Ausgabe 
31.10.1939
 
Einzelbild herunterladen

W

<****- S

MWD* MM

Nr. 255 Zweites blatt

Aus der Stadt Gießen.

Bücher für die Soldaten.

Kamerad, du und ich, wenn wir jetzt unsere Bücherschränke durchsuchen, um den Soldaten von unserem Ueberfluß abzugeben, so wollen wir es gut machen ...

Wir wollen nicht aussortieren in einem Sinne, der heißt: ach, das Buch von dem Dingsda, das wollte ich doch schon lange verschenken: weg damit! Oder: der dickleibige Wälzer ist längst durch neue Erkenntnisse der Wissenschaft überholt: fort damit! Wir mühten uns schämen, wollten'wir so verfah­ren.

Es verlangt niemand von uns, daß wir die lieb­sten Bücher hergeben, an denen Erinnerung haftet. Das Lyrikbändchen, bei dem du immer an einen heißen Sommertag denkst, an Baumwipfel, an Kiefernadeln, an flimmernde Höhen. Es verlangt niemand von dir das Geschenk, das dir der verstor­bene Bruder einst an einem knisternd-kalten Win­tertag mit heimbrachte obwohl selbst solche An­denken nicht zu gut wären für die Männer auf den Booten und in den Bunkern und in den Ruhe­stellungen.

Aber: Wir wollen ihnen gute Bücher schicken. Schließlich können wir uns ja einmal das eine oder andere liebgewordene Buch noch einmal kaufen. Bücher sind nicht teuer. Also: gute Bücher. Das . bedeutet nicht allein, daß wir ihnen die unsterb- ' lichen Gedichte von Hölderlin schicken, von Eichen­dorfs, von Goethe, die Soldatengeschichten Detlev von Liliencrons, die handlichen Bände Friedrich Nietzsches, die Balladen und Lieder der großen plattdeutschen Dichter es bedeutet auch, daß wir ihnen nebenher spannende Bücher schicken.

Glaubt nicht, daß die Soldaten sie verachten. Einer hat es mir in diesen Tagen geschrieben, wie gern er wieder die alten Bände durchschmökert hat, die ihm die Frau auf sein Geheiß geschickt hat: Abenteuererfabeln, die schon den Knaben fesselten, Erzählungen aus Afrika, Geschichten aus der Was­serwüste, ja sogar die farbigen, schäumenden Mär­chen von Wilhelm Hauff.

Wir wollen aussuchen und nicht aussortieren, nicht wahr? r. k.

Bornotizen.

Tageskalender für Dienstag.

Stadttheater: 20 bis 23 UhrDas Wintermär­chen". Gloria-Palast (Seltersweg):Leinen aus Irland". Lichtspielhaus (Bahnhofstraße):Fa° |d>infl".

Stadttheater Gießen.

Heute abend wird Shakespeares Tragikomödie Das Wintermärchen" in der neuen Uebersttzung von Hedwig Schwarz uraufgeführt. Die Aufführung unter der Spielleitung von Dr. Hannes Razum steht besonders im Blickpunkt der am deutschen Theater Interessierten, da in ihr zum ersten Male in Hedwig Schwarz ein starkes, zu großen Hoff­nungen berechtigendes Uebersetzertalent auf die Bühnen kommt. Erstmalig wird auch im Stadt­theater Gießen die Musik zumWintermärchen' von Hermann Zilcher aufgeführt. Die musikalische Leitung hat Richard Boeck. Es wirkt fast das ge­samte Schauspielensemble mit. Die Bühnenbilder stammen von Karl Löffler. Anfang 20 Uhr, Ende gegen 23 Uhr. 5. Vorstellung her Dienstag-Miete.

Achtung! - Krastfohrzeuganhänger melden!

Das Reichsverkehrsministerium weist nochmals Darauf hin, daß jeder Eigentümer oder Halter seine Kraftfahrzeuganhänger anmelden muß, wenn die Anhänger noch nicht mit Anhängerbrief ausgestattet

Hans und Liese.

Von Walter Schweter.

Beide waren aus meinen Heimatbergen, hatten bei dem gleichen Herrn gedient und waren mitein­ander zum Kriegsdienst eingezogen worden.

