der brinc
was er an
sie das Geld... Was wollen wir noch?"
„Är müßt die Sandner heute fortlocken. Irgend» wie. Kannst doch sonst so gut Handschriften nach« machen. Denkt euch was aus! Man wird sie zu einem Notar bestellen. Man wird ihr den Bries abnehmen. Dann wird sie lange erzählen! Dor Gericht gilt nur, was sie beweisen kann!"
Der Goldzahnige wiegte den Oberkörper hin und her. „Das sind Gangstergeschichten. So was machen Sie mal in Berlin! Ich danke schön. Nee, mit mir
** Luftwaffe konzertiert wieder in Steins Garten. Wie wir auf. Anfrage beim Städtischen Verkehrsamt hören, wird am kommenden Mittwoch das Konzert in Steins Garten wieder stattfinden. Für das Konzert wurde abermals die Luftwaffe unter der Leitung von Musikmeister Pfarre gewonnen. _ _ .
** 2lrbeitsjubiläum. Am 1. August werden es 25 Jahre, daß Fräulein Elisabeth Naumann in den Dienst bei Fr. Kahle, Wetzlarer Weg 11, trat. Als sie arbeitsunfähig wurde, war das, kem Grund, sie fortzuschicken, sondern sie wurde im Haushalt belassen. In alter Treue kommt sie nach besten Kräften ihren noch gebliebenen Pflichten nach. Der Arbeitsjubilarin unseren Glückwunsch.
Straße in Neuruppin.
„Wunderbar! Herrlich! Nun hat sie es!" höhnte Schmal. Er hatte seinen Hunger vergessen.
Schramm antwortete nicht. Er hielt den Kopf tief gesenkt und ging voran. Er rechnete nach, .. .... diesem Geschäft verloren hatte. Er trabte auf den Wagen los und setzte sich hinein. Schmal schien nicht mehr vorhanden für ihn.
Aus der engeren Heimat.
Ehrung eines verdienten Kriegerkameraden.
In unserer Samstag-Ausgabe ist in dem Artikel „Ein Kämpfer für die Volksgesundheit" infolge eines Versehens das Bild des Jubilars Professor Dr. Weber mit dem Bilde des Dichters Knut • Hamsun vertauscht worden, der am 4. Auaust seinen 80. Geburtstag feiert. Wir bringen hier das Bild des bekannten Kreislaufforschers in Bad-Nau- heim, das eigentlich am Samstag hatte erscheinen sollen.
Sprechstunden der Redaktion.
11.30 bis 12.30 Uhr, 16 bis 17 Ühr. Samstagnach- mittag geschlossen.
kehrten heim.
„Das Mädel mühte den Brief heute erhalten haben"» Schramm warf die Zigarre durchs Fenster „aber es ist sehr wahrscheinlich, daß sie den Brief noch nich in der Hand hat."
„Wieso denn? Wenn Sie ihn gestern in den Kasten gesteckt haben, ist er heute früh ausgetragen worden."
„Sonntagspost kommt später. Heute ist schönes Wetter. Junge Mädel bleiben für gewöhnlich Sonn, tag nich zu Hause. Sie hat doch einen Wagen, habt ihr erzählt."
„Sie sprechen böhmisch, Herr Schramm."
„Weil ihr alle keine Grütze im Kopf habt! Wir müssen den Bries bekommen. Es muß eben einer zu ihr hingehen!"
Schmal lachte auf. Es was ein boshaftes Kichern. „Sie phantasieren, Schramm. Wir gehen hin: »Bitte den Brief, Fräulein Sandner! Da steht nämlich was drin von 200 000 Mark, und die können wir besser brauchen als <5ie!‘..."
geschäfte vor, die durch Preiserhöhungen die „Kon- runttur" ausnutzen wollten. ~
Da sah sich die deutsche Reichsregierung am 31. Juli durch die Mobilmachung der gesamten rifl sischen Armee veranlaßt, den „Z u sta n d d r oh e n her Kriegsgefahr", zu erklären und am 1. August, nachmittags 5 Uhr, die „Allgemeine Mobilmachung" zu befehlen.
