Aus der provinzialhaupistadt
RunSfunkprogramm
musik.
Donnerstag, 6. April.
gefertigt. Die Besucher waren erfreut von den mit gutem Geschmack und einfachsten Mitteln her- gestellten Kleidern. Sichtlich ist die Mode Vvn der Sachlichkeit zurückgckehrt zur Betonung weiblicher Anmut und Schönheit. Durch Linienführung und Farbenwtrkung wurde dieser Wille unterstützt. Auf besonderen Ausputz war fast v.llig verzichtet. Die gebotene Sparsamkeit hatte zu schönen praktischen Verbindungen von Strahcnkleid und Abendkleid geführt. Es wurde u. a. ein schwarzes Kleid mit abknöpfbaren Aermeln gezeigt, einige andere Kleider wurden durch ein- knöpfbare Blusen zu Gesellschaftskleidern. In dankenswerter Weise hatten die Firmen Im- Heuser (Frühjahrsmäntel und Kostüme), T e i - pel (Strickkleider), Moor (Hüte) und 3 u r - wonne (Schuhe) die Modenschau unterstützt.
Oie Durchsuchungen in Trohe.
Die Landeskriminalpolizeistelle Gießen teilt mit: Beamte der Landeskriminalpolizeistelle Gießen durchsuchten gestern vormittag unter Zuziehung von Gendarmeriebeamten und Hilfspolizei aus der SS. und SA. das Dorf Trohe, woselbst in der Hauptsache Kommunisten wohnen. Nachdem das Dorf von bewaffneten Hilfspolizisten umstellt war, begannen mehrere Durchsuchungstrupps mit den Durchsuchungen. Vorgefunden wuroe zahlreiches schriftliches Material der KPD., Broschüren, Wimpel und Fahnen mit kommunistischen Abzeichen, 2 Revolver mit Munition, kleine Seitengewehre, Gummiknüppel usw. 2 Personen wurden vorläufig festgenommen.
0;e Ausstellung „Stadt und Land-.
Der Derkehrsverein Gießen teilt uns mit, daß bei dem Gewichts - und Sortenraten in der Ausstellung in der Turnhalle folgende drei Fragen zu beantworten sind:
1. Welches Gefcnntgew cht haben die im Ausstellungsstand des Tierzuchtinstituts ausgestellten, besonders bezeichneten 12 Eier?
2. Von welchen Geslügelarten stammen die im Stand des Ticrzuchtinstituts besonders bezeichneten Eier?
3. Wodurch unterscheidet sich ein deutsches Handelstlassenei von einem Auslandei? Hausfrauenberatung Gießen.
3m Rahmen eines Vortragsabends der Hausfrauenberatung Gießen sprach dieser Tage Frau Schlumberger über die Thalvsia-Resorm- bewegung. Die Rednerin führte, wie man uns berichtet, u. a. folgendes aus: Unter _i)em Einfluß der Zivilisation vermöge der Körper seine Aufgabe kaum mehr ohne Unterstützung von außen her zu erfüllen. Die Unterstützung solle sich allerdings darauf beschränken, die in ihm wirkende Ratur anzuregen. Die Reformbewegung wende sich deshalb zunächst der Ernährung zu. Zuführung nicht entwerteter Rährmittel sei ihre erste Forderung. Viel Fleisch verursache eine schleichende Uebersäuerung des Blutes. Diese lasse sich ausgleichen durch Gemüse und Früchte, die roh und gedämpft gegessen werden. Zur Ergänzung gebe es Rohkostflocken in verschiedener Zubereitung und Zusammensetzung. Für Reise und Wanderung und als Sportproviant seien Rußfruchtpasten geeignet. Als Heilmittel dienten Pfanzenrohsaft und verschiedene Teesorten. Auch äußerlich solle der Körper gestützt werden. Die Thalvsia-Reformbewegung bringe z. B. einen Schuh, der Halt und Stütze für den Fuß bedeute. Ebenso habe sich ein gut durchdachtes Körper- formshstem herausgearbeitet mit leicht stützenden und korrigierenden Leibchen, Gurten und Miedern, die tragen und entlasten sollest. Sie seien genau den pH siologischen und anatomischen Verhältnissen des Körpers angepaßt. Es seien also Mittel gefunden, den schädigenden Einflüssen, denen der Körper ausgesetzt sei, zu begegnen.