Als ich sie kennenlernte, war es schon dämmrig. Daher konnte ich nicht sehen, wie schön braun Han­sens Haar und wie zart flachsfarben Lieses Sttrn- locken waren. Und doch gefielen mir die Beiden gleich so, daß ich mich ordentlich freute, mit ihnen tufammen über die Grenze zu rücken.

Hans war mir, als ich ihm einige Süßigkeiten aus dem ersten Feldpostpäckchen in den Mund ge= Ichoben hatte, schnell sehr gewogen. Liese äderte sich ein wenig. Doch als ich mit dem lang entbehrten Würfelzucker kam, legte sie sogar den hübschen Kopf auf die Seite und ließ sich das Zuckerstückchen zwi­lchen die Lippen geben. Das schien aber dem Freund nicht zu gefallen, denn er stieß Liese heftig an, so­daß das zweite in den Dreck fiel.

Als sich uns der Geschützdonner näherte, wurde ich von den Beiden getrennt. Tagelang sah ich ste nicht mehr, und als ich sie dann sehnlich erwartete, Sieben sie aus. Alle Feldzeugwagen standen schon in einer Reihe auf dem Lagerplatz, nur nicht der mit Hans und Liese davor.

Plötzlich, ich lehnte mich gerade müde an das Rat) des Wagens, neben dem unsrer stehen fönte, t-a höre ich lebhaftes Stimmengewirr und ehe ich meinem gefährlichen Platz zwischen den Rädern ver­fassen konnte, kommen schon die schweren Kerle ms meinen Heimatbergen in rasender Fahrt daher, lind so dicht und haarscharf rückt der Stabspack- oagen an den andern, daß mich seine Räder zer- üssen hätten, wenn Nicht Hans in dem Augenblick els er mich, sah, einen gewaltigen Satz zur Seite gemacht hätte. Damit riß er sowohl seine Liese, als oen ganzen schweren Wagen von mir weg, und ich Dar gerettet. , .

Jetzt teilte ich jeden Leckerbissen mit ihm, wenn Dir beieinander waren. .

Am andern Morgen zog mich Fuhrmann Salzig lachend aus meiner Strohecke und rief:Mornnj, iu lachst dich bot!" Uns GäUl honn de ganze Stall cusnannergedrückt!" . .

Als ich vorausrennend in den Hof elNbiegen wollte, in dem das Pferdepaar feine Ruhestatt hatte haben sollen, hielt mich Salzig am Rockzipfel fest lmd flüsterte grinsend:Guck erst ums Eck. -Du lachst dich bot!" . .

Und dann lachte ich, daß mir die Bocken weh taten, denn vor mir stand eine hohe Steinmauer Mit zwei Riesenlöchem, die uns wie Glotzaugen onftarrten. Doch jetzt wedelten freudig dann und befreit die beiden Roßschweife, und jeder konnte erkennen, daß die dicken Hinterteile von Hans und liefe aus den gezackten Riesenlöchern schauten.

So hatten die beiden starken Kerle ihren ge­preßten Herzen in dem engen Feindes stall Luft ge­macht! Dafür standen sie am Nachmittag aber auch ruhig und sittsam im Schulzimmer des zerschossenen Dorfes, dem einzigen noch regensicheren Ort Die von den Kinderhänden beschmierten Schulbücher lagen noch auf den Bänken. Doch die Dintenglaschen waren eingetrocknet, und das war gut, denn sonst hätte die neugierige Liese, die beständig an den schwarzen Fäßchen schnupperte, eine Tintennase be- komsnen.

Ich zwängte mich in der Erinnerung an die schöne Schulzeit neben den dicken Rheinländer Sal- zia in eine der Bänke und döste vor mich hm. Manchmal sagte mein KameradDunnerschlag, Dunnerschlag!" undJa, ja!" und dann auf einmal langsam und nachdenklich:Es bat en Jftram, jetzt qihn die Gäul in die Schul, on die Kinner liefe im Stall!" Das war oft so dort, wo die polnischen Hütten zerstört, die Ställe aber noch einigermaßen ganz waren.