In diesem Augenblick atmete alles auf, end ch hatte die nervenzerrüttende Spannung ihre Los g
Luftschiff „Graf Zeppelin" über Gießen.
Zu einer großen, wenn auch nicht ganz unerwarteten Freude gestaltete sich am gestrigen Sonntag der Besuch des Luftschiffes „Grch Zeppelin iün>r unserer Stadt. Um 16.32 Uhr erschien das Lustschift über Gießen und zog dann in direktem Flug nach ^°Das Lustschift kreuzte verhältnismäßig lange Zeit über unserer engeren Heimat und konnte von freier Landschaft aus lange beobachtet werden. Wir sahen das Luftschiff vom Heuchelheimer Geiersberg aus bereits lange vor 16 Uhr. Es nahm aber, aus Rich- tunq Frankfurt kommend, kurz vor Gießen Kurs nach Wetzlar und zog dort einige Schelfen, flog sehr langsam, um dann schließlich nach Gießen ckb- zuschwenken. Langsam und mit verhältnismäßig geringem Motorengeräusch zog es m majestätischem Flug über unsere Stadt dahin.
*
Das Luftschiff LZ 130 „Graf Zeppelin" .ist Sonntagmittag um 13.44 Uhr vom Luftschiffhafen Rhein-Main aus zu einer Lcmdungssahtt nach Kassel gestartet. Das Luftschiff nahm Zunächst südlich Kurs und war um 14.43 Uhr über Darmstadt. Es kehrte dann nach Frankfurt zurück umflog einige Zeit den Flughafen Rebstock und stand um 16 10 Uhr über Wetzlar. Dann wurde das Lustschift über Gießen, 16.48 Uhr über Marburg und 17.12 Uhr über Fritzlar gesichtet. Um 18.15 Uhr ist es m Kassel gelandet und um 18.45 Uhr zum Ruckflug nach Frankfurt gestartet. Um 21.02 Uhr kam es wieder in Frankfurt an.
Der Schramm ist gar nicht so dumm! stellte Schmal im stillen fest und sah sich überall um. ob der Brief nicht vielleicht irgendwo liege
Der Kolonialenwarenhändler Schmidt war zu träge, feine Stellung zu verändern. Es lag sich wunderschön auf dem Sofa. „Seit wann verleiht Weder denn Bücher an Gäste des Palasthotels?"
„Och,' öfters 1" fiel Schmal ein, und seine Gold- zähne blitzten. „Liegt ganz dickt bei dem Hotel, die Leihbücherei. Und den Empfangschef kenne ich nut. Ich bin nämlich ein guter Freund von Fräulein Weder."
„Ach so? Ader den Brief habe ich leider nun nicht mehr. Den habe ich eingesteckt. Stand ja die volle Adresse drauf. Bloß 'ne Marke fehlte"
„Die ziehst du das nächste Mal von der Leihgebühr ab!" rief die Frau.
„Ja. Na, und da hab' ich ne Zwölfer raufge- klebt, und der Lehrling hat gestern nachmittag den Brief in den Kasten geworfen."
Schmal und Schramm wankte der Boden unter den Füßen. „In den Kasten gesteckt —?"
»Lawohl, in den Kasten."
„Und die Adresse — stand sie richtig draus?"
Psychose haben Uebereifnge auf vermeintlicke Tater innerhalb der Stadt von der Schußwaffe Gebrauch aemackt ohne jedoch jemanden zu verletzen. Da man auch Anschläge auf Bankinstitute befürchtete __ eine Befürchtung, die vollkommen grundlos wa — wurden diese einige Tage u^er militärischen Schutz gestellt. Man vermute e offenbar, daß Ru fest die sich in dieser Zeit m Nauheim zur Kur aufhielten und bei hiesigen Banken akkreditiert waren, solche Anschläge gusu^en konnten
Die anfängliche Nervosität legte sich bald, dank des ruhigen und ungestörten Verlaufs der Mobilmachung und dank der Erfolge unserer Waffen an den Landesgrenzen. Der Geldverkehr gewann bald wieder fein friedensmäßiges Aussehen und das Vertrauen in unsere Finanzkraft kehrte zuruck.
