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183. Jahrgang
Samstag, 1. April 1933
Ikrschernl täglich, auhei Sonntags und Feiertags. Beilagen: Die Illustrierte Gietzener Familienblätter Heimat int Bild • Die Scholle
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GietzemrAnzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
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Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton vr.H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein und kür den An- zeigenteil i. D.TH.Kümmel sämtlich in Gießen.
Bismarck.
Zum Geburtslage des Altreichskanzlers.
Don Erich Lilienthal (GOS.)
Der Verfasser, der besonders während des Ruhrkrieges mit einer Reihe von Kampfschriften hervorgetreten ist, ist Mitglied der Gesellschaft für Seut» sches Schrifttum, eines Kreises junger deutscher nationalistischer Schriftsteller, der unter dem Vorsitz des bekannten Breslauer Literarhistorikers und Philosophen Prof. Eugen Kühnemann sich seit langem tatkräftig für den nationalen deutschen Gedanken im Schrifttum einseht.
Bismarcks Gestalt warf einen langen Schatten über die Welt. Er war ein Mann aus eigenem Recht und gleichzeitig der klar erkennbare Vertreter aller Deutschheit auf der Erde. Wer damals an Deutschland dachte, sah die riesige Erscheinung des Mannes im Vordergründe stehen als Eisernen Kanzler, als Diplomaten, als den Alten aus dem Sachsenwalde, immer aber a l s Bismarck, den Deutschen. Bismarck war ein deutscher Typus, eine Spitzenleistung der Nation. Man weih nicht genau, wie Karl der Gröhe ausgesehen hat, man weih auch nichts über das Aeußere des Sachsenkaisers Otto den Drohen. Gefühlsmähig aber tastet man beim Nachdenken über ihre Erscheinung in die Nähe von Gestalten, . die an den grohen Kanzler erinnern. Warum ist Lederers Bismarck-Noland in Hamburg am Hafen so viel Porträt und so viel Symbol? Weil Bismarck selbst, auch in der körperlichen Gestalt, die Erfüllung des uralten deutschen Noland gcdankens war. Schwert und Panzer sitzen ihm wie angegossen, und die Nolandhaltung ist bei diesem deutschen Grandseigneur, der tausend Jahre nach der ersten Rolandfor- mung lebte, etwas Natürliches.
Jede Nedc, die Bismarck in seinem langen Leben gehalten hat, jede Aktennotiz, jeder Brief und jedes Gespräch tragen die eigentümliche Prägung seines Geistes und sind doch so deutsch, daß sie von keinem Heros eines anderen Volkes stammen können. Sie sind in der augenblicklichen Eingebung eines großartig und schnell arbeitenden Hirnes entstanden und haben bei alledem eine lange Ahnenreihe im deutschen Wesen. Trotz seiner umfangreichen kosmopolitischen Bildung, trotz der zahlreichen Verwendung von diplomatischen Fremdworten vernimmt man im Tonfall, im Rhythmus der Bismarckschen Lebensäuherun- gen den Klang von Luther und Friedrich dem Grohen, von Ulrich von Hutten und vielen anderen. In den Naturbetrachtungen, die einfach und selbstverständlich in die Briefe an seine Frau eingeflochten sind, ist das gleiche Ethos wie in vielen Liedern Walthers von der Vogelweide. Bismarcks humoristische Beschreibungen von Personen und Situationen, namentlich die vom Frankfurter Bundestag, gehören in die Linie, die von Hans Sachs zu Naabe und Busch reicht. Wenn Bismarck 1853 von Frankfurt aus sein augenblicklich gutes Verhältnis zum öfterretchi- schen Bevollmächtigten von Prokesch schildern will, dann sagt er etwa: „Prokesch ist jetzt so schwarz-weih und so zutunlich wie mein Stallkater". Das könnte Raabe auch geschrieben haben.