Wenige Tage danach war die Abschiedsstunde für mich gekommen. Als ich meinem treuen Weg­genossen Salzig die Hand gegeben hatte und dem guten Hans mein letztes Zuckerstuck zwischen die Lippen schob, legte Liese zutraulich ihr warmes Ge­sicht an meinen rauhen Bart.

Sie hätte sicher etwas gesagt, wenn sie hatte reden können. - Dann bog >ch m ben £emcn Ickmieriqen Feldweg ein und sah ost zurucr.

^Zwischen alten, halb verschütteten Schützengraben, leärochenen Wagenteilen, Ausrüstungsstücken der Feinde und stillen Grabhügeln hmdurchschrettend war ich schnell wieder bei meinen Kampfkameraden.

sind. Die Meldung mußte bis zum 31. Oktober er­folgen, sie ist mit Postkarte an die Sammelstelle für Nachrichten über Kraftfahrzeuge, Berlin C 2, Neue Königstraße 2737 zu richten und sofort nach­zuholen, wenn sie unterblieben sein sollte. Auf der Postkarte ist auch die genaue Anschrift (Vorname, Zuname, Stand, Ort, Postamt, Kreis, Straße und Hausnummer) anzugeben. Die Meldung ist auch dann zu erstatten, wenn der Anhänger oder das ziehende Kraftfahrzeug zur Zeit stillgelegt ist. Aus­genommen von der Meldepflicht find nur

a) Anhänger in land- und forstwirtschaftlichen Be­trieben, die für wechselnden Zug durch Ge­spann oder Zugmaschine eingerichtet sind, und Fahrzeuge für tierischen Zug, wenn sie aus­nahmsweise von einem Kraftfahrzeug mitge­führt werben;

b) land- und forstwirtschaftliche Arbeitsgeräte, die nur im Fahren (besttmmungsgemäße) Arbeit leisten können, z. B. Pflüge, Drillmaschinen, Mähmaschinen;

c) Anhänger hinter Straßenwalzen;

d) Im Straßenbau verwendete Maschinen, die von Kraftfahrzeugen mit nicht mehr als 20 km/std Höchstgeschwindigkeit mitgeführt werden;

e) im Gewerbe nach Schaustellerart von Zugma­schinen mit nicht mehr als 20 km/std Höchstge­schwindigkeit mitgeführte Wohn- und Pack­wagen.

Die Unterlassung der Anmeldung wird bestraft.

Leinen ans Irland."

Die Komödie gleichen Namens lief vor einigen c,nhr(m Über alle Buhnen, nun hat sich Der tfinn be^ Stoffes bemächtigt, und man darf sagen: nn

^syltem durch ^Xlwentou7enbel Heine Weber pLuptit non grenzenlosem persönlichen Ehrgeiz SmÄW« ÄÄ"1." sm:1"-»-s

M?da° einheimische Seinen zu Fall 3u bringen. Don keinen Skrupeln geplagt, hat er auch die ge­sellschaftliche Stellung seines Präsidenten emgesetzt, um sich Verbindungen im Ministerium zu schaffen, nrih für diesen Zweck sogar die von ihm selbst be- äehrt Doch e7 stines Chefs -mg-lpannt.. Aber bei dem ruständig-n Referenten des Ministeriums, den dke"schöne Lilly" ködern sollte, stößt er auf unerwar-

Opfer einer Rauchvergiftung.