Als am 4. August auch England uns den Krieg erklärte, da kannte die Erbitterung gegen diesen Feind auch in Gießen keine Grenzen. Selbst einige junge, in Gießen studierende Engländer, äußerten noch am 31. Juli in vertrautem Kreise die Meinung, daß es ganz unmöglich sei, daß ihr Vaterland gegen uns zu Felde ziehen würde — ab 5. August wurden sie schon nach Ruhleben abtransportiert und konnten dort längere Zeit über diese Tat ihres Vaterlandes nachdenken, das sich auch heute wieder als Hüterin der internationalen Moral und Beschützerin des Weltfriedens aufspielt. Wie unsere Soldaten über den Eintritt Englands in den Krieg gegen uns dachten, geht aus dem Ausspruch eines hessischen Landwehrmannes hervor, der bei der englischen Kriegserklärung meinte: „Na, da misse mer ewe e paar Jwersttmde mache." . .
Am 5. August abends gab die Universität in der großen Aula dem Regiment Kaiser Wilhelm Nr. 116 eine akademische Abschiedsfeier, bei der der Rektor,
Geheimrat D. Dr. E ck die Rede hielt, die nach Form, Inhalt und Wirkung auf alle den tiefsten Eindruck gemacht hat. Als die Feier zu Ende war, formierten sich die Teilnehmer und die Tausende, die brauen auf der Straße warteten, zu einem Zuge, um den Oberst und das Offizierkorps unter Äorantritt der Regimentskapelle nach der Zeughauskaserne zu ve SLn wo dem Regiment durch Singen scher Lieder stürmische Huldigungen bargebracht wurden, für die der Oberst in bewegten Worten dankte Am 6 Auaust fand vormittags auf dem Hofe der Neueii Kaserne ein feierlicher Feldgottesdienst statt. Hierauf traten die einzelnen Bataillone ihren schweren Gang an die Kampffront an. T
Die Kaserne war leer, aber vor dem eisernen To stauten sich die Massen der Kriegsfreiwilligen um Einlaß zu begehren. In wenigen Tagen konnten hier 2 Inspektionen von je 1400 Mann zusammen- aestellt werden. Studentische Verbindungen, Schuler höherer Lehranstalten, Kaufleute, Beamte, Lehrer, Bauern, Arbeiter, Jünglinge von 16 Jahren, Manner von 45 und 50 Jahren, Väter mit ihren Söhnen traten an, eine Begeisterung hatte alle ergriffen, wie sie wohl bis dahin niemals in der deutschen Geschichte, selbst nicht in den Befreiungskriegen, in diesem Ausmaß zu verzeichnen war. Keiner wollte in dieser Stunde der Gefahr zurückstehen. Aus diesen geradezu unerschöpflichen Quellen — an mehreren Tagen mußte das Kasernentor geschlossen werden, da man nicht mehr Leute einstellen konnte — wurden dann im Laufe der nächsten Wochen die anderen Kriegssormationen des Regiments 116 gebildet, die, wie ihre Taten bewiesen, es dem totammregp ment an Tapferkeit und kriegerischen Erfolgen ckeich taten. L-u-
konnte. t , E . ,
Anfang August tauchte hier das Gerücht auf, daß ausländische Assistenten hiesiger wissenschaftlicher Institute der Universität Cholera- und Typhus- bazillen gestohlen und die Gießener Wasserleitung dadurch verseucht hätten. Der Oberbürgermeister gab der Bevölkerung den Rat, nur abgekochtes Wasser zu verwenden. Nach einigen Tagen konnte aber der Bevölkerung mitgeteilt werden, daß kem Grund zur Beunruhigueg vorliege. Wie sollten denn auch solche Bazillen in die Wasserleitung, also in die großen Wasserreservoire hineinkommen, da doch diese Behälter unter doppeltem Verschluß und sicherer militärischer Bewachung standen? Infolge dieser
Langsam wandte Schramm den Kopf. Wut blinkte aus seinen wasserhellen Augen; selbst Schmal erschrak. „Wenn du jetzt nich aufhöftt, schmeiß ich dich aus 'm Wagen, und du kannst zu Fuß nach Berlin laufen! Ist das der Dank, daß ich dich gewarnt und dich bei mir ausgenommen habe? Ich will mein Geld wiederhaben! James wird mir’s nich wieder geb en — und du auch nich!