Die Repräsentation fast aller bedeutenden Seiten des deutschen Wesens war für die drei Iahrzehnte, die Bismarck im Vordergründe der Geschichte stand, fast vollkommen. Wie jeden Deutschen, hat man Bismarck im Auslande niemals völlig verstanden. Alle bedeutenden Staatsmänner, mit denen er zusammenkam, von Thiers bis Disraeli, erklärten sich immer nur die eine oder andere Facette seines Wesens auf ihre Weise, ganz begriffen ihn nur die Deutschen, die ihm nahestanden, seine Familie, sein König, und einfache Menschen, mit denen er sein Leben verbrachte. Weil Bismarck zu einmalig war. fehlte die persönliche Tuchfühlung mit der Masse. Die Zuneigung und Verehrung der Nation galt dem bei Lebzeiten Mythos gewordenen „Schmiede des Reiches", dem Werk, nicht dem Manne. r„
Hierdurch erklärt sich auch die persönliche Anfeindung, die niemals endigte. Hierdurch der unterlassene Gruh des Deutschen Reichstags zum achtzigsten Geburtstag seines Schöpfers. Bismarck war so sehr eins geworden mit seinem Werke, so überpersönlich, dah er jeden, auch jeden sachlichen Gegner, als Feind seines Werkes be- handelte. Er konnte dadurch ungerecht werden, man konnte ihn einen „guten Hasser" nennen. Feindschaften aber, die mit Intrigen, Parteigezank und anderen kleinen Dingen zusaminenhingen, gab es für einen Bismarck nicht. Alle Feindschaften Bismarcks entstanden, die großen wie die kleinen, weil sie seine Linie störten.
Zu Bismarcks Zeiten war die Bismarckfche Losung der deutschen Frage diejenige, die von fast allen Zeitgenossen als die beste empfunden wurde. Auf jeden Fall war cs die einzige, die selbst ein Mann von der titanischen Kraft des ersten Kanzlers durchzwinaen konnte. Die anderen mögen theoretisch bessere Lösungen gewußt haben, aber überhaupt eine Lösung des deutschen Wunderknäuels schuf nur und ganz allein Bismarck mit Hilfe der von ihm richtig angesetzten Volkseneraien.
Man hat Bismarck zum Borwurf gemacht, daß fein Werk den Schöpfer nur um zwei Jahrzehnte überlebt hat. Das ist nicht richtig. Das Gefüge des Reiches, wie es Bismarck schuf, hat die Deutschen in den Stand gesetzt, den Krieg durchzuhalten und zu überdauern. Wäre das Bismarckfche Reich nicht gewesen, dann hätte Deutschland alle Schrecken des Dreißigjährigen S^rieges in unserer Zeit auf seinem
Die parlamentarische Gleichschaltung der Länder und Gemeinden mit dem Reich.
Oie neuen Landtags- und Gemeindevertretungen werden nach dem Wahlergebnis des 5. März gebildet.
Boden erlebt, und die Heutigen könnten nicht mehr 1 im Gemäuer hausen.
Bismarck war der Held und der führende deutsche Staatsmann des neunzehnten Jahrhunderts. Es ist müßig zu fragen, wie er sich zu gewissen Entscheidungen der letzten Jahrzehnte gestellt hätte. Bismarcks Jugend fiel noch in die Zeit der Postkutsche. Er hat die größten Veränderungen im politischen und wirtschaftlichen Weltbilde, die durch die stürmische Entwicklung der Technik heroorgerusen sind und im nächsten Jahrzehnte noch stärker hervorgerufen werden, nicht mehr erlebt. Vieles, was Bismarck tat, läßt sich heute nicht wiederholen. Aeuße- res und inneres Leben der Menschen sind allzu verändert. Bismarck lebt weiter als Beispiel" für die Gestalt eines großen Deutschen im Empfinden, im Fühlen und im Handeln. Grundriß und Fundamente seines Reichsbaues ist niemandem bisher zu zerstören gelungen. Das neue „dritte Reich" kann gewandelt und hoffentlich vergrößert nurimGeiste Bismarcks, des ewigen Deutschen, entstehen.
Oer Beginn des Boykotts in der Reichshauptstadt.