Am gestrigen Montag gegen 16 Uhr fand man in einem Hause in der Licher Straße einen dort mö­bliert wohnenden Mann tot in seinem Zimmer auf. Nach den Ermittlungen hat der Mann den Tod durch Rauchvergiftung und Ersticken gefunden. Es handelt sich um einen verheirateten, 33 Jahre alten Mann aus Berlin, der im Dienste einer auswär­tigen Baufirma vorübergehend hier tätig war. Er hatte in der Nacht zum Montag stark gezecht und mar bann zu feiner Wohnung zurückgekehrt. Hier hat er den elektrischen Heizkörper eingeschaltet, den er bann in seinem Rauschzustand offenbar umge­worfen hat und der glühend auf den Teppich fiel. Durch die starke Hitzeentwicklung gerieten im Ver­laufe der nachfolgenden Stunden der Teppich und zu einem ansehnlichen Teile auch der Fußboden ins Glimmen. Der dadurch entstandene Rauch im Zusammenwirken mit dem Alkohol hat den Mann derart benebelt, daß er sein Bett nicht aufsuchte, sondern sich auf den Fußboden legte. In dieser Sage fand man ihn am Montagnachmittag vor, als er an seiner Arbeitsstätte vermißt wurde. Am Montagvormittag soll er auf das Klopfen des Ver­mieters hin noch Antwort gegeben haben. Nach­mittags, als man die unverschlossene Zimmertür öffnete, war das ganze Zimmer voll Rauch, der von dem glimmenden Teppich und Fußboden kam. Die Feuerwache wurde sofort zur Beseitigung der Brandgefahr herbeigerufen, die Männer der Be- teten Widerstand. Der lautere und sachlich urteilende Beamte wird sogar zum erbitterten Gegner des Projekts, nachdem er von einem der kleinen, durch das Treiben des Konzerngewaltigen ruinierten Ver­leger über die Hintergründe und Folgen des Plans aufgeklärt wird. Trotzdem entscheidet sich der Mi­nister für Aufhebung des Zollschutzes, der Referent nimmt seine Entlassung, auf die Gefahr hin, mit seiner sachlich begründeten Stellungnahme die Siebe der schönen Silly, bei der aus dem Flirt längst ehr­liche Zuneigung geworden ist, zu verlieren. Doch aus vielen Mißverständnissen wendet sich noch alles zum Guten. Der Präsident, der von seinem ge­schäftstüchtigen Generalsekretär hinttrs Sicht geführt war, setzt diesen skrupellosen Streber an die Suft und zieht beim Minister seinen Antrag zurück. Die böhmische Hausindustrie ist gerettet, aus Silly und dem charakterfesten Beamten wirb ein glückliches Paar. Das Drehbuch Harald Bratts und die Spielleitung Heinz Helbigs haben für ihre Zwecke nur die eine Seite des altösterreichischen Beamtentums gebrauchen können, verknöchertes Bürokratentum gemildert durch Schlamperei. Aber man darf dabei nicht vergessen, daß es neben dem Soldaten der Beamte gewesen ist, der in der Sethargie des im Kampf seiner Nationalitäten sich auflösenden Habsburgerreiches bis mm Setzten die Idee des Staates verkörpert hat. Mit diesem Vor­behalt, der ungerechtfertigten Verallgemeinerungen vorbeugen muß, darf man sagen, daß der Film das Sehen und Treiben in einem k. u. k. Ministerium mit viel Witz und Sinn für Atmosphäre hingestellt hat. Den Prototyp des hier glossierten Ministerial- beamten spielt Hans Olden geradezu unnachahm­lich in der grotesken Mischung von Bonhomie und Trottelhastigkeit. Rolf Wanka ist der ernste, sachliche und zuverlässige Beamte, der auch seiner Siebe nicht das Opfer einer Charakterlosigkeit zu bringen vermag. Georg Alexander steht als ein Mann, der alles durchschaut, aber keinen Ehrgeiz kennt, lächelnd über den Dingen. Oskar Sima ist der sehr selbstbewußte, polternde Minister. Ihr Gegenspieler ist Siegfried Breuer, der den ver­schlagenen jüdischen Streher und Geschäftemacher, schleimig und brutal in einer Person, ohne lieber» treibung aber mit geradezu fataler Deutlichkeit gibt. Otto Treßler macht m:t den Allüren des großen Herrn den Konzern-Präsidenten. Sein reizendes Töchterchen ift Irene von Meyendorff, die mit großem Charme ebensoviel Charakter oerbinbet. (Styria-Film.) *

Die Wochenschau bringt viele interessante Bilder von Der Wacht am deutschen Westwall, von Dem begeisterten Empfang, Den Die Berliner Kapitan- leutnant Prien unD seiner tapferen U-Boot-Be- Atzung bereitet haben, und von einem Wunsch­konzert Der Wehrmacht, Das Die VerbunDenheit von Front und Heimat lebendig illustriert.

Fr. W. Lange.

Dienstag, 3l. Oktober (939

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)

Schwerter mit Edelsteinen.

Oie zweite Reichsstraßen-Sammlung des Kriegs-Winterhilfswerkes.

Die Abzeichen.