Reben dem Vortragsabend hielt — wie man uns weiter berichtet — die Hausfrauenberatung auch eine gutbesuchte Modenschau ab. Die vorgeführten Kleidungsstücke waren zu n größten Teil von den Mitgliedern der Hausfrauenberatung und den Helferinnen im Lehrbetrieb selbst an-
Kämpft alle gegen die Greuelpropaganda!
Zeder kämpfe gegen d.e Greuellügen!
Zur Abwehr der lügnerischen Greuelpropaganda gegen das geeinte nationale Deutschland stehen alle deutschgesinnten Menschen einig zusammen. Der deutschfeindlichen hetze muh mit aller Entschiedenheit entgegengetreten werden.
Oie Aufklärung des Auslandes durch Briefe
ist in diesem Abwehrkampfe eines der wirksamsten Mittel. Die oberhessische Bevölkerung kann viel dazu tun. Zahlreiche Obechessen sind alljährlich nach Amerika und anderen fremden Ländern ausgewandert, sie stehen aber noch mit verwandten und Freunden in der alten Heimat in Verbindung. Diesen deutschen Brüdern im Ausland schreibe man die Wahrheit über die Verhältnisse in Deutschland, damit sie erkennen, daß das alte deutsche Vaterland noch immer ein hort der gesetzlichen Ordnung ist und draußen nur Lügen verbreitet werden.
Schickt auch deutsche Zeitungen als Künder der Wahrheit »ns Ausland!
Jede verwandtschaftliche, freundschaftliche oder geschäftliche Verbindung muh bei dieser Abwehr der Greuellügen zum Schuhe der deutschen Ehre nutzbar gemacht werden. Niemand darf Mühe und kosten jur diesen Dienst am deutschen Vaterland scheuen! Des-
: halb:
Vie Beschickung der Schlachtviehmärtte Der Leiter des Amtes für Agrarpolitik, Dr. Wagner, veröffentlicht den nachstehenden
Aufruf!
Mil Einleitung der am Samstag, dem 1. April, vormittags 10 Uhr, beginnenden Voykottbewegung gegen jüdische Geschäfte, Händler, Aerzte und Rechtsanwälte mache ich den Bauern und christlichen Viehhändlern zur Pflicht, unter allen Umständen Vorsorge zu treffen, dah die Beschickung der Schlachtviehmärkte am Montag, Z. April, und solange die Boykottbewegung zur Durchführung gelangt, sichergestellt wird. Ich fordere fie auf, sofort olle Maßnahmen ein- zuleilen, um diese Anordnung durchzuführen.
Luise von Preußen.
Oer Lebens- und Leidensweg einer edlen Königin. Von Irene Hagedorn.
Pornotizen.
— Togeskalender für Samstag: Oberhessischcr Kunstverein, Turmhaus am Brand, 13 bis 17 Uhr, Ausstellung. — Turnhalle am Oswaldsgarten, 10 b s 21 Uhr, Ausstellung „Stadt und Land". — Gleibergverein, 16 Uhr, auf dem Gleiberg, außerordentliche Generalversammlung.
*• Dienstjubiläum. Der kaufmännische Angestellte Heinrich Heß, Gießen, Hillebrand- straße 9, kann heute, 1. April, auf eine 25jährige Tätigkeit bei der Firma H. Schaffstaedt G. m. b. H., Gießen, zurückblicken. Der Jubilar erfreut s.ch bei der Geschäftsleitung, der Angestellten- und Arbeiterschaft allgemeiner Beliebtheit, die in den ihm dargebrachten Geschenken ihren Ausdruck fand. _ _.