Berlin, 1. April. (END. Funkspruch.) Bei einer Fahrt durch Berlin hat man den Eindruck, daß der Boykott zuerst und am stärksten in den Außenbezirken eingesetzt hat. Dor jüdischen Geschäften stehen Posten mit umgehängtem großen Schild: „Deutsche wehrt Euch! Kauft nicht bei Juden!". Dieselben Posten sieht man auch vor zahlreichen Privathäusern im Westen, so z. B. in der Kaiserallee, in der viele jüdische Rechtsanwälte und Aerzte wohnen. Besonders stark sind die Boykottposten vor den Gerichten, die be- obachten, ob jüdische Rechtsanwälte und Richter das Haus betreten. Sn der Innenstadt ist der Verkehr heute noch größer als sonst an Samstagen. Ein Teil der Geschäfte hat geschlossen, so die Filialen von Epa. Dagegen ist z. D. Wertheim in der Leipziger Straße geöffnet. Aber vor den Eingängen stehen SA.-Posten mit den Boykottschildern. Auf der Straße bleiben Neugierige stehen, aber niemand betritt das Ge
schäft. Der Boykott wird offensichtlich auch vom Publikum ganz einheitlich durchgeführt. Verschiedene Geschäfte in der Leipziger Straße haben Schilder angebracht, durch die sie sich aus dem Boykott herausheben. In einem Schaufenster liest man: „Deutsches Geschäft", in einem anderen „Oesterreichisches Geschäft". In der Friedrichstraße begegnet man langsam fahrenden Kraftwagen mit Filmapparaten. Doykottgeschäfte und Ansammlungen davor werden ausgenommen; alles wickelt sich störungslos ab.
Neue Anordnung des Zentralkomitees.
Borsicht
vor kou.mun slischen Provokateuren!
München, 31. Mär;. (ERB. Eigene Meldung) Das Zentralkomitee zur Abwehr der jüöifdjen Greuel- und Boykotthetze erläßt eine 7. Anordnung folgenden Inhalts:
1. Allein die Androhung des Boykotts gegenüber dem in Deutschland lebenden Judentum hat ein erhebliches Abflauen der internationalen hetze gegen das Deutschtum und die nationale Erhebung zur Folge gehabt.
2. Um die restlose Einstellung dieser infamen Lügenhehe zu erzwingen, fuhrt das gesamte deutsche Volk von morgen, Samstag, 10 Uhr vormittags, ab bis zum Geschäftsschluß am Abend einen absoluten Boykott aller jüdischen Geschäfte, Rechtsanwälte, Aerzte usw. durch.
3. Um dem internationalen Judentum Gelegenheit zu geben, auch die letzten Reste der Auslondhehe einzustellen, tritt dann eine Voykottpause bis Mittwoch, früh 10 Uhr, ein.
4. Ist bis zu diesem Zeitpunkt auch der letzte Rest der Greuel- und Boykottpropaganda verschwunden, so wird der Abwehrboykott nicht weitergeführt. Sollte das Dettjudentum es aber wagen, der hiermit noch einmal bewiesenen Großmut des deutschen Volkes zum Trotz die Lügen
Berlin, 31. März. (WTD.) Die Reichsregierung hat das vorläufige Gesetz zur Gleichschaltung der Länder mit dem Reich beschlossen und verkündet. Das Gesetz gliedert sich in die Teile „Vereinfachung der Landes- gesehgebung", „Volksvertretungen der Länder", „Gemeindliche Selbstverwaltungskörperschaft" und „Gemeinsame Bestimmungen".
Vereinfachung derLandeSgesehgebung:
Die Länderregierungen werden ermächtigt, außer in den in den Landesverfassungen vorgesehenen Dersahren Landesgesehe zu beschließen. Zur Neuordnung der Verwaltungen können die Landesgesetze von den Landesverfassungen abweichen. Die Einrichtung der gesetzgebenden Körperschaft als solche'darf nicht berührt werden. Auch S t a a t s v e r t r ä g e bezüglich der Landesgesehgebung bedürfen nicht der Zustimmung der gesetzgebenden Körperschaften.
Volksvertretungen der Länder:
Diese gelten mit Ausnahme des Preußischen Landtages als aufgelöst. Sie werden nach den Stimmenzahlen der Reichstagswahl vom 5- März neugebildet. Die Kommuni st en, sowie Wahlvorschläge, die als deren Ersah anzusehen sind, bleiben hier, wie bei sämtlichen durch dieses Gesetz vorgesehenen Vertretungsneubildungen ausgeschaltet. Als Verteilungszahl gelten für Bayern und Sachsen je 40 OOO, Württemberg 20 000, Baden 21 030, für alle übrigen Länderparlamente sind Höchstziffern festgesetzt. Für Hessen die Zahl 5 0 (bisher 70). Die Eitze werden den Bewerbern auf Grund von Wahlvorschlägen z u g e w i e s e n, die die Wählergruppen bis spätestens 13. April 1933 einzureichen haben. Verbindungen und Anschlüsse sind nur soweit zulässig, als sie für die Reichstagswahl galten. Die neuen Landtage gelten mit dem 5. März als a u f vier Jahre gewählt. Eine vorzeitige Auslösung ist unzulässig. Das gilt auch für den neuen Preußischen Landtag. Die Neubildung hat bis zum 15. April zu erfolgen. Eine Auflösung des Reichstages bewirkt ohne weiteres die Auflösung der Volksvertretungen der Länder.
