Ausgabe 
1.2.1933 Erstes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

wichtigen Verhandlungen, die in Genf geführt werden.

Herriot Vorsitzender der radikalen Kammerfraktion.

Paris. 31. 3an. (WTB.) Die radikale Kammerfraktion hat an Stelle des zum Arbeits­minister ernannten Abgeordneten Francois- Albert den Abgeordneten Edouard Herriot, der der Sitzung nicht beiwohnte, zu ihrem Dov- sitzenden gewählt. Es verlautet, daß Herriot auch seine Kandidatur für die Nachfolge Fran­cois-Alberts als Vorsitzender des Aus­wärtigen Ausschusses der Kammer auf­stellen werde.

Nie Enteignung deutscher Grundbesitzer in polen.

Keine Einigung in Genf.Klage im Haag.

Genf. 31. Ian. (WTB.) Die Verhandlungen über die Anwendung der polnischen Agrarreform zuungunsten der deut­schen M i n d e c h e i t in Posen und Pommerellen, die in diejen Tagen wieder in Genf zwischen der deutschen Delegation, dem Völkerbundssekre­tariat und dem Ratskomitee für diese Frage srattgefunden haben, scheinen nicht zu einem befriedigenden Ergebnis geführt zu haben. Es ist deshalb mit größter Wahrschein­lichkeit anzunehmen, daß die deutsche Regierung den Bericht des Völkerbundsrates in dieser An­gelegenheit a b l e h n e n wird, und daß sie, um der deutschen Minderheit zu ihrem Rechte zu ver­helfen, die Ueberweisung an den Inter­nationalen Gerichtshof im Haag bean­tragen wird. Der deutsche Vertreter im Völkerbunds­rat Gesandter von Keller wird in einer der nächsten Sitzungen des Rates eine entsprechende E r-

Neutschnationale

Mittelstandsforderungen.

Berlin, 28. San. ($11.) Die deutschnationale Reichstagsfraktion hat in ihrer letzten Sitzung eine Entschließung gefaßt, in der es u a. he ßt Die Deutschnationale Volkspartei hat stets der Politik den Vorrang vor Wirtschaftsansprüchen zuerkannt, sie legt damit aber auch bewußt der Staatsführung die Verantwortung für die folge­richtige Wirtschaftspolitik auf. Diese Verant­wortung ist von allen Rachkriegsregierungen bis­her allein von der Regierung v. Papen freudig und rückhaltlos bejaht worden. Rückkehrender unseliger Parlamentarismus schafft erneut der marxistischen Kollektivwirtschaftsidee Raum und Zeit zu weiterer Zerstörung der Privatwirtschaft und ihrer Träger. Wenn dieser Entwicklung nicht mit aller Entschlossenheit unverzüglich Ein­halt geboten wird, Ist der völlige Zusammenbruch der gesamten Volkswirtschaft und damit auch der Staatsfinanzen unausbleiblich."

Cs wird dann zur Rettung der zerstörten ge­werblichen mittelständischen Wirtschaft in Hand­werk, Handel. Gewerbe und Hausbesih u. a. ge­fordert:

,1. Die Schaffung einer selbständigen po- l'tischen Stelle zur Wahrung der mittel­ständischen Wirtschaftsinteressen . innerhalb der Reichsregierung.

2. Die Wiederherstellung der Rentabili­tät des deutschen Hausbesitzes durch Abschaffung der Hauszinssteuer.

3. Die systematische Entschuldung der mittelständischen Wirtschaft.

.. Die Sicherung des selbständigen Hn- t' rnehmers vor neuen kollektivwirtschaft- >> hen Wirtschaftsformen und vor der Schwarz­arbeit.

5. Die Einschränkung des Einflusses der öffentlichen Hand auf Aufgaben der Privatwirtschaft.

Oberst v.Bredow seines Amis enthoben

Berlin. 31. San. (ERD.) Wie derBörsen- Courier" erfahren haben will, ist der Chef des Mini st eramtsim Reichswehrmini st e- r i u m, Oberst v. Bredow, am Dienstag seines Postens enthoben und vorläufig beurlaubt wor­den. Die Beurlaubung ist mit der Begründung

Deutsch-türkische Gemeinschaftsarbeit.

Oie Türkei kann Deutschlands Kupferbedarf decken.