„Na, na! Uebrigens — sagen wir eigentlich du
„Ja. Ich hab' mich noch gewundert, daß da unten auf dem Umschlag „Palasthotel, Berlin" aufgedruckt war. Ader ich dachte, es dauert acht Tage, bis Fräulein Weber wiederkommt, und vielleicht war es eilig."
„Ja, gewiß eilig!" Schmal schöpfte tief Luft. „An Fräulein Charlotte Sandner — das war doch die Anschrift?" m
„Richtig. An Fräulein Charlotte Sandner, Berlin Die Straße —? Die Straße hab' ich inzwischen vergessen. Muß irgendwo im Westen gewesen sein; das dachte ich mir, als ich die Marke aufklebte."
Wie zwei Marionetten standen Schramm und Schmal. In den Kasten geftetft — der Brief wird befördert — sie hat ihn schon ... Aus! dachten die beiden.
„Tja, dann können wir wohl gehen ... Die kleinen wasserblauen Augen Schramms waren völlig ausdruckslos.
„Das war doch wohl so richtig, meine Herren? Schmidt erhob sich.
„Ganz richtig! Goldrichtig!"
Die Zimmertür schloß sich hinter Urnen, dann die Haustür. Sie standen auf der sonntäglichen
ab, dritten Gang 'rein, und dann schiebste die Karre ’n Stück — dann springt die Kupplung 'raus!"
„Nanu, woher wissen Sie auf einmal so gut Bescheid?"
„Ich fahre den Wagen nun lange genug!"
„Ach so, Sie wollten die Kosten für den Wagen auch noch anrechnen? Kommt zum übrigen aufs Verlustkonto." Schmal befolgte Schramms Ratschlag. Die Kupplung sckaltete. sich.
„Und jetzt los, Mensch! Don der Heersttaße ab fahre ich. Man muß nur alles verstehen, was man begreift!" Schramm sah mit seinem massigen Oberkörper aufrecht neben Schmal. Er hatte sich eine Zigarre angesteckt.
Der Wagen rumpelte durch die Landschaft. Manchmal warf der Goldzahnige einen prüfenden Blick zu seinem schweigsamen Begleiter.
Schramms Augen waren zu einem engen Spalt geschlossen. Er rüttelte hin und her, wie die Bewegungen des Wagens ihn warfen. Er Meß den Rauch aus und atmete manchmal heftig.
Schmal wurde dieses Schweigen unheimlich. Was wollte Schramm? Der war doch sonst ein harmloser Mensch — für seine Begriffe roemaftens; lieh Geld und Schmuck und fragte dabei nicht, wie der Verpfänder zu dem Besitz gekommen war. Aber sonst — ? Was hatte er?
Endlich kamen sie nach Nauen. Der Wagen lief wacker. Jetzt waren sie auf der schnurgeraden Straße nach Berlin. Die Autos fuhren in einer langen Schlange hintereinander; die Ausflügler
nich!" -
Die Lichter Berlins röteten schon den Himmel. Schmals Magen knurrte laut.
Nach einer Pause begann Schramm abermals: ,Hch hab ’ne Äee. Ich denke, wir schaffen es bot noch. In der nächsten Kneipe steigen wir aus. 34 spendiere was, Schmal! Heute ist Sonntag. W Mciedl kann noch nichts unternommen haben."
Eine rote Lampe blinkte auf.
Unwillkürlich trat Schmal auf die Bremse. „Das ist denn da vorn? Hat da einer umbeschmissen?'
„Lassen Sie mich ans Steuer!" zischte Schramm- Aber es war bereits zu spät. Ein Motorradfahrer fuhr neben ihnen. „Verkehrspolizei!"