Für kommenden Samstag und Sonntag ist un­sere Volksgemeinschaft in Stadt und Sand wieder­um auf gerufen, einen weiteren Beitrag für das Kickegswinterhilfswerk 1939/40 zu leisten und damit

die großen Aufgaben fördern zu helfen, die in der jetzigen Zeit gestellt find. Für diese nächste Stra- ßensammlung stehen die Kameraden der SA., der ff, des NSKK. und des NSFK. in geschloße­ner Front zur Verfügung. Zum Verkauf gelangen diesmal Abzeichen besonderer Art, nämlich die Miniaturnachbildungen germanischer Schwerter in den verschiedensten Formen. Diese Schwertabzeichen sind mit zartfarbigen Halbedelsteinen besetzt, und jedes einzelne bildet ein feines Schmuckstück.

Aus Anlaß dieser zweiten Reichsstraßensamm­lung muß sich jeder Volksgenosse vor die Frage gestellt sehen, ob die Spende, die er Den Büchsen Der Kameraden aus Den ©lieDerungen Der Partei übermittelt, nicht nur eine Spende darstellt, son­dern ein Opfer ist, das er der großen Schicksals­gemeinschaft unseres Volkes bringt. Auch diese Straßenfammlung soll einen erneuten Beweis Dafür liefern, daß die Heimat in unverbrüchlicher Treue zur Front steht und sich des Opfers würdig er­weist, zu dem unsere Soldaten vor dem Feinde sich zu jeder Stunde und Minute bereitfinden.

Zur Förderung der Sammlung wird der Musik­zug der SA.-Standarte 116 Platzkonzert ge­ben, für das eine zahlreiche Zuhörerschaft erwartet wird.

Für die nächste Straßensammlung wird von jedem Volksgenossen, Der auch nur einigermaßen dazu in Der Sage ist, Das Doppelte von Dem er­wartet, was er sonst zu geben pflegt. Es muß Dabei berücksichtigt werben, daß nicht die große Anzahl Sammler zur Verfügung steht, wie bei Sammlungen in früherer Zeit. Viele Kameraden aus dem Kreis der SA., Der ff, Des NSKK. unD des NSFK. aus Stadt und Kreis Gießen, wie aus dem ganzen Kreis Wetterau stehen unter Den Fah­nen und liegen zum Teil mit in vorderster Front. Umsomehr gilt es Die Tätigkeit Derjenigen zu unter­stützen, Die nun am Samstag und Sonntag zmn Opfer auffordern!

reitschaft des Deutschen Roten Kreuzes konnten dem Verunglückten keine Hilfe mehr bringen, Da Der ToD bereits eingetreten war. Die Kriminalpolizei nahm sofort Die erforderliche Feststellung vor.

Mit Lebensmittelkarten auf dem Wochenmarkt.

Auch Dem Wochenmarkt sind die Sebensmittdi karten bedeutungsvoll geworden. Die Bauersfrauen« Die mit Butter, Käse und Eiern handeln, haben sich darauf einstellen müssen. Stempelkissen, ©tem* pel und Schere gehören jetzt zum Handwerkszeug der Händlerin. Auf unserem Bilde sieht man eine Bäuerin gerade Dabei, wie sie die Karten einev Kundin mit ihrem Stempel versieht. (Aufnahme z Neuner, Gießener Anzeiger).

Jetzt mehr Rindfleisch effen.

NSG. Durch die Witterungsverhältnisse der letz, ten Wochen, die sowohl in Den Rindergebieten Nord- Westdeutschlands, als auch in Südbayern den Ab« trieb Der Tiere von Den Weiden früher und stärkev einfetzen ließen als in den Vorjahren, sind zur Zeit die Rinderanfuhren auf Den rhein-rnainifchen Märk­ten ungewöhnlich stark. Dazu kommt eine umfang, reiche Anlieferung von Fleisch in Form von Rinber- vierteln, Die aus Schlachtungen aus Den genannten Gebieten stammen. Auf Der anDeren Seite läßt in Dieser Jahreszeit Die Zufuhr von Schweinen zu den Märkten stets nach. Die Bevölkerung muß heute mehr denn je diesem Umstand Rechnung tra­gen und ihren Verbrauch nach den vorwiegend anfallenden Nahrungsgütern richten. Erhöhte Ab« nähme von Rindfleisch und Zurückstellen der Wünsche nach Schweinefleisch ist daher ein Volkswirtschaft« liches Gebot der Stunde, denn es braucht nicht be­sonders betont zu werden, daß jetzt nichts umkom­men darf und das letzte Gramm Fleisch, das DeL menschlichen Ernährung dient, dieser Verwendung zugeführt werden muß. In Kürze werden die Schweine, mit deren Mästung im Spätsommer an­gefangen wurde, schlachtreif, woraus sich ein Aus­gleich der zur Verteilung kommenden Fleischarten ergeben wird.