** Besuchszeiten der Museen. Die Museen und Sammlungen im Alten und Reuen Schloß sind am Sonntag zwischen 11 und 13 Uhr geöffnet.
7.15 Uhr: Frühkonzert erwerbsloser Berufsmusi- ker. 12: Mittagskonzert. 15.30 bis 16.30: Stunde der Jugend. 17: Aus dem großen Saal des Stadt. Saalbaues Darmstadt: Akademie-Konzert der Stadt. Akademie für Tonkunst. 18.25: „Max Reger", Vortrag von Hans Rosbaud. 18.50: „Reklame als Mittel zur Belebung der Wirtschaft", Gespräch zwischen Dr. E. Stickler und H. Rieth. 19.30: Selbstanzeige. Hans Heyck. 19.45: „Welch äußeren Schutz genießen in Preußen die Sonn- und ^Feiertage?" Vortrag von Oeberregierungsrat Starl Fahr. 20: Mannheim: Zohann-Strauß-Stunde. 21 bis 22: Max-Reger Gc- dächtnisseier. Zum Gedenken des 60. Geburtstages.
Freitag, 7. April.
7.15 Uhr: Frühkonzert. 12. Mittagskonzert. 17: Konzert. 18.25: Stunde des Buches. 18.50: „Woh- nungs- und Hausreparatur mit Rcichszuschuß", Vortrag von Dr. jur. Wilhelm Schulz. 19.20: Zehn Minuten Deutscher Almanach. 19.30: „Tönende Handschrift", Gespräch zwischen Dr. Reinhold Merten und h. Pfenninger. 20 bis 20.30: Die deutsche Erhebung im Lied. 20.30: Solistenkonzert. Philharmonisches Orchester Stuttgart. 21.20: Adolf Hitler, dem Kampfer um das neue Deutschland. Zusammenstellung: E. G. Erich Lorenz. 22.45 bis 24: Nachtkonzert.
Samstag, 8. April.
7.15 Uhr: Frühkonzert. 12: Mittagskonzert. 15.30 bis 16.30: Stunde der Jugend. 17: Freiburg: Nachmittagskonzert. „Aus älteren Operetten". 18.25: „Urbarmachung von Oedländereien durch den freiwilligen Arbeitsdienst und die Naturdcnkmalpflege", Vortrag von Dr. Menke, Koblenz 18.50: „Weltanschauungsfragen des völkischen Deutschlands, Gespräch zwischen Dr. Werner Kulz und Dr. Bernhard Kummer. 19.30: Wie unsere Väter den Frühling erlebten. 20.15: Cazliostro in Wien. Operette in 3 Akten. Musik von Johann Strauß. 22.45 bis 24: Nachtmusik.
geklagte behauptete, beide seien ihm so plötzlich vor sein vorschriftsmäßig fahrendes Auto gesprungen, daß er nicht mehr habe bremsen können. Die um« sangreiche Beweisaufnahme ergabt daß die beiden Verletzten ganz rechts auf der Straße gegangen waren und daß der Angeklagte sic dort, also auf der für ihn falschen linken Seite, zusammengesahrcn hatte. Er wurde zu 2 Monaten Gefängnis verurteilt.
Ein Maurermeister von auswärts hatte seinen Gesellen Arbeitsbescheinigungen ausgestellt, daß sie längere Zeit ununterbrochen bei ihm zu einem bestimmten Wochenlohn gearbeitet hätten. Diese hatten die Bescheinigungen eingereicht und Arbeitslosenunterstützung bezogen. Die Ermittlungen des Arbeitsamts ergaben jedoch, daß die Bescheinigungen inhaltlich falsch waren und daß die Beteiligten dies wußten. Wegen Betrugs und Beihilfe hierzu erhielten Gesellen und Meister angemessene Ee'dftrasen.