Schmal hielt den Wagen an.
„Ihre linke Lampe brennt nicht. Der Dagen wird auf Verkehrssicherheit untersucht!" .
Der Goldzahnige wurde schneeweiß. „Ach, linke Lampe? Ja, die ist vorhin ausgegangen: nmv wohl durchgebrannt sein. Augenblick mal, Herr Wachtmeister! Komme sofort 'raus." .„
„Bleiben Sie sitzen! Treten Sie auf die Bremse!
Mechanisch gehorchte Schmal. Er fühlte, wie ferne Sttm feucht wurde.
Stopplicht leuchtet nicht", meldete eine Stimme hinter dem Wagen.
„Bitte die Papiere des Wagens? Zulassung! .
„Hier ist die Zulassung und mein Führerschein. Ich habe bloß mal meinen Freund fahren lassen.
(Fortsetzung folgt)
tödlich. Ferner erlitt ein Passant, der^von einem anderen, zur Notlandung gezwungenen Flugzeug erfaßt wurde, Verletzungen, denen er e r l a g.
Landkreis Gießen.
u. Beuern, 31. Juli. Am heutigen Montag, 31 Juli, kann Frau Marie Huber auf eine 30» jährige Tätigkeit als Hebamme zu- rückblicken. 425 Erdenbürgern hat sie wahrend dieser Zeit ins Leben geholfen. Geschicklichkeit und Umsicht zeichnen sie im Besonderen aus. Sie erfreut sich überall in den Familien unseres Ortes größter ^△S?uT?n, 30.3uIt Morgen kann eine unserer ältesten Einwohnerinnen, Christine Arnold, die Witwe des Landwirts und Geschirr- Händlers Konrad Arnold, ihren 8 3. Geb u r t s tag feiern. Die Greisin erfreut sich noch körperlicher Rüstigkeit und ist geistig noch sehr rege^Als Geschäfts- frau ist sie mit ihrem verstorbenen Mann und ihren Kindern weit gereift, hat sie doch nicht nur wie die übrigen Geschirrhändler unseres Dorfes alljährlich die Geschirrmessen der Großstädte West- und Sud- deutschlands bis Karlsruhe und Freiburg bereist, sondern auch als einzige die Schweizer Meßen von ^-^L i ch?3L Juli. Im August wird Postverwalter Röhrig unsere Stadt verlassen, nachdem er fünf Jahre das hiesige Postamt als Vorsteher geleit^ hatte. Er wurde zum Postmeister ernannt und nach Gießen versetzt; nur ungern sieht die hiesiae Be- völkerung den gewissenhaften und stets freundlichen und entgegenkommenden Beamten scheiden. Als Nach- folger wurde Oberpostverwalter Nagel vom Post- amt Wöllstein in Rheinhessen nach hier versetztt Er tritt sein neues Amt am 15. August an.
Kreis Wetzlar.
Der Lange öffnete die Haube des Motors. Seine Finger griffen hierhin und dorthin. Es war reine Nervosität. „Deshalb also die ganze Mühe!" schimpfte er leise vor sich hin. „Erst das Mädel beobachtet und sich verdächtig gemacht, bann ausgerückt und kein Geld mehr verdient — und alles wegen James mit dem großen Maul!"
„Na, wollen wir nich nach Hause?" Schramms Stimme, die Stimme des behäbigen Kleinbürgers, mit der er so oft zu täuschen verstand, hatte sich gewandelt; sie klang bissig, dabei dumpf und drohend.
Der Goldzahnige zuckte die Achseln. „Nun ist's ja ziemlich einerlei, wann wir heimkommen. Dehnen wir sie ruhig noch 'n bißken aus, die Landpartie!" Dabei klappte er die Haube zu. Es war ja doch sinnlos, ob er was nachsah; er verstand nichts von Motoren. Lanasam stieg er ein. Der alte Motor sprana brav an. Ader der erste Gang wollte sich nicht einschieben.