Gießener Docbenmorktpreiie

Gießen, 31. Oft. Auf Dem heutigen Wochen, markt kosteten: Markenbutter, Yi kg 1,60 RM.«

Oie Gärten des Cäsar.

Bei Den Arbeiten zur Verbreiterung und Ver­tiefung Des Flußbetts des Tibers in Der Nähe Der St.-Pauls-Basilika stieß man auf altes Mauerwerk mit Freskomalereien, aus Denen man schließen konnte, daß hier einstmals die .Gärten Cäsars ge­legen haben, in Denen u. a. die ägyptische Königin! Cleopatra von 46 bis 44 v. Chr. als Gast Cäsars gewohnt hat. Man setzte nach dieser Ent« deckung die Ausschachtungen nur in Handarbeit fort unter Hinzuziehung Der Altertumsbehörben und fand nun umfangreiche Grundmauern antiker Gebäude, zumeist von Staatsgebäuden und Ther­men. Sie stammten aus der Zeit des Kaisers Hadrian und erhoben sich über noch öfterem Mauerwerk, Das mit Sicherheit auf das Ende Der republikanischen Zeit zurückgeführt wirD. An zwei Stellen legte man geometrisches, vielfarbiges Mosaikpflaster frei und wertvolle Freskobilder mit Der Darstellung von sechs Sustbarken mit Ruderern auf einem blauen Grund mit Fischen, Mollusken und Krebsen. Diese luxuriös ausgeschmückten Schiffs in lebhaften Farben mit Göttern, geflügelten Sie­gesgöttinnen und griechischen Inschriften gehören nach Den Dargestellten Gegenständen und dem Kunststil zweifellos Der alexandrinischen Zeit am Die Flußfeste, Die am 24. Juni zur Ehren Der Glücksgöttin ab gehalten würben, sind offenbar auf den Fresken dargestellt. Nach Den Zeugnissen klas­sischer Schriftsteller stanD Der Tempel Der Glücks­göttin am Tiber in Den Gärten Cäsars etwa eine Meile von Der StaDt entfernt. Das alles stimmt genau überein mit Dem jetzigen Funbott. Bei den Ausgrabungen fand man auch noch ein massives Podium, das zu einem bedeutenden öffentlichen oder gottesdienstlichen Gebäude gehört haben muß, wahrscheinlich zu dem Tempel der Göttin, ferner ein Grabmal, auf Dessen Steinen häufig Der Name von Freigelassenen Des Hauses Der Julier, zu denen Cäsar gehörte, wieDerfebrt; man fand auch aus­gedehnte Mauern zur Eindämmung des Flusses mit Sanbunastreppen unb Ringen zum Vertäuen her Schiffe, Vorrichtungen, bie, wie Ovib berichtet, in ber Nähe des Temvels vorhanden waren, da­mit Die blumengeschmückten Boote, bie am 24. Juni Den Fluß hinabkamen, um bie Festteilnehmer zum Tempel zu bringen, dort festgemacht werben konn­ten Da es sich um alexanbrinische Gewölbe handelt, so bringt Professor Iacopi sie in unmittelbaren Zu- fammenhang mit Dem Aufenthalt Cleopatras in bett Gärten bes Cäsar. Danach mären mit Der ägypti­schen Königin auch Künstler aus Alexanbrien nach Rom gekommen. Bei Der Ausbesserung Der GebauDe zur Ieit Habrians waren auch bie Gemälde reno­viert worden. Diese sind jetzt mit aller Vorsicht ab- geklopft morden unb merben im Thermen-Museum in Rom ausgestellt. N°z.