Gemeindliche Selbstverwaltungskörper
werden hiermit aufgelöst und neugebildet nach der Zahl der gültigen Stimmen zur Reichstagswahl vom 5. März. Bei den Dertretungs- körperschaften in der unteren Selbstverwaltung (Gemeinde-, St ab träte usw.) darf die Zahl der Mitglieder die folgenden Höchst-
ziffern nicht überschreiten: In Gemeinden bis zu 1OOO Einwohnern 9, bis zu 2000 — 10, 5000 — 12, 1OOOO — 16, 15 000 — 20, 25 OOO — 24, 30 000 — 26, bis zu 40000 — 29, 50 000 — 31, 60 000 — 33, 80 000 — 35, 100 000 — 37, 200 000 — 45, 300 000 — 53, 400 OOO — 58, 500 000 — 63, 600 000 — 68, 700 000 — 73. Von mehr als 700 000 — 77. Die übrigen Vertretungskörperschaften der gemeindlichen Selbstverwaltung sind gegenüber ihrem Bestand vor der Auflösung um 25 v. H. zu verkleinern.
Die den Wählergruppen zustehenden Sitze werden nach dem geltenden Landesrecht ermittelt. Nach Landesrecht bestehende Verteilungszahlen sind entsprechend festzusehen. Die Sitze werden den Bewerbern auf Grund von Wahlvorschlägen zugewiesen, die die Wähler
gruppen wie oben einzureichen haben. Zur Einreichung von Wahlvorschlägen sind alle Wählergruppen befugt, auf deren Wahlvorschlag im Gebiet der Wahllörperschaft am 5. März Stimmen entfallen sind. Dies gilt nicht für die KPD. usw. — Eine zur Einreichung von Wahl- vorschlägen berechtigte Wählergruppe kann sich mit anderen oder allen Wählergrr^ppen zur Einreichung eines gemeinsamen Wahlvorschlages verbinden. Die neuen gemeindlichen Selbstverwaltungskörper gelten mit dem 5. März 1933 als auf 4 Jahre gewählt. Die Neubildung der gemeindlichen Selbstverwaltungskörper nach diesem Gesetz muß bis zum 3 0. April 193 3 durchgeführt fein. Für die preußischen Gemeinden gelten diese Vorschriften nicht mit Ausnahme der auch hier gültig werdenden An- Wirksamkeit der kommunistischen Mandate.
Neuregelung der Betriebsvertretungen.
Fortfall der Monopolstellung ^anerkannter" Gewerkschaften.-Wirtschastssriede bis zur grundsätzlichen Llmgestaltung des wirtschaftlichen AufbauS.
Berlin, 31. März. (WTD.) Das Reichskabinett hat den Entwurf eines Gesetzes über Betriebsvertretungen und über wirtschaftliche Bereinigungen angenommen. Artikel i gibt den obersten Landesbehörden das Recht, die Betriebsrätewahlen bis längstens zum 3 0. September auszusehen. Sn diesem Falle bleibt die alte Betriebs- Vertretung auch mit verminderter Mitgliederzahl im Amte, wenn nicht eine bestimmte Grenze unterschritten wird. Erforderlichenfalls ernennt die Behörde neue Mitglieder. Das Gesetz sieht ferner vor, daß einzelne Detriebsvertre- tungsmitglieder wegen staats- oder wirtschastsfei ndlicherEinstellung abberufen und durch andere erseht werden können. Artikeln des Gesetzes beseitigt die Monopolstellung, die im Reichsknappschaftsgesetz den bisherigen sogen, anerkannten Gewerkschaften verliehen worden ist.