„Die Kupplung klemmt sich!" rügte Schramm dose; er war gänzlich verändert. „Stell den Motor
oder Sie?" ,
„Mir gleich. Wenn ich gereizt bin, sage ich du. „Na, schon! Also was denn? Die Sandner hat den Brief. Morgen geht sie zu einem Notar, und ’ igt ihn zu Gericht. Fertig! Dann bekommt Geld ... Was wollen wir noch?"
•Qltei Werten
Roman von Harald Baumgarten
Copyright by Carl Duncker Verlag, Berlin W 35
29. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
Der Kaufmann Emil Schmidt lag in Hemdsärmeln auf dem Sofa. Das Radio spielte, und er blätterte in der neuen Funkzeitschrift, um ein genußreiches Nachmittagsprogramm zu finben. „Tag, meine Herren! Was soll es denn mit dem Brief? Ich habe mir nämlich die .Australische Pflanzenwelt' ausgeliehen."
„Stimmt! Das steht hier!" UndS chramm lächelte gewinnend. „Ich habe doch vom Kollegen Weber die Bücherei übernommen. Ja, die Tochter war auch ganz erstaunt, als sie gestern nach Haufe kam. Es wurde Weber zuviel. Und da kommt gestern abend ein Kunde und ist ganz aufgeregt, er hätte in seinem Buch einen wichtigen Brief liegengelassen. Ob
wir den nicht gefunben hätten? Ja: „Australische Pflanzenwelt." Ja, und da bin ich gleich mit meinem Freund losgefahren zu Ihnen."
* Lollar, 31. Juli. Am gestrigen Somttaa be° i suchten Führer und Beirat der Kriegerkameradschaft Lollar ein langjähriges treues Mitglied, den Kameraden Heinrich D a u e r in Hachborn. Bauer war fast 20 Jkhre lang Fahnenträger der Kriegerrame- radfchast Lollar und trug als solcher die fast 200 Jahre alte Dürgergardenfahne schon 1929 auf dem Reichskriegertag in München. Für sein langjähriges treues Durchhalten in der Nachkriegszeit wurde ihm vom NS.-Reichskriegerbund das Kyffhäuserehren- zeichen 2. Klasse verliehen. Von der Kriegerkamerad- schäft Lollar wurde er zum Ehrenmitglied ernannt Der Kameradschaftsführer D aub ert dankte Bauer für feine langjährige Treue und überreichte ihm bre Ehrenmitgliedurkunde, sowie die neuen Bundesabzeichen des NS.-Reichskriegerbundes. Bauer dankte für die ihm gewordene Ehre, worauf die Kameraden noch einige angenehme Stunden in bester Kameradschaft verweiltem An dem am 27. August am Tannenbergdenkmal ftattfinöenben Staatsakt wird auch die Kriegerkameradschaft Lollar durch chren Kameradschaftsführer vertreten sein.
Motorrad- und Autodiebe verhaftet.
Laubach, 30. Juli. Vor einigen Tagen wurde nachts aus einer offenen Vorhalle einer hiesigen Reparaturwerkstätte ein Personenkraftwagen gestohlen. Die Diebe hatten zuvor (wir berichteten bereits ausführlich darüber) eine Beiwagenmaschine, die von ihnen am Tage vorher bei Morgengrauen in Nieder-Mörlen gestohlen worden war, vor dem Stadteingang am Straßenrand stehen gelassen und mit dem gestohlenen Auto das Weite gesucht. Durch den Polizeifunk konnten die beiden Täter, die jetzt ihrer verdienten Strafe entgegensehen werden, noch am gleichen Tage in der Nähe von Götttngen e r - mitt eit und verhaftet werden.
Zwei Unfälle beim Lustrennen.
Lpd. Frankfurt a. M., 30. Juli. Bei dem am , Sonntag in Frankfurt a. M. stattgefundenen 2. I n- : ternationalen ßuftrennen ereigneten sich ; zwei Unfälle. Bei dem einen der zum Austrag ge- - kommenen Rennen verunglückte der Flugzeugführer Taxis infolge unfteiwilliger Bodenberührung
* Lützellinden, 31. Juli. Der B^gmann L R. Heinrich Luh von hier feierte am Scmntag 30. Juli feinen 80. Geburtstag. Der Jubilar ist geistig und körperlich noch sehr rüstig, Er ist Mitglied des Reichskriegerbundes und nimmt mch an allen Geschehnissen lebhaften Anteil. Wir beglück- wünschen nachträglich zum Geburtstag.
