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Samstag,!. April (933
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)
Nr. 78 Zweites Blatt
Uhr
Lin ArbeilsbeschaffungsvvrWag der AEDAP
Aus der Provinzialhauptstadt
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wropäisches Reise-
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Nachdruck verbotcnl
6 Fortsetzung.
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Die Errichtung des Arbeitslagers Homberg ist mit der gröhten Beschleunigung auszu- führen.
Die jetzt als 8-Strahe bezeichnete Strafte Grünberg—Lehnheim—Homberg—Lehrbach— Kirtorf—Wahlen—Gleimenhain wird zur D- Strafte erklärt.
Diefe Strafte ist, zum mindesten im Zuge der Ortsdurchfahrt Homberg, in Kleinpflasterung herzustellen.
Gleichzeitig mit der durch die Umwandlung der Strafte Lehnheim—Wahlen—Gleimenhain in eine D-Strafte zwangsläufig erforderlichen Herrichtung dieser Strafte ist die an- schlieftende Teilstrecke der Strafte Homberg— Uieder-Ofleiden bis zum Werk der wittel- deutschen Hartsteinindustrie in der gleichen weise herzuslellen.
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Hain erscheint außerdem als eine zwingende verkehrspolitische Maßnahme, ja als eine Lebensnotwendigkeit für den hiesigen Bezirk. 3m Nahmen eines großzügigen Arbeitsbeschaffungsprogram» mes dürfen derartige Erwägungen, die für die wirtschaftliche Entwicklung eines Landteiles auf Jahre hinaus bestimmend sein können, nicht außer acht gelafsen werden. Die bisherige Eingruppierung der Straße Grünberg— Lehnheim— Gleimenhain in die Klasse der 8-Straßen ist heute weder unter dem Gesichtswinkel eines angeblich schwachen Verkehrs, noch auf Grund etwaiger früherer statistischen Erhebungen berechtigt._______
Man muß dabei berücksichtigen, daß bei der heutigen Ausdehnung des Kraftwagenverkchrs die Bedeutung der Straften nahezu der Bedeutung von EisenbahnlU.n gleichkommt. Es sei noch daraus hingewiesen, daß insbesondere die Stadt Homberg einen Anspruch darauf hat, günstige Voraussetzungen für eine neue Aufwärtsentwicklung zu erhalten, nachdem ihr durch die 1932 erfolgte Auflösung des Finanzamtes Homberg ein ganz empfindlicher Schlag versetzt worden ist.
Die Ortsgruppe hat daher die zuständigen Behörden auf diese Arbeitsmöglichkeit hingewiesen. Sie hält es aber weiter für erforderlich, die weiteste Oeffentlichkeit für diese Frage zu interessieren, insbesondere auch den an der Strafte Lehnheim—Gleimenhain gelegenen Ortschaften, vor allem der Stadt Kirtorf, diese'Pläne bekanntzumachen, so daß ihnen Gelegenheit gegeben wird, von sich aus un- | seren Forderungen ihre Unterstützung zu geben.
WaO.S.W 8 Uhr abeniWD base Ebel.
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Oie stummen Gäste von Zweittnden Roman von Anny vonpanhuys.
Copyright by Belletristische Korrespondenz Bechthold.
Lin Blick aus die Karle zeigt, welche verkehrs- polilischen Möglichkeiten heule hier gegeben sind durch den Ausbau dieser Strafte das Gebiet um Homberg und Kirtorf, das bisher immer und immer gegenüber anderen Can- desteilen zurückgefeht war, zu erfchlieften. Incbefondere würde der Anfchluft an eine groftc durchgehende Straftenoerbindung Frankfurt a. M —Friedberg—Hungen—Grünberg—Homberg—Kirtorf—Neustadt—Treysa— Kassel für die Städte Homberg und Kirtorf von einer gar nicht hoch genug anzuschlagen- den Bedeutung fein, da diefe beiden Städte bisher durch ihre ungünstige Verkehrslage im Netz der heutigen Straftenorbnung nicht ent- wicklungsfähig find. Mil dem Ausbau der 5 trafte Grünberg—Gleimenhain—Neustadt
wird dies sofort anders werden.
Unsere diesjährige
WOT 8. April, abends d'/*Ubr,m Poilkeller »all. „«v rer'Loriland.