Artikel Hl des Gesetzes behandelt die Vertretung vor den Arbe i t sgerichtsbe- Hörden. Der § 11 des Arbeitsgerichtsgesehes gibt den Mitgliedern der sog. wirtschaftlichen Vereinigungen von Arbeitgebern und Arbeitnehmern das Recht, sich durch Mitglieder oder Angestellte dieser Vereinigungen vor dcn Arbeitsgcr^ch en und Landesarbeitsgerichten vertreten zu lassen. Als wirtschaftliche Vereinigungen der Arbeitnehmer wurden bisher im wesentlichen wiederum nur die sogenannten anerkannten Gewerkschaften angesehen. Rach dem neuen Ge
setz kann nunmehr der Reichsarbeitsminister im Einvernehmen mit dem Reichswirtschaftsminister und dem Reichsjustizminister andere Verei- nigungen den wirtschaftlichen Vereinigungen gleichstellen. Artikel IV des Gesetzes sieht einen Fortfall des Kündigungsschutzes des Betriebsrätegesehes für den Fall vor, daß die Kündigung wegen staatsfeindlich erEin- Kündigung wegen staatsfeindlicher Einstellung erfolgt.
Sn Erläuterung des Gesetzes über Betriebs- Vertretungen und über wirtschaftliche Vereinigungen ist mitzuteilen, dah im allgemeinen in den Befugnissen der Betriebsvertretungen zur Zeit noch keine Aenderung vorgenommen wird. Die Reichsregierung wird jedoch baldigst die grundsätzliche Neuregelung des wirtschaftlichen Aufbaues vornehmen. Voraussichtlich wird sich ein besonderes Gremium mit Vorschlägen dieser Art beschäftigen, die dann der Reichsregierung vorgelegt werden sollen. Ob dieses Gremium dem neuen Reichswirtschaftsrat entnommen wird, steht noch dahin. Es ist aber anzunehmen, daß dies geschieht. Die Deichsregierung wird die Änternehmerverbände auffordern, bis zur grundsätzlichen Neuregelung einen freiwillig übernommenen Wirtschafts- frieden durchzuführen, wonach in den Detrie- Iben Neuregelungen der Arbeitsbedingungen gegenüber dem augenblicklichen Zustand bis aus weiteres nicht vorgenommen werden sollen.
fortzusehen, so schwören auch seine verantwortlichen Führer, den deutschen Abwehrboykott d u r ch z u f ü h r e n bis zur völligen nie wisder- gutzumachenden Vernichtung des in Deutschland Gastrecht genießenden Judentums.
5. Parteigenossen, Parteigenossinnen, deutsche Männer, deutsche Frauen! Stellt euch wie ein Mann an die Front!
6. kein Voykottposten betritt ein jüdisches Geschäft! keine Gewalttat, keine Sachbeschädigung, kein unerlaubtes vor- gehen gegen Ausländer darf die Grenze und Würde unsres heiligen Kampfes schänden. Banken dürfen nicht geschlossen werden.
7. Bolschewistische Provokateure, die zu Tätlichkeiten Hetzen, um unsere große Sache in den Augen der Welt in den Schmutz zu ziehen, sind fe st zunehmen und der Polizei zu übergeben.
8. Das Weltjudentum hat uns den Fehdehandschuh hingeworfen, wir nehmen ihn auf. Zeigt äußer st e Disziplin und höch ste Geschlossenheit. Es lebe Deutschland! Es lebe die deutsche Revolution? Es lebe der Generalfeldmarschall von Hindenburg! Ls lebe der Reichskanzler Adolf Hitler!
Abschwetten der Boykotthetze in England.
London, 31. Mörz. (TU.) Die Führer der englischen Juden sind von der Hetze gegen Deutschland weiter abgerückt. Neville Laskie und Leonhard Montefiore haben einen Brief oeröffentlicfaea lassen, in dem sie die aufreizende '.propaganDa gegen Deutschland verurteilen. Die führenden Juden Englands stehen auf dem Standpunkt Monte» fiores und möchten einen Gegenboykott gegen die deutschen Juden verhindern. Es wird darauf hinge- wiesen, daß ein offizieller jüdischer Boykott gegen deutsche Waren nicht bestehe und daß sich die große Mehrheit der Londoner Juden des Boykotts enthielten. Andererseits besteht ein wilder Boykott einer Minderheit der Londoner Juden, meist polni-