Die moderne Türkei hat die Welt schon mehr­fach durch die rücksichtslose Energie ihrer Selbst­behauptung überrascht. Wenn sich die türkische Re­gierung daher jetzt entschlossen hat, die Kup­fergruben von Arg an a - Waden aus­zubeuten und die dazu nötigen finanziellen Mit­tel mit Hilfe einer inneren Anleihe selbst aufzu­bringen, so handelt es sich hier ganz gewiß nicht um eine phantastische Projektemacherei. Betrachtet man den Plan von weltwirtschaftlichen Gesichts­punkten aus, so muh» man sich natürlich darüber wundern, daß in einer Zeit ungeheu­rer Heberproduktion von Kupfer, in der z. B. in den Vereinigten Staaten schon die Schlie­ßung eines großen Teils der Kupferminen erwo­gen wird, ein neues Kupferbergwerk eröffnet werden soll. Ganz neu ist freilich die Ausbeu­tung der Kupfervorkommen von Argana nicht. Die Konzession gehört zur Hälfte einer staatlichen tür­kischen Gesellschaft, zur anderen Hälfte einem deutschen Konsortium, an dem neben der DD- Dank die Eisengroßhandelsfirma Otto Wolff (die bekanntlich auch Großaktionär der Mansfeld°AG., des einzigen großen deutschen Kupserbergbau- Hnternehmens ist), sowie der Hirsch-Kupfer- Konzern beteiligt sind. Schon jetzt werden dort Kupfererze gewonnen.

Trotz der primitiven Anlagen haben die Er­gebnisse alle Erwartungen übertroffen, denn der Kupsergehalt der in Argana gewonnenen Erze beträgt, wie nach sorgfältigen Prüfungen fest- gestellt ist, durchschnittlich 20 Prozent. Rur an wenigen Stellen der Welt gibt es so reiche Kupferminen. Es fehlt aber bisher jede Transportmöglichkeit, und die gewon­nenen Kupfererze müssen daher auf Halden an- gehäuft werden.

Voraussetzung des Abbaus ist derDaueiner Verbindungsbahn von den am Tigris ge­legenen Kupfergruben bis zu der türkischen Bahn­strecke Fewsi Pascha-Malatia. Dieser Bahnbau soll nun mit Hilfe einer Prämienanleihe von 12 Millionen türkischen Pfunden finanziert werden. Wenn er in zwei Jahren vollendet sein wird, kön­nen in Argan i jährlich 18- bis 20 000 Tonnen Kupfer gewonnen und dem internationalen Kon­sum zugeführt werden. Ratürlich müssen dazu auch moderne Bergwerksanlagen geschaffen wer­den. und hierzu braucht die Türkei das deut­sche Kapital. Deutschland hat aber selbst das größte Interesse daran, seine Kupferversorgung in einem befreundeten Lande sicherzustellen. Be­kanntlich kann der alte Kupferschieferbergbau in Mansfeld nur mit Hilfe hoher staatlicher Sub­ventionen aufrechterhalten werden. Heber kurz oder lang wird man dieses Subventions­system durch einen entsprechend hohen Kupfer- z o 11 ersehen müssen, um den mit relativ hohen Produktionskosten arbeitenden Mansselder Berg­bau gegen die ausländische Konkurrenz zu

erfolgt, daß die Entpolitisierung der Reichswehr von Grund auf geschchen müsse und Oberst v. Bredow als nächster Mit­arbeiter des Reichskanzlers von Schleicher während dessen Kanzlerschaft auch notgedrungen in die politische Sphäre gezogen wurde.

Ein Berliner Mittagsblatt berichtet, daß als Rachfolger des zunächst beurlaubten Obersten von Bredow als Chef des Ministeramtes im Reichs­wehrministerium Ober st von Reichenau in Aussicht genommen sei. Oberst von Reichenau war Stabschef des Generals von Blomberg in Königs­berg. Oberst von Bredow wird übrigens in der Reichswehr eine andere Verwendung finden.

Der Präsident der Ostpreußischen Land- wirtschastskammer beim Reichskanzler.

Berlin, 1. Febr. (CRD.)' Reichskanzler Hit - l e r empfing gestern den Präsidenten der Ostprerr- ßischen Landwirtschastskammer Dr. B e t h k e, der dem Reichskanzler einen Bericht über die Rotlage der ost preußischen Land­wirtschaft gab. Bei dem Empfang waren der agrarpolitische Sachverständige der ÄSDAP. Darre und der ostpreuhische Gauleiter Koch zugegen.

schützen. Da aber Mansfeld den deutschen Kup­ferbedarf bei weitem nicht befriedigen kann, so ist es für Deutschland von großer Bedeutung, wenn es sich hier ein reiches Kupfervorkommen sichern kann, an dessen Ausbeutung deutsches Ka­pital hervorragend beteiligt ist, und dessen Er­zeugnis daher künftig bei der Einfuhr nach Deutschland bevorzugt behandelt werden kann.