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Bettina empfing ihn in der Halle. Sie erzählte ihm: „Alle Türen sind versiegelt vom Amtsgericht aus: Vater hat nämlich kein Teftameivt gemacht, und * nun wird Ottfried gesucht. Findet man ihn nicht, erbt Frau von Welten alles."
Sie befanden sich beide allein in der Halle und | hatten seitlich auf einem Ledersofa Platz genommen. Wulf Speerau glaubte feinen Ohren nicht trauen zu dürfen. Zum Teufel, er mußte sich verhört haben. Konrad von Zweilinden hatte ihm doch an jenem verhängnisvollen Vormittag vorgeworfen, er spekuliere nur auf die reiche Erbin. Also hatte Zweilinden doch in der Pflegetochter seine Erbin gesehen. Trotzdem, wie oft kommt es vor, daß mancher, in kindischer Furcht, dadurch den Tod herbeizurufen, es immer wieder hinausschiebt, feinen letzten Willen festzulegen, und nachher gibt es dann ein Durcheinander.
Schließlich, aus Mangel an Arbeit-würden die Herren vom Amtsgericht nicht die Zimmer im Schloß verriegelt haben.
Ganz kalt wurde dem Grafen, und es ging ihm nun durch den Kopf, daß er, anstatt klug gehandelt zu haben, wie er gemeint, eine kapitale Dummheit gemacht hatte.
„In Kürze wollte Vater ein Testament zu meinen ' Gunsten errichten, sagte Justizrat Eisen", erzählte Bettina, „aber, weißt du, Wulf, mir liegt ja gar nichts daran, ob ich reich oder arm bin. Du hast mich lieb, und ich werde deine Frau. Wenn wir nur unser tägliches Brot haben, wollen wir zufrieden (ein, nicht wahr? Die Hauptsache ist doch, daß wir uns liebhaben."
Wulf Speerau schwieg, sein Kopf war so schwer, als wäre er mit Blei gefüllt, und er wußte nicht, was er antworten sollte.
Bettina blickte ihn zärtlich an. „Die Liebe ist das Schönste und Beste im Leben, und wenn man sich keine wertvollen Kleider kaufen kann, bann kauft man sich eben einfache, und wenn Wein zu teuer ist, bann trinkt man Wasser. Ich muß am 1. Juli hier ausziehen: ich werde mir überlegen, wo ich bann bis zu unserer Hochzeit unterkrieche.
Jetzt kam Wulf Speerau enblich wieder zu sich. ,/Run, weißt du, das ist aber doch ein tolles Stückchen, bas sich bein Pflegevater mit bir geleistet hat. Erzieht bich wie eine große Dame, erzieht bich in einer Weise, als wärest du seine leibliche Tochter, unb bann läßt er bich zurück als Bettlerin. Gemein ist bas, hundsgemein."
Als sie die stummen Gäste von Zweilinden zum erstenmal gehört, war ihr Pflegevater ermordet worden; nun sie zum zweitenmal die seltsamen Geräusche vernommen, verlor sie den Mann, den sie liebte. Unb auf welche häßliche Weise hatte sie ihn verloren! Es wäre weniger schmerzhaft für sie gewesen, er wäre gestorben, ohne baft sie erfahren hätte, wie berechnend er war, unb baft er ihr nur Liebe gelogen, weil er sie für reich hielt.
Sie fühlte eigentlich gar keinen Schmerz, eher konnte man es Erstarrung nennen, was sie empfanb. Erstarrung, die sich in eine ungeheure Verachtung auflöste.
Sie ging mit müden Füßen durch die Halle und hinaus in" den Park. Langsam schritt sie durch die Wege; ihr Ziel war der Pavillon. Sie trat ein, öffnete einen der Läden, damit es hier nicht ganz dunkel fein sollte.
Draußen fing es an zu dämmern, das verschwim- menbe Grau des beginnenden Abenbs drängte sich herein und hüllte den ziemlich kahlen Raum in mystische Schleier.
Bettina blickte sich um unb schüttelte den Kopf. War es wirklich erst so kurze Zeit her, seit sie sich hier in die Arme Wulf Speeraus geschmiegt unb er sie „du Schönste" genannt hatte? Zum erstenmal im Leben fing sie an zu begreifen, welche Macht boch bas Gelb hat. Um bes Gelbes willen heuchelten bie Männer sogar Liebe unb entehrten baburch bas heilige Gefühl.