Im Juni v. I. ging bei dem Kreisamt Friedberg eine mit mehreren Unterschriften versehene Anzeige ein, wonach in einer Wirtschaft eines Dorfes m der Nähe die Polizeistunde dauernd übertreten werde. Die Gendarmerie stellte darauf fest, daß diese Be- hauptung unrichtig war und die angeblichen Anzeiger des Schriftstücks gar nicht unterschrieben hatten. Der Verdacht der Täterschaft fiel auf den mit diesen verfeindeten Schwiegersohn des Wirts. Trotz seines Leugnens hielt ihn das Gericht auf Grund eines Schriftsachverständigengutachtens und einer ganzen Reihe weiterer Indizien für überfuhrt und verurteilte ihn wegen schwerer Urkundenfälschung zu 1 Monat Gefängnis.
III.
1806.
3n der Gesinnung der Bevölkerung trat ein Umschwung ein. Zu lange hatte man alles gehen lassen. Jetzt kam die Erkenntnis, daß das Vaterland nur zu retten sei, wenn man die nationalen Gefühle des einzelnen weckt und seine Liebe zur Heimat stärkt. Man war nicht mehr einverstanden mit der Alleinherrschaft eines Monarchen und wollte dem Volk, zumindest aber einigen übersichtigen Köpfen, ein Mitbestimmungsrecht an allen Entschlüssen sichern. Da an den König nicht heranzukommen war, versuchte man, ihn durch Luise zu beeinflussen und ihn zum Handeln zu zwingen. Cs wurde eine Denkschrift ausgearbeitet, in der ein sofortiger S.istemwechsel der Regierung vorgeschla- gen wurde, doch die Königin wagte nicht, ihrem Gemahl diesen Plan zu unterbreiten, obwohl sie ihm im Herzen zustimmte. Sie kannte den Starrsinn Friedrich Wilhelms III- zu gut. Die Zeit mußte seine Erkenntnis reifen lassen.
Rapoleon hatte den,R h e i n b u n b zustande gebracht. Auch jetzt hielt Preußen weiterhin an seiner Neutralität fest. Luise erkannte die Gefahr, in der das Vaterland schwebte. Hatte das Schicksal sie auserwählt, dafür zu kämpfen, daß die Männer ihre Untätigkeit aufgaben und Ehre und Freiheit verteidigten? 3mmer dringender wurde die Forderung an den Gatten, endlich zu handeln. Sie erreichte, daß das V ü n d n i s mit Alexander zum Abschluß kam. Dieser wies ein Friedensangebot des Franzosenkaisers zurück und zeigte damit, daß er mit Preußen einen Pakt geschlossen hatte, mit dem Ziel, sich ihm entgegenzustellen. Rapoleon forderte nunmehr Preußens sofortige Cntmobilisierung. Er wußte genau, daß man seinem Wunsch nicht nachkommen würde. .
Das war der Schlachtruf! Run gab es kein Zögern mehr. Am 10 September 1806 fuhr das Herrscherpaar zu seinen Truppen und schlug bei Rai mburg das Hauptquartier auf. Es war seit d.s Lrofocn Kur>irrsten Zeiten nicht mehr vor- geiDmmen, daß eine Frau im S c I bla 9 e r weilte. Doch Luise ging auf den ausdrücklichen Wunsch ihres Gemahls mit. Aus allernächster Rähe hat sie den Krieg gesehen. Das große Leid der vielen hämmerte sich mit Flammenzeichen in ihr Herz und machte sie zu der tragischen Figur, die sie für Preußens Geschichte geworden ist. Man machte sie verantwortlich für den Krieg Sicher hat sie ihm zugestimmt, doch nicht aus Machtgelüsten, nicht aus Herrscher - gefühlen heraus, sondern aus tiefster Liebe zu ihrem Vaterland, die triebhaft forderte, dieses Heiligtum zu verteidigen. Später äußerte sie einmal ihrem Bruder gegenüber: „Die Folgen beweine ich oft, nicht aber das Prinzip der Handlung selbst. Rie werde ich beweinen, was Ehre und Selbstgefühl heiligten, wohl aber alles andere, was das Gegenteil wäre und eben noch viel schrecklichere Folgen haben würde."