Deutschland und vie Türkei finden also in der Entwicklung und Ausbeutung der Kupfergruben von Argana Gelegenheit zu einer für beide Teile höchst nützlichen Gemeinschaftsarbeit. Der Türkei muß es vor allem darauf ankommen, ihre Rohstoffschätze auszunutzen und ihre Han­delsbilanz durch den künftigen Export von Kup­fererzen zu verbessern. Außerdem werden nach dem Bau eines modernen Kupferbergwerks in Argana auch Schwefel und Gold als Rebenprodukte rationell gewonnen werden kön­nen. Deutschland hingegen findet bei dem Bau der Eisenbahn, des Bergwerks und auch des neuen Hafens, der angelegt werden muß, damit die Kupfererze auf dem Seewege nach Deutschland gebracht werden können, mannigfache Gelegenheit zur Betätigung für seinen Heber- schuß an Ingenieuren und Technikern sowie Ab­satz für seine Maschinen und zahlreiche andere Industrieprodukte. Vor allem aber muß Deutsch­land danach streben, seine Kupferversorgung sicherzustellen, ohne sich in die Abhängigkeit von den großen internationalen Kupfertrusts zu be­geben.

Der Preis des in der Türkei gewonnenen Kup­fers ist dabei also nicht einmal allein ausschlag­gebend. Es wird im wesentlichen davon abhängen, daß das Transportproblem so günstig wie möglich gelöst wird. Die Türkei hat billige Arbeits­kräfte, wenn auch nicht so billige, wie sie in Afrika durch die Eingeborenen geboten werden. Dafür ist der Transportweg aber wesentlich kürzer, und an Reichtum des Kupfergehalts geben die türkischen Gruben zunächst denen in Rhodesien und am belgi­schen Kongo nichts nach. Deutschland, das bekannt­lich ein rohstoffarmes Land ist, darf in seinem eigenen Interesse eine solche Gelegenheit, seine Kup­ferversorgung zu verbessern, nicht ungenützt vor- übergehen lassen. Es wird die Türkei bei der Durch­führung des großzügigen Plans um so lieber unter­stützen, nachdem die Türken durch die erfolgreiche Auflegung der Anleihe gezeigt haben werden, daß sie auch selbst keine Opfer für das Gelingen dieses großzügigen Jndustrialisterungsprojekts scheuen. Kann Deutschland auch heute der Türkei nicht allein das gesamte erforderliche Kapital zur Verfügung stellen, so bietet es ihr seine Erfahrungen, seine Hilfskräfte, seine Maschinen, Transportmittel usw., vor allem aber einen sehr aufnahmefähigen Absatz­markt für die türkischen Kupfererze, die überdies vorläufig in Deutschland verhüttet werden sollen.

ttiettervornueiagc

Obwohl von der Biskaya her sich sehr schnell hoher Druck bis über Deutschland ausgebreitet hat, kommt fein Einfluß auf die Wetterlage nur wenig zur Geltung. Heber den britischen Inseln hat sich eine kräftige Störung eingestellt, die sehr warme Luft und auch recht ergiebige Riederschläge mit sich führt. Da das Barometer bereits fallende Tendenz zeigt, wird sich die Störungstättgkeit auch bei uns bald einstellen. Die Südwestluft wird unseren Bezirk überqueren und dabei wechselhaf­tes, mildes und regnerisches Wetter verursachen.

Aussichten für Donnerstag: Mildes und meist bewölktes Wetter, zeitweise Rieder­schläge, ziemlich lebhaste südwestliche Winde.

Aussichten für Freitag: Wechselnd wolkig, Temperaturen schwankend, aber im gan­zen noch mild, schauerartige Riederschläge.

Lufttemperaturen. Am 31. 1. mittags 4,1 Grad Celsius: abends 3,3 Grad. Am 1. 2. morgens 3,3 Grad. Maximum 4,2 Grad, Mini­mum 2,0 Grad.

Crdtemperaturen in 10 Zentimeter Tiefe. Am 31. 1. abends1,4 Grad. Am 1. 2. morgens1,0 Grad.

Eme Sandbank wächst.

Don Peter Bauer.