Sie ließ sich auf einem ber Korbstühle nieber unb, bie Ellenbogen auf bie Knie stützenb, legte_ sie ben müden Kops in bie Schalen ihrer Hände. Sie sann, wie schnell hatte sich doch ihr Leben völlig geändert! Bor kurzem noch bie umworbene Tochter eines ber reichsten Grunbbesitzer im ganzen Kreise, war sie jetzt plötzlich mieber bie arme Waise, die es sich überlegen mußte, auf welche Art sie sich ihr Brot verdienen konnte.
Es gab wohl nur einen Beruf für Bettina, ber in Frage kam. Sie mußte als Gesellschafterin unt^rzu- fommen versuchen. Aber es gab eine Menge solcher armen Mäbels wie sie, es würbe nicht leicht werben, da etwas zu finden.
Ein Schatten verdunkelte bie offen gebliebene Tür. Inspektor Flügge stanb auf der Schwelle und grüßte höflich.
„Verzeihen Sie, Fräulein Claudius, ich sah Sie vorhin hier eintreten. Erst wagte ich es nicht, Sie zu stören, aber bann sagte ich mir, es ist boch besser, man rebet halb mal über bie Dinge, über bie schließlich gesprochen werben muß. Entschulbigen Sie vielmals, wenn es ihnen wehtut, was ich berühre. Wir auf bem Gut wissen natürlich schon alle, baft Sie nicht bie Erbin von Zweilinben sind, wie_wir erwartet haben, und ich meine, die ganze Situation muß für Sie jetzt peinlich fein. Ich weiß genau, ber selige Herr hat bas nicht beabsichtigt, was nun geschehen ist, bie Testamentssache ist von chm versäumt
Bettina starrte ihn groß an, erroiberte mit zucken- ben Lippen: „Ich bitte bich, Wulf, nie mehr in solchem Tone von meinem Vater zu sprechen. Er hat das, was du ihm vorwirfst, doch nicht absichtlich getan. Der Tod hat ihn überrascht! Richt er trägt die Schuld, sondern sein Mörder, dieser Mensch, den man leider noch nicht aufgespürt hat, dieser verfluchte Mensch, der keine Ruhe auf Erden finden soll."
Wulf Speerau fuhr sich über das haar und atmete rasch unö laut. „Das ist alles Unsinn: für dich handelt es sich nur darum, daß dich dein Vater jetzt gründlich in den Dreck gestoßen hat. Was willst du anfangen ohne Geldmittel? hast ein paar Sprachen gelernt, kannst Klavier spielen, und damit hort es auch auf. Ra ja, reiten und fahren kannst du auch, aber bas alles können viele."
Sie blickte ihn mit immer starrer roerbenben Augen an. „Ich kann auch kochen unb wirtschaften, viel mehr brauche ich als beine Frau boch nicht zu können, glaube ich. Sollte aber noch etwas fehlen, bann lerne ich es eben."
Es klang wie eine Frage.
Wulf Speerau erhob sich unb stanb vor Bettina.
„Ich bin leiber kein reicher Mann, der ben Versuch einer Ehe ohne genügenben finanziellen Rückhalt auf sich nehmen kann. Ich fürchte, wir kämen baburch beibe ins Unglück."
Bettina fühlte ein krampfhaftes Zucken um ihren Mund. „Wulf, bas ist boch nicht bein Ernst? Du hast bu mir boch beteuert, bu liebst mich."
Ein Spottlächeln zog um seine Lippen; er neigte sich ein wenig zu ihr nieber, als er antwortete: „Ich will bir ein Geheimnis anvertrauen, ein Geheimnis, das ich für mich behalten haben würde, wenn sich deine Verhältnisse nicht so voUkommen geändert hätten. Ich habe in dir bas reiche Mäbchen geliebt, mit besten Hilfe ich auch mein Leben reich hätte gestalten können, aber ein armes Mäbchen kann ich nicht heiraten, ba käme ich nicht vorwärts, nicht in bie höhe. Man lebt nur ein einziges Mal, Fräulein Claubius, unb barf beshalb nicht töricht hanbeln. Ich bitte Sie, mich Herrn unb Frau von Welten zu empfehlen." Zynisch setzte er hinzu: „Ich hätte lügen können unb einen Bruch herbeiführen, aber wozu soviel Umstänbe, so ist es einfacher für uns beide."
