverwaltung eine An­sprache an den scheidenden Intendanten, in der er sagte.

Sehr verehrter Herr Dr. Prasch!

Noch hält uns die gewaltige Tragik des Stückes Schlageter" in unserm Banne, des Stücks, in dem sum letzten Male Ihre meisterhafte Auffassung und Regie uns zum Bewußtsein kommen durfte. Mit auf» nchtigem Bedauern sieht die ganze Stadt Gießen Sie von uns scheiden, einem Bedauern, an dem auch Die für Sie so ehrende Tatsache nichts ändern kann, dah Sie, von uns allen herzlichst beglückwünscht, zum Generalintendanten von Darmstadt ernannt moroen sind. Ja, diese hohe Auszeichnung läßt uns geraöe ertennen, was wir an Ihnen verlieren. Von Ihrer Tätigkeit zeugt unser Jubiläumsheft, deshalb heute hier noch einige Worte zu Ihrer Persönlichkeit: , .Schund Graff, der in unserem Theater oft ae- fpulte 2lutor, hat in die Festschrift zum 25. Jubiläum des Theaters die treffenden Worte geschrieben:

In Gießen wird so gut, so echt, so ernsthaft Theater gespielt wie irgendwo im Reich, wie letten tm Reich und wie kaum wieder an einem Theater von ähnlich beschränkten Mitteln. Auch f!(.lbex bEr ?°ist, die Führung, der Wille das Entscheidende.

Sie dem Theter gegeben haben, ber Geist, mit dem Sie an Ihr schweres Werk heran- gegangen sind, war getragen von dem vollsten Ser» antwortungsbewußtsein, edelstem Kulturgut zu die- nen. Es war immer gepaart mit einer B e g e i st e - rung Und , u g en blich e m Feuer, an dem sich mancher Junge em Beispiel nehmen könnte. Auch der Humor, lener köstliche Ueberroinber schwerer aur Seite. Sie waren bem Theater aut^ em F u h r e r, wie er sein soll. Führer ein heißt: immer unb immer in allen Lagen Bei- spiel zu geben unb zu dienen, zu bienen einer großen tinen Sache. Beides: Dienen utV> Beispiel zu

fein, war Ihnen gegeben und machte Sie zum Führer.

Aber auch Ihr starker Wille war es, der unser Theater auf seine Höhe brachte. Ihr Wille war das Theater! Sie haben mit eiserner Energie das Letzte aus dem Personal herausgeholt, sie durften es, weil Sie sich selbst nicht schonten. Ihr heißer Wille war stets im Interesse des Allgemeinen zwin­gend, er war aber auch mitfühlend, wenn es galt, Wege zu suchen, um in Rotgeratenen zu Helsen.

So nehmen wir denn Abschied von Ihnen als einer starken Persönlichkeit, die unaus­löschlich mit dem kulturellen Leben unserer Stadt verbunden ist. Für Ihr Wirken in Darmstadt neh­men Sie unsere herzlichsten Wünsche mit auf den Weg. Für unser Theater wünschen wir uns einen Ihnen ebenbürtigen Nachfolger.

Empfangen Sie den Blumengruß und Handschlag als äußeres Zeichen unserer inneren Verbundenheit mit Ihnen! (Langanhaltender, stürmischer Beifall.)

Dramaturg Kühne

sprach hierauf im Ramen des gesamten Theater- Personals zu dem bisherigen Leiter. In treff­lichen Worten würdigte er, was Dr. Prasch für und durch dieses Theater für das I n st i - t u t selbst und für das Personal gewesen ist. Was die Schauspieler und das ganze Personal mit Dr. Prasch so eng verbunden habe, seien das in der letzten Zeit immer wieder betonte Führertum und die Arbeitsgemein- s ch a f t. Im Gießener Stadttheater habe man es nicht jetzt erst nötig gehabt, das Führertum und die Arbeitsgemeinschaft herzustellen, denn diese beiden Begriffe seien unter Dr. Prasch schon von jeher maßgebend gewesen. Da­bei sei es besonders erfreulich, feststellen zu können, daß Dr. Prasch dem Personal stets nicht nur Führer war, sondern auch das Wort Arbeitsgemeinschaft in richtiger Weise dahin anwandte, daß der Rachdruck in gleicher Weise auf beide Seile des Wortes gelegt werden konnte, also die A r b e i t s gemeinschaft ebenso vorhanden gewesen sei wie die Arbeits gemein­schaft. Der Abschied von Dr. Prasch sei für das Theaterpersonal eine wehe Sache, denn es werde jetzt führerlos, ohne zu wissen, was vor ihm liege. Der Redner knüpfte sodann an ein Wort des jungen Thiemann aus JostsSchla­geter" an und betonte unter Anwendung dieses nrtaL8Vr®r- Prasch hier auch nicht auf jx n stellung, sondern immer nur a u f S t e l - lung gewesen sei, er fei, wie der junge Thie-

4?rl*)I,a9Ctct ^ge:einer jener Funds- orbr^ a<lc.1 * gewesen, deren Ehrgefühl und ^ewlssän sie hmtreibe und sagen lasse:Hier V'?? r i-H kann nicht anders". Stürmischer

Beifall des Publikums und des Theaterpersonals ^erst^'ch diese Worte während sich Kühne als Sprecher des Personals mit herzlichem Hänie-