Inzwischen wurde die Lage immer kritischer. Cs zeigte sich, daß Preußens Kriegführung versagte, da es sich einem überlegenen Feind gegenübersah. Frankreichs Truppen waren an Krieg gewöhnt, und an ihrer Spitze stand Rapoleon mit seinem klugen, berechnenden Kopf, mit umfassender Kenntnis der Sachlage, dem Sinn für die Weiterentwicklung der Dinge und mit seiner unheimlichen Begabung für Strategie.
Man ließ dem Feinde ungehindert Zeit, seine Ziele auszuführen und das preußische Heer einzukreisen. Es kam zu einem wahren Hexen- sabbath an Kämpfen, und Preußen mußte blutige und schwere Verluste erleiden. Der Vetter Prinz Louis Ferdinand, der gleiche, der zu Beginn von Luisens Ehe so entscheidend in ihr Leben eingegriffen hatte, fiel an der Spitze seiner Truppen bei Saatfeld. — Man fühlte sich nicht richtig geleitet. Es ist bitter, Blut zu vergießen mit der Gewißheit, baß es umsonst geschieht.
Unaufhaltsam verfolgte Rapoleon seinen Plan. Seine Armeen waren ein williges Werkzeug in seiner Hand. In der Rächt vom 10. auf den 11. Oktober war das preußische Hauptquartier fast ohne Schutz, und nur einem glücklichen Am- i stand war es zu verdanken, dah das Königspaar nicht in die Hände des Feindes fiel. Anvergessen ist ihnen zeitlebens diese Rächt des Schreckens geblieben. Am Tage darauf rettete , man sich nach Weimar, doch auch hier wurde der Boden zu heiß. Der Befehlshaber verlangte die sofortige Rückkehr der Königin. Auf Am- > wegen, traurig bis zum Tode, kehrte sie für eine j Rächt nach Berlin zurück. Die Kinder hatte man i umsichtigerweise schon nach Stettin vorausgeschickt.
Für lange, lange Zeiten sollte sie das letztemal in Berlin geweilt haben. Ein Brief an den
König schildert ihre Gemütsverfassung. „Du bist mein einziger Gedanke während der ganzen grau- famen Reise. Dich allein zu wissen, ist schrecklich. Aebrigens hoffe ich, dah nicht alles verloren ist, und daß Gott uns helfen wird. Gott segne Dich und halte Dich aufrecht in dem grausamsten Augenblick Deines Lebens. Er gebe Dir allen notigen Mut und sei immer mit Dir." — Dah Luise die ganze Tragweite der verlorenen Schlachten nicht ersaht hatte, geht aus der Antwort des Königs hervor: „Die stolze Armee des Großen Friedrich war an einem Tage in einer blutigen Doppel» schlacht zersprengt worden. Ich weiß nicht, was aus ihnen geworden ist. Alles, was noch lebt, läuft einzeln herum."
Der König muß sich zum Rückzug entschlie- hen. Die Ordnung im Heere war nicht wieder aufzurichten. Die Festungen kapitulierten. Das Volk geriet in fieberhafte Nervosität, da die leitenden Köpfe versagten. Mehr einer Flucht als einer Heimkehr glich dieses Zurück. Niemand getraute sich nach Berlin. Man fürchtete die Bevölkerung, und die französischen Truppen rückten immer mehr auf die Landeshauptstadt zu. Am 25. Oktober besetzten sie Berlin. Napoleon folgte zwei Tage später. Friedrich Wilhelm richtete cm Waffen st ill st andsgesuch an Napoleon, das jedoch abgelehnt wurde. Daraufhin ermächtigte er den Gesandten Lucchesini, die Friedensbedingungen vorzutragen. Er macht Frankreich das Angebot, das Land links der Elbe mit Ausnahme von Magdeburg und der Altmark abzutreten, er bietet den Verzicht Preußens auf eine Verbindung mit anderen bcut-- schen Staaten und eine Kriegskostenentschädigung von hundert Millionen Franken. Lucchesini will die Verantwortung für die Unterzeichnung dieses Vertrages nicht übernehmen, zumal Napoleon ihm noch einige Sonderforderungen hinzusetzte. Er sandte den Vertrag nach Küstrin, wohin die Flucht den König zunächst geführt hatte und wartete seine Entscheidung ab. Die Antwort war, man möge versuchen, Milderungen zu erreichen, doch im Notfälle nachgeben. Nach einwöchentlicher Trennung war Luise in Küstrin eingetroffen. Sie hat auch hier keinen direkten Anteil an den Beschlüssen, ihr bleibt nur der Kummer und die Verzweiflung über den Kleinmut und das völlige Versagen des Königs.