Er verneigte sich lässig und ging, ohne sich auch nur ein einziges Mal umzusehen.
Bettina lehnte wie vernichtet in ber Ecke bes schwarzen Lebersofas, ihr war zumute als säße ihr ein Raubvogel im Racken, ber seinen scharfen Schnabel in ihre Schläfen stieß.
Die Tür schnappte ins Schloß.
Bettina erhob sich mit wankenben Knien, -ie konnte nicht klar benfen, nur bie Erinnerung an bie späte Mittagsmahlzeit heute drängte sich in den Vordergrund. Sie glaubte wieder die geheimnisvollen Schritte im Bankettsaal zu hören, das Stühlerücken und Gläserklingen.' ~
Zum zweitenmal hatte ber Spuk ihr Unglück gebracht.
Die Ortsgruppe Homberg der National- lozialistischen Deutschen Arbeiterpartei teilt uns mit:
Die dringlichste Aufgabe der Regierung ist die Beseitigung der Arbeitslosigkeit durch Arbeits- ielchassung. Dies ist eine Forderung, welche wir Nationalsozialisten von Anfang an vertreten jtzben. Die Ansätze zur Verwirklichung dieser Forderung sind bereits da, und die Mehrheit )es deutschen Volkes hat das unbedingte Ver- rauen zu seiner Führung, daß diese Aufgabe einem segensreichen Ende geführt wird.
Ziel und Wegrichtung anz.rgeben, ist Sache der Regierung, die Ausführung Sache der zuständigen Verwaltungsstellen. Der einzelne aber ebenso wie örtliche Zweckverbände jeder Art hoben das Recht und die Pflicht, in allen Fällen, in denen es um das Wohl der Allgemeinheit geht, An- regungen zu geben und wenn nötig auch Forderungen zu stellen, damit der Regierung nicht bie Punkte unbekannt bleiben, in denen in erster Linie die neuen Maßnahmen anzusehen sind.
Ein Weg von vielen, der zur Arbeits- beschajsung führt, ist mit, der Einrichtung des Freiwilligen Arbeitsdienstes beschritten worden. Die Errichtung eines Arbeitslagers in Homberg ist in die Wege geleitet. Die Errichtung und der Ausbau dieses Lagers zu einer dauernden Einrichtung ist aber nur gewährleistet, wenn eine • t genügend große Menge von Arbeit geboten wird.
Die Zahl ber dafür schon jehl vorhandenen Tagwerke kann aber gar nicht groß genug fein und muft nach jeder Richtung hin erweitert werden,
wo auch immer sich eine Aussicht aus vermehrte Arbeitsmöglichkeit bietet. Eine möglichst um- fassende Planung ist unbedingt erforderlich, wenn dein Werk des Freiwilligen Arbeitsdienstes ein nachhaltiger Erfolg beschieden sein soll.
Mit der Aufnahme eines weiteren Arbeits- t krcises in den Gesamtarbeitsplan ist es aber allein noch nicht getan. Es ergibt sich die weitere Pflicht der ausführenden Stellen, die einzelnen Arbeiten auf ihre Dringlichkeit hin zu prüfen. Jede weniger dringliche Arbeit ;; nruß unbedingt hinter solchen Arbeiten zurück- ' sichen, die der Allgemeinheit unmittelbar von Ruhen sind und die schon seit langem allgemein als dringend erforderlich empfunden werden.
Die Ortsgruppe Homberg der Ra- tionalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei erhebt aus dieser Einstellung
worden, und Sie haben jetzt den Schaden. Ick weiß nicht, ob ich mich geirrt habe, aber ich glaube, ber Graf Speerau interessiert sich sehr für Sie unb —"
Bettina unterbrach ihn gequält: „Wo wollen Sie benn eigentlich hinaus, Herr Flügge? Im übrigen irren Sie sich, ber Graf hat, feit er weiß, ich bin keine reiche Erbin, gar fein Interesse mehr für mich."
Es klang unsäglich bitter.