9 bei den Uferpappeln ist hart ge- froren v'nd holverig. Trittspuren und Räder- furcy ' i Regentagen her sich Rässe

gesammet. > Th re Ränder starren

mit spröden v, atmen empor, wider

die der achtlose Fuß . Steine stößt. Ein kleiner Wiesentümpel ist ou Knei..' erstarrt, den Buben mit Steinen bombard'^ Sie freuen sich, wenn krachende Treffer str- förmige weihe Risse in die glatte Fläche sprv

Die Uferböschung zum Strom hinab hat Tiefe fast verdoppelt. An die rote Sandstein!" hat sich eine fahlgrüne angesetzt. Man sieht i sen Quadern, an denen Moos und Algen grüner Schimmel wuchern, ihr langes Unk Wasserdasein an. Jetzt fehlt ihnen die Strömung, das Wellenspiel von dessen oft kristallklar^ Glanz überspült sie ein märchenhaftes ^gjjen her Siefe ju führen schienen. Sie rx^r blaff en. aus­getrocknet und .usgefcoren ".ehr unD mehr, wayrend Der <strom sich chne n immer weiter ent-

1 nisten Schlupfwinkel

Oluf weite Stre TbA hin find unter den trüg gewordenen Fluten lehmfarbene Sandmafsen sichtbar Vereinzelt haben sie sich schon zu kleinen Inseln emporgpdrängt. Und in einer weit aus­holenden Kurve des Users ist die ganze Ducht m.k Sand beseht. Dieser landgewordenen Bucht hat sich eine/langgestreckte Sandbank vorgelagert die sich, Da jeder Wellenschlag neue Kiesel und Körner zurückläht, in der Richtung der Strö­mung zungenartig vergrößert. Ihre schmale noch von bet Strömung ständig überrieselte Spitze ist das Dorado für eine Horde hungriger Möven geworden. Sie balgen sich mit heiseren Schreien um Die Almosen des Flusses und schnappen ein­ander die Brocken.weg. Manche rennen mit dem charakteristischen Ricken der Köp§ wie von einem I aufgezogenen Federwerk gehn'* den langen Zungensaum entlang. Andere schwimmen in die I Strömung hinaus oder fliegen in langsamem Flug I dicht über Die Wasser hin, mit scharfen Augen I Die Fläche abfpähend.

Zuweilen lanDet eine Krähe von den Ufer­pappeln herabfliegend auf der Sandbank und schreitet, im Gegensatz zu den nervös auf» und abhastenden Möven, bedächtig mit hin und wie­der stocherndem Schnabel einher. Doch keine scheint sich in Der Rähe Der zänkischen Schreihälse wohl zu fühlen. Mit einem verächtlichenKraah!" schwingen sie sich balD wieder hoch und steuern weiter, über den Strom hinüber: um sich jen­seits stillere Jagdgründe zu suchen.

Sogar ein Eisvogel gewährt vorübergehend das seltene und schöne Schauspiel feines Anblicks.

v- ?'t ein Wunder an Gestalt wie an Farbe- wmi die eher in eine üppige $rcbenioi!Dnis !

's in die winterlich öde Flußlandichaft. | 4* bpf, bii ungewöhnlich lange Schna-

.m wahrzunehmende Stummelschwanz nen Füße sind untrügliche Kennzeichen

-i.. ein Mosaik aus Edelsteinen schillern­den Murchenvogels. Er hat sich auf einem an- geschwemmten Baumstumpf, allerdings abseits ge­nug vor Dem kreischenden Mövenpa., fast am > anderen Ende der Sandbank postiert. Stumm und regungslos verharrt der merfmi rhige Vogel und belauert scharf äugend die ziehenden Wasser. Wie ein Angler, der die Schnur ausgewvrfen hat und keinen Blick von Dem Schwimmer läßt. Aber plötzlich entbreitet er die Flügel und schießt in gerader Linie über die Wasserfläche, reißend wie ein Pfeil und funkelnd mit seinem Rücken» gefieder wie Topas und Aquamarin. Ein mit Rauschen, Maschinengestampf und Qualm na­hender Schleppzug hat ihn fortgescheucht.

Die Möven sind nicht so ängstlich und miß­trauisch. Im Gegenteil. Sie stürzen sich in die hochgehenden Wogen, die die Radschaufeln auf. wühlen und steuern auf die Schisse zu. Wie leichtes Treibholz lassen sie sich auf und nieder und schaukeln und behalten doch Richtung auf ihr Ziel. Vielleicht sind ihnen schon öfters von ä e < chisssi' ohnern Ab alle und Speisenüber- ° '.toor en worden und so hoffen sie auch ineber etwas zu schnappen. Einige bleiben warten, ob in Der Brandung nicht doch auch noch Genießbares anschwemmt.