„Wir standen und schwiegen, nun ist es vorbei, Vorbei bas Zaudern und Zagen, .
Hin über die Lande schwingt sich ein Schrei, Ihr wollt es, so solll chr es haben.
Die vollziehende Gewalt war in dlesem. Augenblick auf die Militärbehörde, m unserem Bezirk auf den Kommandierenden General von Scheck uberge gangen. Nun wußte man auch in flehen, daß Ruy Snb Orbnung, MM-r-s und -nergifch-- H°nb n Platz greisen würden. Man wußte, daß u [ Heeresleitung die gesamte Mobilmachung bis in das SS* Uick das gab dem ganzen Volk die innere Ruhe wieder. An die Stelle ungeheuren Spannung war eine oon tiefem Ernst erfüllte Begeisterung getreten. Jeder suhlte un mufcte jetzt geht es um Leben und Sein unseres Vaterlandes. Vor der Schriftteitung des „Gießener Anzeigers" stauten sich in den Nachmittagsstunden de/^August die Menschenmassen und brachten, als die Mobilmachungsordre bekamtgegebm wurde jubelnde Begeisterung aus. Geheimrat Professor D . ffi Sönig, ber sich unter Der Menschenmenge befand trat aus einige Treppenstufen unb hielt von innerer Begeisterung ergriffen, eine turae S^enbe Ansprache, in der er auf den Ernst der totunae, aber auch auf bie Berpftichtung hmwies, bie ufet jebem einzelnen auferlegt sei. Wer e ®tunben miterlebt hat, wird sie me vergessen. Aller innerer Hader war überwunden, alle Standesuitterschiede und jeder konfessionelle Zwist war^ausgeloscht. Arn 2. August sand eine erhebende ^Stadtverordnetenversammlung statt, in der Oberbürgermeister K e l l e r i™Tr ihm eigenen rednerisch vollendeten Form auf bie Bedeutung der Stunde und auf die Aufgaben h^mvies die der Stadtverw^tung in der kommenden schweren Zeit oblagen. Emmuttg stellte sich die Versammlung hinter ihr Stadtoberhaupt.
Die Schulen würden geschloßen, die Jugend zur Lantchilfe aufgerufen — die Vorsehung hatte uns für 1914 eine gute Ernte beschert — eine Bekanntmachung für den freiwilligen Eintritt m das Heer erlassen und eine Fülle von Verordnungen veröffentlicht die die militärischen Vorderettungen, das Verkehrswesen, die Sicherheit und Ruhe im Lanoe sicherstellen sollten. Es hat wohl kaum jemanden m Gießen gegeben, der nicht in irgendeiner Formatton, sei es im Roten Kreuz, der Bahnhofsverpflegung der durchfahrenden Truppen, der Versorgung der Bevölkerung mit Lebensrnitteln, der sozialen tfur» sorge usw. mitgewirkt hätte.
Daß in solchen Zeiten nervöser Hochspannungen Gerüchte aufkommen, weiterverbreitet und leider auch geglaubt werden, ist bedauerlich, aber erklärlich So hat auch in Gießen die Spionenfurcht und die Furcht vor Sabotage ihre Blüten getrieben. Auf das berühmte, aber sagenhafte Auto^das angeblich auf Grund sicherster Nachrichten 80 Millionen Mark in Gold von Frankreich nach Rußland verbringen vllte, wurde auch in Gießen und Umgegend Jagd rcmacht und erzeugte manche recht unliebsame ®r= cheinung, so daß die Militärbehörde energische Maßnahmen gegen diese übereifrigen „Autoiager ergreifen mußte. Bei ruhiger Ueberlegung hatte jeder sich ausrechnen können, daß man eine solche Menge Gold gar nicht in einem Auto befördern