Ernst Flügge sagte laut: „Ach so ich verstehe! Aber ein Wunber ist bas nicht, ber selige Herr meinte, gerade an bem Tage, an bem er in die Kreisstadt wollte und in den Tod fuhr, zu mir, ehe er ben Wagen bestieg: „Flügge, heute hat Graf Speerau um Bettinas Hand bei mir angehalte". Ich habe ihm ein sehr kühles „Rein!" erwidert und ihm klargemacht, baft er kein zuverlässiger Mensch ist. Denken Sie nur, in Wiesenthal spielt er ben Anstänbigen, unb in Frankfurt führt er ein Luder leben. Ree, für so einen Filou ist mir mein Mäbel Zu schade!"
Bettina fuhr mit ber Hanb nach bem Herzen.
„Das hat Vater gesagt? Oh, bavon ahnte ich nichts."
Ihre Verachtung für Wulf Speerau wuchs noch. Hatte er boch zu ihr gesagt, ihr Vater hätte ihm sofort ihre Hanb bewilligt, unb am Abenb sollte bann schon eine kleine intime Verlobung gefeiert werden. Run durchschaute sie den Erbärmlichen vollständig.
Wäre ber Vater nicht an jenem Tage erschossen worben, hätte sie wahrscheinlich am gleichen Tage von ihm ausführlich erfahren, was er schon zu bem Inspektor geäußert. Welch ein Lügner war ber Mann, ben sie so sehr geliebt unb ben sie jetzt verachten mußte.
Flügge brehte seinen alten Filz hin und her, ehe er sagte: „Ich habe mir gedacht, wenn nun im Herren- Hause alles nur noch wie ein Notasyl für Sie ist, wäre es besser. Sie kämen zu mir herüber ins In- spektorhaus. Da brauchen Sie am 1. Juli nicht 'raus unb können bleiben, so lange Sie wollen. Meine alte Grete ist ein gutes Tier, bie wirb für Sie mitsorgen, unb ber Zwang mit ben Weitens fällt ebenfalls für Sie weg. Arau Justine ist auch nur so lange liebenswürdig unb angenehm, wie sie sich irgenbwelche Vorteile bavon erhofft, unb ihr Mann ist ein Heuchler. Der selige Herr war auf bas Baar nicht gut zu sprechen. Aber bas wissen Sie ja. Kommen Sie zu mir Fräulein Claudius, ich darf doch bie Sache hier vorläufig weitersühren. Sic haben bann ein Dach über bem Kopi, unter bem Sie nicht bas Gefühl zu haben brauchen, nur noch kurze Zeit geduldet zu fein. Bei mir überlegen ote bann, was Sie tun wollen für ihre Zukunft. Ich helfe Ihnen dabei von Herzen gern."
Bettina nahm die arbeitsfeste Rechte des Inspektors in beide Hände.
(Fortsetzung folgt)
Reichsbahn
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Diese Forderungen rechtfertigen sich aus mehr als einem Grunde. 3m Vordergrund steht natürlich die Vehebung der Arbeitslosigkeit, die vor allem der Ortsgruppe Homberg der NSDAP, die Veranlassung zu diesem Antrag gibt. Cs liegt auf der Hand, daß mit der 3nangrisfnahme dieser 21 r* beiten das geplante Arbeitslager Homberg endlich Wirklichkeit wird, was bisher immer noch in Zweifel stand. Die voraussichtliche Auswirkung der Errichtung von Arbeitslagern ist für die betreffenden Gemeinden von der allergrößten Vedeutung, da diese Arbeitslager auch zum Mittelpunkt neuer Wirtschastskreise, ähnlich wie früher die Garnisonen unseres Militärs, werden können. Darüber hinaus wird aber auch die Arbeitslosigkeit des hiesigen Bezirks durch Erfassung derjenigen Arbeitskräfte, die dem freiwilligen Arbeitsdienst fernbleiben, behoben werden- Für den Ausbau der Straße Grünberg— Gleimenhain werden, selbst wenn man unterstellt, daß für die eigentliche Pflasterung Facharbeiter herangezogen werden müßten, umfangreiche Vorarbeiten nötig, bei denen eine große Anzahl von Arbeitern beschäftigt werden können. Vor allem ist aber wesentlich, daß die Steinbrüche der hiesigen Gegend, von denen das zum Straßenbau notwendige Material bezogen werden muß, zahlreiche Arbeiter einstellen müßten. Soweit für die Straßenbauarbeiten Ba- saltkies gebraucht wird, ist dieser ebenso wie das eigentliche Pslastermaterial in unserer Gegend leicht zu bekommen. Ebenso ist aus den Sandgruben unserer Gegend guter, trockener Sand vorhanden, der verwandt werden kann. 3m übrigen ist der Ausbau in Kleinpflasterung das hier gegebene. Das Material dafür liegt ja sozusagen vor der Türe.