'-Ul Sch cpp)ua vorbei ist und die Wasser sich wieder langsam beruhigen, geht das Gezänke auf und vor Der Sandzunge von neuem los.

Bis eines Tages der frühlingsstark gewachsene Strom die ganze Herrlichkeit überflutet und die Sandbank in feine Tiefe nimmt.

Gaby erlebt was.

Von Feodora Kern.

Gaby ist klein und unansehnlich und in ihrem jungen Leben noch von feinem männlichen Wesen näher angeschaut worden; das schmerzte sie ein tofn g. Aber da Gaby eine vernünftige kleine Person ist so stürzt sie sich mit Feuereifer in ihr Arbeit und denkt: ich bin nun einmal nicht ic die anderen Mädels. Diese Tatsache Gaby als etwas Unabänderliches vor sich hi" 'n) manchmal ist sie sogar stolz darauf.

c NUN die Stellung betrifft, die Gaby mit jo viel Liebe ausfüllt, so muß von ihr gesagt werden, daß sie durchaus nicht allen Freundinnen Gabys so begehrenswert erscheint. Gaby macht Botengänge für eine große Firma, und das Treppauf und Trevpab, Die flinke Bewegung entspricht ganz Gabys Raturell.Man erlebt so viel Dabei, sagt sie immer,man kommt so viel rum unD guckt überall hinein.

Da geschah es in Der Druckerei, wo Gaby wie öfter schon auf ein Paket wartete, Daß ihr Der Packer schmunzelnD mitteilte, Der junge Mann Da nein, nicht Der, Fräulein Gaby, der andere, der blonde interessiere sich lebhaft für sie.

Oh, machte Gaby verwirrt, aber richtig hin- gesehen hatte sie gar nicht. Das Paket war ge­rade zur rechten Zeit fertig, so daß Gaby es schnell unter Den Arm klemmen konnte und nicht weiter auf das Thema einzugehen brauchte.

Als Gaby das nächstemal wiederkam, wurde sie zufällig von einer Kollegin begleitet. Im Maschinensaal ging ein junger blonder Mann an Den beiDen Mädchen vorbei, Der strahlte über das ganze Gesicht, als er Gaby erblickte unD dann warf et mit einem kleinen koketten Schwung die Haare aus der Stirn. Der Kollegin fiel das natürlich auf und nachher, auf der Treppe sagte sie zu Gaby:Du, der ist hübsch Den

.........

Der englische Dichter John Galsworthy, der vorjährige Nobelpreisträger für Literatur, ist, wie schon gemeldet, im Alter von 65 Jahren gestorben.

Aus der ProtnrumlbaupfflaöL

Doktor Regelmäßigkeit.

von Or. Else Bergen

Häufig hört man Mütter Darüber klagen, daß ihre Kinder, obwohl sie reichlich und gut zu essen bekommen, schlecht ernährt aussehen, an Müdigkeit und Appetitlosigkeit leiden, Kopf­schmerzen und alle möglichen Beschwerden haben, die ein gesundes Kind kaum dem Ramen nach kennen sollte: in Ve binDung Damit stellt sich eine unleidliche Nervosität ein, die für Charakter und Wesen des Kindes Der allerschlimmste Feind ist.

Gegen diese Verfassung des Kindes hilft nur streng durchgeführte Ordnung und Regelmäßig­keit. Das Kind muh stets zu einer bestimmten und nicht zu späten Stunde zu Bett gebracht werden. Es muß also spätestens um 18 Uhr sein Abendbrot bekommen und um 19 Uhr, bei etwas älteren Kindern um 20 Uhr im Bett fein. Bei nervösen Kindern sollte man, auch wenn sie schon schulpflichtig sind, darauf halten, daß sie regelmäßig nach Dem Mittagessen eine Stunde schlafen. Es trägt dies wesentlich zu ihrer Be­ruhigung bei. Kinder dieser Art müssen über­haupt möglichst in einer gewissen Eintönigkeit gehalten werden. Man soll sie nicht zu viel ausgehen lassen, allzu aufregende Eindrücke sind Gift für sie: auch sollen sie nicht an sehr an­strengenden Spielen teilnehmen.