Immer mehr wird es ihr zur Gewißheit, daß sie alles aufbieten muh, den Gatten aus feiner Schwäche herauszureißen und ihm neue Kraft zu verleihen. Sie bleibt an feiner Seite und verzichtet auf die Kinder, die man wegen der ständigen Gefahr nach Danzig schickt. Am 26. Oktober müssen sie Küstrin verlassen, da ihnen der Anmarsch der französischen Truppen gemeldet wird. Auf beschwerlichen Wegen langt man am 3. November in Graudenz an. Hier erwartet sie bereits die Nachricht von Napoleons glanzvollem Einzug in Berlin. — Anaufhaltsam rollt das Schicksal weiter. Die Festungen Spandau, Küstrin und Stettin ergeben s i ch widerstandslos. In den Friedensbedingungen war fein Pardon zu erlangen. Preußen mußte unter anderem die Zugeständnisse machen, Frankreich oen Durchmarsch zu gestatten und im Bedarfsfall an einem Krieg gegen Rußland teilzunehmen. Das ist zu viel. Immer noch hatte man von Alexander die große Rettung erwartet und nun wurde gefordert, gegen ihn zu kämpfen! Man unterschrieb den Vertrag nur bedingt. Das war Napoleon sehr erwünscht, jetzt konnte er den Frieden vorläufig ignorieren, die Preußen weiterhin verfolgen und damit seinen Feldzug gegen Rußland verbinden.
Immer drohender werden die Anschuldigungen, die Luise zur Urheberin des Krieges stempeln wollen. Die französischen Zeitungen drucken nur zu gern die Schmähschriften über sie, und die Generäle und Minister sorgen dafür, daß Napoleons Ansichten über diese Königin in d:e Oeffentlichkeit dringen. Man kann die Worte wohl verstehen, die aus ihr herausbrechen, als sie nach Monaten Alexander wiedersieht: „And man lebt weiter und stirbt nicht vor Kummer. Graudenz muß verlassen werden. Zunächst geht es nach Osterode. Die Gesundheit der Königin wird schlechter, immer aufregender und anstrengender die Flucht von Ort zu Ort Als man Korngs- berg erreicht, legt sie sich schwer krank zu Bett. Kaum ist sie der Lebensgefahr en trennen, da muß fie die furchtbarste Fahrt ihres Lebens antreten. Eine drohende, unheimlich« Nacht senkte sich hernieder. Das Brausen des Meeres das gespenstische Heulen des Sturmes, die tiefe Finsternis, die jeden Laut verzerrte, beherrschte den schmalen Landstrich zwischen den Ostsee und der Nehrung, auf dem sich die Fliehenden im langsamen Tempo vorwärts bewegten, um die Königin zu schonen.
Was würde das neue Iahr bringen?
* (Fortsetzung folgt)
Oie Mainzer polizeibeamien an die Regierung.
Darmstadt, 31. März. (WSN.) Die Pressestelle der hessischen Staatsregierung teilt mit: Die Ortsgruppe Mainz des Verbandes h e s, i s ch e r P o l i z e i b e a m t e r hat folgende Entschließung an die (Staatr-regierung gerichtet: „Die heute in großer Zahl im Kasino der Bereitschaftspolizei in Mainz versammelten Polizeibeamten des Hessischen Polizeiamtes Mainz entbieten der nationalen Regierung ehrerbietigen Gruß und reihen sich f r e u- big und aufrichtig in d i e Front der nationalen Erneuerung und des Wiederaufbaues ein. In unverbrüchlicher Treue stehen wir hinter der nationalen Regierung und geloben im Geiste der Pflichterfüllung, Disziplin und Kameradschaftlichkeit unfern Teil an der Festigung des Staates beizutragen. Bei all unserer Arbeit im Dienste von Volk und Vaterland kennen wir nur eine Losung: Alles f ü r D e u t s ch l a n d!"
Schöffengericht Gießen.
* G i e fe e n . 29. März. In der Nacht vom 12. aus den 13. November 1932 fuhr ein Kaufmann aus Friedberg mit mehreren Jagdsreunden in seinem Auto die Kreisstraße Laubach—Schotten. In der Nähe der Abzweigung nach Betzenrod überfuhr er zwei ihm entgegengehende Personen, einen jungen Mann und ein junges Mädchen, von denen insbesondere letzteres schwer verletzt wurde. Der An
Sonntag, 2. April.
6.35 Uhr: Von Bremen: Hafenkonzert. 8.30: Katholische Morgenfeier. 9.30: Stunde des Chorgesangs. 10.30: Stunde der Kammermusik. 11.30: Von Leipzig, Reichssendung: Kantate, von Johann Sebastian Bach. 12: Freiburg: Platzkonzert der Stondarten-Kopelle 113 (Teningen). 13: Mittogs- kvnzert II. 14.40: Stunde des Landes. 15.30: Stunde der Jugend. 16.30: Nachmittagskonzert des Phil Hormon. Orchesters Stuttgart. 18: Feierstunde im Trierer Dom. 18.50: „Die deutsche Entscheidung", Vortrag von Dr. Graach, Trier. 19.30: Der Heilige Rock von Trier, Josef Görres. 20: Staatstheater, Kassel: Die Regimentstochter. Komische Oper. 22.45 bis 24: Nachtmusik.
Montag, 3. April.
7.50 Uhr: Frühkonzert. 12: Mittagskonzert I. 13.30: Mittagskonzert II. 17: Nachmittagskonzert des Rundfunk-Orchesters. 18.10: „Oliver Cromwell — Revolutionär und Parlamentariers 1. Vortrag von Dr. Heinrich Bauer, Berlin. 18.35: Englischer Sprachunterricht. 19.15: Zehn Minuten Deutscher Almanach. 19.30: Zeitfunk. Frankfurter Osthofen. Ein Hörbericht. 20.05: Frankfurt o. M.: X. Mon- togskonzert des Frankfurter Orchester-Vereins. -2.30 bis 24: Nachtmusik.
Dienstag, 4. April.
7.30 Uhr: Frühkonzert. 12: Mittagskonzert. 15.20 bis 15.50: Hausfrauen-Nochmittog. 17: Nachmittags- konzert. 18.25: „Die amerikanische Bonkenkrise", Vortrag von Dr. Franz Wolf. 18.50: „Oliver Cromwell — Protektor und Diktator", 2. Vortrog von Heinrich Bouer, Berlin. 19.20: Bericht über den großen Gautag des Gaues Main-Weser im DHV. 19.40: Von Berlin: Rundsunkprobeschreiben des Deutschen Stenographenbundes. 20: Im bunten Rock. Schallplattenplauderei. 20.45: Deutsche Meister. 22.20 bis 24: Nachtmusik.
Mittwoch, 5. April.
7.15 Uhr: Frühkonzert. 12: Mittagskonzert. 15.15 bis 16.15: Stunde der Jugend. 17: Nachmittagskonzert. 18.25: „Schönheit und Kraft deutscher Sprache", vorgetragen von Pros. Dr. Fritz Wichert. 18.50: Zeitfunk. 19.30: Zehn Minuten Deutscher Almanach.
19.45: Volkstümliches Konzert des Philharmon. Orchesters Stuttgart. 21.15 (M, Königsberg und Deutschlandfender): Die Eifel. Ein Bauernland im deutschen Westen. Ein Hörbild. 22.45 bis 24: Nacht-