Ls ist ein grotesker und auf die Dauer ganz unhaltbarer Zustand, baft ein Werk wie die „rNitleldeulfchc Bafaltfleininduflrie" in Nie- ber-Ofleiben (ebenso wie zahlreiche andere - Steinbrüche unserer Gegend) ganz Millel- beulschland und noch roeiterliegenbe Gebiete mit Bafaltsteinen zum Straftenbau versorgt, während im hiesigen Bezirk die Straften selbst im denkbar schlechten Zustand sind-
Lieber die Finanzierung der erforderlichen Arbeiten erlaubt sich die Ortsgruppe Homberg der NSDAP, feine Vorschläge, da eine Finanzierung ebenso möglich fein muß, wie bei allen anderen für den Freiwilligen Arbeitsdienst geplanten Arbeiten. Wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg. Was insbesondere die Kleinpflasterung innerhalb der Ortsdurchfahrt Homberg anlangt, so wird hier wohl die Gemeinde Homberg zu den Kosten Beiträge leisten müssen, die ihr mittelbar wieder zugute kommen werden, und zwar unter* dem weiter unten angegebenen Gesichtspunkt.
Es ist ferner zu beachten, daß durch die Beseitigung der Arbeitslosigkeit im Bezirk Homberg Mittel aus der Arbeitslosenfürsorge frei werden, die hier mit heranzuziehen wären.
Der Ausbau der Straße Lehnheim—Gleimen-
Hauptversammlung. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „3ch unb die Kaiserin". — Astoria-Licht- spiele, Seltersweg: „Eine Minute vor Zwölf" unb „Ein steinreicher Mann".
— Tageskalender für Sonntag. Stadttheater: 18.30 bis 21.30 Uhr, „Glückliche Reise". — Cafe Leib: 20 Uhr, großes Militär- konzert. — Oberhessischer Kunstverein: Turmhaus am Brand, 11 bis 13 Uhr, Ausstellung. - Turnhalle am Oswaldsgarten: 10 bis 21 Uhr, Ausstellung „Stadt und Land". — Eisenbahner-Heim- stätten-Verein: 20.15 Uhr, Hotel Hopfeld. ordentliche Generalversammlung. — Volkshalle: 10 vis 1430 Uhr, Hallen-Handball-Turnier. — Lichtspielhaus Bahnhofstraße: 11 Uhr, „Vaterland": ab 15 Uhr, „3ch und die Kaiserin". — Astoria-- Lichkspiele: „Eine Minute vor Zwölf" und „Ein steinreicher Mann".
— Aus bem Stabttheaterbüro wirb uns geschrieben: Die für heute angesetzte Volksvor stellung „Da stimmt was nicht" fällt wegen Erkrankung bes Herrn Hub aus. — Sonntag, 2. 'April, zu ermäßigten Operettenpreisen als Frembenvorstellung bie Operette „Glückliche Reise" von Künnecke. Spielleitung: Wrebe, Moehl, Bäulke. Anfang: 18.30 Uhr; Enbe: 21.30 Uhr. — Dienstag, 4. April, 20 Uhr 26. Vorstellung im Dienstag-Abonnement. Wieberholung bes Schauspiels „Die Räuber" von Schiller; Spielleitung: Oberspielleiter Peter F a s s o 11. Gewöhnliche Preise. Enbe 23 Uhr. — Mittwoch, 5. April, 20 bis 22 Uhr, 25. Borfteh lung im Mittwoch-Abonnement Erstaufführung bes Schauspiels „Anbreas Hallmann" von Hans-Christoph Kärgel. Spielleitung: Wolfgang Kühn e. Die Rolle ber Frau Hollmann spielt Fra» Auguste Prasch-Grevenberg, Ehrenmitglieb bes Meininger Lanbestheaters. Gewöhnliche Preise — Freitag, 7. April, 26. Borstellung im Freitag-Abon- nement, Wieberholung bes Schauspiels „Anbreas Hollmann" in ber Besetzung ber Erstaufführung. Gewöhnliche Preise. — Gerhart Hauptmanns Schauspiel „Bor Sonnenuntergang" mit Jytenbant Dr. Prasch als Geheimrat Clausen wirb am Sonntag, 9. April zum letzten Mal wiederholt.