Leiden Die Kinder an starkem Herzklopfen, so muß man natürlich einen Arzt aufsuchen, aber auch hier gibt es einige harmlose Hilfs­mittel, Die man versuchen kann. Man reibt Die HerzgegenD mit Franzbra ntwein ein, ober legt einen mit Franzbranntwein getränkten Lap­pen auf Das Herz: auch finD ein paar BalDrian- tropfen auf einem Stück Zucker ein gutes, aber unschäDliches Beruhigungsmittel.

Im allgemeinen wird der geschilderte Zustand Der Kinder darauf zurückzuführen fein, daß die Nahrung von dem kindlichen Körper nicht richtig verdaut wird, so daß sich ein Ueberschutz an Säuren bildet, die wie milde Gifte wirken, wenn sie im Körper zirkulieren.

Man kann diesen Fehler durch geeignete Diät abftellen. und zwar muß man vor allem alle fetten Sveifen aus der Nahrung des Kindes strei­chen, wie man ja auch meist finden wird, daß Kinder einen gesunden und natürlichen Wider­willen gegen alles Fette haben. Schokolade ist unter diesen Uyiständen auch nicht günstig, da sie zu schwer verdaulich ist. Dagegen soll man viel Zitronen- und Orangensaft geben. Fleisch soll wenig gegessen werden, nur ganz mageres, am besten Kalbfleisch und Geflügel. Gemüse und Salate sind sehr zuträglich, besonders sollen Spi­nat und Mohrrüben bevorzugt werden. Mohr­rüben auch roh. Sie schmecken gerieben besonders gut. Ein Teller voll geriebener Mohrrüben vor dem Morgenfrühstück tut oft Wunder. Alle Süßigkeiten, die man mit Eiweiß herstellt, sind günstig, dagegen sollte man Eigelb nach Mög­lichkeit vermeiden. Schwarzbrot ist besonders ge­eignet, auch soll man viel Honig essen lassen. Ob man viel Milch geben soll, hängt von dem Geschmack des Kindes ab. Vor allem darf sie

würde ich mir warm halten!" Gaby wehrte diese Zumutung entrüstet ab und war im übrigen Damit beschäftigt, ihr Röckchen in Die Länge zu zupfen, damit ihre nicht sehr wohlgelungenen Deine etwas mehr bedeckt wurden. Schließlich war es ja nicht ausgeschlossen, daß man ihr vom Fenster aus nachsah.

Gaby rückte bei ihrer Firma auf, sie Durfte jetzt die Besucher empfangen, sie höflich ins Wartezimmer geleiten und sie, wenn sie dem Chef unwillkommen waren, ebenso höflich wieder vor Die Tür sehen. UnD weil nun feiner mehr Da war, Der so flink wie Gaby die Besorgungen erledigte, mußte die Druckerei selber einen Boten schicken. Ja, und eines Tages stand der blonde, junge Mann vor Gaby und strahlte sie an. Sie wünschen, mein Herr?" fragte Gaby und wußte natürlich genau, was er wünschte.

Ich bringe Papier von Der Druckerei", sagte Der junge Mann und warf mit einem kleinen koketten Schwung die Haare aus der Stirn.

Bitte, zur Expedition, geradeaus, dritte Tür links!" kommandierte Gaby. Da konnte er ein­mal Augen machen und staunen, welch einen hohen Posten sie hier innehatte. Der junge Mann aber lächelte nur, verbeugte sich und marschierte zur Expedition, geradeaus, dritte Tür links. Etwas gekränkt blieb Gaby zurück. Als er nachher wieder vorbeikam, stand sie noch am selben Fleck, machte ein hochmütiges Gesicht und sagte leichthin:Guten Tag, mein Herr!"

Auf Wiedersehen!" grüßte der junge Mann, immer noch lächelnd, sah Gaby an und legte die Hand auf die Türklinke. Weil aber Gaby eben­falls dabei war, Die Tür zu öffnen, so be­gegneten sich ihre Hände auf der Klinke. Da mutzte auch Gaby lächeln, und als sie sachte Die Tür hinter ihm geschlossen hatte, da sah sie ganz und gar nicht mehr hochmütig aus. Sie schaute sich ihre Hand an und entdeckte einen schwarzen Fleck darauf. Den jungen Mann hatte man nämlich direkt von seiner Arbeit wes­geschickt.

^,Na, ich werde ihm schon Sauberkeit ange- wöhnen", beschloß Gaby bei sich, und Dann wurde sie ganz schnell rot.