* Eingeschlagene Fensterscheibe. Wie ber heutige Polizeibericht mitteilt, wurde in ber letzten Nacht eine Schaufensterscheibe an bem Kaufhaus Rekorb in ber Schulstraße eingeschlagen Die Täter finb bis jetzt noch nicht festgestellt.
** Mieterjubiläen. Im Hause Lubwig- ftrafte 31 kann man heute, am 1. April, zweier Mieterjubiläen gebenten. Frau Rechnungsrat Dörner wohnt bereits seit 35 Jahren, bie Familie
Heute abendKundgebung derNSOAP.
Wie bie Kreisleitung ber NSDAP, mitteilt, findet heute abenb auf bem Branbplatz eine große Kunb- gebung statt. Rebner ist Herr Bartholomäus (Gießen), ber über bie Boykottbewegung sprechen wirb. Die Kunbgebung beginnt um 20 Uhr. Die Kapelle bes Sturmes 12 wirkt mit.
Ein Kindesmord.
Wie ber heutige Polizeibericht mitteilt, hat bie Sektion ber am Donnerstag aus einem ftäbtifdjen Müllauto zutage geförberten Kinbesleiche ergeben, baft bas Äinb nach ber Geburt gelebt hat. Jrn Anschluß an ben gestrigen Polizeibericht fei noch einmal daraus hingewiesen, baß bas Kinb in braunes Packpapier eingewickelt, bann in ein schwarzes Woll- trepptleib eingeschlagen unb mit Kordel umwickelt war. Die Kriminalpolizei ersucht noch einmal alle Personen, die zur Aufklärung der Sache beitragen können, sich sofort mit bem Kriminalpolizeiamt in Berbinbung zu setzen. Ausbrücklich wirb babei betont, baß alle Angaben streng vertraulich behandelt werden.
Gießener Wochcnmarklpreise.
* Gießen, 1.April. Es kosteten aus dem heutigen Wochenmorkt: Süßrahmbutter 110, Landbutter 100 bis 110, Kochbutter 80 bis 90, Matte 20 bis 25 Pf. das Pfund, Käse 5 bis 10 Ps. das Stück. Wirsing (gelb) 12 bis 15, Weißkraut 8 bis 10, Rotkraut 10 bis 15, Gelbe Rüben 10 bis 12, Rote Rüben 10, Spinat 20 bis 25, Unter-Kohlrabi 6 bis 8. Feldsalat 80 bis 100, Zwiebeln 10, Meerrettich 30 bis 50, Schwarzwurzeln 25 bis 30, Kartoffeln 3 (pro Zentner 2,50 Mk.), Aepfel 20 bis 30, Dörrobst 35 bis 40, Obstmus 40 bis 45. junge Hähne 70 bis 90, Suppenhühner 70 bis 80 Pf. das Pfund, Tauben 40 bis 60 Pf. das Stück, Nüsse 40 Pf.
| das Pfund, Eier (inländische) 7, Blumenkohl 30 bis 60, Salat 20 bis 30. Endivien 10 bis 20, Lauch 5 bis 10, Rettich 10 bis 15. Sellerie 10 dis 30 Ps. das Stück, Radieschen 15 bis 20 Ps. das Bündel.
Bornotizcrr.
— Tageskalender für Samstag. Kampffront Schwarzweißrot, 20 Uhr, Stahlhelm- heim. Bismarck-Feier. — 1. Reichskurzschriftgesellschaft, „Stadt Lich", Vereins-Abend. — Bäcker- und Konditorenverein „Früh-Auf", 20 Uhr, „Stadt Kassel", außerordentliche General-Versammlung. — Reichsbahn-Turn- und Sportverein, 20 Uhr, „Hotel Kobel", 3ahres»
; Hapag-Reisebüro
Fahrkartenausgaben ^raus folgende Forderungen:


